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Full text of "Kleinasiatische Denkmäler aus Pisidien, Pamphylien, Kappodokien und Lykien ..."

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BOUGIIT WITH MONEV 



THE SOCIETY 



THEOLOGICAL EDUCATION 



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SXTJOXEN 

CHRISTLICHE DENKMÄLER. 

HER^USGEGBSKN VON 

JOHANNES FICKER. 

NEUE FOLGE DER ARCHÄOLOGISCHEN STUDIEN ZUM CHBISTLICHEN 

ALTERTUM UND MITTELALTEE. 

&. U. 6. HEFT. 



KLEINASIATISCHE DENKMÄLER 

AUS 

PISIDIEN, PAMPfllXIBN, KAPPADOKIEN 
UND LYKIBN 

DARSTELLENDER TEIL 
VON 

HANS ROJTT 



NEBST BEITRÄGEN VON D«. K.MICHEL, L. MESSERSCHMIDT 
UND Dr. W. WEBER 



HIT UNTERSTÜTZUNG UER CUNITZ-STIFTUNU IN STRASSGURO 



LEIPZIG 
DIETERICH'SCHE VERLAGS-BÜCHHANDLUNG 

THEODOR WEICHEK 



In demselben Verhxge ist erschienen: 



Evangelischer Kirchbau 

von Johannes Ficker 

mit Planen ausgefflhrter unb für bfe flusfflhning ent- 
worfener kleiner Kirchbauten von E. FDrstenau u. a. 



35 Seiten 4' mit 43 flbbilbungen. m. 3.50. 



Aus dem Vorwort: 

Die folgenden Ausführungen sind in der ersten Sammlung der 
erweiterten lothringischen Pastoralkonferenz in Metz vorgetragen worden, 
am 9. Dezember 1903. Sie warden für den Druck etwas erweitert, doch 
ist der Vortrag sonst möglichst unverändert gelassen. Gerade das Per- 
sönliche mochte ich nicht verwischen. Aus der Praxis für die Praxis 
wollte ich reden; darum führte ich die Beispiele aus der eigenen Er- 
fahrung an. Für Grundsätzliches verweise ich auch auf meine Schrift 
„Druck und Schmuck des neuen evangelischen Gesangbuches für Elsass- 
Lothringen.^* Von Anfang an habe ich die Herausgabe von Plänen mit 
Kostenanschlagen vorgehabt, einer grösseren Anzahl, als sie im folgenden 
dargeboten werden, und ich hoffe auch später noch eine reichhaltigere 
Sammlung von Entwürfen der Bauten vorlegen zu können, bei denen ich 
irgendwie — natürlich nicht an der künstlerischen Arbeit — beteiligt 
gewesen bin. Die Notwendigkeit gebot, nicht länger zu warten, und so 
biete ich, was jetzt eben geboten werden kann, wobei ich den Kirchen- 
und Gemeindevertretungen sowie meinem Freunde Eduard Fürstenau für 
die Überlassung der Entwürfe und Herrn Baurat Lambert in Stuttgart 
für die Zeichnung des Orgelprospekts in Weingarten den lebhaftesten 
Dank bezeuge. Die Aufgaben, die ein Kirchbau stellt, werden oft nicht 
recht verstanden und nicht immer in ihrer ganzen Grösse gewürdigt. 
Ich erachte diese Aufgaben für hoch und dringend und die energische 
gemeinsame Arbeit mit den Baumeistern für die Theologen als ganz un- 
umgänglich. Es handelt sich bei jedem Kirchbau um einen wichtigen 
Dienst an unserer Kirche und an unserem Volk. 



STUDIEN 
ÜBER CHRISTLICHE DENKMÄLER 



STUDIEN 

ÜBER 

CHRISTLICHE DENKMÄLER 

HKR AUSGEGEBEN 
VON 

JOHANNES FIOKER 



XEUE FOLGE 

DER ABCHÄOLOGISCHEK STUDIEN ZUM CHRISTUCHEN 

ALTERTUM UND MITTELALTER 



FÜNFTES UND SECHSTES HEFT 



LEIPZIG 

DIETEKICH'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

THEODOR WEICHER 

1908. 



fl* 



KLEINASIATISCHE DENKMALER 

AUS 

PISIDIEN, PAMPHYLIEN, KAPPADOKIEN 

UND LYKIEN 

DARSTELLENDER TEIL 

VON 

HAN S ROTT 

NEBST BEITRÄGEN VON Dr. K. MICHEL, L. MESSER SCHMIDT 

UND Dr. W. WEBER 



MIT 6 TAFELN, 130 ABBILDUNGEN IM TEXT UND EINER 
ARCHÄOLOGISCHEN KARTE VON KLEINASIEN 



MIT UNTERSTÜTZUNG DER CUNITZ-STIFTUN6 IN STRASSBURG 




LEIPZIG 

DIETERICH'SCHE VERLAGSBÜCHHANDLUNG 
l'HEODOR WEICHER 

1908. 



Harvard University. 

Divinily School Library 



Vorwort. 

Mit der vorliegenden Arbeit trage ich in bescheidenem Maße 
den Manen unseres unvergeßlichen Fr. X. Kbaus eine Dankesschuld 
ab. Hat doch er an der Klärung und Lösung der byzantinischen 
Frage als einer der vordersten und weitschauendsten mitgewirkt. 
Kurz vor seinem Hingang noch gedachte er durch eine Reise nach 
Ägypten seine Kenntnisse der orientalisch-christlichen Kunst ver- 
möge eigener Anschauung zu erweitem. Das Schicksal hat ihn 
uns entrissen, noch zu früh. In der Mehrung und Publikation von 
Vergleichsmaterial aus dem östlichen Kunstkreis hat er mit Recht 
die unumgängliche Vorbedingung gesehen für die Möglichkeit einer 
endgültigen Beurteilung des Verhältnisses von abend- und morgen- 
ländischer Kunst wie des Wesens der letztern überhaupt. 

Daher trug ich mich seit geraumer Zeit mit dem Gedanken, 
so weit es in meiner Kraft stehe, zur Erhellung jener Fragen durch 
eigene Forschungen im Orient selbst beizutragen. Im Jahr 1905 
wurde mein Plan insoweit ermöglicht, daß mir zur Inangriffnahme 
der projektierten Arbeit die Mittel der Piperstiftung überlassen 
wurden. Da traf es sich günstig, daß mein Unternehmen mit dem- 
jenigen zusammenfiel, das Prof. J. Fickek in Straßburg seinerseits 
ebenfalls entworfen und in der Person Dr. K. Michel's bereits in 
Angriff genommen hatte, worüber dieser an seiner Stelle noch näher 
berichten wird. Wir schlössen uns daher beide zu gemeinsamer, 
einheitlicher Arbeit zusammen und traten im Frühjahr 1906 die 
Reise ins Innere Kleinasiens an. 

Meines Begleiters Dr. K. Michel gedenke ich hier an erster 
Stelle. Viele Monate hindurch ist er mir ein treuer Gefährte 
gewesen, in Leid und Freud, in den Fährlichkeiten und Mühselig- 



VI Vorwort 

keiten, um die nur Vertraute und Kenner Inneranatoliens wissen. 
Öfters hat mich sein zäher Mut in der Arbeit aufrecht erhalten, 
wenn ich sah, wie er trotz fiebergeschwächtem Körper im Sattel 
verharrte und manches Mal schier Unmenschliches aushielt. Der 
zweite Dank gilt Prof. J. Ficker in Straßburg und Prof. Viktor 
ScHuiiTZE in Greifswald. Während ich dies niederschreibe, gedenke 
ich des stillen, gastlichen Hauses am Karlsplatz der pommerschen 
Universitätsstadt, in dem ich wochenlang ein und aus ging, der 
treuen hingebenden Gesinnung des Meisters, mit dem ich lernend 
zusammensaß, als wäre er nicht der Gebende, nicht der Lehrende. 
Seit der Plan der Orientreise meinerseits zur Verwirklichung 
kam, wurde J. Ficker in Straßburg die Seele des gemeinsamen 
Unternehmens. Daß die an Erträgnissen ergiebigere Herbstreise nach 
Kappadokien durchgeführt werden konnte, ist hauptsächlich sein 
Verdienst. In selbstlosester Weise mühte er sich um die Be- 
schaffung der bedeutenden Geldmittel, die hierzu nötig waren, und 
fügte durch die Drucklegung der Arbeiten in den „Studien" zu 
den bisherigen Opfern ein neues. Mit hoher Bereitwilligkeit kam 
uns die Verwaltung der eben in Wirksamkeit getretenen Cunitz- 
stiftung in Straßburg entgegen. In frühreifer Erkenntnis der Auf- 
gaben, die auf dem Gebiet der christlich-orientalischen Kunst und 
Archäologie in Zukunft zu leisten sind, ermöglichte sie mit einer 
bedeutenden Unterstützung die Forschungsreise des Herbstes und 
gewährte auch schließlich die nicht geringen Mittel, die notwendig 
waren zur Herstellung des bildmäßigen Schmuckes in den „Studien". 
Auch einer weitern Reisebeihilfe des Kaiserlichen Herrn Statthalters 
in Elsass-Lothringen sei hier noch besonders gedacht. Daß wir 
beiden Elsässer für diese wertvollen Förderungen durch die Tat 
unsern Dank abstatten können, erfüllt uns mit nicht geringem Stolz. 
Nicht zum wenigsten suchten wir als einstige Söhne unserer Landes- 
Universität im Sinne der Cunitzstiftung zu handeln, der die „Pflege 
der Wissenschaft im Elsaß" auf ihr Programm geschrieben ist. 
Möge die jüngste deutsche Univei-sität und an ihr die Cunitzstiftung 
in diesem großherzigen, weitschauenden Sinn weiter wirken zur 
Förderung hoher Aufgaben deutscher Wissenschaft. 



Vorwort VII 

Es bedürfte vieler Blätter, um im einzelnen zu schildern, auf 
welche Weise die Forschungsreise durchgeführt werden konnte, von 
welchen Seiten und auf welchen Wegen die Mittel zusammenflössen 
zur Vollendung unseres Programms, um nach Gebühr zu melden, 
wer mit Herz, Tat oder aufmunterndem Wort mithalf, wer teilnahm- 
los, selbstisch und opferscheu aus- und zurückblieb. Die einfluß- 
reichen, geräuschvollen, pflichtbetroffenen Namen fehlen jedenfalls 
unter den ersteren. Diesen allein möchte ich durch die bescheidenen 
vorliegenden Gaben den Dank abgestattet wissen. 

Noch einige erläuternde Worte hinsichtlich der vorstehenden 
Arbeit selbst, deren die Ergebnisse darstellender und beschreibender 
Teil hiermit meinerseits erscheint, dem sodann mein Begleiter, 
Dr. Michel, die systematischen und historischen Ausfüllrungen in 
einem weiteren Heft folgen lassen wird. Der Zweck der Reise 
selbst war also, weitere Bausteine zu einer Geschichte der Archäo- 
logie und Kunst des christlichen Ostens zu liefern. Mehr als ein 
erstmaliger Versuch möge das Unternommene und Erreichte nicht 
gelten. Denn das Arbeiten im Orient bedarf breit angelegter, 
systematischer Vorstudien und bleibt am Ende Sache allmählicher 
Erfahrung und Eingewöhnung. W. Eamsay's Forschungen belehren 
uns darüber am besten. Ich habe zum erstenmal unvermittelt den 
Osten betreten, und bei den doch immerhin bescheidenen Mitteln 
konnten wir beide, in allem auf uns allein gestellt, nicht die Früchte 
einer wohlausgerüsteten, unter Arbeitsteilung stehenden Expedition 
heimbringen, sondern nur bei rascher Durchreise durch mehrere 
Provinzen einmal in orientierender Weise festzustellen versuchen, 
ob und wieviel überhaupt in Anatolien an Monumenten christlicher 
Epoche vorhanden ist. Fehlen doch zur Zeit noch alle Vorarbeiten 
topographisch orientierender Natur nach dieser Richtung hin. Ent- 
mutigend waren teilweise die vielen negativen Feststellungen, d. h. 
der erbrachte Nachweis, daß die christlichen Denkmäler im Westen 
Anatoliens größtenteils bis auf die Fundamente herab zerstört sind 
und daß selbst im zentralen Kappadokien infolge des geistigen und 
wirtschaftlichen Aufschwunges der letzten Jahrzehnte der weitaus 
größere Teil der Monumente durch Abbruch und Einsturz vernichtet 



VIII Vorwort 

ist, was sich an der Hand von A. Levidis' Beschreibungen leicht 
konstatieren ließ. Es heißt deshalb eilen, um das leidlich Erhaltene 
wenigstens zu retten. Im übrigen gilt es, zum Spaten zu greifen, 
um das Wertvolle und ai-chitekturgeschichtlich Interessante — 
und da birgt der Boden Anatoliens eine reiche Fülle — freizulegen, 
indem wir den Beispielen von Hingebung und Opfersinn klassischer 
Archäologen folgen. In einem Aufsatz der „Zeitschrift f. Geschichte 
der Architektur" I, Heft 6 habe ich ausführlich darauf hingewiesen, 
welche Arbeiten im Orient zu verrichten und wie dringlich die- 
selben geworden sind. Der vorliegende Anfang möchte deutscher- 
seits — im Ausland ist man auch darin schon weiter — ermuntern 
und zu Besserem und Reichhaltigerem anregen. 

Die Kenner des Orients werden am ersten die Nachsicht üben, 
um die ich bei den vorliegenden Studien im einzelnen bitte, be- 
sonders bei den photographischen Aufnahmen, die mir namentlich 
in den flüstern, sehr engen Höhlen Kappadokiens oft unüberwindliche 
Schwierigkeiten entgegensetzten. Feuchtigkeit in den Odas und 
Sturzregen richteten Blitzlicht und manche Platte zu Grunde. 
Bei manchen Photographien, namentlich den Fresken, von denen 
der größere Teil im nächsteh Heft erscheint, hielten wir eine 
Wiedergabe in genauen Nachzeichnungen für zweckdienlicher. Die- 
selben sind vermittelst Netzes aufs treueste nach den Original- 
abzügen durchgezeichnet. Auch bei den Vermessungen ist das Mög- 
lichste hinsichtlich der Genauigkeit in Anbetracht der örtlichen 
Verhältnisse geschehen, mehrfach wurden Mauerzüge freigelegt,, und 
vor allem ist jede Choranlage, was namentlich bei den kappado- 
kischen Kirchen unumgänglich notwendig war, durch Segmente 
ausgemessen worden. Daß bei den Höhlenkirchen durch Ausstecken 
mit dem Bandmaß nur eine annähernde Exaktheit erreicht werden 
konnte, versteht der Fachmann. Ebenso deuten die Kreisbogen der 
Pläne die Wölbung nur allgemein an, da die Bestimmung der 
Scheitelhöhen allzu zeitraubend gewesen und vielfach mangels 
genügender Anhaltspunkte auch unmöglich war. Dafür ist dann 
überall die Orientierung festgelegt, was bei den Höhlenanlagen mir 
besonders wertvoll dünkte wegen ihrer Genesis. 



Vorwort IX 

Gerne hätte ich die monotone Aufzählung der Bilderzyklen 
vermieden. Indessen schien' es mir geboten, da- bei dem herab- 
gekommenen Zustand der Malereien eine bildliche Wiedergabe, sollte 
es nicht eine Barbarei für jedes anspruchsvoUere Auge sein, in den 
allermeisten Fällen unmöglich war, eine lückenlose Aufzählung des 
noch Vorhandenen und Feststellbaren zu geben , um den ikono- 
graphischen Kreis dieser Höhlenkunst zu bestimmen. Die Ent- 
zifferung der Fresken, die oft nichts mehr als Farbenreste sind, bei 
der vielfach herrschenden Finsternis ini Innern, kostete uns un- 
endliche Mühen und Zeit, um die Kätakombenforscher schon wissen 
werden. Indessen ist kein Bild aufgezählt, dessen Bestimmung 
nicht auf gegenseitiger, wetteifernder Kontrolle beruhte, so daß ich 
deshalb in diesem Punkt zum Trost wohl versichern kann, daß 
Irrtümer^ wo eine Deutung im Bereich der Möglichkeiten liegt, fast 
ausgeschlossen sind. Die Namen der Kirchenbauten entstammen 
teils der Bezeichnung der Umwohner, teils der Namensgebung des 
Kappadokiers Levidis, die meist auch damit stimmte oder leicht 
mit dem betreffenden Monument an der Hand der Beschreibung 
sich identifizieren ließ. Zur Milderung der trockenen Wissenschaft 
habe ich den oder jenen Strich angebracht, um die Psyche einer 
und der andern Örtlichkeit zu wecken, und manche Bemerkung ein- 
gestreut, die uns in der Gegenwart lebende Menschen ebenso stark 
als das Vergangene interessieren muß. Der wissenschaftlich peinlich 
bei der Stange arbeitende Fachgelehrte mag es gelten lassen. Auf 
der andern Seite suchte ich es zu vermeiden, die Reiseliteratur zu 
vermehren. Hinsichtlich der äußern Form möchte ich schließlich 
bemerken, daß die alsbaldige Verarbeitung und Niederschrift der 
Resultate in eine Zeit fiel, wo ich leider allzu oft von bösen Fiebern, 
den Nachwehen der Reise, heimgesucht war. 

Von den im Anhang veröffentlichten Inschriften, die wir auf 
unsem Wanderungen nebenher kopierten, und deren Bearbeitung 
Dr. W. Webeb in Heidelberg in freundlichster Weise wie auch die 
Mitkorrektur von Druckbogen übernahm, war eine große Zahl aller- 
dings bereits bekannt, da der Inschriftenapparat der Wiener durch 
ein seltenes Mißgeschick uns im Innern des Landes nie erreichte, 



X Vorwort 

SO daß wir eine bereits erfolgte Abschrift nie feststellen konnten. 
Zur Kontrolle der STEERET'schen Kopien haben aber auch in 
diesen Fällen die unsrigen ihren Wert behalten. Bei meiner Tran- 
skription der im Text veröffentlichten In- und Beischriften habe ich 
zur Erzielung einer einheitlichen Diktion und der allgemeinen Ver- 
ständlichkeit die Wiedergabe in klassischem Griechisch nach einigem 
Schwanken vorgezogen. Den Herren Oberkons.-Kat Dr. Ph. Meyer 
in Hannover und Prof. v. Dobschütz in Straßburg , die mir bei der 
Enträtselung der byzantinischen Inskriptionen helfend zur Seite 
standen, sage ich meinen allerherzlichsten Dank. 

Ebenso gedenke ich der nicht geringen Geduld und der hin- 
gebenden Fürsorge, die der Verleger, Herr Th. Weicher in Leipzig 
der Arbeit während ihrer leider etwas langen Drucklegung an- 
gedeihen ließ, wie auch der säubern Arbeitsleistung der ßuchdruckerei 
von G. Kkeysing daselbst. Dankbaren Gruß sende ich auch auf 
diesem Weg unsem deutschen Konsuln in Anatolien , Dr. Loytvet 
in Konia und Herrn Chbistmann in Mersina, die mit warmem 
Interesse unsere Pläne förderten. Am Ende sei des treuen jüdischen 
Dieners gedacht, den ich jedem wissenschaftlichen Forscher in 
Anatolien aufs wärmste empfehle. Auf dem Konsulat in Konia 
wird man jederzeit seine Personalien erfahren. 

Heidelberg-Straßburg, in den Märztagen 1908. 

Hans Bott. 



Abbildungen. 



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Seite 

Taf. I. Kirchenruine von Dere Ahsy in Lykieu 1 

U. Säulenreihe auf der Aladja Jaila 17 

III. Fresken in der Höhlenkirche der Analipais zu Gereme ... 81 

IV. Nördliche QuerschifFwand der DoghalikliBse zu Grereme . . . 225 
V. Die VerfolgUDg des Johannes in einer Höhlenkapelle zu Gereme 28 1 

VI. Jüngstes Gericht in der Jilanliklisse zu Peristrema 271 

Abb. 2. Holztur in der DjumanUn Djamisi zu Adalia 1 

3. Moschee in Islamkoi bei Isbarta 11 

4. Relief in der Medrese zu Aghras (Agrä), Pisidien 13 

5. Kirchenruine im Osten von Aglasun (Sagalassos) 15 

6. Inneres des Sarychans bei Ayanos 22 

7. Der Pafi von Ariassos bei Bajamatsch 24 

8. Kirchen unterhalb der Klimax von Döschembe 27 

9. Sarkophag von Ewdechan bei Adalia 29 

10. Inneres der DjumanUn Djamisi (Kirche der Panagia) in Adalia 38 

11. Durchblick von Süden durch die beiden Ostarkaden der Dju- 
manUn Djamisi 84 

12. Säulenkapitäl im südlichen Nebenschiff der Djumanün Djamisi 85 
18. Pfeilerkapitäl im nördlichen Schiff der Djumanün Djamisi . . 36 

14. Südliche Narthextür an der Djumanün Djamisi 87 

15 a u. 15 b. Reliefstücke in der äufiem Chorwand der Djumanün Dj. 88 

16. Chorummauerung der Djumanün Djamisi 39 

17. Tür und Verdachung der Südmauer an der Djumanün Djamisi 41 

18. Grundriß der Djumanün Djamisi in Adalia 48 

19. Untere Kirche (A) von Perge 47 

20. Obere Kirche (B) von Perge 49 

21. Plan der obem Kirche (B) von Perge 51 

22. Perge vom Theater aus 54 

28. Torturm bei G<)werdjinlik, östlich von Aspendos 60 

24. Statue der Hera in Side 62 

25. Kirchenruine zu Side (Eski Adalia) 64 

26. Fresko und Belief der Stephanskirche auf Nis, Egerdir ... 86 

27. Plan der Stephanskirche auf Nis im Egerdirgöl 87 

28. Fresko an der Nordwand der Stephanskirche auf der Insel Nis 90 

29. Römische Wasserleitung von Tyana 101 

80. Konstantinskirche von Eski Andaval (Andaballis) bei Tjana . 104 

31. Kirchenfassade von Eski Andaval (Andaballis) bei Tyana . . 106 

82. Tür in Semendre HO 

83. Grabrelief in üluatsch 111 



V 

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1» 



Xn Abbildungen 

Seite 

Abb. 34. Römische Säule bei Enegil 118 

, 35. Felsengrab bei Enegil 120 

, 36. Höhlenkirche (A) im Soandere 125 

, 37. Höhlenkirche (B) im Soandere 127 

, 38. MUnchilklisse im Soandere 128 

a 39. Abendmahlsszene in der Balyqklisse im Soandere 131 

, 40. Die Akkilisse im Soandere 133 

f 41. Plan der Karabaschklisse im Soandere 135 

, 42. Kreuzigung in der Karabaschklisse 137 

, 43. Beliklisse im Soandere 140 

, 44. Plan des Säulenumganges der Beliklisse 142 

, 45. Säulenumgang der Beliklisse im Soandere 143 

« 46. Paraklission der Eustathiuskapelle 146 

, 47. Auferstehung Christi in der Barbarakirche, Soandere .... 148 

, 48. Georgskirche von Ortakoi 149 

, 49. Eski Djami (Eustathiuskirche) in Mauriziankoi . . . . 152 

y 50. Talas bei Caesarea, von Norden her 157 

« 51. Tschanliklisse zu Gereme am Argäus 162 

, 52. Tschanliklisse zu Gereme am Argäus, von Westen her . . . 164 

, 53. Die Kirche der Panagia zu Gereme am Argäus 165 

. 54. Die Kirche der Panagia zu Gereme am Argäus. Plan . . . 167 

„ 55. Chor der Panagiakirche zu Gereme am Argäus 168 

, 56. Grab zu Gereme am Argäus 171 

. 57. Kirche (Monastir) zu Sali bei Ciscissus 173 

„ 58. Armenisches Kloster zu Tomarza 179 

, 59. Kirche der Panagia zu Tomarza 181 

r 60. Panagiakirche zu Tomarza (Plan) 183 

, 61. Chor der Panagiakirche zu Tomarza 184 

, 62. HaupttUr an der Panagiakirche zu Tomarza 186 

, 63. Plan der Panagia zu Busluk-Fesek 188 

, 64. Kirche der Panagia zu Busluk-Fesck 189 

, 65. Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi 193 

, 66. Plan der Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi . . . 194 

, 67, Chor der Vierzig Märtyrerkirche bei Skupi 195 

, 68. Ochsenrelief an der Nordostecke der Vierzig Märtyrer . . . 196 

, 69. Grab von Viranschehr 202 

„ 70. Plan der Saradschaklisse im Susam Bayry 208 

, 71. Saradschaklisse zwischen Urgüb und Sinasos 209 

n 72. Hufeisenbogen-Fassade zu Gereme bei Urgüb 211 

, 73/74. Christi Himmelfahrt in der Vorhalle der Analipsis zu Gereme. 

Osthälfte und Westhälfte 212/13 

„ 75. Abendmahl in der Analipsiskirche zu (rereme bei Urgüb . . 215 

, 76. Die H. Trias bei Abraham in der Tscharikliklisse zu Gereme 218 

, 77. Malereien in der Elmalyklisse zu Gereme 220 

, 78. Die Kreuzigung in der Elmalyklisse zu Gereme 221 

„ 79. Grundriß der Doghaliklisse in Gereme 224 

, 80. Malereien in der Katyrdschydamy in Gereme 232 

, 81. Tschawusch In, von Süden gesehen 237 

y, 82. Der Sarychan bei Avanos am Halys l . . 239 

. 83. Portal des Sarychans mit innerem Tor im Hintergrund . . . 240 



Abbildungen XIII 

Seite 

Abb. 84. Fassade II zu Atschyk Serai 243 

85. Fassade III zu Atschyk Serai 244 

86. Innenraum hinter der Fassade III zu Atschyk Serai .... 245 
87, 88. Kapitale einer Kirche am Djardagh 247 

89. Oktogon von Suwasa 250 

90. Grundriß des Oktogons von Suwasa 251 

91. Detail vom Innern des Oktogons von Suwasa 252 

92. Götterstatue von Suwasa (Zeus Stratios) 255 

93. Portal vom Alaichan 256 

94. Eingang zu einer Grabkapelle bei Tscheltek 258 

95. Plan der Tschanliklisse bei Tscheltek 259 

96. Die Tschanliklisse bei Tscheltek 261 

97. Die Kaleklisse zu Seime 265 

98. Plan einer Kirchenruine bei Halvadere 266 

99. Kirchenruine bei Halvadere 267 

iOO. Fassade zu Peristrema 275 

101. Plan der Kizilkilisse von Siwri Hissar 279 

102. Die Kizilkilisse von Siwri Hissar. SW 279 

103. Innere Kuppelkonstruktion der Kizilkilisse von Siwri Hissar . 280 
104; 5. Relief eines Thronsessels in der Theodorkirche zu Melegob 285/86 

106. Plan der Andreaskirche zu Till 287 

107. Inneres der Andreaskirche zu TiU 289 

108. Belief vom Thronsessel in Melegob 294 

109. Kollektenbrief in der griech. Schule auf Castelorizo .... 296 

10. Kirche von Dere Ahsy, Südseite 301 

.1. Plan der Kirche von Dere Ahsy 303 

12. Das Innere (Südostecke) der Kirche von Dere Ahsy .... 307 

18. Das Oktogon im Süden der Kirche von Dere Ahsy .... 309 

14. Das Innere des südlichen Oktogons von Dere Ahsy .... 311 

[5. Durchschnitt durch das Kuppelauflager des Südoktogons . . 312 

16. Earchenruine von Muskar 315 

17. Milieu der Kirche von Aladja Jaila 317 

18. Kirchenaulage zu Aladja Jaila 318 

19. Blick ins Innere der spätem Kirche zu Aladja Jaila .... 319 

120. TUrsturz an der SUdwestecke der Aladjaklisse 321 

[21. Gebälkstuck von der Aladjakisle 323 

122. Kloster und Kirche des Heiligen Nikolaus von Myra .... 325 

123. Plan der Nikolauskirche von Myra 329 

124. Das Innere der Nikolauskirche von Myra 331 

125. Kapitale und Gebalkstücke in der Nikolauskirche zu Myra . 333 

126. Das Grab des Heiligen Nikolaus von Myra 385 

127. Sarkophag in der Nikolauskirche von Myra 337 

[28. Reliefplatten von einem Grab bei der Nikolauskirche zu Myra 341 

129. Plan der Churma Medrese auf Rhodus 344 

[30. Die Churma Medrese auf Rhodus 346 



O 



Notanda und Corrigenda. 



Alle diejenigen, welche eine Kopie der Abbildungen in dieser wie 
Dr. Michel's VeröffentlichuDg wünschen, bitte ich, sich an das Photographische 
Greschäft von Herrn Dr. Hollerith in Straßbvrg, Poststraße, wenden zu wollen. 

Durch ein verzeihliches Versehen in der Druckerei gelangte bei Abb. 16 ein 
ausgeschiedenes, ungenügendes Klischee statt eines guten zum Abdruck. Das 
letztere wird im kömmenden Heft verwendet werden. — Folgende Verbesserungen 
mögen noch angebracht werden: Pag. 8 und p. 128 Panteleemon st. Pantelemon; 
p. 50 Z. 18 desselben st. derselbeo ; p. 55 Z. 8 avtoii st. avrov; p. 62 Z. 3 v. u. altum 
8t. altrum; p. 88 Z. 7 vlxSl st. i^txä; p. 88 u. sonst Egerdir st. Ejerdir; p. 114 Z. 13 
divoiidad'r] st. övo^dad'ri'^ p. 115 Z. 8 Audrapon st. Andrason; p. 126 Abs. 2 Z. 4 
Kyriakos st. Kyrikos; p. 142 Anm. u. Sakerdos st. Sakerdon; p. 234. Der 2. Teil 
der Anm. u. als Notiz zur metrischen Inschrift daselbst gehörig. 







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HolitOi in dar Djnmuaa DJuDiiai lu Adsll». 



Durch Pisidien und Pamphylien. 



Am Karfreitag Morgen, den 13. April 1906, verlieben wir das 
gastliche Hans des deutschen Bahnmeisters Schulz in Nasli an der 
engliachen Smyrnabahn und stiegen von CTontscheli aus zu dem 
Eninenfeld von Laodlcea empor. Tags vorher hatten wir bereits 
Mastaura, die einstige Bischofsstadt der Eparchie Asien, aufgesucht, 
fanden aber die Stadttrümmer zum größten Teil weggeschleppt 
oder durch gewaltige Massen von Schwemmerde wie mit einem 
Leichentuch überdeckt*) 

Wie Mastaura, so mußte auch Laodicea als billiger Steinbruch 
seine Reste aus dem Altertum ao den englischen Bahnbau Smyma- 
Diner abgeben. Trieb doch der Wirt von Gontscheli diese Ex- 
ploitierung von Laodicea so gründlich, daß er monatelang in das 
Gefängnis wandern mußte. Ein hügelreiches Gelände mit Steilabfall 
nach der Lykosebene trug einst eine weitausgedehnte Stadt, deren 
Bedeutung auch in der frühchristlichen Epoche genug bekannt ist. 

') HierocÜB Synecdemos 659,8 u. Notitiae Graecae episcopatnum , ed. 
G. PiRTHBY. — Die bei Partuey unTollsländige Notitia VII, die als älteste 
atiB der Heracliusperiode (610—717) stammt, ist jetzt neu herausgegeben von 
Gblzer nach dem Kodex 522 des Metuehions vom Heil. Grab Jerusalems in 
KoDstantinopet , in .Ungedruckte und ungenügend veröffentlichte Texte der 
Notitiae episcopatuum', Abhandlungen der Buyriscfaen Akademie der Wissen- 
ichafCen, hist.-philos. Kl. XXI. 531 f. — Gblzbb, Zeitbestimmungen der griech. 
Notitiae episcopatuum, in Jahrb. für piotesl. Theologie XII. — Zur allgemeinen 
Orientierung: Kiepeet'b Kurten von Kleinasien im Maßstab von 1:400000. — 
W, R'AMBAV, The hiatorieal geograpby of Aaia Minor, London 1890. — Kabl 
RiTTKB, Kleinasieo I u. II in seiner Erdkunde, Berlin 1859, wo die gesamte, 
bis dihiii erschienene Literatur über Kleiuasieu verarbeitet ist. 

Hatt, El«inulitlic1>< DtukMll«. 1 



2 Laodicea 

Es ist eine mühevolle Arbeit, da Spuren der Vergangenheit nach- 
zugehen, wo bereits der Pflug breite Flächen überzieht. Gleichwohl 
konnte ich in der glühenden Sonnenhitze eben noch die Funda- 
mente von drei Kirchen feststellen, darunter auch eine im sog. 
Hufeisenbogen^ einem Bautypus, dessen Stammland Eappadokien zu 
sein scheint.^) Die Stadt der christlichen Epoche dehnte sich der 
Hauptsache nach über die südwestlichen Hügel und Senken aus, 
eine dekadente Bauart weist hier dem Forscher deutlich die topo- 
graphische Spur. 

Ein großzügiges, unvergeßliches Panorama umgibt den Be- 
schauer auf den stummen, aber malerischen Hügeln Laodiceas. Im 
Süden umkreist es der Babadagh (Salbacus) in weitem Bogen mit 
prächtigen Silhouetten, südöstlich fächelt der schneebedeckte Konas 
(Cadmus) erfrischende Kühlung über die steinreichen Flächen, nord- 
wärts glänzt über die bereits verbrannte Lykosebene Hierapolis im 
schönsten Silbergrau seiner Berge herüber mit den breiten Kalk- 
flüssen seiner Versinterungen und dem leichten Dunstkreis seiner 
heißen Bäche, die in Cascaden am Südhang niederrauschen, in 
deren heilender Kraft einst mancher Römer noch die letzte Hoff- 
nung suchte, um seine Ruhe auf der großen Nekropole im Westen 
zu finden. Zu unseren Füßen liegen Säulenstümpfe, verfallene 
Mauerzüge laufen durch das der Ernte bereits entgegenreifende 
Korn, große gepanzerte Schildkröten schleichen über das Geröll der 
Ruinen, den warmen Sonnenstrahl suchend, während Millionen von 
Bienen über den Wald von Blüten und Blumen der steinigen Äcker 
hinsummen. Mag man einen Augenblick der Prophetie des Sehers 
von Patmos nachsinnen, wenn rings umher der Schritt der Zeit 
und der Vergänglichkeit hörbar klingt; dann fliegen die Blicke 
wieder talüberwärts nach Hierapolis, wo noch Theater, Thermen, 
Kirchen und Nekropolen in die Gegenwart hereinschauen. Auch 
sie werden einst begraben sein durch die stille, aber rastlose Arbeit 
der allgegenwärtigen Natur und ihrer geheimnisvollen Erdkräfte. 
Sie predigt hier in lauter Sprache ewige Jugend und stetige Schön- 
heit in den neuen Formen und wechselnden Bildungen ihrer ver- 
gletscherten Cascaden und rauschenden Sprudelbäche. Das tiefste, 
ruhigste Blau überfließt diese Erde, und durch Phöbus klare 

^) Da uuser rühriger elsäßischer Landsmann Gr. W^eber in Smyrna mit der 
Aufnahme der kirchlichen Denkmäler von Laodicea und Antiochien begonnen 
hat, überlasse ich ihm gerne den Vortritt in der Bearbeitung derselben, wie 
auch von meinem Begleiter demnächst die Basiliken von Hierapolis und Diner 
veröflPentlicht werden. 



Apamea 3 

Strahlen schimmern die fernsten Gründe in hellster Erscheinung 
und schärfster Wirklichkeit. So sah ich Hierapolis und Laodicea 
und nahm ein ewiges Bild in der Brust mit fort.^) 

An Colossä eilte das Dampfroß vorüber, über steiniges Land 
und prärienartige Ebenen, welche die Hirten durchziehen. Vor 
dem breiten Eücken des Gümüschdagh lagert der Adjituzgöl in 
stiller Einsamkeit, bereits bis auf einen schmalen Silberstreif ver- 
dunstet. Spät am Abend saßen wir am geräuschlosen Bahnhof von 
Apamea-Diner bei der braven Griechenwirtin und trafen die 
letzten Vorbereitungen, um ins Innere aufzubrechen. Hier hat 
Apollo den Marsyas im Flötenspiel besiegt, die Kultur das Barbaren- 
tum. Bis hierher ist modernes Leben von Europa eingedrungen, 
von hier steigt man erst ins Herz des eigentlichen Türkenreichs. 
Von Kyros des Jüngern Palast und Park ist nichts mehr zu finden, 
nur die Ruine einer frühchristlichen Kirche nahmen wir auf dem 
östlichen Burgberg, der Akropolis von Kelänä, auf, einst ein Denkmal 
von trefflicher Bauart, heute nur noch ein wirres Chaos von Quadern 
und Gebälkstücken. Sicherlich löste dieses christliche Heiligtum hier 
wie an vielen andern Orten eine antike Kultstätte ab.-) Auch in 
die Höhle einige Minuten hinter der Basilika stieg ich tief hinab, 
fand aber nichts als die Vorratskammer eines Wolfes oder Fuchses. 
Als wir am Quell des Marsyas unsem heißen Durst löschten, war 
die Dunkelheit hereingebrochen, und eine sternhelle Nacht zog das 
weite Tal herauf mit hohem Lichterglanz über den wild verzackten 
Bergen Pisidiens und Phrygiens. 

In der nächsten Morgenfrühe ritten wir über die Einsattelung 
des Sultan- und Samsundagh auf dem alten Verkehrsweg aus dem 
Mäandertal nach Pisidien ostwärts durch die Dombai Owasi, wo 
links am Wege die Bunarbaschi, die Aulokrene der Alten, hervor- 
bricht, in deren Rauschen sich das fröhliche Geschwätz der Jurüken- 
weiber mischte. Über der Quelle liegen am Hang die Trümmer einer 
großen, rechteckigen Anlage aus byzantinischer Zeit, die sicherlich 
einer Station der hier vorüberführenden alten Römerstraße ange- 
hören. Diesem antiken Weg zwischen Apamea und Apollonia, 
der vielfach über dem Alluvialboden sichtbar ist, folgten wir auf 
schlüpfrigen Kalksteinpfaden zum Djebelidagh emporsteigend, auf 



') Schöne Abbildungen von Hierapolis bei Sabbe, Reise in Kleinasien, 1896. 

*) Einstweilen Webeb , Dinuir p. 34 u. Stbzyqowski , Kleinasien p. 56. — 
Le Quien, Oriens christianus I, 1045. — Plan der Kirche auch bei Abundei>, 
Discoverles in Asla Minor I im Anhang. 

1* 



4 Apollonia 

dessen Paßhölie als Terminus der alten pisidischen Grenze noch 
der Meilenstein mitten in wilder Umgebung von Konglomeratblöcken 
und Höhenmooren steht. Durch die gewundene Schlucht des Po- 
patschai hinab traten wir in das fruchtbare Tal von Oluborlu, das 
sich sechs Stunden lang bis zum Egerdirgöl hindehnt, eines der 
üppigsten Gartenländer Kleinasiens, in dem die schon von x\thenäus 
gepriesenen, köstlichen mordianischen Apfel wachsen.^) In einem seit- 
lichen Talwinkel zieht sich die alte ^Anolkwvta y ngoreQOv Moq- 
Siatov amphitheatralisch den südlichen Felsberg hinauf, den eine 
sehr steile Akropolis mit prächtigem Gebirgspanorama krönt. Hohe 
Befestigungsmauern mit einer Menge verbauter Inschriften und 
antiker Werkstücke sind oben noch zu einem großen Teil erhalten. 
Diese Burghöhe wird ausschließlich von einer alteingesessenen 
Griechengemeinde bewohnt, die seit urdenklicher Zeit zur Diözese 
des Erzbischofs von Pisidien gehört, der heute in Adalia residiert 
und in Baris einen Vertreter hat. Es sind Menschen mit trefflichem, 
ursprünglichem Charakter, in althergebrachter Tracht, mit einem auf- 
geweckten Pappas an der Spitze. Schon Aeundel, der die Bewohner 
dieser Akropolis für versprengte Kolonisten der Metropolis Antiochia 
jenseits des Sees hielt, hat ihnen vor 80 Jahren ein ähnliches Lob 
gespendet. Er hatte auch auf der Burg von Apollonia eine Kirche 
von alter Bauart gesehen, die einer noch älteren übergebaut war.'^) 
Dies hatte uns hauptsächlich nach dem Ort eines ehemaligen Bischofs- 
sitzes von Pisidien geführt. Der Engländer, der damals auf die 
Entdeckung der seveti churches ausging, hatte freilich für archi- 
tektonische Chronologie noch wenig Verständnis. Wohl traf ich 
malerische Trümmerreste genug auf der Burgspitze, darunter Kelief- 
platten von antiken Gräbern und mehrere Inschriften in die Außen- 
wände einer Kirche vermauert, die durch Haäillton und Sterbet 
bereits bekannt geworden sind. Die Kirche selbst, die mit der 
von Arundel geschilderten identisch ist, stammt jedoch wie auch 
diejenigen der Unterstadt aus jüngerer Zeit und bietet architek- 
tonisch nichts Nennenswertes. Unfern an der nach Osten senkrecht 
abstürzenden Felswand, hart an dieselbe angelehnt, zeigten uns 
die griechischen Bewohner noch die geringen Fundamentreste einer 



') AthenUus, Deipnosophist. ITI cap. 20. 

*) Abcndel, Discoveries of Asia Minor I 234 f. 243. ,There was something 
80 primitive in their manners and appearance.* — Hamilton's Besuch in seinen 
Researches II 362. 

") Ib. ^The church an ancient structure, thoiigh on the foundation of a 
much earlier one.** 



Apollonia-Sozopolis 5 

angeblich von Konstantin und Helena erbauten kleinen Basilika, d. h. 
nach griechischer Sprachweise eines sehr alten christlichen Heiligtums. 

Bislang -war es auffallend, daß ApoUonia in Pisidien, welches 
von Stephanus Byz. unter den 25 damals bekannten, gleichnamigen 
Orten aufgezählt wird, sowohl bei Hierokles wie auch in sämtlichen 
Bischofslisten der Notitiae fehlte. Wie schon Hirschfeld richtig 
vermutete, handelt es sich hier um die Umtaufe eines heidnisch 
klingenden Namens in der christlichen Kaiserzeit, ein Verfahren, 
das wir bei einer Reihe von kleinasiatischen Gemeinden in dieser 
Epoche beobachten können. Ich nenne nur Aphrodisias-Stauropolis, 
Dios Hieron - Christopolis. An Stelle von Apollonia wird in den 
kirchlichen Listen seit dem Konzil von Konstantinopel 381 so- 
wohl bei Hierokles wie in den Notitien die Stadt Sozopolis 
genannt. ^) Der Amerikaner Stebket fand auch in der Wallmauer 
auf der Burg eine späte Inschrift aus der Zeit des Romanos vom 
Jahre 1069, welche er zwar ungenau wiedergibt, aus der jedoch 
W. Ramsay mit Recht den jungem Stadtnamen Sozopolis herausliest.-) 
Bei den wenigen Ruinen von Ulukman im Tal, kaum vier Kilometer 
von Apollonia entfernt, stehen zerstreut wie in alten Zeiten die 
Sommerhäuser in den Gärten. Sie gemahnen in ihrer Umgebung an 
die „verheerte Stadt", die Jesaias in jenem poetischen Bilde „wie ein 
Häuslein im Weinberg, wie eine Nachthütte in den Kürbisgärten" 
schildert. Mit Unrecht nimmt Ramsay an, diese unbedeutende 
Ruinenstätte bei Ulukman sei schließlich Apollonia, dagegen Sozo- 
polis das heutige Oluborlu, indem die Bewohner der altern Stadt 
sich in der Kaiserzeit auf dem Burgberg angesiedelt hätten. Eher 
wäre indessen der entgegengesetzte Prozeß in jenen friedlichen Zeiten 
möglich. Sterbet sagt ebenfalls von der Ruinenstätte von Ulukman : 
„The döbris is small and contains no cut stones."^) 

Wie lange der heidnische Name Apollonia sich erhielt, sehen 
wir aus der Passion des heiligen Zosimus, die in den Acta Sanctorum 
dem griechischen Text einer vatikanischen Handschrift entnommen 
ist.*) Die Lokallegende ist wichtig für uns, weil sie eine örtlich 



*) Pabthey p, 25 (673, 1) u. Not. ib. — Gelzer in den Abhandl. der Bayr. 
Akad. XXI, 541 (Notit. VII). 

*) HmscHPELD in seinem Reisebericht, Berliner Monatsberichte 1879, p. 318. 
— Sterbet, The Wolfe Expedition to Asia Minor. Papers of the American 
School (1888) III, 375 No. 545. — Ramsay, The bist, geography p. 400 f. 

*) Ib. p. 352. — Der Autorität Ramsay's scheint auch R. Kiepert in seiner 
neuesten Karte von Kleinasien 1:400000 gefolgt zu sein. — Vgl. im folgenden 
inuner die Inschriften im Anhang. 

*) Acta Sanctorum vom 19. Juni, p. 813. 



6 ApoUonia-Sozopolis 

genaue Kenntnis zur Voraussetzung hat. Unter Trajan lebte zu 
•Sozopolis der Heilige Zosimus. Dahin kam von Antiochien her 
Domitian, der Provinzialstatthalter von Pisidien, — „'n^d-ev ök kv rjf 
'AnokXutvia Ötä twv ^w^ovnokirwv nokewg^ — ließ Zosimus er- 
greifen und vor den Kichterstuhl führen, weil der Heilige die Fahne 
der Cäsaren mit derjenigen Christi getauscht hatte. Nach ver- 
schiedenen Martern in Sozopolis fährt der Text fort: „MikXwv r»}v 
oÖQi:iOQHav nouiaß-ai inl tj]v Kovaviwv nohv kxeXevaev ÖB&ivra 
TOP fidqtvga äxolovd-eiv.^ Nach erneuten Folterqualen stirbt dieser 
in Conana: ^Evikuw&ri oiv 6 äyiog Zoiatfiog fitjvi 'Iovviq> i&' kv 
xy KovaviuDv noXu ini AuToxQocvoQog Tgaiavov,^ Ein heute be- 
quemer Paßweg, welchen die Post benutzt und den früher 
HiEscHFELD uttd Stekret gczogcu siud, führt in wenig Stunden 
südwärts nach dem benachbarten Gjönen, der alten Episkopalstadt 
Conana. 1) 

Wie der alte Name, so haftete auch Sektenwesen und altes 
Heidentum, wenn auch in veränderten Formen, in der berg- 
umschlossenen pisidischen Stadt fest, von welcher der Oriens chri- 
stianus neun Bischöfe namhaft macht.-) Die 65. Epistel des Basilius 
ist an die Presbyter von Sozopolis gerichtet, die den kappa- 
dokischen Kirchenvater wegen der entstandenen Häresie der Apolli- 
naristen um Rat gefragt hatten. Den Dienst der Fortuna, die 
einen Tempel auf der Akropolis besaß, scheint die Panagia im 
späteren Mittelalter übernommen zu haben, deren Bild ein wunder- 
tätiges Ol ausschwitzte. Der Mönch Theodor aus Sikeon im be- 
nachbarten Galatien, von Aemilianus, dem Bischof von Germe, mit 
der Herbeischaffung von Georgsreliquien beauftragt, kommt über 
Amorion nach dem Tempel der Gottesgebärerin in Sozopolis, um 
das Wunderbild zu sehen und einen langgehegten Wunsch zu be- 
friedigen. Vom dortigen Bischof Zoilus wie ein Heiliger empfangen, 
steigt er zur Kirche hinan: „Et in sanctissimae dei genetricis 
Mariae venerabile templum ingressus, ubi divino munere oleum 
manat, manibus in crucis speciem extensis precans oculos in admi- 
rabili imagine defigebat; cum oleum divino nutu effervescens in 



^) Auch das Menologium des Basilius, Act. sanct. 1. c. mit jüngerm Text, 
hat den Ausdruck: ,J^ AnoXXoDvtdöos rf/ff iv 2^(oao7i6Xtt''% und indirekt gibtauch 
dieses Coimna als die Stadt an, wo der Heilige gestorben ist: „Kai sig rj]v 
Kavtojtiüv (= Kovcivicov) noXiv ilccvvtrai acixog dicc^itivag inl rgialv rj^sgaig. 
Kul tcuXlv slg i^traaiv ax^t'ig .... it^iri^i] riiv xtqpaXrJv." — Ramsay, Geo- 
^raphy p. 400. 

*) Le QuiEx, Orieus christianus T, 1043. 



Baris 7 

oculos ejus insiliit eosque conspersit."') Nach vierzigtägigem Auf- 
enthalt in Sozopolis kehrte der wundergläubige Pilger wieder nach 
Germe zurück. 

Von einer Wunderwirkung dieses heiligen Öls von Sozopolis 
an einem unfruchtbaren Ehepaar aus Amasia berichtet auch die 
Vita eines Patriarchen von Konstantinopel unter dem 6. April. Als 
dieser für dasselbe gebetet, fährt die Legende fort: „Ambos unxit 
oleo sancto, tum eo, quod e pretiosa cruce, tum illo, quod ex sanctae 
puraeque dei genetricis semperque virginis Mariae dominae nostrae 
imagine solet scaturire Sozopoli." Es half.-) Weder eine Kirche 
der Panagia, noch ihr Wunderbild, noch eine Spur dieses Aber- 
glaubens fanden wir bei unserem Besuche von Apollonia-Sozopolis. 
Als Timui-s Scharen, wutentbrannt über den Tod eines ihrer Groß- 
emire bei der Belagerung der Burg, diese mit Gewalt erstürmt 
hatten, wurden alle Männer niedergemacht, Weiber und Kinder 
aber in die Sklaverei verkauft. Damit war die geschichtliche 
Tradition für immer abgebrochen.-') 

Der übernächste Tag brachte uns in einem scharfen Ritt nach 
Isbarta, dem alten Baris, einer Stadt mit bedeutendem Binnen- 
handel und blühender Teppichfabrikation. Von weitem grüßen schon 
die vielen schlanken Minarets und die grüngelben Kuppeln ihrer 
Moscheen, hinter denen der gewaltige, schneebedeckte Aglasundagh 
sich vde eine riesige Bühnen wand erhebt. Nicht mit Unrecht ist 
die Lage von Isbarta mit der von Brussa am Olymp verglichen 
worden.*) Baris, das im Altertum, wie auch die geringen antiken 
Ruinenreste beweisen, keine besondere Rolle spielte, schwang sich 
in christlicher Epoche zur Bischofsstadt empor, die schon auf dem 
Konzil zu Nicäa durch einen Bischof Heraklius vertreten ist und auch 
in dem Synecdemus des Hierokles wie in allen spätem Notitien 
genannt wird. Das rührige Griechenvolk, dem Isbarta hauptsächlich 
seinen Aufschwung verdankt, wohnt im eigenen Quartier der West- 
stadt, die durch höhere Sauberkeit sich von den übrigen Vierteln 



') Vita des Theodor Sikeota in den Acta Sanct. zum 22. April, p. 32f., 
53 f. — Der griechische Text dieser Vita, von Johannes Theophili in seinen 
^ivriiirSta äyioXoytxd neuerdings herausgegeben, war mir unzugänglich. Wegen 
der lat. Übersetzung vgl. Kamsay, Asiana, im Bulletin de corresp. hellen. 
XXII, 231. 

«) Acta Sanct. 6. April p. 548 f. 559. 

^) Bitter, Kleinasien II, 476. 

*) Eine Abbildung bei L6on de Laborde, Asie Mineurc V. — Ritter, 
Kleinasien II, 539 £ und die dortige Literatur. 



8 Baris 

abhebt. Schon Paul Lucas, der yor bald 200 Jahren als erster 
Europäer die Stadt besuchte, wunderte sich über die Erhaltung 
des christlichen Elements daselbst.^) 

Wieder ist es Abundel, der uns von 4 Kirchen aus den Zeiten 
des ältesten Christentums erzählt, namentlich einer halb unter- 
irdischen, die voll sei mit Malereien.*) Die zwei Basiliken des 
Nikolaus und des Georg gehen in das frühere Mittelalter ^rarück, 
bei beiden muß man tief hinabsteigen in dumpfe, verräucherte 
Räume, die jedoch heute völlig verbaut und mit dicken Mörtel- 
schichten verschmiert sind. Die einapsidiaJe Nikolauskirche mit 
Kuppel und Tonnenwölbungen über ihren drei Schiffen ist zweifel- 
los die älteste von den noch heute benutzten Kirchen Isbartas. In 
die frühchristliche Epoche reicht die Heiligkreuzkirche {Tot 'Ayiou 
JStovqov) zurück, die in kläglichen Trümmern draußen im Süden 
vor der Stadt auf der Anhöhe liegt. Kaum mehr als die Chor- 
wand dieser genau östlich orientierten Basilika steht aufrecht, 
die nach den Resten von Basen und Säulenstümpfen vor der 
Apsis zu schließen, eine dreischiffige Säulenanlage war. Die heute 
von einer hohen Mauer umschlossene Ruine, in welche noch 
antike Werkstücke sich verloren haben, gehörte ehedem zu einem 
Monastir. Die Hauptkirche des Ortes, die des H. Pantelemon, ist 
vor nicht langer Zeit zu einer stattlichen Metropolis ausgebaut 
worden. Von der alten Basilika scheint nur eine kryptenartige 
Kammer im Osten übrig zu sein, in deren Boden römische Grab- 
altärchen mit Inschriften als Bänke eingemauert sind. Den Ein- 
gang zum türkischen Tekke ziert ein schönes Türgestell mit 
Eierstab und Zahnschnitt, Yolutenkonsolen an den Enden des 
Sturzes tragen die Yerdachung. Ein ähnliches Exemplar wird uns 
in Adalia wieder begegnen; die nahe Beziehung zum Stil des 
Diocletianspalastes in Spalato bestimmt uns, dieses Tekketor ins 
IV. Jahrhundert zu datieren. Die in den Architrav eingemauerte, 
sicherlich spätere Inschrift ist dem Andenken des verstorbenen 



*) Paul Lucas, Voyage dans la Grece, TAsie Mineure etc., AmBterdam 1714 
p. 248: ,Le Christianisme s'est conserv^ dans cette ville plus qu*en bien des 
CDdroits." 

') J. Abundel, Discoveries in Asia Minor (1834) I, p. 349 f. ,. . . bis church, 
which was almost below ground probably from tbe accumulation of soil in tbe 
course of ages. It was plentifally ornameiited witb paintings. . . . Tbey asserted 
stroDgly tbe great antiquity of tbeir cburches, as baving been coeval or nearly 
so, witb tbe first establisbment of cbristianity.* — Unricbtig Hirschpeld's 
Beriebt von 13 Kircben, Berliner Monatsbericbte 1879 p. 312. 



Baris 9 

Bischofs Paulus gewidmet, durch den eine Kirche der Erzengel in' 
Baris wiedererbaut wurde. ^) 

YnEPMNHMHEKAIANAnAYLEUCnAVAOVEniKSAlOVANE 
KTIEENTONNAONTüJNAPXANrEALJNINASr . 

*YniQ fiVT/firig xal avanavöswg HavXov h7ti\a\x{pnov)y Si oi avexri- 
Civ xov vaov Twv UQxayyiXbiiv ivd{iXTia)vd)g y. . . . 

Aus der Stadt mit den vielen plätschernden öffentlichen Brunnen, 
aus dem vom Oberlauf des Kestros durchrauschten Baris, ritten wir 
nordöstlich in die weite, fruchtbare Ebene, die sich zwischen dem 
See von Buldur und dem von Egerdir hin erstreckt. Schwarze 
Büffel oder Frauen zogen Holzpflug und Holzegge durch das schwere, 
nur teilweise bebaute Ackerland, sorgfältig Steine und Gestrüpp 
vermeidend, und Krähen ließen sich auf den Kücken der geduldigen 
Esel nieder, um den arg Gequälten Stechfliegen und anderes Getier 
abzulesen. Wirbelwinde jagten kreiselnd dichte Staubsäulen vom 
lockern Tuff- und Bimsgesteine empor, aus dem dieser vulkanische 
Boden besteht. Im Altertum war diese Ebene reich bebaut, und 
der arabische Geograph Hadji Chalfa erzählt im Djihan Numa, dem 
„Spiegel der Welt", daß 23 Dörfer in diesem Grund liegen, die 
man kleine Städte nennen könnte.^) Nicht weniger als fünf von 
den 26 Episkopalstädten Pisidiens, die Hierokles erwähnt, werden 
sich bis jetzt hier in engster Nachbarschaft nachweisen lassen. 

Unser nächstes Ziel war der Ruinenort Selef, das alte Seleucia, 
dessen Bischof Eutychios schon auf dem Konzil zu Nicäa saß. Der 
Oriens cliristianus zählt sieben Bischöfe auf, darunter als ersten den 
heiligen Artemon, der nach den griechischen Menäen (27. März) von 
Paulus und Barnabas eingesetzt worden sein soll, als diese von 
Perge nach Antiochien wanderten.^) 

An dem einst besiedelten, niedrigen Hügel von Güle Önü vorüber 
kamen wir nach Bajad, dessen kleine Moschee über einer alten 
Kirche errichtet ist, die schon ins Weichbild von Seleucia fällt. 
Omamentstücke mit bereits ganz romanischem Charakter, eine Stein- 
platte mit einer christlichen Inschrift und römische Grabstelen mit 



1) Vgl. auch C. I. Gr. 8860 und B. C. H. III, 343. Außerdem den Anhang. 
Leider wurde die Aufnahme durch das Ungeschick eines Photographen in Adalia 
zugrunde gerichtet. 

*) Die arabische Geographie Hadji Chalfas, übers, in Vivien de Saint-Martin, 
Description de l^Asie Mineure II, 651 f. 

^) Le Quien, Oriens Christ. I, 1053. 



10 Seleucia 

Totenfiguren sind in die Sudmauer verbaut.') Die Turwange des 
Westportals ziert eine Ehreninschrift des Kaisers Claudius. 

Kaum eine Viertelstunde davon entfernt steigt aus der Ebene 
ein mäßiger Hügel auf, dessen kleiner Rücken die Akropolis von 
Seleucia trug, einer Stadt, welche schon Ptolemäus zu den f4Bc6yeioi 
noksig 0üvyias üiaidiag zählt und die sich am Fuße der Erhebung 
nach Südosten hin ins ebene Land ausdehnte. Aufgeschichtete 
Eeihen von Bruchsteinen und Ziegeln im Blachfeld deuten den 
Lauf der Gassen dieser offenen Unterstadt an. Der Hügel, welcher 
die öffentlichen Bauten trug, war einst zum Schutz der ringsum 
wohnenden Landgemeinden mit zyklopischem Mauerwerk stark be- 
festigt, Treppen führten von Südosten zwischen engen Tordurch- 
gängen zum Plateau empor, und ein großer tonnengewölbter Gang 
verband die Oberstadt mit dem an die Ostseite sich anlehnenden 
Theater. Nirgends aber konnte ich sichere Spuren aus christlicher 
Epoche feststellen. 

An runden Grabbauten führte uns der weitere Weg vorüber, 
an der einstigen Gräberstraße Seleucias entlang. Auf dem südwärts 
weit in die Ebene sich hinein erstreckenden Hügelrücken, den wir 
nach einer halben Stunde querten, zählte ich über 50 Gräber, die 
in den flachen Steinboden einen halben Meter tief eingeschnitten 
waren. Die Sargdeckel von halbzylindrischer Form waren fast 
immer von ihrer Stelle gerückt und vielfach auf rohe Weise zer- 
trümmert. Jenseits dieses Hügels gelangt man in 20 Minuten nach 
dem Türkendorf Islamkoi, auf dessen großen Mesarlyks viele antike 
Werkstücke zu Grabsteinen verwandt sind. Ornamentierte Gesims- 
teile sind in die Tscheschme am Dorfeingang vermauert, darunter ein 
Türeturz, an dessen Stirnseite Säulenarkaden ausgehauen sind mit 
Palmetten und Kreuzen in den Zwischenfeldern. Darüber läuft ein 
Band, auf dem ich noch das Bruchstück von einer Inschrift kopierte : 

eprcjNeNXPHCTurABPiHATCJNeecjN. 

. . . f^QytüV iv XoiffTm FaßQiiiX twv i?€[r]wi/ .... 

Zweifellos entstammen diese byzantinischen Eeliefs einer ehe- 
maligen christlichen Kirche in der Mitte des Dorfes, die in eine 
Moschee umgewandelt wurde (Abb. 3). Die östlich orientierte, drei- 
schiffige Säulenbasilika mit den trikonchenartigen Apsiden in der 
Ost-, Nord- und Südwand, ist heute an der Portalseite wie im Innern 
völlig zerstört und umgebaut, dazu sind Fenster in barbarischer 



1) Abbild, im folg. Heft. 



Islamkoi 11 

Weise eingebrochen. Pllaster, abgestufte Blendfenster und Oclisen- 
angea darüber belebten die Außenwände, die aus ziemlich regel- 
mäßigen Ziegelschichten mit eingebundenen Quadern errichtet sind. 
Die letztern entstammen einem altem Bauwerk, vielleicht einer ersten 
Kirche, während unsere Anlage schon der Technik wegen erst dem 
Beginn des zweiten Jahrtausends frühestens zuzurechnen ist. Säulen- 
trommeln von 0,60 m unterem Durchmesser mit kreuzverzierten byzan- 
tinischen Kapitalen liegen im Innern, von dessen Stützung nur noch 
die Wandpfeiler der 0,90 m dicken Maoer erhalten sind, die auf 
EinwÖlbung schließen lassen. Postamente, die vor dem Eingang 



liegen, scheinen einst die Säulen einer Vorhalle getragen zu haben. 
Ein tief profiliertes, jetzt aber fast völlig zerstörtes Gesims lief 
einst in Höhe der Fensterbank um den ganzen Bau herum.') 

Schon Sterhet hat die Inschrift -f- dyn Mr/i(ioöüoov inta[x6}iov] 
an diesem Ort gefunden und somit den Sitz eines Bischofs daselbst 
nachgewiesen.-) Trotzdem wir die engen Gäßclien und Brunnen des 
Dorfes, die von einer Unzahl antiker Basen, Säulen und Gesims- 
stücke erfüllt sind, genau absuchten, ist es mir nicht gelungen, 
eine weitere Inschrift ans Licht zu ziehen, aus welcher etwa der 
Stadtname sich ergeben hätte. 

') Im Innern maß ich 8,20 m Breite iinii 12,50 m Lünp' au?. — Du die Kirche 
in die HSuser eingelilemmt iat, kiion ich nur ein mangclhiiftea Bild derselben geben. 
«) Stebhet, The Wolfe Expodilion p. 33* So. 407. 



12 " Agrä 

Nur eine kleine Stunde von Islamkoi entfernt liegt am Fuß 
des hohen Borludagh der ansehnliche Flecken Agras, das alte 
pisidische Agrä. Wegen seiner geschützten Lage und des Reichtums 
seiner Gebirgsbäche scheint der Ort immer blühend gewesen zu 
sein. Schon Hadji Chalfa erwähnt in seiner Djihan Numa das 
Gebirgsdorf Agrach oder Agros mit dem Wohlstand seiner Kauf- 
leute und Handwerker.^) Audi die Notitiae episcopatuum lassen 
indirekt erkennen, daß dieser Flecken allmählich den ehemaligen 
Bischofssitz von Seleucia überflügelte. Die Jüngern Listen nennen den 
Bischof der Burgstadt: 'U StltvyMag 6 tilg atdt^oag ijtoi 'AygwvJ) 
Seit den Friedenszeiten des römischen Kaiserreichs scheint die alte 
Bedeutung Seleucias als schützender Mittelpunkt dieser Demen ge- 
sunken zu sein ; die Akropolis zerfiel, und schließlich blieb dem Bistum 
nur der nominelle Titel, dessen Träger nach Agras übersiedelte. 

Da, wo heute der stattliche Bau der Medrese steht, war einst 
die Hauptkirche des Fleckens. Die Schule und der sie umgebende 
große Kirchhof ist ein wahres Museum von antiken Inschriften, 
Grabsteinen und Totenbüsten, im Innern ist eineEeihe christlicher 
Skulpturreste in Wände und Fußboden eingelassen, die aber alle 
ihrer christlichen Symbole beraubt sind. Nur barfüßig durfte ich 
dieselben aufnehmen, trotzdem ein freundlicher türkischer Menschen- 
schlag hier wohnt. Die Ornamente der Türen, die Schranken- oder 
Brüstungsplatten vor dem Mimbar haben große Ähnlichkeit mit 
den Relieftafeln von San Marco in Venedig und der Laura auf dem 
Berge Athos (Abb. 4). Wir werden sie deshalb frühestens dem 
IX. Jahrh. zuzuweisen haben, wenn wir annehmen, daß diese Ver- 
zierungsweise vom Orient zum Abendland wanderte. Christliche 
Inschriften, die sich auf Gebälkstücken im Fußboden befinden, sind 
leider völlig abgetreten, selbst über die alte Anlage der Kirche 
läßt sich nichts aussagen, da die Medrese unbekümmert um den 
frühern Plan errichtet wurde.*) 

Nach einem kurzen Besuch Egerdirs und seines herrlichen 
Sees mit der freskengeschmückten Stephanskirche auf der Insel Nis 
wandten wir uns wieder nach Isbarta. Dem Lauf einer alten Römer- 
straße teilweise folgend, machten wir in Findos, einem großen 
Doppeldorf, Mittagsrast. Die Masse bearbeiteten Marmors weist 
auf eine alte Siedlung am Fuß der dicht bewaldeten Höhen des 
Karlydagh. In der Mekteb fanden wir auch eine christliche Inschrift 



1) Hadji Chalfa, Djihan Numa p. 699. 

2) Notit. X, 489/90. XIII, 339/40. 

') Andere Reliefs im nächsten Heft. 



FiodoE-Bmilcos 

eingemauert. Hier suche ich das 
seit dem Konzil von 692 und in den 
spätem Kotitien erwähnt« Bistum 
Bindeos, dessen Bischof immer 6 tov 
BtvSiov oder BivSaiov genannt wird. 
Auf dem Konzil von 879 waren so- 
gar ein Bischof und ein G^enhiscbof 
anwesend, ein Siirf-avos BtvSaiov 
und ein IlavXoe BtväaiuvSi Viel- 
leicht ging der Ort ursprünglich 
aus einem kaiserlichen Landgut her- 
Tor, da er keine Münzen prägte. Er 
hatte, wie alle offenen, barglosen 
Städtchen dieses Distrikts, wie Agrä, 
Conana, Minassos, Islamkoi u. a. 
seinen Mittelpunkt in der schützen- 
den Akropolis von Seleucia. Die 
heute noch weitausgedehhte Dorf- 
anlage von Findos , der moderne 
Käme, die Lage an der alten Straße 
von Baris nach Frostaiina am Fuße 
grüner Waldungen machen die Identi- 
fikation mit Bindeos sicher. Ramsay I 
hat in seiner Geographie die Ruinen- 
stätte bei Kilidj für dieses Bindeos 
in Ansprach genommen und es mit 
Theodosiopolis gleichgesetzt. Aber 
seine Beweisführung ist voller Hypo- 
thesen und an sich höchst unwahr- 
scheinlich.*) 



') Rausay, Geography p. 430. 

') Auch Sabbb fielen bei eeincm Vor- 
beiritt SD Findos die Menge der bear- 
beiteten Werkstücke aus Marmor auf. 
Sabhb, Reise in Klelouien p. 167. — Rau- 
8AY, Geography p. 404 f. — Ihm ist wohl 
auch Kiepert in seiner neuesten Karte 
Kleinauens gefolgt , der bei Kilidj den 
Mamen Bioda eingetragen hat. — Le Quikn 
zitiert im Oriens christianus I, 1061 drei 
Bischöfe von Bindeos. — Die Inschriften 
Yon Kilidj bei Sterbet, The Wolfe Expedition No. 



14 Sagalassos 

Kurz vor. Isbarta lenkten wir seitwärts nach Minassyn und 
ritten auf dem Boden des alten Minassos in einem wahren Urwald 
von Kultur und Wildnis umher, ohne auf eine Inschrift zu stoßen. 
Hier rauscht der Kestrosbach, von Baris im weiten Bogen her- 
fließend und beständig von Gebirgswassem gespeist, über viel Geröll 
nach Süden und bricht sich durdi das Massengebirge des Pisidischen 
Taurus hindurch. Den raschen Bach von Isbarta sollten wir in 
kurzem als bedeutenden Strom hinter Perge überschreiten.^) 

Statt den weiten Umweg über Buldur einzuschlagen, stiegen 
wir, um nach dem alten Sagalassos zu gelangen, den steilen Gebirgs- 
pfad empor, der hinter Isbarta direkt südlich über den hohen 
Aglasundagh nach dem gleichnamigen Dorfe hinüberleitet.«) Die 
einstige römische Kunststraße ist heute ein mühseliger, nur von 
Eseln begangener, beschwerlicher Paß weg, der an schaurigen Ab- 
gründen vorüberführt, in deren Tiefe der Kestros in wunderlichem 
Lauf zu Tale braust. Nach Überwindung des wild zerklüfteten, 
verschneiten Gebirgskammes, wo ein eisiger Wind die Glieder er- 
starren macht, stiegen wir, die Pferde beständig am Zügel nach- 
ziehend, in Serpentinen den Südabhang hinunter, der bereits völlig 
vom Schnee befreit war. 

Bald breitete sich zur Linken das hochgelegene Ruinenfeld von 
Sagalassos aus, das sich über eine Reihe südwärts streichender 
Hügel und Senken hindehnt. Tiefe Schluchten und steile Berg- 
hänge umgeben schützend von drei Seiten die Stadt der Sagalasser, 
von denen Stbabo mit Recht sagt: ^'dx^vrsg ugtj TBiyjL^ovra rrjv 
Xcigav avrdjv.^^) Auf den nördlichen Höhenstufen, dicht unter der 
steilen Bergwand, liegen in malerischer Abwechslung die ansehn- 
lichen Ruinen des Theaters, der Agora, von Tempeln und Grab- 
bauten, während der Blick nach Süden über üppige Niederungen 
und die alpine Welt der Milyas und die dunkeln Waldgebirge von 
Kremna schweift. Zwischen die antike Stadt auf den Höhenrücken 
und die Niederung, in der heute das Dörflein Aglasun liegt, schiebt 
sich quer ein Hügel, der koq^oQ 6 ngo trg noXmg^^) den in christ- 
licher Epoche eine Kirche krönte. 

Nach mühsamem Emporklettern zu den von südlicher Sonne 



*) Vielleicht unterstand Minassos, das mit Conana gemeinschaftlich Münzen 
prägte, auch dessen bischöflicher Amtsgewalt. Vgl. auch Ramsay, Geography p. 406. 

*) Der Weg ist beschrieben von Arundel, Discoveries II, 24 f. und Hamilton, 
Reseaiches I, 186 f. Hier wertvolle geologische Beobachtungen. 

8) Strabo, Geographie 569 (XII, 6). 

*) Ahrian, Anab. I, 28. 



Kirche zu SngalMsos 15 

glöhenden Felseuterrassen gelangten wir vou der Agora aus zu der 
Ostkirche der alten Stadt, einer dreischlffigen, ziemlich nach Osten 
ausgerichteten Basilika (Abb. 5).') Der Platz ist heute eine Wirrnis 



von Quaderblöcken, NäuleDStücken, Kapitalen und Gebälkteilen, aus 
der man nur mit Mühe die Anlage herauserkennen kann. Die Apsis 
hat im Grundriß nach meinen Ausmessungen, mit denen die von 

') LiNCKOBiJNSKi, Reisen in l'isidien p. 131f. 140 f. mit Plun Fig, 123 und 
Abbildung der Tür Fig. lOU. 



16 Kirche zu Sagalassos 

Niemann aufs genaueste zusammenstimmen, einen überhöhten Bogen. 
Das Querschiff tritt nur mäßig über die Längsseiten hinaus und 
gehört, da die Mauerwinkel im Quaderverband stehen, zur ursprüng- 
lichen Kirchenanlage, ohne daß der voraufgegangene antike Bau 
etwa die Durchschneidung bedingt hätte. In Perge werden wir, ab- 
gesehen von der Westkirche hier in Aglasun^ ein weiteres Beispiel 
für das frühe Auftreten des Querschiffs antreffen. Die Mauern von 
1,20 m Dicke stehen nur an der Nordostseite noch bis gegen drei 
Meter aufrecht, sie sind aus Bruchsteinen unter reichlicher Ver- 
wertung antiker Werkstücke errichtet. Die Basilika mißt 31,30 m in 
der Länge und 16,60 m in der Breite, dazu kommt die Tiefe des Nar- 
thex von 3,95 m. Denn die Tür in der Mittelachse der Kirche, welche 
samt der Eingangspforte in den Naos dank einer trefflichen Verkeilung 
und Fügung von Pfosten und Sturz noch aufrecht steht, kann nur 
einem mit der Kirche verbundenen Vorraum angehören, obwohl die 
Mauern heute tief unter dem Schutt begraben sind. Fraglos aber 
entstammen die Gewände sämtlicher Türen antiken Gebäuden, trotz- 
dem in diejenige des westlichen Portals das Kreuzsymbol eingehauen 
ist. Nach Osten und Westen hin neigt sich das Terrain stark ab- 
wärts. Ein Atrium ist deshalb so gut wie ausgeschlossen^ abgesehen 
davon, daß ich an Ort und Stelle keine Spur eines solchen ent- 
decken konnte. 

Über die exakten Feststellungen der LANCKORONSKi'schen Expe- 
dition hinaus läßt sich ohne tagelange Abräumung und Ausgrabung, 
was mir leider während meiner ganzen Reise versagt bleiben mußte, 
nichts weiteres beobachten. Vor bald 30 Jahren mußten die Öst- 
reicher schon zwei Meter tief graben lassen, um zum Stylobat und 
den attischen Basen mit jonischen Säulen zu gelangen. Sie erwähnen 
dabei auch kleine farbige Smaltwürfel von Mosaik, die den Schutt 
des Chors durchsetzten. Die Baulichkeiten, welche die Kirche nörd- 
lich und südlich flankieren, gehören keiner Klosteranlage an, wenn 
auch ihre kirchliche Bestimmung aus ihrer Lage hervorgeht. Der 
bedeutendste Rest dieser Bauten ist eine Mauer mit Tür nördlich 
hinter dem Querschiff, die durchweg aus älterem Material errichtet ist. 

Einst führten von Westen und Osten Treppen zum Kirchplatz 
empor, auf denen man wahrscheinlich vermittelst Säulentoren zu 
Wandelhallen gelangte, die den heiligen Platz umgaben. Denn die 
große Inschrift, die unter den Trümmern im Kircheninnern oben- 
aufliegt, meldet, daß wir hier zugleich auf den Fundamenten von 
Apollos Tempel stehen und daß die hohen Säulen mit ihren jonischen 
Kapitalen einst das reiche Dachgebälk seines Heiligtums trugen. 



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Die Westkirche zu Sagalassos 17 

Der reiche Überfluß antiker Bauten wirkte hier wie an andern 
Orten direkt lähmend auf die frühchristliche Architekturentwicklung 
dieser Gegenden. Die vorhandenen drei Sagalasser Basiliken sind 
größtenteils aus antikem Werkmaterial aufgerichtet, indem man die 
damals bestehenden Kultbauten abriß und im Basilikenschema wieder 
aufbaute. Die Größe der Kirchenanlagen gibt uns auch einen Finger- 
zeig für ihr hohes Alter, da sie noch eine zahlreiche Christengemeinde 
in diesen Orten voraussetzt, die bereits im frühen Mittelalter von 
Erdbeben heimgesucht und plötzlich für immer verlassen wurden. 

Im Nordwesten der Stadt, nur einen Steinwurf von der gewaltig 
emporsteigenden Bergwand entfernt, wo die Toten in ihren Fels- 
kammem ruhen, liegt die Westkirche von Sagalassos, die in ihren 
nordöstlichen Mauerteilen teilweise noch bis zum antiken Haupt- 
gesims aufrecht steht. ^) Am Chor mit dem höchst eigentümlichen 
Dreiachtel -Abschluß sowohl innen wie außen kann man noch die alten 
Zahlen der Quaderversetzung erkennen. Es sind so viele antike Werk- 
stücke für diese Kirche verwandt, daß ein so guter Beobachter wie 
HxRscHFELD uicht abgeneigt war, in dem Gebäude eine zu schau- 
spielerischen Übungen bestimmte Anlage zu sehen, weil das Chor- 
gesims mit tragischen und komischen Masken geschmückt ist. 
Tatsächlich löste auch diese Basilika mit ihren großen Abmessungen 
und weit vorspringendem Querschiff einen Dionysostempel ab, aus 
dessen Material das christliche Gotteshaus skrupellos erbaut wurde. 
Ein Narthex scheint mir im Westen wahrscheinlich, obwohl in dieser 
Schutthalde ohne Grabungen sich nichts Sicheres angeben läßt. 
Schon Abundel's im allgemeinen richtiger Plan läßt die Längs- 
mauem noch ein Stück über die Westseite hinauslaufen, ohne jedoch 
die äußere Abschlußmauer dieser Vorhalle anzugeben.*) Im Nord- 
westen liegt auch ein Kundbau in Trümmern, welchen der Eng- 
länder, dem Kirchen die Hauptsache waren, für ein christliches 
Baptisterium ansprach. Mag er immerhin später einmal diesem 
Zweck gedient haben, ursprünglich ist diese Eotunde auf Säulen, 
wie die Werkteile und Inschriften deutlich beweisen, heidnischer 
Provenienz. Die Anlage eines Atriums war hier des Terrains wegen 
schlechterdings unmöglich. Von einem rechteckigen Bau, der sich 
in christlicher Zeit an die Südostecke der Kirche anlehnte, ist außer 
einem südlichen Zugang nichts weiter mehr als Fundamentmauern 
vorhanden. 



^) HiRSCHPELD, Reiseberichte 1879 p. 310. — Lanckoronski, Städte Pisidiens 
Ulf. 152 f. mit dem Plan Fig. 126 und zwei Abbildungen Fig. 112 u. 125. 
*) Abundel, im Anhang zu den Disco veries I. 

Rott, Kleinasiatische Donkmäler. 2 



18 Nach Kremna 

Hier oben, wo die wildverzackten Bergspitzen in den blauen 
Äther ragen oder Wolken über die Ruinenfelder hinfegen und durch 
die tiefe Talschlucht die Gebirgswasser von der nördlichen Paßhöhe 
niederbrausen, hier in hehrer Einsamkeit auf dem höchsten Punkte 
der Stadt brachte einst der Sagalasser dem heitern Dionysos seine 
Opfer, von hier drang christlicher Gesang ins Tal hinab. Ein Erd- 
stoß — und alles liegt in Trümmern. Nur die ernsten und heitern 
Masken grüßen immer noch von ihrem Postament herab, vom Chor- 
dach einer Kirche, einem einstigen Bacchustempel. ^) 

Auf dem erwähnten untern Hügel fand sich eine dritte Kirche 
von mäßiger Größe, bis auf die westliche Eingangstür und den 
Chor fast zu den Grundmauern herab zerstört. Im Osten schließt die 
Apsis außen wie innen rund die Kirche ab, deren innere Länge und 
Breite ich zu 21,55 X 12,00 m ausmaß. Von Säulen, die wohl den 
Kaum in drei Schiffe geteilt haben, ist keine Spur mehr an der Stelle 
zu finden. Nur Eebhühner beleben heute in Scharen diese Höhen, 
und Wildschweine durchwühlen den Schutt und das Dickicht.*) 

Mit dem jungen Hirtenvolk von Aglasun, das mit seinen 
mäckemden Ziegen und zottigen Schafen unter lieblichem Geklingel 
zur Jaila zog, ritten wir am nächsten Morgen südwärts nach Kremna. 
Die letzten Wolken vom nächtigen Gewitter wanderten über die 
silbergrauen Höhen durch den heiterblauen Morgenhimmel, die 
Silberpappeln des Dörfleins hinter uns schwellten im zartesten Grün 
und die vielen kräftigen Nußbäume verdeckten fast völlig die niedem 
Hütten. Der Esel stellt sich quer über den Weg und macht den 
Eindruck, als hege er tiefsinnige Betrachtungen über den eiligen 
Fremdling. Wir durchritten in rascher Gangart die breite Mamak 
Owassi, den „ager Sagalassenus über fertilisque omni genere fru- 
gum".») Der Leiledjik und Adada blieben zur Eechten, der Mana- 
syrdagh zur Linken liegen. Über die Sattelung des Jumurtasch 
traten wir plötzlich aus der monotonen Ebene in eine nordisch 
anmutende, mit prächtigen Tannen und Fichten bewachsene Gebirgs- 
landschaft mit tiefen Tälern und manchem stattlichen Hirsch im 
dichten Gehölz. In dem kleinen Weiler Dewre, der in einem roman- 
tischen Felskessel liegt, teilten wir unser Mittagsbrot mit den gut- 
mütigen türkischen Bauern, die mit der gleichen Neugier unsere 

\) Le QciEN, Oriens christianus 1, 1042 nennt vier Bischöfe von Sagalassos, 
Lanckoronski 1. c. 244 einen Diakon Theodor. 

') Die Mauern sind 0,85 m dick, im Süden und im Norden sitzen noch die 
Schwellen der Eingänge in den Umfassungsmauero. 

2) Livius XXXVIII, 15. 



Kremna 19 

Gewehre betrachteten wie vor 70 Jahren, als der Engländer Abuxdel 
als erster Europäer diese Schluchten betrat. In diese stillen Wald- 
täler ist kaum ein Schall der modernen Außenwelt gedrungen. 
Diese Menschen würden es als Schmach ansehen, wenn der Fremde 
mit klingender Münze den Honig mit Maisbrot und den köstlichen 
Jourt entgelten wollt«. 

Auf halsbrecherischen, morastigen Saumpfaden kletterten wir 
an der westlichen Gebirgslehne empor, mitten durch den Urwald 
hundertjähriger Fichten und modernder Stämme hindurch dringend. 
Es ist einer der schlimmsten Wege im pisidischen Taurus. Nach 
Stunden ölfnet sich plötzlich die Wildnis, und unter Girlanden 
von wilden Eeben traten wir in die Lichtung hinaus. Es war 
das untere Plateau des Felsens von Kremna, auf dem der 
schönste Oleander eben blühte, während zur Eechten der Burg- 
berg drohend sich emporreckte. In einer traurigen Oda, durch 
die ein kalter Nachtwind blies, fanden Mensch und Pferde gemein- 
same Unterkunft. 

Am Morgen einer schlaflosen Nacht stiegen wir von Süden 
her zum isolierten Stadtberg hinauf. Der Weg führte auf halber 
Höhe an Grabbauten vorüber und durch ein großes Tor, dessen 
Bogen noch von der trefflichen Fügung ihrer Keilsteine sprechen, 
erreichten wir die Plattform. Wo die Ränder nicht von Natur steil 
abfallen, da türmte man zyklopisches Mauerwerk zum Schutze auf. 
Nun tritt man auf die Agora und ins Innere der Stadt. Nirgends 
habe ich, von der Akropolis von Syllion abgesehen, deren Burgberg 
auffallend demjenigen von Kremna gleicht, eine solche Urwildnis 
von überwuchernder Natur gesehen wie hier, wilde Birnbäume und 
Feigen, die im Dorngebüsch emporsprießen, dunkle Stämme, die 
morsch in die Schwarzdornhecken und hohen Oleander niedergesunken 
sind, kräftiger Baumschlag, der Mauern und Gewölbe auseinander- 
gesprengt hat. Und zu Füßen blinkt, halb von Moos und Schorf 
überzogen, der Marmor der • schönsten Säulen und Gebälke aus dem 
Chaos der lebendigen Natur hervor, und um das Bruchstück einer 
Lapidarinschrift, die aus ansehnlicher Höhe herabgestürzt sein muß, 
hat kräftiger Efeu bereits seine Arme geschlungen. Wir stehen 
an einer klassischen Schlummerstätte inmitten der wildesten Romantik 
der Gegenwart. Halb melancholisch, halb unbewußt schrieb ich 
damals ins Tagebuch : Und Marmorbilder stehn und sehn mich an . . . 
Die Hochgebirgsszenerie auf der Akropolis von Kremna in Pisidien 
hat nur im zweiten Faust ihr Gegenstück, hier ist ein Tabor der 

antiken Welt. 

2* 



20 Kirchen zu Kremna 

Bald sollte der Wachtelschlag im Busch aufhören. Finstere 
Wolken ergossen unbarmherzig ihren reichlichen Inhalt über uns 
aus, und stundenlang suchten wir nach christlichen Denkmälern, 
indem wir uns durch nasses Gebüsch hindurcharbeiteten. Seit den 
Forschungen der Östreicher hat die Verwilderung hier oben dermaßen 
zugenommen, daß wir bei den Kirchen kaum mehr das Festgestellte 
nachprüfen konnten. Die fast östlich orientierte Basilika am Westtor 
von 24,50 m Länge und 11,60 m Breite war durch Pfeiler in drei 
Schiffe abgetrennt, von den entsprechenden Eingängen im Westen 
ist nur noch die Haupttür von 1,35 m Breite zu bestimmen. Über 
das Atrium läßt sich ohne vorherige Aufräumung mit Axt und 
Spaten zur Zeit gar nichts sagen; soweit ich klar sehen konnte, 
bezweifle ich die Zugehörigkeit dieser Westanlage zur Kirche.^) 

Erst gegen Abend fand ich auch die von Lanckokonski erwähnte 
zweite Kirche, doch in so kläglichen Besten und so überwuchert, 
daß ich eine nähere Untersuchung für wertlos ansah. Man müßte 
es denn machen wie der Großadmiral des Kaisers Konstantin IL, 
Sisinnius, als dessen Marinesoldaten auf der verlassenen Insel Skiathos 
landeten und in der Panagiakiixhe, in deren Innern der Wald auf- 
geschossen war, ihre Andacht verrichten wollten. Da erzählen die 
Akten des Heiligen Demetrius, welche die Zeitgeschichte jener ver- 
heerenden Avareneinfälle treu wiederspiegeln: ,,EvQijxafg %va tüv 
yevofiBVüJV ixelöe navayioav vacSv äkffoidtj xal Üvvkov xa&iataiTa, t^ 
evfjxoq» aTQttTfß inixQExfjtv Iv fikgog avrov xa&atgeiv".^) In christ- 
licher Epoche scheint die Stadt Kremna schon sehr herabgesunken 
zu sein. Der Oriens christianus zählt nur einen einzigen Bischof 
Theodor auf, welcher der VII. Synode beiwohnte. 5) 

Um zu unserm Troß zu gelangen, den wir von Isbarta über 
Buldur voraufgeschickt hatten, verließen wir Girme, wie der heutige 
ärmliche Ort genannt wird, da das Wetter auf keine Besserung 
hoffen ließ. Durchnäßt bis auf die Haut stiegen wir die mäßigen, 



^) Lanckoronski, Städte Pisidiens p. 170: «Das 6,54 m breite Hauptschiff 
ist jederseits durch vier Pfeiler (0,6 — 0,7 X 0,52 m Grundriß) von den rund 2 m 
breiten Seitenschiffen abgetrennt.** — Vom Vorhof heißt es dort: , Westlich vor 
dieser Basilika liegt ein Hof mit Resten einer Säulenhalle ringsum. Die drei 
Säulen mit 3,2 m Achsweite sind in situ , die mittlere gerade in der Achse der 
Haupttür, die beiden andern je vor dem der Mittel tür nähern Türpfosten der 
Seitentüren. An der Süd- und Nordseite standen je vier Säulen mit 3,67 m Achs- 
weite. Die Tiefe der Hallen betrug 8,4 m. Der ganze Hof war also von Nord 
nach Süd so breit wie die Bsuilika, nach Westen etwas größer.* 

*) Acta Sancti Demetrii martyris, Migne 116, 1869. 

3) Le QuiEN I, 1025. 



Budjak und Indjirchan 21 

schönbewaldeten Höhen ira Westen von Kremna hinunter nach 
Budjak, einem ansehnlichen Flecken im Gebiet des im Sommer 
völlig ausgetrockneten Kesteligöls. In der nördlichen Dorfhälfte 
jenseits des Baches fanden wir ein Marmorbruchstück, in das die 
Lapidarbuchstaben M^PM... eingehauen waren. Tagsdrauf machten 
wir einen nördlichen Abstecher nach dem Indjircha-n, Die mit 
Quadern trefflich aufgebaute Karawanserei aus der Seldjukenzeit mit 
ihren spitzbogigen Wölbungen und dem schönen Stalaktitenportal, 
geht allmählich dem Verfall entgegen. Mehi'ere antike Werkstücke, 
an der Außenseite teilweise geglättet, samt einer Inschrift sind in 
die Außenmauem verbaut. Es ist betrübend, wenn man heute in 
Anatolien allenthalben den traurigen Untergang dieser seldjukischen 
Bauwerke mit ansehen muß, für deren Erhaltung die jetzt regierende 
Dynastie auch nicht das geringste Interesse zeigt. Fast hat es den 
Anschein, als sehe es dieselbe im Gegenteil nicht ungern, wenn 
die gloiTeiche Vergangenheit eines einst dem Osmanen feindlichen 
Volksstammes völlig ausgelöscht würde. Die seldjukischen Bauten 
sind eine Gruppe mittelalterlicher Denkmäler, zu deren hoher Wert- 
schätzung man erst gelangen wird, wenn dieselben größtenteils 
verschwunden sind. 

Wenige Schritte davon sprudelt in dieser Talbucht eine kräftige 
Quelle aus harten Kalksteinfelsen hervor. Ringsum zerstreute 
Trümmerstücke weisen deutlich auf eine antike Stätte hin, von 
der auch General Köhler zu Anfang des vorigen Jahrhunderts bei 
seinem Durchritt von Adalia nach Isbarta noch bedeutende Über- 
reste gesehen hat.^) Kurz vor unserer Ankunft hatten die Bewohner 
des dortigen Tschiflik einen Hypocaust aufgedeckt, wobei sie auch 
die von uns kopierte Inschrift fanden. Ich zählte noch etwa zwanzig 
kleine Säulen, die aus Rundziegeln aufgemauert waren, auf denen 
Steinplatten als Decke lagen.^) 

Nach kurzem Ritt hielten wir vor dem Dorfe Susuzkoi an 
einem alten, wohlerhaltenen Seldjukenchan Mittagsrast. Die Tat- 
sache, daß wir in den nächsten Tagen unterhalb der pisidischen 
Gebirgspässe noch zwei solcher großen Karawansereien antreffen 
sollten, zeigt deutlich, wie lebhaft noch im Mittelalter der Handel 
zwischen der Südküste Kleinasiens, vornehmlich Adalia und dem 



^) M. Leake, Journal of a tour in Asia Minor p. 151. 

■) Das Portal des Indjirchans bei Lanckobonski , Städte Pamphyliens (I) 
am Schluß der Einleitung, derselbe erwähnt im Band II, 187. — Kiepert hat 
beim Indjirchan fragweise Ceraea oder Cretopolis eingetragen. 



22 Scldjukencban bei Susuzkoi 

Mäandertal gewesen sein muß. Dui-ch ein schön umrahmtes Sta- 
laktitenportal über dem Megmentbogen des Tores traten wir in 
ein mehrschiffiges, in spitzbogigen Arkaden gewölbtes Innere. Er- 
höhte Podien gewährten Baum für die Beisenden, während die 
tiefer! iegeiiden, ansehlieftenden Flügel den Tieren zum Aufenthalte 



dienten. In der Mitte des überliöliten Mittelschiffs steigt noch die 
Kuppel zu luftiger Höhe empor, welche außen durch sphärische Drei- 
ecke und scliiefgeueigte Schmiegen, die zugleich alsAViderlager dienen, 
ins Achteck übergeleitet wii-d. Den AbschluB bildet ein hübsches 
Kranzgesinis. A'on ältein Werkstücken, die in den Chan eingebaut 
sind, liebe icli nur zwei sehr zerstörte Engelfiguren am Eingang her- 
vor, die bereits General Köhlek im Jahr 180U bei seinem raschen 
Vorüberritt erwähnt und einer ehemaligen christliclien Kirche zu- 



Bajamatsch-Ariassos 23 

schreibt.^) Die schmucklosen, starken Mauern dieser Anlagen, welche 
zugleich fortiflkatorischen Zweck in jenen unsicheren Zeitläuften 
hatten, sind durch schlanke Türme und Strebepfeiler, die bald rund, 
bald rechteckig, bald drei- und fünfeckig sind, malerisch gegliedert. 
Die treffliche Konstruktion, die wohlabgewogenen Proportionen und 
die Eegelmäßigkeit dieser Seldjukenbauten verraten eine Bautradi- 
tion, der nachzuspüren sich verlohnen würde/^) (Abb. 6.) 

Hinter der Kyzyl Owa treten die Berge wieder nahe heran, von 
Osten das Massengebirge des Ugurludagh, von Westen der Soghanly 
mit seinen eigentümlich zerrissenen Bergkuppen. Dann öffnet sich 
hinter Boghaskoi das Tal wieder und die südliche Flora beginnt 
plötzlich mit Eeben, Quittenbäumen und weißen Birken, an denen 
die Telegraphendrähte bis schier auf den Boden niederhängen. 
Dazu nehme man die offenen Zisternen mitten auf dem Weg, die 
von Früh Jahrswassern öfters durchrissene Straße, gestürzte Kamele, 
die meist die Füße gebrochen haben, die fliegende Post, die stets 
in bewaffneter Begleitung über das Land zieht, dann hat man schon 
im Straßenleben ein Bild, wie es im türkischen Anatolien aussieht. 

In der Westecke der größten Talbreite, von Bergen rings ein- 
geschlossen, liegt Bajamatsch mit seinen längst bekannten Ruinen. 
Der Stadtname Ariassos ist erst vor wenig Jahren durch Inschriften 
an den Tag gekommen. Hier ist der Ausgangspunkt für drei im 
Altertum begangene Päße, während heute fast nur der mittlere 
benutzt wird, durch den die Straße von Buldur nach Adalia führt, 
während der östliche, die Klimax der Alten, wegen seiner Schlüpf- 
rigkeit nur noch von Eseln begangen wird. Der westliche Paß, in 
dem die Eeste von Ariassos liegen, ist durch niedergestürzte Trümmer 
unwegsam geworden und durch Gebüsch überw^achsen. (Abb. 7.) 

An der Moschee des Dorfes vorüber, deren Holzpfeiler auf 
antiken Postamenten stehen, kamen wir nach einer halben Stunde zu 
einem Vorwerk der alten Stadt, einem nach Norden vorspringenden 
Hügel, der rings ummauert war. In der Mitte des künstlich ge- 
ebneten Plateaus erkennt man noch unter eng geschichteten Euinen- 
mauem mit hohen Türpfosten einen Temenos samt dem alten 
Plattenbelag. Felsgräber und umgestürzte Sarkophage begleiten 

^) Lbaks, Journal 134 f. 

*) Lanckoronski , Städte Pisidiens p. 187 und Tafeln XXXII u. XXXIII. 
Abbild., Plan und Durchschnitt. — Für wichtig halte ich die seldjukischen 
Karawansereien wegen ihrer Zusammenhänge mit den mittelalterlichen Kloster- 
anlagen und Xenodochien, und selbst mit den Anlagen der römischen Lager 
und sassanidischen Paläste. 



24 PaQ roD AriasEOB 

uns rechts und links das schmale Tal hinauf, das mit wenig: Menschen 
gesperrt werden konnte. Plötzlich biegt der Paß im rechten Winkel 
nach Süden um, und wie in einer Wunderwelt werden wir durch 
ein mächtig:es Triumphtor überrascht, das in drei Bogen das en^ 
Defil6 überspannt, an dessen steilen Hängen beiderseits sich die alte 



Stadt Haus über Haus hinaufzog. Wohlerhalten ist eine stattliche 
Beihe der unzähligen Grabhäuser, die namentlich auf dem Sattel 
dicht gedrängt stehen, wo auch eine große Exedra mit Sitzstufen 
rechter Hand teilweise aus dem Fels gehauen ist und vielleicht ein 
kleines Odeon bildete. Hinter dem hohen Triuraphtor, das wohl 
für einen Kaiser erriclitet, im übrigen in wenig feinen Formen 
ausgeführt ist und eher auf k leinst ädtisclie Benommage schließen 



Die Klimax 25 

läßt, liegt, fast völlig vom Schutt bedeckt, der Überrest der alten 
Marktbasilika mit apsidialem Abschluß und vielen Postamenten mit 
Ehreninschriften, von denen auch eine den Stadtnaraen enthält. 
Dies Hauptgebäude des alten Ariassos wurde wohl später in eine 
Kirche umgewandelt, als die Stadt zum Bistum erhoben wurde. 
Denn ich konnte sonst nirgends in dieser Bergstadt, wo massen- 
haft Ruine auf Ruine in die Talfurche gestürzt ist, die Spur eines 
sonstigen kirchlichen Bauwerks entdecken, obwohl Hierokles wie 
alle spätem Notitien Ariassos als Episkopalstadt der Eparchie 
Pamphyliens nennen und auch der Oriens christianus drei Bischöfe 
hier namhaft macht. ^) 

Den Troß auf dem Hauptpaßweg nach dem Kyrkgiözchan vor- 
aussendend, wählten wir den östlichen Weg durch das Defil6 der 
alten Klimax.*) Eine Talbucht zieht sich am Südende der breiten 
Ebene von Bajamatsch ostwärts, wo Frauen die schwarze Erde mit 
dem Holzpflug umwühlten, während die Männer auf Balkenschlitten 
hinterdrein die Äcker walzten. An Hafis Pascha Tschiflik vorüber, 
kamen wir nach P/? Stunden zu einer alten Ruinenstätte von mittlerer 
Ausdehnung, deren Hauptgebäude auf einem kleinen Hügel, heute 
Tschifliktepe genannt, standen. Die Befestigungsmauer ist im 
Norden und Osten noch erkennbar. Am besten ist ein kleiner Grab- 
tempel mit großen Gebälkstücken erhalten, der wie die übrigen 
Anlagen auf die römische Kaiserzeit weist. Diese erheben sich 
meist kaum über einen Meter aus der Schutthalde, einige unter 
ihnen zeigen apsidiale Abschlüsse, haben jedoch mit christlichen 
Kultbauten nichts zu tun. 

Bald hinter dieser antiken Siedlung lenkten wir südlich in 
den Gebirgspaß und folgten einer gut gepflasterten, meist trefflich 
erhaltenen Römerstraße, deren Kalksteinfließen jedoch vom Paßgang 
der Esel und Kamele so glatt geworden sind, daß unsere Pferde 
beständig niederstürzten, obwohl wir sie am Zügel nachführten. 
Nach einem einstündigen Marsch durch ein enges Deflle hatten wir 
jenseits eines kleinen Talkessels den Gebirgssattel erreicht. Starke 
militärische Befestigungen aus römischer und byzantinischer Zeit 
sperrten einst diese Paßhöhe. An den beiderseitigen Bergwänden 



>) Hierokles 681, 4. — Not. episc. VII, 221, VIII, 500. III, 399. X, 516 
(Parthby). - Le Qüien I, 1024. — Lanckobonski, Städte Pisidiens p. 99 u. 124 f. 
Tafel XXII, wo die Ruine noch als das alte Cretopolis angegeben wird. — Die 
ältere Literatur verarbeitet bei Ritter, Kleinasien II, 708 f. 

*) Auch Lanckoronski 1. c. p. 125: »Der Name Klimax gehört offenbar dem 
östlichen." 



26 Döschembe 

ziehen sich breite Mauern weit hinauf, hinter denen kasernen- 
artig die Kammern für das Militär lagen. Genau da, wo die Straße 
nach beiden Seiten hin abfällt, stand ein Säulentor, an das sich 
seitliche Hallengänge anschlössen. Von diesem Rayon aus konnte 
der hintere Talkessel bequem von drei Seiten bestrichen werden, 
wenn der Feind von Norden her in den Paß eindrang. An dieser 
Stelle oder vielleicht schon am obern Eingang zur Klimax bei der 
erwähnten Ruinenstätte scheint Perdikkas und sein Anhang von 
Antigonus besiegt worden zu sein. Denn nirgends sonst ist die 
Lage des alten Cretopolis zu suchen.^) Den südlichen Paßeingang 
von der Pamphylischen Ebene her konnten wenig Soldaten mit 
leichter Mühe verteidigen. 

Von dieser Höhe abwärts, wo sich ein entzückender Blick auf 
das leuchtende Mittelmeer eröffnet, begleiten große und kleine Grab- 
bauten und riesige Sarkophage aus Kalkstein die Straße, die mit 
ihren tief ausgefahrenen alten Geleisen durch die romantische 
Schlucht in starkem Gefälle zu einem zweiten Ruinenort am süd- 
lichen Ausgang hinabführt. Heute ist dieser Verkehrsweg fast 
völlig außer Gebrauch, obwohl er bis zur Mitte des verflossenen 
Jahrhunderts die gangbarste Route gewesen sein muß, da ihn 
Reisende wie Paul Lucas, Köhler, Schönborn und FELiiOws nach 
ihren Schilderungen zu urteilen gezogen sind.'^) Unten fällt vor 
allem die Unmasse der Sarkophage in dem alles bedeckenden dichten 
Gebüsch auf, namentlich ein solcher, auf dessen Deckel ein mächtiger 
Löwe in ganzer Länge ausgehauen ist. Buckelschild und kurzes 
Schwert verkünden überall die römische Weltherrschaft, wälirend 
die Inschriften in dem porösen Kalkstein völlig ausgewaschen sind. 
Am östlichen Hang wie in der halbversumpften Niederung stehen 
große Standlager und Kasernements aus mittelalterlicher Zeit bis 
zu ansehnlicher Höhe noch aufrecht, die auf den ersten Blick an 
Klosteranlagen gemahnen. Denn sowohl am höher gelegenen Tal- 
ausgang wie drunten in der westlichen Ebene trafen wir zwei 
Kirchen von mittlerer Größe an, die erst im spätem Mittelalter 
entstanden sein können, als hier unten, vielleicht im Anschluß an 
die Garnison, die Stadt sich nach Süden hin erstreckte. 

Die Oberkirche (B) war buchstäblich in den Bergabhang hinein- 
gebaut. Die drei- resp. zw^eiapsidiale Anlage war im Osten in 
syrischer Art durch eine gerade Mauer abgeschlossen, je sieben 

*) Vgl. auch Lancküronski, Städte Pisidiens p. 16 u. 123. 
-) P. Lucas, Voyage p. 8. — Fellows, Ausflug p. 86 f. — Leake, Journal 
p. 134 f. — ScHüNBORN, Der Zug Alexanders durch Lycien p. 19 f. 



Kirchen unterhalb Doschembe 



27 



Pfeiler im durchschnittlichen Abstand von 2,10 m teilten den Eaum 
von 25,80 m Länge (mit Chor) und 12,85 m Breite in drei Schiffe, 
zu 5,90 m und je 2,70 m innerer Weite. Die ein Meter starken Mauern 
sind aus Bruchstein aufgeführt unter Verwendung eines vorzüglichen 
Mörtels, nur an den Ecken sind glattbehauene Quader verwertet. 
Die Gußbrocken im Innern wie die Dicke der Mauern, die noch teil- 
weise mit Stuck bedeckt und früher sicherlich bemalt waren, machen 
mangels anderer Anhaltspunkte die Eindeckung vermittelst Wölbung 
höchst wahrscheinlich. Im Westen schloß das ungünstige Terrain 
die Errichtung eines Narthex aus, im Süden wurde eine starke 






i 





Abb. 8. Kirchen unterhalb der Klimax von Döschembo. 



Stützmauer im Abstand von etwa 3 m aufgeführt, um Eutschungen 
des abschüssigen Baugrundes vorzubeugen. Treppen führten vom Tal 
sowohl zu den beiden Westeingängen wie zu einer schmalen Pforte 
in der Ostwand, durch welche der südliche Nebenraum des Haupt- 
chors zu einem Korridor mit schmalem Schlitzfenster gestaltet 
wurde. Von den ursprünglichen Fenstern konnte ich nur in der 
Oberwand der Südmauer noch die Ansätze von dreien, in der Haupt- 
apsis ein gi'oßes Doppelfenster erkennen, das durch einen mittleren 
Pfosten getrennt war. 

Von der Unterkirche stehen zwar die 0,80 m starken Umfassungs- 
mauern namentlich an der Ostseite noch mehrere Meter aufrecht, 
das Innere aber ist eine undurchdringliche Dornenhecke, welche die 



28 Pancmuteichos 

Kirche bereits überwachsen hat und aus der ich mich mit blutenden 
Fingern zurückziehen mußte, als ich die einstige Stützung feststellen 
wollte. In gleicher Technik ausgeführt unterscheidet sie sich von 
der Oberkirche durch den Narthex im Westen und den geraden 
Abschluß der Seitenschiffe. Die ebenfalls halbrunde Apsis von 
4,15 m Breite ist genau nach Südosten orientiert und öffnet sich 
nach außen in einem großen Fenster von 1,90 m Weite, das wohl 
gleich der Oberkirche durch einen Pfosten geteilt war. Nach den 
Wandpfeilem von 0,70 m Stärke, die ich im Innern an der West- 
und Ostmauer noch feststellen konnte, ergaben sich für das Mittel- 
schiff eine Breite von 5,30 m, für die Seitenschiffe je 2,60 m. Ent- 
sprechend der Einteilung führten auch drei Türen von 1,70 m und 
je 1,10 m Weite in den Narthex, welcher sich bei einer Tiefe von 
3,40 m vor die ganze Kirche legte und dessen Westwand zur Hälfte 
verschüttet ist. Nur auf Grund eines Säulenbruchstücks, das ich 
in meinen Notizen vermerkt, habe ich Säulen in den Plan ein- 
gezeichnet. Eine Einwölbung schien mir unwahrscheinlich ; von den 
Fenstern, die hoch in den Mauern gesessen haben müssen, konnte 
ich keine Spur mehr nachweisen. 

Zwischen Kremna und Ariassos zählt der Synecdemus des 
Hierokles ^) die Episkopalstadt Panemuteichos auf, deren Name 
wie Abonoteichos und Gordiuteichos die Beziehung zu einer Befestigung 
klar durchblicken läßt. Der Oriens christianus macht vier Bischöfe 
daselbst namhaft. 2) Eamsay setzt den Ort, der außerdem in mehreren 
Konzilslisten erscheint, allgemein „near the pass from Pamphylia 
to the uplands of central Pisidia". Nun ist für den Westpaß der 
Name von Ariassos festgestellt, für den östlichen Paßausgang kommt 
daher nur Panemuteichos in Betracht, abgesehen davon, daß zwei 
Kirchen in Anatolien nach meinen Beobachtungen meist eine Bischofs- 
stadt zur Voraussetzung haben. Cretopolis, das in den kirchlichen 
Listen nicht genannt wird, das nach Polybius nahe „tä arevä tä 
nsgl rrjv xaXovfiivrrif KXifiaxa^ liegt, muß daher oberhalb zu suchen 
sein. Ramsay hat hinsichtlich der beiden Städte die Alternative 
aufgelassen, „that they are either two names for one city, or two 
neighboring places".^) Mit Ariassos und Panemuteichos wäre damit 
auch die weite Lücke von Episkopalstädten ausgefüllt, die nach 
der bisherigen Kenntnis von Adalia bis Kremna hin offen war. 

1) Hierokles 681, 3. 

-) Le Qcien I, 1031. — H. Gelzer, Geogr. u. onomatol. Bemerkungen zu 
der Liste der Väter des Konzils von 381. Byz. Zeitschr. XII (1903) p. 128. 
^) American Journal of archeol. 1888 p. 266. 



Tschibukchan 29 

Ein Saptieh auf einem Esel, mit einem Heckenmesser und 
Gebetsteppich bewaffnet, führte uns zunächst östlich nach dem über 
eine Stunde entfernten Djamili,') dann stundenlaug durch sumpfige 
Niederungen mit haushohem Gebüsch, in dem hie und da plötzlich 
nächtlicher Feuerschein aus den schwarzen Jurükenzelten heraus- 
leuchtete. Kurz vor Mitternacht langten wir endlich im schmutzigen 
Kyrkgiöschan an , der inmitten übelriechender Sümpfe gelegen ist. 
Am Morgen ritten wir auf dem Hauptweg noch eine halbe Stunde 
rückwärts zum zerfallenen Tschibukchan. Nahe dabei bricht 
unter der felsigen Straße der Duden gleich als Fluß mit mächtigem 
Gebrause hervor, verschwindet aber bald in der terrassenförmigen 



Ebene, um oberhalb Ädalias wieder als starker Wa^erlauf plötzlich 
hervorzuströmen und in zahllosen Katabotliren sieb ins Meer zu 
stürzen. Die Arkaden im Hof des Seldjukenchans sind großenteils 
niedergestürzt, nur die stattlichen, von Türmen flankierten Um- 
fassungsraauem mit antiken Gesimsteileu und einer stark zerstörten 
griechischen Inschrift stehen noch aufreclit samt dem herrlichen 
Portal mit arabischem Spruch auf einer Mannorplatte. 

Ebenso verödet und verheert trafen wir denEwdechan, zu dem 
wir nach mehrstündigem Eitt über einförmiges, ermüdendes Gelände 
kamen. Sein hohes Portal mit den reichen geometrischen Schmuck- 
bändem schaut noch aus der Wildnis weitläufiger, unübersichtlicher 



') Dieser Ort muß auf ß, Kiepbbt's neuester Karte viel weiter östlich 
angesetzt werden, ebenso ist Doschembe, wo fragweise Osta eingetragen ist, viel 
m nördlich eingezeichnet. 



30 Ewdechan-Eudokia 

Ruinen heraus, über denen teilweise ein kräftiger Fichtenwald auf- 
gewachsen ist. Dazu ist die Trümmerstätte, soweit sie nicht nach 
Werkstücken für das unferne Ädalia durchsucht ist, von den reich- 
lichen Kalkablagerungen mehrerer Leitungskanäle, welche die antike 
Stadt durchzogen, völlig versintert. Im Süden bemerkten wir einige 
Gräberstraßen mit einer Unzahl von mächtigen Sarkophagen, die in 
ihrem teilweise sehr rohen Schmuck eine entartete Kunst offen- 
baren (Abb. 9). Die Theken sind mit Darstellungen von Toten- 
malen, mit Ochsengespann, Medusenhäuptem , Buckelschildern mit 
Speer u. a. geschmückt und tragen vielfach Tafeln, deren Inschrift 
infolge des porösen Muschelkalks meist zerstört ist. Die satteldach- 
artigen Deckel sind größtenteils abgestürzt und gewaltsam zer- 
trümmert.^) 

Schon die Bauweise der Euinen verrät das späte Alter dieser 
antiken Stätte, die ihre größte Ausdehnung erst in byzantinischer 
Zeit gehabt haben muß. Daniels Stadtplan bei Spratt, den man 
mit Rücksicht auf die verwirrende Masse mittelmäßiger Ruinen 
trefflich nennen muß, zeigt drei christliche Basiliken, von denen ich 
zwei wiederfand. Von der dem Chan am nächsten eingezeichneten 
Kirche sind vor nicht langer Zeit bereits ein Teil der Fundament- 
mauern herausgeholt worden, die andere, welche hart an dem Weg 
von Adalia nach Istanoz beim Kawee liegt, war eine dreischiffige 
Säulenbasilika, von der nur noch ein Teil der runden Chorwand 
aufrecht steht, während die übrigen Mauern aus häßlichem Kon- 
glomerat bis auf den Grund verfallen sind. Im Innern liegen noch 
die Trommeln von Kalksteinsäulen, mehrere Stümpfe stehen vielleicht 
noch an ihrer ursprünglichen Stelle.^) 

Die Ruinen um den Ewdechan sind zweifellos keine andern 
als die von Eudokia, worauf schon der moderne Name hinweist. 
In der ältesten Bischofsliste der Notitien wird Eudokia gleich 
hinter Adalia genannt, während frühere kirchliche Verzeichnisse 
die Stadt mit Termessos zusammen aufführen. 3) Nach dem Konzil 
von Chalcedon hat Eudokia aber seinen eigenen Bischof, außer dem 
Le Quien noch vier weitere nennt. Zwischen 451 und 458 war 

*) Die Ruinen vom Ewdechan erwähnt von Hirschfeld in seinem Reise- 
bericht 1874 p. 716. — Spbatt and Forbes 1, 228 und kurz bei Lanckobonski, 
Städte Pamphyliens p. 19; Städte Pisidiens p. 121 u. 187 mit Abbild, des Chans. 

*) Dr. Michel gibt auf Grund nochmaligen Besuchs Kammern seitlich vom 
Chor an, die Länge der Kirche zu 21,6 m, die Breite zu 17,6 m. 

») Gelzeb , Abhandl. der bayr. Akad. der Wissonsch. XXI, 541 (399). — 
Konzil von 431 und 448. Hierocles 680, 2: Beg^itaabg xal Ei^doxia. 



Adalia 31 

die Stadt zum Bistum erhoben worden, nachdem sie schon vorher 
zwischen 421 und 431 den Namen der zum Christentum über- 
getretenen Eudokia, der Gemahlin des Kaisers Theodosius IL, an- 
genommen und den frühern anstößigen, Jovia wie ich vermute, 
abgelegt hatte.*) 

Unvergeßlich wird es mir in Erinnerung bleiben, als wir 
am 2. Mai in der abendlichen Dunkelheit zu Adalia durch den 
stillen Bazar unter den grünen Lauben von Platanen , Rosen und 
wilden Eeben einritten, durch tuchüberdeckte Gassen, in die der 
Vollmond sein zerstreutes, magisches Licht warf. Ebenso über- 
raschte uns am folgenden Tag, als wir einen Rundgang machten, 
die malerische Lage der Stadt, die amphitheatralisch vom Halb- 
rund des Hafenbeckens aufsteigt, die Überfülle ihrer Gärten an 
Feigen, Mandeln, Orangen, Nußbäumen, Granaten, Kirschbäumen, 
Oliven, den mächtigen Kakteen und Oleandern. In vielen Kanälen 
rinnt das Wasser des Duden durch die Gassen und treibt vor 
seinem cascadenartigen Sturz ins Meer eine große Anzahl von 
Mühlen. Vom hohen Strand aus verfolgt das Auge die prächtigen 
Piks der hohen lycischen Berge, deren Häupter bis in den Sommer 
hinein von Schnee bedeckt sind, in nächster Nähe das Solymergebirge 
des einst verrufenen Geschlechts bis hinab zum Janartasch von 
Olympos, wo das Feuer der Chimära brennt. Leider ist es hier 
im Sommer vor drückender Hitze und Fieberluft kaum auszuhalten. 
Denn im Norden und Nordosten dehnen sich Sümpfe stundenweit 
aus, die in den heißen Monaten böse Krankheiten hervorrufen. Kurz 
nachdem wir Adalia verlassen hatten, war die Cholera daselbst 
ausgebrochen. 

Schon Hierokles zählt in seinem Synecdemus Adalia unter den 
Episkopalstädten der Eparchie Pamphylien auf. Unter dem Kaiser 
Alexios wurde es 1084 zur Metropolis erhoben. 2) Zur Zeit des 
zweiten Kreuzzugs nahm es Ludwig VII. gastlich auf, der von hier 
zu Schiff nach Antiochien übersetzte. Denn den Küstenweg hielt 
Kilidj Arslan besetzt, der in seinem unzugänglichen Felsenhorst am 
Alaratschai kaum drei Tagereisen von Adalia entfernt hauste. Auf 



') Vgl. auch Ramsay im Americ. Journal of archeol. IV p. 8, der aus altern 
kirchlichen Dokumenten die Redeweise zitiert; „(iitiaxonog) TtQfiTiacov xal 
E'bdo'Kiddoe xal 'loßiag*. Deshalb auch seine sonst richtige Konjektur (Geo- 
graphy p. 18) in .Zenodotus Termessi et Eudociadis civitatis Joviae* zu ver- 
bessern ist, wie ich auch seine Erklärung von Eudocia und Jovia als Epitheta 
von Termessos ablehne. 

2) Gelzer, in den Abhandl. der Bayr. Akad. XXI, 547. 



32 Die Panagiakirche zu Adalia 

unserm Rückmarsch aus dem östlichen Pamphylien besuchten wir 
das auf hohem Berg in märchenhafter Wildnis gelegene Schloß, an 
dessen Fuß der wilde Gebirgsstrom vorüberbraust. Der arabische 
Geograph Ibn Batuta rühmt im XIV. Jahrhundert die Stadt Adalia 
als eine der schönsten in der Welt mit ihren doppelten Mauern 
und einem bedeutenden Emporion. Der letzten Kreuzfahrerflotte 
unter Pietro Mocenigo gelang es trotz rühmlicher Taten nicht, das 
osmanische Bollwerk zu erstürmen. Nur den gesperrten Hafen 
sprengte die Flotte und nahm die Kette mit, die als Siegeszeichen 
in der Sakristei von St. Peter in Rom aufgehängt wurde.^) 

Paul Lucas, der erste europäische Besucher Adalias erzählt 
1714 in seinen wunderbaren anatolischen Berichten, wie er hier 
bei seinem Rundgang durch die Stadt, die er Satalie nennt, eine 
sehr schöne Kirche der Gottesmutter angetroffen habe, die in eine 
Moschee umgewandelt sei, daß über den Türen aber noch die christ- 
lichen Wappen, daninter auch dasjenige von Gottfried von Bouillon 
prangten. Auch wäre eine verschlossene Kapelle in der Kirche, die 
von den Mohammedanern nicht betreten werde, weil jedesmal der 
Besucher stürbe. Die einen glaubten dabei an Zauber, die andern 
an die Wirkung vieler daselbst verborgener Reliquien.^) Nach 
mannigfachen Umfragen bei den griechischen Bewohnern und der 
Geistlichkeit gelang es uns, in der Ruine der Djumanün Djamisi 
die alte Hauptkirche Adalias wieder zu entdecken. **) 

Nachdem ein Brand in den letzten Jahrzehnten den Dachstuhl 
der Kirche eingeäschert hat, geht sie einem raschen Verfall ent- 



') RiTTEB, Kleinasien II, 643. 

*) Lucas, Voyage dans la Gr^ce, TAsie Mineare etc., Amsterdam 1714, 
p. 244 f.: Les chr^tiens j avoieot ^lev^ autrefois en ThoDiieur de la Sainte Vi^rge 
une fort belle Eglise: mais lorsqiie les Turcs sont redevenus les maitres de la 
ville , eile a 4t^ . chang^e en Mosqu^e. Ce bätiment est a voir , soit pour sa 
structure, soit parce qu^il porte encore des marques de la bravoure des Fran^ois. 
C'est un beau Yaisseau d'une grandear, qui surprend et dont Tarcbitecture est 
d'un bon goüt. Partout sur les portes et sur les murailies paroissent encore les 
^eussons des Chr^tiens: Celui de Godefroi de Bouillon aj fait distinguer par 
sa grandeur et par les premiöres places qu^il occupe'' etc. 

^) Hirschfeld nennt in seinem Reisebericht 1875 p. 715 ,eine einst pracht- 
volle byzantinische Kirche, von welcher nur ein Teil in eine Moschee Sultan 
Chorkud's hin ein verbaut ist*. Es kann nur die Djumanün Moschee sein, da sich 
sonst keine umgewandelte Kirche in Adalia befindet. — Über diesen Bau vgl. 
auch Lanckobonski, Städte Pamphyliens p. 26 f. u. Fig. 16 (Eingangstür), Fig. 17 
(Säulenkapitäl), Tafel X (Plan mit Längs- und Querschnitt), Tafel XI (Tür der 
Südseite und ein Pfeilerkapitäl). — Ferner von Adalia die schönen Heliogravüren 
daselbst Tafel I— V. 



II Psniglk) lu Adklis. 



34 DjumauilQ-Djamisi in Ädalia 

gegen (Abb. 10). Schon stürzen die Seitengewölbe ein, und das Innere 
dient gewissermaßen als Schindanger, so daß wir nnr mit Über- 
windung die Arbeiten an dem nicht leicht zu analysierenden Bauwerk 
beenden konnten. Nikmann hatte während der österreichischen Expe- 
dition, die bereits den Bau in Verfall antraf, denselben als einstige 



christliche Basilika erkannt, jedoch nur einen ungenügenden Plan 
und eine noch dürftigere Schilderung desselben im Eeisewerk ge- 
geben.») 

') Daher der leithtverzei bliche Irrtum Strzvgowhki'b, welcher die Ruine 
als Kuppelbtuiliku rekonstruiert. Strzyüowsei, Kleiuasiea, ein Neuland der 
Kunstgeschichte p. 168f. 



DjitmaiiUD-DJamisi in Aditlhi 



35 



Wir haben in der jetzigen Kirchenruine eine lange Architektur- 
gesehiehte vor uns mit verschiedenen Zerstörungen, Um- und Kn- 
banten. Zu den ältesten Bestandteilen gehören die Untermauer 
des fast östlich gerichteten Chors einschließlich des umlaufenden 
Gesimses, fünf Säulen und Eeste von Pfeilern und Kapitalen, Tiir- 
nmrahmungen und Türteile an der West- und Südseite. Das durch einen 
Pfeiler mit Halbsäulen getrennte Doppelfenster des Choi-s mit zwei seit- 
lichen Öffnungen erleuchtete von Osten her das Innere, während das 
Ochsenauge der Halbkuppel 

einer spätem Epoche, doch i 

vor der Tiirkenzeit, angehört. 

Die nördlichen und südlichen I 

Chorecken stoßen inwendig 
stumpf auf die Flügelmanem 
und die Längswände der spä- 
tem Pfeilerarkaden des Mit- 
telschiffes auf. Erst etwa 
einen Meter oberhalb des 
mit Palmetten und Eierstab 
verzierten Chorgesimses, das 
einst seitlich weiter lief, 
aber durch die nachfolgen- 
den Eestaurationen abge- 
schlagen wurde , sind die 
spätem Oberwände von Chor- 
und Arkadenmauern bindig 
gemauert. Dies ist der 
sicherste Beweis , daß der 
Chor noch der ältesten Kir- 
chenanlage angehört. 

Diese war, wie Säulen- 
und Pfeilerreste im Plan es 
deutlich beweisen, einst eine Abb. is, s«uiBDknpitii im •adiiohe« Nabwichifr 
fünfscbiffige Basilika, dei-en 

rundbogige Arkaden aus Zi^eln errichtet waren (Abb. 11). An 
den beiden östlichen Durchgängen ins südliche und nördliche Seiten- 
schiff liegen die Bogen frei zutage, auch bei den übrigen kann 
man eben noch den Ansatz wahrnehmen. Die Kapitale der Säulen 
und Pfeiler sitzen in einer Höhe, dies neben anderm ein Beweis, 
daß die Stützen noch an ihrer alten Stelle sich befinden. Wir 
haben an verschiedenen Orten, wo sich weitere Träger vermuten 



36 Älteste Teile der DjumRnlin-DjamiBi 

lassen mußten, bis anter den jfingern Boden tief nachgraben lassen, 
aber keine Spur mehr weder von Säulen nocli von Pfeilern finden 
können. Wenigstens hat sich damit die hohe Wahrsclieinlichkeit 
ergeben, daß zwischen den alten, heute noch sichtbaren Pfeilern 
ebenfalls Säulen standen, da man die Pfeilerreste kaum so gründlich 
entfernt hätte. 

Die aus feinem Inselmarraor hergestellten monolithen Säulen 
tragen Komposit- und Kämpferkapitäle (Abb. 12), die mit einem Ge- 
ranke von Efeublättem und distelartigem Akanthus in gleichmäßiger 
Flächenverteilung geschmückt sind. Klassischer im Motiv und in der 
Behandlung sind die 
Pfeilerkapitäle,deren 
harmonisch durch 
Peilschnüre abge- 
stufte Flächen band- 
umschlungene Roset- 
ten, Kreuze, stili- 
sierte Vasen, Wein- 
ranken mit Beeren 
nnd Blättern zieren, 
welche in ihrer spit- 
zen Behandlung mit 
den Efenblättem der 
Säulenkapitäle zu- 
sammengehen (Abb. 
13). Nach oben hin 
schließen die Pfeiler- 
kapitale mit Eier- 
stab und einem ver- 

Abb. 18. PraUarkmpllftI Im nördl. Schiff d.r DinrnmUn-Djumlii. 

wilderten lesbischen 
Kyma ab. Der Pfeilerkörper unterhalb des Kapitals muß mit Marmor- 
platten belegt gewesen sein, da dies überall aus der Vertikalen aus- 
rückt. Die gleiche proportionale Flächeneinteilung finden wir bei 
der Südtür, die fast völlig im Schutt begraben ist. Reicher ge- 
gliedert war im Schnitt die Haupttür, die aus dem Narthex in das 
Kircheninnere führt, deren mit Zahnschnitt außerdem verzierte 
Verdachung von seitlichen Konsolen getragen wurde. Leider ist 
dieselbe, wie auch die entsprechende Mitteltür der Vorhalle jetzt 
fast völlig zerstört. Wir können an diesem Bau mit Hinsicht auf die 
Aufnahmen der österreichischen Expedition sehen, wie rasch der Ver- 
fall der Denkmäler in Kleinasien in dreißig Jahren fortschreitet. 



Älteste Teile der Djumanltn-DJHi 



Abb, 14. SUdllEh* Kurtbutüt an dar DlumnDflo-DJimili. 

Die Türgewände der das Hanptportal flankierenden Seitenein- 
gänge wurden bei der zweiten Eirchenanlage eingemauert; doch 
konnte ibr Standort noch bestimmt werden. Die beiden seitlichen 
Narthexttiren sind regellos zusammengesetzt, indem jedesmal in 
gleicher Weise Gebälkstiicke auf völlig fremde Werkteile auf- 
gelegt wurden (Abb. 14). Ihre Unterlager mit dem scharfgezackten 
Akanthns und der eigenartigen Profilierung darunter samt Zahn- 
schnitt und Eierstab gehören nicht an diese Stelle, so wenig wie 
die Quaderpfosten mit dem Einschnitt in der Mitte. Die letztem 
"Werkstücke fand ich an der Oberwand der äußern Chormauer als 
Widerlagspfeiler eingebaut. An dem Sturz der südlichen dieser 
beiden Narthextüren bemerkt man bei schärferem Znsehen, daß 
dieser selbst wieder aus zwei etwas verschiedenen Werkteilen be- 
steht. Das linke Stück, das noch überflüssig weiterläuft und also 
nicht etwa ergänzend „nachgearbeitet" werden mußte, hat außer 
der gleichen Verhältnisteilung durch Perlschnüre auch denselben 
Eierstab und das verwilderte lesbische Kyma wie das Pfeilerkapitäl, 
das hier abgebildet ist. 

Als ich auf einer Leiter zu den romanisch anmutenden, tiefen 
Nischen des Chors außen hinaufstieg, entdeckte ich hier Eeliefstücke, 
die bei der spätem geraden Abmauerung des Chors in die Strebe- 
pfeiler eingelassen wurden. Sie haben daselbst keinen zielenden 



38 Älteste Teile der Djumanün-Djainiei 

Zweck mehr, da sie voa unten kaum gesehen werden konnten 
(Abb. 15a u. 15b). Da der Fries an einem Quadergefuge entlang 
läuft, das aus Läufer und Binder besteht, so glaube ich, daß diese 
Werkteile in der ur- 
sprünglichen Kirchen- 
anlage als Wand pf eiler 
von Brüstungen ge- 
dient haben. In der 
Behandlung ihres Or- 
naments wie im Mo- 

p tiv offenbaren sie eine 

5 große \'erwan(lfscliaft 

p mit Gesimsstückeu in 

p derNikolauskirche von 

si Myra, von der wir wei- 

I ter unten zu sprechen 

1 haben: Eine kühn- 

■ geschwungene Ranke, 

l aus deren Blattwerk 

5 Blüten nnd Früchte 

1 hervortreiben. Kinmal 

« ei-scheinen im Mittel- 

3 feld ein jetzt verstüm- 

a- meltes Kreuz und zwei 

! Fische nebeneinander, 

f das altchnstliche Sym- 

I bol. Den bedeuten- 

% den Abstand dieses 

S Rankenornanientsvom 

^ Klassischen können 

wir lokal am Had- 
rianstor in Adalia, am 
Gebälk desNymphäons 
zu Aspendos und an 
der dortigen Bühnen- 
wand am besten er- 

Abb. IS». Abb. ISb. 

kennen.') 
Weitere Trümniersliicke aus der ersten Periode der Kirche 
sind in den spätem Obemiauern des Mittelschiffs verwendet. Sie 

■) r,Asi-K<inossKi. SiMtc PHm|ihylieii8 p. 22. 311 100. 111, TiiM VII. 



Älteste Teile der Djamanün-DJAiiiisi 39 

€Utsprechen in Form und Ornament genau den Pfeilerkapitälen 
im Untergeschoß. Zwei Kapitale sind in der nördlichen obem 



Arkadenmauer außen noch sichtbar, auf der entsprechenden Süd- 
seite liegen sie anscheinend auf zwei Strebepfeilern der spätem 
Maner, die jedoch nichts anderes sind, als die Emporenpfeiler der 



40 Die zweite Periode der Djumanün-Djamisi 

ältesten Anlage, die nur im Norden völlig in die spätere Wand 
einbezogen wurden. Alle vier Kapitale resp. deren zugehörige 
Pfeiler sitzen aber in den Achsen der entsprechenden Stützen im 
Erdgeschoß. Der Schmuck dieser Kapitale war auf Sicht von allen 
Seiten gearbeitete) 

Wir können also die Emporenanlage der ältesten Basilika 
rekonstruieren, wenn wir zwischen die Pfeiler entsprechend dem 
Erdgeschoß Säulen einstellen. Die damalige Emporenmauer muß 
noch bedeutend über diesen Stützen in die Höhe gestiegen sein, da 
das Pultdach über den beiden Nebenschiffen nicht unmittelbar auf 
diesen Pfeilern gesessen haben kann. Eine Zwischenmauer muß 
auch in den Emporen über den Arkaden der Nebenschiffe ange- 
nommen werden, auf welcher dieses Dach in der Pfeilerhöhe der 
Empore ruhte, um mit seinen Enden an den Außenmauern des 
Mittelschiffs und auf den Umfassungsmauern aufzuliegen. Fenster 
in den Obermauem über den Emporen werden dem Mittelschiff 
Licht zugeführt haben. Diese älteste Basilika gehört, wie an 
seiner Stelle noch näher ausgeführt werden wird, dem V. Jahr- 
hundert an. 

Die Standfestigkeit der Stützen muß mit der Zeit bedenklich 
geworden sein oder eine teilweise Zerstörung durch Erdbeben oder 
Feuer in der Folgezeit stattgefunden haben. Die Kirche wurde 
spätestens im VII. Jahrhundert in eine Pfeilerbasilika umgebaut. 
Zunächst stützte man den Chor, indem die ganze Ostseite der fünf- 
schiffigen Anlage durch eine gerade Mauer abgeschlossen wurde. 
Der Chor erhielt somit seitlich rechteckige Kammein, die heute zum 
größten Teil zerstört, deren Fundamente aber an der Südostecke 
noch deutlich zu sehen sind, wo jetzt ein moderner Bau sich ein- 
genistet hat, in dessen Hof man auch noch den obem Teil der 
Verbindungstür der Südkammer mit den Seitenschiffen wahrnimmt, 
während hohe Schuttmassen den Zugang von den Schiffen her ver- 
decken. In Höhe der Chorfester schuf man durch Widerlags- 
pfeiler und Tonnengewölbe eine Art Loggia nach der äußeren 
Schauseite hin (Abb. 16). 

Die übrigen Umfassungsmauern müssen auf den alten Funda- 
menten wieder aufgeführt worden sein, indem man dabei die Türen 
meist an ihrer alten Stelle beließ. Die Planzeichnung veranschau- 
licht dies Verhältnis am besten, obwohl sich hier Trennung von 



^) Auch die Emporenpfeiler waren mit Mannor inkrustiert. 



Die zweite Periode der Djuninnün-Djar 



Abb. 11. TOI gnd VuduGbwig dar BQdiMuar in dar DJiuuuiüi-DJamlil. 

altem Grundstock und von Maiierbestandteilen der zweiten Periode 
und vor allem der darauffolgenden Restauration nicht durchführen 
ließ. Es ist zuviel miteinander verbaut, and eine technische, tiefer- 
greifende Untersuchung wird in solch entlegenem ^Vinkel Anatoliens 



42 Die zweite Periode der Djumanün-Djamisi 

von den Behörden nicht gestattet, von dem baufälligen Zustand 
der Ruine ganz abgesehen. Auch die Vorhalle gehört spätestens 
dieser Epoche an wie die Anlage des kreuzdurchsetzten Vestibüls, 
das allerdings nachmals manche Änderung erfahren hat. Hohe, 
rundbogige Fenster sind heute noch in der Südmauer des Lang- 
hauses sichtbar, obwohl sie neuerdings teilweise zugebaut wurden. 
Vielleicht gehören auch diese noch dem ersten Plane an. 

Die Nordmauer ist, wie wir gleich sehen werden, in späterer 
Zeit niedergerissen worden. Daß die heutigen Umfassungsmauern 
als solche in die zweite Periode fallen, beweist der Umstand, daß 
sie mit den östlichen Endmauern des Seitenschiffes — den West- 
wänden der seitlichen Chorkammern, die bekanntlich stumpf auf 
den Chor stoßen — , im Verband stehen, zweitens, daß die Nische 
mit der Verdachung über der ursprünglichen Südtür (Abb. 17) gleich- 
zeitig mit ihrer Mauer entstand. Die eigentümlich geschweifte Form 
aber ihrer Konsolen, ihre Verzierung wie diejenige der giebelartigen 
Abdeckung weisen auf eine Entstehung in nachjustinianischer Zeit. 
Das Kämpfergesims der Strebepfeiler am Choräußem schmückt genau 
dasselbe Ornament wie das Giebelgesims über jener Südtür. Diese 
Werkteile am Chor aber sind, wie jeder sofort sehen kann, eigens 
für ihren Zweck gearbeitet worden, eben damals, als der gerade 
Chorabschluß erfolgte. Der Grund für die Anbringung jener Nische 
am Südeingang ist wohl nur ein ästhetischer, um der Tür nach 
außen hin einen giebelförmigen Abschluß gleich einem Vordach 
zu geben. 

Im Innern ummauerte man die alten Stützen ungefähr in ihrer 
ursprünglichen Flucht mit breiten Pfeilern in der ^^'eise, daß man 
die Säulen und Pfeiler teils frei stehen ließ, teils halb, teils ganz 
zudeckte. Wahrscheinlich öffnete sich damals das Hauptschiff 
zwischen fünf Pfeilern in vier großen Durchgängen nach den Seiten- 
räumen. Eine folgende Restauration hat nämlich später wieder die 
EinStützung der zweiten Kirchenanlage völlig in willkürlicher Weise 
umgestaltet. Am Spitzbogen aber der drei resp. zwei mittleren 
Arkaden beiderseits im Hauptschiff erkennen wir deutlich diese letzte 
Pfuscherarbeit. Nun sind die beiden östlichen und westlichen Rund- 
bogenarkaden noch in ihrer ursprünglichen Konstruktion erhalten. 
Sie haben die gleiche Breite und ihr rundbogiger Scheitel liegt in 
gleicher Höhe. Da diesen Durchgängen immer zwei Öffnungen von 
2,30 m Höhe und 1,25 m Breite in den Oberwänden entsprechen, 
diese aber im ganzen von acht solcher Fenster in gleichem Abstand 
durchbrochen sind, so entfallen demnach auf die vier mittleren zwei 



43 



W^ 




Abb. 18. Grundriß der Djamanün-Djamisi (Kirche der Panagia) in Adalia. 



44 Die Restauration der Djumanün-Djamisi 

untere Durchgänge. Im Reisewerk von Lanckoroxski ^) zeichnete 
Niemann noch die beiden hinteren Oberfenster ganz schmal und 
spitzbogig, während die übrigen wieder die gleiche Breite haben. 
Ebenso ist daselbst der Durchgang unter diesen beiden obern 
Öffnungen geschlossen und nur von zwei kleinen Fenstern durch- 
brochen. Dazumal stand noch in dieser Ecke der Mirabar, dem 
zuliebe man an dieser Seite hin die Wand möglichst abzuschließen 
suchte. Heute ist das türkische Flickwerk dieser Vermauerung 
im Unter- und Obergeschoß wieder verschwunden wie die Fenster- 
verschlüsse, die man in Niemann's Längsschnitt noch sehen kann. 

Über die Stützen und die Einwölbung der Seitenschiffe aus 
der zweiten Epoche läßt sich nichts vermuten, da die spätere 
Restauration gerade hier alles in der liederlichsten Weise gestützt 
und eingedeckt hat. Jedenfalls waren Kreuzgewölbe kaum ein- 
gezogen, da in der Südwand keine Wandpfeiler aus dieser Zeit 
vorhanden sind. Diese gehören der Eestauration an und stehen 
mit der Wand nicht im Verband. Wo die Wölbung, wie am Ende 
der südlichen Nebenschiffe, eingestürzt ist, mußten wir diesen spätem, 
abgefallenen Wandpfeiler aufgraben. Das Mittelschiff war wohl auch 
in der zweiten Periode flach gedeckt, da am Ostende der heutigen 
Obermauem noch die Löcher für die Balkeneinlager sichtbar sind. 
Allerdings fällt die ganze Mitte der Oberwand samt den Pfeilern 
darunter, wie auch die Obermauer im Westen mit ihren beiden 
Fenstern in die spätere Renovationszeit, welche zur Verstärkung 
der Mauern auch nach dem Hauptschiff hin risalitartig vorrückte. 
Die zweite Basilika hatte keine Emporen mehr, da ich, von 
andern Beobachtungen abgesehen, auch keinen Aufgang zu solchen 
feststellen konnte. 

Die ganze nördliche Umfassungsmauer wurde anläßlich der 
Restauration, die nach einer argen Zerstörung der Kirche vor- 
genommen wurde, zum größten Teil niedergelegt und die Arkaden 
zwischen den ursprünglichen beiden nördlichen Seitenschiffen ge- 
schlossen. In die neugeschaffene Wand fügte man Fenster ein, die 
ein verzierter Holzbalken als Sturz oben abschloß. Ebenso brach 
man seitlich der Eingangspforte aus dem Narthex in das Kirchen- 
innere Türen hindurch. Die südliche ist noch mit dem Relief ihres 
Architravs gut erhalten, obwohl das Holz ganz schwarz geworden 
und zum Zweck einer Aufnahme getüncht werden mußte.-) Die 



*) Lanckoronski, Tafel X. 

^) Siehe die Kopfleiste am EiDgang dieser Arbeit (Abb. 2). 



Die Restauration der Djumanün-Djamisi 45 

interessanten Schnitzereien mit ihren Greifen, Seelen vögeln und den 
spiralförmig endenden Kreuzen verraten deutlich ihre Zugehörig- 
keit zum zweiten Jahrtausend, und genauer, mit Rücksicht auf 
die konstruktive Anwendung des Spitzbogens bei der Restauration, 
etwa zum XII. Jahrhundert. 

In die Epoche der Restauration fällt auch die spitzbogige 
Wölbung des Chorbogens und die lässige Eindeckung von Narthex 
und Vestibül.*) Das letztere ist in türkischer Zeit nochmals stark 
verändert worden durch Abbruch und häßliche Neubauten. Den 
völlig modernen Eingang flankiert heute ein Minaret und in der 
Nordseite hat sich ein Bäcker eingerichtet. Über den ursprünglichen 
Charakter und Zweck des Vestibüls selbst, bei dem man natürlich 
am ehesten an eine Grabkapelle zu denken hat, wage ich bei dem 
heutigen Zustande nicht zu urteilen. 

Erst nach der liederlichen Wiederherstellung im XII. Jahr- 
hundert sind die Wände mit Stuck beworfen und noch später völlig 
bemalt worden. Beide Schichten kommen heute unter der Tünche 
der Türkenzeit infolge der Verwitterung und der Abwaschung durch 
den Regen zutage. Zwischen dem zweiten und dritten Oberfenster 
erkennen wir noch deutlich, auch ohne die leserliche Beischrift, eine 
Prophetengestalt in Überlebensgroße, eine Rolle in den gutgezeich- 
neten Händen haltend. In Farbgebung und Stil stimmt sie mit den 
Malereien zu Suwasa überein, die, wie wir später sehen werden, 
der Zeit des Kaisers Theodor Laskaris angehören. Unter diesem 
Propheten ist ein Buch aufgeschlagen, vielleicht die Darstellung 
der Etimasie. An der innem Westwand wie im Narthex kommen 
jetzt Malereien zum Vorschein, leider zu zerstört, um den Gegen- 
stand deuten zu können. Sogar die Wangen der Oberfenster waren 
figürlich bemalt. Bald aber nach der Ausschmückung wird die 
Hauptkirche Adalias in türkischen Besitz genommen worden sein. 

Als Material sehen wir im Chor Quadersteine mit glatter Fläche 
und paralleler Fügung verwertet, während beim Bau der zweiten 
Periode dieselben nur an stützenden Teilen, an Bogen, Fenstern 
und der Chorummauerung auftreten, hingegen die Wände im übrigen 
aus glattem Bruchgestein unter Verwendung eines trefflichen Kalk- 
mörtels errichtet wurden. 

Neben der südlichen Westtür der Vorhalle ist eine christliche 
Inschrift vermauert. In einem vertieften Feld unter einem Rund- 



^) Bei Niemann, Querschnitt Tafel X, ist die Halbkuppel des Chors rund- 
bogig gezeichnet. 



46 Perge 

bogen ist ein Kreuz mit etwas verlängerter Hasta eingehauen und 
zur Hälfte zerstört. Die beiderseitige Inschrift lautet: 

+ KtBOH^HT0NAOyJCOW 

R nrc AeONTA 




NH 



/////// 



+ K{igi)B ßoi'i&H Tov 8oi;{l6v) aov ^iovxa 
6 XQ{taT)'ji na\n 7i\ag 
'I{}j<rov)g Ä{giaT6)g vt{xq:),^) 

Kaum waren wir von Adalia weggeritten, so ließ die Ver- 
waltung eine große Mauer um die Ruine bauen. Denn gleich nach 
unserer Abreise war in unmittelbarer Nähe der Kirche die Pest aus- 
gebrochen, was ich für sehr erklärlich halte. Durch die Zernierungs- 
mauer ist also eine Gesamtaufnahme der Ruine unmöglich gemacht. 
Außerdem zwang mich ein Unfall, nach meiner Rückkehr von Alaja 
schleunigst nach Europa abzureisen, wodurch eine nochmalige Be- 
sichtigung des Bauwerks und weitere Grabungen unterblieben. 

Die übrigen Kirchen Adalias sind, so weit wir uns davon selbst 
überzeugen konnten, wie auch nach der einstimmigen Aussage 
unserer Freunde und der Pappaten sämtlich lieueren Datums. Nur 
von der Philippuskirche im Stadtviertel Jenikapu steht noch der alte 
Chor mit Schlitzfenstern, aus kleinern Kalksteinquadem aufgebaut. 
Eine einfach profilierte Rundbogentür in dem Südeingang entstammt 
ebenfalls dem Mittelalter. 

Von Adalia aus ritten wir mehrere Tage hintereinander nach 
Perge, der alten Metropolis des kirchlichen Pamphyliens, hinüber. 
Stundenlang führt der alte verfallene Straßendamm durch verpestete 
Landschaft. Zu beiden Seiten breiten sich weite Sümpfe aus, in 
denen Millionen von Fröschen quaken und zahlreiche Störche auf 
Reptilien Jagd machen. Es sind die Wasser des Duden, die sich 
auf dieser letzten Treppenstufe der pamphylischen Terrasse nochmals 
in der Ebene stauen, um dann in prächtigen Fällen über die steilen 
Felswände ins Meer hinabzustürzen. 

Nach zweistündigem Ritt durch ermüdend einförmiges Gelände 
gelangt man in die Hügellandschaft, die im Frühjahr und Herbst 
einige tiefe Bäche durchziehen. Im trockenen Bett eines solchen 

^) Vgl. auch Lanckoronski , Städte Pamphyliens p. 163 No. 27, wo die 
Inschrift ungenügend veröffentlicht ist. 



47 




6.7T 

Abb. 19. Untere Kirche (A) von Perge. 



48 Untere Kirche in Perge 

reiten wir linker Hand aufwärts und treten nach wenig Minuten 
an einem alten Stadttor und einer kühlen Quelle vorüber in die 
Ruinenstätte von Perge (Abb. 22).^) Welch wehmütiges Bild um- 
fängt uns da! Die herrlichen Bauten der alten Artemisstadt, das 
Stadion, die Thermen, Säulenstraßen, Basiliken, Ringmauern und 
Türme stecken tief im Sumpf und Gestrüpp. Mehrere Meter hohes 
Schilf ist »hier empor gewachsen, in dem allenthalben zahllose 
Schlangen unheimlich rascheln und eine drückende Schwüle herrscht. 
Das Chaos dieser Ruinenwelt durchziehen Jürüken, deren schwarze 
Kühe unter den schiefen Gewölben des Stadions Schutz vor den 
Sonnenstrahlen suchen und beim Nahen der Pferde erschreckt her- 
ausschießen und das Weite suchen. Nur das Theater lehnt trotzig 
am westlichen Hügelabhang, noch imposant genug, um von seinen 
obersten Stufen aus die Akropolis von Syllion und Aspendos im 
Dunst der blauen Ferne erkennen zu lassen. Es gehört zu den 
größten antiken Schauspielhäusern und hatte für ungefähr 12 000 Zu- 
schauer Platz. 

Kommt man die von der Meerseite herführende Hallenstraße 
und tritt durch das Südtor der Jüngern Stadtumwallung hindurch, 
so liegt rechter Hand, bevor man zu dem großen Macellum gelangt, 
die Kirche A, ein nahezu östlich gerichteter Bau, ganz im Schilf 
und Röhricht versteckt.-) Der Chor steht noch einige Meter auf- 
recht, vom übrigen sind meist nur die Grundmauern zu verfolgen und 
selbst diese noch vom wildesten Gebüsch überdeckt. Ein breiter und 
langer Querraum legt sich zwischen Chor und Langhaus, rechteckige 
Kammern flankieren die Apsis (Plan in Abb. 19), welche samt diesen 
in der bekannten syrischen Weise außen durch eine gerade Mauer in 
der ganzen Breite der Ostseite abgeschlossen ist. Die Apsis mit 
überhöhtem Halbkreis im Grundriß, öffnete sich in großen Fenster- 
arkaden, deren Bogen und Mittelpfosten heute abgestürzt sind, nach 
außen. Erst in den Obermauern folgen dann seitliche Fenster, von 
denen nur immer die dem untern Hauptfenster zugekehrte Wange 
erhalten ist. Durch Pfeiler und Gurtbögen wurden die seitlichen 
Kammern, die von hohen rundbogigen Fenstern erhellt wurden, in 



^) liiRSCHFELD, Reisebericht 1874 p. 722 f. — Texier-Püllan, Architecture 
Byzantine p. 238 PI. XVI erwähnt Mosaiken aus einer Kirche von Perge. Sie 
stammen jedoch, wie sein Plan auch angibt, aus den Bädern, die wenig Mi- 
nuten westlich von der Kirche A liegen. — Tjanckoronski, Städte Pamphyliens 
p. 33 f. 46 mit Stadtplan. 

*) Es war unmöglich, einen höhern Standpunkt zu einer photographischen 
Aufnahme zu gewinnen. 



•; KleinHlMiich« Denkmlll. 



50 Untere Kirche in Perge 

zwei Abteile getrennt und über ihnen, nach den Ansatzspuren zu 
urteilen, Kreuzgewölbe errichtet. Diese Kammern standen durch 
Türen seitlich des Chores mit dem Hauptraum der Kirche in Ver- 
bindung. Das Langhaus war durch je elf Säulen in drei Schiffe 
geteilt. Denn aus dem Abstände von drei Säulenstümpfen, die mit 
ihren Basen noch in situ stehen, läßt sich die ganze Stützenreihe 
rekonstruieren. Dieselbe endete im Westen in Wandpfeilern, den öst- 
lichen Abschluß bildeten weit in das Querschiff hinein vorgeschobene 
Pfeiler, die wiederum seitlich überluden. Da diesen wieder an den 
östlichen Flügelmauern des Chors inwendig Wandpfeiler entsprechen, 
müssen wir auch zwischen ihnen Säulenstellungen annehmen, sodaß 
also gewissermaßen ein seitlicher Umgang aus dem Längshaus um das 
Querschiff hergestellt wurde. Die spärlichen Reste von korinthischen 
Kapitalen und Gebälkstücken sagen zur Genüge, daß diese Kirche 
aus altern Werkstücken aufgebaut wurde. Drei Türen führten aus 
dem Kircheninnern in den Vorhof. Vom Atrium konnte ich nur die 
Nordmauer in ihrer ganzen Länge verfolgen und im übrigen mehrere 
Eingänge resp. Teile derselben festlegen. Im Nord- und Südwesten 
ist auch ein Pfeilerkem erhalten, dem gegenüber an der äußern West- 
mauer der Kirche ein Wandpfeiler entspricht. Zwischendrin lagen 
zwei Säulen von 0,50 m oberm Durchmesser, etwa in der Flucht 
der nördlichen Säulenhalle, die man ringsum in gleicher Weise er- 
gänzen muß. Nur durch Grabungen könnte man zu weitern Resul- 
taten gelangen; diese Basilika wie die weiter nördlich gelegene 
würden eine tiefergehende Untersuchung wohl verlohnen. In der 
linken Chorkammer an der Apsiswand sind noch Reste von Malereien 
erhalten, doch so zerstört, daß sich noch nicht einmal die Umrisse 
des Dargestellten erraten ließen. Die Fenster, soweit erhalten, 
haben tiefe Einschnitte, um Verschlüsse einzustellen. Technik und 
Material am Bau waren ausgezeichnet. Die durchschnittlich 0,45 m 
hohen, glatt bearbeiteten Quader waren nahezu ohne Mörtel in 
parallelen Lagerfugen geschichtet. Alles deutet wie bei der Kirche B 
auf eine Entstehung im IV. Jahrhundert. 

Wandern wir in der Talsenke auf der Hallenstraße, in deren 
Mitte ein Wasserkanal abwärts floß, der nördlichen Akropolis zu, 
so liegt linker Hand, bevor wir den Burghügel hinansteigen, die 
andere ausgedehnte Kirche Perges, nach Lage und Größe wohl die 
erzbischöfliche Metropolis (Abb. 20). Die östreichische Expedition, 
mit ein paar lässigen Sätzen über die kirchlichen Bauwerke Perges 
hin wegeilend , gibt von dieser Basilika, deren Chor noch gegen 
15 Meter aufrecht steht, an, daß sie „möglicherweise" fünf schiffig 



51 



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Abb. 21. Obere Kirche (B) vou Ferge. 



4* 



52 Obere Kirche in Perge 

gewesen sei und „daß das Hauptschiff durch Pfeiler abgeteilt, die 
Nebenschiffe je durch eine Säulenreihe" getrennt waren. ^) Daß 
die Basilika fünf schiffig war, zeigt ein Blick auf den beigefügten 
Plan, während ich von Pfeilern im Hauptschiff nicht das mindeste 
entdecken konnte, mit Ausnahme des östlichen Pfeilerpaares. Wären 
sonst noch derartige Stützen dagewesen, so wären sie neben den 
ordentlich erhaltenen nicht so spurlos verschwunden. Diesen beiden 
Pfeilern entsprechen nun an der Innern Westmauer Wandpfeiler, 
während nach der Chorwand hin sich ein breiter Querraum gleich der 
Kirche A einschob, ohne jedoch die Längsmauer zu durchschneiden. 
Ebenso sind von der Säulenreihe, welche einst die beiden Seiten- 
schiffe der fünf schiffigen Anlage trennte, noch die Wandpfeiler an 
den Mauern der Chorkammern nach dem Hauptraum zu erhalten. 
Die Mauern an der Westseite, wo man die entsprechenden Wand- 
pfeiler nach der andern Seite hin sucht, sind zu sehr verschüttet. 
Bei dem Überfluß an antikem Material, das bei Errichtung der 
Kirchen in jener Frühzeit den Architekten hier zu Gebote stand und 
dem Vorhandensein einer Reihe von monolithen Säulen, die im Innern 
umherliegen, sind wir genötigt, eine Teilung der fünf Schifte durch 
Säulenstützen anzunehmen (Abb. 21). 

Den Chor umgeben wieder seitlich die rechteckigen Kammern 
mit eingestürzten Kreuzgewölben, jede mit rundbogigen Fenstern 
und eigenen Zugängen nach dem Hauptraum. Eine gerade Mauer 
schließt die ganze Ostseite wie bei Kirche A ab.-) Ebenso öfftiete 
sich der Chor mit einem großen Mittelfenster nach außen, das 
durch ein oder zwei Pfosten geteilt war. Ihm entsprachen in der 
Obermauer des gestelzten Chorrunds seitliche Fenster, von denen 
wieder nur die eine Wangenseite erhalten ist. Die Halbkuppel 
darüber wurde aus Ziegeln und Guß werk konstruiert und macht 
den Eindruck einer spätem Eenovation. Drei Quaderschichten 
über den Fenstern der Nebenräume, etwa in Höhe der Fensterbank 
der erwähnten seitlichen Chorfenster lief ein Gesims, 0,20 m aus- 
ladend, an der Ostseite und auch an den Längswänden entlang. Den 
Chorkammern selbst fehlt ein Obergeschoß. Sie müssen mit Rück- 
sicht auf die seitlichen Chorfenster durch Pultdächer abgeschlossen 



^) Die Flüchtigkeit der Angaben ist ebenso aus dem Plan ersichtlich, 
in dem die Chöre der eingezeichneten Kirchen jedesmal über die Ostwand 
hinaustreten. 

®) Die Pfeiler der Chorkammern sind mit ihren Wänden nicht im Verband 
aufgemauert, eine ursprüngliche flache Holzabdeckung wäre allenfalls mrjglich, 
obwohl nirgends Balkenlöcher sichtbar sind. 



Die übrigen KircheDruiiien von Perge 53 

gewesen sein, die sich von West nach Ost, also quer zur Kirchen- 
achse neigten. Dementsprechend sieht man noch die westliche Mauer 
der nördlichen Chorkammer fast bis zum obem Ansatz dieses Pult- 
daches aufrecht stehen. 

Bruchstiicke von Marmorplatten, die wir im Chor fanden, ge- 
hören zur ehemaligen Inkrustation der Innenwände, da dieselben 
allenthalben Löcher für die Haken des Belags aufweisen. Die nahezu 
östlich orientierte Basilika ist aus schön behauenen Kalkstein- 
quadem fast ohne Mörtelverband in gleichlaufenden Lagerfugen 
aufgebaut. Ein Kreuzrelief von einem halben Meter Höhe mit ver- 
längertem Stab ist an der Siidostecke in einem kreisrund vertieften 
Feld ausgehauen. Im Westen liegt in völliger Breite der Kirche 
ein Narthex mit drei Eingängen und das Atrium, von dem ich mit 
Sicherheit nur zwei Pfeiler der Innern Halle und einen Teil der 
nördlichen und südlichen Mauer bestimmen konnte.^) 

Kaum vier Meter von der Südwand dieser Kirche entfernt steht 
noch die Apsis eines antiken kleinen Tempels aufrecht, der in 
christlicher Zeit in eine Kapelle umgewandelt wurde. Der Unter- 
schied zwischen älterer trefflicher Bauweise und jüngerer Pfusch- 
arbeit springt hier sofort in die Augen. Zwischen diesem reclit- 
winklig zur Kirche stehenden Bauwerk und unserer Basilika lief 
einst ein gedeckter Gang entlang. Eine Reihe von Balkenlöchem 
sind namentlich in der südlichen Außenwand der Kirche deutlich 
sichtbar. Auf dieser Seite liegen noch die Ruinen von Gebäuden 
mit Säulenumgängen, die zur Kirche gehört haben, deren Mauer- 
fluchten aber völlig von Schutt bedeckt sind. An einem Türpfosten 
ist das christliche Symbol einer Palme eingehauen, das die öst- 
reichische Expedition auch in Kremna an Türeingängen festge- 
stellt hat. 

Auf Stufen, die aus dem Fels gehauen sind, steigen wir am 
Ende der Hallenstraße zum Burghügel hinan, der nur von dieser 
Seite zugänglich ist. Quer vor den obern Endpunkt dieses antiken 
Weges zum altberühmten Artemision, dem Tempel der "Aoveutg 
Ilsgyaia, legt sich eine wahrscheinlich aus den Werkstücken dieses 
Heiligtums errichtete Kirche. Zwei Reihen von je drei Säulen 
teilten den quadratischen Raum von 13 m Seitenlänge in drei 
gleiche Räume. Nur ein byzantinisches Kapital fand sich unter 
den alten Trümmern. Hirschfeld sah noch vor mehr als 30 Jahren 
die tief verschütteten Tonnengewölbe dieser Kirche, in deren 

*) Andere Abbild, dieser Kircbe im folg. Heft. 



Die ubrigt^ Kirehenr 



Schatten sich die 
Binder geflüchtet 
hatten. Diese wie 
eine andere größere 
Kirche dieses obern 
Bezirks, welche ans 
Ziegeln und Brucli- 
steinen errichtet 
war, weisen mit 
ihrer schlechten 
Bauweise auf das 
spätere Mittelalter. 
Bereits geht auch 
schon der Pflug zwi- 
schen ihren Mauer- 
resten dahin. Es 
waren hier die Xie- 



ein paar Anacho- 
reten oder Mönchen. 
den letzten Nach- 
kommen jener wan- 
dernden Priester 
der Artemis, die 
ihr Bild mit sich 
führend in ihrem 
Namen bettelten. 

Schon sehr früh 
muli Perges Bedeu- 
tung als Metropolis 
des westlich enPam- 
pliyliens gesunken 
sein. Die Gründe 
scheinen jene früh- 
mittelalterlichen 
Ei-dbelien gewesen 
zu sein, die auch 
die Bewohner von 
Kremna, Sagalas- 
sos und anderen 



Lara-Magydus 55 

Städten zwangen, den alten Ort zu verlassen. Schon zur Zeit der 
Herakliusepoche wird der Metropolit von Pamphylien bezeichnet: 
6 IHoy^g hToi üvXaiov, ein Beweis, daß an der Stätte, wo Paulus 
einst predigte, nur noch der nominelle Titel hing.') Schließlich 
hat die IV. Notitia in der Aufzählung der Bischöfe den Eintrag: 
'U JSvXaiov^ os? xai Iligyr/g ?JyiTai, devrioag üafKfvXlag, av&' ov ivt 
vtv 6 'Arraliag, knlaxonog (iiv wv xov Iligyi^g, ^x^i Si vvv u}}tqo- 
noXixr^g yBvofiSvog tov xonov avroi.^) 

Bevor wir Adalia verließen, um nach Ostpamphylien aufzu- 
brechen, ritten wir nach dem kaum zwei Stunden entfernten, süd- 
östlich von dieser Stadt am Meer gelegenen Lara hinüber, in dessen 
Nähe die alte Episkopalstadt Magydus, heute Monastir genannt, 
liegt. Ihr Bischof Aphrodisius wohnte bereits dem Konzil von Nicäa 
bei, Le Quien zählt außer ihm noch weitere fünf Bischöfe auf.'') 
Schon Ptolemäus erwähnt die Stadt zwischen den Katarakten und 
dem Kestros. Durch eine Unzahl von Dudenbächen mußten wir 
hindurchreiten, da es weit gefährlicher ist, sich den elenden Brücken 
anzuvertrauen. Noch erkennt man Reste vom Uferquai, durch das 
kristallhelle Wasser schimmern die Travertinblöcke der Molen 
herauf, und die versteinerten Wasserläufe, die von Norden her 
kommen, sind die stummen Überbleibsel eines versinterten Aquä- 
duktes. Von der bedeutenden Stadt der christlichen Epoche fanden 
sich außer einer Inschrift nur die Reste einer kleinen Kirche dicht 
über dem Strand, deren Chor und Südwand noch erhalten ist. Im 
Chor quillt ein Hagiasma, dessen Süßwasser bis nach Adalia hinüber 
gebracht wird. Auch Reste von Mosaikbelag sind noch im Boden 
sichtbar, und ringsum liegen viele Ziegeltrümmer. Nördlich davon 
ist teilweise auf den Fundamenten der alten eine neue Kirche auf- 
gebaut.*) Am Strande wächst in reichlichen Mengen das Süßholz, 
das eben in Säcken eingesammelt wurde, um über Alexandrette auf 
englischen Schiffen nach Europa zu gehen. 

Wir verließen das gastliche Adalia, das auch für Fälscher von 
Antiken ein sicheres Emporion ist, von dem aus „Antika" nach 
allen Himmelsrichtungen geschmuggelt werden. Am Karanlysu 
Kawe ließen wir Perges Ruinenfeld links liegen und ritten auf einer 



*) Gelzek, in den Abhandl. der Bayr. Akad. XXI p. 534. 

«) Parthey, p. 138. 

^) Rasisay, Geography 394. — Le Quiex, Oriens ehristianus I. 1025. 

*) Beaüport p. 139: ^vestiges of ancient buildings. of having becn in 
former ages a city of some magnitude.* — Ferner kurz erwähnt bei Lanck(»- 
RONSKi, Städte Pamphyliens p. 19. 



56 Svllion 

immer schlechter werdenden Straße ostwärts. Nach einem schlimmen 
Nachtlager in Solak, dessen Mesarlyk wir nach Inschriften ab- 
suchten, . überschritten wir den alten Kestros. Auf den nahen Wiesen 
blühten hohe Lilien in herrlicher Pracht, ringsum aber dehnte sich 
endlos und trostlos eine weite Ebene aus. Nur im Norden schaute 
das Eiesenhaupt des Bozborun, „zu dem Alexander und Paulus 
emporgeblickt'V) ^^ Meer und Land herab, ein tröstender Weg- 
weiser in dieser Einsamkeit, wo die große Vergangenheit und der 
klägliche Ruin der Gegenwart sich in lauter Sprache an den sinnenden 
Wanderer wendet. 

Von weitem schon taucht aus dem Dunst der Ebene eine 
scharf markierte Akropolis auf, die sofort an den Burgfelsen von 
Athen erinnert. Es ist das alte Syl Hon, die nokig vtpfjXr/ tote ix 
IliQyfjg des Strabo.2) Am Mittag hatten wir den Fuß der steilen 
Höhe erreicht, die wir in heißer Sonnenglut erstiegen. Eine einsame 
Palme grünt noch auf halbem Bergeshang. Gleich beim westlichen 
Eingang zur Burg erwähnt Hikschfeld einen byzantinischen Kuppel- 
bau mit ein paar vermauerten dorischen Säulen; die östreicMsche 
Expedition sprach den mittelalterlichen Bau als eine „Moschee oder 
Kirche" an.^) Es ist jedoch nichts als eine der ansehnlichen Zisternen, 
denen ich noch oft in Kleinasien begegnen sollte. Die kleine Kapelle 
bei der großen mittelalterlichen Baugruppe zwischen dem Eingang 
und dem Theater ist verschüttet und überwachsen. Wie die Nach- 
barbauten und auch die große Kastellanlage aus byzantinischer 
Zeit war das unscheinbare Bauwerk aus altem Werkstücken er- 
richtet.*) Das ist der ganze monumentale Beweis für Syllions 
kirchliche Vergangenheit, das einst der Metropole Perge den hier- 
archischen Rang abgelaufen hatte. 

Wie fürchterlich hier das Erdbeben hauste, sieht man am süd- 
lichen Abfall des Burgfelsens, wo ein kleines Theater aus dem Fels 
gehauen ist. Ein gewaltiger Erdspalt hat dasselbe mitten aus- 
einander gerissen. Eine grandiose Fernsicht von hier aus über 
Pamphyliens Ebene nach dem blauen Mittelmeer entschädigt un- 
endlich für das stundenlange, mühsame Umherklettern in Dorn- 
gebüsch und Trümmern. Es gibt keine Akropolis an der Südküste 



^) Lanckoronski, Städte Pamphyliens, Einleit. XVII. 
*) Strabo, Geographie p. 667. 

3; Hirschfeld, Reisebericht 1874 j). 724 f. — Lancküroxski, Städte Pam- 
phyliens p. 69. Siehe den Plan von Svllion. 

•*) Bei Lanckoronski p. 72. Im Plan >)ei G. 



Von Syllion bis Aspendos 57 

Kleinasiens , die an Großartigkeit ihres Panoramas mit Syllions 
Burgfelsen wetteifern könnte. 

In Jankoi fanden wir tagsdrauf auf dem Kirchhof viele antike 
Marmorstticke , die von Syllion verschleppt waren. Über viele 
morastige Bäche und durch Niederungen führte uns der Weg, Sümpfe 
ziehen sich hier südwärts zum Meer, die den Alten schon als die 
„Ufivrj tifiByi&fjg Kanqia^ bekannt waren.^) Aus den feuchten 
Gründen erhebt sich ostwärts ein mit herrlichen Zedern bewaldeter 
Hügel. In dem dort gelegenen Tschanaktschi verbrachten wir unter 
freundlichen Menschen eine ruhige Nacht, deren Stille nur zeit- 
weilig durch das Gewinsel der Schakale unterbrochen wurde. 

Als wir in der nächsten Frühe Aspendos zuritten, da klang 
es wie eine Morgenkantate aus den dunkeln Wipfeln der Zedern 
und aus dem dichten Unterholz längs des Weges. Über Jründjikoi 
und Karadjik-Jurük ging der Ritt, über manchen schlammigen Bach, 
in den die Pferde bis zum Leib einsanken. Auf den Hügeln stießen 
wir zu den Zelten der Jürüken, einem der trefElichsten Hirten- 
stämme des Innern Kleinasiens. Die Männer flochten an ihren 
schwarzen Zelten oder strickten Strümpfe, die Weiber kochten in 
großen Kesseln die Süd. Als die Berge in weitem Kreis sich 
der Küste näherten, verkündeten die hohen Bogen einer Wasser- 
leitung mit ihren hydraulischen Tüimen, daß wir uns dem Tafel- 
berg von Aspendos nahten. Am Band der fast senkrechten Fels- 
wände der Akropolis, der „ax^a oxvgä xai anotofiog^,') ritten wir 
hinter den wenigen Häusern von Balkis im dröhnenden Trab 
durch die mächtigen Tonnengewölbe in das riesige Theater der 
Stadt, dessen gewaltige Bühnenwand uns wohligen Schatten spendete. 
Dieses Bauwerk, das einst unter Antonius Pius von Zeno, dem Sohn 
Theodors, errichtet wurde und heute noch ungewöhnlich gut er- 
halten ist, gehört „zum Bedeutendsten und Wichtigsten, was aus 
der römischen Kaiserzeit noch aufrecht steht". ^) Prunk ging hier 
leider auf Kosten des schönen Stils. Nirgends ist von Aspendos 
ein Denkmal aus christlicher Epoche erwähnt. Und doch war die 
Stadt der Sitz eines Bischofs, und der Oriens christianus führt 
deren vier an.*) 

Wir steigen durch die südliche Schlucht, welche den kleinem 
und großem Burgberg voneinander trennt, zum wdldverwachsenen 

') Strabo, Geographie p. 667. 
*) Arbian, Exp. Alex. I, 28. 
•) Lanckoronski, Einleitung XIII. 
*) Le Quien, Oriens Christ. I, 1002. 



58 Kirche zu Aspendos 

Plateau empor, das durch undurchdringliche Wildnis den Felsen 
von Syllion noch übertrifft. Oben überrascht die prunkende Fassade 
des Nymphäons und die Größe der langgestreckten Basilika. Über 
Mauerfundamente, deren Mosaik frei zu Tage liegt, dringen wir 
nach der südlichen Hälfte des größern Burgfelsens vor, lassen in 
einer Quei-schlucht einen exedrenartigen Ziegelbau liegen, der als 
zweites Nymphäon nochmals die Wasser des obern Werks rauschen 
und spielen ließ. Diesem Bau gegenüber befinden sich die Eeste der 
einzigen Kirche, die ich während mehrstündigen Suchens in diesem 
Urwald von Gestrüpp entdeckte.^) 

Der Chor steht noch über zwei Meter in dem Gebüsch aufrecht, 
vom übrigen sind nui' die Grundmauern im allgemeinen erhalten. 
Nachdem wir der Wildnis, welche die Schutthalde bedeckt, etwas 
Herr geworden waren, maßen wir die Basilika aus in einer Gesamt- 
länge von 20,80 m und 12,30 m Breite. Zwei Säulen stehen allein 
noch mit ihren Basen an ihrer Stelle und zwar die beiden letzten 
der südlichen Arkadenreihe. Da sie von Mitte zu Mitte gemessen 
einen Abstand von 2,45 und 2,40 m aufweisen, diese Zahl aber in 
16.90 m, der Innern Länge zwischen West- und Ostwand des Naos, 
fast siebenmal aufgeht, so läßt sich die Säulenstellung durch sieben 
Stützen rekonstruieren, welche die Kirche in drei Schiffe teilten. 
Außerdem liegen sechs Säulenstücke aus porösem Kalkstein von 
0,45 — 0,50 m Dicke im Innern umher, wie auch viele Tonziegel, mit 
denen anscheinend die Kirchenwände bekleidet waren. Die Basilika 
mit ihren 0,70 m starken Umfassungswänden war nach Südosten 
orientiert. Von Türen und Fenstern konnte ich nur den Tür- 
ansatz in der Mitte der Westwand feststellen. Vor ihr liegen, 
nur in den Umrissen noch erkennbar, die Trümmer einer Vorhalle, 
die fast sechs Meter in der Tiefe mißt. Nordwestlich scheinen sich 
große klösterliche Anlagen anzuschließen. Ohne Feuer und Axt ist 
da jedoch nichts festzusetzen, und wir mußten uns mit blutenden 
Händen und zerrissenen Kleidern aus dem Wald von Dornen zurück- 
ziehen : Klägliche Eeste einer Episkopalstadt, deren Bischof Domnus 
auf dem Konzil zu Nicäa den dritten Thronos unter den Bischofs- 
städten Pamphyliens einnahm, und die in allen kirchlichen Listen 
als solche genannt wird, vorübergehend wohl auch den Namen 
Primopolis führte. Von diesen Episkopalstädten Pamphyliens ur- 
teilt Eamsay in Hinsicht auf das spätere Mittelalter: „Considering 



*) Etwa da. wo auf dem Stadtplan von Aspendos bei Lanckoronski ]). 85 
die Höhe 59,8 m eingetragen ist. 



Von Aspen dos nach Side 59 

the State of the empire in the twelfth Century, it is probable that 
all other bishops of the province were merely historical survivals".*) 

Als es zu dunkeln begann und das Licht nur noch vom Meer 
heraufglänzte,*) zu dem wir den Eurymedon in einzelnen Silber- 
streifen von der Akropolis aus hinabeilen sahen, da ritten wir am 
Fluß hinab, den die muntern Segelschiffe der Alten heraufkamen 
und auf dessen grünen Gebirgswassern einst das Freudengeschrei der 
Griechen erschallte, als Kimon seinen Doppelsieg über die Flotte 
und das Landheer des Xerxes erfocht. 

Im Köprüsü-Ghan fanden wir nächtliche Ruhe, die jedoch schon 
früh am Morgen durch das Geschrei der Esel und Kamele gestört 
wurde, da hier allwöchentlich Markt abgehalten wird. Der ärm- 
liche Chan ist der letzte Überrest der Stadt Köprübazar, die im 
Djihan Numa noch vor 250 Jahren erwähnt wird.') Eine mittel- 
alterliche Brücke überspannt hier in hohen Jochen den breiten, 
fischreichen Eurymedon, in deren Bogen sich Feigenbäume bereit.s 
tief eingewurzelt haben und so ihren allmählichen Ruin herbei- 
führen. Am Westufer stehen noch die letzten Pfeilerbogen der 
älteren Brücke, die auf noch höheren Arkaden hinüberführte.^) 

Auf der von Adalia herkommenden Straße ritten wir ostwärts 
weiter. Sie ist von vielen Bächen und Gräben durchrissen und 
verschwindet nach einer Stunde völlig im Boden. Dafür lösen sie 
ein Dutzend Karawanenwege, Saumpfade und Schleichgänge ab, auf 
denen wir bis nach dem alten Korakesion weiterzogen. Tschakisch 
Tschiflik, Daschare und Bereket blieben rechts und links in näherer 
und größerer Entfernung liegen. Nach zweistündigem Ritt standen 
wir an einem kleinen Engpaß, den die ansehnlichen Hügel bilden, 
die von Norden und vom Meer her sich hier stark nähern. Mauern 
laufen von einer Erhebung zur andern, und zwischendrinn stehen im 
Dreieck ein schöner Grabbau und zwei Befestigungstürme, die wohl 
früher als Taubenschläge benutzt wurden, da heute die ganze Ort- 
lichkeit Göwerdjinlik genannt wird. Mehr als einen Wachtposten 
zwischen Side und Aspendos kann die Anlage nicht bedeuten. Auf 

*) Ramsay, Antiquities of Southern Phrygia and the border lands, in Anierie. 
Journal of archeol. IV (1888) p. 8 und Geography p. 416. 

*) Richtig sagt Pomponius Mela I, 14: ,mare ex edito admodum eolle 
prospectat Aspendus*. 

') Hadji Chalfa, Djihan Numa p. 697 : ,Keupri Bazar est une ville situee 
k Test de Satalie*' (= Adalia). 

*) Abbild, bei Lanckoronski, Städte Pamphyliens Tafel XIIX. In der 
Tuschzeichnung von Niemann kommen die hohen Briickenbogen und die alten 
Baumriesen am östlichen Ufer nicht zur Geltung. 



60 Ruinen von Göwen^jinlik 

dem südlichea Hügel mnß nach den großen Quaderfundamenten zu 
schließen ein Heiligtum gestanden haben. Auch drunteu in der 
kleinen Ebene zwischen den Mauern liegen viele kandierte Säulen 
mit Xompositkapitalen. Das Grabbaus ist aus gewaltigen Quadern 
mit Bossen und Saumschlag bis 2 m Länge und 1 m Höhe Über 
einem hohen Unterbau mit weit vorspringendem Sockel errichtet, 
^ne Mörtel sind auch die Wachttürme aufgebaut, von denen 
der südliche mit seinen beiderseitigen großen Rnndbogenölfnnngen, 
den Schlitzfenstern und 
übern Brüstungsplatten 
zugleich der Torturra 
dieses Defilfe gewesen 
sein muß (Abb. 23). Im 
Innern stecken noch die 
Konsolen, auf denen die 
Holzbalken der drei- 
geschossigen Anlage 
ruhten , während auf 
der obersten Quader- 
schiclit noch ein Werk- 
stück vom Hauptgesims 
liegt. In der Nähe 
entspringt eine klare 
Quelle dem Hügel.*) 

Bei dem verlassenen 
Mesarlyk, der so oft 
in Kleinasien die Ge- 
schichte fliegender tür- 
kischer Ortschaften der 
letzten Jahrhunderte 
erzählt, wandten wir 
Abb. 23. Torturm bei oiiw«djii.iik uHS iu südöstücher 

Richtung der Meeres- 
küste zu, überschritten eine Reihe steiler Hügel, die immer mehr die 
Annäherung des Hochgebii^es au das Mittelmeer ankünden und an 
der Küste einige kleine Vorgebirge bilden. Verkrüppelte Eichen, 
Myrten und Dorngebüseh bilden den einzigen grünen Schmuck dieser 
Höhen. Am Mittag rasteten wir im menschenleeren Peri, wo außer 

') Vgl. üiich HiB'^tHFiiLD, Reiseberkkt I;^75, p. 124, der die Huiuon für Be- 
festigimgairerke der den Aspendiero feindlichen Sideten hält. Int einzelnen Bind 
eeine Angaben fehlerhaft. 



Badeanlage zu Kumkoi. Side 61 

den Kindern ein Lahmer nnd ein Blinder als die einzigen sicht- 
baren Insassen des Dorfes uns Gesellschaft leisteten. Die kleinen 
Mädchen trugen als Kopfputz Münzen von aller Herren Länder in 
ihrem Haar, darunter auch eine Silbermünze Philipps IIL von Spanien. 

Nach zwei Stunden rauschte das Meer zu unsern Füßen. Wir 
ritten auf einer Düne unter kräftigen Strandfichten zu einer Euine 
bei Kumkoi, die Hebekde y und Wilhelm wahrscheinlich nicht in 
unmittelbarer Nähe betrachteten und sie in ihrem Eeisebericht als 
eine Kirche angaben.^) Zu unserer Enttäuschung entpuppte sich 
dieselbe als eine umfängliche Badanlage, die ihre von großen Eund- 
nischen gleich einem Aquarium gezierte Schauseite dem Meer zu- 
kehrt. Der größere Teil der Euine ist völlig im Fichtenwald versteckt. 
Hier vom Strand aus eröffnet sich ein hübscher Blick auf das kleine 
Vorgebirge von Side mit seinen hochragenden Trümmern. Die 
Thermen von Kumkoi sind auch zweifellos ein Werk der Sideten 
aus der römischen Kaiserzeit. Die Wölbungen und Nischen sind aus 
doppelten Ziegelreihen, alles übrige aus Bruchgestein mit Gußwerk 
aufgemauert. Friesartig bezeichnet eine Ziegelschicht jedesmal den 
Ansatz der Nischenbogen. An der Südwestecke führte ein noch 
teilweis erhaltener Turm vermittelst Wendeltreppen zu einem obern 
Geschoß, dessen gewaltige Gewölbebrocken im Innern am Boden liegen. 

Heftig blies der Seewind, als wir gegen Abend auf dem weichen 
Ufer nach Side hinabritten und jagte den Dünensand ins Hinter- 
land, der sich wie eine breite Totendecke über alles grünende 
Leben legt. Nur zähe Fichten mit ihren landeinwärts gekrümmten 
Wipfeln können hier gedeihen. Mitten durch die empörten Wellen 
schleppten an hundert nackte Menschen in großer Eile Holz nach den 
Booten hinaus unter steter Lebensgefahr und unter fürchterlichen 
Anstrengungen. Nicht anders haben die alten Cybiraten ihren 
Eaub im größten Sturm vom Strand fortgebracht, mit lautem Ge- 
schrei, von stürmischen Wogen überrollt und von der Gisclit hin 
und her geworfen. Auch die heutigen Anwohner sind nocli echte 
Strandkinder vom rauhen, harten Handwerk. 

Kleine freundliche Hütten erheben sich seit wenig Jahren 
zwischen den gigantischen Euinen von Eski Adalia, dem alten Side. 
Flüchtlinge von Kreta haben sich hier niedergelassen, und vielleicht 
erblüht wieder einmal ein kleines Emporion. Freilich schäumt 
heute die See einstweilen über die Eeste der Molen und Hafen- 



*) Heberdey -Wilhelm, Reisen in Kilikieu, in Denkschriften der K. Akad. 
der Wiseensch. in Wien, Hist.phil. Klasse XLIV (1896^ p. 133. 



62 Side (hiski Adalin) 

dämme hinweg und spült eine Unmasse von Ziegelscherben ans 
schmale Ufer. Eine freundliche Göttin aus längstverschwundenen 
Zeiten begrüßte uns gleich in der ersten Morgenstunde. Da, wo 
die Mauer vom Theater herkommend an das Gymnasium, oder vrie 
man die Anlage mit der Säulenhalle sonst nennen mag, anstößt, 
hatten die Kreter vor wenig Monaten die hohe Statue einer Hera 

ausgegraben,lei- 
der ohne Kopf, 
aber vom herr- 
lichsten griechi- 
schen Marmor 
(Abb. 24). Sie 
gehört zum Ty- 
pus der ephesi- 
nischen Hera in 
Wien. Der rechte 
Arm ist an der 
Schulter al^e- 
brochen, der 
linke ist noch bis 
zum Vorderarm 
erhalten. Die 
Eückseite der 
Statue, die in 
ihrem gegenwär- 
tigen Zustand 
2,10 m milit, ist 
in einfachen Li- 
nien behandelt. 
Wie ein rie- 
siger, unzerstör- 
barer Koloß er- 
hebt sich im 

Abb. U. BtalDS der H*ni In Sida (Eiki Addis). 

Hmtergrund der 
Landspitze das Theater aus traunger Trümmerwelt und Ver- 
wüstung.') Der Isthmus, welcher das „promunturium quod ab Sida 
prominet in altrum"*) vom hügelreicheii Hinterland scheidet, ist 
teils versumpft, teils in ein Dickiclit von Myrten und Lorbeer 

') Über Siiie vgl. La.sckdbokski , StÄdte PamphylienE p. 125 f. mit Plan. 
Die Kirche an der mit ff bezeichnotcn tStelie. 

•) Livius xxxvir, 23. 



Kirchenruine zu Side 63 

verwandelt, aus dem unter der sengenden Sonne böse Fieberdünste her- 
vordringen. Hier hatte sich Daniel, der tapfere und begabte Begleiter 
von FoKBEs und Spbatt, den Tod geholt. Niemann mußte während 
der östreichischen Expedition fieberkrank den Ort verlassen, so daß 
die Beschreibung der Ruinen von Side in dem trefflichen Keisewerk 
von Lanckoronski eine dürftige geblieben ist. Um so bedauerlicher 
ist dies, als ich bei meinem Besuche über zwanzig Kalköfen dieser 
Kreter zählte, in denen der gesamte Marmor der alten Bauten 
verkalkt und zum Aufbau der Häuser verwandt wird. Von den 
Reliefstücken, die Hebebdey -Wilhelm in ihrem Reisewerk er- 
wähnen, haben wir keine Spur mehr entdecken können. 

Auf der westlichen Landzunge steht noch die Apsis der großen 
Marktbasilika mitten im Chaos der größten Quadertrümmer. Nur 
ein Erdbeben kann diese riesigen Konstruktionen auseinander ge- 
rissen und die Blöcke gleich Schottersteinen rings umher gestreut 
haben. Diese Basilika scheint einmal zu kirchlichen Zwecken unter 
Verwendung der antiken Basen, Säulen und Gebälkstücke umgebaut 
und als Metropolitankirche verwendet worden zu sein. Die ge- 
waltigen Arkadennischen, die dieses ganze Areal nördlich begrenzen, 
müssen zum Markt in Beziehung gesetzt werden und können keine 
Badeanlage gewesen sein wie Petersen meint. Die Schwierigkeit 
der Forschung an dieser Stelle hat er mit Recht hervorgehoben: 
,.So gewiß nun hier verschiedene Zeiten nacheinander und ineinander 
gebaut haben, so schwierig ist es, die spätem Zutaten von dem 
flüher Vorhandenen zu scheiden."^) Nur umfassende Abräumungen 
und Grabungen können da mehr Licht bringen. 

Wie ein Zwerg hat sich in die große Basilika eine jüngere 
Kirche eingenistet (Abb, 25). Der einschiffige Raum war durch 
ein Tonnengewölbe eingedeckt ; Gurtbögen, welche von Wandpfeilern 
aufstiegen, trugen dasselbe, und antike Werkstücke fungieren als 
Kapitale. Die 0,75 m dicken Umfassungswände sind meist aus 
Quadern antiker Bauten in ziemlich regelloser Schichtung errichtet. 
Pilaster mit abgestuften runden Ziegelbogen teilen die Längsmauern 
in drei große Blendarkaden, in deren Mitte ein kleines rundbogiges 
Fenster eingeschnitten ist. Die mittlere Blendnische ist bedeutend 
höher als die beiden seitlichen. In Höhe der Fensterbank umzieht 
ein Ziegelstreifen friesartig den ganzen Bau, etwa zwei Meter über 
dem heutigen Niveau.*) Die genau östlich orientierte Kirche schließt 
mit einem halbzerstörten Chor, den kleine Nischen seitlich flankieren ; 

*) Lanckobonski, Städte Pamphyliens p. 132. 
«) Ziegelstärke 0,05 in, Mörteldicke 0,04-0,06 m. 



eine jetzt fast völlig zusammengesunkene Vorhalle war nach Westen 
hin später angebaut worden.') 

') RiitseIhHft blieben mir die südlich an die Miirktbosiiika skh anschließenden 



Nach Seleucia 65 

Wehmütig stimmen uns heute die Ungeheuern Trümmer jener 
kühnen Kolonie von cymäischen Äolern, die sich später als Stadt 
zum berüchtigsten und reichsten Piratenplatz und Sklavenmarkt 
Anatoliens aufschwang. Wie im Altertum, so stand Side auch in 
christlicher Epoche als Metropolis über den rivalisierenden Nachbar- 
städten des östlichen Pamphyliens. Auf dem Konzil zu Ephesus 
saß der Erzbischof von Side, Amphilochius, neben demjenigen des 
altberühmten Perge. Allmählich rückte aber sein Thronos mit dem 
Niedergang des Landes von der X. zur XIIL Stelle, und in der 
Ordnung des Andronikos Palaiologos Junior (1328—41) ist Side 
als Metropolis von der Liste verschwunden.*) 

Fieberträume des Nachts mahnten zum Aufbruch ins Binnen- 
land. In Sorghun stießen wir auf viele Relief- und Werkstücke, 
die von Side verschleppt, in die Häuser des Dorfes eingemauert 
sind. Auch eine Inschrift kopierten wir daselbst. Von der ritter- 
lichen Zeit der Seldjuken von Ikonium zeugt das Kastell Assar auf 
einem Hügel über dem Manawgat, dem alten Melas, der noch eine 
Stunde aufwärts bei Bazardjik mit ansehnlichen Segelbooten be- 
fahren wird. Sein kühles Wasser — xpvxQov vdutg — vergleicht 
schon Pausanias mit den Gebirgsbächen Kilikiens.^) 

In S a r i 1 a r genossen wir die liebenswürdige, aber etwas lang- 
weilige Gastfreundschaft des reichen Türken Djemal-Bej, der einen 
großen Teil des Landes zwischen Melas und Eurymedon sein Eigen 
nennt. Umfänglicher Wald liegt um den ehrwürdigen Herrensitz, 
dessen altertümliche Holzwände schöne Schnitzereien zieren. Mohren 
wuschen uns in großen silbernen Becken die bestaubten Füße, Tisch 

« 

und Stühle zeigten den Einfluß Europas an. 

Stkabo erwähnt in seiner Geographie kleine Städte mit Oliven- 
pflanzungen auf den Höhen nördlich von Side und Aspendos: 

„Tivig öi xai vniq ^idrjg xai ^AanivSov UauipvkiXfZv nokBwv xari- 
Xovav yetCkoya ;^(U()/a ikaiofpvxa naviUy rä 5' vnkg tovtwv ijdr] 
bguva^^.^) In christlicher Epoche machten mehrere solcher Volks- 
vereinigungen einen Bischofsitz aus. Einige Stunden oberhalb Sarilar 
liegen auf den steilen Höhen über dem Dorfe Tschaitschi die 
Ruinen einer ansehnlichen Stadt. Auf dem Weg dahin begegneten 



Räume, Damentlich der äußerste, mit seinem quadratischen Grimdriß und den 
von Nischen durchsetzten Mauern. JedenfaUs ist er späterhin, wie die Spitz- 
bogen beweisen, in eine Badeanlage umgewandelt worden. 

*) Ramsay, im Americ. Journal of arch. IV (1888) p. 8. 

«) Paüsaioas VIII, 28. 

') Strabo, Geographie 570. 

Rott, Kleinasiatitohe Denkmäler. '^ 



66 Seleucia 

wir an drei Stellen der langen Wasserleitung von Side mit ihren 
großen, halbversinterten Buckelquadern. Nachdem wir nordöstlich 
von Sarilar einen ansehnlichen, steilufrigen Nebenfluß des Melas 
auf einer aus alten Werkstücken errichteten Brücke überschritten 
hatten, stießen wir auf der Hochfläche über dem jenseitigen Ufer 
auf zerstreute Kuinen aus byzantinischer Zeit. Viele Scherben 
und Bruchsteine wiesen auf eine größere Ansiedelung. Vielleicht 
ist hier der alte Bischofsitz Manaua zu suchen, der beständig 
in den Notitien genannt wird und anscheinend dem Manawgattschai 
seinen Namen gegeben hat.^) Die kirchlichen Listen zeigen, daß 
Manaua 680 mit dem weiter oberhalb gelegenen Katenna als 
Episkopalstadt vereinigt war. Auch Ramsay setzt den Ort zwischen 
Katenna und das Meer an den Südrand der Berge. ^) 

Unter dem doppelstöckigen Aquädukt, von dessen 16 Bogen 
noch vier erhalten sind, ritten wir das Tal von Tschaitschi auf- 
wärts an dem ärmlichen Dorf vorüber. Steile Pfade leiteten über 
waldige Höhen zur Gebirgsstadt hinauf. Auf einem breiten, nach 
Süden sich abdachenden Bergrücken liegen, durch eine kleine Talsenke 
in der Mitte getrennt, die ziemlich bedeutenden Kuinen, die nach 
dem Stadiasmus Seleucia angehören. Von Luschan wie Heberdey 
und Wilhelm haben sie nur flüchtig gesehen.^) Die Trümmerstätte 
würde indessen die Arbeit eines klassischen Archäologen reichlich 
belohnen. Auf der südöstlichen Neigung des Bergrückens liegen 
die öffentlichen Gebäude der Stadt, das größte wohl das Rathaus, 
ein Bau mit großem, exedrenartigen Abschluß, einer breiten Fassade 
mit zwei Fensterreihen und großen Eingangstoren im dorischen 
Stil. Von einem großen Tempel sind die mächtigen Stützen reihen- 
weis dahingestreckt , wie sie das Erdbeben umgeworfen hat. Eine 
einzige jonische Säule steht noch aufrecht. Auffallend ist neben 
der Schönheit dieser Anlage die charakterlose Bauweise späterer 
Jahrhunderte. 

Auf der westlichen Bergkuppe, wo ein Blick über die be- 
buschten Hügel und Triften der pamphylischen Ebene bis zum 
silberglänzenden Meer hin das Auge entzückt, trafen wir eine ver- 
schüttete, kleine Grabeskirche an der abschüssigen Bergwand. Die 
nach Südosten orientierte Basilika war durch Kalksteinsäulen in 



^) Schon Djihan Numa p. 666 kennt den ,Manougat'. 
*) Ramsay, Geography p. 419. 

^) Lanckoronski, Städte Pisidiens (II) p. 186. — Heberdy -Wilhelm, Reisen 
in Kilikien p. 134. 



Kirchenruine zu Seleucia 67 

drei Schijffe abgeteilt. Zwei Säulen stehen noch anscheinend an 
ihrer Stelle, 3,20 m von einander und 2,50 m von der Seitenmauer 
entfernt, noch drei weitere liegen im Innern umher. Im Chor, der 
von dem ganzen Bau am besten erhalten ist und innen wie außen 
einen Halbkreis bildet, sind drei schmale Fenster eingebrochen, 
die Nebenschiffe enden ohne Apsiden. An der Südwand in der 
Mitte des Langhauses fanden ^ir ein großes Grab (2,50 X 1,30 m) 
aus Kalksteinplatten zusammengesetzt und halb im Schutt begraben. 
Eine große profilierte Rundbogentür, in deren Wange ich die einzige 
Inschrift dieser Ruinenstätte fand, führt aus dem südlichen Neben- 
schiff in einen parallelen, etwas tiefer gelegenen Seitenbau, der sich 
mit sechs quadratischen Fenstern nach Süden öffnet. Die Balken- 
löcher und die Ansätze entsprechender Oberfenster beweisen hier 
das Vorhandensein eines zweiten Geschosses. Vor beide Räume legte 
man späterhin einen 4,75 m langen Narthex mit einer schön ge- 
schnittenen Tür im Westen und einem großen Fenster im Süden, 
dessen Archivolte mit einem halbzerstörten Kreuzrelief geschmückt 
ist. Ein Parallelbau flankiert auch die Nordseite der Kirche. Da 
beide Anbauten, wie am Chor ersichtlich, stumpf auf die Kirchen- 
mauem aufstoßen und unter sich ein einheitliches Ganzes bilden, 
haben wir es hier wahrscheinlich mit einer großen Hausanlage zu 
tun, deren Mittelraum in eine Grabkapelle umgewandelt wurde. 
Das ganze Areal mit den Annexen mißt 24,10 m in der Länge und 
20,85 m in der Breite. Der christlichen Epoche müssen auch die 
Grabkammern, wenige Schritte östlich von der Kirche, angehören 
mit ihren Rundnischen in allen drei Wänden. Sie sind trotz der 
Konstruktion aus Bruchgestein und vielem Mörtel noch gut erhalten. 
Da es dem jungen Efendi in Sarilar trotz unserer europäischen 
Eile gefiel, um 10 Uhr ä la Franca aufzustehen, passierten wir erst 
um Mittag auf einer Fähre den breiten Manawgat. Auf kleinern 
Boten werden aus dem Innern Korn und Holz herabgeführt und 
hier auf größere Schiffe verladen. Durch die sumpfigen Niederungen, 
die sich östlich vom Melas zum Meer hinabziehen, war ein großer 
Teil der Bewohner von Bazardjik, das an der Fähre liegt, malaria- 
krank oder litt an den Folgen schlecht geheilter Fieber. Eine 
große Schar verfolgte die Frenki, die für den Orientalen alle Wunder- 
männer sind. Ismailhodscha, Arablar, Arghan und Tschauschkoi 
ließen wir rechts und links liegen, der hochgeschwollene Kar- 
pustschai wurde langsam durchfurtet, und mit der Dämmerung 
ritten wir den Hügel am rauschenden Alaratschai hinan, auf dem 

das freundlich gelegene Boztepe uns am späten Abend durch 

5* 



68 Karaburun 

seine liebliche Szenerie, namentlich das Alaratal hinauf, entzückte 
und erquickte. Unterhalb von Boztepe muß die jüngere Ruinen- 
stätte mit einer Kirche liegen, von der Beaufort sagt, daß sie ein 
Strom rings umfließt.^) In der Nacht regnete es unaufhörlich, und 
das Dach über uns bot wenig Schutz. Am Morgen bewerkstelligten 
wir den gefährlichen Übergang über den reißenden Fluß, der hier 
in der Breite des Neckars bei Heidelberg seine kalten Wasser zur 
Regenzeit vorüberwälzt. Wer nicht durch die Flut reiten konnte, 
wurde auf ein herbeigeholtes Kamel gesetzt, der maulheldige 
griechische Diener voran, der vom Schwindel gefaßt auf seinem 
Hochsitz wie ein Kind schrie. 

Wir folgten den Spuren unserer mutigen Östreicher Hebebdey 
und Wilhelm in der Richtung nach dem Vorgebirge Karaburun, 
wo sie in der Strandebene eine Kirche verzeichnen. Durch ziem- 
lich unbewohnte und ungesunde Gemarken, an steiler werdenden 
Höhen vorüber, wo Turmruinen und andere Befestigungsanlagen 
sich mehrten, gelangten wir in glühender Mittagshitze an den Küsten- 
ort, wo wohl mit Recht das alte Kibyra gesucht wird. Der Wind 
peitschte mit breiten Schwingen das Meer, und weiße Gischt um- 
schäumte das kleine Eiland zu unsem Füßen, als wir auf dem 
steil abfallenden Felsvorsprung über die auf mehreren Hügeln zer- 
streuten Ruinen Umschau hielten. In der östlichen Bucht erheben 
sich mehrere wohlerhaltene Grabbauten mit Hyposorien und Oberbau 
aus dem hohen Gesträuch. Nach Westen schreitend gelangt man zu 
einer aus älterem und jüngerem Baumaterial errichteten, teilweise 
noch sehr hohen Mauer, welche den mittleren Hügel umgibt, dessen 
südlicher Ausläufer in ein kleines, aber steiles Vorgebirge ausläuft. 
Ebenso zieht sich westlich von diesem nordsüdlich streichenden 
Hügelrücken eine Bucht ins Land hinauf, die antike Totenstadt, 
die ganz übersäet ist mit Grabkammern und giebelverdachten Sarko- 
phagen, deren muschelartiger Konglomerat stark verwittert ist. 
Auch Kreuzreliefs, die in den Grabbauten mit rundbogigen Flach- 
nischen im Innern eingehauen sind, deuten auf die Besiedlung des 
Ortes in byzantinischer Zeit. Ein steiler Hügel mit einstiger Be- 
festigung beherrscht im Westen den Zugang von der Land- und 
Meerseite her. In dieser stillen, homerischen Bucht mit dem kleinen 
Eiland sah ich auch einen nischenförmigen gewölbten Ziegelbau, den 
Heberdey und Wilhelm als Kirchenruine ansprachen. Dies ist sie 
keinesfalls; am ehesten denke ich wieder eine Badeanlage. 



*) Beaüport, Karamania p. 145. 



Nach Alaja 69 

Droben auf der steilen Felsennase, wo von allen Seiten Meeres- 
kühle erfrischend herweht, liegen noch bedeutende Beste des Alter- 
tums. Mächtige Quaderfundamente, eine Reihe von Säulen, hohe 
Türpfosten und verwitterte große Gebälkstücke deuten auf eine 
Tempelanlage auf dieser freien, weithin sichtbaren Landspitze, die 
nach dem Innern zu durch eine kleine Senke abgeschlossen ist. 
Hier in der trauten Gegenwart grauer Vergangenheit verträumte 
ich eine der schönsten Stunden meines Lebens. Wenn im plät- 
schernden Wellengang die Okeaniden ihr einlullendes Lied singen 
und Helios Symphonien von Licht und Farben aus der Meerestiefe 
herauflockt, dann ist Auge und Ohr wach geworden für die klingenden 
Saiten Homers, dann ist für den Glücklichen die poesiearme Welt 
von Heute versunken .... Doch die Hören reiten schnell. — 

Über blumenreiche Hochwiesen, wahre „Gülbaghtsche" von 
Oleander, durch Dschungeln und morastige Gräben ging's ostwärts 
immer in der Nähe des Meeres weiter. Eine Menge Ruinen liegen 
am Strand, darunter eigenartige sepulkrale Rundbauten. Bei Ma- 
rasly stiegen wir die steile Anhöhe zu einer großen Ruinenanlage 
hinauf, während Bäche rechts und links an uns vorbei zum Meer 
hinabrauschten. Das west- östlich gerichtete große Gebäude mit 
seiner mittelalterlichen Bauweise ist zweifellos eine Klosteranlage 
gewesen. In der Ostwand ist ein Kreuz über Manneshöhe vertieft 
eingeschnitten. Nur Mönche konnten in dieser einsamen Berg- 
wildnis hausen. 

Doch der Abend mahnte zum eiligen Weiterritt, obwohl noch 
manche Ruine in der Dämmerung am Strande auftauchte. Viel- 
leicht sind unter ihnen die Kirchen zu suchen, die Beaufobt auf 
seiner Vorüberfahrt an der Küste bemerkte oder wenigstens für solche 
ansah. ^) Dunkelheit war schon eingebrochen, während wir uns 
durch Pfützen vorwärtsarbeiteten. Eine Hütte am Strande gegen- 
über einem verlassenen Seldjukenchan gewährte uns endlich Obdach 
für die Nacht. Diese gehört, auch für weniger zärtliche Naturen, 
zu den abscheulichsten, die ich in Anatolien zubrachte. Die Gegend 
wird Scharapsa genannt. 

Während unsere Pferde in der Morgenfrühe das üppige Gras 
vor dem Chan abweideten, besichtigten wir diese alte Karawanserei, 
die ihrem Verfall längst entgegengeht. Antike Säulen- und Ge- 
simsstücke finden sich in den starken, von elf Seitentürmen flan- 

^) Beaufort, KaramaDia p. 167: „As we approached Alaja, we passed 
several villages, eastles and churches. Though ali ruined and deserted, they 
are comparatively of recent construction." 



70 Alaja 

kierten Mauern allenthalben eingebaut. Sie stammen wohl von dem 
in dieser Gegend anzusetzenden antiken ;^«üp/oi/ Avyai, ») Die Ober- 
mauem sind später einmal restauriert worden. 

Der Tag sollte uns noch nach dem östlichsten Punkt unserer 
Früh Jahrsreise, nach Alaja, dem alten Korakesion, bringen. Wir 
ritten durch Hintertäler, bereits ansehnliche Berge zwischen uns 
und dem Meere lassend, auf denen ich mehrere Befestigungen aus 
älterer und jüngerer Zeit gewahrte. Dann traten wir aus dem Hinter- 
land zur steilen Felsküste heraus, Felstreppen führten stracks hinauf 
und jäh hinunter, und der Reiter muß behutsam sein Pferd am 
Zügel nachführen. Schon im Altertum hieß dieser verrufene Weg 
über die glatten Ealkfelsen am Meer die xa^ci} cnakoL. Unter uns 
brandete das Meer, zur linken stiegen die Berge himmelhoch empor. 
Auf dem höchsten Punkt dieser Steilküste erblickten wir den „Raben- 
felsen^S Korakesion, der kühn ins Meer hinausspringt und nur durch 
einen engen Isthmus mit dem Festland zusammenhängt. Als wir 
die schmale, fruchtbare Strandebene mit plätschernden Brunnen und 
verfallenen Gebäuden durchritten hatten, zogen wir durch einen 
kleinen Bazar in die Stadt ein. Am Gestade der östlichen Bucht, 
die in einem weiten Kreis die Unterstadt umspült, fanden wir bei 
einem griechischen Gastfreund eine herzliche Aufnahme. 

Mit unserm Xenos erkletterten wir am folgenden Tag den 
Burgberg, an dem Straße über Straße, und Haus über Haus gebaut 
ist. Gewaltige Befestigungen allen Jahrhunderten angehörend und 
teilweise aus trefflichen Quadern geschichtet, steigen von unten bis 
zur Spitze hinauf. Hoch oben ist an die Meerseite der Festungsmauer 
ein Kirchlein eingebaut. Ein Tambour mit kleinen Fenstern trägt 
eine flache Kuppel. Die Nischen in den Wänden, die leichten Spitz- 
bogen unter der Kuppel, wie das gemischte Material, sagen deutlich, 
daß der Bau dem spätem Mittelalter angehört. Das rundbogige 
Portal, von seitlichen Pilastem eingefaßt, krönt eine kleine Ver- 
dachung, in der noch das christliche Symbol zu erkennen ist. Auf 
der Spitze des Rabenfelsens, am Knotenpunkt ausgedehnter Be- 
festigungswerke und unfern einer stattlichen Moschee, ist noch ein 
ähnlicher christlicher Zentralbau erhalten, über den mein Begleiter 
nach einer nochmaligen Besichtigung anschließend berichten wird. 
Eine finstere Kapelle mit verrußten Fresken auf halbem Weg 
zur Unterstadt bot nichts Bemerkenswertes, obwohl uns wieder 
das ehrwürdige Alter derselben vemchert wurde. Die Bemerkung 



^) Heberde Y -Wilhelm, Reisen in Kilikien p. 136. 



Sinekkalessi 71 

Beaufort's: „the remains of some old Christian churches that have 
been long since converted into mosques" hatte mich hauptsächlich 
bis nach Alaja geführt.^) Ich traf nur diese unbedeutenden Zeugen 
einer dekadenten Periode. Aus jener Zeit, als Korakesion noch seine 
Bischöfe zu den Konzilien schickte, ist keine Spur mehr vorhanden. 2) 

Unsere griechischen Wirte klagten mit beweglichen Worten 
iiber den kommerziellen und kulturellen Niedergang des Landes. 
Einst heimsten sie die Trauben in eigenen, ausgedehnten Wein- 
bergen, heute müssen sie ihren Wein von Cypeni her beziehen. 
Noch vor 250 Jahren rühmt Hadji Chalfa die Reben von „Alanieh", 
dessen Zidadelle so groß wie die von Bagdad sei. Freilich würden 
sich seine Bewohner durch Grobheit und Brutalität hervortun. 
Auch in diesem Punkt hat sich Alaja anscheinend verändert — zum 
Bessern.^) Die wundertätige Quelle auf der Landenge wird eben- 
falls von dem arabischen Geographen genannt. Es ist eine von 
den vielen Hagiasmen des Orients bei den Trümmern der Kapelle 
der Anargyriten. Wachsverschmierte und verräucherte Randsteine 
deuten auf die kultische Verehrung. 

Auf der Spitze des Kale's von Alaja winkten von bedeutender 
Bergeshöhe Ruinen einer befestigten Stadt herab. Sinekkalessi 
heißt die hochgelegene Bergstadt, die dem antiken Hamaxia oder 
Laertes entspricht. Auf die letztere scheint Strabo's Text, falls 
derselbe hier nicht verwirrt ist, zu passen: „Elra Aai^xriQ q^gotgtov 
inl X6(pov fiaaTonSoig iSffogfiov ^;^ov".*) Schlimme, glatte Felsenpfade 
über Granit und Kalksteine führen in einigen Stunden zu der steilen 
Burg, einem wahren Seeräubemest , hinauf. Umfängliche Mauern 
aus schlechtem Material mit eingebauten altern Werkstücken ziehen 
sich rings um den Bergkegel herum, sehr zerfallen wie die Masse 
dichtgedrängter Ruinen im Innern, wo das Dickicht das Vorwärts- 
kommen und die Untersuchung sehr erschwert. Dabei herrschte 
eine fürchterliche Hitze, und nirgend murmelte hier oben ein Quell 
für den verlechzten Gaumen. 

Auf der Westseite der Stadt legt sich unterhalb eines zer- 
fallenen Tempels eine fast gänzlich zerstörte dreischiffige Kirche 
an die Stadtmauer. Säulen trugen einst das Dach des südöstlich 
gerichteten Baues, der 15,50 m in der Länge und 12 m in die Breite 

*) Bbaüfobt, Karamania p. 171. — Hebebdey-Wilhelm, Reisen in Kili- 
kien p. 136. 

*) Le Qüien fuhrt vier Bischöfe von Korakesion an. I, 1008. 
^) Hadji Chalfa, Djihan Numa p. 665. 
*) Stbabo, Geographie 669. 



72 Aimesis 

mißt. Die zugehörige Vorhalle von 3,70 m Ausdehnung liegt über 
drei Meter tiefer auf dem stark abfallenden Gelände. Sie ist bereits 
mit den seitlichen Türmen in die Befestigung hineinbezogen. Kom- 
positkapitäle und Kalksteinsäulen liegen im Innern der Basilika 
umher, keine Stütze stand mehr an ihrer alten Stelle. Das Mauer- 
werk war aus der geringwertigen Breccia hergestellt und deshalb 
auch so gänzlich zerfallen. 

Schwarze Wolken wälzen sich indessen über die hohen Kämme 
der Bergriesen von Norden herab. Mit unsem treuen Pferden 
kletterten wir, öfters stürzend, die halsbrecherischen Abhänge und 
Schluchten hinunter. Ein ganzes System von Zwischenwerken und 
Kastellen zog sich zu unserer Linken auf den Felskanten von 
Kuppe zu Kuppe bis zum Meer abwärts. Als das fürchterliche 
Unwetter wolkenbruchartig losbrach, flüchteten wir in einer idyl- 
lischen Meeresbucht zu einer ärmlichen Oda, wo uns der brave 
Moslem den warmen Heuschober für die Nacht überließ. Am Strand 
lag auf einem kleinen Felshügel ein verfallenes Fort, das einst 
diesen Ort, den Ankerplatz A u n e s i s der obem Bergstadt, schützen 
mußte. Als der Sturm vorüber war, warf ich mich ins wogende 
Meer und trieb mit den Wellen umher. Beim Sinken des 
Abends bestieg ich das verfallene Gemäuer der kleinen Strandfeste 
auf dem Felsen, dessen Wände in hundert Grotten unterwaschen 
und ausgespült waren. Da lauschte ich dem Streit der Elemente, 
dem Donnern der Fluten, dem Gurgeln der Wasser und dem Nieder- 
triefen unzähliger Cascaden, während der alte Seeräuberspuk von 
Kybiraten, Isauriern und Kilikiem sich in buntem Bildern erneuerte. 
Dann kamen die Sterne herauf, das rastlose Meer wurde stiller und 
das Gestade versank in geisterhafte Einsamkeit. Als ich mich satt 
geträumt und geschaut hatte, schlüpfte ich durchs Gebüsch hinab, 
kletterte auf einer Sprossenleiter in den Schober und versank bald 
unter dem hohen Himmel Anatoliens in tiefen Schlummer. 

Hinter Scharapsa wandten wir uns am nächsten Tag land- 
einwärts, um den Weg nach dem obem Manawgat, möglicherweise 
Katenna, Erymna und Selge, jene alten Bischofsstädte zu erreichen. 
Auf einer Höhe mit Karaburun, das wir von hohem Plateau aus 
tief unten in einer Entfernung von etwa vier Stunden liegen sahen, 
erhebt sich ein großer Grabtempel an jenem Punkt, von dem aus 
der pamphylische Küstenweg über den Sattel ins hintere Alaratal 
führt. Durch eine Senke ritten wir nordwestwärts zum Fluß 
hinab, der oberhalb einer alten Brücke aus wildem Felsklamm 
hervorbricht. Inmitten der zerklüfteten Bergeswildnis reckt sich 



Zurück nach Adalia 73 

ein Bergkegel zu ansehnlicher Höhe empor. Schneckenartig winden 
sich Befestigungen an ihm hinauf bis zur Spitze, die das verlassene 
Schloß Ala-Eddins trägt. Die Romantik seldjukischer Ritterlichkeit 
schuf sich hier einen märchenhaften Königssitz inmitten der Sturz- 
wasser und Felsenschroffen. 

Mein braver Hengst, übermütig geworden als wir unter Stuten 
gerieten, rannte mir mit seinem Kopf den Anilinstift, mit dem ich 
während des Reitens zu schreiben pflegte, tief in die Hand. Die- 
selbe schwoll alsbald hoch an, so daß wir in Gewaltritten auf dem 
nächsten Weg Adalia zureiten mußten, um die Hilfe eines Arztes 
in Anspruch zu nehmen. Dieser bedauerliche Unfall hatte zur 
Folge, daß ich meinen Plan, von Adalia durch das Tschandyrtal 
nach Myra und dem westlichen Lykien zu gehen, aufgeben und 
die langwierige Heilung meiner Hand in Europa abwarten mußte. 

Zugleich als kirchliche Denkmälerstatistik gebe ich in Kürze 
das Programm dieser nicht ausgeführten Reiseroute: 

Selge, autokephales Erzbistum. K.^) — Hirschfeld, Reisebericht 1875 
p. 136. — Lanckoronski, Städte Pisidiens (II) p. 178 f. 

Seraidjik im Tschandyrtal. 2 K. — Spratt and Forbes, Travels in 
Lycia I, 175. 202 (Plan) : ,One Christian church is about one hundred feet long^ 
the roof was supported by eight piain columns, now prostrate. •* — Lanckoronski 
II, 151. — Schönborn, Zug Alexanders p. 11 f. 

Acalissus. B.. K. — Spratt and Forbes 1, 167, ,The remains of two 
early Christian churches.* 

Idebessos. B., K. — Spratt and Forbes I, 169. 

Olymp 08. B , K. u. Malereien. — Beaupobt, Karamania p. 50. — Benn- 
DORF u. Niemann, Reisen in Lycieu p. 140 f. 

Rekowa, Jalibai. 2K. — Benndorf u. Niemann 1. c. p. 27 f. — Ritter, 
Kleinasien II, 1087. 1093. 

Phellus. B., K. — Benndorf u. Niemann I.e. p. 131. — Ritter, Klein- 
asien II p. 1124. 

Bazyrgiankoi. K. — Petersen u. v. Luschan, Reise in Lycien (II) 
p. 6. — Spratt and Forbes I, 57. 

Patara. B., K. — Fellows p. 113. — Ritter 1. c. p. 1061. — Benndorf 
u. Niemann 1. c. p. 115. 

P y d n ä. K. — Spratt and Forbes 1,17. — Benndorf u. Niemann 1. c. p, 125. 

Pinara. B., K. — Spratt and Forbes I, 10 (Plan). — Ritter, Klein- 
asien II, 967 f. 

Xanthus. B., K. u. Kloster. — Benndorf u. Niemann 1. c. p. 87: , Mehrere 
Ruinen byzantinischer Kirchen.* — Spratt and Forbes I, 50. Plan des Kl. 
p. 105: „a large monastery of the middle ages, which Stands on the summit 
of the acropolis hill. It is a streng quadrangular building of about seventy 
yards long. The fallen cells of the monks and the site of the church are easily 
made out within the streng walls which enclose them." 

^) K. = Kirchenruine. B. = Bistum. 



74 Kirchen von Arneä 

S i d 7 m a. B., K. — Benndorf u. Niemann p. 78. 80. 
Kalahatia (Hafenort Sidymas). K. — Ib. p. 82. 
K j o i d j e 8 L i m a n. K. — Fellows p. 125. 
Caunus. B, K. — Ritter, Kleinasien II, 916 f. 

Im Dezember kehrten wir von Khodus nach Lykien um und 
besuchten Antiphellus (B.), Dere Ahsy, Muskar, Aladja Jaila, Myra 
(B.) und Sura, während mein Begleiter, Dr. K. Michel, noch weitere 
Abstecher in die Umgebung nach Fineka, Assar, Rhodiapolis (B.), 
Gagä (B.) und Arneä (B.) anschloß. Ich lasse dessen Bericht über 
Alaja und diese Orte hier folgen, während die übrigen Denk- 
mäler im Verlauf der Herbstreise an ihrer Stelle zur Darstellung 
kommen werden. 



Ergänzender Reisebericht 

von Dr. Karl MloheL 

E r n e s. — Am 8. Dezember nachmittags ritt ich westlich von 
Dere-A'sy durch das Gebirge in der Richtung nach dem schnee- 
bedeckten Emesdagh bis an den Fuß der dem Emesdagh vor- 
gelagerten Bergkette, dann rechts ab über mehrere Wasserläufe. 
Li 3^4 Stunden von Dere-A'sy aus war der eine Teil von Josgat 
erreicht und in einer halben Stunde auch die andere Hälfte des 
Dorfes in bäum- und wasserreicher Umgebung. Nachdem ich in 
dem dortigen Oda die Nacht zugebracht hatte, begab ich mich am 
folgenden Morgen nach den wie ein Kastell auf Bergeshöhen 
thronenden Ruinen von Arneä in der Nähe des heutigen Emes. 
Unterwegs unfern der unteren Hälfte von Josgat stellte ich einen 
sehr zerstörten Oktogonalbau fest, an dessen Seiten sich innen je 
eine apsidiale Nische anschloß ; einige Gewölbeansätze sind noch zu 
sehen. Vielleicht handelt es sich um eine byzantinische Grab- oder 
Taufkapelle. 

Auf dem ungefähr eine Stunde davon entfernten, ganz mit 
Gebüsch überwachsenen Ruinenfelde von Arneä fand ich noch inner- 
halb der teilweise gut erhaltenen Stadtmauer die Reste mehrerer 
Kirchen, die aber, aus minderwertigem Material aufgeführt, auch 
baugeschichtlich kaum etwas Bemerkenswertes bieten.^) Nahe beim 



^) Texier, Asie Mineure III, 204: ,une vaste eglise et uii grand nombre 
d'autrcB monuinents de la niAme äpoque." 



Kirchen bei Myra 75 

Westtor nach Süden zu liegt eine größere Kirche aus Kalksteinen, 
von der noch die genau orientierte, rechteckig hintermauerte Chor- 
partie teilweise erhalten ist; sie zeigt noch zwei Rundbogenfenster 
und rechts und links je eine anstoßende Kammer. Vom Hauptschiff 
ist die südöstliche Hälfte noch am besten konserviert, woselbst noch 
ein weiteres Rundbogenfenster zu erkennen ist. In dem schwer 
zugänglichen Innern liegen noch Reste von Kalksteinsäulen, deren 
Basen auf einem aufgemauerten Fundament geruht zu haben scheinen, 
dazu noch allerlei Werkstücke, namentlich Teile von Gesimsen. 
Statt des Narthex haben wir eine größere Anlage mit mehreren 
Nebenräumen, von denen eine Kammer im Süden noch einen Aus- 
gang aufweist; außerdem scheint auch im westlichen Hauptschiff 
eine größere Doppeltür sich geöffnet zu haben. 

Von da ab weiter nach Nordosten befinden sich die Trümmer 
einer kleineren, aber was Anlage der Apsis und Baumaterial an- 
betrifft, völlig analogen Kirche; sie unterscheidet sich nur durch 
die noch sichtbaren Spuren von drei Eingangstüren im Westen und 
durch das frühere Vorhandensein eines vorgelagerten Narthex, an 
den sich weiter westlich ein noch größerer Raum, vielleicht ein 
Atrium, anschloß. Ein gewaltiger Säulenschaft ist dort noch vor- 
handen. Nördlich davon ist noch ein rechteckiger Bau mit schön- 
profilierter Tür, möglicherweise ein frühchristlicher Grabbau, zu er- 
wähnen. 

Sonstige Kirchen bei Myra. — Am 13. Dezember 
verließ ich mit einem ortskundigen Führer das Kloster des heiligen 
Nikolaos von Myra und begab mich zu Fuß nach der unweit 
des antiken Theaters in der Höhe gelegenen mit dem Namen des 
heiligen Eustathios bezeichneten Stätte. Den Hauptraum nimmt 
ein mittelalterliches Kastell ein, von dem noch die Mauer und 
ein Turm gut erhalten sind; auch sind im Norden noch die spär- 
lichen Reste einer älteren, aus Kalksteinen, Ziegelbrocken und 
viel Mörtel erbauten Kirche zu sehen. Als ich von da aus auf 
der Höhe weiter westlich ging, traf ich nach einer Viertel- 
stunde in der Richtung auf das Meer eine kleine einschiffige 
Kirche, die ebenfalls aus Guß werk errichtet ist. Die Lichtzufuhr 
geschah durch ein größeres Fenster in der Apsis und durch die 
Westtür, die noch jetzt einen gestelzten Entlastungsbogen zeigt. 
Der Hauptraum war durch zwei auf Wandpilastem ruhende Gurt- 
bögen gegliedert. Auch hier begegnet uns eine reichliche Ver- 
wendung von Ziegelstücken. Als ich dann in westlicher Richtung 
den Weg auf der Höhe weiter verfolgte, fand ich nach einer Stunde, 



76 Assar-Ony 

fast ganz im Gebüsch versteckt, bei Kürksaß ein ebenfalls aus 
Gußwerk gebautes, einst ganz mit Fresken ausgeschmücktes ein- 
schiffiges Kirchlein. Als ich den Bau näher untersuchte, stellte 
sich heraus, daß die ursprüngliche Anlage zuerst dreischiffig ge- 
wesen war und drei Apsiden und einen Narthex mit drei Eingangs- 
türen gehabt hatte, daß sie aber nachträglich auf den Hauptraum 
mit zwei Gurtbögen statt der ursprünglichen vier reduziert wurde. 
Die alte Hauptapsis war außen und innen rund, während die Seiten- 
apsiden mit einem noch sichtbaren Fries nach außen hin einen ge- 
raden Abschluß hatten. An die Südseite schloß sich ein kapellen- 
artiger Raum an, der durch eine Tür mit dem übrigen Baukörper 
verbunden war. Im Inneren sind an Fresken im Westen noch die 
Spuren einer thronenden Figur und eines Keiterheiligen zu sehen, 
femer im Norden oben die Geburt Christi und die Magieranbetung, 
im Süden das Abendmahl und die Kreuzigung und darunter zum 
Teil noch gut erhaltene Heiligenfiguren. Bei dem fast gänzlichen 
Mangel an sonstigen Fresken in dieser Gegend verdienen diese 
Malereien immerhin Beachtung. 

Assar-Ony. — Ungefähr IV2 Stunden von Fineka-Iskelessi, 
20 — 25 Minuten von Götschük und V4 Stunde von Assar-Ony ent- 
fernt, liegt ein kleiner, kirchlicher Zentralbau, dessen nach außen 
und innen runde Apsis mehr südöstlich als östlich orientiert ist. Der 
Bau ist auf einem nach Süden abfallenden Felsen errichtet, der an 
einigen Stellen nackt zutage tritt, und besteht aus harten, einst 
helleren, jetzt ziemlich grau gewordenen Kalksteinquadern, die direkt 
auf dem Felsen aufliegen und unter einander mit schmalen Mörtelfugen 
verbunden sind. Bei der quadratischen Anlage, bei der jede Außen- 
seite 5,85 — 5,90 m lang ist, überrascht das gänzliche Fehlen von 
Fensteröffnungen, die auf der West-, Süd- und Nordseite durch je 
eine in einen doppelt profilierten Rundbogen endende Tür mit einer 
Breite von 2,15 m ersetzt sind. Eine weitere Lichtquelle besaß 
der Raum nicht, da auch die das Ganze bedeckende Kuppel voll- 
ständig fensterlos ist. Die Zentralkuppel besteht aus einzelnen 
Kalksteinringen und ist im Inneren, das noch Spuren von Bewurf 
aufweist, nicht durch regelrechte Pendentifs, sondern durch nischen- 
förmig vorragende Steine mit den quadratisch gestellten Umfassungs- 
mauern verbunden. Nach außen hin scheint die ziemlich flache 
Kuppel einfach abgedeckt gewesen zu sein; die vier Balkenlöcher 
an jeder der Außenseiten scheinen mit dieser Abdeckung in Ver- 
bindung zu stehen und zur Befestigung eines Baugerüstes gedient 
zu haben. Ebenso einfach war die im Inneren noch mehr konchen- 



Kirchen von Gagä und Ilhodiapolis 77 

förmig, im Äussern mehr exedrenartig gehaltene genau orientierte 
Apsis gearbeitet. Was die Bestimmung des Gebäudes betrifft, so 
läßt sich bei der Nähe zahlreicher paganer und mittelalterlicher 
Gräber auch am ersten an einen monumentalen frühchristlichen 
Grabbau denken.') 

Kirchen von Gagä und Rhodiapolis. — Am 23. Dezember 
bei hellem, klarem Wetter brach ich von Kumludscha nach Aktasch^) 
auf. Der Weg führte durch sumpfiges Gelände und mit dichtem 
Gebüsch bewachsene Niederungen hindurch; infolge von Über- 
schwemmungen der Gegend waren manche Umwege notwendig. 
Nach drei Stunden war Jenidscheköj und nach einer weiteren 
Viertelstunde Aktasch mit den benachbarten Ruinen von Gagä 
erreicht. Wenn man von Jenidscheköj den Weg über die Höhe 
herkommt, ist einer der ersten größeren Ruinenkomplexe eine 
ziemlich umfangreiche, nach Ostsüdosten orientierte Kirche, deren 
Inneres ganz mit Dickicht verwachsen ist. Die basilikale An- 
lage besteht aus mehr oder weniger regelmäßig behauenen Kalk- 
steinen, die mit reichlichem Mörtel verbunden sind und zahlreiche 
rötliche Backsteine als Zwischenlagen oder als Füllung haben; sie 
war dreischiffig und hatte einen innen runden, außen rechteckig 
hintermauerten Chor von 70 cm Mauerdicke, dessen Konstruktion 
zwei Reihen von je drei Backsteinen zwischen den Kalksteinquadern 
aufweist. Die beiden anstoßenden Seitenapsiden zeigen eine unter 
sich verschiedene Behandlung; während die südliche einfach als 
rechteckiger Raum gedacht ist und entweder flachgedeckt oder 
tonnengewölbt war, besitzt die nördliche, an die noch ein Neben- 
raum angegliedert war, noch deutliche Spuren eines Kreuz- oder 
Kuppelgewölbes. Ihre Wände waren einst mit Stuck bekleidet, 
wie noch an einer Stelle zu erkennen ist, und hier sind auch noch 
rötliche Farbenflecke als Rest einstiger Bemalung sichtbar. Das 
Hauptschiff war wohl mit Holz eingedeckt und besaß wohl, da von 
Säulen sich keine Spur findet, auch Holzstützen, die auf einer an 
dei* Nordseite noch erhaltenen Stützmauer ruhten. 



^) Abbild, im folg. Heft. — Lanckobonski II, 2*23 Fig. 109 mit Abbild, u. 
GruDdriß. Niemann-Petersen wollten seltsamerweise in dem Bauwerk ein Tor 
erkennen, , allerdings mit einer Nische, die wie ein Altar zur Aufstellung eines 
Heiligtumes gedient haben kann.*^ Auf Kiepebt's Karte ist das Denkmal als 
,byzant. Kirche** eingetragen. 

*) Spratt and Forbes 1. c. I, 185: „some Christian churches are still 
Standing. They are got at with difficulty, being in the midst of marsh and 
jungle." 



78 Kirchen von Gagä und Rhodiapolis 

Hauptapsis und Südmauer sind noch am besten konserviert; 
letztere hatte gleich vor der Apsis eine Seitentür, der oberhalb die 
Reste von zwei Fenstern entsprachen. Außerdem sind an derselben 
Seite noch 2 — 3 weitere Fenster anzunehmen; außen lief ein Sockel 
um den Bau herum. Soweit an der Chorpartie noch Ansätze von 
Tonnen zu sehen sind, bestehen sie alle aus Backsteinen mit viel 
Mörtel; in der sehr zerstörten Südapsis ist an der Ostwand rechts 
eine umspringende Ecke und eine aus dem genannten Mauerwerk 
bestehende rechteckige Nische festzustellen. Im Westen besaß die 
Kirche einen ungefähr sechs Meter breiten Narthex, dessen Funda- 
mente noch an der Südseite zu konstatieren sind und von dem aus 
wohl drei Türen ins Hauptschiff führten. 

An der Nordseite der Stadt in der Nähe der Befestigungsmauer 
fand ich noch die unförmigen Trümmer einer weiteren Kirche; an- 
dere Bauten lagen in einem infolge der Überschwemmungen ganz 
unzugänglichen Gebiete. 

Am folgenden Morgen begab ich mich von Kumludscha nach 
dem ^2 Stunde entfernten Scheköj und von da in einer weiteren 
halben Stunde nach den auf der Höhe eines benachbarten Hügels 
gelegenen Ruinen von Rhodiapolis.^) Hier fand ich an der Hand 
des Planes von Spbatt und Fokbes in der Nähe des antiken Theaters 
eine sehr zerstörte 23,80 m lange frühchristliche Kirche mit einer 
Mauerstärke von 0,62 m aus Gußwerk, in das viele Ziegel- und 
Backsteinbrocken vermauert sind. Die 13,80 m breite Anlage war 
einst durch noch vielfach umherliegende, 0,50 m im Durchmesser 
breite Kalksteinsäulen, die mit einfach profilieaten kämpferartigen 
Kapitellen geschmückt waren, in drei Schiffe eingeteilt. Erhalten 
ist noch im Osten (ganze Länge der Ostseite 15,00 m) ein Teil der 
nach außen hin geradlinig abschließenden ungefähr sieben Meter 
breiten Hauptapsis, die 1 — 2 ^oße Fenster besaß und an die zu 
beiden Seiten zwei trapezförmige 3,00 und 3,50 m breite Neben- 
kammem mit je einer 1,15 m und 1,20 m breiten Eingangstür an- 
grenzten. Diese vielleicht einst mit Tonnen eingewölbten Seiten- 
räume waren im Norden und Süden durch je ein Fenster erleuchtet. 
Vom Hauptschiff ist noch ein Stück der Nordmauer zu sehen sowie 
ein Teil der narthexlosen Westseite, an der unmittelbar die Straße 
im Altertum vorbeiführte und die durch drei Türen den Eingang 
in die Kirche vermittelte ; die Südseite dagegen ist fast vollständig 
zerstört. Dementsprechend ist auch die Südtür 1,10 m breit. Die 



*) Petersen u. von Luschan, Reisen in Lykien (11) Tafel XVI. Khodlapolis. 



Alajah 79 

1,50 m breite Haupttür besaß ein mit Perlstab, Eierstab, Efeuranken 
und Äkanthus reich ornamentiertes Gewände, von dem noch Reste 
über den Erdboden aufragen.^) Außerdem lagen noch eine Reihe von 
Gesimsstücken umher, im Süden auch einige Säulenbasen in situ: 
Abstand der Basen von der Mauer 3,80 m ; dreifacher Abstand der 
Säulen 8,65 m, was ungefähr sechs Säulen auf jeder Seite voraus- 
setzen würde. Im Norden war gleichzeitig eine 3,80 m breite, 
14,80 m lange Kapelle angebaut. Von einer zweiten Kirche, die 
Spratt und Foebes zwischen dem Nordhügel und dem Theater an- 
geben, ist jetzt nichts mehr zu erkennen. 

Alajah. — Am 31. Dezember frühmorgens langte ich nach 
außerordentlich stürmischer Nacht mit einem türkischen Dampfer 
von Adalia her in A 1 a j a h an und stieg alsbald zum hochragenden 
Kaleh empor, wo ich die oben in der Nähe der mittelalterlichen 
Stadtmauer gelegene byzantinische Kirche näher untersuchte. Sie 
ist 10,75 m lang und 7,45 m breit, aus Kalksteinquadem mit viel 
Mörtel und zahlreichen Ziegelbrocken gebaut. Im Osten befindet 
sich der älteste Teil: eine unverhältnismäßig breite (5,80 m) Apsis 
aus früherer Zeit ist später wieder verwandt und mit ziemlich 
dichtem Gußwerk ummantelt worden; in der Konche sind noch 
Backsteinbogen und aus demselben Material gebaute 0,30 m breite 
Pilaster sichtbar. Dazwischen befindet sich ein dreiteiliges, etwas 
spitzbogiges Fenster. 

Auf die Apsis folgt eine niedrige, 2,50 m lange Halbtonne, die 
an den Längsseiten eine Art Nische bildet und im Süden durch ein 
Spitzbogenfenster beleuchtet wird. Daran schließen sich seitliche 
Exedren an: 3,10 m breite, apsidiale Konchen, von denen die süd- 
liche ein doppelteiliges Rundfenster, die nördliche eine rundbogige 
Tür aufweist. Die oberen Bogen, auf denen die Kuppel auflagert, 
sind leicht zugespitzt, während der westliche Teil der Kirche mit 
einem hohen Tonnengewölbe eingedeckt ist. Der Westeingang ist 
ziemlich stark zerstört, zeigt aber noch deutlich außen einen Vorbau 
an aus Ziegeln, der auf den Türwandungen ruht. Während die 
Hauptapsis nach außen rund ist, sind die seitlichen Konchen an der 
unteren Außenseite geradlinig mit dem Hauptchor verbunden, dar- 
über aber oktogonal ummauert, um dadurch den Übergang zur Kuppel 
zu vermitteln. Die innen runde Kuppel empfängt durch acht Schlitz- 
fenster spärliches Licht; sie ist aus konzentrisch sich verengenden 



^) Abbild, der Türwange im folg. Heft. — Ebenso von der Kirche in Alajah 
samt Plan. 



80 AUjah 

Ealkstemnngen gefügt während an den Zwickelenden Gewölbetöpfe 
ZOT Verringening der Last verwandt sind. Anßen hat sie einen 
sechszehneddgen Tambnr, der anßer den eigentlichen Fenstern noch 
von acht Blendfenstem durchbrochen ist. Trotz des weit vorge- 
schrittenen Verfalls sind im Innern noch Freskenreste zu sehen: in 
den Zwickeln die vier Evangelisten, sitzend und schreibend, in der 
südlichen Nebenkonche eine thronende Madonna und an der unteren 
Längswand einige verblaßte Heiligenfiguren. 



1 



II ' 



', 



isr 



Durch Kappadokien. 



Am 11. September schieden wir wieder aus dem wohnlichen Gast- 
haus der Griechenwirtin in Apamea-Diner, in deren Stammbuch sich 
mancher für die Erforschung Kleinasiens klangvolle Name verewigt 
hat. Hatten wir gehofft, in einer eintägigen Gewalttour bis nach 
Egerdir zu gelangen, so wurde dies in Ketschiborlu vereitelt, wo 
augenblicklich kein Saptiehpferd vorhanden war und man uns — 
das einzige Mal während unserer Reise in Anatolien — für hoch- 
verdächtiges Gesindel hielt. 

Der Ort lagert sich um eine kleine Akropolis, die sicherlich im 
Altertum befestigt war und eine gewisse militärische Bedeutung 
hatte, da hier der Engpaß von ApoUonia ausmündet und die von 
Apamea kommende alte Straße etwa eine Stunde südlich einer- 
seits nach Baris und Adalia, andrerseits über Conana, Seleucia und 
Agrä nach Prostanna abzweigte. Auf dem Mesarlyk, einem Museum 
von antiken Werkstücken, steht auch der römische Meilenstein dieser 
Route. In die Moschee ist ein byzantinisches Relief mit Kreuzen 
eingemauert, das fraglos einer vorgängigen Kirche entstammt;^) 
in einer Bäckerei liegt umgedreht und arg zerstört eine gewaltige 
Marmorplatte, die als Backtisch benutzt wird. Ich konnte nur die 
Umrisse einer Reiterfigur erkennen und den Teil eines Kranzes. 
Ich nehme hier die Episkopalstadt Eudoxiopolis an, welche Hiero- 
kles zwischen Apamea, Sagalassos und Baris erwähnt.^) Ramsay's 
Gleichsetzung von Eudoxiopolis mit Theodosiopolis und Bindos und 
dessen Fixierung zu Kilidjkoi lehne ich ab. Den antiken Ort 
Bindos glaube ich mit großer Wahrscheinlichkeit in dem heutigen 



1) Abbild, im folg. Heft. 

^) HiEROKLES, Synecdemus 673, 5. 

Bott, Kleinasiatische Denkmäler. 



82 Von Apamea nach Konana 

Findos entdeckt zu haben. ^) Der steile Gebirgssattel über Ketschi- 
borlu, den wir von Diner her passieren mußten, trägt den Namen 
Aidokmusch und hat vielleicht den alten Stadtnamen trotz der tür- 
kischen Verstümmelung bewahrt. 

Antike Gebälkstücke trafen wir auf unserm Weitennarsch am 
folgenden Tag bei der eine Stunde entfernten Erderhebung Kara- 
tasch, wo eine starke Quelle hervordringt, die nach den Trümmern 
zu urteilen, auch im Altertum ein kleines Heiligtum an der Straße 
besessen haben muß. Links blieb Paradis, wohl das antike Apo- 
ridos Kome, liegen. Wir zogen auf der alten Römerstraße ostwärts, 
die an mehreren Stellen, wo breite Rinnsale im Winter den modernen 
Weg durchrissen hatten, offen zutage lag. In einer Höhe mit Idedjik 
steht ein römischer Meilenstein, allerdings ganz im Schwemmboden 
versunken, so daß wir nicht feststellen konnten, ob er eine Inschrift 
trägt. Nähert man sich Gjönen, dann verschwinden die Spuren dieser 
alten Straße unter dem Alluvialboden. 

Am Südabhang des Tunazdagh liegt an einem brunnenreichen 
Fleck das alte Konana, dessen Name in dem modernen Gjönen 
fortlebt. Viele Werkstücke des Altertums, Sarkophagteile und eine 
Unmasse von Grabstelen, meist aus marmorweißem Kalkstein her- 
gestellt, sind in die Häuser und Tscheschme eingebaut. Drei kläg- 
lich zerfallene Moscheen mit eingestürzten Minarets, von denen die 
eine über den Fundamenten einer Kirche errichtet scheint, und 
mehrere große Mesarlyks weisen auf eine höhere Bedeutung der 
Stätte in vergangenen Tagen. Im Altertum hat der Ort die ganze 
nördliche Terrasse eingenommen ; eine Menge von Ziegelscherben und 
ein alter Wasserlauf sind die einzigen Reste der obem Stadt, über 
deren Boden jetzt der Pflug einherzieht. Nirgends habe ich so viele 
Ochsenschädel an den Giebeln der Häuser und auf den Zäunen vor 
denselben als Zierrat aufgesteckt gesehen wie in dem modernen, 
von Silberpappeln ganz verdeckten Gjönen. Die vielen Bukranien 
auf den Stelen hier haben noch eine lange Geschichte. 

In dieser Stadt, die sich gemäß einer Inschrift in der Vorhalle 
einer Moschee eines gymnischen Sieges rühmte, starb nach den 
Heiligenakten wie wir gesehen haben, der H. Zosimus den Märtyrer- 
tod. Ein Bischof Helladius von Konana, das zeitweise auch den 
Namen Justinianopolis führte, wohnte bereits 381 dem Konzil von 
Konstantinopel bei. Eusebius erzählt in seiner Kirchengeschichte von 
dem Bischof Zoticus von Konana, daß er mit seinem Nachbarkollegen 



^) Siehe oben p. 13. — Ramsay, Geograpby p. 404. 



Von Konana nach Ejerdir 83 

Julian von Apamea jene schwarmgeistige Bewegung der Monta- 
nisten bekämpfte. Zoticus versuchte die Prophetin Maximilla in 
Pepuza ihres Irrtums zu überführen, wurde aber von ihren Anhängern 
daran gehinderte) 

Wir werden noch öfters sehen, daß größere Dorfstädte wie 
Konana, als Mittelpunkt von mehreren Landgemeinden, einen eigenen 
Bischof besaßen. Aus kirchlicher Zeit selbst haben wir in Gjönen, 
von einigen byzantinischen Reliefs an einem Brunnen abgesehen, 
nichts entdecken können. Zwar hat Collignon eine Inschrift, be- 
ginnend + Bvxtj üatQixiov, im Hamam zu Isbarta gefunden, die 
nach der Aussage dortiger Griechen von Konana stammen soll.-) Es 
ist jedoch höchst unwahrscheinlich, daß der Stein nach dem alten 
Baris verschleppt wurde, zumal die edlen Hellenen daselbst auch 
mir das Unmöglichste vorgelogen haben. 

Gegen Abend ritten wir an der alten Kirche in Islamkoi vor- 
über, wo uns die freundlichen Dorfbewohner gerne als Gäste auf- 
genommen hätten. Bereits in dunkler Nacht stiegen wir über den 
Derbend, den Querriegel, welcher das Seebecken von Ejerdir von 
der Barenser Ebene trennt. An der Bergwand zur Eechten stehen 
noch vereinzelte Zedern, und die Hochtäler dahinter fand ich waJd- 
und wildreich. Durch ein imposantes Felsentor, dessen eiserne Türen 
noch Paul Lucas vor 200 Jahren sah, ist der Zugang zur tiefer 
gelegenen Stadt hergestellt. In senkrechter Tiefe brandet hier der 
See, dessen breite Fläche man von dieser Höhe aus bis nach den 
Bergen von Jalowatsch-Antiochien hin übersieht. Mit den mächtigen 
Bergmassen ringsum, die abwechselnd in Schroffen zur See abstürzen, 
bald stille Buchten am Uferrand bilden, und mit den beiden lieb- 
lichen Inseln erinnert der Ejerdir-Gölü lebhaft an die oberitalischen 
Seen und läßt in seiner w^eltabgeschiedenen Einsamkeit einen melan- 
cholisch-schönen Eindruck beim europäischen Eeisenden zurück. Un- 
vergeßlich bleibt mir jene Szenerie, als ich im Frühling bei frühester 
Stunde zum Waidwerk an eben dieser Stelle vorüberkam und die 
See vom leisen Morgenliauch. berührt aufschauerte, die Sonne eben 
über leuchtende Höhen emportauchte und ein Moslem auf dieser 
äußersten Spitze nach Mekka gewandt in tiefer Andacht kniete, 



*) EusEBius, Kirchengeschichte V cap. 16. 18. „Kai ilo^Loloytta^ai diu xov 
Ttvtviuitog KccTavayxaöciTO) tovs tott Ttagovrag, tls rb doxi^idaat xal SiccXtx^fjvaL 
T« TtvB^iiart XuXovvxi ävÖQag doxiuovg xal inieyLOTCovg Zcauxbv c(7tb KoiLcivT]g 
xmiirig ^^^ 'lovXiavbv ccnb 'ATtcc^iiccg.^'' — Nicht Kumana in Ostkappadokien, wie 
OBERHumiER- Zimmerer, Heise in Syrien und Kleinasien p. 189 angeben. 

«) B. C. H. III, 343. 

6* 



84 Der Ejerdirgöl 

Während die schneebedeckten Häupter des Anamas und Borludagh 
schweigend ringsum standen und keine menschlichen Wohnstätten 
den Frieden der weiten, einsamen Ufer störte. Unten im Talwinkel 
versteckt schlief noch die Stadt, und nur der Muezzin sang sein 
schläfriges Lied in den Morgen hinein. ^ 

Auf dem Siwridagh, der sich fast senkrecht über uns erhebt und 
wohl der Viarus Mons ist, welcher auf Stadtmünzen von Prostanna 
erscheint, sollen noch die Trümmer eines Kastells „Sivrij Naz" liegen, 
von dem Kiatib Tschelebi in seinem „Spiegel der Welt" berichtet, 
daß es von Sidy Battal Gazy den Christen entrissen wurde. Auf 
halber Bergeshöhe stieß ich, während ich im Schnee einem Stein- 
bock nachstellte, auf alte Ruinen mit schönen Quadern. Ich kann 
sie deshalb auch nicht näher beschreiben.'-^) 

Hieschfeld's Vermutung, daß Limnä der alte Name des Ejerdir- 
göls sei, ist durch Ramsay auf Grund STEßBET'scher Inschriften be- 
stätigt worden.') Die nördliche Seebucht trägt den Namen Hoiran 
nach einer Festung, die noch zu Zeiten Hadji Chalfa's am Nordende 
des Ejerdirgöls stand. Bereits 325 wird ein Bischof von Limnä 
genannt, der nur auf der Insel Nis, die heute noch zur Hälfte von alt- 
eingesessenen Griechen bewohnt wird, residiert haben kann. Hier 
befindet sich die alte Tradition und die kirchlichen Denkmäler. Auf 
dem Konzil von Konstantinopel erscheint neben dem Bischof der 
Inseln auch sein Kollege Attalus von der Uferstadt Prostanna, dem 
heutigen Ejerdir. Durch einen Inschriftstein, den wir daselbst 
fanden, ist die Existenz der Örtlichkeit, die bei Ptolemäus als 
Prostama überliefert ist, auch im Altertum nachgewiesen. In den 
späteren kirchlichen liisten verschwindet das Bistum Prostanna, ein 
Zeichen, daß es einging und mit Limnä vereinigt wurde. Von diesem 
werden sieben Bischöfe im Oriens christianus namhaft gemacht. Einst 
wurde am Inselgestade ringsum, namentlich bei der Vereinigung der 
Tekmoren am Nordostufer, die heidnische Artemis hoch gefeiert; ihre 
Nachfolgerin wurde die 'Ayia äsotoxog AipLvag.^) 



^) Außer den altern Schilderungen von Hamilton und Schönborn lese mau 
vor allem die anziehende von Sabre, Reise in Kleinasien 1896 p. 146 f. Schöne 
Abbildungen daselbst Taf. LX-LXVIII. — Arundel, Discoveries I, 329 : ,The 
view of the lake of Eyerdir is indiscribably beautiful.** 

*) Erwähnt auch bei Arundel, Discoveries I, 334. — Hadji Chalfa, Djihan 
Numa p. 700. 

8) Hirschfeld, Reisebericht 1879 p. 299 f. — Ramsay, Gcography p. 414 f. — 
Sterret , The Wolfe Expedition p. 273 No. 366, 85/86 hat freilick die Form 
TaXi{Ltrtv£. 

*) (^onc. Nicaen. II, 787. — Le Quien. Oriens christianus I, 1051. 



Die Inseln im Ejerdirgöl 86 

Wenn gleich der europäische Eeisende hier in einem der un- 
saubersten Chane von ganz Anatolien die Nacht verbringen muß, so 
ist er am Morgen dennoch von der malerischen Lage des Städtchens 
entzückt. Keck springt eine Landzunge in den See hinaus, auf der 
einst der größte Seid jukensul tan Ala Eddin Kai Kobad I. ein Kastell 
mit starken Mauern erbaute. Heute stürzen die mächtigen Quader 
in die grüne Flut oder dienen dem Städtchen als Steinbruch. Von 
entschwundener Pracht erzählt auch die Medrese mit dem reichen 
Schmuck ihrer Pforte aus geometrischen Flächenmustern und In- 
schriftbändern samt der Stalaktitenwölbung. Im kühlen Hof, wo der 
Brunnen in der Mitte plätschert, ruhen die Arkaden noch auf byzan- 
tinischen Säulen mit Würfelkapitälen. Die Ornamentik der sich 
schwingenartig nach beiden Seiten legenden Blätter finden wir wieder 
in der Hagia Sophia von Konstantinopel. ^) In dieser Schule hat wohl 
zur Zeit des arabischen Geographen Ibn Batuta um 1330 der be- 
rühmte Gottesgelehrte Moslich Eddin unterrichtet, der nebst Xakch 
Bendy in „Ekerder" nach Hadji Chalfa's Zeugnis sein Grab hat.-) 

In einem gebrechlichen, kiellosen Kahn, einem wirklichen mit 
Teer über und über beschmierten Kasten, in dem wir bis über 
Brusthöhe standen und der zum Schutz gegen einschlagende Wasser 
mit einem Schilfbausch an den Rändern geschützt war, fuhren wir 
nach der kleinern der beiden Inseln hinüber, welche die Bewohner 
heute Djan-Ada, d. h. Glockeninsel getauft haben. Die verlassenen 
Ruinen, welche den kleinen Raum bedecken, gehören der türkischen 
Zeit an, und v. Richteb erzählt vor 60 Jahren, daß der Statthalter 
damals ein Landhaus daselbst hatte. Darauf weist auch die Schil- 
derung des arabischen Geographen Hadji Chalfa, der die Insel 
Gülistan = Rosengarten nennt. 

Über die lichtgrüne Flut mühsam weitersteuernd, landeten wir 
nach einer Viertelstunde am flachen Ufer der Insel Nis, wo herr- 
liche Platanen ihre Äste fast bis ins Wasser senken. Haus an Haus 
drängt sich auf der kleinen „Nisos", die man in einer Viertel- 
stunde umgeht. Auf dem einzig freien Platze sah ich große Marmor- 
säulen umherliegen. Von den 18 Kirchen, die angeblich einst am 
Ort standen, sind nur noch die des H. Stephan, des Theodor, des 
Michael und Gabriel und der Eudokia übrig, die letztere, in ihrer 
Anlage dreiapsidial, allerdings in eine Moschee verwandelt und dabei 

*) Salzenberg, Altchristi. Denkmale von Konstantinopel, Bl. XV. — Abbild, 
bei Sarre, Reise in Kleinasien p. 147 u. Tafel LXV. 

') Schon Arundel 1, 338 spricht von den byzantischen Säulen dieser Me- 
drese. — Djihan Numa p. 699. 



86 Die Insel Nis 

gründKch restAuriert. Nur die Kirche des Stephan, die durch ihre 
Lage an der See wie die ganze Insel an Torcello mit seinem Dom 
erinnert, beansprucht ein höheres Interesse und dies vornehmlich 
ihrer Fresken ■wegen. Helena soll wieder die alte Kirche auf ihrer 
Fahrt nach Jerusalem gestiftet haben. Ihr frommer Pfad, an dem 
sie nach der weitverbreiteten Sage so viele üeiligtUmer erstehen 
ließ, führte sie allerdings nicht durch diese weltabgelegene Gegend 
mit ihren schwierigen Wegen. 

Es bedurfte stundenlanger Beden, bis wir den hartnäckigen 
AA'iderstand des stumpfen Pappas gebrochen hatten, der steif und 



Abb. ae. Fraiko und Ratief d«t StsphinikiTcfae ftof Sit, EJerdlr. 

fest immer behauptete, nach unserer photogiaphischen Aufnahme 
der Kirchenfresken käme kein Fremder mehr auf die Insel, um seine 
„Klisse" zu sehen. Er meinte damit den dauernden Verlust des 
Backschisches. Erst als der würdige Kirchenälteste erschien, mußte 
er nachgeben. Der Wein, den nns der griechische Geistliche vor- 
setzte, der kein A\'ort vuii seiner alten Muttersprache verstand und 
sich das Empfehlungsschreiben des Patriarchen von Konstantinopel 
ins Türkische übersetzen lassen mußte, war sauer und die Trauben 
faul. Vor ein paar hundert Jahren erzählte H.u),ii Chalfa noch von 
36 \\einsorten, die hier gedeihen sollten. 

Mit einem gewaltigen Schlüssel schritt der Pappas ziu' Kii-che 
vorauf, die ganze Griecliengemeinde hinterdrein. Als wir dort 
ankamen, fanden wir die noch frischen Spuren einer giündliclien 



Die Steiibanskirclie auf Nis 



87 



Erneuerung, der vor allem die Vorhalle zum Opfer gefallen ist. 
Im Innern des Naos hatte man glücklicherweise die alten Über- 
reste größtenteils geschont. Schon Sarbe hatte vor zehn Jahren 
in seiner lebendigen Schilderung dieser Gegend geschrieben: „Die 
dem H. Stephanus geweihte Kirche ist ein interessanter mittelalter- 
licher Bau und verdiente, besonders der Malereien we^en, ein ein- 
gehenderes Studium." Freilich hatte er die Kirche baufSJlig gefunden 
und bei dem herabgekommenen Zustand der Malereien die Schwierig- 
keit einer genauem Untersuchung eingesehen.') 

Die fast östlich orientierte ^. 

Basilika ist ein Oblongum mit '— :— i 

starken Umfassungsmauern, einem 
kleinen, im Grund- und Aufriß 
rundbogigen Chor und einer mo- 
dernen Vorhalle. Vier mäßige 
Wandpfeüer mit Kapitalen von 
einfachem Äkanthusmotiv tragen 
die Kuppel der Mitte, die auf 
vier Quaderbogen ruht. Ein Ge- 
sims kennzeichnet die Stelle des 
Auflagers, wo die, durch Pen- 
dentifs vermittelte Kuppelwölbung 
in die Rundung übergeht. Diese 
schließt kalottenartig durch stufen- 
weis vorkragende Backsteine und 
ist anscheinend später einmal re- 
stauriert worden. Das schmale 
Presbyterion ist tonnengedeckt, 
ebenso die Längs- und Quer- 
räume, die zum Zwerchkreuz zusammengeschrumpft sind. Je ein 
schmales Doppelfenster nördlich und südlich im Hauptraum und zwei 
kleine Öffnungen übereinander im Chor vermitteln das spärliche 
Licht*) Die fein profilierte, aber jämmerlich zerstörte Marmortür, 
die einst in ihrer Bedachung eine Inschrift getragen haben soll, 



') Sabse, Kn»e in KleiiiUHien p. 150: ,Die Wände des Hanptrautnes bIdiI 
voUstäDdig mit Malereien bedeckt, die leider bei dem geringen I-ichte, dsa durch 
die kleinen Fenster fiel, schwer zu erkennen und auch durch Kauch rollBtändig 
geschwärzt wart-n. . . . Vor der WestBeite liegt eine gleichfalls im Tonnen- 
gewölbe geachloäsene Vorhalle, ungefähr ein Viertel des Kirchen räum es be- 
tragend." — Abbild, des ÄuÜero der Kirche im nächsten Heft. 

'} Im Plan sitzt das südliche Fenster über der iiuQern Wandnische. 



88 Die Stephanskirche auf Xis 

scheint einer älteren Kirche zu entstammen. Der innere Türsturz 
ist mit Ranken, Kreuzen, stilisierten Blättern und Früchten ge- 
schmückt (Abb. 26). Die spiralenartige Behandlung des Ornaments 
wie die Gesamtanlage der Stephanuskirche weisen frühestens ins 
VIII. oder IX. Jahrhundert. Rechter Hand vom Eingang steht noch 
der marmorne Bischofstuhl mit dem Kreuz auf der Rücklehne und 
dem XgKSTog vixa. Nehmen wir noch dazu eine alte zerbrechliche 
Ikonostasis aus geschwärztem Holz, hochlehnige, morsche Ältesten- 
stühle an den Wänden des Naos, dann ist das Inventar der Kirche 
erschöpft. Zu den Kirchengeräten gehörte auch einst ein silbernes 
Räuchergefäß, das Sabre käuflich erwarb, ein seltsames Gemisch 
von Romanisch und Gotisch; selbst der Hufeisenbogen fehlt nicht 
im Ornament. Es gehört frühestens dem XV. Jahrhundert an. 
Noch später sind die Gürtelschnallen dieser Erwerbung mit dem 
Heiligen Georg und dem byzantinischen Reichsadler, den heute noch 
die Griechinnen von Karamanien auf dem Rücken ihrer kleidsamen 
Leibchen tragen.^) 

Die Bewohner der Insel behaupteten, bei den Restaurations- 
arbeiten an der Nordseite der Kirche ein Baptisterium aufgedeckt 
und wieder zugeworfen zu haben. Nach der noch sichtbaren, rund- 
förmigen Mulde scheint dies nicht ausgeschlossen zu sein. Die 
Phiale befindet sich in der großem Nische der Südwand und be- 
stand schon vor dieser Kirche, da fast die Hälfte der Mauer über 
ihr steht. 

Das ganze Kirchlein ist nun im Innern bis auf die breiten 
Tragbogen der Kuppel mit rauchgeschwärzten, teilweise völlig un- 
kenntlich gewordenen Fresken bemalt. Auch die einstige Vorhalle 
war mit solchen geschmückt, da die äußere Westwand des Haupt- 
raums noch Spuren solcher aufweist. Leider sind sie auch hier 
durch die Restauration fast völlig beseitigt worden. 

Durch längeres, vorsichtiges Waschen mit Brunnenwasser ge- 
lang es, wenigstens für den Augenblick, die von Schmutz und Rauch- 
schwärze fast unsichtbaren Malereien zu regenerieren, namentlich 
die Inschriften zu entzilBfem. Ziemlich resultatlos war das Bemühen 
bei dem älteren Zyklus im Chorraura und an den Oberwänden im 
Langhaus, da ein hartnäckiger Kitt über diesen Darstellungen lagert, 
der keinem Wasser weicht. Eine Aufnahme der erkennbaren Reste 

^) Von dieser Insel Nis stammen wohl auch die Manuskripte Hirschfeld's, 
die in die Berliner Bibliothek gelangten und von denen neuerdings die Vita 
Euthymii publiziert wurde. C. de Book, Vita Euthymii, ein Anecdoton zur Ge- 
sehichte Leo des Weisen, a. 8^6—917. Berlin 1888. 



Die Stephauskirche auf Nis 89 

machte die Enge des Raumes zwischen Chorwänden und Ikonostasis 
unmöglich. Die letztere wollten wir nicht niederreißen, um nicht 
den Unwillen der griechischen Gemeinde hervorzurufen, die ohnehin 
von unserer profanen Arbeit nicht sonderlich erbaut war. 

Als die Unterwände des Hauptraumes mit Jüngern Fresken ge- 
schmückt wurden, hörte man in einer bestimmten Höhe ohne Rücksicht 
auf die älteren Darstellungen plötzlich auf, so daß diese zur Hälfte 
noch mit den späteren Malereien bedeckt sind.*) An der Nord- 
seite sind somit die Fußwaschung und der Judaskuß zur Hälfte von 
den Jüngern Bilderreihen überschnitten. Dieser ältere Zyklus setzt 
sich nach Osten fort mit Isaaks Opferung^) samt der Auferstehung 
Christi darüber. Ein Engel mit großen, ausgebreiteten Schwingen 
sitzt auf dem Stein des Grabes, um das die Soldaten herumliegen. 
Daß sich hier die zugehörigen Szenen der Kreuzabnahme, der Grab- 
legung, Beweinung und Auferstehung anschlössen, beweisen die Tituli, 
die infolge fortgesetzten Waschens zum größten Teil zum Vor- 
schein kamen. 

Die Kreuzabnahme und Grablegung: T6v viov il^iStjaav awowag 
'/(wai}(p uetd Tov Nixo8r/fiov anoväp .... fivgoig xal aiv86vi kxridevae 
'Iaiai]q> 6 ^ÄQifAa-d'ctiaQ. 

Die Beweinung: '0 inixäqiog &Qijvog; IC—XC; 6 ayiog'Iuiävvrjg 
6 QioXoyog; 6 ^vctßrjg NixoSrjfiog; MritriQ Obov und ai fivgotfOQOi 
yvvalxsg. Das Malerbuch vom Athos enthält die genaue Schilderung 
dieser Szene. •^) 

Die Auferstehung und Erscheinung: OlficoCirw &ävaToe^ qSrig 
xXaiitWj avk\cc] TQ\o]naiov. 

Ti xX{al)eig d-dnxovaa Xqiötov Ttag&ivs 
ndhv Xaßovöa trjg x^Q^g rag hyyiag, 

^) Schon Sarre fielen die unter sich verschiedenen Malereien dieser Kirche 
auf, p. 150: ^Doch scheinen mir die Bilder nicht einer und derselben Zeit anzu- 
gehören , vielmehr unterscheidet man deutlich eine frühere und eine spätere 
Arbeit.* 

«) Abbild, im folg. Heft. 

') G. Schäfer, Das Handbuch der Malerei vom Berg Athos, Trier 1855 
§ 303: ,Ein viereckiger und großer Stein. Und auf demselben ist ein Tuch 
ausgebreitet. Und auf diesem liegt Christus nackt auf dem Rücken. Und die 
Heiligste kniet über ihm und küßt sein Angesicht und Joseph küßt seine Füße 



90 Die Stephanskirche auf Nis 

An den Fliigelmaueni des Chors breitet 

sich die Doppelszene der H. Eucharistie, die 

sog. göttliche Liturgie, aus: Christus reicht 

hinter dem Tisch stehend und von einem 

.Engel (uyytkoe xvffiov) assistiert, jedesmal je 

sechs seiner ehrfürchtig nahenden Jünger 

Brot und Wein. Die Verkündigang an die 

Hirten darüber mit den fast lebensgroßen 

Personen, der noch halb klassischen Gewan- 

S düng und den lebenswahren Gresichtstypen 

ü gehört mit der Liturgie zu den schönsten 

unter den erhaltenen Malereien, die wir in 

1 Kleinasien trafen. Sie treten aus dem her- 

. kömmlichen Kreis des sog. Byzantinischen 

B- völlig heraus. Die fast ganz zerstörte Ent- 

H hauptungsszene, die inmitten vieler Ärchitek- 

I tur sich wohl als Johannes' Märtyrertod deuten 

I läßt und das ebenso verdorbene Weltgericht 

f sind die einzigen Zyklen der Sudwand. Man 

{sieht noch Christus mit Maria und Johannes 
zur Seite nebst den 24 Ältesten, darunter 
rechts die Seligen , links die Yerdammten, 
dem Feuersti'om und einem Hüllenungeheuer 
1 zugekehrt, zwischen beiden Kreisen der Engel 

t des Gerichts mit der Wage, „o Cvyög Tijg 

a SixaiaoiLviis'^. 

a Künstlerisch tiefer stehen die si)ätern 

Fresken, die sich auf den übrigen Hauptrauin 
verteilen. An der AVestwand erkennen wir in 
den untersten Reihen die undeutliclie Gestalt 
des Propheten Jeremias an der arabischen 
Beischrift el-htdus-nili<ijet = da-s Ende Jeru- 
salems. Ihm folgen die Heiligen Theophauus, 
Merkurius in kriegerischer Tracht, Onesimus, 
Antonius, Sabas, der Theologe Johannes, Gre- 
gor, Chrysostomus, Basilius, Nikolaus, Christus 
mit Buch und Maria die Hände bittend zu 
ihrem Sohn hingestreckt {Abb. 28). Die beiden sind als kleine 

und der Theolog seine Ket-hlc. Und hinter Joseph ist Sieodemus auf die Leiter 
gestützt und eebaut auf Christus . . . und die underii SalbÖltriigorinueu reiSeu 
eich die Huare iiiu . . .* 



Die Stephanskirche auf Nis 91 

Medaillons zwischen die Kirchenväter hineingemalt und tragen einen 
blauen Nimbus resp. Kreuznimbus, während alle übrigen Personen 
mit goldnem Heiligenschein geschmückt sind. An Gestalten wie 
Basilius, Chrysostomus , Gregor und Nikolaus sehen wir bereits 
dieselbe Mal weise, wie sie das Buch vom Athos *) voi'schreibt. Wir 
haben keinen Grund, mit diesen Jüngern Fresken über das XIII. Jahr- 
hundert hinaufzugehen. Der Vorläufer und Maria mit dem Kind 
beschließen die untere Bildeireihe. 

In der folgenden erkannten wir in schlechter Erhaltung die 
Geburt Christi samt der Waschung, die Anbetung der Hirten und 
Magier. In besserm Zustand ist die Darstellung Christi im Tempel. 
Maria naht mit dem Kind, welches Simeon, der Gottesempfänger 
(o d-iodoxog) auf die Arme nimmt, während hinter ihm die schöne 
Gestalt der Pi-ophetin Hanna mit der Rolle ^) und hinter Maria Joseph 
mit den beiden Tauben steht (Abb. 26). Im Hintergrund ist der 
Tempel gemalt mit der Beischrift: ^ H vnanavrii xov j^^icrroi;" 
Daneben sehen wir die Opferung Isaaks, eine Szene, die bereits 
unter den altern Freskenreihen erscheint und bei der man den weiten 
Abstand der spätem Malereien von den frühem feststellen kann, die 
allerspätestens dem IX. Jahrhundert zuzuweisen sind. 8) 

Der Rest der übrigen Malereien sind Heiligen- und Propheten- 
dai-stellungen. Zu erkennen waren mit Sicherheit: Nestor, Agatho- 
nicus, Auxentius, die Propheten Habakuk, David, Daniel und Elias. 
An der Nordwand sind Demetrius und Georg zu Pferd gemalt; 
bei diesem sind noch Drache und verfolgte Jungfrau sichtbar. 
Zwischen beiden Reitern erblicken wir im Rundbild die halb 
klassischen Gesichtszüge des Erzengels Michael.*) An den Wangen 
der halbzerstörten Tür prangen noch die byzantinischen Adler, 
ein nackter Adam ziert die Nische links vom Eingang, und auch 
die Phiale an der äußern Südwand hatte ihre heute sehr zer- 
störten Malereien. 

In der benachbarten Kirche des H. Theodor, die dem späten 
Mittelalter angehört und in deren Chorwand außen noch ein paar 



^) Das Handb. der "Malerei p. 309. 

*) Nach dem Malerbueh p. 175. 

*) Unten am Berg der Opferung halten die Diener mit dem Esel wie im 
Malerbuch p. 104. 

*) Eine Gestalt mit der verstümmelten Beischrift 'Avocq . . . und einer orienta- 
lischen Kopfbedeckung ist wohl auf einen von denjenigen Anargyriten zu deuten, 
die aus Arabien stammen und , welche auf ihren Häuptern zusammengerollte 
Schleier haben*. Malerbuch p. 412. 



92 Abschied von Nis 

ältere Reliefs eingemauert sind, wird ein Evangeliar aufbewahrt, 
auf dessen vorderem Buchdeckel von Silberblech der Gekreuzigte 
mit Maria und Johannes, die Evangelisten und zwei Personen in 
betender Stellung zu sehen sind. Da es unmöglich war, ohne Gewalt 
eine Aufnahme des Buchschmucks auf photographischem Wege durch- 
zusetzen, so kann die Arbeit nur ungefähr dem XI. — XIII. Jahr- 
hundert zugeteilt werden. 

Der anfangs so renitente Pappas hatte bald mit dem Waschen 
so kräftig begonnen, daß der H. Theophanus samt seinem Namen 
schier von der Wandfläche verschwand und andere Heilige vom 
gleichen Schicksal bedroht wurden. Ich war froh, daß er mir am 
nächsten Morgen klagte, er hätte die ganze Nacht vor Müdigkeit 
wegen gehabter Wascharbeit nicht schlafen können und sei außer 
Stande weiter mitzuhelfen. Es war auch allmählich hohe Zeit ge- 
worden, die sakrilegische Tätigkeit im Kircheninnem einzustellen. 
Im Halbdunkel hatte ich nacheinander zwei ölgefüUte Ampeln zu 
Boden geschleudert, die zum Schrecken der menschenerfüllten Kirche 
in tausend Scherben zersplitterten, während der Heilig-Schmutzige 
•Inhalt sich mir über die Kleider ergoß. Ein schöner Blecheimer 
und ein Krug verschwanden beim Wasserschleppen in der Tiefe des 
heiligen Brunnens, morsches Holz hatten wir bei der Reinigung von 
den Wänden reißen müssen, der Marmorboden der Kirche war eine 
große Schmutzlache und das Blitzlicht hatte diese Griechen, die mit 
Gespenstern noch so vertraut sind, starr gemacht. 

Als wir nach beendeter Arbeit aus der Kirche heraustraten 
und unsere Hände gewaschen hatten, nahte sich der liebe Greis im 
schneeweißen Haar mit silberner Kanne und Patene und goß kost- 
bares Rosenöl in reichlicher Menge auf unsere ruchlosen Hände. 
Der Backschisch klirrte für das restaurierte Gotteshaus, ein Medschid 
verschwand in den langen Taschen des schmutzigen und zerrissenen 
Priesterrocks, dessen Träger wie nach einem Raub eiligst verschwand. 
Der Alteste aber drückte uns aufs herzlichste die Hände und stand 
mit den hilfsbereiten Inselbewohnern am Ufer, mit dem türkischen 
Fes in den Händen noch lange den Selam zuwinkend, während 
unsere zerbrechliche Barke in die windgepeitschten Wellen hinaus- 
fuhr. Ein letzter Strahl längst vergangener Größe schimmerte 
über dem würdigen Griechenhaupt mit seinen Kinderaugen, er der 
wenigen und letzten einer, die sich wurzelecht aus den Jahrhunderten 
bis in unsere Tage auf dieser weltabgelegenen Insel im Egerdirsee 
erhalten haben. 

Am Abend besuchten wir noch die kleine alte Ansiedlung Jaslar 



Von Egerdir nach Jalo watsch 93 

in einer fruchtbaren Bucht am Siidwestende des Sees. Mitten in 
üppiger Vegetation steht eine verlassene Türbe, wo ein Tschelebi aus 
türkischer Vergangenheit feierlich ruht. Am Tekke Scheich Murads, 
dessen auch Akundel gedenkt,^) trafen wir einen antiken Inschrift- 
stein als Türstock verwandt. Gegenüber dem Derwischkloster mit dem 
alten Bad ist ein byzantinisches Ornament als Türsturz verwertet. 2) 
An diesem abgelegenen Seeufer muß in christlicher Zeit ein Kloster 
gestanden haben, dessen Heiligen ein frommer Moslem abgelöst hat. 
Möglich ist, daß hier der Abt Epiphanios, der „rjyovfiBVog rrig *Ayiag 
Gbotoxov AifAvag^ hauste, dessen das zweite Nicänische Konzil 787 
gedenkt.') 

Ein beschwerlicher Paß führt an der Ostseite des Ejerdirgöls 
nach dem alten Antiochien. Der gefürchtete Derbent, Demir-Kapu 
oder eisernes Tor genannt, ist einer der verrufensten Wege im Innern 
Kleinasiens, wie Aeundel schon vor 70 Jahren schrieb, ,,one of the 
most terrible and perilous roads imaginable".*) Denn senkrecht 
stürzen hier die Ausläufer des Anamasdagh in den See, nur einen 
ganz engen Klippenpfad übrig lassend. Wir fuhren deshalb der 
ganzen Länge nach durch den See bis zur Höhe von Afschar. Mein 
Plan, den von Ramsay erwähnten Ort Gaziri am Nordufer des Göls 
aufzusuchen, wo eine Kapelle der Panagia angeblich christliche 
Wallfahrer aus Pisidien und Phrygien herbeizieht, wurde durch die 
völlige Windstille vereitelt.^) Denn über acht Stunden mußten die 
Leute in den Riemen liegen, da kein Lüftchen die bleierne Schwüle 
unterbrach. Als wir die sumpfige Mündung des Akkartschai, des 
alten, von Antiochien herabkommenden Xanthus hinter uns hatten, 
dessen hoher Schilfwald von vielen Wasserhühnern belebt ist, ver- 
sagten die braven Türken den Dienst. Während wir stundenlang am 
einsamen, verbrannten, nur von Jürüken besuchten Strandufer auf 
den Transport warteten, brach ein fürchterliches Gewitter los, vor 
dem wir unter einem aus Ruderstangen und Segeltüchern gezimmer- 
ten Zelt Schutz suchten. In einem offenen Schuppen zu Afschar, 
das eine Stunde östlich landeinwärts liegt, verbrachten wir mit 
vielen Menschen zusammengepfercht eine eiskalte Nacht und fuhren 
am nächsten Morgen in halbliegender Stellung auf einem Ernte- 
wagen mit musizierenden Holzscheibenrädem nach Antiochien, dem 
heutigen Jalowatsch. 



^) Abcndel, Discoveries I, 336. 

*) Siehe Abbild, im nächsten Heft. ^) Siehe oben p. 84. 

*) Aründel, Discoveries I, 328. 

*) Rahsay, Geography p. 414. 



94 Antiochieu in Pisidien 

Die anfänglich einförmige, hügelige Landschaft zwischen den 
Limnä und Antiochien geht allmählich in die überaus fruchtbare 
und von mehreren Bächen bewässerte Ebene von Jalowatsch über. 
In diesen üppigen Gefilden hatte einst auch das Kreuzfahrerheer 
nach der Schlacht von Doryläum Ruhe und Erquickung gefunden.^) 
Im Rücken des betriebsamen Städtchens steigt der Sultandagh, zum 
Erschrecken öd und kahl, bis zu einer Höhe von nahezu 2000 m 
empor und schützt Antiochien vor der sengenden Gluthitze der 
Steppenwüste. Die anatolische Bahn bedeutet für den Ort und sein 
an Weizen, Wein und Obst reiches Hinterland noch eine große 
Zukunft. 

Draußen vor Jalowatsch mit seinen engen, unreinlichen Gäßchen 
liegen die halbversunkenen Ruinen der alten kirchlichen Metropolis 
von Pisidien, deren größter Teil zum Bau von Neu- Antiochien ver- 
wandt wurde. Da die bereits von Abundel auf seiner Entdeckungs- 
fahrt nach den sieben Gemeinden erwähnten Kirchen nunmehr von 
unserm Elsässer Landsmann Weber in Smyma erforscht werden, ging 
die Reise nach kurzer Rast ostwärts zum Sultandagh.*) In die 
Tscheschme von Kujudschak sind byzantinische Reliefs eingebaut; 
andere antike Werkstücke hier und in Örkenes scheinen aus An- 
tiochien ebendahin verschleppt zu sein.*) 

Kein Muster von modernem Hochbau ist die große, neue Kunst- 
straße, die von Akschehr herüber ins antiochenfeche O^Wet fahrt. 
Sie steigt in so steilen und gebrodienen Serpentinen zur Paßhöhe 
empor, daß sie für einen Lastfuhr verkehr schier unbrauchbar ist, 
abgesehen davon, daß sie durch eine gewissenlose Vernachlässigung 
bereits wieder jämmerlich zerfällt. In der Nacht kamen wir in 
Akschehr, der Stadt des türkischen Eulenspiegels Nasr-Eddin- 
Chodscha an, besuchten am nächsten Morgen die seldjukischen Sehens- 
würdigkeiten, darunter die Taschmedrese des Sultans Kai Kaus L, die 
1216 von Hassan Emirdads Sohn Ali emchtet wurde und unter der 
türkischen Lotterwirtschaft jetzt einem raschen Untergang ent- 
gegengeht. Byzantinische Reliefs des ausgehenden I. Jahrtausend 
mit zerstörten Kreuzen sind zur Einfassung eines Seitenportals 
daselbst verwandt, im Hof der Medrese fanden wir Marmorsäulen 



^) Will. Tyrens. archiepisc. bist. III, 17: ,in regioneui copiosam satis et 
ubere rivls, nemoribus et pascuis amoenissimam descenderunt juxta Antiocbiam 
minorem, quae Pisidiae metropolis.* 

*) Aruxdel, Discoveries I, 273 mit Plan im Anhang. 

3) Abbild, im folg. Heft. 



Konia 95 

und -Kapitale, die nach ihren Ornamenten teils dem Stil der 
Hagia Sophia in Konstantinopel, teils der Zeit der Heraklius- 
periode angehören.^) 

Auf deutscher Bahn, iii schlechten Waggons, die längst invalid 
und ausgefahren aus einem deutschen Wagenpark angekauft und 
für Anatolien wieder aufgeputzt waren, wurden wir nach Konia 
befördert. Die Billete erster Klasse, die dem deutschen Forscher 
allenfalls zum Tarif zweiter Klasse gewährt werden, warfen wir 
in Konia wieder weg, als uns die dortigen Bahnbeamten unter 
Lachen bemerkten, daß wir mit unserm Gepäck ohne die Er- 
mäßigung billiger die zweite Abteilung benutzen könnten. So 
kommt man deutscher Forschung in Kleinasien von der sog. deutschen 
Bahngesellschaft entgegen. Die englische Smymabahn hat sich jedes- 
mal gentlemanlike und im weitesten Sinne zuvorkommend uns 
gegeRöber bewiesen. 

Unter der sachkundigen Leitung unseres liebenswürdigen Kon- 
suls Loytved besuchten wir die Hauptdenkmäler Konias, darunter 
auch die Hallendjami Ala Eddins, deren Wölbungen von einem Wald 
byzantinischer Säulen mit interessanten Kapitalen getragen werden, 
die aus Tyana stammen sollen. Auch Hadji Chalfa berichtet in 
seinem Weltspiegel im XVIL Jahrhundert : „II ya dans ce chäteau 
(von Tyana) des voütes bäties de grosses pierres et soutenues par 
des colonnes de marbre. Lorsque le sultan Ala-eddin fit bätir le 
chäteau de Koniah, il en fit tirer les pierres et autres materiaux 
de cet endroit.'* -) Auf dem Schloßberg, wo man den entzückenden 
Blick über die Seldjukenstadt mit ihren schimmernden Kuppeln 
und zerfallenen Minarets genießt, steht noch die angebliche Kirche 
des Bischofs Amphilochius von Iconium, ein mittelbyzantinischer 
Bau, der mehrfach restauriert heute als Uhrturm dient. In Ziegel- 
technik ist das von abgestuften Blendbogen eingefaßte Doppel- 
fenster der Nord- und Südseite und der runde Tambour mit der 
zweifachen Eeihe gegliederter Blendfenster ausgeführt, wogegen 
die übrigen Mauern aus Bruchsteinen und altern Werkstücken er- 
richtet sind. In den Kirchen von Side, Islamkoi und der noch zu 



^) Siehe die Abbilduogen im folg. Heft. — Ein ähnliches Marmorkapitäl 
aus der Zeit des Heraklius (610 — 641) im Tschinili Ejöschk zu KonstaDtinopel, 
veröffentlicht von Stbzygowski im Jahrb. der preuß. Kunstsammlungen XIV 
(1893), 73 f. Abb. 3. — Photogr. der Taschmedrese bei Sarre, Reise in Klein- 
asien, Tafeln XI— XIII. 

*) Hadji Chalpa, Djihan Numa p. 673. — Abbild, der Djami bei Sarre, 
Reise in Kleinasien Taf. XVIII. 



96 Eregli 

erwähnenden Tschanliklisse von Tscheltek hat die Amphilochius- 
kirche ihre Parallelen.^) 

Am 19. September betraten wir das am Fuß des Taurus ge- 
legene Eregli, ein armseliges Städtchen mit traurigen Erdhäusern 
und einem halbabgebrochenen Chan, wo wir an den europäischen 
Bettstellen den Einfluß der hier bereits voriiberfahrenden anato- 
lischen Bahn spürten. Von der ehemaligen Episkopalstadt Kybistra, 
von der Le Quien noch fünf Bischöfe nennt, entdeckten wir auch 
nicht die geringsten monumentalen Spuren.-) Nach vielstündigen, 
leidigen Pferdehändeln konnten wir am folgenden Tag den un- 
gesunden, staubigen Ort verlassen. Am alten Seldjukenchan Ala- 
Eddins und dem schönen, bandgeschmückten Minaret der Djami vor- 
über ging der Ritt durch den ausgedehnten Mesarlyk, wo meterhohe 
Obelisken von rohen Felsblöcken des unfernen Taurus mein Er- 
staunen hervorriefen. Je einer stand zu Häupten und Füßen des 
Toten. Als wir die kühlen Gebirgsbäche, wo Sultansöhnchen dem 
reichlichen Fischfang obUegen, überschritten hatten, wandten wir 
uns in nordöstlicher Richtung direkt Tyana zu. Die einstigen 
Troglodytendörfer, Ibris, mit seinem berühmten hettitischen Relief, 
Mindos Kalesi und Zanapa ließen wir rechts am Eingang zum mitt- 
leren Tauruspaß liegen, als Wir vernahmen, daß die alten Anlagen der 
Mönche und Anachoreten meist zerstört und umgewandelt seien. Der 
letztere Ort hat noch seinen alten Namen bewahrt; seine 108. Epistel 
richtete Gregor von Nazianz an die Nonnen von Sannabadae, welche 
hier in ihren weltabgeschiedenen Gebirgshöhlen hausten. -^ 

Auf unserm Weitermarsch winkten zur Linken die hochwipfe- 
ligen Bäume des Bektisch wie eine Oase inmitten der sich nun weit 
ausdehnenden Steppenlandschaft. Ein leichter Dunstkreis in der 
zitternden Luft verriet die heißen Sprudel des Ortes mit ihren selt- 
samen Sinterungen und Bodenbildungen. Hamilton hat die Schwefel- 
quellen dieser Gegend, die er „Kekrout" nennt, eingehend beschrieben 
und auch neuere Reisende haben sie flüchtig besucht.*) Während 
die Ebene zwischen Kybistra und Tyana im Winter überschwemmt 
ist, rann im September kein einziger Bach durch die öde Steppe, 
die von einem dünnen Salzausschlag wie bestäubt war. Das einzig 
nennenswerte, jedoch nicht perennierende Wasser hinter Bulgurlu 



^) Siehe Abbild, der sog. Amphilochiuskirche im folg. Heft. 
*) Le Qüien, Oriens christ. I, 402. 
^) Gregor, Opera II, epist. 108. 

*) Hamilton , Researcbes II cap. 48. — v. Schweinitz, In Kleinasien 
(1906) p. 66 f. 



Von Eregli nach Tyana 97 

ist der Azizietschai, der dem Kyzyldjasu zufließt. Während eines 
dreizehnstiindigen Eittes trafen wir einen einzigen Brunnen mit 
schmutzigem Wasser an, aus dessen tiefem Schacht Turkmanen und 
Tschitschenen das spärliche Naß für die prächtigen Schaf- und 
Ziegenherden mit Ledereimem heraufschöpften. Nur Absinth und 
Wermut liefert die Weide in dieser Jahreszeit, und kein Baum noch 
Strauch grünt ringsum. Schon Stbabo, der auch die tiefen Brunnen 
dieser wasserarmen Landstriche kennt, schildert diese Gegend: 
„!f{ Si Bayadavia xaineg möiag ovaa xal votiwtccttj naawv {vno- 
nintwxB yag rq» TavQfp) fioXig xG/v xagnifiwv xi tfigu divdgwv.^^^) 
Das Dorf Bagad, inmitten dürrer Umgebung an den südlichen Aus- 
läufern des Hassandagh gelegen, scheint noch den Namen dieser 
seit Alters baumarmen Provinz Kappadokiens zu bewahren. 

Um die kleinen Ansiedlungen, die oft nach wenig Jahren ihren 
Standort wechseln, sind Erdhügel zerstreut, in denen die Bewohner 
ihr Stroh namentlich zur Ausbesserung der Wohnungen jahrelang 
aufbewahren. Andere Erderhebungen wie am Sindjerli Chan be- 
stehen aus dem daselbst aufgespeicherten Salpeter, der vom tür- 
kischen Staat zur Bereitung des Schießpulvers hier ausgebeutet wird. 
Er tritt nach jedem Regen in ansehnlichen Mengen als Efflorescens 
aus dem Boden hervor. Samt der beigemischten Erde wird er 
in warmes Wasser geschüttet, worauf man ihn dann in Holz- oder 
Steintrögen durch die Sonne verdampfen läßt und den Niedei'schlag 
an die Regierung abgibt. 

Der Wind, der von Zeit zu Zeit Kühlung in dieser brütenden 
Wüstenhitze wehte, trieb hohe Staubwolken kreiselnd vor uns her, 
die wie Wasserhosen hoch in den blauen Himmel emporstiegen. 
Trugbilder malte uns der ferne Horizont vor die Augen, während 
wir durch die wasserlose Ebene der alten Tyanitis dahin ritten. 
Längst könnten hier, wo nur verbranntes Weideland des Wanderers 
Blick ermüdet, üppige Fluren sich breiten, wenn diese ganze Ebene 
systematisch bewässert würde. So strömen im Winter die Wasser 
von allen Seiten rasch und nutzlos durch das Land und lassen statt 
goldner Ähren nur Sümpfe und die Malaria zui'ück. 

Wie trostlos aber auch die Prärie ringsum, so herrlich um- 
stehen diese Ebene die Randgebirge, welche den müden Reisenden 
immer wieder mit neuer Geistesfrische beleben. In blauer Mittags- 
ruhe liegen rechter Hand die ewigen, sonnenüberglänzten Schnee- 
höhen des hohen Taurus, schön verzackte, feierliche Häupter, wie 

^) Strabo, Geographie 539. 

Kott, Kleinasiatische Denkmäler. 7 



98 Bor 

sie Segantini's Pinsel nur in schwachen Tönen auf die Leinwand 
gebracht hat. Links tanzen die niedrigen Berge des Karadagh wellen- 
gleich in die große Salzwüste hinein und suchen über noch meist 
unerforschte Gegenden hineilend, den Anschluß an das Vulkangebirge 
des Hassandagh, dessen herrliche Silhouette sich für immer dem Auge 
einprägt. Der verdienstvolle englische Naturfoi-scher Kleinasiens, 
Hamilton, schrieb im vergangnen Jahrhundert mit Recht von ihm : 
„Certainly nothing could be finer than the appearance of this 
insulated mountain, rising like a gigantic pyramid from its base 
to one conical point."^) Und in der Senke zwischen dem doppel- 
gipfligen Hassandagh und den nördlichen Taurusbergen sah ich 
in den ersten Morgenstunden schon in fernem Dunst den Argäus, 
den Riesen Kleinasiens, sein gewaltiges Schneehaupt 4000 m hoch 
erheben, der fortan wie ein Leuchtturm und Götterberg unsere 
Wanderungen in Kappadokien begleiten sollte. Als ein langer Tag 
zur Rüste ging und die Berge ringsum lange Schatten warfen, ritten 
wir in einem wahren Purpurschein von wunderbarem Abendhimmel in 
das Städtchen Bor ein, durch dessen üppige Gärten reichliche Wasser 
an Silberpappeln vorbeirauschen und die ersten herrlichen Trauben 
Kappadokiens sich an Hütten und Weidenbäumen emporranken. 

Am Morgen einer schlecht verbrachten Nacht in dem halbver- 
fallenen Chan, wo uns die Ratten nicht zur Ruhe kommen ließen, 
machten wir den Rundgang durch den schattigen Bazar, dessen 
Eingang von einer Djami und einem alten türkischen Bad mit 
Stalaktitensäulen romantisch flankiert ist. Unter den christlichen 
Kirchen von Bor ist nur die der fünf Märtyrer erwähnenswert, wo 
uns ältere Chortücher und Holzmalereien gezeigt wurden. Den an- 
sehnlichen Teppichwebereien der Griechen verdankt der Ort seinen 
sichtbaren Aufschwung, der sich sofort mit der Einrichtung einer 
stattlichen Schule ankündet. Die Inschriften, die wir hier kopierten, 
sind meist von Tyana her verschleppt. Der Ort selbst, den die 
steilen Tufffelsen wie eine Mauer umgeben, scheint aus einer uralten 
Höhlensiedlung hervorgegangen zu sein.^) 

Im muntern Trab ritten wir nach Klisse Hissar, dem alten 
Tyana») hinüber, das seit der Verordnung des Kaisers Valens zur 
Metropolis von Cappadocia Secunda mit den Sutfraganen von Cybistra, 

^) Hamilton, Researches II, 21S. 

*) Hadji Chalfa, Djihiin Numa sa^rt von Bor p. 672: ,,entour(5 d'uue inu- 
raille de terre." 

*) Eine kurze, wertvolle Geschichte Kappadokiens bei Oberhi;mmkh-Zimmeker, 
Durch Syrien u. Kleiuasien. 1899 p. 157—210. 



Tvana 99 

Faustinopolis und Sasima erhoben wurde. Der Oriens christianus 
zählt 28 Bischöfe daselbst auf.*) Den niedrigen Hügel der Semiramis 
fanden wir verlassen und tot; denn die PXnwohner der kleinen 
Häuschen waren in ihre Sommerhütten in den östlichen Gärten 
gezogen, die von vielen kühlen Wasserläufen berieselt werden.-) 

Majestätisch ragen über die Kleinheit und den Schmutz der 
heutigen Welt die Bogen der römischen Wasserleitung, deren Pfeiler 
aus großen Scagliaquadern erbaut sind (Abb. 29). Einst trug sie 
köstliches Naß in die Stadt herab von dem östlichen Plateau, wo 
eine Reihe kleinerer Seen kristallklares W^asser aufsprudelt. Wir 
besuchten einige derselben, den Dibsisgöl, den von Kainartsche, den 
Uschgöl in dessen Nachbarschaft, und noch weiter südlich den JenigöL 
Zum Teil aus ihren verborgenen Quellen gespeist entspringt ^,4 Stunde 
von den letzten Gartenhäusern Tyanas der Köschsu, wo der Beginn 
des alten Aquädukts zu suchen ist und eine mächtige Ader aus dem 
Fuß der Anhöhe entspringt, die nach wenig Schritten bereits eine 
Mühle treibt. Antike Werkstücke schimmern aus dem lichtklaren 
Wasser herauf, eine mächtige Steinplatte mit großem Kreuzrelief 
dient als Brückensteg des mittleren der drei Quellarme. In der 
Nähe steht noch ein zerfallener, älterer Quaderbau, anscheinend ein 
Bad aus türkischer Zeit. 

Wie sehr im Lauf der Jahrhunderte die Erde von den kahlen 
Bergen im Osten Ts^anas herabgeschwemmt ist, läßt sich an dei 
Wasserleitung deutlich verfolgen. Stehen die letzten Pfeiler beim 
Dorfeingang noch fast völlig zutage, so versinken sie im Verlauf all- 
mählich bis zu den massigen Quaderbogen, in welche sich ärmliche 
Hütten untergebaut haben. Noch eine Strecke bildet der Wasser- 
kanal eine Grenzmauer für die Eigentümer, und schließlich ist der 
ganze Aquädukt, ein fast zweitausend Jahre alter Lebensspender, in 
der Schwemmerde verschwunden. 

Als wir unter dem Schatten eines Maulbeerbaumes draußen in 
einem Gartenhaus unser Mittagsmahl verzehrten, erzählten uns die 
gastlichen Türken von vielen Königen und Völkern, die einst hier 
gelebt, aber auch mit Seufzen von den schönern Zeiten, als das 
Wasser des Aquädukts noch von den Bergen herabkam. Da floß 
Milch von einer Klisse in den hintern Bergen in die Ebene. Einer 
hätte die Glocken geraubt, und seitdem höre der Segen auf. Auch 



^) Le Quien, Oriens christ. I, 396. 

*) Strabo, (xeographie 537: „Tcc öh Tvccra iTtUtircci x^ucctl 2^tuiQcqudoi 



7* 



100 Tyana 

Levidis in seiner Darstellung der Höhlenkirchen Kappadokiens macht 
eine Kirche mit Hagiasma bei Dylmusun (Termissos) auf den Berg- 
hängen westlich von Nihde namhaft, die raXateQtj genannt ist.^) 
So hören die Nachkommen Muhammeds oder vielmehr die zum Halb- 
mond einst bekehrten Landesbewohner im Soandere immer noch, 
wenn ein eigentümlicher Wind weht, in jenen märchenhaften Tälern 
silberne Glocken erklingen und versichern dann, funkelnde Waffen 
und Goldschätze in deren Nähe gefunden zu haben, wo durch Berg- 
stürze die geheimnisvollen Labyrinthe verschüttet sind. 

Der kleine Hügel der Semiramis, auf dem heute dicht gedrängt 
ärmliche und schmutzige Hütten aus Lehm und antikem Flickwerk 
zwischen ausgedehnten Ruinen sich eingenistet haben, ist wie ein 
Steinbrach allenthalben tief durchwühlt und muß Marmor und Quader- 
blöcke für den Häuserbau von Klisse Hissar und aller umliegenden 
Ortschaften liefern. Denn überall starren die gewaltigen Mauern aus 
dem Boden heraus, und die Substruktionen der öffentlichen antiken 
Bauten erregen selbst das den Türken sonst fremde historische 
Staunen. Hadji Chalfa spricht noch in seiner arabischen Geographie 
von einem großen Schloß in Tyana mit quadergefügten Wölbungen 
auf Marmorsäulen, das zu seiner Zeit noch aufrecht stand. Durch 
die wilde Abteufung werden in wenig Jahren auch die Fundamente 
der antiken Gebäude verschwunden sein. Wo jetzt auf der Höhe 
des sagenhaften Erdwalles der hier reichlich gewonnene Salpeter 
zu förmlichen Hügeln aufgeschüttet wird,-) ragt noch einsam in die 
Luft die hohe Marmorsäule, die Hamilton vor 60 Jahren schon sah, 
als er den alten Asmabäus suchte. Bald wird sie ihr Los ereilen; 
denn als ich zwei Monate später südwärts zu Tyana hinaus den 
Pylen zu zog, da hatten die Barbaren die schönsten Marmorsäulen 
des Ortes weit hinaus geschleppt und zerschlugen sie eben zu 
Schottersteinen für die neu angelegte Gebirgsstraße. 

Die Stelle der Hauptmoschee auf der Höhe des Hügels nahm 
eine Kirche ein. Die Säulen, die sie stützen wie die vielen Reste 
von Basen, Kapitalen und Gesimsstücken der Vorhalle entstammen 
dem christlichen Gebäude. Der mich begleitende türkische Gast- 
freund versicherte obendrein, daß hier einst die „Klisse" stand. 
Die heutige Moschee ist wahrscheinlich diejenige des Sultans Ala 

^) Levidis, Ai iv ^lovolid'OLg fiovccl T})g KumtadoY-iag v.a\ AvacLOviag. Kon- 
stantinopel 1899, p. 111. 

') Wie zu Hadji Chalfa's Zeit schon. „Le salpetre se tire des decombres 
de Kelissa Hissar, ancien chateau ou tbrteresses. On le ramasse lorsqu'il 
pleut.« p. 673. 



102 Von Tyana nach Andabalis 

Eddin, die der oben genannte arabische Geograph unter den 
damaligen elf Djamien erwähnt. Leider blieb uns keine Zeit, 
um den von Hamilton entdeckten Asmabäus, den heutigen Ortasan- 
göl aufzusuchen, so wenig wie die Höhlenkirchen von Kara Mah- 
mutlu, zwei Stunden südlich von Tyana, die ihre Fresken noch 
bewahren sollen. 

An eigentümlichen Erdhügeln ritten wir nordwärts vorbei, über 
die mäßige Erdwelle zwischen dem Hassandagh und dem Taurus 
und hielten kurze Rast am Hamamgöl, wo die Trümmerreste eines 
alten Chans an der Straße liegen. Irrtümlicherweise verlegt Ramsay 
hierher den Badeort Xanxaris, in dessen warmen Quellen Gregor 
von Nazianz Erholung suchte, und bringt damit auch das Kloster 
Paspa in Zusammenhang. Das Wasser ist jedoch äußerst kühl, und 
der zerfallene Chan wird wie alle Ruinen von den Türken Hamam 
oder wenn sie auf dem Berg liegen Kaie genannt.*) Die kleinen 
Orte Sasaltscha und Iftian Kasch seitlich liegen lassend, kamen wir 
gegen Abend nach Nihde, das wie ein Städtchen der Sabiner- 
berge von fern her grüßt.*-) Der heutige Sitz des Erzbischofs von 
Ikonium war das alte Kadena, wo Sisinius, der nach der HeiTSchaft 
über Kappadokien trachtete, sein Kastell und seine Hofhaltung hatte.*) 
Die Befestigungen, die noch in türkischer Zeit den schmalen Paß 
der Heerstraße bewachten, sind heute bedeutungslos geworden, und 
die alte Kirche des Johannes Prodromos ist seit 1861 zur statt- 
lichen Metropolis umgebaut. 

Wir verließen nach kurzer Nachtruhe die Stadt mit ihren drei 
hochragenden Minarets und engen, holprigen Gäßchen und ritten dem 
alten Andabalis zu. Auf einem Abstecher nach Eski Gümüsch, wo 
der kappadokische Forscher Levidis vor vielen Jahren noch Kirchen- 
ruinen gesehen hatte, konnten wir nichts mehr entdecken. Durch 
fruchtbare W^einberge ging der Ritt dann querfeldein nach der großen 
Landstraße, wo nur wenig Minuten von ihr die Kirche von Eski 
Andaval noch leidlich aufrecht steht.^) Wo einst der alte Ort sich 
den Bach entlang, der auch Nihde durchströmt, hinzog, sind heute aus- 
gedehnte Weinberge angepflanzt, die mit dem Dickicht von Bäumen, 
Schlingpflanzen und Schuttmauern eine Halbwildnis neben dem Heilig- 
tum bilden. Kühne Gesellen, die alsbald nach unserer Ankunft mit 



*) Siehe über die beiden Orte weiter unten und Kamsay, Geography p. 347. 
2) Siehe Abbild, im folg. Heft. 

^) Strabo, Geographie 537. — Levidis, Ai iv \iovoli^oig [loval p. 167. 
*) Eski Andaval zum Unterschied von Jeni Andaval, das etwa 20 Minuten 
nördlich von Eski (lümüseh entfernt liegt. 



Die Konstantinsbasilika von £ski Andaval 103 

antiquierten Flinten sich einstellten, entpuppten sich bald als harm- 
lose Schützen, welche die Stare in den Reben verscheuchten. Neben 
der heute noch mit einer Mauer umfriedeten Kirche ergießt eine 
steingefaßte Quelle ihr köstliches Naß in einen alten Steintrog. Einst 
sicherlich das Hagiasma der christlichen Kirche, wölbt sich über ihr 
spitzbogig ein Brunnenhaus aus türkischer Zeit. Die Gjaur haben 
das angestammte Eigentumsrecht der Quelle durch Kreuzsymbole an 
der Stirnseite des Brunnens gekennzeichnet. 

Die Konstantinsbasilika soll wie viele andere Kirchen von Helena 
auf ihrer Wallfahrt nach dem heiligen Grab gestiftet worden sein. 
Schon Hamilton hat vor 60 Jahren die Ruine gesehen, neuerdings 
wurde sie von Smirnow kurz aufgenommen und darnach bei Stezy- 
G0W8KI beschrieben.^) Ein heiliger Sagenkreis zieht sich schützend um 
die Stätte, wo so viele Völker vorübergegangen sind und Tausende von 
frommen Wallfahrern ihre Pilgerkreuze in die Wände eingehauen 
haben. Nur die Südwand ist bis nahezu auf die Fundamentmauer 
herab zerstört, und vor wenig Jahren hat man, um die Standhaftig- 
keit der baufälligen Kirche zu erhöhen, die Arkaden des Mittel- 
schiffs zugemauert, so daß wir heute in einen finstem, einschiffigen 
Raum treten. Die ganze nördliche Längswand, wie der übrige Bau 
aus großen Quadern errichtet, hat sich aus dem Verband mit der 
Westmauer gelöst, so daß sie schon längst durch gewaltige Stein- 
blöcke verstrebt werden mußte. 

Die südöstlich orientierte Konstantinsbasilika (Abb. 30) ist durch 
je vier Pfeiler mit beiderseitigen Halbsäulen in drei Schiffe geteilt, 
von denen die Abseiten ohne Chor schließen. Die außen fünfseitig 
ummantelte Apsis des Hauptschiffes hat in Grundrißanlage wie im 
Aufriß der Halbkuppel den Hufeisenbogen, ebenso die Arkaden des 
Langhauses. Die Umfassungsmauern stehen überall im Verband, 
auch da, wo sie sich heute wie bei der Neigung der Nordwand aus 
demselben gelöst haben. Die Wandpfeiler wie die Obermauern der 
Arkaden stoßen im Innern stumpf auf die West- und Chorflügel- 
mauern auf, eine vorgängige andere Stützung ist deshalb möglich, 
jedoch nicht zwingend vorauszusetzen, da Material und Technik die 
gleiche ist wie bei den ältesten Teilen der Basilika. Die monolithen 
Pfeiler des Mittelschiffs tragen ein würfelförmiges, im Schmuck ein- 
fach gehaltenes Akanthuskapitäl, das durch Abschrägung der Ecken 
allmählich in die Rundung der angearbeiteten Halbsäulen übergeführt 



^) Hamilton, Researches II, 297. — Sthzygüwski, Klcinasien, ein Neuland 
der Kunstgeschichte p. 67 u. 201, Plan u. Abb. 55—57. 



104 



Die Konstantinsbasilika von £ski Andaval 



ist. Der Hufeisenbogen darüber ist durch verbandmäßige Fügung 
nach der Tiefe jedesmal aus dem Widerlager und drei Keil steinen 
zusammengesetzt. Die äußersten Bogen springen auf Wandpfeiler 
mit wenig ausladenden Kämpferplatten über. 

Die Fensterverdachungen des ('hors, der Front wie der nörd- 
lichen Längsmauer treten um 10 cm aus der Wand heraus, ihre 
Hufeisenbogen sitzen auf einem profilierten Kämpferkapitäl. Die 
Archivolten sind mehrfach abgestuft, ihr Steg ist mit Zickzack- 







Abb. 30. EonstaDtinsklrche von Eski Andaval (Andabalis) bei Tyana. 



gestellten Lanzetten, ihre breite Kehle mit Zungenmustern verziert, 
die hauptächlich in Kappadokien eine weite Verbreitung gefunden 
haben, obwohl sie auch sonst in Kleinasien anzutreffen sind. Wie 
ein Gesimsband laufen die konsolenartigen Kämpfer an den Chor- 
ecken durch. Noch sieht man in den Wangen der Öffnungen Löcher 
und Rillen zum Einsetzen von Fensterverschlüssen. Dem Schnitt und 
der Musterung der Fenster entspricht diejenige der Haupttür, nur 
daß in den 0,80 m hohen Türsturz noch gleicharmige Kreuzreliefs 
mit sich erweiternden Enden und in den ausgesparten Feldern Efeu- 



Die Ronstantinsbasilika von Eski Andaval 105 

blätter eingemeißelt sind.*) Der fast völlig im Boden begrabenen 
nördlichen Seitentür mit einfachem Sturz und Pfosten entspricht 
wohl auch eine Südtür, die jedoch vollständig unter der heutigen 
Schutthalde verdeckt ist. Ebenso können wir, entsprechend den 
beiden Nordfenstern von 1,70 m Höhe und 0,55 m Breite, solche an 
der südlichen Längswand annehmen. Eine Eingangstür war hier 
jedenfalls nicht vorhanden. 

Drei Quaderschichten über den vermauerten Chorfenstern sind 
noch die Reste des Hauptgesimses sichtbar mit mäßiger Ausladung der 
Werkstücke und mit der von dem gleichen Zungenmuster verzierten, 
tiefen Auskehlung. Hier wie auch teilweise an den Eundbogen der 
Fenster bemerkt man Farbenspuren, die ich später noch besser er- 
halten an mehreren kappadokischen Kirchen antraf und die auf 
bunte Bemalung auch der Außenseite schließen lassen. Die oben 
umlaufende Rille im Kranzgesims diente zur Sparreneinlage des Chor- 
daches, da ich nirgends Ausflußlöcher bemerkte, an die man zu- 
nächst denken könnte. Die Quadern der Umfassungsmauern, welche 
teilweise die ansehnliche Größe von 2,60 m Länge und 0,85 m Höhe 
erreichen, sind ohne Randschlag und Werkzoll haarscharf versetzt, 
meist in parallelen Lagerfugen. Nur im Innern sind die harten 
Trachytblöcke durch geringen Mörtelguß verbunden. 

In dieser ursprünglichen Kirchenanlage waren die Seitenschiffe 
einfach durch Pultdächer abgeschlossen. In der äußern Oberwand 
der südlichen Arkaden sehen wir noch neun Löcher in regelmäßigen 
Abständen, welche das Einlager für die Balkenköpfe bildeten, wäh- 
rend entsprechend tiefer, inwendig an der nördlichen Längsmauer, 
die gleichen Einarbeitungen für die Balkenenden sichtbar sind. An 
der Innenseite der Front- und seitlichen Chormauern ist außerdem 
die Schrägung der Sparren durch den schiefen Einhieb in die 
Wände kenntlich gemacht. Über diesen Pultdächern der Nebenschift'e 
stiegen die Obermauern des Mittelschiffs noch über einen Meter an 
der Außenseite empor und trugen dann ein hölzernes Satteldach. 
Die obersten Quaderschichten des alten Chorbogens, welcher in 
seinem Oberteil über die spätere Einwölbung ein Stück hinausragt, 
haben nach Süden und Norden noch ihre ursprüngliche Abschrä- 
gung, um die Sparren der Dachkonstruktion aufzunehmen. Eine 
erste Einwölbung des Mittelschiffs ist unmöglich, weil die Ober- 
mauer des Chorbogens an ihrer Stirnseite unterhalb dieses Dach- 
auflagers glatt verläuft. Eine flache Holzdecke oder der offene 



^) Abbild, bei Strzygowski, Kleinasien p. 67. 



106 Die KonslaDtinebasilika von Eeki Andavnl 

Dachstuhl schloß demnach den Mittelraum. Ebenso fehlten za seiner 
Erhellung die Oberfenster; durch die großen Portal- und hohen Chor- 
fenster wurde indes genügend Licht dem Hauptschiff zugefiilirt Nur 



die Halbkuppel des Chors «ar vermittelst müßiger (Juader- und 
Hackelsteine und Gußwerk darüber geschlossen, wofern die heute 
noch erhaltene EinwÖlbung überliaupt dieser ereten Kirclienanlage 



Die Konstantinsbasilika von Eski Andaval 107 

angehört, da die spätem Chorfresken an sich nichts für die ur- 
sprüngliche Eindeckung der Apsis beweisen. Diese Halbkuppel 
schützte ein Zeltdach, dessen Sparrenenden in die Einkerbung des 
Kranzgesimses eingriffen. 

Der Fassade war, allerdings nachträglich, eine Halle vorgebaut, 
da zwei parallele Mauern rechts und links vom Eingang stumpf auf 
die Fassade zulaufen, mit beiderseitigen schmalen Zugängen.») Die 
zehn Balkenlöcher der Fassade dicht unter der Bank des großen 
Doppelfensters sind für Streckbalkenlager geschaffen. Die Vorhalle 
trug wohl einen Oberstock, von dem aus Katechumenen und Frauen 
dem Gottesdienste beiwohnten. Latent sind hier die Vorbauten vor- 
handen, für die wir in Birbinkilisse und Daule mehrere Muster haben. 
In Tomarsa, Skupi, Sivri-Hissar, Gereme-Macellum am Erdjas u. a. 
werden wir im Verlauf ähnliche Kirchenanlagen antreffen, wo eret 
nachträglich nach eingetretenem Bedürfnis solche Vorbauten angefügt 
wurden. Ich bin geneigt, diese Basilikenklasse etwas früher anzu- 
setzen als die Kirchen, bei denen Vorhalle und Hauptraum gleich- 
zeitig entstanden sind oder wenigstens ältere Prototypen in ihnen 
wiederzuerkennen. 

Unsere Kirchenanlage gehört wie die noch unten zu behan- 
delnden Basiliken von Dschardak, von Tillkoi, von Gereme am Erdjas 
und Sivri-Hissar wahrscheinlich noch dem V. Jahrhundert an, in 
dem auf dem Lande außerhalb der großen Städte wohl die meisten 
christlichen Gotteshäuser entstanden sind. Wenig später sind auch 
die frühesten Kirchen von Birbinkilisse und von Isaurien, die west- 
lichen Ableger des ältesten kappadokischen Basilikentypus, anzusetzen. 

Wohl nach dem ersten Arabereinfall wurde die Konstantins- 
basilika von Andaval eingewölbt. Im Hauptraum wurden vor die 
Wandpfeiler und den zweiten und vierten Arkadenpfeiler weitere 
Stützen gestellt, Gurtbogen gesprengt und darüber eine Tonne aus 
Hackelsteinen und Gußwerk gewölbt. Die halbrunden spätem Gurte 
sitzen höher als der ältere, im Hufeisen geschlossene Triumphbogen. 
In gleicher Weise wurden teilweise unter Zuhilfenahme von Gurt- 
bogen — der Auffänger eines solchen sitzt noch über der zweiten 
Arkade der Südwand — die Seitenschiffe eingedeckt. Heute ist 
nur noch die Wölbung des Mittelschiffs erhalten. In den Guß der- 
selben wurden breite Ziegel eingedrückt mit einem Sammelkanal in 
ihrer Mitte zum Zweck eines leichtern Abflusses des Kegenwassers. 

Aus der Zeit nach der Einwölbung stammt auch der bis auf 

^) Mehr konnte ich nicht feststellen, da sich hier hoher Schutt angehäuft hat. 



108 Arnos 

wenige Spuren zerstörte oder durch Schmutz und Rauch sehr un- 
kenntlich gewordene Freskenschmuck. Im Chor konnte ich nur zwei 
Heiligenreihen, darunter Gregor und Epiphanios, darüber den von 
Engeln umgebenen Pantokrator, am vorletzten Pfeiler rechts den 
H. Leukios unterscheiden. Im Langhaus ist bei dem schlechten Licht 
die Anbetung der Magier mit Sicherheit und allenfalls Konstantin 
und Helena mit dem Kreuz zwischen ihnen noch herauszulesen. 
Die Fresken stammen alle aus der gleichen Zeit und sind nacli- 
ikonoklastisch.') 

Erwähnen wir noch eine alte umlaufende Priesterbank aus 
Quadern, dann haben wir die ganze Kircheneinrichtung erschöpft. 
Ein alter zitternder Greis von griechischer Herkunft bewacht die 
heilige Euine. Als wir im Dezember im Schneewirbel hier vorüber- 
kamen, kauerte er am spärlichen Reisigfeuer vor dem Portal und 
grüßte uns mit seinen vor Kälte erstarrten Händen aufs herzlichste 
wieder als alte Bekannte. Die Hodegitria hat ihm auch an diesem 
Tag ein Silberstück zurückgelassen. 

Kaum eine Stunde von hier an den nordöstlich streichenden 
Hügeln des Melendizdagh, am alten, heut verlassenen Weg von Nihde 
nach Melegob, trafen wir eine ehemalige Ansiedlung, A m o s genannt. 
Der TufEuntergrund ist ganz von Höhlen, Kapellen und Toten- 
kammern durchwühlt, an der Oberfläche stehen noch Reste einstiger 
Wohnungen aus Bruchsteinen. Auch bearbeitete Marmorstücke fanden 
wir im Ruinenfeld. In den unterirdischen Kammern sieht man viele 
Nischen zum Einstellen der Gefäße und eine große Anzahl hufeisen- 
förmiger Konchen. 

In eine neuerdings eingestürzte Anachoretenkapelle, die von 
den Griechen auf die Panagia getauft wird, stiegen wir hinab. Es 
war ein einschiffiger, ehemals scliön bemalter Raum, der durch 
Arkaden mit einem hintern Gelaß in Verbindung stand, aus dem 
wieder Gänge weiter in die Tiefe führten. Fingierte Gurtbögen 
tragen die aus dem Fels geschnittene Tonnen Wölbung , die genau 
östlich orientierte Apsis schließt nach Grund- und Aufriß im Huf- 
eisenbogen und ist seitlich von kleinen Nischen begleitet. Unter 
den frühmittelalterlichen Fresken, deren sorgfältige Ausführung 
namentlich die reiche Gewandung der dargestellten Figuren beweist, 
konnten wir durch die Beischrift den H. Dionysios Areopagita fest- 

*; Smirnow will noch mehr gesehen haben. Strzygowski, Kleiuasien 
p. 201. — Trotz nochmaligen Besuches der Kirche, nachdem wir unsere Augen 
an Tauseoden von verblichenen Fresken in Kappadokien geschärft hatten, konnten 
wir mit Gewißheit nicht mehr herauslesen. 



Arnos 109 

Stellen, über ihm die Madonna mit ihrem Kind, im blauen Rock und 
roten Mantel, von zwei Engeln begleitet, Niketas, Demetrius, Blasius, 
Michael, Gabriel, Theodor, Simeon Theamates, einen Heiligen Api- 
karios (?) vor seiner Kapelle, um die ringsum die Eingänge seiner 
Höhlenbrüder liegen, eine der seltenen genrehaften Darstellungen aus 
dem Leben dieser unterirdischen Asketen. Im Chor thront der 
Pantokrator zwischen zwei Kngeln; an größern Zyklen war nur 
noch die Verkündigung an der Südwand mit Sicherheit zu deuten. 
Nach Ausführung und Paläographie gehören diese Fresken noch in 
die Zeit des Ikonoklasmus, der seine Dekrete und Bannflüche un- 
möglich in diese nächtlichen Asyle bilderliebender Mönche hinab- 
schleudern konnte. Den Zugang von Süden her vermittelte ein heute 
zerstörter tonnengedeckter Freibau. Rings liegen die zugehörigen 
Bruchstücke von Kapitalen und Ornamenten aus marmorartigem 
Kalkstein. Die Hinterräume selbst sind schmucklos geblieben und 
dienten wohl zu Vorratskammern. 

In diesen Mönchsanlagen bei Nihde, die schon Patil Lucas vor 
zweihundert Jahren erwähnt,^) können wir vielleicht das Kloster 
Paspa oder Pasa erkennen, das zwölf Meilen von Tyana entfernt lag 
und zu dem Sprengel dieser Erzdiözese gehörte. In seiner 163. Epistel 
erwähnt Gregor von Nazianz den Abt „radgyiog 6 Haanaaivog 
äv&Qwnog^, und Euphrantes, der Bischof von Tyana, bestätigt später 
die nähern Einzelheiten, die sich an diesen Kloster vorstand seiner 
Diözese knüpfen, auf dem V. Konzil zu Konstantinopel.-) 

Noch höher hinauf an den Hängen des Melendiz liegt der Ort 
Valisa, der im spätem Mittelalter gegründete Bischofsitz Balbissa, 
dessen Bischof Leontius unter dem Patriarchat Michaels Oxita im 
Jahr 1143 von Basilius aus Tyana der Häresie der Bogomilen und 
anderer Vergehen bezichtigt wurde. Auch sein Nachbarkollege, der 
Bischof Clemens von Sasima, der vorher „Sosandrorum monachus" 
gewesen, war in die gleichen Anklagen verstrickt. Dieser hatte 

*) P. Lucas, Voyage dans la Gr^ce, l'Asie Mineore . . ., Amsterdam 1714, 
p. 144: ,Le8 collines d'alentour sont pleines de souterrains travailles, qui res- 
semblent fort a des catacombes.** 

*) Die Akten bei Mansi, Sacr. conc. nova et ampl. coli. IX, 258: «Ego enim 
ut et TyaneDsis ecclesiae episcopus constitutus et ex ipsa ortus provincia, veri- 
tatem expono. Praedium autem, quod dicitur Pasa, in quo et monasterium 
positum est, cui tunc praesidebat Georgias monachus, quem epistola Pasinum 
vocat, duodecim milliis Tyanensis distat metropoleos et sub eadem civitate est 
usque hodie." Gregor, Opera II p. 135. Sonstige Höhlenanlagen bei Nihde er- 
wähnt bei Texier-Pullan, L^arch. byz. p. 40. — Smirnow bei Strzygowski, 
Kleina&ien p. 149. 



110 Semeudre 

demnach in den abgelegenen Höhlen des Soandere als Mönch ge- 
haust, bevor er zn dieser Küchenwürde emporstieg.') 

Der Sonntag sah uns in dem schmucken Griechendorf Semendre, 
dessen Bewoliner wie diejenigen von Uluatsch und Gitschatsch noch 
griechische Sprache und Kult bewahrt haben, die sieb stattliche 
Schulen erriclitet und aus ihren unterirdischen Schlupfwinkeln in 
hübsche Wohnhäuser gezogen sind. Eigentümlicli sind die in Kreuz- 
form hier angelegten Türen ihrer Häuser, wie sie schon die alten 
lykaonischen Grabsteine in älinlicher Form aufweisen, und die Ver- 
schwisterung von byzantinisierendem und arabischem Stil in den 
spitzbogigen Arkaden ihrer 
Veranden, die von Stalak- 
titenstützen aus schönem 
Tuffstein getragen werden-) 
(Abb. 32). Die Kirchen Se- 
mendi-es sind als Zeugen 
einer frühem Kultur fast 
alle Höhlenbauten, zu denen 
man von ebener Erde aus 
wie bei den römischen Kata- 
komben liinuntersteigt. An 
vielen Stellen treten die La- 
minare der unterirdischen 
Gelasse offen zutage, so daß 
sich die früliere Siedlung 
mit den Augen deutlicli ver- 

Abb M Tür 1,. Se.B.nd« Mgeil läßt. 

Das Kloster der H. Ma- 
krina ist ein altes Krankenhaus, das neuerdings auf den Namen 
der fünf Märtyrer Eugenios, Mardarios, Auxeutios, Orest und 
Eustratios getauft wurde, nachdem dieselben in der Unterkirche 
durch den Traum einer Jungfrau entdeckt worden waren , die 
45 Jahre hier als Diakonisse diente und bei den heiligen Gebeinen 
beigesetzt wurde. In den obern Räumen sali ich noch zu meinem 
Erstaunen das altrümische Triclinium aus dem Tuft'boden ausgehauen, 
auf dem die Kranken der wunderbaren Heilung entgegenliarren. 
Unten in der Höhlenkirciie, einer regelmäßigen Anlage im Doppel- 

') Le QiiEs, Oriena ohristianus 1,401. 406 f. — Leviihs, 'Exxl. iciopiV 
Kuix:ta6. p. 179. 

') Bamsay. Studies in the bistory iiiid art of the eustcni iiroviuces of tlie 
Koman emiiire. l'JOG, p. 175 f. u. Abbild. 



Semen dre 111 

kreaz, lag in Nacht und Feuchte eine stöhnende "\^'ochnerin auf 
der Erde neben den angeblichen heiligen Gräbern und hoffte auf die 
Hilfe der Panagia-Eüeithyia, die yoriazii tnijxoog. Das Innere ist mit 
Tonnett gewölbt, die regelrecht aus dem Fels geschnitten sind; 
nur die alte Ikonostasis ist aus Kalksteinpfeileni mit Halbsäulen 
errichtet, deren Kapitale von primitiven Voluten an den Ecken ge- 
ziert sind. 

Ganz nahe bei diesem wunderwirkenden Ort, dessen Gescliichte 
sicherlich ins Altertum hinaufreicht, steigt man zu einer kleinen 
Höhlenkirche hinab, die den seltsamen Namen ,,Hekader" führt, 
einem kreuzförmigen Kaum mit Rundnischen, in dessen Wände zur 
Füllung abgestürzter Teile antike Werkstücke mit Zahnschnitt 
eingesetzt sind. Die unfeme 
Kirche der Änalipsis ist 1842 
zu einer dreischiffigen Anlage 
umgestaltet worden; die alten 
Säulen mit den ursprünglichen 
Kreuzreliefen wurden dabei 
wieder eingestellt. Der ältere 
Hinterraum dient als Beinhaus, 
wo die Gebeine vieler „Erenler" 
d. i. Heiliger, im Schutz der 
Kirche ruhen. Auch zwei christ- 
liche Inschriften werden hier 
aufbewahrt , von denen die 

eine in anthropomorphisieren- ^^^ ^ cmbroiief id uiu.nch 

dem Stil die menschlichen Um- 
risse wiedergibt. Eine Grabstele von ganz ahnlicher Ausführung 
fanden wir im Hofe des Türken Ali Mehmet in Uluatsch (Abb. 3-'J). 
Ein einfaches Oblongum mit Hufeisenchor und aus dem Fels ge- 
hauenen Stützen und Gurtbögen bildet die Kirche des H. Basilius. 
Die einst schönen Wandmalereien sind durch die Feuchtigkeit zer- 
stört oder blind geworden. In der L"nterkirche des H. Georg ist 
zum Altarstein ein antiker Kalksteinblock verwertet, auf dem sich 
noch die Buchstaben X€P(üN entziffern ließen. Eine hübsche Basi- 
lika im Spitzbogenstil hat sich vor wenig Jahren erst über dem 
unteren Heiligtum erhoben. 

Die hier und in den unfenien Nachbarorten zerstreuten Inschrif- 
ten, die im Anhang verotFentlicht sind, sprechen deutlich für eine 
Ansiedlung im Altertum, wie auch der Umstand, dali sich hier eine 
ansehnliche griechische Kolonie inselgleich erhalten hat. Nach 



112 riuatsch 

einigem Suchen in den kirchlichen Listen glaube ich den alten Namen 
unseres Ortes, ^aafAivöqov, entdeckt zu haben. Die „TaSig t&v ino- 
xHfiivuiv firjTQonokatuv^^ die Gelzeb aus einem Kodex des Metochions 
vom Heiligen Grab in Konstantinopel kürzlich noch veröffentlicht 
hat, zählt außer den alten fünf Suffraganbisttimem Caesareas eine 
Keihe neuer Gründungen auf, die auf Leo, den Vater des Konstantin 
Porphyrogenitos, zurückgehen.^) Außer Urgüb und Suwasa, wie weiter 
unten ausgeführt werden soll, wird auch Dasmendron genannt. Es 
wäre auch verwunderlich, wenn keine einzige Episkopalstadt auf der 
weiten Strecke zwischen Sasima und Caesarea gelegen hätte, auf der 
heute noch eine ansehnliche Zahl autochthoner Griechendörfer mit 
der Unzahl ihrer unterirdischen Kirchen angetroffen werden. 

Kurz vor dem Dorfeingang zu Uluatsch, am Weg nach 
Gitschatsch, liegt die Kirchenruine der H. Kyriake, im Volksmund 
Geregina genannt. Im genau östlich ausgerichteten, fünfseitig um- 
schlossenen Chor, der wieder den Hufeisenbogen im Auf- und Grund- 
riß zeigt, ist noch ein kleines Baptisterium erhalten, in das drei 
Treppen hinabführen. Vom übrigen Bau ließen sich nur die aus 
großen Quadern errichteten, ein Meter starken Umfassungsmauern 
des Hauptraumes und einer Vorhalle bestimmen, nebst einer Marmor- 
säule im Narthex. An der Südseite ist eine Flucht von Reihen- 
gräbern in den weichen Tuffboden eingeschnitten, von denen einige 
erbrochen sind. 

Die einschiffige Nikolauskirche im Dorfe selbst, im Stil des 
Hufeisenbogens teilweise aus dem Felsboden gehauen, ist genau 
nach Osten orientiert und vermittelst spitzbogiger Gurte eingewölbt, 
zwischen die große Tuffplatten durch Einfräsung der Tragbogen ein- 
geschoben sind. Eine Säule, tief im Boden begraben, ein jonisches 
und ein byzantinisches Kapital samt Freskenresten sind die deut- 
lichen Überbleibsel einer altem Kirchenanlage. 

Das einzige oberirdische chi'istliche Kultgebäude dieser Gegend 
ist die einschiffige Basilika des Reiterheiligen Georg in Uluatsch. 
Die Mauern des fast östlich gerichteten Barchleins sind aus schönen, 
glatten Trachytquadem gefügt und von kleinen, schießschartenartigen 
Fenstern durchbrochen. Der Sturz der Eingangstür im Westen trägt 
das Relief eines griechischen Kreuzes im Kreis. Rings um die 
Kirche läuft als Hauptgesims ein Zahnschnittmuster, das in ver- 
steckter Weise die Balkenköpfe des Holzstils imitiert. Ein zweifach 



') Gelzer, Ungedruckte und unp:enügend veröffentlichte Texte der Notitiae 
episcopatuum, in den Abhaudl. der Bayr. Akademie, III. Kl. XXI, 550 f. 



Endivit 113 

abgestufter, runder Sockel leitet an der Außenseite der Apsis in 
die fünf Seiten eines Achtecks über, während das Chorinnere im 
Hufeisenbogen angelegt ist. Im Bema steckt noch verkehrt ein 
antiker Grabstein im Boden, der sich leider nicht ausgraben ließ, 
und von den Wänden fallen die verblichenen Wandmalereien allmäh- 
lich herunter.^) 

Eine Kuppelkirche im Kreuz ist die aus dem Tuff heraus- 
gearbeitete Kapelle des Basilius mit dem in Auf- und Grundriß ver- 
werteten Hufeisenbogen. In der flachen Kuppel ohne Trommel ließ 
man, die Wirklichkeit nachahmend, die Rippen stehen. Ein Fresken- 
stück mit einem Engel ist der einzige Überrest ehemaliger Bemalung 
der von Nischen reich belebten Wände. An dem Altarstein ent- 
deckten wir eine durch die Feuchtigkeit halb zerstörte Inschrift, «ine 
andere' am Kopf der in die Höhlenkirche hinabführenden steilen 
Treppe. In den Höhlenkapellen des Blasius und Andreas ist außer 
den Arkosolgräbem , den vielen Rundnischen und der monolithen 
Ikonostasis nichts Erwähnenswertes zu finden. In der vor zwei 
Menschenaltem zur Djami umgewandelten Kirche der Hagia Sophia 
steht noch eine große Marmorsäule mit Kompositkapitäl und eine 
einfache Schrankenplatte aus byzantinischer Zeit, während zum Tür- 
sturz ein christlicher Grabstein mit Inschrift verw'endet wurde. 

Wandern wir eine halbe Stunde dem Bach entlang südlich das 
Tal hinauf, so gelangen wir an eine alte Troglody tenstätte , die 
Endivit genannt wird und noch vor wenig Jahren bewohnt wurde. 
In jähem Absturz treten die steilen Felsen bis nahe an das Wasser 
heran und sind völlig von Einsiedlerkapellen, Wohnungen, Vorrats- 
häusern und Totenkammem ausgehöhlt. Infolge der Unterwaschungen 
sind bereits ungeheure Trümmer ins Tal niedergestürzt. Vermittelst 
Schächte und senkrechter Treppen im Fels erstieg ich das obere 
Plateau, wo in den Bodeneinschnitten noch die früheren Hausanlagen 
zu verfolgen sind. An den Felsbrüstungen erheben sich die ver- 
lassenen Göwerdjinliks, kleine Tuffkegel, in welche halbkreisförmige 
Nischen eingehauen wurden und die dann den Bewohnern als Tauben- 
schlag dienten. Im Felsinnern sah ich noch eine Reihe von Roll- 
steinen, unsem Mühlsteinen vergleichbar, in den seitlichen Bahnen 
der schmalen Eingänge stehen, die in Zeiten der Gefahr wie ein 
Schieber vorgerollt werden konnten. 

Zwei aus dem Tufffels gehauene Anachoretenkapellen hebe ich 
hervor. Die eine, von den Griechen das „Kloster der heiligen Trias" 



^) Abb. der Rircbe im folgenden Heft. 

Bott, KleinasUtiiche Denkmftler. 8 



114 Endivit, Gitschatsch 

genannt, wird von zwei Tonnengewölben kreuzweis gedeckt^ ihre 
Durchschneidung bildet eine Kuppel über Pendentifs und schmalem 
Gesimsband und gleicht einem türkischen Fez, wenn er gebügelt 
ist Die Gewölbeansätze sind durch aufgemalte Zickzackmuster her- 
vorgehoben, die nackten Wände durch Mennigfarbe in quadratische 
Felder abgeteilt, welche die Marmorinkrustation im Stil nach- 
ahmen. Der Mennig hat bei der Ausmalung der kappadokischen 
Kirchen eine reichliche Verwendung gefunden, und die einfachste 
Kapelle ist wenigstens in dieser geometrischen Dekorationsweise 
bemalt. Schon im Altertum rühmt Stbabo den Mennig Kappa- 
dokiens als den besten von allen, der wegen seines Ausfuhrortes 
der Sinopische genannt wurde: ^^Ev öi tri KannaSoxif^ yivitat xai 
ti ktyoiiivri ^ivconixi^ fiiktog agiari] xäv naawv . . ., ovofAucO-ti Sk 
2!i,vwnixr, ätöri xccrayiiv ixBlae elw&eaav ol üfinogoi^ ngiv 1} to rmv 
'Eyiüiwv Ißinogiov fJiixQ^ »'<3v kv&äde av&gwnatv äüx&ai.^^) In vielen 
freskengeschmückten Kirchen von Soandere und Gereme trafen wir 
unter den Malereien des IX. — XIII. Jahrhunderts eine Untermalung 
in dieser einfachen, dekorativen Manier, bei der allenfalls noch die 
symbolischen Zeichen des Kreuzes, des Palmbaumes, Zickzack- und 
Kautenmotive verwandt wurden. Ich stehe nicht an, in dieser Mal- 
weise den ältesten Stil dieser Höhlenkirchen, namentlich auch den 
herrschenden während der Epoche der Ikonoklasten zu erkennen. 

In nächster Nähe der 'Ayin TqIoq befindet sich eine tonnen- 
gedeckte Grabkapelle mit umlaufendem Gesims. Ihre durchbrochenen, 
aus Stein gehauenen Chorschranken sind von zwei hohen lateinischen 
Kreuzen ohne Ausladung geschmückt, neben der fast östlichen Orien- 
tierung ein Beweis für den ursprünglichen Charakter und das hohe 
Alter der Anlage. Eine kleine tonnengewölbte Vorhalle mit Pilaster- 
kapitälen legt sich im Norden vor den Eingang, in die Südwand ist 
eine Arkosolnische eingeschnitten, unter der sich zu ebener Erde 
das Grab befindet Rings an den hohen Felswänden außen ruhen 
die Toten in ähnlichen Arkosolien. 

Im nahen Gitschatsch fanden wir die von dem Kappadokier 
Levidis in der Beschreibung seiner heimatlichen Höhlenkii-chen er- 
wähnte des IL Nikolaus zerstört, die des H. Georg neu aufgebaut, 
auf dem Kirchhof davor jedoch zwei Inschriften. Die Ruine des 
wundertätigen Charalambos besteht aus Unter- und Oberkirche, die 
letztere dient als Beinhaus. 

Nur in der schützenden Nacht dieser unterirdischen Schlupf- 



^) Strabo, Geographie 540. 



Sanzama* Jer Hissar 115 

Winkel von Wohnungen und Vorratshäusern konnten die Vorfahren 
der heutigen Griechen der unaufhörlichen Razzia und den jahr- 
hundertlangen Einfällen der Araber in Kappadokien trotzen und in 
ihren reichgefüllten Silos, die das Auge erst in der Nähe bemerkt, 
die Kriegsstürme überdauern, welche auf dem flachen, offenen Land 
Menschen und Tiere wegfegten. Die byzantinischen Chronisten 
nennen während der Araberkriege manches Kastron, wie Malakopaia, 
Andrason, Thebasa u. a., die nichts anderes waren, als solche gut 
verproviantierten und schwer zu erobernde Troglodytendörfer. 

Über einförmiges, welliges Gelände gelangten wir hierauf nach 
Sanzama, einem halben Höhlendorf, das sich im amphitheatralischen 
Rund eines Talkessels malerisch aufbaut.^) Am Dorfbrunnen zankten 
sich die Saptiehs mit den türkischen Bauern wegen Abnahme des 
Zehnten herum, eine Szene, die wir in den nächsten Wochen noch 
oft sich wiederholen sahen. Hier schon beginnt das Grundübel 
der türkischen Verwaltung. Nordwestlich in einer Entfernung von 
etwa sechs Kilometern lag das alte Mustilia , das heutige Halb- 
troglodytendorf Misli, mit unterirdischen Kirchen und Kapellen. Ein 
schmutziges, verrufenes Griechengesindel haust daselbst ober- und 
unterhalb der Erde und sendet von Zeit zu Zeit Kolonisten in die 
Umgebung aus.-) Trotz ihrer geizigen Armut haben sie dem 
H. Blasius eine der schönsten Kirchen Kappadokiens errichtet. 

Kui'z vor dem Dorfe Jer Hissar in dem südwärts streichen- 
den Felsental ist eine ansehnliche Reihe von Totenkammem und 
Kapellen aus den steilen Tuffwänden gehauen. Die Grabanlagen sind 
im Innern tonnengewölbt, rings sind die Totenbänke, welche das Ruhe- 
bett im Leben nachahmen, stehen geblieben, und kleine Nischen 
zu Häupten der Toten dienten für die Einstellung von Lampen oder 
Essenzen. Die niedrigen Türen, über denen ein kleines Fenster das 
Licht vermittelt, sind seitlich von Pilastem eingefaßt, auf hübsch 
profilierten Kapitalen ruht der mehrfach abgestufte Architrav, 
während ringsum der Fels fassadenartig geglättet ist und vor dem 
Eingang noch teilweise die Ruhebänke ausgespart sind, die wir von 
den römischen Gräbern her kennen. Spuren polychromer Bemalung 
sind allenthalben noch im Tuff sichtbar, seitlich der Fassade sind 



^) Ohne überzeugende Gründe verlegt Levidis hierher das Bistum Sasima ; 
seine Angaben und Ausfuhrungen sind jedoch wie meistens, so auch hier 
unzuverlässig« So verwechselt er den See von Göldjik bei Hassakoi mit dem 
Bergsee von Sorsovu im Gebiet des alten Nazianz. Lividis, Ai iv iiovolid'oig 
fLovai p. 114f. 

^ Siehe auch v. der Sch^^initz, In Kleinasien, Berlin 1906 p. 106. 

8* 



116 Aitamas 

kleine Täfelchen aus dem Fels geschnitten, mit den flachen Brust- 
bildern der hier einst beigesetzten Personen. Leider sind sie durch 
das Wetter arg abgewaschen; doch kann man noch deutlich die 
Kinder von den altern Toten unterscheiden.^) Einstens war wohl 
der Name des Bestatteten in Farbe hier beigemalt. Meist führen 
mehrere Meter hohe, in den Fels gehauene Stufen zur Grab- 
kammer hinauf, deren Pilaster und Architrave von sorgfältig ein- 
gegrabenen Kreuzen bedeckt sind. Die noch halbklassische Form 
dieser Gräber mit der Tonnenwölbung statt der Flachdecke und 
den Steinbänken statt den krippenartigen Totenlagem rücken diese 
Anlage bis in die Konstantinische Epoche hinauf, aber auch nicht 
höher, da bereits die Giebelverdachung über dem Sturz und 
jedes plastische Ziermotiv fehlt.*) Zwischen den Grabkammem sind 
einige kleine Grabkapellen mit Chornischen und Schranken der 
sicherste Beweis für den ursprünglich christlichen Charakter dieser 
Höhlenbauten.') 

Eine Stunde ostwärts von diesem Troglodytendorf liegt Ai- 
tamas, hinter dessen Ortsnamen sichT^y/o^ ©w^ia^ versteckt. Ein 
starker Bach und die akropolisartige Erhebung bildeten die Ursachen 
für die Anlage dieses ebenfalls aus Höhlen hervorgegangenen Platzes. 
An dem westlichen Absturz des Felsens, dessen Hänge teilweise als 
Steinbruch benutzt werden, waren etwa 4 m über dem Niveau mit 
großen Buchstaben die Worte eingehauen: 
ANAPI 'ApÖQi 

evreNK///// iivy«wM 
nAYAOY navkov. 

Von Malereien und Inschriften in Höhlenkirchen, die noch 
Levidis gesehen haben will, war nichts mehr zu entdecken, da die 
Höhlen samt und sonders in Ställe und Vorratsräume umgewandelt 
sind. Nur das Zickzackmuster von Mennigfarbe zierte einige 
Höhleneingänge. Aus Mangel an Holz lassen die Dorfbewohner 
den Kuhmist in unzähligen Fladen an ihren Hütten von der Sonne 



^) Auch unter den phrygischen Felsengräbern haben einige Relieftafeln 
seitlich vom Eingang. Rebeb, Die phrygischen Felsengräber, in den Abhandl. 
der Bayr. Akademie, III. Kl. XXI, 594 u. Abb. 17. 18. 

') Ebenso haben die frühchristlichen Gräber Isauriens, die Düch^ne unter- 
suchte, ihre Triklinien vor dem Eingang. Bulletin de corr. hell. IV, 197. 

^) Auch Levidis erwähnt in dem eben zitierten Werk den Ort Jer Hissar, 
den er von dem alten Hierocaesarea herleitet. ,'AQxciTa vsxQotaqpsta xal oUrj- 
fucra XsXaTOfiriniva xal ixxXrialai Xa^svtal firi diavriQovaai tag ccyi.oyQCC(plccs, Ta 
igtinia tavza naXovvtai nagä tots ivxonioig MovaarrjQta.^*^ p. 113. — Vgl. auch 
den Aufsatz von A. Körte in den Athen. Mitteil. XXIII. 35 f. 



Enegil. Kömische Säule 117 

dörren, ein häßlicher Estrich, dem wir oft begegneten und dessen 
Qualm wir so manches Mal am Kamin des Odas auszuhalten hatten. 
Schon Strabo spricht von dieser Holzarmut Kappadokiens, „u1^v/.üv 

yoLQ vnaQXOVOfig öx^dov n rijg avfindaTjg Kannadoxiag^.^) Sie war 

mit ein Grund für die vielen Anlagen von Höhlenwohnungen und 
für die mit diesem Tiefbau verbundene Kunst des Wölbens. 

Mit der fürchterlichen Musik der archaischen Wagen auf Holz- 
scheibenrädem ging der Marsch östlich weiter über öde, steinige 
Flächen. Am verlassenen Ruinenort Imamli Oren, auch Monastir 
genannt, hielten wir East an einer kühlen Quelle, welche den 
einstigen Bewohnern, die sich um den kleinen Hügel herum ange- 
siedelt hatten, hier Wasser spendete. Sie haben nichts als die Bruch- 
steine ihrer längst dem Boden wieder gleichgewordenen Lehmhütten 
und eine Reihe großer, überirdischer Sarkophage mit zertrümmerten 
Deckeln zurückgelassen. An vielen Stellen trat hier der weiße 
Kalk zu Tage, dessen Staub heftig in unsem Augen brannte. 

Heiß schien die Sonne, als wir über die alte Brücke des 
Buldurutschai in die ^ Talsenke von Enegil hinabritten und uns 
auf freiem Feld mitten unter Heuschobern eine römische Riesen- 
säule begrüßte, die der Vater Storch in Besitz genommen hatte 
(Abb. 34). Hier mündete eine alte Straße in die kappadokische 
Hochebene aus, die im Korkünsu talaufwärts ging und bei den 
Aquae Calidae in den großen Paßweg der Pylen einlenkte. Dike- 
litasch nennen die Türken des Ortes die hohe Säule, die heute 
noch aus zehn Trommeln besteht und sich über einem viereckigen 
Sockel erhebt. Hoch oben ist eine quadratische Nische eingehauen, 
in der nach Aussage der Umwohner eine Marmorplatte eingelassen 
war, die beim Abnehmen zertrümmerte. Die Trommeln aus Kalk- 
stein haben unten und oben einen schmalen Randschlag und dazwischen 
geringen Werkzoll.^) Heute noch mißt die Säule, wenn man den 
Schwemmboden des Tales in Rechnung zieht, gegen 10 m. 

Ein Teil des dahinter liegenden Dorfes Enegil lagert sich um 
einen steilen Tuffhügel, der früher sicherlich eine kleine Akropolis 
bildete und den schmalen Taleingang zum Taurus beherrschte. 
Die hier unter Türken lebende griechische Kolonie hat vor wenig 
Jahren einen stÄttlichen Kirchbau aufgerichtet, der kaum bis zur 
Wölbung emporgeführt, bei einem Erdbeben auseinanderkrachte 



*) Strabo, Geographie 538. 

*) Das Basament mißt über dem heutigen Boden 1,50 m, die unterste Trommel 
3,45 m an Umfang und 0,75 m an Höhe; auch die folgenden Trommeln haben eine 
Höhe zwischen 0,70 und 0,80 m. 



PachomiuEikirche zu Enegil 119 

und zur Ruine geworden ist. So gründlich ist bei diesem Volk der 
Faden der alten Tradition abgerissen. 

Hatten wir gehofft, auf Grund literarischer Quellen in Enegil 
einen Bau des VII. Jahrhunderts anzutreffen, so waren wir wie 
öfters sehr enttäuscht, als wir statt der Basilika des H. Pachomius 
nur noch den Überrest eines nordöstlich gerichteten Chores fanden, der 
nahezu bis zum Bogenansatz der Fenster im Alluvialboden begraben 
ist. In Grund und Aufriß herrschte der Hufeisenbogen, auch bei 
den Überbleibseln der Chorfenster, deren Archivolten eine klassische 
Profilierung zeigen und 10 cm aus dem Wandgefüge des Chores 
heraustreten, der außen fünfseitig abschloß. Die über 1 m starken 
Mauern aus schön gearbeiteten Travertinquadern mit scharfer 
Fügung und geringer Mörtelfüllung nach innen lassen auf ehe- 
malige Wölbung schließen. In den Fensterwangen sind noch die 
Löcher für den Verschluß sichtbar.^) Diese Kirchenruine aus dem 
Jahr 660 ist meines Wissens das älteste, datierte Beispiel für das 
Vorkommen des Hufeisenbogens an einer christlichen Basilika. Die 
Bogenf orm ist jedoch eine . uralte , in den östlichen Teilen Klein- 
asiens einheimische Kunstweise, die mit dem Aufkommen des kappa- 
dokischen Mönchturas bis an die Westküste Kleinasiens wanderte. 
Mit den Höhlenbauten hängt sie aufs engste zusammen, da sie eine 
größere Lichtmenge dem Innenraum vermittelte und die Beschaffen- 
heit des Tuffs größere Freiheiten und Weiterungen in der von 
statischen Gesetzen hier fast unabhängigen Wölbungsweise zuließ.-) 

An die Euine der Pachomiuskirche ist im späten Mittelalter 
parallel eine Kuppelbasilika im Kreuz mit einem Tambour an-- 
gebaut worden, der das Dach dieser Kirche gegen 3 m überragt. 
Auf dem Chorboden des aua schlechtem Material aufgeführten Bau- 
werks fand ich eine halbzerstörte Kalksteinplatte •^) mit lateinischem 
Kreuzrelief und den Buchstaben darüber: 

TYAN//////// 

iieT/;/ '///;./// 

Im fruchtbaren Tal wanderten wir aufwärts und fanden an 
den abstürzenden Felswänden ein christliches Grab eingehauen, das 
nach seiner rohem Behandlung der Fassade etwas später anzusetzen 

*) Levidis, AI iv iLOvoXld'OLs \LOvui p. 113. ,,a:p;i;aia ^lovt] ^%ovca vabv itQog 
xi\Lr]V xov ccyiov Ilaxa^iov ^«t' iTcr/Qacpf/g: „-lurrj r; nvXri toD KvqIov, tlatXtvao^Lui 
iv avrg. "ExBi ;u5'.*' 

*) Bei Texier's Unzuverlässigkeit in seinen Aufaabmen und Angaben kann 
die Datierung der Kirche von Dana vom Jahre 540 nicht als sicher gelten. 
Texier u. Pullan, Architecture Byzantine p. 73 PI. LIX. 

') Höhe 0,76 m, Breite 0,45 in. Die Schrift ziemlich nachlässig eingehauen. 



120 Monastir bei Knegil 

ist als die Sepulkralbauten von Jer Hissar (Abb. 35). Das Portal 
scbmücken zwei lässig aus dem Fels gehauene Pilaster mit profi- 
liertem Architrav darliber und drei scheibenartige Verzierungen, 
die vielleicht Schilde vorstellen sollen.') Im Orantengestus sind 
seitlich die Toten ausgehauen, bei denen man noch Reste von Farb- 
spuren bemerkt. In der Nähe trafen wir weitere Felsgräber mit 
den gleichen Totenfiguren. Im Innern waren noch die Totenbänke 
erhalten, die selbst die Metallfüße der KHnen des täglichen Lebens 
plastisch nachahmten. 

Zwanzig Minuten weiter talaufwärts liegen die Reste des Johannes- 
kirchleins, heute einfach 
„Monastir" genannt. Daß 
sich hier eine Mönchskolonie 
befand, beweisen die Höhlen- 
aulagen und Totenkammem 
in den nahen Felshäugen. 
Auch auf dem dahinter auf- 
steigenden Hügel nTepe" soll 
noch ein „Monastir der Ana- 
lipsis" in Trümmern liegen. 
Das Kirchlein des H. Johannes, 
das nach Aussage der orts- 
ansässigen Griechen schon 
mehrmals von den Türken 
demoliert worden ist, hatte im 
AVesten eine kleine Vorhalle; 
der Sturz der Eingangstür mit 
hübschem Kreuzrelief liegt 
zertrümmert im Ackerfeld. 
Mit der wunderbarsten Abend- 
Abb. 95. Feii«ngr.b bei Bnegii. soune , wclche im Schcidcn 

die hohen Zinken des nahen 
Taurus vergoldete, sehritten wir am Bach hinab zum elenden Lager 
der Nacht. 

Auf dem Wege von Enegil nach Kara Hissar sollt« nach Aus- 
sagen der hiesigen Griechen eine unterirdische Stadt liegen mit In- 
schriften und Marmorköpfen. Obwohl sich der Reisende bald an die 
spielende Phantasie der Orientalen gewöhnt, so muß er doch solchen 
Angaben nachgehen, da sie manchmal, wenn auch ganz anderes, doch 
Wichtiges für die Geschichte ergeben können. A\'ir fanden am 

') Vgl. Kedeh in den Abhaudl. der Bsyr. Akad. XXI, 593. Ajasin. 



Arabsin. Kara Hissar. Kejischlik 121 

nächsten Morgen etwa zwei Stunden nördlich von Enegil eine ver- 
lassene Stätte, Arabsin genannt. Kingsum lagen große Haufen von 
mehr oder weniger behauenen Steinen und Fundamentmauern einiger 
größerer Anlagen. Der Tuffboden dieser Hochfläche war maulwurfs- 
artig von langen Gängen und Vorratskammern unterhöhlt. Ich ver- 
folgte eine Strecke mit Kerzenlicht das Labyrinth ihrer Gassen und 
Durchschneidungen, gab jedoch ein tieferes Eindringen ins Innere 
auf, da keiner der feigen und verlogenen Griechen mir nachfolgen wollte. 

Diese Höhe beherrscht die ganze Ebene nach Westen bis Melegob 
und Hassakoi und zugleich das Defil6, welches die alte Heerstraße 
Tyana — Caesarea zwischen dem Hochland des Soandere und dem 
östlichen Ütsch Perendjedagh passieren muß. Die nördlichen Ab- 
fälle des letztern zeigen die ersten Pyramidenbildungen des Tuffs 
und die kanonartig tief ausgewaschenen Täler, von denen das Tafel- 
land des mittleren Kappadokien durchzogen ist. In der Höhe von 
Zengibar mit seinem historischen Doppelgipfel erreichten unsere 
Pferde wieder den Wagen, der über Aschlama, Gördeles und Arabli 
den bequemen Weg genommen hatte. 

Von Kara-Hissar aus besuchten wir nach kurzer Rast das 
nordwestlich gelegene Troglodytendorf Kejischlik, dessen Name 
Monastir bedeutet.*) Eine großräumige Höhlenkirche im Schema des 
Hufeisenbogens ist zur Hälfte zerstört, namentlich der genau östlich 
znxa Talabfall gerichtete Chor. Blendtüren und -fenster, eine mit 
Mennigfarbe imitierte Wandverkleidung deuten die Wirklichkeit an ; 
die im Norden noch vorhandenen rohen Emporen sind an der Gegen- 
wand fiktiv aufgemalt. Die späteren figürlichen Fresken sind größten- 
teils von der TJntermalung abgefallen, nur ein paar verblichene 
Heilige an den Unterwänden sehen auf türkischen Schmutz und 
Unrat herab, der sich hier wohnlich eingerichtet hat. Das Tonnen- 
gewölbe auf weitvorspringendem Sims muß noch eine ganze Familie 
samt Schafen und Ziegen vor Regen und Hitze schätzen. 2) Wohl- 
tuend heben sich von diesen Troglodytenwohnungen die schmucken 
Häuschen der türkischen Kaufleute ab, die in Stambul ihre meiste 
Zeit verbringen und zu Wohlhabenheit gelangt, wieder in ihre 
Felsentäler sich zurückziehen. 

Nacht schritt schon durch die Täler, während wir über Schroffen 
und Schluchten nach Kara Hissar hinabstiegen und der Gipfel 
des Argäus vor uns noch lange im Flammenschein leuchtete. Die 
nächste Umgebung des herabgekommenen Ortes, der den Zugang 

') Levidis, AI iv iLovoXld'oig ^Lovai p. 143. 
*) Siehe Abb. dieses Ortes im folgenden Heft. 



122 Nach dem Soandere 

zum Soandere eröffnet, ist sehr fruchtbar, so lange er noch vom 
Helitschaktschai , wie der Unterlauf des Bulduru hier genannt 
wird, bewässert wird, bevor er in der trostlosen Steppe im Osten 
versiegt. Das Hintertal, welches zum Höhlenland des alten Soandus 
hinaufführt, ist reich an Reben, Aprikosen-, Quitten- und Nußbäumen, 
und aus dem schattigen Dickicht der Gärten glänzen die Silber- 
pappeln. Das Hochfeld darüber ist jedoch öd und vegetationslos 
und für die Kultur unbrauchbar, weil alle Niederschläge alsbald 
durch den porösen Tuffboden hindurchsickern. Daher ist auch das 
Trinkwasser in diesen Gegenden selten und muß in großen Krügen 
in den kühlen und trockenen Höhlen aufbewahrt werden. 

Nach zweieinhalbstündigem Ritt über Basalt-, Trachyt- und 
Peperinlager beginnen im Westen von Kara Hissar die eigentlichen 
Tuffkegel und die Höhlenbauten Kappadokiens, die schon vor zwei- 
hundert Jahren durch die märchenhaften Berichte des Sieur Paul 
Lucas, der zudem diese Landschaften im Vollmondschein sah, dem 
Abendland bekannt wurden. Durch die erodierende Tätigkeit der 
Niederschläge und die Rinnsale sind die seltsamen Gebilde dieser 
meist vulkanischen Gegenden entstanden. Eine härtere Lavaschicht 
liegt über dem weißgrauen Tuff und bildet die Ursache für die 
kegelförmigen Ab- und Auswaschungen. Seitdem Hamilton in den 
vierziger Jahren das Soandere aufgesucht und ihm eine. kurze, aber 
zutreffende Schilderung gewidmet hat, ist es erst wieder in den 
allerletzten Jahren von europäischen Reisenden betreten worden. ^) 

Da wo sich das Tal spaltet und in das eigentliche S o a n d e r e 
wie nach Ortakoi hinaufführt, stehen auf dem vorspringenden Felsen 
einige ausgehauene Grabbauten frei in der Luft. Aus einem ge- 
waltigen Felsblock ist ein rechteckiger Raum von 2,55 m Breite und 
3,00 m Tiefe geschnitten mit ringsum laufenden eingeschweiften 
Totenbänken und einer Tonnenwölbung. Der niedrige Eingang mit 
Oberfenster ist von Pilastem flankiert, auf denen ein profilierter 
Bogen ruht. An der allenthalben zurückgearbeiteten Portalwand 
sind Figuren mit Täfelchen und Kreuzen auf der Brust eingehauen* 
Bei einer Gestalt mit Flügeln und Heiligenschein entzifferte ich: 

ATlKHCei bei einer andern: //APrE/ 7 

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In den Vertiefungen der Buchstaben ist noch die rote Mennig- 

*) Hamilton, Kesearches II, cap. 47. — v. der Sciiweixitz, In KleiDasien 
p. 126f., wo man in der frischen Schilderung nachlesen möge, was ich hier 
übergehen muß. — P. Lucas, Yoyage p. 143. 



Soandere 123 

färbe erhalten, und zwischen den beiden obersten Figuren ist ein 
lateinisches Kreuz von 0,30 m Höhe eingehauen. ^) Eine Terrasse 
zieht sich hier westwärts mit Pfeilerbasen von 1,50 m Abstand im 
künstlich geebneten Boden. Über den Charakter der Anlage kann 
heute nichts mehr mit Sicherheit gesagt werden.^) Am ehesten 
ist an eine Wasserleitung zu denken, wie sie zu Hamilton's Zeit 
noch im obem Tal aufrecht stand und heute durch die Erosion 
des Baches zerstört ist. 

Nun treten wir durch ein Tor, welches durch einen ge- 
waltigen, niedergestürzten Tufffelsen gebrochen ist, in das Tal des 
Soandere ein. Senkrechte Felsklippen engen es ein, von deren 
Höhe durch die Wirkungen des Wassers und der Erdbeben riesige 
Trümmer zur Talsohle niedergekracht sind samt ihren Anlagen im 
Innern. So kann man einen Felsblock am Bach unten sehen mit 
einer ausgemalten Kapelle, deren eine Hälfte hoch oben am Abhang 
noch sichtbar ist, während die andere unten im Tal ihre Decke dem 
Himmel zukehrt. Das Innere vieler Räume ist durch Abwaschungen 
und Abstürze bloßgelegt, manch freskengeschmückte Kapelle ist durch 
niedergegangene Felsmassen und Schwemraerde den Blicken für 
immer entschwunden. Mehrere unterirdische Kirchen, zu denen wir 
hier und in der Umgebung von Urgüb hinabkriechen mußten, werden 
nach kaum einem Menschenalter schon versunken sein und nur noch 
in der Sage fortleben, die hier in diesen Tälern üppig wuchert. 
Die Stufen, die ehemals zu Kirchen und Höhlenwohnungen hinan- 
führten, sind heute meist abgewaschen, so daß der Besucher des 
öftem auf Händen und Füßen zu ihnen emporklettem muß. Yiele 
Bauten hoch oben in der Bergwand können auch in frühem Jahr- 
hunderten nur durch Leitern im Innern zugänglich gewesen sein. 
Noch sind die Löcher in den Decken erhalten, durch welche die 
Höhlenbewohner einst von Stockwerk zu Stockwerk stiegen. 

Von zwei kirchlichen Freibauten im untern Soanderetal sind 
nur die Fundamente der Umfassungsmauern und des jedesmal 
nach Osten gekehrten Chores erhalten. Sie liegen hart am Weg, 
dessen einstige Stützmauern teilweise noch aufrecht stehen. Wo 
links das Balyq Dere d. h. Honigtal abzweigt, ist eine Fassade mit 



^) Hamilton, Researches II, 287 u. Appendix No. 416 las ATlKHEOI:,li\;i 
AIC und AOrE, — Boeckh im C. I. Gr. 111, 4191 : „Conjicias christiani tituli 
esse Aragmentum.'' 

*) Auch Hamilton erzählt nur: „I found the ruins of a square building 
of the same style, surrounded by an extensive terrace marked by numerous 
blocks fixed in the ground and still remaining in situ.* ib. 



126 Höhlenkirche (A) im Soandere 

ein Ornament angedeutet, und selbst der niedrige Mauersockel 
fehlt nicht. 

Zweimal ist die fast nach Osten gerichtete Höhlenkirche aus* 
gemalt worden, in primitiver und figürlicher Weise. Erstmalig 
wurden die Wände in Nachahmung der Inkrustation mit Mennig 
linear geschmückt, ähnlich dem ersten pompejanischen StiL Ein 
roter oder grüner Zickzack ziert die Bogen der Arkaden, und ein 
großes griechisches Kreuz im Kreis, rot auf grünem Grund zwischen 
stilisierten Palmbäumen, füllt die Lünette der Nordwand aus. Die 
Farben des altem Stils, fast nur Grün und Rot, wurden direkt auf 
die geglättete Tuffwand aufgetragen, während bei der spätem Aus- 
malung auf feinen Kalkbewurf meist al fresco gemalt wurde. Viel- 
fach ist dem Stuck zur bessern Bindung fein zerschnittenes Stroh 
und Werg beigemengt, die Bereitung des „aaßioTfi fii a^vgov und 
lii atovni^ des Malerbuchs vom Athos.^) Öfters rauhte der Maler 
durch Einhiebe mit der Spitzhacke die Wand, um die Haftbarkeit des 
Bewurfs zu erhöhen. Wo beispielshalber wie in dieser Höhlenkirche 
durch schlechten Auftrag oder Feuchtigkeit die Fresken abgefallen 
sind, kommt die frühere primitive Dekorationsmalerei an den Tag, 
über deren Alter wir bereits gesprochen haben. 

Im Innern sind aus der spätem Epoche nur Michael und Gabriel 
noch deutlich zu erkennen, in der Lünette der tonnengewölbten Ein- 
gangshalle der Pantokrator, IC XC, mit Kreuznimbus und Buch, an 
den Unterwänden die Heiligen Kuridios, Kyrikos, Georg und Deme- 
trius zu Pferd. Die Landschaft, in welche die Figuren oder Szenen 
hineingestellt sind, ist typisch für den ganzen kappadokischen Kreis. 
Ein sattes Grün bezeichnet den Boden, ein meist zu Tuschschwärze 
verwandeltes Blau den Himmel, während der umgebende, goldgelbe 
Hintergrund wie eine Brüstungswand gedacht ist. Diese Farben- 
symbolik wie auch die koloristische Behandlung der Gewandung ist 
nahezu stereotyp ; mit dem satten Gelb und Grün, dem leuchtenden 
Kot und dem meist oxydierten tiefen Blau sind auch die Farben* 
töne dieser primitiven Meister der Höhlenkunst erschöpft. Nament- 
lich ein schönes gitterartiges Muster, welches diese Farben zu- 
sammen bringt, wird immer wieder dekorativ verwertet und spricht 
deutlich genug für die konservative Übung dieser autochthonen 
Mönchskunst, von den ikonographisch sich immer wiederholenden 
Zyklen ganz abgesehen.-) 



*) Handb. der Malerei § 56 u. 57. 

') Siehe dasselbe z. B. in der Kreuzigung der Balyqklisse im folg. Heft 
und u. p. 131. 



Höhlenkirche (B) im Soandere 



127 



Neben dieser Kirche sind zwei größere Grabtammem aus Tuff- 
kegeln herausgeschnitten mit Arkosolgräbem im Boden, Die Ver- 
schlußplatte ist überall zerschlagen und die Gebeine aus der Tiefe 
hervorgewühlt. In die Lünette der hochgewölbten Nischen ist meist 
ein griechisches Kreuz im Kreis in den stehenden Farben grün und 
rot gemalt. Den Arkosolbogen ziert der Zickzackfries, den auch 
die christlichen Felsgräber von Phrygien aufweisen.*) 

Gleich diesen Anlagen talüber beherrschte eine kleine Höhlen- 
kirche (B) das östliche Tal. Anscheinend sind die Mönche auf 
amphitheatralischen Stufen zu ihr emporgestiegen, während man heute 
auf Händen und Füßen zu ihr hinaufklettern und durch eine kleine 
Öffnung in die durch herabgeflossene Erde fast zugeschwemmte Kapelle 



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Abb. 37. Höhlenkirche (B) im Soandere. 



eintreten muß. Durch ein Portal mit Zahnschnittgesims, das auf 
fingierten Doppelsäulen ruht, gelangen wir in einen durch Stützen 
geteilten Vorraum, an den sich links ein flachgedeckter Versamm- 
lungsraum anschließt Im Norden legt sich eine durch sechs acht- 
eckige Säulen in drei Schiffe abgeteilte Kapelle mit je drei fast 
östlich gerichteten Chören parallel an. Die würfelartigen Xapitäle 
tragen die kaum einen Meter hohen Arkadenwände, von denen ein 
ringsum laufendes 0,15 m ausladendes Gesims in das Halbrund <ler 
drei Längstonnen überleitet. Die Nordwand ist von Nischen belebt, 
die über einem nicht verkröpfenden Sims in Hufeisenbogen schließen. 
Die Bogen sind mit Zickzack, die Gesimse mit Kauten, an denen 



») Reber 1. c. XXI, 593 Fig. 15 und Journal of HeU. studies 1882, 
PL XXVIII, 3. 



128 HüDchilkliese im SoaodcTe 

Girlanden niederhängen . in roter nnd grüner Farbe geschmückt- 
Ein grünes Kreuz auf rotem Grund ist auf jede der SSulen gemalt. 
Die Kapelle ist später einmal mit Stuck beworfen, doch nicht mit 
Fresken versehen worden. 

Wenige Minuten westlich ist an dem gleichen Abhang eine 
kleine zweischiflige Kapelle ans dem Tuff gehauen worden. Je eine 
Säule, ein acht- und viereckiger Pfeiler bilden die Mittelstützen der 
von zwei Tonnenwölbungen überdeckten sog. Münchilklisse. Es 
ist ein rein dekorativer Stützenwechsel, den wir noch weiter in den 
Höhlenbauten Kappadokiens antreffen werden. Blendnischen unter* 
brechen die Flucht der Tuffwände. Ein TemploD ist vor dem Bema 
aus dem Mutterstein ausgehauen. An den Stützen treffen wir wieder 



>. S8. MünchilUina im 



die griechischen Kreuzsymbole, die wie der Rauten- und Zickzack- 
schmuck der Bogen und Kapitale dem altem Stil angehören. Die 
jungem Fresken sind teils heruntergefallen, teils durch die Zeit sehr 
unkenntlich geworden. Im Vestibül halten die Paladine der grie- 
chischen Kirche, Georg nnd Demetrius, wie die Dioskuren auf den 
antiken Sarkophagen Wacht. Denn auch die Münchilklisse ist eine 
Grabkapelle. 

Vom Tympanon der Vorhalle schauen die Heiligen Panteleraon und 
Enimachns in perlenreicher Tracht und goldnen Nimben mit Büchern 
in den Händen herab. An der Tonnenwölbung des nördlichen Schiffs, 
die durch eine dreigeteilte Bordüre am Scheitel in zwei Hälften geteilt 
ist, sieht man den Engel, der dem Hohepriester Zacharias vor dem 
Tempel erscheint mit dem Befehl, Maria mit dem Witwer Joseph 
zu vermählen, weiterhin die Begegnung Marias und Elisabeths und 
die sog. Fluchwasserszene aus dem ProtevangeHum des Jakobns: 



Die Balyqklisse im Soandere 129 

Maria und Joseph müssen zum Beweis ihrer Unschuld das Prüfungs- 
wasser trinken, das im alten Testament der Hohepriester dem des 
Ehebruchs verdächtigen Eheweib im Tempel reichte.^) Die Reise 
nach Bethlehem schließt die eine Bildhälfte ab. Die andere bringt 
Christi Geburt, die einzige noch erhaltene Szene. Im Chor thront 
der Pantokrator in Mandorla und Kreuznimbus, von Cheinibimen mit 
übergeschlagenen Flügeln umgeben. Kompositioneil sind die Dar- 
stellungen von Kanonesbogen eingerahmt, ein Zeichen für die Wechsel- 
wirkung von Wand- und Buchmalerei. An der Unterwand ist ein 
Behang hingemalt, der die Wandteppiche der Kirchen deutlich er- 
kennen läßt. Das hintere Schiff, obwohl mit Stuck beworfen, blieb 
wie manche Höhlenkirchen wohl wegen der nach der Tiefe zu- 
nehmenden Dunkelheit unbemalt. Neben der Münchilklisse war ein 
Raum zum Keltern von Wein oder zum Pressen von Öl hergerichtet. 

Eine ähnliche doppelräumige Grabeskirche treffen wir an, wenn 
wir das Seitentälchen desBalyq über Felstrümmer hinauf wandern. 
Da hier die Bergwand senkrecht nach Osten abfällt, so ist die Kirche 
aus diesem Grunde in der Richtung von Süden nach Norden hin aus- 
gehauen. Durch Pfeiler ist sie in zwei tonnenüberdeckte Schiffe 
mit eigenen Apsiden getrennt. Die Südwand des Vorderraums ist 
durch hufeisenbogige Blendarkaden aufgelöst, die durchbrochene 
Ikonostasis reicht bis zur Decke und war völlig mit Heiligen bemalt. 

An den Wölbungen des hintern Schiffs beginnt der Zyklus der 
Malereien mit der Verkündigung des Engels an Maria. Unter dem 
Dach eines Hauses begegnen sich Maria und Elisabeth, die erstere von 
ihrer Dienerin, H flBAHCKH (rj naidiaxij), begleitet, die w^ir in den 
kappadokischen Höhlenfresken fast immer bei dieser Darstellung 
antreffen und die der Maler regelmäßig mit klassischen Zügen aus- 
gestattet hat. In der folgenden Fluchwasserszene, TO Y^OP TS 
6A6////// (ro v8ü)Q rov ^^e[yuov]),^) ist der Hohepriester vor dem 
Tempel als ZAXAPIAC gedacht, wie ihn auch einige apokryphe 
Handschriften so nennen. Er reicht Maria das große Trinkhorn, 
während Joseph wartend dahintersteht. In der Lunette zieht Jakob, 
der Bruder des Herrn, der heiligen Familie auf dem Weg nach Beth- 
lehem mit dem Eßkörbchen am Wanderstab vorauf, wie das Prot- 
evangelium erzählt: „Sein Sohn zog den Esel und Joseph ging 
nebenher." Maria sitzt in Orantenstellung als Platytera auf dem 
schönen Sattel einer Eselin. Über der Darstellung steht die Inschrift : 



') ProtevaDgelium des Jakobus cap. 8. 15. 16 und KiDdheitsevangelium 
cap. 12 (E. Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen 1904). — 4. Mose 5, 11 f. 
*) Numeri 5, 18 (Tischend.). 
Bott, Klelnasiatigche Denkmäler. 9 



130 Die Balyqklisse im Soandere 

HOCHcD KATHrArOO) MC AHO THC ONOY (;iwar,€p xarij- 
yayi fis and Tr,g ovov),^) An der ünterwand, halb zerstört, ist ein 
pflügender Bauer mit Ochsengespann in roter Farbe gemalt.*) Es 
ist vielleicht die Darstellung aus dem Kindheitsevangelium des 
Thomas, wonach das Jesuskind beim Säen seines Vaters auch ein 
Korn mitsäte, aus dem hundert Kor Weizen sprossen. Über der Szene 
ist nur noch zu entziffern: 6AAN?????M?? APACAHATK») 

An der Westwand geht die Erzählung weiter mit der Geburt 
Christi, H r6NHCHC. In der Krippe, H cl)ATNH, bei den Eseln 
liegt das Kind, Joseph sitzt abgewandt auf einem Stein, und Maria 
mit der Amme, MCA {uala), badet das große Jesusknäblein in einem 
kostbaren Badefaß, während Salome das Kleid bereit hält. Ein 
Hirten Jüngling zieht, dem Stern und dem Engel folgend, einen 
alten Hirten inmitten seiner langzottigen Herde an den Schultern 
herbei. Die Beischriften lauten: Y nHM€N€C (oi noifiivtg) und 

RAYATe ArPABAÖYTeC Y(!) TO ePCMA {navaar^ &rQavXoiv- 
TBg TO &Qiuua), Von den an diese Szene sich anschließenden Per- 
sonen, die zwischen Palmbäumen sitzen und stehen, war nur der 
H. Theodor noch zu entziffern. Zwischen den beiden Darstellungs- 
reihen des Tonnengewölbes schweben sich zugewandt zwei schön auf- 
gefaßte Engel, die ein edelsteingeschmücktes Kreuz im Kranz tragen. 
Die ünterwände bringen die Opferung Isaaks, den H. Proklus und 
eine Person ohne Heiligenschein vor einem Baum, die vermutlich 
den Stifter dieser Grabkapelle darstellt. Beischrift: 

KY BOHeH TON AOYAO COY rOPFH KC THN A///// 

Kv{Qie) ßoTJd-ev rov SovXov aov r6qyi. xai t^v S[ovlfjv rfjv Setva].^) 

Im Chor thront Maria auf perlenbesetztem Stuhl mit dem gött- 
lichen Kind zwischen Michael und Gabriel, zu ihren Füßen stehen 
an der Unterwand Johannes, Zacharias, Akindjoius, Chrysostomus, 
Epiphanius, Gregor und Pegasius. 

Das östliche Kirchenschiff setzt den neutestamentlichen Kreis 
fort mit dem Abendmahl, O AHflONC (6 öslnvog), Christus sitzt 
am ungeschickt entworfenen Tisch im Kreuznimbus unter elf 
Aposteln, Y MA0HT6, von denen Judas am Ende der Tafel ohne 

^) Protevang. cap. 17. Andere Lesarten haben: Sein Sohn Jakobus zog den 
Esel. — In der Begegnung, wie sie das Malerbuch vom Berg Athos darstellt, 
kommt auch das Söhnchen vor: ,Yor ihnen ein kleines Kind, welches auf seinem 
Kücken ein Stöckchen hält und an dem Ende des Stöckchens ist ein Körbchen 
aufgehängt." § 211. *) Beide Abb. im folgenden Heft. 

8) Thomasevangelium cap. 12. — Oder ist Bezug genommen auf Matthäus 
XIII, 22? *) Der H. Gorgias hat am 5. Juni seinen Tag. 



Die Balyqklisse im Soandere 131 

Heiligenschein eben mit dem Herrn in die Schüssel taucht. Messer 
und Gabel und der die Nachtzeit andeutende Leuchter mit goldenen 
Quasten fehlen nicht (Abb. 39), Nach links nehmen Krieger mit 
Streitäxten, Messern und Stangen unter Begleitung von Fackel- 
trägem Jesus gefangen, H riPOAOCHA HC XC. Merkwüi-dig 
sind ihre zeitgemäßen Kopfbedeckungen. An der Gegenwand ist 
Christus gekreuzigt, neben ihm je ein Schacher, O AHCTHC 
(ft AijffTJj's), am Doppelkreuz aufgehängt. Zu Seiten von Christi 
Kreuz, über dem Sonne und Mond sich verfinstern, stehen Maria, mit 
verhüllten Händen zum Sohn aufblickend, und Jobannes, der nach 



der Weisung des Malerbucbs vom Atbos betrübt die Hand an die 
Wange legt.') Über der MP eO die Worte: HTA ACfH TH 
MHTPH AYTOY (««ra Xiyu rf, f,r,TQl avTov). Am Fuß des Kreuzes 
sehen wir in verkleinerter Gestalt den Hauptmann, O AHFHNOC, 
und den ysopreichenden Krieger, O 6COnOC, darunter das schon 
erwähnte gitterartige Teppichmuster. Der Verherrlicher der Leiden 
Christi, der Syrer Ephrem, ® €<t>POe(!), steht rechts von der Kreu- 
zigung als Orans in priesterlichem Gewand. Fast völlig zerstört 
ist darunter am breiten Arkadenpfeüer der H. Eustathius gemalt, 
mit der den Akten des Heiligen wörtlich entnommenen Beischrift: 
„Ui niaxiäa, ri /*« Sitäxetg; iSov tvcxiv oov nögsifii tv r^ ^<u(fl zcvTip 
') Die Abb. dieser beiden Szenen im uKchsteo Heft. 



132 Die Akkilisse im Soandere 

6q)&fjvai ffot.^'^) Im Chor erteilt Christus als Pantokrator mit Buch 
in der Hand den griechischen Segen. An der Decke des Eingangs 
liegt ein Mann am Boden, vor ihm sehen wir ein enteilendes Pferd 
und hinter ihm einen die Landschaft markierenden Baum. Die 
Beischrift O AfHOC OP6CTHOC erklärt die Szene, Mit Thomas, 
Sosimas, Mamas, Thekla, Pachomius, Lotes (AOTHC)^) ist alles 
erschöpft, was mit Sicherheit gedeutet werden konnte. Denn so 
trefflich auch Farbe und Technik einst gewesen sind, so hat doch 
eine ruchlose Zerstörung hier den größern Teil der Fresken ver- 
nichtet. Dadurch ist auch der ältere Inkrustationsstil wieder zu 
Tag gekommen und eine alte Inschrift in Mennigfarbe: I 0€ö??? 
riANArH/;/ (ri 060V [uvrrjg] navayi[a]), Gräber starren erbrochen 
im Innern der Balyqkirche wie im kleinen Vorraum, ringsum 
schließen sich enge Kapellen mit großen Kreuzen und geräumige 
Höhlenwohnungen mit Rollsteinen zum Verschließen an. 

Der einzige noch erhaltene Freibau dieses Tals ist die Ak- 
kilisse, die nach Osten schauend auf dem bereits unterwaschenen Fels- 
vorsprung an der nächsten Gabelung des Haupttals steht (Abb. 40). 
Die gleich Honigwaben durchbrochene Bergwand dahinter verleiht 
dem Kirchlein einen pittoresken Hintergrund. In einer dieser 
luftigen Höhlen haben wir mehrere Nächte in Kälte und Schmutz 
gehaust, um nicht den weiten und beschwerlichen Felsenweg nach 
Kara Hissar täglich zurücklegen zu müssen. Südlich lehnt sich 
noch der kleine Kirchhof der einstigen christlichen Talbewohner an. 
Nur einfache Kreuze sind auf den wirr durcheinanderliegenden 
Grabsteinen eingehauen.^) Die glatt bearbeiteten, schönen Quader 
sind in parallelen Lagerfugen geschichtet, und nur im Innern ist 
ein trefflicher Mörtelverband angewendet. Die Türken haben die 
Kirche wegen der weißlichen Färbung ihrer harten Tuffsteine 
Akkilisse genannt, wie sie es auch sonst lieben, ältere Bauwerke 
nach dem Farbton ihres Materials zu taufen. Ich erinnere nur an 
den Sarrychan bei Avanos und die Kizilkilisse bei Sivri Hissar. 

Der außen fünfseitig abschließende Chor, der inwendig nach 
Grund- und Aufriß den Hufeisenbogen aufweist, und die auf dem 
gewachsenen Fels errichtete Nordwand stehen bis . zum Dachansatz 
aufrecht ; von der Süd- und Westmauer kann man eben noch unter 

*) Acta sanctorum VI p. 124 zum 20. September und u. p. 144 f. 

') Der Heilige Lot oder Lotes kommt in alten Mönchserzählungen vor, als 
Freund des H. Joseph. Sein Tag am 22. Oktober. 

3) Hamilton, ßesearches 11,289 erwähnt schon die Akkilisse und gibt eine 
halbphantastische Zeichnung. Der Chor ist bei ihm rund abgebildet. — Levidis, 
Ai iv novoXl&oig ^lovai p. 138. 



den Trümmeni die Flucht verfolgen. In Hohe des Bogeuansatzes des 
einzigen 1,40 m hohen Chorfensters läuft, dieses einfassend, ein Ge- 
sims um, bestehend aus tiefer Hohlkehle und Zahnschnittmaster, 
das die Balkenk5pfe des Holzstils imitiert. Die Ecken der Chorflügel- 
mauem verkröpfend, bricht es an den Längswänden plötzlich ab. 
Das gleiche, doppelteilige Eranzgesims zieht sich dagegen um den 
ganzen Bau herum und hat oben die rillenartige Einarbeitung als 
Auflager für die Balkenenden der Daclisparren und unten die in 
syrischer Weise geschweifte Einkehlung.') Die Mauerdicke der 
Kirche, die eine innere Länge von 10,80 m und eine Breite von 5,30 m 
erreicht, und die Schuttmasse im Innenraum weisen anf Einwölbung, 
obwohl keine Ansatzspuren mehr vorhanden smd. Der Triumph- 
bogen mit Kreuzrelief am Scheitel ruht auf reich profilierten Pilaster- 
kapitälen. Von dem ganzen Freskenschmuck hat sich nur der Panto- 
krator mit zwei verblaßten Heiligenreihen darunter erhalten, obwolil 
einst alle Wände reich bemalt waren. Spätere Generationen haben 
viele Kreuze jeglicher Form in die Außenmauem eingegraben. 

'] Deutlicher ist dies bei Hahiltok'b Zeichnung su sehen, aU da« Kitchlein 
vor 70 Jahren noch beeser erhalten war. — Das Uniergesims greift nur 0,52 ui 
in die Längsmauem hinein. 



134 Im Soandere 

Immer zerklüfteter wird jetzt das Tal, steile Wände und chao- 
tische Felstrümmer engen es immer mehr ein. Zwischen diesen 
streichen herdenweise die Feldhühner umher, verwilderte Tauben 
schießen aus den Löchern hervor, und Geier hängen hoch oben über 
der Talspalte in der Luft. Nachtvögel scheuchten wir aus ihren 
finstem Schlupfwinkeln hervor, und vom Kerzenlicht versengt fielen 
die Fledermäuse scharenweis von der Decke der dunkeln Gänge 
herab. Viele Menschen sollen durch die Bergstürze ums Leben ge- 
kommen sein oder sich rettungslos in den unterirdischen Labyrinthen 
verloren haben. So erzählen die wenigen Troglodyten, die hier ihr 
einsames Dasein fristen und von denen einige türkische Deserteure 
gewesen sind. Unbestimmte Erinnerungen sind noch in diesen Moslems, 
deren Vorfahren sicherlich zur Panagia beteten, wach geblieben. 
Sie kannten alle die dargestellten Heiligen der griechischen Kirche 
und raunten uns beim ärmlichen Kuhmistfeuer in der Höhle von 
Schätzen und funkelnden Waffen, die in verschütteten Gängen ruhen, 
von den silbernen Glocken, die in unersteiglicher Felswand zu läuten 
beginnen, wenn ein bestimmter Wind durchs Tal zieht. Hartnäckig 
behaupten sie immer, wir Frenkis hätten ein Buch bei uns, in dem 
die verborgenen Plätze jener Herrlichkeiten angegeben seien. Durch 
unsere nüchterne Arbeit des Messens und Entziffems wurden sie bald 
eines andern belehrt. Sie kam ihnen schließlich lächerlich vor, und ich 
mußte ihnen zum Teil recht geben, wenn ich das Glück dieser Natur- 
menschen sah, das in Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit besteht. 

In den letzten Jahrhunderten sind die höher gelegenen Kam- 
mern zu Göwerdjinliks umgewandelt worden. Diese Taubenschläge 
erkennt man an den runden Löchern, die von Kalk um tüncht und 
mit rohen Malereien wie Bogenschützen, Rädern und Vögeln ver- 
ziert sind, um Eigentumsrecht anzuzeigen und den Tauben ihr Flug- 
loch kenntlich zu machen. Das Innere dieser Anlagen, deren Vorder- 
wände vielfach abgestürzt oder abgewittert sind, zeigt reihenweis 
kleine Nischen, die den Tauben als Standort und Nest dienen. Über- 
eifrige Forscher mit einem für das Natürliche bereits getrübten Blick, 
die lieber im allergrauesten Altertum mit ihren Bücherphantasien 
weilen, haben diese Höhlungen der Wände und die einstigen Vorrats- 
räume für Öl und Wasser als Kolumbarien, die simplen Malereien 
als hieroglyphische Zeichen angesehen. In der Umgebung von 
Sinasos und Urgüb werden täglich noch solche Göwerdjinliks an- 
gelegt und durch groteske Malereien kenntlich gemacht. 

Die Taube wird noch heute von den Türken wie ein heiliges 
Tier ihres Dungs wegen geschätzt, der zur Befettung der magern 



Die Karabaschklisse im Soandere 



135 



Vulkanerde, zur Trauben- und Gemüsezucht unentbehrlich ist. Der 
passionierte Jäger kann sich in diesen Tälern bösen Gefahren aus- 
setzen, wenn er es wagt, unter die massenhaft umherflatternden 
Tiere zu schießen. Viele Orte Anatoliens tragen deshalb von den 
in freistehenden Felsen eingehauenen Taubenschlägen, die römischen 
Kolumbarien zum Verwechseln ähnlich sehen, den Namen Göwer- 
djinlik. 

Es war ein eiskalter Morgen und der Argäus hatte mitter- 
nächtig ein weißes Haupt aufgesetzt, als uns ein biederer Türke mit 



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Abb. 41. Plan der Earabaschkline im Soandero. 



archaischer Feuersteinflinte das Tal hinauf zur Karabaschklisse 
begleitete, der Kirche des schwarzköpflgen Mönchs. Sie ist in der 
Ostseite eines von drei Seiten umschlossenen Felsenhofes ausgehauen. 
Vier Grabkapellen liegen, je zwei und zwei parallel, beisammen 
und sind durch Pfeüerarkaden und Gänge miteinander verbunden. 
Die beiden längsten messen mit dem Vorraum etwa 10 m. Sie 
sind mit Tonnengewölben auf Gurtbögen eingedeckt, und nur die 
vordere Kapelle ist während der Regierung des Kaisers Konstantin 
Dukas (1059 — 1067) völlig mit Fresken ausgeschmückt worden. Die 
schwer lesbare Inschrift, die innenwendig auf den Türsturz gemalt 
und gänzlich geschwärzt ist, lautet: 



136 Die Karabaschklisse im Soandere 

-{■i^^AUnH-B'lOHAocrTOC/iHACYH 

A^onKniXÄHiAUfOTocTiA'd'Anor 

^MA/KeeKÄTeflM/CMONAKeNK^ö 
^OCAeTinAClMOC hO NClAHTWr 

TÄTKAnrcs^TUNAmTHOHOCU 

rAHriHocKüNTecerxeC'&eA'rTrc 

AHAJCjMAnHM-- 

'Exak{kyeQy}]&t] b vaog olxog Siä avvdgofiijg Mi^afjl ngonoanad'a- 

Qt'ov .... xai ^Exareoivfjg ^ovax{ijg) xai Ni]rpovog (uovjafjfov) km ßaai- 

kiu)g KwvaravTivov rovJoixa evovg J5\^v'd''^ Ivdixriwvog id\ Ol av(a)- 

yi{y)vci)axovT6g eß^fea&s avxovg 8iä xov x{voio)v. äfju^v. 

Gemäß der typischen Anordnung der Malereien in all diesen 
Höhlenkirchen stehen unten an den Wänden entlang die Heiligen, 
an dem zweigeteilten Tonnengewölbe die heiligen Zyklen. Von den 
sehr geschwärzten und abgeriebenen Heiligengestalten erkannten 
wir noch den Florus, Laurus, Prokopius, Kyriakus, Kosmas und 
Damian, Eugenius, Eustratius, Mardarius, Sergius und Bacchus, 
Orest, Epiphanius, Cyprian, Febronia, Viktor, Vincenz, Menas, Anem- 
podistus, Demetrius, Elpidiphorus, Ausonius, Akindynus und Pegasius. 
In einer Nische der Nordwand knieen vor einer Gestalt, bei der 
wir noch die Buchstaben XHMIA entzifferten, die Stifter dieser 
Wandmalereien, Nephon und Eudokia. Über ihren Häuptern ohne 
Heiligenschein ist die Inschrift gemalt: A6ICIC Tö AÖAÖ Tö 
eV NY(t)ONOC MONAXÖ (JSriaig toi dovkov xov »eov Nn^ui^ 
vog fwvayov). Ferner A6ICIC ThC AÖAIC Tö GY eYZ\0- 
KIAC {/liTjaig xijg Sotljjg xov &€ov EvSoxiag), In der nächsten Nische 
proskyniert die auch schon in der Datierungsinschrift genannte 
Hekaterine mit der Beischrift : ^CHCIC TIC AöAIC Tö ÖY 6KA- 
T6PINHC MONAXIC (dstiaig xr^g 8ovXrig xov &eov 'Exaxegivr^g uov- 
cexr^g). Neben dem Brustbild der Maria ist die Deesis des Priesters 
Basilius, BACIAIÖ (^ {BaaiXuov nQ(eaßvxiQov)) dargestellt. Noch- 
mals finden wir die Madonna im Medaillon von Engeln umgeben in 
der Vorhalle, daselbst auch den Pantokrator, von Aposteln begleitet. 

Mit der Geburt Christi im Verein mit der Waschung und der 
Hirtenszene beginnt der heilige Zyklus an der rechten Hälfte des 
Tonnengewölbes. Bei der folgenden Darbringung im Tempel naht 
Joseph mit zwei Tauben im Gewand (Svo nagiaxegäg elg xo qovxov 



nach dem Malerbuch), Simeon der Gottesempfänger, O 960AOXOCj 
nimmt mit Terküllten Händen das Kind entgegen. Hinter ibm steht, 
wie eine Sibylle gen Himmel schauend, Hanna, durch die Kolle in den 
Händen wie im Malerbucb des Äthos als Prophetin gekennzeichnet.') 
In der Mitte erhebt sich der runde Altartisch mit Kreuz und Buch 
darauf. Gegenüber ist die CTABPOCIC IC XC. Johannes „hält 
seine Hand an die Wange", und der Hekatontarch „hält seine Hand 
erhoben und preist Gott", wie das Malerbuch es vorschreibt.*) Der 
Gekreuzigte, mit Lendentuch bekleidet, steht auf einem Hypopodion, 
neben ihm Maria und eine der Myrrhenträgerinnen in der gewohnten 
Auffassung (Abb. 42). Weiterhin verkündet der Engel den Salböl- 
trägerinnen die Auferstehung des Herrn, auf einem Stein sitzend, 
mit dem Stab in der Hand und mit der Eechten auf das Grabtuch 
deutend, i*) Daneben tritt Christus mit Kreuzstab ins Totenreich und 
holt Adam und Eva aus dem Limbus, wählend David und Salomo 
im Nimbus dabeistehen und der Teufel in Ketten liegt. „Viele 
Schlösser sind zerbrochen und die Tore der Hölle sind ausgerissen", 
welche durch das versiegelte Grab Christi dargestellt ist.^) Den 

■) Abb. im niichston Heft. — Malerbuch vom Berg Aihns g 175. 

») Ibid. § 300. ä) Ibid. ^ 308. 

') Abb. dieser und der nüchstea Szene im andern Heft. — Alulerb. § SOG. 



138 Die Karabaschklisse im Soandere 

Abschluß bildet die göttliche Liturgie im Chor. Christus, über dem 
Gottvater schwebt, reicht jedesmal sechs demütig nahenden Aposteln 
nach rechts und links Brot und Wein {fj fisTudojaig roi xvQiaxov 
acSfjLatog xai aifiatog ngog toig anoarolovg). Engel assistieren 
dabei hinter den Tischen.*) An der untern Chorwand sind unter 
Arkadenbogen Heilige mit Büchern in liturgischen Gewändern ge- 
malt: Kurnutus, Modestus, Eleutherius, Epiphanius, Blasius^ Gregor 
und Basilius. Über dem aus dem Fels gehauenen Thronsessel streckt 
die Platytera ihre Hände zu ihrem Sohne aus ; die beiden Johannes 
stehen zur Seite. 

Unter dem obern Wandbewurf, dem feines Stroh zur Bindung 
beigemengt ist, tritt an mehreren Stellen eine ältere Malerei zu 
Tage. Nur eine schöne Frauengestalt vor goldenem Hintergrund 
hebt sich deutlicher heraus. Die herrschende Farbe der jungem 
Malereien ist ein helles Grün, die Falten der Gewänder sind durch 
Weiß aufgehöht. 

Die zweite Kapelle bringt nur zwei verlöschte Inschriften, die 
mit Mennig auf den Tuff gemalt sind: 

ZITITOMEFAMÖ Zi^th t6 fUya fiov ovofia t6 (ivgioxp)]- 

ONOMATOMYPIOM^I yiatov xal fivgioaväycoyov. '0 Ttarr^Q 

0ICTONK6MYPIOA H'OV kyivvriak fjie Ix riig iitjftQog fiov xai 

NArArONOriATHPM ^y^ kyivvr^aa rvjv fitjtiga tüv rixvcov 

ö6r6NIC6M6eK f^ov xai aeßaatolv]. 

THCMHTPOCMÖKe Daß sich hinter diesem dunkeln 

eroereNNHCATH Spruch der Name Christi oder ein 

NMHT6PATONT6KNO ähnliches Mysterium verbirgt, dünkt 

NMÖK6C6BACTO//// mir das Wahrscheinlichste.«) 

2) eCeNTOONO Oedg kv t^ ovo- 

MATICÖCOCÖ fiari cov acScov 

M6K66NTIZ\Y fie xai iv xy Sv- 

AMICÖKPHNIC {y)afiH aov xgivBig 

M6 fis. 

KOCMAC Kocfiäg, 



') Das gleiche Sujet in der Hagia Sophia zu Kiew und zu Seres in Make- 
donien. ScHLUMBEBOER, Epopee byzantine 1, 601. III, 444. 665. Ebenso die Fresken 
von Saut' Angelo am Monte Kaparo in der Basilicata. Bebtaux, L'art dans Tltalie 
märidionale p. 122. 

-) Siehe ferner die Ausführungen von Dr. Webeb zu dieser Inschrift im 
Anhang. 



Die Karabaschklisse im Soandere 139 

Über dem großen Arkosolgrab der hintersten Kapelle ist mit roter 
Farbe ein Abt in Mönchskapuze gemalt mit der Menniginschrif t : 

erOOBAGYCTPO 'Eyil 6 Bad-vargo- 

KOCOABACOnO^ xog 6 uß{ß)ds 6 noß)- 

AAKAMONHCTO Aa xauwy etg xov 

NAONTOYTONKe vaov roirov xal 

MeTATAYTAAnO furä ravta ano- 

GANONeNGAKA »avdv h&a xa- 

TAKHM66T6N?Te raxiifjiM. Tr?; v' [i]ri- 

GHNMHNH &7jv fjivvi »;'. 

Daneben ist eine Nonne Minia mit einer fast gänzlich ver- 
wischten Grabinschrift, und auf beiden Seiten von dieser zwei kleinere 
Personen in Mönchshabitus gemalt. Sämtliche tragen Kreuze und 
sind ohne Nimben. 

Wir haben also eine richtige Klosterkirche vor uns, die zwischen 
1059 und 1067 zum zweitenmal durch die Mitwirkung des Proto- 
spathariers Michael, des Mönches Nephon und der Nonne Hekaterine 
mit Fresken geschmückt wurde. Höchst wahrscheinlich haben wir 
unter diesem Protospatharier, einem Divisionskommandeur ohne den 
Excellenztitel Patrikius, den derzeitigen Befehlshaber des kappa- 
dokischen Themas Charsianon vor uns, das um 900 zur selbständigen 
Strategie erhoben worden war, während es vorher eine Kleisurarchie 
d. h. ein Divisionskommando zweiten Kanges gewesen.^) Mehrmals 
haben sich die kaiserlichen Adjutanten als Gründer und Eestau- 
ratoren von Kirchen hervorgetan. Es hat den Anschein, als wollten 
sie sich nach dem Bildersturm durch Beweis ihrer orthodoxen lürch- 
lichkeit die Gunst ihrer allerchristlichsten Herren sichern.^) 

Ein Ensemble von drei Höhlenkirchen gegenüber an der andern 
Talwand wird unter dem Namen der B e 1 i k 1 i s s e zusammengefaßt. 
Einstige Wohnräume und Kapellen liegen in mehreren Stockwerken 
übereinander, Arkadenfassaden führen teilweise in das Innere dieser 
Felsanlagen. Nach außen hin ahmen diese TufEkegel die Form der 
Kuppelkirchen nach mit Langhaus und Dach darüber. Der Tambour, 



^) Gelzer, Die Genesis der byzantinischen Themenverfassung. Abhandl. 
der Sachs. Akad., phiL-hist. Kl. XVIII (1899) p. 93f. — Nicht zu verwechseln 
ist damit das kleine Thema Kappadocia II, welches die Militärgrenze um den 
Hassandagh herum bildete. Ib. p. 103 und angehängte Karte. 

*) Vgl. Byzantinische Zeitschrift 1894 p. 3. (Strzygowski, Inedita der Archi- 
tektur und Plastik aus der Zeit Basilios I.) — Texier-Püllan, Architecture Byzan- 
tine p. 112. Die Razandjilar Djami, von Texier irrtümlicherweise Saint-Bardias 
getauft. MiLLET bei A. Michel, Histoire de Tart. I, p. 147. 



140 Uie Beliklisse im Wandere 

in den Achsen von Fenstern durchbrochen und mit einem Zahn- 
sGhDittg:esims bekrönt, welches die Balkenköpfe erkennen läßt, ist in 
der AVeise des quadratischen Plattenbelags behandelt etwa wie unter 
den phrygischen Felsengräbern dasjenige von Hairan Veli (Maltasch). 
Auch die polychrome Bemalung der äußern Kuppel ist noch teilweise 
gut erhalten.^ Schächte und heute meist zerstörte Wendeltreppen 
ermöglichten den Zugang von einem Stockwerk zum andern.*) 

In auffallend grünlichen Farben ist das eine Kirehlein bemalt, 
welches in der höchsten Spitze eines solchen Felsturmes eingehauen 



ist. Nur die Verkündigung und die Darstellung im Tempel sind 
noch leidlich erhalten. Die innern Wände, durch Blendnischen be- 
lebt, tragen über einem weitvorkragenden Zahnschnittgesims das 
Tonnengewölbe.^') 

Der gleiche kunstbeflissene Mönch muß auch die zweite dieser 
Höhlenkirehen ausgemalt haben, da Stil und vorherrschender grün- 
licher Ton der gleiche ist. Pfeiler mit Dreiviertelsäulehen an den 

■) Siehe Rebeb in den Ahhandl. der Bayr. Akad. d.W. III. Kl. XX[, Tafel IV. 
^ Siebe aucb den Lichtdruck im DUchst«D Heft. 

') Konstantin und Helena mit dem Kreuz ziriecben ihnen. Prokot>, Orest 
iiud Anastasia waren noch, teilweise nach den Beisehriften, zu deuten. . 



Die Beliklisse im Soandere 141 

Ecken teilen den kleinen Raum in drei tönnengewölbte Schiffe, dessen 
Wände wie üblich durch die Hufeisenarkaden gegliedert sind. So 
reich einst auch der Freskenschmuck dieses Kirchleins gewesen ist, 
so ist heute doch das meiste untergegangen oder die Farben in 
diesem von Wind und Wolken umzogenen Kyriakon erblindet oder 
oxydiert. Die blauen landschaftlichen Hintergründe sind jetzt tief- 
schwarz geworden. 

In der Lunette der Westwand nach der Talseite hin ist die 
seltene Szene des Zachäus, der vom Baume herabsteigt, dargestellt : 
ZAKXeA CnenYON KATABIGI C?iM€PON 6N 



•■<•■# 






Co iit! Nfc- MHI^I {Za'AXcua anevaov yMtdßfj&t, arjfiegov iv rqt 
oix(p aov Sei f,i6 ^üvai).^) 

An der Tonnenwölbung stehen Petrus und Paulus vor dem Kaiser 
Nero, hinter dessen Thron eine weibliche Gestalt. 2) Von der sehr 
verblichenen Beischrift war noch zu entziffern: ///////NO?? PIC//////// 
NePONOc BACIA6ÖOC AN6TACI TÖC AHÖC n6TPON KC 

HAB AON (. . . . NeQCJVog ßaatliwg uv\i\xa^u rovg äylovg IliTqov 
xal IlnvXov). 

Hernach werden die Apostel ins Gefängnis abgeführt: flETPOC 
Ke HABAOC eN TH (t)¥AAKH. Die Schlußszene zeigt wieder 
die beiden Apostel mit einer Begleitperson und einer liegenden 
Gestalt. Beigeschrieben sind die Worte: 

KOPH BACIAIOC HYPCCÖCA {Kögi] ßaaiUiog nvqi\p\öovaa). 

Die Darstellung hat keine Parallele in den bekannten apokryphischen 

Erzählungen, auch nicht in den Petrus- und Paulusakten (ed. Bonnet). 

Im zweiten Feld der Wölbung treffen wir Johannes vor Grotten 

in einer Berglandschaft. Ein Engel gibt ihm den Befehl zu taufen : 

ißANNHc e^CAee 6k TIC ep iMö zm ec to bacdthc 

MAN ('IcDccpvtjg iield-B ix rijgr iQ/ffiov, ^?Jr«^ eig xo ßdnxiafAct). Weiter- 
hin kniet eine Person vor einer andern. Es ist die Wiedergabe von 
Matthäus 3,14, deren bildliche Darstellung in dieser Weise wir später 
nochmals in besserer Erhaltung antreffen werden. Das h. Abend- 
mahl und die Kreuzigung an der andern Hälfte der Tonnenwölbung 
kann man eben noch mit Sicherheit deuten. Im Chor steht Christus 
zwischen Maria und Johannes, darunter der Kreis der elf Apostel. 
Das Hauptschiff bringt ein rätselhaftes Bild: Zwei Männer 
kommen zu einem bärtigen Mann, der vor einem Portal sitzt. Mit 
der Flucht nach Ägypten , der Anbetung von Hirten und Magiern 



*) Lukas 19, 5. Unter den dortigen Varianten auch die. unsrige. 
*) Abb. im andern Heft. 



142 



Die Beliklisse im Soandere 



und der Darstellung Jesus im Tempel ist der Kreis des Erhaltenen 
und Bestimmbaren erschöpft.^) 

Das hintere, dem Berginnern zugewandte Schiff ist wie öfters 
ohne Fresken geblieben, auch die architektonische Ausführung ist 
lässiger durchgeführt. Denn es bildet eigentlich nur einen Vorraum 
für zurückliegende Wirtschaftsräume. Gleich dahinter trafen wir 
ein großes Kelterhaus an, mit amphorenartigen Vertiefungen im 
Boden, die ehemals mit Mörtel verpicht waren. Auch ist diesem 
Kirchlein, — eine Seltenheit in diesem Höhlengebiet — , ein Narthex 
vorgelegt. 



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Abb. 44. Plan des Sftalenamganges der Beliklisse. 

Die dritte der drei Bell genannten Tuffpyramiden ist die merk- 
würdigste des ganzen Soandere. Ich zählte sieben Stockwerke, die 
übereinander ausgehöhlt sind, darunter ein freskengeschmücktes 
Kirchlein. In der kleinen Kuppelbasilika im Kreuz sieht man als 
geringen Rest vieler Malereien: Die Verkündigung, die Begegnung, 
die Fluchwasserszene, die Geburt mit der Anbetung von Hirten und 
Magiern, die Flucht nach Ägypten und den seltenen Kindermord 
von Bethlehem. Die Kuppel auf Tambour und Säulen ist auch in 
der Felsspitze außen als solche kenntlich gemacht. Im Innern 
schwebt von ihr der Pantokrator hernieder, den die Apostel be- 



*) Dazu kommt die Reihe von Heiligen : Priskus, Akakius, Sakerdon, Elpi- 
dius, Candidus, Hesvchius, Meliton, Katidianus, Leontius, Theodor, Mamas, 
Tarachus, .Domnus, Theopiste, Konstantin und Helena, Hippolytus, Smaragdus, 
Eustathius, Justus, Theopistus, Eustratius, Agapius, Kosmas und Damian. 



Abb, 4». SaulcnumguDg der BellklliH im Soinden. 

gleiten. Nach Norden leimte sich noch ein kleines Paraklission an, 
von dessen zerstörten Malereien außer dem Simon Stylites sich nur 
die Stifterflgur erhalten hat mit bei dem beistehenden Bittgebet: 

K€ BOIGI ton SISAON Co MIAAPION 
K(vgt)i ßor,&ti tÖv öovKöv cov MtjXä^iov. 

Unter diesen beiden Kirclienanlagen ist ein kreuzgangartiger 
Baum ausgehauen (Abb. 45) Unverminderte Säulen mit wiirfel- 
artigem Kapital bilden einen allseitigen Umgang, der am ehesten 
an das Peristyl des antiken Hauses erinnert. Die Decke ist durch 
Tonnengewölbe über einem rohen Zahnschnittfries gebildet. Leider 
sind die hufeisenbogigen Arkaden teilweise zusammengestürzt. Vier 
südöstlich gerichtete Apsiden liegen nebeneinander und sprechen 
deutlich für die kirchliclie Bestimmung auch dieser seltsamen An- 
lage. Durch eine Nebenkapelle schreitend stieg man auf einer 
kjmstgerechten engen Wendeltreppe zu den Wolin- und W'irtschafts- 
räumen der tiefern Stockwerke hinab. 

Noch einige hundert Schritte aufwärts trafen wir die letzte 
Felsenkirche des Haupttals, die Tschanavar- oder Wolfskirebe. 
Der ganze vordere Eingang ist vor kurzem durch einen von der 



144 Die Tschanavarkirche 

Höhe lawinenartig niedergegangenen Felsblock zerschmettert worden. 
Der Typus ist wieder derjenige der zweischiffigen, tonnengewölbten 
Grabkapelle. Unter den Pfeilerarkaden sieht man erbrochene und 
durchwühlte Gräber im Boden. Im nördlichen Eaum war an der 
Wölbung die Geburt Christi und die Darbringung im Tempel groß- 
zügig dargestellt. Den größern Teil des Südschiffes nahm das Welt- 
gericht ein. Noch sieht man Christus mit dem Kreuzszepter, vom 
blauen Mantel bekleidet, zu beiden Seiten seine Apostel auf Stühlen 
und dahinter Reihen der Vollendeten mit Kerzen in den Händen. 
Blumen und goldene Palmbäume deuten das Paradies an. Die Erz- 
väter Abraham, Isaak und Jakob mit Seligen in ihrem Schoßt) 
vollenden den Kreis dieser grotesken und sehr zerstörten Darstellung. 
Der Chor bringt die ebenfalls demolierte göttliche Liturgie mit dem 
segnenden Pantokrator darüber, mit Maria und Johannes zur Seite. 
Qualitativ gehören die Fresken dieser Höhlenkirche zu den primitivsten 
im Soandere; abstoßend häßlich sind die ungeheuren Nimben, die 
schematischen Barte und das öde Blaugrau der Gewandfalten. 

An der Akkilisse zweigt sich links ein kleines Tälchen ab, 
das wir hinaufwandern müssen, um die letzte der erwähnenswerten 
Höhlenkirchen dieser Gegend kennen zu lernen. Auf dem Weg 
dahin kommen wir an der halb zerstörten Eustathiuskapelle vorüber, 
deren geringe Freskenreste durch Smirnow bekannt wurden.^) 

Die Inschrift über dem ßeiterheiligen lautet: 

^e^rfiAÄTeToCOAvnSäcnA-O'Mo 

cmi-^rüÄToKßciAZrsTNCKi 

niÄHH- 

@ercT2i-^ioc 

"^ n AAKUA AT IM iAlOKlC 
eNeKÄlMCKHZlPHMieN 
T0300TVTOo$'e'H4eCT- 

[K](iJ^i)6 y)vkatTe Td{v) a6{v) Sov{kov) *Iw{dvvijv) {7tQWTo)ana&dQto{v) 
enl t{ov) XQ^{o(pv?Mxiov) vnaTo{v) xal öTQarrjyov xov 2xB7iiöfjv{?). 



^) Brockhaus, Die Kunst der Athosklöster p. 142. 

*) Strzygowski, Kleinasien p. 203 u. Journal des Minist, f. Volksauf kl. (russ.) 
328 (1900) p. 35. 



Die EuBtatliiuskapelle im Soandcrc 145 

Der zweite Teil dieser Inschrift ist wieder wörtlich den Akten 
des heiligen Eustathins entlehnt.') Hinter der Kapelle liegt ein 
tonnengewölbter Kaum, dessen Gurtbögen von kreuzgeschmückten 
Wandpfeilem aufsteigen (Abb. 46). Ein Templon ist aus dem Felsen 
geschnitten, das bis zum Chorbogen reicht. Vor kurzem hatten unsere 
türkischen Begleiter eine Ttiffplatte wenige Schritte von diesem Ort 
ausgegraben, welclie eine rohe Inschrift aufweist. Sie ist das 
einzige lapidare Zeugnis eines geschichtslosen Menschen Volkes, des 
Mönchstaates, welcher diese Felseinöden bevölkerte. Die in solche 
grausige Romantik flohen, waren wirklich lebenssatt. Nach dem 
hier wiedergegebenen Original lautet die übertragene Inschrift: 



+ 'Exoiftrjif^ij o SoiHoe) lov tttov Kofivtjvög xat ftaxaQi{wzaioe) 
^ve + Snov {ä)va)'vwa&ij.^) 

Wo dieses kleine Seitental in einen toten AVinkel ausläuft und 
der grausig schönste Fleck des ganzen Soandere ist, fanden wir die 
Kirche der Heiligen Barbara, wie die früher besser erhaltene. 

') >^iebe auch oben p. 131. 

-; Da, wie mir Oberkon BiahiriHlnit D. Ph. Meter freundlich mitleilt, der Titel 
liaxufio/tKTos Kaisern und Bischöfen zukommt, so halten wir in die^^em Komnenos 
einen Episkopus vor uns. der sich in dii's iibgele^'eue Klosterland zurUukzog und 
im Jahre 897 hier sttirl). 

«0.1, KUina.i.>l.chen,nkn,^,1er. 10 



146 Die Felseukircbe der H, HRrbor» 

auf Stuck gemahe Inschrift inwendig Über der Eingangstiir diesen 
Raum nannte. Mit Sicherheit ist jetzt nur noch zu lesen: 

/,' ////;V///PAC : eniBACHAHACKO ? ? ? ANTHN8 ? ? ? ? AC ? V V ? 8 

€ ? C€ ? ? HI* ? ? ? ? H ? ? ? ? H ? O ? ? AP ? ? MMAHö ■ -. HChCTAC 

€ AH ACYN APOMHCB ACH Aeiö Alo AecnoTö^en V e ? ? ? V V V 

ANArHNÜCKONT6CeYXeCT€YnePAYTÖAIA5NKN. 

y'Avtxatvia&t) oder ixaXXie^y^&ri 6 nävetnzoe vadi lijs äyiag BttQßä]- 

gag int ßaatXtias Ku>\yaT\avTivov [xat £]a0[iAc<]oi' ttT,(ös) 

Maiov .... «' Sta awSQOfiiie BaaiXüov 5toSi<sn\6T^ov xai .... \0i'\ 
avayi{}')»iäaxovTts tCxta&t vni(> txvTot Sia tö{v) K{vqio)v.'^) 



Zwischen it7ti und 1028 wurde also diese Höhlenkiixhe ansge- 
lualt. Sie selbst kann wie aucli die Earabascliklisse schon längst 
vorher ausgehaiien gewesen sein. Eine untere Freskenschicht war 
nicht nachzuweisen. Nach der Äussclimnckung wurde seitlich eine 
kleine sepulkrale Kapelle und unter dem Arkadenbogen ein großes 
Grab eingeschnitten, wo wahrscheinlich einer der Mönche dieses 
Felsenkirchleins beigesetzt wurde. 

An der Tonnenwölbung der Decke mit dem doppelreihigen 
Bilderzyklus erblicken wir in leidlicher Erhaltung zunächst die 

■} Vgl. rmmK im UuBsiachen Journal <),.•» Minist, für Volksaufkl. 32S aSOO) 
p. 35. u. F'aksimile im Anhang dni^FlIisl, H-onut.'h ich tli-ii Anfati); er^iinzte. Obige 
.-Abschrift ist mi'hrfiiL-h geiiiiurr. 



Die Felsenkirche der H. Barbara 147 

Verkündigung. Maria hat sich vor dem Engel Gabriel, der mit 
Szepter in der Rechten genaht, von ihrem Purpursessel vor dem Haus 
erhoben, wo sie „das Gold und den Bergflachs und die Baumwolle 
und die Seide und das Purpurblaue und das Scharlachrote und 
den echten Purpur" für den Tempelvorhang spann.*) Bei der Heim- 
suchung, O ACriACMOC (o ccanaafAog- tijg x^botoxov fietd rtjg 
'EiiaaßBT)^ und dem Trank des Prüfwassers ist die Architektur 
durch Kanonesbogen angedeutet. Die letztere Szene ist entsprechend 
dem apokrj^phen Text als Doppelbild gemalt. Bei der Reise nach 
Bethlehem in der westlichen Lunette treffen wir wieder den Sohn 
Jakob, der die Eselin führt. Bei der Geburt auf der zweiten 
Deckenhälfte baden Mea und Salome das Kind in einem großen, 
mit Perlen besetzten Becken, während rechts, dem Engel folgend, 
die Hirten mit langzottigen Schafen nahen. In der Szene H ANA- 
CTACHC überschrieben, befreit Christus Adam und Eva die Hand 
reichend aus der Unterwelt (Abb. 47). Auch David und Salomo, 
Kreuze in ihren Händen tragend, werden durch ihn erlöst, der in 
Mandorla mit Kreuzszepter auf den gefesselten Teufel tritt, dessen 
Pforten er zerbrochen hat (O AAHC), Die Nebenfiguren mit den 
Beischriften I N6KPY €K TON MNHMATON (oi vexgol kx xwv 

fivrjfiärwv) und ANICTANTOJ {aviöxavttüv) erläutern die Erzählung 
des Matthäusevangelium (27, 52). An der Unterwand stehen zu 
beiden Seiten des doppelarmigen Kreuzes Konstantin und Helena. 
Ein schmaler Streif von Büsten in Medaillons zieht sich zwischen den 
beiden Freskenreihen am Scheitel der Wölbung hin; die Kirchen- 
heiligen bedecken ringsum die Unterwände und sind infolge ge- 
waltsamer Zerstörung schwer wiederzuerkennen.*-) 

Im Chor sitzt Christus auf kostbarem Thron, von den Evangelisten- 
symbolen umgeben, Adam und Eva nahen sich in Proskynesis, und 
Cherubim verhüllen ihre Gestalt mit den Flügeln. Unter ihnen 
sieht man auch den Tetramorphos, jene auf Grund von Hesekiels 
Traumgesicht geschaffene zehnte Engelordnung, deren Gestalt aus 
den vier Evangelistensymbolen, einem Löwen, einem Ochsen, einem 



*) Die A!)b. dieser und der nächsten Szenen im andern Heft. — Protevau- 
gelium des Jakobus cap. X. (Hennecke, Die neutestamentl. Apokryphen.) 

*) Nach den Beischriften entzifferten wir außer den Prophetengestalten; 
Kumutus, Athenogenes, Leontius, Basilius, Blasius, Hierarchus, Nikolaus, Theo- 
phylaktus, Menas, Viktor, Vincenz, Nike])horus, Probus, Paraskeue, Katharina, 
Anastasia, Panteleemon, Herniolaus, Niketas, Theodor, Merkurius«,Prokopius, Theo- 
dote, Cosmas und Damian, Sabas, Georg, Theopistus, Agapius, Barbara. Michael 
und ('hristophorus mit Stein und Palme. 

10* 



Adler nnd einem Menschen gebildet ist mit Augen in den Flügeln,') 
Feiienäder, H TPOXV (oi tqoxoi), sind nach Hesehiel die Begleiter 
jener phantastischen AVesen. Der Eeigen der Apostel schließt nach 
unten hin den himmlischen Kreis. Die Decke des kleinen Korridors 
schmückt ein perlenbesetztes großes griechisches Kreuz mit A und 
St. die Lunette darunter die Gottesmutter mit Kind, von zwei 
Engeln begleitet. 

Ein eisiger Wind pfiff vom schneebedeckten Ei-djas herüber, 
und die Wolken fegten unter uns durchs Tal, als wir von dieser 
Stelle aus die steile Hochfläche erklommen, die Pferde hinter uns 
heraufziehend. Oben belohnte eine weite Femsicht zum zweigipfligen 

') .\\i\>. im iiiifhstfii lieft. — Brockuaix Die Kunst ticr .itiiosklöster ji. 154, 
- MiiU.rb. *..iu B.Tg .Athoä i;"3- 



Die lieorgskirchc von Ortakoi 149 

Hassandag:h , zum Taarus, zum Argäus und bis zu den nord- 
kappadokischeii Hocliländern bin. Durcli einen tiefen, künstlicli 
hergestellten Schluclitenweg stiegen wir nacli wenig Stunden ins 
Tal von Ortakoi hinab, das von den Griechen Potamia genannt 
wird. Im säubern Griechendorf, das auch Derekoi getauft ist, 
weckte uns am nächsten Morgen das anheimelnde, seit A\'oclien 
nicht mehr vernommene Glockenläuten. Denn klanglos beginnt dem 
Moslem der Tag. 

Am südlichen Hang über dem Bach, von einer hohen Mauer 
umzäunt, liegt außerhalb des Dorfes die angebliche Heimatkirche 



des 8t. Georg. Denn Ortakoi gilt als die Geburtsstätte des kirch- 
lichen Nationalhelden Kappadokiens. Trikonchenartig ladet die 
kleine Kirche in drei Apsiden aus, die außen fünf- bezw. sieben- 
seitig ummauert sind. Die Chorwand von 0,85 m Stärke erhebt 
sich auf einem 1,60 m hohen runden Unterbau, der unter Ver- 
mittlung eines durch Hohlkelile und Rillen profilierten Gesimses 
ins Heptagon übei^ht. Kleine Pfeiler mit - 4 Säulchen darüber 
schließen die Ecken des Chors, dessen ganzer Oberteil in späterer 
Zeit höchst lottrig umgebaut wurde. Auf vier massigen AVand- 
pfeilern lagert über einem hohen Tambour die flache Kuppel, 
während die Konchen durch Halbkuppeln abgedeckt sind. Die 
außen achteckig ummantelte Trommel ist durch breite Blendbogen 



150 Die (leorgskirche von Ortakoi 

gegliedert, in ihren Achsen sind vier schlitzförmige Fenster ein- 
geschnitten. Nach oben hin endet sie in einer zweifach geglie- 
derten Dachbekrönung. Durch drei schmale Öffnungen im Chor der 
genau nach Osten gewandten Kirche dringt nur spärliches Licht 
ins Innere, dessen Finsternis durch die fimisartige Schwärze der 
verrauchten Wände noch vermehrt wird. Der Heilige Eustathius 
zu Pferde, ein anderer Eeiterheiliger, Gregor, Johannes und die 
Panagia mit dem Kind im Chor ist alles, was man mit einiger 
Mühe auf den einst zweimal mit Fresken geschmückten Mauern 
erkennen kann.^) Die Eliaskirche von Salonik, die Mellet gegenüber 
Texier ins XIV. Jahrhundert herabsetzt, bildet das Gegenstück der 
Georgskirche von Ortakoi, deren Typus zweifellos auf die Trikonchen- 
kirchen des Athos zurückgeht.*) 

Durch eine hübsch verzierte Tür des tonnengewölbten Lang- 
hauses gelangen wir in einen etwas späteren Vorraum, ein Para- 
klission, dem in jüngerer Zeit nochmals eine Eingangshalle im Spitz- 
bogenstil vorgelegt wurde. ^) In der Nische des kleinen Neben- 
kapellchens sind drei Personen gegen Ende des XIII. Jahrhunderts 
beigesetzt worden. Die darauf bezüglichen, in die Chornische ge- 
malten Inschriften lauten: 

'Exoiiirß-i^ o dovlog xov &bov Jovxag vlog xov FQrjyoQtjj irovg gwä 



e f^6) i ß KÄ^r f -öT^ KYA i n 



*ETQvg gwa kkoifir&{tj) 6 dov{kog) tov &bov Kovlin f4o{vax6g). Avi- 
&eTO xal avT6{g) iv T{ri) ayi(f /*o(vi}) Tr]g M{f]TQ6g) 0(«ot)(?). 

^) Unter der 1 cm dicken Oberschicht liegen noch Malereien auf 7 mm 
starkem, feinem Kalkstuck. 

2; MiLLET, Kecherches au Mont- Athos, in B. C. H. 1905 p. 87. — Texiek- 
PuLLAN, Architect. Byzantine PI. LH. 

^) Abb. der Georgskirche und dieser Tür im andern Heft. 



ßascbkoi und Mauridjankoi 151 

eH Äi^T 6TC KoM OCX U HC J h^^C-e- 

H iC£Ne NT H^ n^ fjf W xi K H ('^ JC^ 

'Ev r^ avT^ i'TB{i i)xoi/iiii&{fj) d aaxxiXtjg (?) rot/ fi{ovaaTi^Qlov) 

Die Georgskirche in Ortakoi ist also spätestens im XIII. Jahr- 
hundert erbaut worden. Sie ist ursprünglich aus einer Höhlenkirche 
hervorgegangen; denn hinter ihr zieht sich westlich eine kapellen- 
artige Anlage mit Nebenräumen in den Fels hinein, in der Jahr- 
hunderte vorher wohl auch einmal ein Anachoret hauste. 

Die beiden andern Kirchen außerhalb des Dorfes, die des Kon- 
stantin und der Panagia sind ebenfalls klosterartig von Mauern um- 
schlossen, die letztere endet wie die Georgskirche mit siebeneckigem 
Chor. Vom Besuch der auf der Höhe befindlichen, auf Kiepert's 
Spezialkarte als Tscharink Kilisa bezeichneten Tschanliklisse sahen 
wir ab, da dieselbe nach mehrfachen Versicherungen der Griechen 
von Ortakoi ein Trümmerhaufen geworden ist.^) 

Eine halbe Stunde westwärts das Tal hinauf, liegt das Dorf 
B a s c h k i , von den Griechen Katabassos genannt, mit einer halb- 
verwilderten türkischen Bevölkerung. Bergstürze, welche täglich 
die ärmlichen Hütten bedrohen, haben eine Reihe von fi'esken- 
geschmückten Kapellen zertrümmert und begraben. In dem von den 
dortigen Türken Tschukurklisse getauften unterirdischen Kirchlein, 
in dessen feuchten Raum wir rückwärts durch ein enges Loch hinab- 
rutschen mußten, trafen wir außer verdorbenen Malereien nur ver- 
stümmelte Inschriften, darunter ein Bittgebet des Mönchs Scholarios 
und einer Nonne, Monogramme und Kreuzsymbole. Konstruktiv war 
überall der Hufeisenbogen angewandt. 

Von dem rührigen Griechendorf sticht sehr ab das talabwärts 
gelegene Nachbardorf chen Mauridjankoi, das sich in christlicher 
Zeit höchst wahrscheinlich nach dem Mohrenheiligen nannte. Indessen 
war die noch erhaltene, aus einer Höhlenanlage hervorgegangene 
Kirche inmitten des Ortes dem H. Eustachius geweiht. Heute dient 
sie der türkischen Bevölkerung unter dem Namen Eski Djami zur 
Moschee (Abb. 49). Die fast östlich gerichtete Kuppelbasilika im 



*) Levidis, AI iv fiovoXid^ois novaL p. 137. — Auch bei Ainsworth, He- 
Bcarches p, 207 als ,Chiring Kilisa'* erwähnt. 



152 Die Eski Djami in Manridjankol 

Kreuz ist von Längs- und Quertonnen überdeckt, über deren Durcli- 
scbneidung sich der Tambour allein heute frei über Schutt und An- 
bauten erhebt. Er wird von vier Pfeilern getragen, von denen jeder 
ein anderes, mehrfach profiliertes Kapital aufweist. Der Innenraiuii 
wird außer den vier schmalen Schlitzfenstem des Tambours nur von 
einem Fenster der erneuerten Südwand erhellt, weshalb aucli die 
erhaltenen Malereien der Kuppel oline Leiter schwer zu deuten 
sind. Der -aus Quadern errichtete achteckige Tambour mit seiner 
flachen Kuppel ist noch völlig erhalten. Jede Seite mit schmalen 



Fenstern und Kreuzreliefen in den Achsen ist durch eine Blendnische 
im schwachen Hufeisenbogen belebt. Die Kreuze wie die zickzack- 
verzierten Kapitale der Eckpilaster und das mehrfach abgestufte 
und tief gekehlte Kranzgesims tragen noch deutliche Spuren roter 
und grüner Malereien.') In die Westseite der Kuppehvölbung ist 
eine sehr verstümmelte christliche Inschrift auf eine Kalksteinplatte 
eingehauen, deren Umrahmung oben im Hufeisenbogen schließt. Auf 
dem Mesarlyk liegen ebenfalls alte marmorne 'Werk- und Pfeiler- 
stflcke mit angearbeiteten Halbsäulen zwischen überirdischen und 

■) Breit« einer Oktognnseite i.f^O m, Höhe di's Ilaiiptgi-alitiH'a 0,3.^^ m, nod 
der BlendboRen 1,45 iii. 



Höhlenanlagen im Tal von Ortakoi 153 

eigentümlich geformten Sarkophagen, die aus dem gewachsenen 
Felsen gemeißelt sind. 

Wir untersuchten noch eine ganze Reihe von Höhlenkapellen 
in dieser Gegend, die einst alle bis auf das aus Stein gehauene 
Tempion ausgemalt waren, merkwürdigerweise aber gerade hier, 
wo orthodoxe Christen wohnen, sehr zu Grunde gerichtet sind, obwohl 
sie von den Griechen teilweise noch benutzt und am Tag des 
Heiligen die liturgische Feier daselbst abgehalten wird.- Nichts 
mehr der Erwähnung Wertes bieten die Kapellen des Pantelemon, 
des Charalambus, der Panagia, die Doppelkirche des Michael, die 
des Chrysostomus und die Kapalyklisse, deren doppelschiffiger Raum 
einst dekorativ schön ausgeschmückt war. Auch Felsenwohnungen 
mit ehedem bemalten Fassaden übergehe ich. In der Barbarakapelle 
an der südlichen Bergwand unterhalb Ortakoi fanden wir das 
einzige Mal die sieben Jungfrauen an der Ikonostasiswand, EPITA 
nAP06NY, daneben links Joachim und Anna mit Maria auf dem 
Schoß dargestellt mit der Beischrift: 

OTeAneAwei 'Oib icntöo&i} 

6NT0NA00C kv t« vaw dg 

TPIGTH-JOY TQUTiCovaav Saudhiv. 

CANJiAHAAhN 

Die Speisung der Heiligsten im Tempel durch den Erzengel Gabriel 
erklären die hinzugemalten Worte: 

K6AAB0YCATP0ct)H/// / Km Xaßovöa rgo^fM 

6KX6IP(jJCAI /'////7/ ix x^Qog aririlovy) 

Am Mittag waren wir wieder an der untersten Talverzweigung 
angekommen, wo die oben erwähnten Gräber stehen. In dem be- 
nachbarten Miskiantschartschisi, das nur von einigen Hirten 
bewohnt wird, untersuchten wir noch einige Höhlenkapellen, die alle 
östlich orientiert, mit Tonnen auf Gurtbögen gewölbt und deren Por- 
tale teilweise mit alten Wandkritzeleien versehen waren, denen kein 
Sinn zu entlocken ist. Arkadennischen beleben die Tuffwände, und 
die Form des Hufeisenbogens herrscht im Grund- wie im Aufriß. 

Als wir dem Argäus zu zogen, konnte ich nach den Unter- 
suchungen der letzten Tage als sichere Resultate feststellen, daß 
es sich bei den Anlagen dieser Täler der Hauptsache nach um 
Anachoreten- und Mönchsniederlassungen handelt, denen sich in den 
schlimmen Zeiten der Arabereinfälle auch Laien zugesellten. Mit 

^) Vgl. Malerbuch vom Berg Athos § 391. 392. 



154 Rückblick auf die Höhlenkircbon im Soaudere 

dem V. Jahrhundert scheint das mönchische Leben hier begonnen zu 
haben. Zwischen 500 und 800 sind wohl die meisten dieser Kirchen. 
Kapellen, Grabhäuser und Wohnungen systematisch ausgehöhlt worden. 
Den christlichen Ursprung der Anlagen beweisen die fast samt und 
sonders östlich gerichteten Kirchenräume, um die sich die übrigen 
Bauten herumgruppieren. Das sdiließt nicht aus, daß nicht schon 
in vorchristlichen Jahrhunderten Troglodyten hier vorübefgehend 
hausten. Was wir heute jedoch sehen können, ist die Geschichte 
einer Mönchskultur und Anachoretenarbeit. Im Soandere läßt sich 
eine noch bestehende vorchristliche Anlage nicht nachweisen.^) 
Weltentsagung oder Not trieb einzig in diese Einöden und Schlupf- 
winkel, und wenn Stallräume hier wie in den Anlagen um Urgtib 
herum fehlen, ist dies ein neuer Beweis für die Entstehung dieser 
Höhlenbauten zur Zeit des kappadokischen Mönchtums. Dies ist. 
denke ich, näherliegend als der Schluß: Weil die Bewohner dieser 
Gegenden gar nicht oder nur geringe Viehzucht getrieben haben, 
sind sie „die turanische Urbevölkerung" gewesen.*) 

Vorikonoklastische figürliche Fresken sind nicht vorhanden, da 
höchstens eine primitive Dekorationsmalerei bis zum Ende des Bilder- 
streites geübt wurde. Die Hauptmasse der späteren Zyklen stammt 
aus dem X. und XL Jahrhundert. Die Datierungen, der ziemlich ein- 
heitliche Stil, der engumzogene ikonographische Kreis und die gleich- 
mäßige Technik ermöglichen die zeitliche Abgrenzung dieser auto- 
chthonen Mönchskunst. Jugendliche und weibliche Gestalten sind auf- 
fallend schön behandelt, namentlich die Heiligenbüsten in den kleinen 
Medaillons. Um so geschmackloser sind die ehrwürdigen Gestalten 
gemalt. Der Pantokrator, die Erzväter und Apostelfürsten sind oft 
geradezu widerwärtig moros wiedergegeben, was nach byzantinischen 
Begriffen das Feierlich-Erhabene ausdrücken sollte. Den trockenen 
Tuffwänden verdanken wir einzig die leidliche Erhaltung einer ver- 
hältnismäßig großen Anzahl von Fresken in den für Wind und Wetter 
offenen Felsenkirchen. Noch haftet im Gedächtnis der Bewohner die 
Sage, daß „Brussianer" und „Adjemler" in diesen einsamen Tälern 
gehaust haben, die das ewige Licht spät erhellt und in die sich 
früh kalte Schatten senken. 

') Belck, in den Yerhandl. der AnthropoL Gesellschaft zu Berlin. 1901 
p. 501. 513, will im Soandere einen schön gewölbten, heidnischen Tempel ge- 
sehen haben. Ich bin eine Woche lang in allen Löchern herumgeklettert und 
kann mich nicht erinnern, einen solchen bemerkt zu haben. 

') Belck ib. p. 520. — Zum Vergleiche ziehe man auch die Höhlenbauten 
Syriens heran. J. G. Wetzstein, Reisebosehreib. über den Hauran und die 
Trachonen 1860 p. 44f. 



Von Soandere nach Caesarea 155 

Durch die von der Sonne ausgebrannte Steppe ritten wir in 
heißer Mittagsglut nach I n d j e s u. Die große Straße, von endlosen 
Kamelskarawanen belebt, ist verfallen oder teilweise vom Flugsand 
überdeckt, und eigensinnig suchen sich Mensch und Tiere ein Dutzend 
Nebenwege, um die harte Schotterung zu vermeiden, die immer noch 
auf die Walze wartet. Hat man eine niedrige Barre, die vom Erdjas 
her über die Ebene läuft, hinter sich, dann winken aus der Nähe 
die Rebenhügel von Indjesu, deren Trauben einen köstlichen Saft 
liefern. Malerisch ist das Städtchen mit seinen Moscheen, Bädeni 
und Chanen in den Felskessel hinangebaut. Von der Karawanserei 
Kara Mustafas schrieb schon Sieur Lucas, daß sie gegen tausend 
Personen mit ihren Pferden aufnehmen könnte. i) Zu den riesigen 
Gewölbebauten dieses großen Chans, an denen man die statische 
Kenntnis ihrer Baumeister bewundem kann, lieferten die hohen 
Sandsteinbrüche um den Ort das herrliche, rotglänzende Material. 

Niedrige Erdwellen und monotone Ebenen überschreitend 
kamen wir am 4. September zum Karasu, dem alten Melas, in 
dessen trübem und langsam dahinschleichenden Wasser schwarze 
BüflFelochsen Kühlung vor der Staubhitze suchten. Den engen 
Durchbruch des Melas, der in den nahen Halys mündet, verstopfte 
^inst König Ariarathes hinter der BoghasKöprü und verwandelte 
die Moräste des Flusses in einen See, auf dessen Inseln er sich 
belustigte.-) 

Breiter wird jetzt die Straße, näher treten die Trabanten des 
Erdjas heran, dessen majestätischer Gipfel, heute von einem dünnen, 
silberweißen Gewölk umlagert, in das ruhigste Herbstblau hineinragt. 
Unzählige lärmende Holzkarren und unverschämte, zerlumpte Bettler 
künden die Nähe von Caesarea an. Zwischen kläglich zerfallenen 
Kirchhöfen, durch schmutzige Gassen an niedrigen Erdhütten vorüber 
geht der Ritt Plötzlich werden wir gewahr, daß wir uns inmitten 
Kappadokiens alter Metropole, der zweitgrößten Stadt Kleinasiens 
befinden, in der die einzige Hotelgelegenheit ein wüster, lärmender 
('han ist. Kaisarie machte auf mich mit seinem Chaos von Griechen. 
Ai-meniem, Türken, Tscherkessen und Kurden einen düstern, um 
nicht zu sagen unheimlichen Eindruck. Eine baumlose, grau in 
grau gestimmte Ödlandschaft dehnt sich um Kaisarie aus, das von 
der Höhe wie ein großes Dorf erscheint. Schon Strabo sagt von 
dem etwas höher gelegenen Caesarea-Mazaca und seiner Umgebung 

^; P. Lucas, Voyage p. 142. 

*) Strabo, Geographie 538: „tou MtXavog xard xivu artvcc txovrog xi]v tic 



156 Caesarea und Sindjidere 

mit Recht: ^Aipvig ä* ovv xarä noXXä t6 nZv Ma^axr^vwv x^Q^ov 
ov ngog xorroixmv."*) 

Es war am Vorabend von Sultans Geburtstag. Orientalische 
Musik durchschwirrte helltönig in den Gärten der öffentlichen Ge- 
bäude die Luft und verstärktes Militär trieb sich in den Gassen 
um, da man armenische Unruhen befürchtete. Mir ist auch während 
dieser Monate kein Volk der Welt so keck zudringlich und politisch 
unbesonnen vorgekommen wie diese Armenier, vom Antiquitäten- 
fälscher an bis hinauf zu ihrem obersten Hirten, von der Unehrlich- 
keit und Verlogenheit der Durchschnittsmasse ganz zu schweigen. 
Nur in armenischen Orten mußte ich für unser Gepäck ängstlich 
besorgt sein und nur mit armenischen Chanschis mußte ich mich am 
Morgen oft stundenlang wegen unverschämter Wirtsrechnungen her- 
umbalgen und die beste Zeit verlieren. 

Ruhig, überlegt und im besten Einvernehmen mit der Landes- 
regierung steht der derzeitige griechische Erzbischof Gervasios da, 
der Nachfolger des großen Basilius, dem einst 50 Chorbischöfe unter- 
geordnet waren. In seiner Residenz Sindjidere, zwei Stunden südlich 
von Kaisarie genossen wir eine verschwenderische Gastfreundschaft. 
Statt Politisieren und Phantasieren kennt man dort den idealen 
Begriff des Arbeitens, vornehmlich im geistigen Sinn. In und um 
die Klosterburg daselbst erheben sich ein Gj^mnasium, eine Knaben- 
und Mädchenschule und ein stattliches Waisenhaus. Das Johannes- 
kloster zu Sindjidere (Flaviana) ist das geistige Athen Anatoliens. 
Deutsche Arbeitsweise, deutschen Schulplan, deutsche Bibliothek und 
die wärmsten deutschen Sympathien trifft man hier an. Nicht umsonst 
hat der Vorgänger auf der Ruperto-Carola in Heidelberg studiert. 
Sein Grabmal vor * dem neu errichteten Schulgebäude spricht von 
seinen ausgebreiteten Kenntnissen und seinen Verdiensten um Schule 
und Kirche Kappadokiens. Das mit dem derzeitigen Erzbischof her- 
verpflanzte albanesische Element bietet die Gewähr für einen hohen 
Aufschwung. Deutsche Sprache wird freilich jetzt nicht mehr gelernt, 
weil die deutsche Anatolische Bahn in ihren bereits bestehenden und 
noch über Angora nach Caesarea weiterzuführenden Linien als 
internationale Verkehrssprache das Französische eingeführt hat und 
die jungen Griechen mit ihrem Deutsch nichts anfangen könnten, 
falls sie eine Anstellung dabei wünschen. Im Ausland schämt man 
sich unter solchen Verhältnissen Deutscher zu heißen. 



^) Strabo, Geographie 539. — „Act xa xvxXfo 61 %(OQia ^x^i ttlmg a(poQa 
y.cd icytcagyTixu xuiittQ övza ntötvd^ id)* hßxiv cc^uojdri xccl imoTtetQa,^^ ib. 53^. 



TalHs-MuUlaBke lo7 

Da auf dem Boden des 
alten Caesarea für christ- 
liche Architektur nichts 
mehr zu finden ist als 
kärgliche Trümmer und 
Fimdamentreste, lenkten 
wir unsere Pferde nach 
kurzem Verweilen nach 
Sindjidere.') Draußen vor 
<ler Stadt führte der Weg 
an schönen, dem Unter- 
gang geweihten Bauten 
aus der Osnianenzeit vor- 
über. An den Vorbergen 

des Erdjas ziehen sich die t 

Stützmauern alter \^'ein- g 

berge hinauf, doch lieute | 

gi'ünt nur noch tief unten i 

die Bebe. Hinauf an den j 

steilen Stufen, die aus der I 

Tibene Caesareas in das S 

siidkappadokische Hoch- ^ 

land führen , liegt das | 



Städtchen Talas 
alte Mntalaske, der Ge- 
burtsort des heiligen Sa- 
bas (Abb. äf ). Aus einem 
Troglodytendorf ist das 
heutige Talas entstanden, 
wo noch vor einem Men- 
schenalter eine Reihe fres- 
kengeschmückter Höhlen- 
kirchen aus den ältesten 
Zeiten zusehen waren. Der 
rasche Aufschwung des 
Ortes hat die unterir- 
dischen Heiligtümer weg- 
gefegt oder völlig um- 
gewandelt. Erhalten sind 

.ligen 



i 



s vgl. d[e erwähnte Schrift v 



158 Anastasios Levidis in Siiuijidere 

nur die Höhlenkapellen der Panagia, des Georg und der Koimesis 
mit geringen Freskenresten. Dafür erheben sich heute protzige 
Hochbauten. 

Die amerikanische Kolonie treibt hier wie anderwärts kirch- 
liche und sprachliche Mission , vornehmlich unter den Armeniern 
und ruft, wenngleich in ihrem Sinne schuldlos, eine schlimme Auf- 
klärung hervor, die vom schlauen, materialistisch gesinnten Armenier 
zu seinen Zwecken ausgebeutet wird. In absehbarer Zeit werden 
wieder zwischen den beiden Erbfeinden die Dolche zucken. Denn 
die armenische Frage ist im Innersten diejenige der Macht. Der 
Existenzkampf wird dann den Deutschen wieder in Unschlüssigkeit 
und Unwissenheit überraschen, weil er nicht die unbedingte Freundes- 
pflicht geübt hat, den Türken in erster Linie geistig aufzurütteln 
und zu erziehen. Die Horden der Berge werden jedenfalls wieder 
das allerchristlichste armenische „Märtyrervolk" niedertreten. 

Vom Johanneskloster in Sindjidere aus unternahmen wir 
eine Eeihe größerer Exkursionen in das südliche und östliche Kappa- 
dokien. Anastasios Levidis, ein jetzt halb erblindeter, würdiger 
Greis, unterstützte uns hier mit den ausgezeichneten Studien seines 
Heimatlandes. Er ist der beste Kenner Kappadokiens , das er von 
seiner Jugendzeit an meist zu Fuß durchwandert und erforsclit hat. 
All die hettitischen Denkmäler waren ihm längst bekannt, bevor 
sie zur Kenntnis der europäischen Gelehrtenwelt kamen. Türkische 
politische Engherzigkeit hat nur den Druck von wenigen seiner 
Schriften zugelassen, und umfangreiches handschriftliches Material, 
eine topographische, eine archäologische und eine naturwissen- 
schaftliche Beschreibung Kappadokiens warten Jahrzehnte schon 
auf den Druck. Freilich ist darunter ^iel Veraltetes, viel Spreu 
und viel Ungründliches, allein für den Forscher Kleinasiens würden 
sich manche Goldkörner darunter finden, namentlich weil die rasch 
steigende Kultur des letzten Menschenalters den größern Teil histo- 
rischer Denkmäler in Kappadokien zerstört hat, wie wir auf Schritt 
und Tritt leider negativ feststellen konnten. Levidis hat das Ver- 
dienst, griechischen Geist und Gesinnung in langer Wirksamkeit an 
der Schule in Sindjidere geweckt und verbreitet zu haben. Als echter 
Patriot hat er seine unschätzbare Münzsammlung Kappadokiens be- 
reits testamentarisch an das Kabinett in Athen vermacht. 

Die Klosterkirche des Johannes Prodromos in Sindjidere, 
das die Griechen Flaviana nennen, ist angeblich aus einem Hypo- 
gäon hervorgegangen und im Jahr 1728 unter Sultan Achmet III. 
erbaut worden. Sabas hat hier lo Jahre seines klösterlichen Lebens 



Unterirdische Kirche in Sindjidere 159 

verbracht, bevor er nach Palästina wanderte. Zu seiner Zeit be- 
standen wohl schon die unterirdischen Kirchen der Metamorphosis 
und des Heiligen Georg. Die kleinen, dunkeln und seltsam ver- 
bauten Spelunken reichen ohne Zweifel ins höchste Altertum hinauf 
und werden vom Volk hochheilig gehalten. Die spätem Wölbungen 
der Metamorphosis stehen auf kleinen, teilweise antiken Marmor- 
säulen mit Säulenfüßen als Kapitalen. Ein kleines, reichverziertes 
Skeuophylakion im Chor, ein seltsames Gemisch von byzantinischen 
und orientalischen Mustern, ist leider von Steinfraß und Rauch sehr 
entstellt.^) In der Georgskirche, einer erweiterten, unterirdischen 
Kapelle, wird eine antike Säule wie ein Heiligtum verehrt. Der 
einzige ansehnlichere Rest aus römischer Zeit ist ein teilweise zer- 
störter Marmorsarkophag im Klosterkeller, eine Durchschnittsarbeit 
mit Bukranien, Girlanden und einer weggehauenen Frauenbüste in 
der Mitte der Vorderwand.-) 

Am 9. Oktober bestiegen wir den über 1800 m hohen drei- 
gipf ligen A 1 i d a g h , den Vgog rov ccyiov ßaailslov, der im Altertum 
wegen der beiden am höchsten ragenden Spitzen D i d y m o s genannt 
wurde. Nach der apokryphen Vita des Basilius von Caesarea, die 
fälschlich seinem Freund Amphilochius, dem Bischof von Ikonion zu- 
geschrieben wurde, ließ der Kirchenvater nach dem Durchzug Julians 
des Apostaten die Geistlichen und die ganze Gemeinde des eine 
Stunde entfernten Caesareas auf den Berg Didymos kommen zum 
Tempel der hochverehrten Gottesgebärerin. Im dreitägigen Gebet 
erschien Gregor das merkwürdige Traumgesicht von Julians jähem 
Ende, das er der erstaunten Menge dann mitteilte.'^) Nach dem 
Tode des Basilius wurde auch ihm eine Kirche an seiner geliebten 
Stätte auf dem Berg erbaut und mit Mosaik geschmückt. 

Als wir die mittlere Einsattlung des Alidagh, wo in den Stein- 
trögen einer alten, großen Zisterne das ^^'asser zu Eis gefroren 
war, hinter uns hatten, fanden wir auf dem südlichen Berggipfel 
die erwähnte Ruinenstätte. Freilich sind die Quader meist als 
Baumaterial nach Kaisarie hinabgeschleppt worden, von der einen 

^) Abb. im nächsten Heft. 

*) Auch LEvaDis erwähnt denselben, Ai iv ^lovoXld'oig iiovai p. 69. ,,Jrilov- 
T«i dh Tovro xal ^x iieyccXov ^laQiLccQivov GaQxotpdyov (pegovrog ev^nlhyiux XannQO^ 
Tutov ^xov ißrQS^^iivag xscpaXccg ßo&v y.al iv tw ^liao} ccvocYXvcpov TistpaXiiv yvvccixbg 
igyov dt^iag ;i;fipdff.''' 

8) MiGNE, Patr. Graec. Bd. 29. Prolegomena CC'CIVf. Vergl. auch Combefü 
u. Levidis p. 54. ^^UccQavta ovv nQOGxdtxbi x6) xXi'iQOi xai itavrl xm Xao) xf/g 
jtoXsag avv Yvvai'6,1 ncd Ttaiöioig 6:ytX^btv iv xm OQtL xov ^idvnov Bv&a xiii&xai 
xccl TCQoaxvvtTxai t?*)^ ßtoxoxov Ttdvatnxog raog.''*' 



160 Der Berg des Heiligen Basilius 

Basilika mittlerer Größe stand nur der im Hufeisenbogen angelegte 
( 'hör und ein paar Quaderschichten noch aufrecht, Kammern schlössen 
sich an die des Terrains wegen südöstlich orientierte Apsis an und 
Reste von Pilasterkapitälen lagen unter den Trümmern. Noch vor 
wenig Jahren nahmen hier die frommen Pilger prächtige Mosaik- 
stücke mit sich fort.') Hier hätten wir also ein Beispiel des Huf- 
eisenbogens etwa aus dem V. Jahrhundert vor uns. Ringsum sind 
in den Fels große Zisternen ausgehauen, die mit Tonnengewölben 
von feinster Quaderkonstruktion gedeckt und mit drei Öffnungen 
zum Heraufholen des Wassers versehen waren. Durch Auf- 
mauerungen ringsum wurde das Regenwasser in die Behälter ge- 
leitet. Die gesamte Ruinenstätte läßt sich nur als Mönchsnieder- 
lassung deuten. 2) Die Aussicht von der Spitze des heiligen Berges 
über die mittlere Halysgegend , über die weitausgebreitete Stadt 
zu seinen Füßen, zum dicht dahinter aufsteigenden Argäus, um 
dessen Lenden sich freundliche Griechendörfer mit üppigem Reb- 
bau und sprudelnden Bächen drängen, ist eine entzückende. Hier 
müssen schon die uralten Götter des Landes eine Heimstätte ge- 
habt haben. 

Wir stiegen das steile Trümmerfeld im Süden hinab nach dem 
Dorfe Endürlük, dem griechischen Andronike, aus dem ein an- 
gesehener Lehrer der athenischen Hochschule stammt. Der Besuch 
der näher und ferner gelegenen Basiliken, der Georgskirche mit 
ihrem Hagiasma, der Kusutschakly Ini, der Tschanliklisse und des 
Analipsis- oder Pelemeklosters bestätigte uns nur, daß die letzten 
Jahrzehnte mit ihrem wirtschaftlichen Aufschwung einem großen 
Teil der kirchlichen Anlagen schlimm zugesetzt haben. 

Den alten Wasserleitungen von Flaviana entlang reitend, brachte 
uns ein sechsstündiger Ritt nach dem am Südfuß des Erdjas ge- 
legenen Ewerek, von wo aus wir die Kirchenruinen Geremes be- 
suchen wollten. In dem stark von Armeniern bewohnten Ewerek 
ist die 1825 erbaute Kirche des Konstantin teilweise aus Säulen 
und Gesimsstücken der Kirchen Geremes errichtet worden. An 
einem der alten Werkstücke des weitausladenden, zungenverzierten 
Kranzgesimses sieht man noch ein Kreuzrelief mit einem Lamm(?) 
daneben, ein anderes mit Vögeln zu beiden Seiten der Arme. Ein 

^) Levidis, Ai iv uovoXi^oig iiovccl p. 56. ,,Xßt tlßitt. bvgiöxovßi ficöffaixa 
ylafxn'(jdrara, uTttQ y.aXovGL ''Ayios BaaiXtiog taai] j/TOt nixqag xov uyiov Bccadsiov^'' 

-: Erwähnt schon bei Texier-Pillan. Arch. Byzant. p. 87. — Die östr. 
Erdjasexpcdition, in den Abhandl. der k. k. Geographischen Gesellschaft in Wien 
VI, 21 gibt nur unbestimmte Bemerkungen über diese Ruinen. 



(Tereme am Argäiis löl 

in die Südwand vermauerter Stein mit zierlichem Kreuz trägt die 
Inschrift ZAXAPIAC, eine mit Tonne und Gurtbögen trefflich ge- 
wölbte, kryptenartige Anlage hinter dem spätem Chor scheint einer 
altem Kirche noch anzugehören. Das in der Konstantinkirche be- 
findliche Pergamentevangelium mit einfachem Buchschmuck ist eine 
Schenkung von Levidis in Sindjidere.*) 

Im nahen Fenese besuchten wir die armenLsche Kirche Surp 
Garabet (= Kloster des Prodromos), die zwar nunmehr renoviert 
ist, auf deren Kirchhof indessen moderne Grabsteine mit ganz 
archaischen Motiven stehen, ein auffallendes Fortleben alter Formen. 
Die Theotokoskirche in Ilipe ist im vorvorigen Jahrhundert im 
Barockstil über einer uralten Höhlenkapelle erbaut worden. Trotz 
den frommen Sagengeschichten des Pappas konnte uns das in dunkler 
Felstiefe gelegene Hagiasma nicht von seiner Wunderkraft über- 
zeugen. Wie im Soandere sind ringsumher Gräber und Toten- 
kammern in die Tuffwände geschnitten. 

Nach dreistündigem Kitt erreichten wir am folgenden Tag die 
Ruinenstätte Gereme, die in einer Talmulde auf dem Südrücken des 
Erdjas 1776 m hoch gelegen ist und nicht mit den gleichlautenden 
Höhlenbauten Geremes bei ürgüb verwechselt werden darf. I^n- 
zweifelhaft ist dieser Name ein altkappadokisches Wort imd be- 
deutet Höhle. Ich erinnere an die altarmenische Bezeichnung Kappa- 
dokiens als Gamir, das Gomer der Bibel und Gimir der assyrischen 
Keilinschriften, an Orte wie Germir, Görü, Koramasdagh, Kemer, 
Chamurdji u. a. Gereme liegt in einer kühlen, windgeschützten 
Hochgebirgslandschaft mit fmchtbaren Kornfeldern und immer- 
rauschenden Brunnen. Leider erforderte die Aufnahme der Basiliken 
den ganzen Tag, so daß wir die übrigen interessanten Ruinen aus 
der römischen Kaiserzeit, die eines eingehenderen Studiums von 
Seiten eines klassischen Archäologen wert wären, nicht näher unter- 
suchen konnten. Hierher verlegt Levidis mit hoher Wahrschein- 
lichkeit das alte Macellum am Argäus, wohin die dem kaiserlichen 
Vetter Konstantins unbequemen Prinzen Gallus und Julian „zur 
standesgemäßen Erziehung" verbannt wurden.-) Sozomeni ss erzählt, 

^) Ajos Sergios ist jetzt erneuert, von Ajos Georgios ist nur der Chor alt. 

*) Vgl. Gregor von Nazianz, Oratio III. u. Sozomenus, Kirchengesehichte 
(ed. Hussey) V cap, 2. ^.Xcdqiov dh tovro ßaailixbv ngbs rot 'AQyaita öqh, ovk 
&nb TtoXXov Ti)s Kai6ccQt<av TtoXsag^ \Lsyulo7tQk7ti^ rt ßccaiXttcc ^xov xai XovtqU x«l 
'KTinovg aal nr]yug Sctvvccovg. "Evd'a öi] ^tgantiag xai ccytayf^g ßaedixiig ij^iovi'TO 
xal fta'9"ijua(>t xal yv^vaaioig TOig xad"* r^Uxiav iiQOivzo x«i 7.6y(av öidaaxaloig 
nul Totg v(priyriTatg tmv uyiav yQatpoiVj tag xat xh'iQCO iyxaxaXtyi^vtii xai vna- 
vayivmaxbiv rw Zaoi t«^ ixYXri6iciaTiy.ag ßißlovg.^* — Levidis I.e. p. 57 f. 
Rott, Kleinasiatische Denkmäler. 11 



Die Tscbanliklisse zu Gereme am Argäus 163 

wie sie bei ihrem Aufenthalt daselbst die Kirchen fleißig besuchten 
und die Martyrien der Heiligen verehrten.^) Als die beiden Brüder 
damals über dem Grab des H. Mamas eine Basilika errichten wollten 
und im gegenseitigen Wetteifer an die Arbeit gegangen waren, da 
ereignete sich ein unglaubliches Wunder, von dem auch Gregor 
VON Nazianz ohne den Namen des kappadokischen Hirtenheiligen 
zu nennen berichtet. Das Werk des Prinzen Gallus türmte sich 
nach Wunsch empor, die Fundamentmauern Julians indessen stürzten 
immer wieder teils ein, teils wurden sie durch eine unsichtbare 
Macht fortgeschleppt. Damit wollte man auf seine schon damals 
versteckte christenfeindliche Gesinnung deuten. 

In dem Trümmerfeld haben sich nur ein paar elende und 
schmutzige Hütten eingenistet, die von wütenden Hunden verteidigt 
werden. Hamilton ist der einzige Reisende, der dieser Ortlichkeit in 
den vierziger Jahren des verflossenen Jahrhunderts eine kleine Be- 
schreibung anläßlich seiner gefährlichen Besteigung des Argäus 
gewidmet hat^) 

In der östlichen Talecke bemerkt der Ankommende zunächst 
die Ruine der Tscbanliklisse oderPeleme mit ihren in die Luft 
springenden Gewölbebogen (Abb. 51). Der letztere Name soll nach 
Levidis altkappadokischen Ursprungs sein und der Analipsis im grie- 
chischen entsprechen.^) Ein vom Querschiff durchschnittener, genau 
östlich orientierter Längsraum mit Eingangstür im Westen endete 
im Osten in einem nach Grund- und Aufriß hufeisenbogig gestalteten 
Chor. Er ist heute großenteils zerstört und schloß außen, nach dem 
Winkel eines Eckquaders zu urteilen, wie die weiter westlich ge- 
legene Kirche der Panagia fünfseitig ab. Die treffliche Fügung der 
rosig leuchtenden Trachytquader beweisen die 0,90 m breiten Trag- 
bogen der Durchschneidung von Längs- und Querschiff, die mit ihrer 
Hufeisenform über profilierten Kapitalen in die Luft ragen. ^) Die 
Umfassungsmauern, aus glatten, scharfgefugten und teilweise über 
einen Meter langen Trachytquadern hergestellt, sind nur im Innern 



^) SozoMENüS ib. cap. 2 „7rt()l noXXov 7toiov\Lkvoi rovg itQHcg xal rovs äXXag 
tr/ccd^ovg xal negl doyna ßnovöulovg, rotg tt kvxzr^Qioig o'ixoig d'a^i^ovtbg xai 
Talg 7tQoar\y.ovGuig ri\Latg rag rav uaQtvQcav ^r'ixag ytQaiQOvrtg. TrivLxavxa yovv 
(paclv avtovg aTCOvöd^ovrag fitylGtco 7tt()LXaßstv ol'x(p xov racpov Mdna zov iulcg- 
TVQog big cqKpotbgovg ^sgiöai zb tQyov.*" 

^) Hamilton, Researches II, 281 f. 

^) Siehe auch die Pelemekirche bei Djebir am Erdjas, Levidis ib. p, 66 
und die Peleme in Gereme bei Urgiib (vgl. u.), wo jedesmal die Anlage auch 
den Namen der Himmelfahrt Marias fuhrt. 

*) Der Chor stand beim Besuch IIamilton's noch aufrecht ib. p. 281. 

11* 



164 Die Tschanlikliase zu Gereme am Argäus 

mit eioer dünnen MörtelscLicht gefüttert. Da sicli das leichte ^"nlkaii- 
gestein dieser Gegenden gut zum Wölben eignete, so wurde die 
wohl ursprünglich schon gewölbte Basilika später durch Tonnen auf 
vorgemanerten Pfeilern eingedeckt. Bei der Masse des Schuttes 
im Innern konnte ich nur einen Teil dieser locker errichteten Stützen 
feststellen, Eine Marmorsäule von 0,60 m Durchmesser im südlichen 
Querschiff bildete ursprünglich wohl den Mittelpfosten einer vei- 
schütteten Eingangstür an dieser Seite, deren Breite sich ohne Aus- 
grabungen nicht ermitteln läßt. Im Innei-n hatte die kleine Basilika 



bei einer Langhausbreite von nur 5,30 m jedenfalls keine Stützen. Ein 
0,50 m hohes Gesims mit gekehlter Schi'äge und doppelter Profilierung 
umgab die Außenmauern, die Fenster rundbogig umziehend und 0.10 m 
herausspringend. Über ihm stiegen an den Ecken der Portalwand 
Pilaster empor, welche das heute zerstörte Hauptgesims trugen.') 
Nur ein "Werkstück vom Kranzgesims mit dem Zungenmotiv fand ich 
im Westen der Basilika, die übrigen scheinen alle zum Bau der Kon- 
stantinskirche von Eiverek verwertet worden zu sein. Es hatte in 

■; Zu ihm'» geh<"reii die Kiipitiile. liie Hamlltos unter den TrlUninem 
fand. II). p. 281: ,A fen- fragments of orniitnented t-apitals were Ijing aliout Hiii]d»t 



166 Die Panagiakirclie zu Gereme am Argäiis 

den Vertiefungen noch eine kräftige Bemalung mit Mennig. Mit der 
gleichen Farbe hat man an der Südwest ecke eine Taube und am süd- 
lichen Querschiff ein griechisches Kreuz im Kreis gemalt. In den vor- 
kragenden Türsturz am Portal ist ein schönes Kreuzrelief im Ki-anz 
mit Flecht- und Rosettenornament zur Seite eingehauen, darüber 
führte ein 2,10 m hohes Fenster dem Innern reichliches Licht zu. 
Noch sieht man in den Leibungen aller übrigen ebenso hohen und 
rundbogig endenden Öffnungen die Vorrichtungen zu Verschlüssen. 
Auch die Chorpfeiler haben tiefe Einschnitte, um diesen Raum von 
dem der Laien abzutrennen. Der von Levidis noch erwähnte, doch 
zerstörte Narthex, gehört einer späteren Zeit an.^) 

Kaum eine Viertelstunde nordwestlich beschreibt schon Hamilton 
die Ruine einer andern Kirche : „A large church in the same style 
as that above described, with the remains of interior columns, sup- 
porting the arches of the aisles; the Windows were small and the 
whole formed a perfect Square with a semicircular bema to the 
east."^) Die Breite der Anlage ist bediugt durch die Steigung des 
felsigen Terrains im Westen und die Senke im Osten, durch welche im 
Frühling die wilden Bergwasser herabbrausen (Abb. 53). Der Ein- 
gang ist deshalb auch an die Südseite verlegt und die Westseite 
nur durch ein großes Doppelfenster durchbrochen, dessen Mittel- 
pfosten aus einem Pfeiler mit vorgelegten Halbsäulen bestand. 
Fünfseitig schließt der im Auf- und Grundriß hufeisenbogig er- 
richtete Chor mit seinen drei hohen Fenstern, dessen Halbkuppel 
aus Quadern noch fast völlig erhalten ist. Von den Säulenarkaden, 
deren Bogen im Westen auf 0,95 m breiten Konsolen ruhten, im 
Osten in die Wand einsprangen, ist heute nichts mehr vorhanden,^ als 
eine längere Trommel von 0,65 m Durchmesser, die im westlichen 
Teil der Kirche liegt. Kaum 80 Schritte talabwärts trifft man an 
einer köstlichen Quelle die zugehörigen Marmorsäulen und Kapitale, 
die zu Brunnentrögen und Fruchtmörser ausgehauen sind. Ein korb- 
förmiges Kapital mit einem geometrischen Kreuz jedesmal in der 
Mitte ist ringsum von hochstengligem Akanthus und einem Band 
von Rosetten und spiralenartigem Zickzack auf der Deckplatte 
geschmückt.^) Es mißt an seinem untern Rand 0,55 m im 

^) Levidis ib. p. 61. Außerdem sagt er: ,^'Ixvri dt xovidiiaros x«i tUoviov 

*) Hamilton, Researches II, 282. 

") Levidis ib. p. 61 sagt nur: „c'uqportpwO'i-»' tov ßrjuaTog xiovtg xccl xtovo- 

*) Vgl. die Abb. im andern Heft. 



Die Panagiakirche zu Gereine am Argäus 



167 



Durchmesser, genau soviel wie der Kopf der hier umherliegendeu 
Säulen. Die Trachytquader sind in der gleichen Weise wie bei 
der Tschanliklisse trefflich gefugt, dasselbe Gesims läuft, die Fenster 
rundbogig einfassend, um den ganzen Bau herum. In Anpassung 
an das Terrain steigt es an der SQdwestecke empor, um die Höhe 
des Westfensters zu gewinnen und in nochmaliger Umbrechung die 
Dreiteilung des Innenraums anzudeuten. Die Chorecken krönen ohne 
Pilastervermittlung AVandkapitäle mit freistilisiertem Akanthus,») 
Darüber lag das zweiteilige Hauptgesims, bestehend aus einem untern 
einst bemalten Zungenfries und dem Kranzgesims mit den konsolen- 




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■ N D 'i' m 1 » » r — r- -r — i 



Alib. 51. Die Kirche der Pauagia zu Geremo am Argäus. 

artigen Einschnitten und der obern rillenartigen Einarbeitung zur 
Gegenstrebung der Dachsparren. Zwar fand ich nur ein A^'erkstück 
dieser obersten Bekrönung unter den umherliegenden Trümmern vor. 
Meine damalige Vermutung, es könnte der Oberteil des Hauptge- 
simses sein, wurde nachträglich durch die Kirchen in Sati und 
Tomarza bestätigt, wo das ganze doppelte Dachgesims noch er- 
halten war. 

Der Triumphbogen, dessen Scheitel mit einem Kreuzrelief ver- 
ziert ist, ruht auf Wandkapitälen mit tief reliefiertem, ein- und zwei- 
reihigem, stilisiertem Akanthus und Kreuzen auf der Deckplatte. 
Die Südtür, halb im Schutt begraben, trägt auf dem 0,70 m hohen 

*) Ein Werkstück sitzt heute an falscher Stelle an der Südosteeke des Chors. 



<irabbau zu Gereme am Argäus 169 

ausladenden Sturz ein Kreuz im Doppelkreis mit Farbspuren in den 
Vertiefungen. Rundbogige Fenster von 2,35 m Höhe flankieren 
diese Portaltür, über der nach syrischer Art ein kleines, recht- 
eckiges Fenster ohne Profilierung angebracht ist. Über Wölbung 
und etwaige Emporen kann nichts ausgesagt werden aus Mangel 
an jeglichem Anhaltspunkt. Die von den Höhen nördlich und west- 
lich herabgeschwemmte Erde hat das Areal dieser Kirche im Innern 
bis zur Höhe der Chorkapitäle und der Konsolen im Westen aus- 
gefüllt, und die nördliche Umfassungsmauer ist großenteils nur in 
den Fundamenten erhalten. Wegen der auf dem Architrav der Süd- 
tür eingehauenen Buchstaben TT V (!) heißen die Griechen von Ewerek 
diese Kirche die Panagiaklisse. 

Über die Hälfte unter Trümmern und Schwemmland begraben 
ragt vierzig Schritte südwestlich von der Panagia ein noch 
gut erhaltenes Grabgebäude aus der Erde, das nach den Kreuz- 
symbolen im Innern zu schließen als christliche Begräbnisstätte 
gedient hat (Abb. 56). Hamilton verglich es mit den Gräbern von 
Hierapolis, während es die lokale Tradition eine ehemalige Bibliothek 
nennt. Der Bau mißt 5,60 m in Länge und Breite, und seine Außen- 
wände sind durch Eck- und Wandpilaster gegliedert, welche ein 
schön profiliertes und ausgeschweiftes Hauptgesims tragen, in das 
ein wilder Birnbaum seine W^urzeln eingeschlagen hat. Das schwere 
Gebälk scheint wie die verwandten Grabbauten Syriens eine Pyra- 
mide als obern Abschluß getragen zu haben. Über den beiden 
kleinen (Öffnungen der Portalwand, welche das Innere spärlich er- 
hellen, legt sich zwischen die mittlem Wandpilaster eine halbzerstörte 
Fensterverdachung, an deren weitausladendem Gebälk noch der 
Astragalfries zu erkennen ist. Durch die fast völlig verschüttete 
schmale Eingangstür mit gradem Sturz kriecht man in den tonnen- 
gewölbten Innenraum, dessen glatte Quader haarscharf gefügt sind. 
In der Höhe von einem Meter läuft rings die vorn eingeschweifte 
Totenbank herum mit zwei Konsolen in der Hinterwand, zum Auf- 
stellen von sepulkralen Gegenständen. In die Innern Türpfosten ist 
rechts und links je ein Kreuzrelief eingegraben.^) 

AVährend ich diese Bauten aufnahm, stieg mein Begleiter weiter 
bergauf und fand eine dritte ebenfalls schon von Hamilton in besserer 
Erhaltung gesehene Kirche. Es ist eine dreischiffige nach Südosten 
gerichtete kleine Basilika mit fünfeckig ummauertem Chor und 
einem Narthex im Westen. Je eine Säule von 0,70 m Durchmesser 

') Auch in die äuüero Ostwand ist ein Kreuz eingehauen. 



170 Karasichli l)ei Gereme am Argäus 

steckt noch vor dem Chor im Boden. Pilaster von 0,62 m Breite 
gliedern die 0,90 m starken Mauern aus Trachytquadem, eine Tür 
von 1 ,20 m Breite mit Kreuz im Sturz führt von der Westseite ins 
Innere, dessen drei Schiffe einst mit Tonnen gewölbt waren.») 
Bei einer Quelle nordwestlich von dieser dritten Kirche, an 
einem Ort Karasichli oder „Platz des schwarzen Mönchs" genannt,*) 
waren noch rohe Monogramme, Kreuzzeichen und Inschriften in die 
Felsen gehauen, darunter die Buchstaben lesbar: 

AONniSI ePrOAABÖ [Eixn ?] Aoyyivov 'Eg{r)olaßov. 

In kafionartig tiefeingerissenen Tälern ritten wir in südöstlicher 
Richtung zu Ewerek hinaus am Develidagh vorüber, auf dessen 
Kuppe die Euinenreste der Kirche des Kosmas und Damian samt 
einem wunderkräftigen Hagiasma liegen. Die zahlreichen Stein- 
brüche dieser Höhen liefern das schöne Trachytmaterial für den an- 
sehnlichen Flecken, der in seinen reichlich bewässerten Gärten halb 
verborgen liegt. Nach anderthalb Stunden hatten wir den Fels- 
klamm überstiegen und traten in eine weite fruchtbare Hochebene, 
die vorzüglich Weizen trägt.'*) An Aivanasch vorbei kamen wir 
nach M a t a s i n , wo Avir an Stelle einer alten Kirche nur noch ein 
paar Relieftafeln fanden, die mit Arkadenbogen und schönen Kreuz- 
mustern geziert waren.*) Hinter Komedji gings eine steile Schlucht 
hinab, in der eine einsame Türbe stand ; statt der in Epidsche ver- 
sprochenen Inschriften fanden wir nur ein paar rohe Kreuze und 
Eeiterfiguren an den Tuffwänden eingekritzelt. Am Mittag rasteten 
wir bei dem berühmten Hettiterrelief am Karasu, der sein träges 
AVasser in kurzem bei Fraktin in den Zamanti ergießt. Wo der 
Bach bis an die Felswand unmittelbar herantritt, sind die verhält- 
nismäßig noch gut erhaltenen Zeichen in den harten Stein ein- 
gemeißelt.^) 

Unfern von Besch Kardasch bewerkstelligten wir dann mit 
einigen Schwierigkeiten den Übergang über den tiefen und reißenden 
Zamanti, den alten Saros, der bei Mersina in den kilikischen Meer- 
busen mündet. Auf dem den Ort überragenden Felsplateau, welches 
das ganze Tal des vielgewundenen Zamanti beherrscht, fanden wir 

*) Hamilton, Researches II, 281. 

-) Levidis 1. c. p. 59. 

^) Strabo sagt von den kappadokischen Hochebenen, Geographie 539: 

*) Abb. im nächsten Heft. 

*) Eine photographische Aufnahme derselben habe ich L. Messerschmidt 
in Berlin, dem Herausgeber des Corp. Inscript. Hettitic, eingesandt. 



eine kleine Kirche mit vier Säulen im gleichscliiffigen Inneni und 
einen in Hufeiseuform geschlossenen Chor. Nach den Wandpilastern 
nnd dem runden Sockel im Chor zu schließen, handelt es sich liier 



um ein umgewandelte» Hüllenheiligtum. Auch die hohen Basen, 
auf denen die massigen, nur 2,15 m hohen Säulen stehen, sprechen 
deutlich dafür. Zisternen, Kinschnitte in die Felsplatte wie Stein- 
gräber am Abhang weisen auf eine alte Ansiedlung, von der aus 



172 Sali 

man durch einen noch teihveise erhaltenen Treppenschacht auf die 
Talsohle hinabsteigen konnte. 

Dem Fluß noch eine Strecke folgend, überschritten wir in süd- 
östlicher Wendung die Vorhöhen des Antitaurus und kehrten spät 
abends im Griechendörflein S a t i ein, das vor einem Menschenalter 
wieder durch Kolonisten von Afschar her besiedelt wurde. Die neue 
,.Klisse" haben die freundlichen Ortsbew^ohner aus den Ruinen 
ringsum zerstreut liegender Kirchen erbaut. Eine alte, halbzerstörte 
Basilika, die eine Stunde nordwestlich von Sati auf halber Berges- 
höhe einsam steht, ist dem Schicksal des V(')lligen Abbruchs noch 
entgangen. 

In der Morgenfrühe eilten wir den steUen Hadjilidagh hinauf 
und fanden an einem Ort „Monastir" eine uralte Zeder, eine stein- 
gefaßte Quelle und den Chor einer Bergkirche noch aufrecht stehen 
(Abb. 57). Die Gesamtanlage der Euine konnte trotz vieler Trümmer- 
haufen noch erkannt werden. Wieder haben wir in Grund- und 
Aufriß den Hufeisenbogen, ein Langhaus, das vom Querschiff über- 
schnitten, in einem fünfseitigen Außenchor endet. Durch den 
Wechsel von braunrotem Trachyt und marmorweißem Kalkstein 
wußte man malerisch zu wirken. Fensterumrahmungen, Chorpfeiler 
mit Kapitalen, Sockel und Hauptgesims sind aus Quadersteinen 
hergestellt, alles übrige aus glatt behauenen Kalksteinen. 

Die AVandkapitäle der äußeren ( -horecken über den Fenstern 
zeigen zwei Keihen von Akanthus übereinander, dessen Blätter aus 
hohen Stengeln mit Knoten herauswachsen und tief ausgearbeitet 
stark überfallen. Auch ein band- und ein palmettenartiges Orna- 
ment ist verwertet. Das doppelteilige Kranzgesims bringt in tiefer 
Einkehlung einen Zungenfries, mit dem Lanzetten abwechseln, 
darauf das weit überhängende Konsolengesims, um dessen zahn- 
schnittartige Einschnitte ein verkröpfendes Band herumläuft. Das 
Hauptgesims war einst wie die Wandpfeiler der äußern Chorecken 
rot, w^eiß und blau bemalt. Die tief ausgekehlten Fensterbogen der 
Apsis laufen sich in Höhe ihres Auflagers an den Leibungen tot. 
Hier sehen wir noch die tiefen Einarbeitungen für die Verschlüsse. 
Zwei Säulen, die vor dem nördlichen Querschiffarm liegen, trugen 
vielleicht wie in Syrien üblich eine kleine Vorhalle. Die Seiten 
des 4,70 m tiefen Querschift'es springen über den 12,50 m messenden 
Längsraum (ohne Chor) noch um 5,30 m hinaus ; Stützen waren im 
Innern bei den bescheidenen Breitenverhältnissen nicht vorhanden. 
Das stark abschüssige Terrain verlangte eine Auslenkung aus der 
gewohnten Orientierung nach Südosten. Nahe der Kirche entspringt 



Kirche zu Sali 173 

«in kuhler (^uell dem Fels, unter den Sclierben uud Trümmern da- 
selbst las ich ein guterhaltenes Steinbeil auf. Das Hagiasma leitet 
seinen Ursprung wohl auf alteinheimisclien Naturkult zurück, und 
Jebovas Dienst folgte einem kappadokischen Höhenkult, zu dem das 
pittoreske Bergpanorama ringsum noch heute herausfordert 

Mehiwe von Südwesten nach Nordosten streichende Höhen- 
rücken überschreitend ritten wir in das fruchtbare Gebirgstälchen 
von Kiske, dem alten Bistum Ciscissus, von dem uns der 
Oriens christianus die Bischöfe Plato und Soterichns nennt,*) Der 



•Ort selbst ist einst aus einer Troglodytensiedlung hervorgegangen 
und bildete den Schlüssel zu einem Paßweg des Antitaurus über 
Farasch einerseits und Kara Eregli und Sis andrerseits, Land- 
strecken, die noch gänzlii^h unbekannt sind und des mutigen Er- 
forschers harren. In schroffen Felswänden tritt der Konglomerat 
schichtweise zutage, wo die Wasser sich eine tiefe Bahn ge- 
brochen haben. Gegen 40 Höhlen- und freistehende Kirchen will 
Levidis noch vor Jahren liier und in der Umgebung gezählt haben. 



') Lb QiiEN, Oriens Christ. I. 3ü4, — Der Ort winl imcb Kiskin auf 
.mehreren Karte« genannt. 



174 C'iscissus 

die zu der seit dem Jahr 692 erwähnten Episkopalstadt der Metro- 
pole Caesarea gehörten. i) Von alle dem steht jedoch fast nichts 
mehr aufrecht. 

Das Katholikon des Ortes, eine schöne Kirche aus Quadern 
und Marmor, rissen die Bewohner beim Bau der neuen Schule, die 
der Erzbischof von Caesarea stiftete, ab. Auf der das Tal nach 
Süden abschließenden H(')he stehen von einer aus Quadern er- 
richteten Basilika nur noch die Untermauern. Ein Querschiff 
von 16 m Breite durchschnitt einen fast ebenso großen Längsraum, 
der nach Südosten in einem Chor von hufeisenförmiger Anlage 
endete. Die sorgfältig gefügten Trachytmauern der Apsis und des 
Langhauses w' aren durch Pilaster belebt. Die hohen Kalksteinpfosten 
der Türgewände befinden sich im Westen , Süden und Norden noch 
an ihrer Stelle. Die Gebälkstücke mit dem Zungenornament und 
dem Konsolengesims, die ich auf dem anlehnenden Mesarlyk wie in 
der Umgebung dieses ebenfalls „Monastir" genannten Platzes antraf, 
offenbaren die nahe Verwandtschaft mit den Kirchen von Gereme. 
Sati und den bald zu besprechenden von Tomarza und Skupi. Die 
Säulenstücke in der Nähe können zur Einstützung des Kircheninnern 
nicht gedient haben, da die innere Breite des Langhauses nur 4,80 m 
beträgt. Vom Blitz geheiligte, verkümmerte Zedern zeugen noch von 
alter A^ergangenheit. Das Kelief eines Ochsenkopfes, welches aus den 
nahen Bergen stammen soll und jetzt in einem Haus zu Kiske 
ängstlich aufbewahrt wird, gleicht auffallend demjenigen auf dem 
Nabatäischen Altar von Ireh. den Butler in seinem Architekturwerk 
über Syrien veröffentlicht hat.-) 

Da es bereits Mitte Oktober war, gaben wir unsern Plan, nach 
Farasch weiter vorzudringen, auf, weil die Wege immer schlimmer 
wurden imd diese Gegenden völlig unerforscht sind. Zurückgekehrt 
nach Sati wandten wir uns nordöstlich den Bach hinunter, der sich 
bald in den dem Zamantisu zueilenden Umurlutschai eigießt. In 
der Mitte der schauerlich schroffen Felswände dieser dunkeln Tal- 
schlucht fanden wir an der Stelle, wo der Pfad aus der Felsspalte 
über den Bergsattel nach Taschdji hinüberleitet, die Reste einer 

^) Siehe die kirchl. Listen bei Ramsay, Cxeography p. 282 u. Gelzer in den 
Abhandl. der Bayr. Akad. III. V\. XXI, 536. — Levidis ib. p. 102. „Htpl dl 
ri^v TtoXiv ravTi]v r^v 7rXf,d^og uovccarriQitov ^ TtcaagccTiOvra rccovg ini tov iTtixti- 
utvov Aoqpor iiQid^uifCa ö/.ovg Bv^(cvTn'))g ircoyjfg uträ TTtUoQtoiv ^^tiQyccß^troiv 
Xid'coi\ oixi'jUccTCi dl TQOjyXodvTixu anbaue y.cdovutva cl(Jxy^Tc:(ija TtoXka."' 

^^] Butler, Architecture and othor arts p. 415. rPublieations of an American 
aifh. expedition to Syria 1899 1900.; 



Hettitische Inschriften zu Suwasa und Taschdji 175 

hettitischen Inschrift. Ein weiteres Schriftdenkmal der gleichen 
Epoche, das wir wenige Wochen später bei Suwasa entdeckten, wird 
hier gleich im Zusammenhang von zustehender Seite besprochen: 

Bemerkungen zu den hettitischen Inschriften 

von L. Messerschmidt. 

Die Zeichnungen der beiden neu entdeckten hettitischen In- 
schriften, über die ich im folgenden handle, habe ich nach mir 
freundlichst zur Verfügung gestellten Photographien angefertigt. 
Beide Inschriften zeigen eingegrabene Zeichen, doch sind dieselben 
nicht wie sonst sorgfältig und tief eingemeißelt, sondern nur ober- 
flächlich eingeritzt. Dies, sowie die Beschädigung der Steinoberfläche 
und ihre teilweise Bewachsung durch Flechten sind die Ursachen 
dessen, daß die Inschriften nur lückenhaft wiedergegeben werden 
konnten, und daß manche Zeichen nur unvollkommen zu erkennen 
waren, so daß ihre richtige Form vorerst zweifelhaft bleiben muß. 
Dazu kommt, daß auch diese, wie alle neu auftauchenden hettitischen 
Inschriften ganz neue, bisher nicht belegte Zeichen aufweisen, deren 
Form natürlich nur dann genau festzulegen ist, wenn die Inschrift 
gut erhalten ist. Das trifft aber bei einigen der hier vorkommenden 
Zeichen nicht zu. 






Fig. 1. Hettitische Inschrift zu Suwasa ^vestIieh von Newschehr. 

Aus dem zuerst Gesagten ergibt sich schon das Urteil, daß die 
Inschriften im Altertum ziemlich flüchtig hergestellt worden sind. 
Weiter spricht dafür, daß die Zeichen sehr unregelmäßig über die 
Fläche verteilt sind, und daß die Begrenzungslinien oben, seitlich 
und unten fehlen, welche sonst die Inschrift von der unbeschriebenen 
Fläche deutlich abzuheben bestimmt sind. Auch fällt bei der Vorder- 
seite der Inschrift von Suwasa (Fig. 1 u. 2) auf, daß die Zeichen rechts. 



176 



Hettitisehe Inscbriften zii Suwasa und Taachdji 



am Anfang des Textes, groß und weitläufig, links dagegen enger 
und kleiner geschrieben sind. Ferner ist hier, links, ein Zeilen- 
Teilungsstricli zu bemerken, der sich jedoch nicht bis an das rechte 
Ende der Inschrift erstreckt, sondern deutlich auf etwa ein Drittel 
der Länge aufhört Daraus folgt, daß der Schreiber zuerst groß 
and weitläufig schrieb, dann sah, daß er mit dem Baume nicht 
auskam, deshalb enger und kleiner zeichnete und sogar noch eine 
zweite Schriftzeile aus dem vorhandenen Platz herauszupressen 
suchte, mit der er jedoch da aufhören mußte, wo er an den groß 
geschriebenen Teil der ersten Zeile anstieß; das war etwa in der 
Mitte der Inschrift, wo jetzt die Zeichen fast ganz verwischt sind. 
Dies Verfahren spricht unverkennbar für die Flüchtigkeit des 
Schreibers. Daß es sich wirklich nm zwei Schriftzeilen handelt, 
ergibt sich daraus, daß, während die Zeichenriehtiing am rechten 
Ende nach rechts hin geht, also hier von rechts nach links zu lesen 
ist, die Zeichen links unten nach links gerichtet sind, so daß hier 
umgekehrt von links nach rechts zu lesen, also eine zweite Zeile 
zu beginnen ist 



<r-i: 



'l 



n 



1 



über den Inhalt der Inschriften läßt sich nichts sagen, da die 
liettitischen Hieroglyphen noch nicht entziffert sind. Auch über die 
Zeit ist es schwer, etwas zu sagen, da uns noch alle näheren An- 
haltspunkte für eine Chronologie der Inschriften fehlen. Lediglich 
eine relative Chronologie auf Grund der Zeichenformen ist möglich, 
sofern es als naturgemäß angenommen werden darf, daß die aits- 
gefiihrten Bilder-Zeichen älter, die vereinfachten, kursiven Foimen 
jünger sein müssen. Auch scheint es, als wenn die älteren In- 
schriften meistens — nicht immer — in erhabenen, die jüngeren 
in eingegrabenen Zeichen geschrieben sind. Danach gehören die 
vorliegenden beiden Inschriften mit ihren eingegrabenen und meist 
kursiven Zeichen zu den jüngeren. 



Hettiterinschrift zu Suwasa 177 

Im einzelnen ist noch folgendes zu bemerken: Die Inschrift 
von Suwasa (Sivas) wurde nordöstlich von Akserai gefunden und 
ist angebracht auf Vorder- und Rückseite eines würfelförmigen 
Blockes, der von der Felswand ins Tal gestürzt war, wie solche 
zu Hunderten, wohl infolge von Erdbeben, dort niedergerollt sind. 
Es ist Trachyt mit einer etwas härteren Kruste darüber. Der Block 
mußte um mehr als einen Meter aus der Erde herausgegraben 
werden, um photographiert werden zu können. — Auf der Vorder- 
seite (Fig. 1), die, wie oben bemerkt, von rechts her beginnt, scheint 
das erste Zeichen das Vorderteil eines sphinxartigen, geflügelten 
Tieres zu sein. Darunter befindet sich ein Zeichen, das vielleicht 
einen Fisch darstellt. Beide begegnen hier zum erstenmal. Weiter- 
hin findet sich ein menschlicher Unterkörper, der auf der Rückseite 
(Fig. 2) noch zweimal wiederkehrt und bisher m. W. nur auf der 
Aleppo-Inschrift und in Boghazköi (s. mein Corpus Taf. IIIA und 
XXIX No. 11) begegnete, die zu den älteren gehören. Indessen 
wird man danach nicht eine frühere Ansetzung unserer Inschrift 
vornehmen dürfen, da die sonstigen kursiven Zeichenformen dagegen 
sprechen. AVährend die oberen Zeichen weiterhin unerkennbar sind, 
sieht man unten zweimal das sehr häufige Zeichen des Arms mit 
Schwert, das an zweiter Stelle, vielleicht infolge der Flüchtigkeit 
des Schreibers, verzeichnet ist. Am Ende links, auf der zweiten 
Zeile, sind übereinander zwei Tierköpfe dargestellt. Das untere 
Zeichen ist sicher ein solcher, wenn es auch ziemlich ungeschickt 
ausgefallen ist. Die Rückseite (Fig. 2) — übrigens ergibt sich aus 
der Inschrift selbst nichts Sicheres für die Entscheidung darüber, 
was Vorder- und was Rückseite ist — beginnt wiederum am rechten 
Ende, und zwar oberhalb des menschlichen Unterkörpers, mit dem 
Oval, welches das Götter-Determinativ darstellt. Beide Zeichen ver- 
einigt zu einer Gruppe, die wahrscheinlich einen Gottesnamen be- 
zeichnet, finden sich zweimal neben dem Relief einer Gottesfigur in 
Boghazköi. Dadurch wird unsere Inschrift ihrem religiösen Gehalt 
nach in eine gewisse nähere Beziehung zu den hettitischen Skulp- 
turen von Boghazköi gesetzt. — Unterhalb der Beine ist ein Tier- 
kopf erkennbar, wiederum sonderbar unnatürlich gezeichnet. Das 
ist jedoch in den hettitischen Bilderschriften durchaus nichts Un- 
gewöhnliches. Zu den übrigen Zeichen in Fig. 2 ist nichts weiter 
zu bemerken, als daß sie teilweise neu sind, so z. B. das Zeichen 
aus zwei gekrümmten, parallelen Linien, das öfter wiederkehrt und 
durchaus vollständig ist, so wie es gezeichnet ist. Zuerst vermutet 
man nämlich, daß es infolge von Beschädigung unvollständig sei. 

Bott, KleioasiatUche Denkmäler. 12 



178 Hettiterinschrift zu Taschdji 

Die Inschrift bei Taschdji wurde entdeckt an einer Felswand, 
etwa vier Stunden östlich von Fraktin, im Tal des Umurlutschai, 
der bei Taschdji in den Zamantisu mündet. Die Talsohle muß 
früher viel tiefer gelegen haben. Ein Teil der Inschrift steckt 
offenbar noch in der Erde, ebenso wie die Figuren, deren Oberteile 
eben noch sichtbar sind. Es scheinen zwei Personen dargestellt zu 





Fig. 8. Hettitisclie Inschrift bei Taschdji am Zamantisu. 

sein, die sich nach rechts bewegen. Die Undeutlichkeit der nur 
matt eingerissenen Zeichnung nötigt zu dieser Unbestimmtheit des 
Ausdrucks. Zu weiterer Aufgrabung und Untersuchung fehlte bei 
einbrechender Dunkelheit die Möglichkeit. — Über die Inschrift 
selbst ist im einzelnen nicht viel zu sagen. Sie hat noch mehr 
gelitten als die erste, mit der sie inhaltlich kaum in näherer Be- 
ziehung steht, da die Zeichen hier und dort verschieden sind. Auch 
sie beginnt übrigens von rechts her, wie die Armzeichen beweisen. 
Mehrere Zeichen-Spuren müssen ungedeutet bleiben. — Von den 
Personen scheint die zweite die geballte Faust vor sich zu halten. 



Im Dorfe Taschdji, das auf der Anhöhe über dem Zamanti liegt 
und von Armeniern bewohnt ist, zeigten uns die Leute einen christ- 
lichen Grabstein mit fast völlig verlöschter Schrift, der von einer 
zerstörten Kirche der nächsten Berge herstammen soll. In der 
Sonntagsfrühe des 14. Oktober verließen wir den unreinlichen Ort 
und ritten quer über die auf Kiepert's Karte als Suwagendagh 
eingezeichnete hügelige Hochfläche. Hinter Pungü stießen wir nach 
einer starken Stunde auf eine alte Ruinenstätte, Karadjören geheißen. 
Keine Inschrift konnten wir unter den Trümmerhaufen entdecken, 
obwohl uns eine Reihe von mächtigen Säulentrommeln und Zisternen 
auffiel. Durch ringsum steil abstürzende Felswände war die An- 
siedlung, welche die weite Hochebene nach Westen hin beherrschte, 
in natürlicher AVeise geschützt. 



180 Tomarza 

Durch erschreckend einsame Gegenden reitend, erreichten wir 
zur Mittagszeit den von mäßigen Bergen eingeschlossenen armenischen 
Ort Söjütli. In der neuen Kirche sind alte Säulen und Kapitale 
wieder verwandt, die samt den Konsolengesimsen auf dem Kirchhof, wo 
sie als Leichensteine dienen, einer abgetragenen Kirche angehörten. 
Die Aufnahmen dieser wegen ihrer figürlichen Darstellungen inter- 
essanten Kapitale gingen bedauerlicherweise im Regen unter. Die 
kahlen und steinreichen Höhen verlassend, stiegen wir den schroffen 
Nordabfall dieses öden Hochlandes hinab in die fast noch trostlosere 
Ebene von Tomarza, in welcher der müde Blick des Reiters auf 
keiner grünen Baumgruppe ausruhen kann und sehnsüchtig nach 
dem so nahe scheinenden Riesenhaupte des Argäus hinüberschaut. 
Eine Stunde vor Tomarza untersuchte mein Begleiter in Köpy ver- 
schiedene Höhlen, wo er eine förmliche Klosteranlage in den 
Tufffelsen gewahrte mit Zellen, Nischen, Kapellen und Malereien. 
Die Steinbrüche daselbst liefern das leicht zu bearbeitende, treff- 
liche Tuffmaterial für die Bauten in Tomarza. 

Dorthin war ich vorausgeeilt, um in dem bischöflich-annenischen 
Kloster, das malerisch in einer kleinen Felssenke liegt, nach gast- 
licher Aufnahme auf Grund eines Empfehlungsschreibens von Kon- 
stantinopel mich umzusehen (Abb. 58). Die allererste Frage Seiner 
Hochwürden an mich war, ob wir Geld für seine Waisenkinder geben 
wollten. Am Morgen des dritten Tages, nachdem der Bischof sich 
inzwischen nie hatte sehen lassen und uns elende Herberge im statt- 
lichen Kloster angewiesen, beschied er uns vor der Abreise zu sich 
und nahm eigenhändig den Bakschisch in Empfang, während er 
seinen Lieblingskater im Schöße hielt Ein hochgestellter Geistlicher, 
der wegen Verführung eines Mädchens hier auf Strafposten saß, 
mußte während der Zeit des Aufenthaltes im Kloster uns stumme 
Gesellschaft leisten. In dem Kollegen zu Surp Garabet werde ich 
nachher das Alterego des Bischofs von Tomarza kurz charakteri- 
sieren. Nirgends haben wir auch während unserer Reisen eine so 
stumpfsinnige und dreist schlaue Bevölkerung angetroffen wie an 
diesem Ort. 

Das Kloster mit seiner großen Kirche ist ein Neubau aus den 
fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Durch einen halbrunden 
Vorbau gelangt der Eintretende in einen Aveiten Hof, der in hübscher 
Weise von zwei Seiten mit Loggien auf steinernen Säulen um- 
geben ist. In der Tiefe der Südostecke erhebt sich die prunkvoll 
aufgebaute Kuppelbasilika mit Vorhalle und einem schön aus- 
gemalten Glockentürmchen darüber. Im Fayencestil eines reichlichen, 



182 Die Kirche der Panagia zu Tomarza 

freundlichen Hellblaues ist das Kircheninnere ausgeschmückt, im 
Ornamentalen angenehm graziös, im Figürlichen geradezu liederlich. 
Sie haben in den Madonnen und Heiligen ihre eigenen blöden, groß- 
köpfigen Physiognomien hinporträtiert. Dafür entschädigt dann eine 
reiche Wanddekoration aus Fayence im Baptisterium und den 
übrigen Seitenkapellen. ^) 

Fremde scheinen äußerst selten an diesen Ort zu kommen ; denn 
eine nach Hunderten zählende Menschenmenge stürmte vor und 
hinter uns nacli der am Westausgang des Städtchens gelegenen 
alten Kirche der Panagia und machte uns beim ersten Besuch der 
Euine das Arbeiten schier unmöglich. In türkischen Orten ist ein 
derartiger Auftritt ausgeschlossen. 

Einsam liegt der Bau draußen in historischer Verlassenheit, 
und staunend fragt sich der Eeisende, warum er nicht längst dem Ma- 
terialismus dieses Ortes als Steinbruch verfallen ist (Abb. 59 — 61). 
Leider bringen die nächsten Jahre schon den teilweisen Einsturz 
der Vierung, das übrige könnte noch viele hundert Jahre dauern. 
Die Panagia ist eine Kreuzbasilika mit einem fünfseitig endenden 
Chor, der in Grund- und Aufriß den Hufeisenbogen ausgebildet hat. 
Fünf Fenster von fast drei Meter Höhe durchbrechen seine A\'ände 
und treten nach außen 0,15 m aus der Mauer. Über einem 
niedrigen Sockel steigen die Wandpilaster mit mehrfach ab- 
gestuften Basen und Kapitalen empor. Die letztem verkröpfend 
läuft ein Gesims in Höhe der Ansätze der Fensterbogen diese 
umkreisend um den ganzen Bau herum, über diesem deutlich mar- 
kierten Untergesims mit Schräge und zw-iefacher Abstufung er- 
hebt sich eine zweite Ordnung, Zwerchpilaster mit schweren Kapi- 
talen, deren dreireihige Akanthusornamente meist zerstört sind. Diese 
Träger des Hauptgesimses sind architektonisch unschöne Bildungen. 
Das letztere bringt die bereits bekannten senkrecht gestellten Zungen- 
muster der tiefen Auskehlung, die einstens polychrom bemalt waren, 
mit dem weit ausladenden Konsolengesims.-) Die Zungen zeigen an 
ihrem Ende eine Eiform, in ihrer Bemalung neben Rot auch Blau. 
Die Eckpfeiler der Durchschneidung von Längs- und Querraum 
tragen über reich profilierten Kapitalen die Bogen der Vierung, 

^y Lkvidis erzählt noch von Kellien, alten Malereien und griechischen 
Inschriften. Heute ist nichts mehr davon da. ib. 64. — Sterbet in den Papere 
of the Americ. Sehool II The Wolfe Expedition) p. 233 erwähnt auch Tomarza 
mit der HUchtigen Art seiner ungenauen Bemerkungen: ,With considerable 
Iraces of ancient reniains, most i)robably Armenian." 

■-; Das ganze Hauptgesims kragt 0,70 m aus der Oberwand heraus. 



Die Kirche der Panagia zu Tomarza 



183 



deren Obermauern in den Achsen von vier hohen, rundbogigen 
Fenstern (1,05 m hoch und 0,85 m breit) durchbrochen sind. In 
Höhe ihrer Bogenansätze beginnt die Wölbung der flachen Kuppel 
aus leichtem schwarzem Vulkangestein, die fast völlig abgestürzt 
ist. An der gleichen Stelle umgibt außen ein hübsches, 0,35 m 
hohes Obergesims die Vierungsmauer, zwei Quaderschichten darüber 
flankierten Wandkapitäle die vier Ecken, von denen nur noch eins 
an seiner Stelle sitzt. Hochstengliger Akanthus schmückt seine 
Seiten, an der Kante ist ein Kreuz herausgearbeitet, auf dessen 




Abb. 60. FaDugiakirobe zu Tomarza. 

Armen Vögel sitzen; über dem Akanthus flattert ein Band gleich 
einem jonischen Polster. Eine hölzerne Dachpyramide wird dann 
das Ganze nach obenhin abgeschlossen haben. 

Die Mauern des Langhauses trugen ein Tonnengewölbe, das 
von Gurtbögen gestützt wurde, die den äußern Pilastem entsprachen. 
Diese Tragbogen lagen auf 1,08 m breiten Konsolen, die an ihrer 
Unterfläche geschweift mit einer Unterkehlung in die Wand sprangen. 
Lanzetten, deren mittlere zur Kreuzform erweitert ist, schmückten 
diese Kragsteine. Das fast völlig abgestürzte Tonnengewölbe des 
Langhauses war aus großen Quadern konstruiert, ebenso die Ein- 



Die Kircbe der Panagia zu Tomarza 185 

deckung der Querschiffe, die im nördlichen Flügel und im Chor 
noch erhalten ist. Außen an der Vierungsmauer erkennt man die 
Spuren eines Satteldaches, das senkrecht zur Kirchenachse die Neben- 
räume über ihrer Tonnenwölbung abschloß. Im südlichen Querschiff- 
flügel vermittelte ein Gesims, dem äußern entsprechend, zwischen 
Mauer und Halbtonne, während dasselbe auffallenderweise im nörd- 
lichen Querraum fehlt, ohne daß etwa eine später vorgenommene 
Änderung zu konstatieren wäre. 

Die durchgängig 1,15 m starken Umfassungsmauern sind aus 
geglätteten großen Quadern mit geringer Mörtelbindung im Innern 
errichtet, während die Stoß- und parallelen Lagerfugen haarscharf 
aufeinander treffen. Die solide Bauart bezeugen auch die Krampen- 
löcher der oberen freigelegten Quaderschichten samt Eisenklammern, 
welche die Mauern gegen die Gefahren der häufigen Erdbeben 
schützten. Das Material wurde wahrscheinlich in dem unfernen 
Köpy gebrochen, wo es in schön sich spaltenden Stufen zu Tage tritt. 
Selbst die großen Feldtennen vor dem Dorf sind mit diesen harten 
Tuffplatten ausgelegt. Mit bewußter Verwertung des roten und 
weißlichen Vulkangesteins ist eine höchst malerische Wirkung in 
der Architektur dieses Bauwerks erzielt. So ist am Chor immer 
die zweite Quaderreihe unter der Sohlbank der Fenster aus hellem 
Trachj't, ebenso die ganze Fläche zAvischen Fensterbank und Bogen- 
ansatz, wogegen alles übrige im warmen Rot kontrastiert. 

Den schönsten Schmuck tragen die Eingänge des Langhauses 
und des Querschiffes, die leider von der Zeit sehr zerstört sind. 
Der geborstene Tüi-sturz des Hauptportals, durch einen rohen 
Steinpfosten unterstützt, ist durch korbartig durchbrochene und 
geflochtene Kranzreliefs und ein zerstörtes Kreuz im Felde des 
mittleren verziert. Darüber zieht sich ein Fries mit hochstengligem 
Akanthus hin. Das übrige Türgewände schmückt ein ins Gewinde 
eingestelltes Blatt, eine Astragals(^hnur und ein Tierfries, in dem 
noch Vögel, Hirsche, Löwen und Ziegen zu erkennen sind (Abb. 62). 
Die ebenfalls sehr verwitterte Tür des südlichen Querschiffs trägt 
auf ihren Pfosten eine Musterung von Bandgewinde, Perlstab und 
eingesponnenes Gaisblatt, der Architrav die drei Kranzreliefs. ^) In 
dem Feld der mittleren sah man das christliche Sj^mbol von 
doppeltem Lorbeerkranz eingefaßt, an dessen Blättern und Früchten 
die Vögel pickten.'-) Das Türgebälke des nördlichen Quei-schiffflügels 

*) Abb. im nächäten Heft. 

*) Höhe der Haupttiir über dem Schuttniveau 2.10 m, Breite 2.30 m, Tür- 
sturz 0,70 m hoch. 



ist lierabgestlirzt , am zerfressenen Gewände ist nur nocli das Ge- 
winde mit dem Gaisblatt zu erkennen. In die innere Ostwand des 
nürdliclieu Querscliiffes war als Graffitto die folgende alte Inschrift 
eingeritzt: 

KfcBOHeXO-^ÖAOCöe ;;/; K(vQ,)tßorid[H] t6[v] SovX6[v] aov e[ioY 
<l>?IAAKTOK€AYTl ,' ,' 7 (f.[o]aaxio[v] xal Xvt[ow]- 
COAYTONAnOnACHC ffo[i'] airöv äno ndarjs 
ANANKHC ävüyAm. 



Grabmonument zu Tomarza 187 

Eine spätere, jetzt längst wieder verschwundene Vorhalle vor der 
Westfassade hat ihre Spuren in den rohen Einschnitten zurück- 
gelassen, die man bis auf die Wandtiefe in das Gesimse machte. 

Nordwestlich in einer Entfernung von 50 Schritt steht auf hohem 
Basament eine massige Säule mit einem stark ausladenden Kapital, 
4as von zwei Reihen sehr zerstörten Akanthus umstellt ist.^) Ein 
mächtiges Kreuzrelief dehnt sich über die halbe bauchige Säule 
aus und ist erhaben und gleichzeitig gearbeitet. Im Boden daneben 
steckt eine gleiche Säule tief in der Erde und gehört nicht an 
diese Stelle. Sie stand vielmehr nach der einstimmigen Versicherung 
der Bewohner auf dem hohen Unterbau neben der jetzt noch darauf 
befindlichen Säule. Das über dem heutigen Terrain noch 1 m sich 
erhebende Basament mißt an der mit einem Kreuz verzierten 
Schmalseite 1,45 m, die Breite der Stirnseite läßt sich ohne Aus- 
grabung nicht sicher feststellen, da die entgegengesetzte Seite halb- 
zerstört ist. Ringsum läuft ein größtenteils abgeschlagenes Gesims. 
Über einem 0,40 m hohen Sockel erhebt sich die Säule, die mit ihrem 
Fuß bis zum Kapital 3,15 m beträgt, an ihrer ursprünglichen Stelle. 
Es ist fraglos ein frühchristliches Grabmonument, bestehend aus 
Unterbau und zwei Säulen darauf, wie wir in Syrien eine ganze 
Reihe derartiger Denkmäler kennen.*) 

In der Nähe der Kirche und dieses Grabmonumentes sehen 
wir noch eine ganze Anzahl unterirdischer Kapellen und Toten- 
kammern in den Travertinboden eingehauen, deren Decke jedocli 
meist eingestürzt ist. Die stattlichen Neubauten der Kirchen und 
Privathäuser im Orte selbst zeigen, wie die malerische Bauweise 
mit verschiedenfarbigem Stein noch in alter Weise geübt wird. 
Der Türke Kleinasiens hat dieses Motiv vor allem in den Segment- 
bogen seiner Türeinrahmungen angewandt. 

Zwei Stunden nordöstlich hinter Tomarza stießen wir in den 
Bergen auf das Miniaturbild der Panagiakirche. Dort wo eine 
höhlenreiche Schlucht nach Osten in der Hochfläche ausläuft, 
hausten einst Mönche auf magerem Fleck in sicherer Weltabge- 
schiedenheit und doch auf einer Hochwarte, von der aus ihre Blicke 
unbegrenzt vom Taurus zum Argäus und zu den nordkappadokischen 
Berghöhen streifen konnten. Sie ruhen längst in den sprachlosen 
Gräbern, die sie sich um den Schatten der Kirche herum in den 
harten Felsboden eingegraben haben. Die Nacht brach herein, ehe 

^) Abb. im andern lieft. 

^) Vgl. BuTLKR, Publications of an American areb. exped. to Syria II 
p. 59 (Sermeda), p. 62 (Benabil), p. 63 (Kefr Kuma). 



188 



Busluk-Fesek 



ich die Kammern der Felswände untersuchen konnte, in denen die 
Kohorten des Basilius hausten. In solche Bergeinöden zogen sich 
die drei* großen Kappadokier zeitweise zurück, um Welt und 
irdische Arbeit zu vergessen. 

Busluk-Fesek heißt der Ort, wo diese im Volksmund fortlebende 
„Kirche der Panagia" zum Teil noch aufrecht steht (Abb. 63 u. 64)* 
Pilaster schmücken die Wände des vom Querschiff gekreuzten 
Langhauses und die Ecken des fünfseitigen Chores, dem wieder im 
Schnitt und Aufriß der Hufeisenbogen zu Grunde liegt. Über dem 
umziehenden Gesims erhebt sich der bekannte unschöne Zwerchpilaster 
von nur 0,70 m Höhe mit plumpem Fuß und schwerem Kapital.^) 




^««i,^ - .(- f -) — I ♦ f - 1 — ■♦■ — t — 1 

Abb. 63. Plan der Panagia zn Busluk-Fesek. 

Das letztere zieren in seiner reichen Profilierung Palmetten, Rosetten^ 
Kreuze mit Nägeln und vertiefter Zickzack mit Tropfen.*) Das 
(xesims, welches die Pilasterkapitäle der untern Ordnung ver- 
kröpft und die Fenster rundbogig einfaßt, bricht an der Nordseite 
zweimal um, indem es der Neigung des abfallenden Geländes 
Rechnung trägt und somit die fensterlose Nordwand belebt. Die 
Kehle des Hauptgesimses (0,38 m hoch) bringt wieder (ias beliebte 
Zungenmotiv, das an zwei Stellen durch Reliefs von A'ögeln und 
einem Buckelochsenpaar 3) unterbrochen wird; darüber liegen nur 
noch geringe Reste des aus Konsolen gebildeten Dachgebälks. Der 

^) Fuß dieses Pilaslers 0,43 m, das Kapital 0,57 m hoch. 
*) Abb. des Kapitals und der Chorscite im nächsten Heft. 
^) Siehe ein gleiches unten p. 196. 



Die Panagia zu BuBluk-Fcsek 189 

Buckelochse, das indische Zebu, kommt schon auf den kleinasiatiselieii 
Denkmälern der römischen Kaiserzeit Öftei-s vor. In Skupi und 
Atschyk Serai werden wir ihm nochmals au kirchlichen Monumenten 
hegeg:nen,*) Kapitale und Hauptgesimse waren polychrom bemalt. 
am besten hat sich der kappadokische Mennig erhalten. Das 
Kapital südlich vom mittleren der drei 1,85 m hohen Chorfenster 
trägt die metrische Inschrift: 
KYPieOKATYKON Kvqn h xaioixwv 

TO?eONAßOeee?AnAN7/;','' röf»-] al<Sva liov»i\i] Snav[Ta]. 
Darüber sieht man an der Deckplatte Palmetten und Vögel, 
Die Portaltür, wie die übrigen Eingänge einfach profiliert und 



Abb. 04. strebe der Piaigia la Bailsk-FMek. BO. 

stark zerfressen, trägt im Sturz ein Kreuzmedaillon, wie ein solches 
auch oberhalb des rechteckigen Fensters über der nördlichen Quer- 
schifftür eingeliauen ist. Von den profilierten Tragbogen, welche 
sich über der Durclischneidung von Längs- und Querschiff erhoben 
und von denen zwei heute no(^h in die Luft rageUj ruht der west- 
li<;he auf Kapitalen von Wandpfeilem, die wiederum mit dem Zick- 
zackornament und tien Tropfen in den ausgesparten Feldern versehen 
sind. Die übrigen Bogen sprangen über einem schwach hervor- 
tretenden Wantlkapitäl in die Mauern ein. In Ansehung der vielen 
Quadeitrümmer im Innern ist die Annahme einer Tonnenwölbung 
und einer Kuppel über dem Mittelraum die wahrscheinlichste, ob- 

') Pkhrot-Cbipibz, Ilistoire (to l'art III, 132. — Lanckkbosski, SUdte Piim- 
phyliens u. PisidieoB 11,49. — Athen. Mitteil. XXHI, 151 Anm. J. 



190 Von Tomarza nach Sindjidere 

wohl ich zugehörige Werkstücke daselbst bei der mir zu Gebote 
stehenden Zeit nicht finden konnte. Die Mauerkonstruktion hat 
wieder die gleiche treffliche Fügung und Versetzung der glatten 
Trachytquader samt einer geringen Mörtelbindung nach innen zu. 

Nur 15 Schritte südlich von dieser Kirche wird ein 9 m langer 
und 8,70 m breiter Raum von einer einen Meter starken Mauer 
umgeben. Über der dritten noch erhaltenen Quaderschicht sitzt 
das Werkstück eines tiefeingekehlten Sockelgesimses mit einer 
Obern viereckigen Einarbeitung. Säulen und Basen, letztere mit 
einem Durchmesser von 0,65 m liegen rings umher. Zu ihnen ge- 
hörten kämpferartige Kapitale, deren Kanten, mit breiten, kunstlosen 
Blättern gedeckt, allmählich in das untere Rund von 0,60 m Durch- 
messer übergehen, welcher demjenigen des Säulenkopfes entspricht. 
Nun mißt die Basis dieser Stützen unten genau so viel, wie jene 
Einarbeitung des Sockelgesimses. Wir müssen uns daher einen 
säulenumstellten Bau rekonstruieren, der nach dem Schnitt der 
Blätter aus christlicher Epoche stammt. Ich denke deshalb an eine 
säulengeschmückte Brunnenhalle, in der das Wasser dieser dürren 
Hochflächen gesammelt wurde. Alle den Berg hinabverschleppten 
zahlreichen Säulentrümmer gehörten diesem Bauwerk an, über das 
sich erst auf Grund einer Aufgrabung mehr sagen ließe. 

Indes ich mich noch nach Werkstücken rings umsah, war 
die Finsternis, die so rasch den Wanderer im Orient überfällt, 
die Täler heraufgestiegen, und wir mußten den halsbrecherischen 
Weg mit unsern Pferden hinabziehen und noch manches in dieser 
Einsiedelei unerforscht dahinten lassen. 

Die faulen Trauben von Tomarza reizten nicht zu längerem 
Aufenthalt. Dem Argäus zustrebend überschritten wir den west- 
lichen Höhenrücken Kütschük Tepe , auf dem wir an einer kleinen 
antiken Siedlung Katschakly vorüberkamen. Sary Mahmut und 
Suren blieben in einiger Entfernung vom Wege liegen. Kurz vor 
dem ärmlichen Gütschü wandten wir uns nördlich nach dem 
Felsendorf e Kelgin. Von einer einstigen Kirche trafen wir noch 
ein paar Werkstücke an und im Kamin einer Lehmhütte, durch 
den die Weiber fürchterlich heraufschrien, eine verstümmelte In- 
schrift. Ein Dorfbewohner führte uns zu einer kleinen, nördlich 
von Kelgin gelegenen Ruine, wahrscheinlich einer Klosteranlage. 
Ein mächtiger Pfeilerblock, mit großen griechischen Kreuzreliefen 
bedeckt, scheint zu einer nahen rechteckigen Gebäudeanlage zu 
gehören, die aus großen Quadern errichtet wai\ Auf der ver- 
wirrenden Trümmerstätte, die bereits unter den Pflug genommen 



Kabachly. Tschomachly 191 

ist, ließ sich ohne Grabung kein Plan feststellen. Am Mittag trafen 
wir in Kabachly ein, dessen altem Namen Drazala Levidis in öffent- 
lichen Verzeichnissen gefunden hat.^) Auf dem nordöstlichen Hügel 
stand ehemals eine aus großen Quadern erbaute Kirche, an einem 
Ort im Blachfeld, Monastir-Gjeri , deckten die Einwohner vor 
mehreren Jahren eine Klosteranlage auf. Die Werkstücke dieser 
Ruinen, mit Kreuzen und christlichem Ornament geschmückt, stecken 
heute in großer Anzahl im Boden des ausgedehnten türkischen 
Mesarlyk. Kaum mehr als Fundamentreste sind in Kütschük Indjesu 
von den ehemaligen beiden Kirchen erhalten; ihre Marmorsäulen 
sind zu Brunnentrögen ausgehöhlt. 

Die letzte Enttäuschung auf diesem Streifzuge erlebten w^ir 
in dem ungastlichen Tschomachly. Von den 28 vor einem 
Menschenalter im Dorf und in seiner Umgebung sichtbaren Höhlen- 
kirchen und Freibauten fanden wir nur noch den Best einer Kirche 
draußen auf dem Friedhof.-) 

Jedes Grab — es ist schmählich anzusehen — hat sich sein 
Werkstück von der einst hübschen Kirche geholt, die zu zwei 
Dritteilen in der Schwemmerde steckt. In wenig Jahren ist der 
bequeme Steinbruch auch verschwunden. Hier kann man bemessen, 
welche Massen Humus von den jetzt zum Erschrecken kahlen 
Höhen ringsum niedergegangen sind* Der genau östlich orientierte 
Bau war eine vom Kreuz durchsetzte tonnengewölbte Basilika, 
(leren Mauern aus schönen, glattbearbeiteten Tuffquadeni mit Zu- 
hilfenahme eines starken Bindemörtels im Inneren errichtet sind. 
Ein Gesims lief innen und außen um den ganzen Bau herum, die 
Vierungsbogen, von denen noch derjenige des Langhauses und des 
nördlichen Querschiffes aufrecht steht, sitzen auf schön profilierten 
Pfeilerkapitälen. Ein Tambour muß zur Kuppel hin vermittelt 
haben, da der Scheitel der nördlichen Quertonne heute noch um 
ein bedeutendes die Tragbogen der Durchschneidung überragt. 
Nebenräume schlössen sich an das ebenfalls tonnengedeckte Lang- 
haus im Quaderverband an, ohne jedoch Seitenschiffe zu bilden. 
Das Material der übrigen Kirchen ist zum Bau des rasch auf- 
blühenden , aber äußerst schmutzigen Armenierdorfes verbraucht 
worden. 

Nach kurzer Rast im gastlichen Kloster von Sindjidere zogen 
wir ostwärts über die hügelige und von canonartigen Tälern durch* 

^) Levidis, Ai Iv ^ovoXld-oig ^lovcu p. 64. 

*) Levidis, ib. p. 65. „'£äI dk tibv Tttgt^ TtoXXtbv X6(p(ov ijQi^uriau tixoaiv oxtcj 
vaovg ßv^avTivfiS i'Jto%)^g.*'*' — Abb. der Kirche als Titelblatt im nächsten Heft. 



192 Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi 

furchte Hochfläche. In der eine Stunde entfernten, von Höhlen- 
wohnungen belebten Felsenschlucht von Iskokson zeigt man noch 
das Hagiasma des Chrysostomus , dessen Verbannungsort Cocussus 
die umwohnenden Griechen hier suchen. Zerstört ist die alte, 
überirdische Kirche des Charalambos. Über Ispile, das seinen 
Namen von den unterirdischen Wohnungen herleitet (antikaiov), 
ging der Ritt dem Koramäsdagh, dem „Gebirge der Höhlen", ent- 
gegen. Zu Janartasch machten wir im Kloster der Taxiarchen 
Michael und Gabriel kurze Mittagsrast. Der Phengitis, welcher 
dem Ort den Namen gab, leuchtet noch im Chorfenster der statt- 
lichen Hauptkirche, die auf der malerischen Höhe der Sage nach 
von Helena gegründet wurde. Dieser „Wunderstein" ist der gelb-durch- 
sichtige, in Kappadokien öfters vorkommende Lapis specularis, den 
schon Hamilton auf seinem flüchtigen Besuche von Janartasch als 
solchen erkannte. Im Sommer bildet der Ort eine Villegiatur für 
die Bewohner Cäsareas. Manche heilige Quelle trifft man auf dieser 
Strecke, deren köstliches Naß schon von den alten Einwohnern 
dieses wasserarmen Landes göttlich verehrt wurde. 

Hinter Evkere und Nirse sahen Avir in weiter Einsamkeit eine 
hochragende Basilika, die von den Bewohnern des nahen Skupi und 
Ajernas das Kloster der Vierzig Märtyrer von Siwas genannt 
wird. Dieser Bau verdankt seine fast einzigartige Erhaltung dem 
Aberglauben, mit dem die Griechen vor alters und noch jetzt die 
frevelhafte Zerstörung einer Kirche zu hintertreiben wissen. Wer 
einen Stein wegreißt, verliert nach der Sage Hand oder Fuß oder 
stirbt bald eines jähen Todes. Wir werden im Verlauf sehen, daß das 
Oktogon von Suwasa und die Kizilkilisse in Siwri Hissar der gleichen 
Legendenbildung ihre Erhaltung verdanken. Auch Ramsay be- 
richtet von ähnlichen Beobachtungen. Papa Nikolaus in Skupi, 
ein Künstler im Holzschnitzen, und sein Bruder, der Feldscherer 
Stauros, in dessen Wohnung wir das allereigenste Konterfei der 
Goetheschen Garküche fanden, leisteten uns brave Dienste und 
sorgten für ein leidliches Unterkommen. 

Die Kirche der Vierzig Märtyrer, der bekannte, kreuzdurchsetzte, 
einschiffige Basilikentypus endet im fünfeckigen Chor, der wieder den 
Hufeisenbogen nach Grund- und Aufriß in Anwendung bringt (Abb. 65). 
Vier Pilasterordnungen, jedesmal vom Gesims geteilt, erheben sich 
übereinander, die Wandflächen reich belebend. Nachträglich, doch 
nicht sehr spät wurden Diakonikon und Prothesis seitlich an die Apsis 
im Stil der letzteren angebaut, als eine reichere Liturgie auch eine 
Vergrößerung des Baues erheischte. Und noch später fügte man im 



Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi 



193 




Abb. 65. Die Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi. SW. 

Süden, in halber Kirchenlänge, ein Paraklission an, von dem jedoch 
heute kaum noch die Grundmauern zu verfolgen sind. Die Kirchen- 
anlage ist scharf nach Osten ausgerichtet. Ist das niedrige Querschiff, 
von den Längsmauem um ein bedeutendes überragt, senkrecht zur 
Kirchenachse mit Tonnen gewölbt, so war der Naos samt dem sonst 
von der Kuppel bedeckten Vierungssaum ursprünglich flach mit Balken 
bedeckt. Hinter den jetzt größtenteils abgefallenen, späterhin vor 
die Längswände gelegten Wölbungsmauern sieht man je vier große 
Balkenlöcher zwischen den Bogen der obern Fensterflucht, in 
welchen die Enden der Querbalken saßen. Später wurde über dem 
Hauptraum bis zur Halbkuppel des Chors hin eine Tonnenwölbung 
in der Weise angelegt, daß man vermittelst acht vor die Wände 
gestellter Pfeiler einen Mauerrost aufführte, der die Halbtonne 
trug.^) Die konsolenartigen Kapitale dieser Arkadenwände haben 
rohen Zahnschnitt, Palmetten und Zungenmuster. Die Spuren jener 



^) Abb. des Innern im nächsten Heft. 

Rott, Kleinasiaiische Denkmäler. 



13 



194 



Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi 



späteren Eindeckung sieht man sowohl an den tiefen Einschnitten 
der Arkadenbogen in die alten Mauern als auch an den runden 
Einhieben in die innere Westwand, deren Scheitel im obersten 
Werkstück des gegenwärtigen Giebels sichtbar ist. Die Verlängerung 
dieser halbkreisförmigen Einarbeitung, in welche die Tonnenwölbung 
hier eingriff, fällt nach unten direkt mit der Oberwand über den spätem 
Pfeilerarkaden zusammen, ein Beweis, daß die spätere Tonnendecke 
nicht auf den alten Umfassungsmauern auflag. Ein Satteldach schützte 
die Tonnenwölbungen der Querräume wie auch des Langhauses. 






I 





Abb. 66. Grundplan der Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi. 

Das Innere Avar durch zwei Reihen von Fenstern an der Längs- 
seite und drei Fenster übereinander an der Fassade (das unterste 
2,35 m hoch und 1 m breit) wie durch drei hohe Chorfenster reich- 
lich erhellt. In sämtlichen Leibungen sind regelmäßige Löcher 
für Verschlüsse vorhanden. Noch vor der spätem Einwölbung war 
die Kirche bemalt worden. Nach den am südöstlichen Chorpfeiler 
und den Chorwänden vorhandenen Freskenresten, in welchen Ro- 
setten mit grünen und roten Ornamenten wechseln, müssen sie 
klassisch gewesen sein und der frühchristlichen Zeit angehört haben. 
Außer roten und grünen Farbspuren ist heute alles von der noch 



395 Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi 

erhaltenen Stuckscliiclit verschwunden. Um eine Verbindung für 
die nördlichen und südlichen Anbauten zu schaffen, brach man Türen 
in die Ostwände der Querschiffe. Die spätem tonnenüberwölbten 
Kebem-iiume zeigen die gleiche Anlage wie die Apsis und an der 
Seite tiefe, vom Hufeisenbogen geschlossene Arkosolnischen. Auch 
durch die Südwand des Querschiffs schlug man eine Tür, um die 
Kirche mit dem Paraklission zu verbinden. In den fünf Löchern 
über diesem Durchgang und an den südlichen Eckpfeilern von Chor- 
und Langschiff saßen die Balkenenden einer Holztribüne. 

An der Außenseite müssen vier Pilasterordnungen übereinander 
gestanden haben; denn an derSüdmauer kann man hoch oben eben 
noch den Fuß und das Stück eines Pilasters erkennen, welcher der 



Abb. es. OcbKiirelicf an d«r NordoMecke der „Vluzig Märtyrer" bo[ Bfcupi. 

vierten Eeihe angehört. Jede ist durch ein verkröpfendes, den 
ganzen Bau umschließendes Gesims abgeschlossen. Die Chorecken 
zieren schöne Pilasterkapitäle mit Palmetten, Rosetten, Akanthns 
und Gewinde. Das über ihnen liegende Hauptgesims besteht aus dem 
bekannten Zungenfries und der tiefen Hohlkelile mit dem Konsolen- 
gebälk darüber. Auch einem Paar Buckelochseu begegnen wir hier 
wieder an der Nordostecke(Abb.68). Am Westgiebel stieg dieses Dach- 
gebälk einst ebenfalls empor, doch ist dasselbe heute bis auf einige 
Werkstücke der untern Hohlkehle abgefallen. Der Sturz der reich 
profilierten Türen ist durch einen scheitrechten Bogen entlastet, von 
dessen Keilsteinen noch keiner aus seinen Fugen gewichen ist, ein 
Zeichen für die treffliche Bauweise. Über dem Portaleingang wie 
über dem des nördlichen Querschift'es prangt ein schönes griechisches 
Kreuzrelief in einem Kranz, der von antikem Perlstab und einem 



Kirche der Vierzig Märtyrer bei Skupi' 197 

Steg eingefaßt ist. Auch in die Stirnseite des Triumphbogens ist 
ein griechisches Kreuz in Medaillonform gemeißelt. Von der Um- 
schrift konnte ich noch entziffern: 



KeeAeeiCGL)N??e?ioT?inAi7///7 K{vQi)B aenaov..,nai[aiov(;?)]. 

Als Material benutzten die Bauleute Trachytquader, deren 
warmes Eot von weither glänzt. Die glattbearbeiteten Werkstücke 
mit scharfen Stoß- und parallelen Lagerfugen sind nur nach innen 
mit dünnem Mörtelguß ausgefüttert. Da um den hochragenden Bau 
sich massenhafter Schutt häuft, so konnten die späteren Fundament- 
reste vor der Westfassade nicht genau festgestellt werden. An- 
scheinend trugen zwei seitliche Kammern eine Empore, von der aus 
die Frauen durch Vermittlung des großen Fassadenfensters dem 
Gottesdienst in der einschiffigen Kirche beiwohnten.^) 

Unter dem Boden des Langhauses läuft bei der Westwand be- 
ginnend in der Richtung der Kirchenachse mehrere Meter unter der 
Erde ein kryptenartiger Gang hin. Er ist sorgfältig ausgemauert, 
tonnengewölbt und an den Wänden immer im Abstand von einem 
Meter mit einem roten Kreuz bemalt. Nach einigen Metern neigt 
sich der Gang stark abwärts, und die steinerne Abmauerung hört 
auf. Da eine hohe, steile Felswand einige Minuten hinter der Kirche 
der Vierzig Märtyrer den direkten Zugang zum Tal und zu dem eine 
Viertelstunde entlegenen Dorfe Skupi sperrt, so nehme ich an, daß 
dieser Stollen, den ich etwa zwanzig Meter tief hinab verfolgte, im 
Tufffelsen ehemals bis auf die Talsohle hinabgetrieben war und 
jetzt wohl verschüttet ist.^) 

Eine Reihe von Inschriften smd sowohl in die älteren Wände 
wie in die späteren Pfeiler eingemauert worden. 

Am zweiten Pfeiler der Nordwand (Marmorstein 0,38 m breit 
und 0,47 m hoch): 

+ eroonAnAceeiiicDiA; 7 + 'Eyvi b 7idn(7i)ag ©«oVam 

OAMAPTOAOCI// /7 6 aiAagrmUg ri[yov]' 

M6NOCMA4'i'AH ////y// fi^vog Maiovmi^) \nüoai]' 

*YrATINnANAriA // / ipvya Txiv navayia[v. 'ii\- 

KOAOMICATOn</ /7//7 y.o86t47]aa [top] tonolv] 

K6TAKeAHAr///|//;1J///// x«i rä xB).[X]ia .... [xai] 



^) Levidis sagt in seiner Beschreibung der Höhlenkirehen p. 93 : „'Ev rSy 
ytgovda) svQlaxovtaL noXXä y^rrj^ara, iv 61g difglonovrai aravQol kccI ttavätiXai, 
ffriiL6iov ort rccvta dal röav iv rj ftovg ravri] fiorßJdvTCöv." Heute ist von allem 
nichts mehr zu sehen. 

*) Auch Levidis p. 93 erwähnt dieses .^vTtoytiov ^oXarbv, als o o6r\yii xZt- 



198 Inschriften in der Kirche der Vierzig Märtyrer 

TONAPTHKANK€T,/// rö(i/) vägäij^cc xal T[a<] 

eVPACYA^KSATHCe ; &Vi,a[s] ffvv[i]}c[ri]a(t r/Ts e[tu]- 

TOKÖKeCTABPON // toxov xai aravQÖv [am- 

?0CATHC€KAICI//,7 A]wffa rjjg tx[x]lr,n,[ai]. 

2) KPATOCK€TAAI KQocrog xai ra Xot- 

nAAnepxpi35A' tjü ättsQ ym^ow 

KETHAf'eSOAOA/ xai ti)v i^odov 
K8TOA/KOnOA^ xal töv xonov 

OKCrHA^OCKH ö K{^gio)g yi{y]viCaxei. 

3) WAeBPOAAf'eCHNTON 'Iva ivgu ävtatv rJiv 

nOAONMÖC<t)AA «o/.[A]«v fiov ayaX- 

MATON + fiärwv. 

Über dem Westfenster des südlichen Querschiffes: 

+ YriAArAneTOY + ' ry«« 'Ayanj3Tov 

KAOeO^OCIOY xa\i] 6to8oaiov. 

Hinter dem zweiten, jüngst abgestürzten Pfeiler der Nord wand : 

+ YnepeYXHC + ' ynio tixm 

APAKONA Jqüxova. 

Im nördlichen Querschiff ist mit großen, aber fast verlöschten 
Buchstaben in Mennigfai'be auf die Wände gemalt: 






, , CHN0XICMer<\AICeYnHPH<\CT€Ke3AAHCKe 
KINAOINOYC?nOeOnPOCTP€XONT6CK€nftTinPOCK'/ // 
OYaeYPOY€ AeOCKCCOCMiXNTICyHXI ? // /;; 

[. . . . ix tr)eV\ avvoyjiiS ficyähis anoQiasi?) re xai ^äXi]s xai xtvSviou 
o[v]v nöd-tp TtQoazgixoviee xai niaiu nqoax\yv]ovaiv (VQÖvrtg ^ksog 
xai amofia rijg '/'i';^»}[s] ....*) 

Ebenso an der Wand des südlichen Querschiffs: 

+ in<\NAXPA /,'///MHPTOYKY€nfcKlAC€N€NTOnOTOA 
riCÜ^KAT?K0IC6NeNT0 ; 

^) Etwa nach Apocal. VII, 14 „oi tQxoiitvoi ix rf/s ^Xljptag trjg fityccX?]?''. 
2^vvoxi'i und ccxoQia kommen nebeneinander vor bei Lukas XXI, 25. Oberkons.- 
Rat Dr. Ph. Meyer, der sich auch um die Interpretation dieser Inschrift mühte, 
weist darauf hin, daß das Wort ,,<Jw(7/ia" bei Theodor von Studiün belegt ist. 
Er denkt auch an die Möglichkeit eines Verses : 

c\:tOQiccg Tt y.u\ ^clh]g. usw. 



Unsere Wirte iu Skupi 199 

+ 'U naväxQcx[vtog] fA{i]T)t]o rov Kv{qIov) ineaxiaaep h ronq) riß 

Ein Türke, der uns beim Vermessen fragte, ob wir Abgesandte 
des Kaisers oder des Papstes wären, äußerte bestimmt, die Kirche 
müsse jetzt abgerissen werden, da man aus ihrem Material eine 
Reihe von Wohnhäusern bauen könnte. Und ringsum lag ein weites 
treffliches Feld, das zum allergeringsten Teil angebaut war. 

In unsern beiden Wirten von Skupi entdeckten wir einen 
wahren Wunderdoktor und einen Künstler. Die Offizin unsres 
Alchimisten sah toll genug aus. Da standen Retorten, Kolben, 
Büchsen, Arzneigläser, alte Rezeptbücher, Mineralien, Kräuter und 
andere Latwerge, Folterinstinimente, die jeder Antisepsis spotteten, 
Antica und Inschriften, echte und selbstverfertigte. Bei den letztern 
zeigte er uns schmunzelnd seine große Kunstfertigkeit, mit der er 
angeblich Engländer überlistet haben will. Papa Nikolaus brachte 
uns seine geschnitzten Schalen, Tabaksdosen und Stöcke, in die er 
ganze Heiligengeschichten im Typus der modernen griechischen 
Kirche eingeschnitten hatte, teilweise umfangreiche Szenen, die 
nur eine Künstlerhand in dieser Vollendung zustande bringt. 

Wir drangen in unsern Medicus, uns zu dem wunderbaren 
Elfenbein zu führen, das in dem unterirdischen Gang der Kirche 
gefunden und in den Besitz eines seiner Freunde zu Ajernas ge- 
langt sei. Nach langem Zögern bestieg er seinen Gaul, der einen 
fürchterlichen Aus^nichs am Leibe hatte, und ritt mit uns nach 
dem Nachbardorf hinüber.^) Unterwegs kurpfuschte er einen Menschen 
und ein Rind. Vor der Kirche in Ajernas angekommen, verschwand 
er, während das halbe Dorf und wilde Hundebestien sich um uns 
scharten. Plötzlich kam er, trat mit uns in die Kirche, drehte ab 
und holte mit bedeutender Gebärde aus seiner langen Manteltasche 
einen rohbearbeiteten heiligen Knochensplitter, an dem man allen- 
falls Spuren von Bearbeitung erkennen konnte . . . Doch weiter zur 
Wissenschaft, w^enn es auch nichts verschlägt, an einem einzigen 
Beispiel zu zeigen, wie man zu ihr kommt. 

Rasch ging's in den Sattel imd westwärts durch das Höhlen- 
dorf Dimitri, dann südwestlich durch das anheimelnde Gartendorf 



^) Im Dorfe Skupi selbst ist die Kirche der Koimesis erneuert, ebenso Ajos 
Georgios, in der ältere Werkstücke, z. B. der bekannte Zungenfries verbaut 
wurden. Westlich vor Skupi ist die Grarabklisse , eine tonnengewölbte Höhlen- 
kirche mit Querschiff und einer Flachkuppel. 

^) Die Kirchen zu Büjük- und Kütschük Büriinges sind vollständig in 
Moscheen umgewandelt. 



200 Im Kloster zu Surp Garabet 

Gessi, das die Griechen heute noch Nia Kaaciavri zum Unterschied 
von Beligesi oder Ilalaiä KaaaiavTj nennen. Im armenischen Kloster 
Surp Garabet, das gleich hinter Evkere erscheint, beschlossen 
wir den Tag. Hier hatte Texieb noch Höhlenkapellen und Gräber 
gefunden, die wir zu untersuchen gedachten.*) Wir fanden alles 
zerstört, teilweise durch die Neubauten des Klosters. 

Dasselbe liegt an einer sonnigen Felswand, über einer nordwestlich 
sich weithin ausdehnenden Ebene, aus der im Sommer böse Fieber- 
dünste aufsteigen. In der Nähe hat Chantke interessante Gräber 
bei Kara Öjük aufgedeckt. Trotz der Empfehlung des Patriarchen 
fanden wir in der Eesidenz des armenischen Erzbischofs von 
Cäsarea kühle Aufnahme und schlechte Bewirtung. Seine Eminenz 
machte auf mich einen geringen, um nicht zu sagen, lächerlich- 
dummen Eindruck. Wir taten mit ihm einen Bundgang durch die 
finstem Räume, namentlich die Kirche des Johannes Prodromos, 
der dem Kloster den Namen gegeben hat. Sie ist trotz der hell- 
blauen Fayence düster und verbaut. Der kunstvoll getriebene 
Schrein, der Johannes' Reliquien bergen soll, hat längst seine Ver- 
goldung verloren und steht in der unsaubem Ecke einer Kapelle, 
zu der eine Türe mit prächtig eingelegter Arbeit führt. Der Erz- 
bischof fragte mich, wieviel diese wert sei und die abscheulichen 
Dutzendbilder, die zu Lumpen zerrissen im Vorraum hingen. Als 
ich eine Darstellung der Madonna auf Fayence als roh bezeichnete, 
verschwand er. Ich erfuhr erst später, welche Verehrung er für 
dieses Jahrmarktprodukt hegte. 

Nachdem wir im nahen Evkere einige dumpfe, mediatisierte 
Höhlenkirchen ohne sonderliche Resultate durchsucht hatten, lagen wir 
bereits todmüde im Bett, als uns Seine Eminenz nochmals zum Verhör 
rufen ließ. Rings im Kreise saßen im niedrigen Zimmer schwarz- 
vermummte finster dreinblickende Mönche und andere wenig zahme 
Gestalten, denen die Kugel in den türkischen Massakres durch beide 
Wangen gegangen war. Ich konnte mir jetzt lebhaft vorstellen, wie 
einst ein spanisches Inquisitionsgericht aussah. Und der Inquisitor be- 
gann herrisch abzufragen : Warum wir nicht arabisch, warum nicht 
hettitisch verständen, wieviel Kreuzfahrerkirchen wir zwischen Cäsarea 
und Sarmusakly angetroffen hätten, — er behauptete steif, die Kreuz- 
fahrer wären lange in der Gegend gelegen und hätten viele Kirchen 
hier gebaut, — ob wir kein Pharmakon hätten, um verlöschte 
Handschriften und Palimpseste zu regenerieren, was wir von 
Kloster und Schule zu Sindjidere urteilten, was Chantre über 

^) Texier-Püllan, Architecture Byzantine p. 37 f. 42. 



Von Surp Garabet nach Cäsarea 201 

seinen Aufenthalt im Kloster zu Surp Garabet geschrieben hätte, 
ob wir uns auf alte Briefmarken, Arbeiten in Schildplatt und 
Fayence von Kutaia verständen, ob die Deutschen auch von den 
Hettitem abstammten wie die Armenier und was wir mit unsern 
Notizen machen wollten. Als der Schlaf uns schließlich niederriß, 
eröffnete er uns, daß wir am nächsten Morgen mit ihm offiziell in 
Cäsarea einfahren sollten. Um uns nicht auf dem heißen Boden 
dieser Stadt durch solche Demonstration einer Gefahr auszusetzen, 
sattelten wir, als der wachthabende Mönch mit fürchterlichem Klang 
die fünfte Stunde auf ein großes Eisen schlug, unsere Pferde, 
drückten einen reichen Bakschisch für den Erzbischof dem Stummen 
in die Hand und versprachen unsern ferneren Besuch in Cäsarea, 
was wir zwei Tage später auch vollführten, ohne viel an unserer 
Meinung über den höchsten Würdenträger der Armenier in Kappa- 
dokien zu ändern. 

Von den silbernen Schreinen in dem eine Stunde entfernten 
Armenierkloster Surp Daniel sahen wir nichts, weil niemand in 
der Morgenfrühe auf unser Pochen die hohen Pforten öffnen wollte. 
Unser wegunkundiger Führer, ein reitlustiger griechischer Barbier 
aus Sindjidere, führte uns hinter den Taubenschlägen von Evkere 
nach Taulusun und dem armenischen Derevenk (= fiortj kp (pa- 
ifccyyi) oder „Kloster im Tal". Von der dreischiffigen Säulenbasilika 
der Panagia stehen nur noch Trümmerreste aufrecht. Die Wand- 
pilaster der Innenwände trugen Kapitale mit spitzblättrigem Akan- 
thus, die Marmorsäulen standen auf sechseckigen Postamenten, 
und eine Tür führte im Süden zu einer parallelen Nebenkirche, 
vielleicht einer Grabkapelle. Die einstigen Fresken in der oberen 
Talschlucht, namentlich die der Theodorkirche, deren Hagiographien 
Levidis noch gesehen hatte, sind fast verschwunden. 

Den Sonntag verlebten wir beim Erzbischof Gervasios in 
Sindjidere, und ein herzlicher Abschied am hohen Burgtor trennte 
uns von vielen liebgewonnenen Freunden und von dem tüchtigen 
Mann, der Menschtum und Würde aufs Glücklichste vereinigt. 

Kein Altertumshändler und Forscher braucht sich in Cäsarea 
mit der Suche nach Antiquitäten lange zu bemühen. Alles Wertvollere 
und gut Gefälschte wandert durch die amerikanisierten Armenier 
nach dem westlichen Erdteil. Denn die Armenier von Cäsarea ver- 
stehen sich trefflich auf die Falsifikation von Silbermünzen, Bronzen, 
Terrakotten und Broderien. Als wir die unruhige Stadt wieder 
hinter uns hatten, besuchten wir eine Ruinenstätte, die uns auf 
dem Herweg von Indjesu schon aufgefallen war. Der Ort, Vi ran- 



202 (irab zu Viranichebr 

schein- (Örensclielir) oder Mouastir genannt, liegt an den Yorhiigeln 
des Suvermes Uagh liinauf, auf denen nach Aussage der Hirten 
noch größere Huineu sicli ausbreiten solleu. Kein Reisender liat 
bis jetzt dieses Gebiet durchquert. Eine halbe Stunde vom Weg 
entfernt stießen wir nuterhalb eines Grabhauses auf viele Stein- 
grfiber aus christlicher Zeit. Auf der Unterseite einer losgebrochenen 
Grabplatte waren deutlich die Buchstaben KVPIAKDC zu lesen 
mit einem großen, schön gearbeiteten griechischen Kreuz darüber. 
Eigentümlicli ist, daß wenig Schritte oberhalb dieser Sepulkral- 
anlagen ein ansehnliches Grabhaus leidlich gut erhalten aufrecht 



steht, das nach allen Anzeichen noch der heidnischen Zeit angehöit. 
Vielleicht wurde hier in der Nähe der großen Heerstraße von TyanA 
nach Cäsarea in frühchristlicher Epoche ein Heiliger beigesetzt, der 
das ganze Mittelalter hindurcli auch von dem Moslem in seiner 
Grabesruhe ungestört blieb. Denn erst neuerdings wurde der mit 
Quadern belegte Fußboden des kleinen Grabgebäudes aufgerissen 
und tief hinab durchwühlt. Im luneni der 12,10 m langen und 
7,20 m breiten Anlage sind kreuzförmig drei Nischen unter Bund- 
bogen in den Mauern ausge-^part , die aus glatten, einschichtigen 
yuadern in regelmäßiger Werkvei'setzung errichtet sind. Mit 
Rötel ist in die Rückwand der Nischen ein Arkosolbogen gemalt, 



Kuinenort Viranschehr 203 

ein deutliches Zeichen, daß einst hier christliche Sarkophage standen.^ 
Noch sind die Balkenlöcher einer früheren Holzeindeckung sichtbar. 
Später wurde der kleine Grabtempel mit einem Guß aus Mörtel 
und leichtem Vulkangestein eingewölbt, der wieder größtenteils 
abgestürzt ist. Ein reich profiliertes Hauptgesims lief um den 
ganzen Bau herum. Auf der Freitreppe oben, die zwischen 1,50 m 
breiten Eampen heraufführte und von der nur die untersten Stufen 
von 0,30 m Höhe erhalten sind, müssen Säulen gestanden haben, 
welche das Vordach trugen. Denn etwas tiefer als das Grabhaus 
traf ich eine mächtige Säulentrommel von über 1 m Durchmesser, 
die nur auf dem Stylobat des Pronaos gestanden haben kann. 
Wir müssen uns den Bau etwa in der Weise des Tempels der 
Fortuna Augusta in Pompeji, der Fortuna virilis in Rom und 
anderer römischer Bauten rekonstruieren, deren Rampen seitlich 
der Treppe frei hinaussprangen. 

Wenige Minuten ostwärts sind auf dem gegenüberliegenden 
Abhang die Fundamentreste einer dreischiffigen Kirchenanlage er- 
halten, deren hufeisenförmiger Chor außen im ^/g endete. Unter dem 
Apsis stieg ich eine Art Krypta hinab, die in den Tuff des felsigen 
Bodens eingehauen, aber leider eine genauere Untersuchung nicht 
zuließ, da sie völlig mit Spreu ausgestopft war. Levidis in 
Sindjidere hat diese Kirche einst in besserer Erhaltung gesehen.-) 
Viele Ruinenreste und Höhlenwohnungen, meist vom Schwemmboden 
fast völlig verdeckt, ziehen sich die Höhen hinauf und gehören in 
ihrem ansehnlichen Umfang einer alten Stadt an, die hier über der 
weiten bis zum Erdjas sich hinerstreckenden Ebene lag und nach 
Norden den Zugang zum Halys erschloß. Am obem Ende des kleinen, 
sich emporwindendeu Tales liegt das Dorf Chamurdji, in dessen Namen 
vielleicht das alte Kamulia wiederzuerkennen ist, wenn man dabei 
auf die im Türkischen beliebte Umwandlung gewisser Konsonanten 
achtet. '0 Zwei Kirchhöfe am Fuße dieser Hügel deuten auf die Be- 
siedlung der Ruinenstätte auch in nachbyzantinischer Zeit. 

Überraschend war der Blick, als wir hinter dem malerischen 
Tal von Indjesu mit seinem roten Sandstein plötzlich über öde 



^) Das Bruchstück eines großen Sarkophags liegt außen an der Nordseite 
des Grabes. 

*) Levidls ]). 96: ,*Ev totko xaZor/t^roo Biquv-oi-xIq ii^oi TtoXis xarfcrr^afi/i^vi] 
^Ttl X6(fov vTtfjQXb MovaGTijQiov, ovtLvos 6 vaog XL&oxtiaros Bv^avuvov gvd'iiov 
GvD^itat, iv iitQti ccoiY.r^xogJ" 

^) Kemer, das noch seinen altkappadokischen Namen bewahrt hat, ist nicht 
der Ort des einstigen Kamulia. 



204 Urgüb-Prokopion 

Hochflächen hinweg an den westlichen Klamm gelangten, und mit 
einem Blick das ganze übersonnte Höhlenland von Kara In bis 
zum hochragenden Felsendorf Ütsch Hissar hin übersahen, mit der 
Unzahl von Tuffkegeln und den Tausenden seltsamer Erosions- 
gebilden. Über dem Goldton dieser seltsamen Landschaften, deren 
Schluchten und Tälchen von oben wie gelbe Mergelgruben aussehen^ 
breitete sich in diesen Tagen das tiefste Herbstblau aus. Eine 
kühne Straße führt neuerdings nach Urgüb, einem aufblühenden 
Städtchen hinab, dem man es kaum ansehen würde, daß seine früheren 
Bewohner Troglodyten waren, wenn nicht die wabenartig ausge- 
höhlten Felsen, die jäh über dem Ort hängen, es deutlich verkün- 
digten. Der griechische Namen des Städtchens lautet Prokopion^ 
nach dem in Kappadokien hochverehrten Heiligen.^) Zur Zeit des 
Kaisers Leo Philosophos wurde Prokopion höchst wahrscheinlich zum 
Bistum erhoben, das jedoch bald nachher wieder einging.^) Aus 
Alabaster werden hier eine Menge von Gegenständen, namentlich 
Schüsseln und Vasen hergestellt, eine Industrie, die schon in den 
Tagen des Strabo in Kappadokien blühte.») Wäre die Bahn von 
Angora nach Cäsarea bereits gebaut, so könnte aus diesen Tälern 
vielleicht die größte Weinausfuhr Anatoliens stattfinden. Der Auf- 
schwung des Städtchens Urgüb hat auch die alten Höhlenanlagen 
mit ihren Malereien größtenteils zerstört, auch den „Dikelitasch"^ 
den Texieb noch in seinem Werk über Kleinasien abgebildet hat. 
Wir wandten uns deshalb in das SusamBayry, eine seltsame 
Höhlengegend zwischen Urgüb und Sinasos, wo PyramidenbergCy 
tunnelartig ausgehöhlte Rinnsale und Felsspalten, durch die sich 
der Wanderer kaum hindurchwindet, mit kleinen Eebenf eidern in 
höchst malerischer Verwirrung und überraschend plötzlich ab- 
wechseln. Nach kräftigem Klettern standen wir am Morgen des 
24. Oktobers am Eingang der reichgeschmückten Theodor kirche^. 
deren Fresken leider zu sehr verblichen sind, um eine Vorstellung hier 
geben zu können. Die einschiffige Höhlenbasilika ist mit ihrer fiachen^ 
das Hausinnere nachahmenden Decke, fast genau nach Osten ge- 
wandt Eine Grabkapelle wurde südlich parallel daneben gelegt^ 
deren fiktives Satteldach an die Sarkophagform erinnern soll. Auf- 
fallender Weise ist auch hier einmal in der Apsis und in den 
Arkadennischen der Wände der Rundbogen angewandt. Auf diese 

1) Acta Sanct.. 8. Jiüi XXVIII p. 577. 

^ Der von Gelzer in den Abhandl. der Bayr. Akad. d.W. HI Cl. XXI, 552 
(119) erwähnte Bisehof, 6 rov ^Aylov TlQOnoniov, kann nur hier gesucht werden.. 
^) Strabo, Geographie 540. 



Die Höhlenkirche des Theodor im Susam Bayry 



205 



und eine andere über ihr ausgeschnittene Totenkapelle mit ihren 
vielen Gräbern im Tuifboden beziehen sich die Inschriften, die in eine 
Nische seitlich vom Eingang zur Theodorkirche in die TufEwand 
eingehauen und mit roter Farbe einst ausgemalt wui'den. Heute 
sind die Schriftzüge bei der Weichheit des Materials sehr verlöscht. 

-HKYMHCICHoAUNoYMoNA^or nApAK 
AA(»io/i4Vf^ACA>eM>YArAnHTroCA{ 
AlcN^VH KAlTO^CA^XANfAo'fC^ HA 
N/rNH6TÖKKA(HTMP/öN/iörtfCTHCnA 

?oyctAcroyiCvKAtcojhfocHniN6fX€ 
TerA^^iTAf^rnA^fArxAfiriAuN kaian 

FiAcoN nt^AHA KAlfAßFlHAC^ÄniZO'.T^] 
ilr]HA N ACTA CITO N KAl KV /^h M.^ HCJ N 



+ Kol/it]eig luavvov ftova^ov. 
üaQaxaXw ovu Vftäg, äSikyot., ayaniiroi, ug Siä röi' [x]i)[(>(o]v xai 
tovg äQ;(ayj'[i]i.ov6, ftr] ävoiyvvlr^s rö xotfit]TT/Qi6v nov [§]ws tijg tiaQ- 
ovaiag rov xv[jgiov] xat awr^gog ^|u[w]i'. 'Egynai y«[p fi]txd fiV' 
Qi(id[o)]v äp^iayyikiuv xai äyyiXwv, Miy^arjX xul Faßoirß. a[a]X7n- 
Z6\y]t\wv T^tjv äväaTaai[y] twv xtxotfi^uivwv. 



+ 0TI€5 

T0kCl4N 
CeiCONHP 

encATO 

AVTHNei 
CKATOIKI 

AN€AVTOü 

AVTIKATA 

HAVCICMOV 

eiCAIWNA 

AIGONAAI 

OÜNA + 



+°0« i|«Ä6|oro K{igto)g TtivStiav, 

TjQiTiaaro airr/V üg xaiotxiav iav- 

Tip. Ai/tii [>)] xaränavaig fiov eig 

alüva aiüva alüva -|-.*) 



•) Vgl. Psalm 132 (131), 18. 14. (Septua- 
ginta). 



206 Die Höhlenkirche des Theodor im Susam Bayry 

/\AnyCOCdeot>üPov^ MM/\Tö/\/4TöK 

MdgrvQog Oboöcc^ov [rov aTQccvfjl^drov xa{l) ivöo^ov^ knttdrj 

In der Höhlenkirche des Theodor treffen wir nun ältere und 
jüngere Malereien beisammen. Auf den im Tuff zurückgearbeiteten 
Wänden breiten sich die Jüngern Zyklen aus, die künstlerisch hinter 
den auf dünnem Stuck aufgetragenen altern Fresken um ein Be- 
trächtliches zurückstehen. Beginnen wir mit der Nordwand. Bei 
Petri Fischzug ist das Meer mit grünem Zickzack angedeutet, 
bei der folgenden Auferweckung von Jairi Töchterlein das Bett 
unter eine hohe Architektur gestellt, weiterhin wendet sich Petrus 
(nach Matthäi 15, 23) unwillig ab, als das kananäische Weib 
Christum um die Heilung ihrer Tochter anflehte. Die Kreuzigung 
Christi mit Sonne und Mond, Maria, Johannes und den beiden 
Schachern, die mit gekreuzten Beinen an einem Baumstamm hängen, 
ist sehr zerstört; daneben liegt ein Märtyrer auf dem Ead, welches 
ein Henker zieht. Die dann vorspringende ursprüngliche Wand 
bringt die älteren Bilderreihen: Die Flucht nach Ägypten mit der 
aus dem Tor tretenden Personifikation des Landes. Nebenan sitzt 
ein König auf dem Thron, von zwei Begleitern mit auffallend 
semitischen Gesichtstypen umgeben; weiterhin steht eine halbab- 
gefallene Figur, vor der eine andere kopfüber niederstürzt. Die 
Szene müssen wir aus den Apokryphen deuten, nach dem arabischen 
Kindheitsevangelium (cap. X) und demjenigen von der Geburt der 
Maria und der Infantia des Erlösers (cap. XXIII. XXIV). Das 
erstere erzählt nur allgemein, daß das Götterbild einer Stadt beim 
Eintritt des heiligen Kindes in dieselbe niederstürzte und der Sohn 
des Götzenpriesters von Jesus geheilt wurde. Nach dem andern 
tritt Aphrodisias, der Fürst der Stadt, die Sozomenos Hermopolis 
nennt, in den Tempel, wo die Götter vorher beim Besuch von 
Maria und dem Kind zu Boden gefallen waren, und betet den 
wunderbaren Sohn Marias in Staunen an. 

Neben dem Traum Josephs darunter steht ein Jlönch in seiner 
Kapuze (xakvfjiavxi) und eine unkenntlich gewordene Orantengestalt^ 

^) Das übrige iat durch eine später eingebrochene Tür zerstört. Die Inschrift 
steht auf einem breiten Kranz, der ein großes Kreuz umgibt. 



Die Ilöhleiikirche des Theodor im Susam Bayry 207 

zwischen ihnen das Symbol der Seligkeit, eine Palme. Zwischen 
oberer und unterer Bildreihe ließ man im Tuif einen großen Kranz 
aus konzentrischen, polychrom bemalten Eingen mit einem griechi- 
schen Kreuzrelief in der Mitte stehen. Unter dem gleichen Orna- 
ment der Südwand nahen die drei bärtigen, als Könige gedachten 
Magier dem großen, buchhaltenden Christuskind. Daneben ist die 
Beischrift gemalt: AreAOC Oz^hfON TÖC MAföC (ärre?^og 
od}]ywv Tovg fiayovg). Dann führen zwei Männer einen nackten 
hochgeschwollenen Menschen, den Wassersüchtigen, zu Christus, der 
imWundergestus unter seinen Jüngern steht. ^) Beim anschließenden 
Brotwunder sieht man fünf Fische übereinander und drei Brotlappen, 
die auffallend an die in Kappadokien so beliebten Maisfladen er- 
innern. Die Heilung der Aussätzigen, Christus am Jakobsbrunnen 
mit dem samaritanischen Weibe, sein Einzug in Jerusalem (?) und 
seine Himmelfahrt nehmen den Rest der Unterwände ein. 

Die Decke, durch eine Bordüre von Heiligenmedaillons in zwei 
Hälften geteilt (leserlich Anastasius, Smaragdus, Dometianus, So- 
phonias, Sakerdos, Akakius) bringt wieder die jungem Fresken- 
reihen der Verkündigung, der Begegnung Marias in Begleitung 
ihrer schönen Dienerin mit Elisabeth, das Fluchwasser, Johannes 
unter Edlen in der Wüste, die Taufe Christi mit den kleider- 
haltenden Engeln und Palmbäumen am Jordan, die Verfolgung des 
kleinen Johannes durch Eeiter mit Lanzen und Bogenschützen, 
H *:ikHOX€T6 (oi diöixTai), und Elisabeth, die sich vor Herodes Bache 
in die Wüste geflüchtet hat, mit dem spielenden Johannes in einem 
grünen Haag.-) Die letzte Szene der linken Hälfte, eine Mutter mit 
Kind, dem ein heiliger Mann in Ehrfurcht naht, blieb mir unklar. In 
der andern Bilderreihe schreitet der schön gekleidete Jakob dem 
Zug nach Bethlehem vorauf, daran schließt sich Christi Geburt mit 
der Waschung, die Verkündigung an die Hirten, die flötenblasend 
unter ihren Schafen weilen, die Versuchung Christi durch den 
schwefelgelben Teufel in zwei Szenen, die Hochzeit zu Kanaan eben- 
falls in doppelter Darstellung: Christus mit seiner Mutter unter 
den Hochzeitsgästen und dann als Wunderwirker. Mit der Berufung 
Petri, dem Christus einen Fisch (?) darreicht, endet die Reihe. 

Im Chor thront der Pantokrator von den Evangelistensymbolen 
umgeben, darunter die Erzengel mit Feldzeichen und Kreuzschilden 
und die Cherubim und Seraphim, die ihre Gestalt mit ihren Flügeln 
verhüllen. Zwischen ihnen liest man: 

*) Siehe Abb. im andern Heft. 

*) Protevang. dos Jakobus XXII. XXIII. — Malerb. vom Berg Atbos § 425. 



208 



Die Saradschaklisse im Susam Bayry 



MYKPOCOTYnOCMerA?0<l)OP???APANT?NTYnONThMA 
TONTOnON. 

MtXQog 6 Tvnog (Bild), iM6;'a[/,]o[i/] yoQ[(!iv 

Uu](iQaVT[0P^ TV7T0V, TifXa TOV TOTIOV. 

Wieder finden wir hier die gleiche Farbensymbolik in der Dar- 
stellung des Bodens und der Hintergrunde wie im Soandere und die- 
selbe Ornamentik in den Gitter-, Zickzack- und Rautenmustem. 

Inmitten vieler Felspyramiden stießen wir auf die kleine, liiibsch 
ausgehauene, aber teilweise eingestürzte Saradschaklisse, eine 
dreischiffige Kuppelbasilika im Kreuz mit verblichenen Fresken 
(Abb. 70). Die Säulen tragen ganz romanische Würfelkapitäle mit 




Abb. 70. GrundpUn der Saradsohaklisse im Susam Bayry. 

Eckknollen, und der Hufeisenbogen herrscht durchgängig. Über den 
Tragbogen der Säulen erhebt sich, vom Gesims unterschnitten, ein 
Tambour mit hohen Blendnischen im Kreise ringsum, in denen ehe- 
mals Heilige gemalt waren. Die Seitenschiffe sind durch Quertonnen 
und Kreuzgewölbe eingedeckt und aufs schönste dekorativ aus- 
geschmückt. Hier waren an der West- und Vorderwand die sonst 
seltenen Marienszenen dargestellt, ihre Geburt, ihr Tempelgang, 
TA HCOAHA THC BKOV, ihre Vermählung und ihr Tod, 
H KYMICIC THC BK. An der Südwand konnten wir noch die 
Verkündigung, die Begegnung, die Geburt und Darstellung des 
Jesuskindes, im Chor den Pantokrator mit Buch zwischen Maria 



Die Saradschaklisse zwischen Urgüli und Siiinsos 209 

und dem Täufer and an den Kuppelzwickeln die Evangelisteusyni- 
bole entziffern. Kopien dieser kleinen Höhlenkirche sind ringsum zu 
sehen, deren Kuppel durch eine gemalte Architektur voi^etäuscht ist; 
Gesimse und Arkadenbogen ziert das bekannte Zickzackmuster. 

Man muß im Vollmondschein einer lichtvollen Nacht die Tro- 
glodytenlandschaften zwischen Indjesu und Newschehr gesehen haben^ 



mit den gewundenen Labyrinthen ihrer Täler und ihren mon- 
strösen Gebilden, um die phantastischsten und scliaurig-schönsten 
Kindrücke genossen zu haben. Die halbvergessenen Fabeln der 
Kindheit von Biskuithänschen , von Hansel und Gretel, von ver- 
wunschenen Schlössern und dämmerigen Grotten wie die Walpui^s- 
nacht kamen mir immer und immer wieder in den Sinn. Hier 
führt unverhofft ein niedriger Gang zu einem heimlichen, säulen- 



210 Das Höhlenland um Urgüb 

getragenen Winkel, dort tritt man plötzlich in große Hinterge- 
mächer mit völlig veränderter, fremdartiger Aussicht, hier weht 
mit einemal eine starke Zugluft herein, die von einem andern 
Tälchen herkommt und bald weiss man nicht mehr, wo die liebe 
Sonne und der Mond steht. Dort steigen wir durch eine halb- 
eingesttirzte Decke in eine Kapelle hinab, in der uns wüst erbrochene 
Gräber mit ihren Gebeinen anstarren; dort kriecht man durch Reben- 
geschlinge und wilde Bimbaumhecken rückwärts durch ein enges 
Loch zu den Heiligen hinab, die allmählich Fleisch und Blut an 
den Wänden gewinnen, wenn die Augen sich von der blendenden 
Tageshelle zur Dunkelheit hingewöhnt haben; hier badet man 
tief im Wasser einer zum See verwandelten Kapelle, an deren 
W^änden Gräber eingeschnitten sind, deren Tote zum Bittgebet für 
ihr Seelenheil auffordern: Alles intime Wunder, die der Reisende 
bei einiger Ruhe des Verweilens an den Orten dieser „maisons 
pyramidales" des Sieur Lucas erleben kann. Fast eine Woche 
verbrachten wir in diesen Tälern, nährten uns von köstlichen 
Trauben, brieten unsern schisch kebaby täglich am Spieße, klommen 
und kletterten uns müde, ohne je völlig die Neugierde und Ent- 
deckerlust stillen und befriedigen zu können. Es bewahrheitete 
sich das alte Wort des englischen Reisenden Hamilton: „No de- 
scription can convey a sufficient idea of the variety and novel 
appearance of this extraordinary tract of country."^) 

Wer von Urgüb nach Newschehr an den Punkt des Weges 
gelangt, wo derselbe jäh in ein Tal hinabfällt und die Schlucht 
von Gereme sich auf tut, sieht zur linken Hand einen mächtigen 
Felskessel, der rings von Pyramiden und Tuffwänden eingeschlossen 
ist. Dort ist das Zentrum einiger Höhlenkirchen und interessanter 
Fassaden, wie sie sich auch sonst im Gereme um die einzelnen 
Mönchsniederlassungen gruppenweise herumlegen. In der Südostecke 
daselbst zieht zunächst ein großes, leider zerstörtes Hufeisenbogen- 
portal die Aufmerksamkeit des Forschers auf sich (Abb. 72). Ihm 
liegt jene bekannte Fassade Texier's zu Grunde, die der franzö- 
sische Architekt aus der Phantasie mit gewohnter Leichtfeiiigkeit 
gezeichnet und in seiner Beschreibung Kleinasiens als eine im Tal 
Gereme vorhandene merkwürdige Architektur veröffentlicht hat, 
die bis in die neuesten Handbücher übergegangen ist.-) Nur diese 
Fassadenwand kann er dabei vor Augen gehabt haben, da eine andere 

^) Hamilton, Researches in Asia Minor II, 252. 

*) Texier-Pullan, Architecture Byzantine PI. IV. Zuletzt in der , Baukunst 
des Islam* von Franz Pascha (Handb. der Architektur) p. 12. 



Abb. 71. UureiianbogeD-FMMd« In Oeiuua b«l tTrgttb. 

von dieser Größe und Mannigfaltigkeit im Tal uicht existiert und 
anch nicht vorhanden gewesen sein kann. Der Einbau, von drei 
Türen durchbrochen, ist durch Pilaster und Gesimse in untere und 
obere Felder geteilt und die letztem durch Arkadennischen im Huf- 
eisenbogen geschmückt, in deren Tiefe griechisch-ausladende Kreuze 
mit roter Farbe anf grünem Grund gemalt worden. Darüber ragte 
eine Kapellenloggia balkonartig frei heraus, deren von zwei Blend- 
nischenreihen belebte Brüstungswand heute abgestürzt ist. Kuppel 
und Tonnen, von fingierten Wandpfeilern und Halbsäulen getragen, 
wölbten dieses obere Stockwerk ein, das zu ilrei großen hintern Räumen 
führte, denen auch im Erdgeschoß ebenso viele Kammern mit großer 
Tiefe entsprächen. ZicTczack-, Schachbrett- und Rautenmuster zogen 
sich an Gesimsen und Blendbogen in Rot und Grün entlang. 

In einer Lunette der Loggia sieht man rechts und links vom 
großen griechischen Kreuz Vögel and Bäume und das Monogramm 
HC XN. Durch die linke untere Tür mit ihrer hufeisenbogen- 
fürmigen Verdachung treten wir in einen ehemaligen Speisesaal ein. 
Vermittels einer im langen Hufeisen durchlaufenden Vertiefung in dem 



212 Die Anftlipsis- oder Peleraekirche zu Gereme bei UrgUh 

Tuffboden ivaren Tische und Bänke hergestellt, und die Tafel schloß 
an dem Ende wie bei der Trapeza auf dem Berg Athos mit halb- 
kreisförmigen Nischen.') Eine enge Treppe vermittelte von hier aus 
den Zugang zu den obem Etagen. 

Diese Fassade bildet die RUckwand eines von drei Seiten ein- 
geschlossenen Felsenhofes. Im Hintergrund führt ein enger Durch- 



gang zu der sehr dunkeln Höhlenkirche der Analipsis oder 
Peleme, vor der eine schmale Grabkapelle gleichsam als Vorhalle 
liegt. Von der Himmelfahrtsdarstellung daselbst (Abb. 73 u. 74) hat 
die ganze kirchliche Anlage ihren Namen. Unter den 15 Zeugen 
die Christo nachsehen, sind Petrus und Paulus besonders charakte- 

■) Siehe Abb. im nächsten Heft. — Brockhavs, Die Kuiist der Athos- 
klüBter p. 33. 



Die Aiialipsis- oder Pelemekirche zu Gereme bei ['rgiili 213 

risiert, auch Maria steht gegenüber im Kreis der Apostel und 
Engel. Nehmen wir noch die Palmen an den Bildenden hinza, den 
Engelreigen um Christus, der ia der Strahlenkrone auf der \^'elt- 
kugel thront, so haben wir eine Komposition, wie sie im Jlosaik 
der Hagia Sophia zu Salonik getreulieh wiederkehrt.') Die Flug- 



II 
S I 



bewegiing der Engel ist gut getroffen, dagegen streift die Gewand- 
behandlung der sonst ausdrucksvoll wiedergegebenen Personen direkt 
ans Häßliche. Zu Christi Füßen kauern zwei Gestalten ohne Nimben, 
vielleicht die Stifter oder Wohltäter dieser Kirche. Die Beisclirift 
lautet: 

') Die Abb. diesfä Mosaiks bei Schlimbehoeb, L'Ejioiitfe byzantine 111, 745. 



214 Die Analipsis- oder Pelemekirche zu Gereme bei Urgüb 

AeHCICTOYAÄAÄTOYeV Jims rov Sovlov rov &{€o)v 
IGJeNTAAMAnPCOY 'Ia}{dvvov) 'EvraXfia ng[B]alßvTig]ov^) 

und A6HCIC [tov Sovlov rov &eov] FC ? ? ? ? AH8 (ravvaSiov?). 

Die Verkündigung an der Nordwand und die heilige Trias bei 
Abraham an der Südwand ist nebst ein paar Heiligen alles, was 
in dieser Grabkapelle heute noch erhalten ist. Unter der tiefen^ 
hufeisenbogig gewölbten Nische reihen sich mehrere Gräber trog- 
artig aneinander. Ihre flachen Deckel aus Tuffplatten sind alle 
zertrümmert und das Innere durchwühlt. 

Die Finsternis, welche in der dahinterliegenden , nordöstlich 
orientierten Höhlenkirche der Analipsis herrscht, ist der Grund für 
die treffliche Erhaltung ihrer Malereien. Nur mit Fackellicht konnte 
dieser Raum einstens ausgemalt werden. Jeder von Bildern frei- 
gebliebene Fleck, selbst die Säulen und die Altäre, sind geschmack- 
voll dekoriert worden. Architektonisch ist die Anlage durch Säulen 
in drei Schiffe abgeteilt, denen ebenso viele Chöre im Osten ent- 
sprechen. Kuppeln und Tonnen wölben sich darüber in regelmäßiger 
Anordnung. (Vgl. die Lichtdrucktafel oben p. 81.) Folgendermaßen 
verteilen sich die erhaltenen Zyklen auf das Innere: 

An der Westwand: Die Verklärung Christi; seine Taufe mit 
der Personifikation des Jordans gleich einem schwarzen Teufel mit 
Hom und Kanne, Christus selbst ganz nackt im stauenden Fluß; 
die Auferstehung des Lazarus. 

An der Nord wand: Die Reise nach Bethlehem; Geburt Christi 
mit der Waschung, der Anbetung der Hirten und Magier. An der 
Unterwand der Erzengel Michael in Lebensgröße mit ausgebreiteten 
Flügeln, |VH O XONIATHC (Mixaril d Xojviccrmy) 

An der Südwand: Die Gefangennehmung Christi mit Petrus, 
der dem Knecht Malchus das Ohr abschlägt ; die Kreuzigung Christi 
ohne die Henker. Außer Sonne und Mond sieht man den Hekatont- 
archen, O AONXHNOC, den ysopreichenden Krieger, O eCOHOC, 
Adams Totenschädel unter dem Kreuz und Maria mit der Beischrift : 

HTAAerHTHMITPH Eha Uyu ry ^i^rgi: 

HZ\eOYOCOY 7(Ji 6 viog [a]oi;. 



^) Mit dem Amt des Presbyteros oder Kloster Vorstandes sind nicht notwendiger- 
weise priesterliche Eigenschaften verbunden. Vgl. im einzelnen die Schrift von 
W. Nissen, Die Regelung des Klosterwesens im Rhomäerreich. Hamburg. 1897. 

*) In Chonä bei dem alten Kolossä hatte der Erzengel ein berühmtes Ora- 
torium. Die Akten über die Wunder daselbst sind ediert von M. Bonnet, Narratio 
de miraculo a Michaele Archangelo Chonis patrato. Paris. 1890. 



Die Asalipsis- oder Pelemekirche zu Gereme bi'i UrgUb 21^ 

G^^enttber Johannes mit Christi Worten: 

HAOYHMITI-PCOY 'I3oi h ft^TtiQ eov. {Job. 19, 26. 27.) 
Hinter Maria stehen, wie das Malerbnch vom Athos es yorschreibt, 
die Myrrhenträgerinnen, £ MYPO't'OPG.') 

An der Südwand: Die Auferstehang, H ANACTACHC. Christus 
erlöst Adam und Eva, David und Salomo aus dem Hades. Sie tragen 
einen Heiligenschein. Als korrespondierendes Bild zur Anastasis 
sind die drei Männer im fem-igen Ofen, einem Hypokaust, darunter 
gemalt.-) Ein Engel hält schützend seine Hände Über sie. 



Abb. 7b. AbenduDiLI in der ADilipiiiklichc lu Oereme fa«l UrgUb. 

In den Lunetten: Das heilige Abendmahl, O -^HnNONC{!) 
O MYCTYKOC (ö ätlnvog i, /ivnTix6(). Man sieht Christus und 
Petrus, letztem am Tischende, beide in der unförmliclien Mandorla, 
im Hintergrund Architektur und Leuchter, auf dem Tisch Messer, 
Gabeln, Kelchgläser und den großen Fisch. Auch Judas trägt einen 
Heiligenschein (Abb. 75). 

An der andern Lanettenwand: Die Evangelisten Matthäus und 
I-ukas an ihrem Schreibpult, ihnen gegenüber entsprechend Markus 
und Johannes.") 

') Jlalerbuch vom Berg Athos § 300. ') Wegen der mystiBebeo 

Ausdeutung der drei Münner im Feuerofen Hiebe Brockhal's 1. e. )>. 66 f. 
'J Abb. im nächsten Heft. 



216 Die Analipsis- oder Peleraeltirehe zu Gereme bei l'rgüb 

Im südlichen Nebenchor: Abraham, uralt und moros; darunter 
das heUige Schweißtuch, TO AFHON MANAHN IC XC {T6 äyiov 
fiav[8v\Xi\o\v 'Iijaoig Xqiötov); auf dem gesäumten Tuche Christi 
Haupt mit Kreuznimbus.*) 

In der Hauptapsis : Die kleine Deesis, der Pantokrator auf dem 
Thron mit Maria und dem Täufer. 2) Zu seinen Füßen zwei kleine 
barhäuptige, proskynierende Personen in weißen Gewändern und 
Schnabelschuhen ohne Nimbus mit den Beischriften: 

A6HCHC TOY ^»AOY TOY BY N-IKH<DOPOY if 

.. BACIAIOY 

Jet]aig tov Sovlov tov &{eo)v NixJi^oQov 7rQBö(ßvTit)ov). 

An der l'nterwand die Heiligen : Gregor, Blasius, Chrysostomus, 
Basilius, Hypatius und Nikolaus, also namentlich diejenigen, denen 
die griechische Kirche die gebräuchlichen Litui^gien verdankt.^) 

In der linken Apsis: Die Panagia mit dem Kind. 

Im Tonnengewölbe des Hauptschiffs: Christi Einzug in Jeru- 
salem (>} ßaioipoQog sei. iooTn]) als Doppelszene. -») 

In der Hauptkuppel: Christus segnend, in den Zwickeln Heiligen- 
medaillons. 

In der Kuppel des Presby teriums : Christus lehrend mit der 
Rolle, auf der geschrieben: Ich bin das Licht der Welt 

An den Arkaden- und Gurtbogen sind die alttestamentlichen 
Propheten mit Schriftrollen gemalt.^) 

Ein paar hundert Schritte nordöstlich hinter dem Felsentor 
ist eine kleine Säulenbasilika aus der Felswand gehauen, die von 
den zwei tiefen Fußspuren in dem Boden den Namen Tscharikli- 
klisse führt. Ein frommer Heiliger soll sie mit seinen Knieen im 
beständigen Gebet ausgehöhlt haben. In die östlich angelegte 

^) Bbockhaus, Die Kunst der Athosklöster p. 76 f. — Wegen Abraham in der 
Prothesis vgl. Brückhaus ib. p. 65. — Das Keramidion habe ich nirgends gefunden. 

*) Vgl. das Kirehenmosaik zu Vatopädi auf dem Athos oder zu Grotta- 
ferrata, wo noch der Hegumenos dabei. Abb. bei >Schluaiberger , L'Epopee 
byzantine I, 581. II, 560. 

^) Brockuaus ib. p. 64. 

*) Beischrift außerdem: I nrOArOXTEC nach Markus XI, 9. „oi nqod- 
yovztg ncil ol av,okov^ovvxkg ^xqcc^ov . . .'* 

^) Dargestellte Einzelpersonen: Katharina, Paraskeue, Eudokia, Gorgias, 
Abibus, Samonas, Agapius, Theopistus, Eustathius. Akepsimas, Asklas (?), Photius, 
Anikitus, Kosmas und Damian, Theodote, Eirene, Enuphrius, Tryphon, Orest, 
Mardarius, Konstantin und Helena mit Kreuz, Prokop, Eugenius, Eustratius, 
Auxentius. Sergius und Bacchus. Panteleemon, Polykarp, Epiphanius,Theophylakt. 



Die Tscharikliklisse zu G creme Lei Urgüb 217 

Kirche steigt man durcli eine kleine Fassade, die mit Blendnischen 
arkadenartig gegliedert ist, in deren Tiefe griechische Kreuze poly- 
chrom gemalt sind. Vier Gräber im Innern stempeln die Anlage 
2U einer Grabkapelle, deren Chöre, Arkadenbogen und Fassaden 
wie sämtliche kirchlichen Bauten zu Gereme im Hufeisenbogen an- 
gelegt sind. 

An der Westwand neigen sich in Deesis ohne Nimben ein Leo, 
-ein Michael und ein Theognost, die beiden letztern barhäuptig, der 
andere mit einem Barett bedeckt, vor Christus, der in seiner Linken 
•den Kreuzstab hält.^) 

A6HCHC TOY ^ÖA» TOY BY eeorNOCTOY 

- A6ÜNTOC 
„ MIXAHA 

Jitjatg Tov SoQ.ov rov ß(t6)v QioyvdtöTov 
jdet]ais '• " - •> yltovTog 
/Je)]aig ?» '« « " Miyccr^'K. 

In den Apsiden sind die typischen Darstellungen : Links Maria 
mit ihrem großen Kind,-) im Hauptchor das Trimorphon, Christus 
zwischen Maria und dem Täufer,'^) darunter in gemalten Arkaden, 
die an die Kanonesbogen der Miniaturen erinnern, die Kirchenväter: 
ßlasius, Gregor, Basilius, Chrysostomus , Nikolaus und Hypatius, 
in der rechten Apside die mächtige Gestalt des Erzengels Michael. 

Um eine umständliche topographische Beschreibung der Bilder- 
vert eilung auf den einzelnen Wänden, Lunetten, Kuppeln und 
Gewölbetonnen zu vermeiden, zähle ich die Szenen der Reihe nach 
auf, da außerdem späterhin über ihre lokale Anordnung gehandelt 
werden soll. 

Die Geburt Christi mit der Waschung, den Hirten und Magiern, 
letztere mit spitzen persischen Mützen und Körbchen in den Händen ; 
Pferde und Bäume im Hintergrund deuten die Heimkehr in ihr 
Land an.^) 

Die Taufe Christi mit der Taube, den beiden kleiderhaltenden 
Engeln und dem in einen Teufel verwandelten Flußgott mit Füll- 
horn und Kanne. 

Die Auferweckung des Lazarus Christus mit Thomas und zwei 
Dienern, von denen der eine den Stein Avegwälzt, der andere den 
Toten aufwickelt. Dahinter viel Volk. 

^) Die Zeichnung dieser Darstellung und der Geburt im andern Heft. 
2) Brockhavs ib. p. 61. *) Brockhaus ib. p. 96. 101. — Mulerbuch 

vom Berg Athos p. 426. ■*) Malerbuch ib. ^214. 



218 Die Techarikliklisse zu Gereme bei Urgllh 

Der Einzag in Jerasalem. Christo folgen Tliomas und Petrus, 
uackte Gestalten haben Kleider hingebreitet, andere steigen auf die 
Palmbäuuie. 

Die Metamorphosis. Chnstus steht im Strahlenkreis zwischen 
Elias und dem sehr jugendlichen Moses. 

Judas Verrat. — Die Kreuztragung.*) Simon von Kyrene schleppt 
ein großes Kreuz, dessen Balkenenden wieder kreuzgeteilt sind, da- 
hinter viele Soldaten, H CTPATlOTe TON löiACON. 

Die Kreuzigung ohne die Schacher mit Sonne und Mond. — 
Christus, das Kreuzszepter tragend, in der Unterwelt. 



Die Auferstehung mit dem Engel auf dem Grabstein. — Die 
Analipsis. Maria Orans steht zwischen den beiden Männern und elf 
Aposteln. Dazwischen Palmbäume. Unter dieser Szene die Mutter 
Gottes mit ihrem Kind zwischen Gabriel und Michael. 

In der Hauptkuppel der Pantokrator als Lehrer, am Gesims 
des Auflagers sechs köstlich aufgefaßte Engel mit Szepter. In den 
Zwickeln die vier Evangelisten unter einer .ircliitektur mit Schrift- 
rollen, davor Schreibpulte, an denen andere Rollen niederhängen. 

'; Siehe Abb. im uüchsten IMt 



Höhlenbauten zu Gereme bei Urgüb 219 

Im Kuppelraum des Presbyteriums der Erzengel Michael.^) In der 
Lunette über dem linken Chor die heilige Trias (ij ydo^iBvia rov 
Aßgaüfi)^^) die im Hause Abrahams eingekehrt ist (Abb. 76). 

Wenige Schritte südlich von der Tscharikliklisse ist eine kleine 
Ereuzkuppelkapelle mit einer Darstellung des H. Mandilions im Chor. 
Unter dem Fresko des Reiterheiligen Georg steht die gemalte Inschrift: 

KeBOHGHTONA» K{tQi)B ßorj&ei rov Öov- 

AONC8APKOAOIKON lov aov 'AqxoXvxov. 

In die Blendnischen mit Hufeisenbogen außen am Portal sind 
schöne griechische Kreuze tief eingehauen, in der Vorlialle dahinter 
befinden sich beiderseits Arkosolgräber in den Wänden. 

Westlich von Texier's Fassade liegt vor einer ganz ähnlichen 
Kreuzkuppelanlage eine Grabkapelle als Vorhalle.'^ Reihenweis 
sind die Steinsärge, die über der Bodenflucht aus dem Tuff ge- 
arbeitet sind, hintereinander geschichtet, und in den Seitenwänden 
höhlte man tiefe Arkosolgräber aus. An dem Eingang dieser Grab- 
kammer zur hintern Kapelle lesen wir: 

KYBOYeH Kv{gu) ßor.x^u 

TONAYAO Tov doiU[v] 

CVeö^MÖ^AH (TOV QauuSn, 

An der linken Apsis: 

KYPH6 M KvqiB ßordn rov dovlov aov 

BOYeH 5 Mixar^L 

TONAY A 

AONCY Y 

AH 

Nun steigen wir westlich talabwärts fast bis zur Felswand, die 
senkrecht aus der Talsohle aufsteigt, in welcher im Herbst nur ein 
Wasserfaden abwärtsrieselt. Bei wild verkrüppelten Apfelbäumchen 
kriecht man durch einen fast völlig verschütteten Seitengang in die 
Elmalyklisse, deren ganze Vorhalle in die Tiefe des unmittelbar 
darunter sich hinziehenden Tales abgestürzt ist. Wiegen des ver- 
steckten und beschwerlichen Zuganges sind die Fresken dieser 
Höhlenkirche wenigstens nicht von Menschenhand mutwillig ver- 

^) Von Heiligen sind noch erhalten: Eudokia, Barbara, Prokop als Ritter 
zu Fuß, (icorg, Theodor, Paraskeue, Konstantin und Helena mit dem Kreuz 
zwischen ihnen, Kosmas und Damian, Andronikus, Probus und Tarachus. 

*) Brockhaus, Die Kunst der Athosklöster p. 104. 

*) Abb. im andern Heft. 



220 Die ElmalyUiflse zu «creme bei UrgUI. 

Dichtet worden, obwohl der Stack bereits scbichtweis von der 
trockenen Tuffwand abgefallen ist. Die bescheidene, nordöstlicli 
orientierte Säulenbasilika ist von acht hübschen kleinen Neben- und 
einer Hauptkuppel eingewölbt, die Malereien venaten dieselbe Hand 
oder doch den bis ins einzelne gleichen Stil, den wir in der Analipsis- 
und Tscharikliklisse angetroffen haben. 



Von dem einstigen Bilderzjkliis ist noch erhalten und sicher 
zu deuten: 

Die Gebiut Christi mit der Waschung, den anbetenden Hirten 
und Magiein, Hinter den letztern, welche knieeu, sehen wir Berg, 
Palmbäunie und Pferdetroß. 

Die Flucht nach Ägypten. — Die Taufe Christi (Abb.77). Johannes 



nie ElmiilykliBse zu Gi-reme Lei Urgiib 221 

legt die Hand auf Christi Haupt, neben dem ein Kreuz auf Posta- 
ment im Jordan erscheint. Sonst wie in den beiden andern Kirchen, 

Die AuferweckuDg des Lazarus. Vor f'hristus und den ihn 
begleitenden Thomas tritt die schön umwickelte Mumie ans der 
nindbogigen Grabestür. Die Frauen knieen vor dem Herrn. 

Die Metamorphosis. Außer Elias und dem jugendlichen Moses 
drei Jimger. 

Das Abendmahl. — Der Kinzug in Jerusalem.") Thomas hinter 
Christus, Kinder auf den Palmbäumen, Männer am Stadttor. 



Abb. 78. Die EmulguDg In der Elmiljklli» lu Gereme. 

Judas Verrat. — Gefangenführung (Abb. 77 oben). — Die 
Kreuzigung wie in der Tscharikli- und Analipsiskirche. Hinter 
Maria die Salbölträgerinnen, € MYPO*OPe (Abb. 78). 

Die Grablegung. — Die Auferstehung. — Die Himmelfahrt, 
H ANAAHnCIC. Hier der herrliche Kopf der Slaria noch sicht- 
bar und die Beischrift: 

ANAPeCrAAHAeV 'ApSqi^ raltXaloi, 

TH€CTHKATeßA€ ri iarijxaTB ßki- 

nONTCCTONOYPANON novits röv oigavöp; 

Der schwebende Christus von Engeln getragen. 

') Abb. Im andern Heft. 



222 



Die Elmalyklißse zu Gereme bei Urgiib 



An der ünterwand: Die drei Männer im Feuerofen mit dem 
schützenden Erzengel Michael. Beischrift: H TPHC 116 ACC €N 
TH KAMINO (oi TQSlg naldeg kp rg xa^uivcp). 

In der Hauptkuppel: Der lehrende Christus mit Buch samt 
den Evangelisten in den Zwickeln. 

In der Kuppel des Presbyteriums : Der Erzengel Michael, in 
den Pendentifs die Heiligen Auxentius, Eugenius, Orest, Eustratius. 

In den Apsiden dieselben Darstellungen wie in der Tscha- 
rikliklisse. 

An den Arkadenbogen : Die Propheten, unter denen Daniel am 
schönsten aufgefaßt ist. Sie tragen EoUen mit Sprüchen.^) Jesaias 
ist zerstört. 



Daniel : 

ÄNACTH 

CHOeCTOY 
OYPANOY 
BACHAHAN 
HTHCHCT8 

CeoJNACöA 
??<DeAPHC6T6 

Salomo mit Krone: 

vocco 

<DOC6<DP 

eNHnATe 

PANVOCA6 

A<|)PONAV 

rUMITPI 

David mit Krone: 
AKÖCONAV 
TATei^ 
HAONKe 
KAHNON 
TOÖCOY 
K€€nHA 
AeOYTÖ 



{Kai kv raig rj^iffaig xS/V fiaaiXiwv 
kxeivatv) ccvaaxiqaH 6 &B6g rot ovga- 
vov ßaiSi)Mav^ rjvig Big roifg alaivag 
ov S[ia\^&aQrtmT ttt. 

(Daniel II, 44. Tischend.) 



Yiog aoyog tvcfgalvu 
narioa^ viog Si ärpgwv 

(Prediger Salomo X, 1.) 



"Axovaov^ dvyaTBlQ], xal iSov xal 

xklvov TO ovg {ö)ov xal kniXä&ov 

Tov {?Mov aov xai Tov oixov xov na- 

XQog üov). 

(Psalm XLIV, 11.) 






:ii:.ii:i: 



^) Die Propheten mit Schriftrollen beispielshalber auch auf den Mosaiken 
von Daphni und im Chor von S. Marco zu Venedig. Schlumberoer, L'Epop^e 
byzantine III, 1G9. 313. 319. 397 f. 



Die Elmalvklissc zu Gereme bei I'^rgüb 223 

Moses : 

6NAPXI 

HenvH 

C6N(jJeC ^^^ ^9XV ^^oitjaev 6 &e6q 

TONÖPA ^^^ ovgaPüV xal trtv yrjv. 

NONK6 (Genesis I, 1.} 

THNr 
HN 

Jonas : 

(jJKEOYX 

QY"I"YYAO ^^ XVQIB, OV^ OVTOi Ol 

FYMOYG Ao/üt /aov, eri övrog 

THONTOC ^"^ ^^ ^^' ^""^'^ 

ENTHrH (Jona IV, 2.) 

MOY 

Jeremias: (Siehe seine Gestalt in der Abb. 77.) 

oeceNFH 

ZONCrOJ V ^Bog kryiCcüV lyti 

HMIAEFH «i^'» Acy«* xvQiog, xal 

KCüOYXI ^^X'' ^^^^ nö^QOi&Bv. 

eCnOPO (Jeremia XXIII, 23.) 

Unter der obern Freskenschicht liegt noch eine alte Unter- 
malung im dekorativen Stil. Die Anlage der Kapelle geht also 
in viel höhere Zeit hinauf als die besprochenen Zyklen, die samt 
denen der Tscharikli- und Analipsiskirche spätestens dem X. Jahr- 
hundert angehören.^) 

Nahe bei dieser Höhlenkirche las ich über den Blendarkaden 
im Innern einer Felswohnung über dem Bach die Worte: 

H^YXHMOYM6TANOHCON 
(DONHKöenHTONYAATON 

Wvytj fiov ^BxavoriOov, 

0u)vri }t{voi)ov iTii jwv iäärtov. (Psalm 29, 3.) 



^) An Heiligen sind nocli erhalten : Lauras, Kyriake, »Sergios und Bacchus, 
Florus, Konstantin und Helena, Tarachus^ Probus, Niketas, Andronikus, Georg, 
Demetrius, Gorgias, Abibus, Anikitus, Photius, Prokop, Mamas und Mardarius. 



224 



Die Doghaliklisse zu (Tereme bei Urgüb 



In der Talmitte erheben sich drei Tufftürine wie Nadeln schmal 
und spitz etwa 15 m hoch; man meint, der nächste Windhauch 
müßte sie schon umbrechen. Klettern wir hier die Felsmasse, die 
östlich von der Höhe wie eine Lawamasse herabkommt, einige 
Schritte hinauf, dann stehen wir vor der eingestürzten Vorhalle 
der größten Höhlenkirche in Gereme, der Doghaliklisse, die tief 



10. 



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Abb. 70. (rruudriQ der Doghaliklisse in G-ereme. 



unter der Erde steckt und deren Zugang jetzt von Schwemmerde 
und Trümmerschutt so klein geworden ist, daß man nur durch eine 
enge Kluft in den feuchten und finstern Raum hinabrutschen kann, 
der viele Zeit des Jahres unter Wasser steht und bei längerem 
Aufenthalt das sicherste Fieber bringt. In wenig Jahren ist diese 
unterirdische Anlage, wie manche hier zulande, wo die Natur un- 
ablässig arbeitet, in der stillen Erde verschwunden und lebt dana 
nur noch in der fruchtbaren Sage der Hirten fort. Diese erzählt, daß 



NSrdliche QuerschifFwand der DogaUklisse zu Gereme. 



Die Doghaliklisse zu Gereme bei Urgüb 225 

Talbewohner im Chor dieser Kirche einen goldenen Ring gefunden 
hätten. Türkenmädchen würden hier unten von Zeit zu Zeit nächt- 
liche wilde Tänze aufführen. Da ging wohl ein Ringlein verloren. 
Wir stehen hier im Kyriakon von Gereme, der Sonntagskirche 
in der Einsiedelei der Mönche und Anachoreten, wo der Hegumenos 
die asketischen Bewohner aller Kapellen ringsum einmal in der 
Woche zum Gottesdienst versammelte. Deswegen treffen wir auch 
hier keine Gräber im Innern, wie noch heute auf dem Athos kein 
Toter in der eigentlichen Kirche beigesetzt werden dart*) Der alte, 
teilweise gepflasterte Weg von Urgüb-Prokopion nach Newschehr- 
Neapolis führt ganz nahe am Heiligtum vorüber. Durch die Feuchtig- 
keit in dem Innenraum haben die Fresken sehr gelitten; im Quer- 
schiff ist der Stuck vielfach ganz abgefallen, und die Malereien sind 
schwarz verschimmelt. Nur wenn die Sonne am späten Nachmittag 
durch die schmale Öffnung am Eingang schräg hereinfällt, kann 
man die Bilderzyklen im Hinterraum unterscheiden. Die Orientierung 
der Anlage ist eine fast östliche. Hinter ein schief zulaufendes 
Langhaus legt sich ein breites Querschiff, das rechts durch hohe 
Blendnischen gegliedert, links durch Wandarkaden in einen parallelen 
Kapellenraum sehen läßt. Die Nord- und Südmauer des Querschiffs 
mit ihren Arkaden, Bilderfries, Blendnischen und Schildbogen ruft , 
den Gedanken wach, es habe dem Steinmetz-Baumeister eine Hagia 
Sophia vorgeschwebt, die er mit seinen Mitteln hier im fernab- 
gelegenen Höhlenland nachbilden wollte. (Siehe den Lichtdruck 

gegenüber.) Drei Stufen leiten durch das hohe, aus dem Mutterstein 
gehauene Tempion in das Bema, das nach Osten hin in drei Apsiden 
mit Altären, Kathedra für den Proestoten und Sitzen aus gewachsenem 
Tuffstein ausladet. Der Nebenraum seitlich des Langhauses ist fast 
völlig mit Erde bedeckt, und seine Bestimmung bleibt unsicher. 

An den Wänden der Vorhalle entzifferten wir die Gestalt 
Johannes des Täufers und am Gewölbe Christus in der Glorie, 
ringsum von Aposteln umgeben, die mit Büchern auf hohen Thron- 
sesseln sitzen. An den Unterwänden des Langhauses zogen sich 
Heiligenreihen entlang, in der Tonnenwölbung darüber in zwei 
Hälften biblische Zyklen: 

Rechte Hälfte: Die Verkündigung; die Begegnung; die Fluch- 
wasserszene mit dem Hohepriester Zacharias; die Reise nach Beth- 
lehem; die Geburt mit Waschung; die Verfolgung des jungen Johannes ; 
Johannes vom Engel zur Predigt berufen; Johannes den Zöllnern 
H T6AONe {ol r€?.ü)vai) am Jordan predigend (Lukas 3, 12); der 

^) Brockhaus, Die Kunst der AthosklÖster p. 31. 

Rott, Kleinasiatiflche Denkmäler. 15 



226 Die Doghaliklisse zu Gereme bei Urgüb 

Täufer vor Christus niederkniend (Matthäi 3,14) nnd ihn taufend; 
die Hochzeit zu Kanna, H NEOrAMH (ol vBoyafioi)- der Einzug in 
Jerusalem; letztes Abendmahl; der Judaskuß; Christus vor Pilatus.*) 

Linke Deckenhälfte: Die Weisen aus dem Morgenland; der 
Kindermord mit Rahel, die sich die Haare rauft; die Flucht nach 
Ägypten mit der Personifikation des Landes ; eine Mutter mit Kind, 
der ein Heiliger im Nimbus unter einer Architektur naht, vielleicht 
die Erzählung aus dem Protevangelium des Jakobus, nach welcher 
der Götzendiener in der ägyptischen Stadt infolge der Heilung seines 
Sohnes das Jesuskind dankbar verehrt; ein Mahl; die Prüfung des 
Petrus und Andreas; die wunderbare Speisung; Blindenheilung und 
Auferweckung des Lazarus; die Kreuztragung durch Simon von 
Kyrene; die Kreuzigung ohne die Schacher; die Kreuzabnahme; 
die Grablegung; die Höllenfahrt und Auferstehung; die Himmelfahrt. 

Künstlerisch höher als diese ganz verblichenen Malereien stehen 
die altem des Querschiffes. Die ganze Tonnenwölbung bedeckte 
die große Darstellung der Himmelfahrt Christi, die heute nur noch 
schwach durch Schmutz und Schwärze hindurchschimmert. Etwas 
besser sind die Bilder am umlaufenden Fries der Oberwände erhalten, 
Sie beginnen links an der westlichen Quermauer: 

Die Verkündigung; die Anbetung der Magier, YACTPOAO- 
rOYNT6C TON MAFON {ol aaTQoXoyovwsg xviv fidytov)] die 
Flucht nach Ägypten ; die Darstellung im Tempel ; Jesus im Tempel ; 
die Botschaft des Engels an Johannes, erENETO PIMA 9Y 
Eni OJANSHN TS ZAXAPIOY YION; Johannes kniet vor Christus 
und tauft ihn hernach; die Versuchung; Matthäus am Zoll, PIEPI 
MATGEÖ Tö TEAON8; Petri Berufung; Hochzeit zu Kanna. 

An der gegenüberliegenden Wand: Heilung des Königssohnes, 
HEPI TOY BACIAIK8 HEAOC; Ei-weckung von Jairi Töchter- 
lein, HEPITIC NEKPAC KOPIC; die Heilung des Gichtbrüchigen (?); 
die Auferweckung des Lazarus; der Einzug in Jerusalem; das 
Abendmahl. 

An der Oberwand der Ikonostasis sind nur die Lahmenheilung, 
das Scherflein der Witwe, die Heilung der Aussätzigen (?) und die 
Koimesis der Maria zn erkennen. Die Lunette übervder Süd- und 
Nordwand des Querschiffs ist durch ein großes Kreuz geteilt. In 
die Blendarkaden der Unterfelder sind Heilige, in die Oberfelder 
biblische Szenen gemalt. Im Süden ist noch der Traum Josephs 
und die Reise nach Bethlehem mit der Höhle zu unterscheiden. 

^) Die genau nach der phot. Aufnahme hergestellten Zeichnungen dieses 
Zyklus wie desjenigen an der nördlichen und südlichen Lunette im andern Heft. 



Die Doghaliklisse zu Gereme bei ITrgüb 227 

Größtenteils zerstört sind die Chorfresken r In der Hauptapsis 
die Kreuzigung Christi mit Schachern zur Seite, Maria, Johannes, 
Longinos, dem ysopreichenden Soldaten und den Myrrhenträgerinnen. 
In der nördlichen Apsis die heilige Trias bei Abraham, in der süd- 
lichen der Pantokrator mit zwei Engeln. 

Eine lange Eeihe von Heiligen zeigt das Bestreben dieser 
kunstbeflissenen Mönche ^ jeden Fleck der großen Wandflächen zu 
bemalen.^) Eine halbabgefallene Inschrift, welche den Maler dieser 
Freskenzyklen Konstantin nennt, zieht sich durch das ganze Quer- 
schiff über dem Bilderfries entlang: 

///////CONNAONieP \OY : ANhCTOPHCEN 

KONCTANTHNOCeKnOGoY : fPOCMON 19 Buchstaben 

. . lATONKOCMHINEÖPrONIKOChNCCBACMHecrPA 
cDONENEAV TLX8 A?0? 

n^AI K N YO NOCTOYC M AG HT AC OH AICENG YO IC 

AOrYCOCeniXOPTÖAI ? Oierei 25 Buchstaben TAXY 

APOMOCOnOCAIOIMACN€KPOCHCAAON€Ae€N 

6KPOI/7;// 

. . . aöv vaov i6q\6v ix xai]vov (?) aviöTogfjaBV Ktavatavtlvog 

kx no&ov ngog fjiov\aatiJQiov i€pd]Tarov(?) Ik^xoOfjiu vbovq- 

yov Bixoaiv aeßacfitaig, ygatfUiv hv iav\ralQ7\ nQo5Hxvvov(T)oq 

tovg uct&rixdg amXiaev &$ioig koyotg wg inl xoqtov .... raxvSgofjiog 
önuDg dl' rluäg vexgog alg qSov i^k&e vtxqüv (?)... 

Eine ebenfalls halbzerstörte Inschrift ist ringsum im südlichen 
Clior gemalt: 



// //€KAAAI0JPHeHTOBHMATOYTO/ 



cDOPÖAHACYNAPOMICTÖAÖAÖTöeYAeorsTOCKO 
CTANThNÖKEYANArHNOCKONTeceYXeCeeYn 
€PA ? ? ? CAHATONKNAMHN 

. . . . hxaXkiovQiyiriO-i^ to ßijua tovto .... [btiI Nixii\q>6Q0V (^) Sid 
avvSgofirjg xov dovlov tov &{eo)v Akovxog K(a[v\ßtavxivov xal ol äva- 
yivdcxovrtg ivx^a&e inhQ a\yTov\g 8id vor K{vgio)v. 'Afir^v, 



*) Wir lasen noch die Beischriften der Heiligen Modestus, Sakerdos, Gor- 
gias, TheopistuB, Athanasius, Hermogenes, Menas, Macrina, Anastasia, Theo- 
dulus, Dometian, Katidius, Panteleemon, Photius, Theodor, Konstantin und Helena, 
Katharina, Hieron, Georg, Christophorus, Viktor und Yincenz, Leades, Claudius, Iri> 
nachus, Gregor, Barbara, Tyrson, Leukius, Ausonius, Pegasius, Orest, Eutychianus, 
Zeno, Germanus, Theodor, Hvpatius, Leontius, Nikandrus, Arsenius, Epiphanius, 
Blasius und Zosimas. 

15* 



228 Die Doghaliklisse zu Gereme bei Urgüb 

Bruchstücke einer Inschrift mit Darstellungen zweier Kuppel- 
kirchen sind an den Unterwänden noch erhalten: 

1) BACIAeYC8AA€NT6IKAKOCenYrCACOTHAneAO 
KACThNeKÄCIANTYKAKOAOHYAPIANÖC . . . 

BaaiXevg OuakiVTfj xaxajg knoifjaag, oti dneSiaxag Tr,v 
kx{x)k{ri)aiap tov[g] xaxoS6^ov[g'] *AQiavovg.^) 

2) I^BÖAOee Kai ßovX{k)<ü&i[v]Tog(?) 

TOCTHCe tilg äx{x)kfiailag] 

KAICH ? Y5ATO nvialv^to oi 'Agiavol 

OIAPIANYTPIC ^^*'^ fifiigag {xal tgelg 

HM6PAC ^^^""^^-'^ 

3) I^M-l€nAK8CeeT6COIKAKOAOSIT8ANYHNeA^T^ 
iTSeVeKAICIAeCTPAcDICANI^NY/////// 

Kai ßirj ^naxova&i{y]TBg ol xaxoSo^oi tov avoiyrivai avroig 
(= avtolg) t] TOV &bov kx{x)Xfjaiaf karQcctprjaav xai [i]- 
vi;[<Tra5av(?)] ... 

4) OAeAnOCBACIAeiOCCYNASACTöC/////////// 

'0 Sk äyiog BaaiXuog avvd^ag rovg [^OQd'oSo^ovg^ .... 

*) Die folgenden Inschriften sind, worauf mich Oberkonsist.-Rat Dr. Pii. 
Meyer freundlichst hinwies, zwei Bruchstücke der Erzählungen von Wundern 
des Heiligen Basilius von Cäsarea. Weitläufiger und im Zusammenhang finden 
sie sich in der angeblich dem Amphilochius von Ikonium zugeschriebenen Rede: 
„E^S TOV ßiov xal tu ^aviiara xov iv ccyioig Ttuzgbg iiiuov BaaiXtiov d9;|r{,e?rcffxo:rou 
Kaiaagsiag Kannaöonia^^ abgedruckt in Opp. Amphilochii Iconiensis, Parisiis 
MDCXLIV ed. Combefis p. 155 if. Diese scheint dem Maler vorgelegen zu haben. 
Das erste Bruchstück ist verfaßt nach der Erzählung: ,,71*^1 rjys ävoi^nag ti)g 
ixxXriaiag tf^g iv Nixaia'^ p. 206 f. Die Beischrift 1 enthält die Worte, welche 
Basilius an den Kaiser \'alens richtet, der die xa^oXixri ixxXriaia in Nicäa den 
A rianern überge})en hat. Auf die Bitten de« Basilius erklärt sich der Kaiser 
damit einverstanden, daß der endgültige Besitz der Kirche derjenigen Partei 
zufallen soll, welche die verschlossene Kirche durch ihr (lebet öfi'nen kann. 
Die Kirche wird versiegelt, und zuerst beten die Arianer drei Tage und drei 
Nächte. Die Kirche öffnet sich nicht. Darauf bezieht sich das Bruchstück von 
Beischrift 2 und 3. Dann versammelt Basilius seine Gemeinde und betet zu- 
nächst in der Außenkirche des Diomedes, dann im Narthex der Stadtkirche, und 
dieselbe öffnet sich. Diese Erzählung enthielt das Bruchstück 4. — Der Akkusativ 
für den Dativ ist die Sprache des spätem Griechisch. Das Verbum „/JovUovv** 
beim Versiegeln der Kirchtüre in der Wundererzählung gebraucht ib. p. 208. 

*) Inschrift 1 und 2 genau so. aber nur transkribiert bei Headlam, Eccles. 
Sites in Isauria. Suppl. papers of the hell, society 1892 p. 22 (Ramsay). 



Höhlenkapelle der Theotokos zu Gereme bei Urgüb 229 

5) KYPI€cDP€MKAAHC€OAXI€rHC 

KonociceAeehCToevcHACTHPHON 

Kvgi 'EyQifA^ xakiJ ae 6 ägxiBniaxonog, eiaek&a ilg to 
&v6iacTriQiov,^) 

Die Malereien im Querschiff der Doghaliklisse sind die ältesten 
nnd trotz ihres herabgekommenen Zustandes die schönsten in dem 
Tal Gereme. Da die Inschrift im Chor wahrscheinlich den Kaiser 
Nikephoros nennt, so neige ich dahin, diese Fresken in die Regierungs- 
zeit Nikephoros L, in die Jahre 802 — 811 zu verlegen. Ein noch 
älterer dekorativer Stil kommt unter diesen Malereien allenthalben 
zum Vorschein und rückt damit auch die Erbauung dieser Höhlen- 
kirche in höhere Zeit hinauf. 

Einige Felsenstufen über dem Tuffkegel, in dessen Innere die 
Doghaliklisse ausgehauen ist, trafen wir in einer freistehenden 
Pyramide ein kleines, freskengeschmücktes Kirchlein, das sich nach 
der auf seinem Gesims hinlaufenden Inschrift den Naos der Theotokos, 
des Täufers und des H. Georg nennt. Sie lautet: 

eKAAHOYfrMHWiSfAOCTHüANArHAC 

'0'eWTOKör-IWANNOYTOYBAyr/CTA 

KAir£OPriorTOrM£rAAOYM/\PTT 

c TtiA POf^HCTOYÄorAorro t^an 

4fONICflri9^£OnHCTHC-£WOAfOMA 



THnfci^Töyo/oyjsTyyinzfnNcer 

^Exa?.[X)iovgy[i]&'\ri o vaog Trj[g^ üavaylag Qeotoxov, ^Iwdvvov rov 

Bantiaxä xal rsoogyiov vov ixtyaXov ficcgrvgog fiijvl 'lovviov 

diä avvdgofi^g rov öovkov xov &eov !^vdgov[Qxou xai Qioniöttjg ku 
övouart [jov] n{aT)g{6)g xal rov Yiov xai rov 'Ayiov nv{€VfiaTo)g. 
Ev^^ad'S vnig ^[jua/i/]. 

*) Dieses Bruchstück stammt aus der Erzählung : „JT^^l rov ayiov 'Eq)gatiL 
Tov Äpov", 1. c. p. 202 f. Es ist in der Inschrift von der ganzen Geschichte 
nichts erhalten als das Wort: „KvQta 'Eqp^aifi, xÜsvaov, etasld'e elg rö uyiov 



230 Höhlenkapelle mit der Verfolgung des Johannes 

Es ist eine einschiffige Kapelle mit nordöstlicher Orientierung, 
mit Hufeisenbogen im Grund- und Aufriß und Blendarkaden in der 
Vorhalle, wo sich Grab an Grab reiht Auch in die äußeren Wände 
des Felsens sind Arkosolgräber eingeschnitten. 

Der Zyklus der heiligen Geschichten beginnt am Tonnengewölbe 
der Decke mit der Beräucherung des purpurnen Tempelvorhangs. 
Zacharias schreitet mit dem Rauchfaß vorauf, ihm folgen Maria mit 
ihren Begleiterinnen, dahinter Anna und Joachim,^) Daran schließt 
die Speisung Marias durch einen Engel im Tempel, der durch 
eine Kirchenarchitektur als solcher charakterisiert ist; die Ver- 
kündigung an Maria, welche am Purpur des Tempelvorhangs strickt; 
die Begegnung in Begleitung der Pediske; die Reise nach Bethlehem. 

In der Lunette über der Westtür die Geburt Christi mit Badung 
und Verkündigung an die Hirten. 

An der Südwand die Taufe und die Kreuzigung Christi mit 
den beiden Schachern am Doppelkreuze in gewohnter Weise. 

An der Nord wand die Grablegung : Nikodemus und Joseph von 
Arimathia tragen den Leichnam im Grabtuch ; Christus in der Unter- 
welt auf den Drachen tretend, Adam und Eva, Da\id und Salomo 
aus dem Hades befreiend. Darunter hängt der heilige Georg am 
messerbesetzten Rad, an dem zwei Henker ziehen. In den zerstörten 
Apsiden ist noch der Pantokrator mit Engeln und Maria mit Kind 
sichtbar. Am Scheitel der Tonnenwölbung läuft eine Bordüre mit 
Heiligenmedaillons entlang.') 

Durch den zusammengestürzten Chor hinausschreitend stößt 
man in Büchsenschußweite gegenüber auf eine freskengeschmückte 
Kapelle mit neun Gräbern im Boden der Vorhalle. Die Anlage 
ist mit dem Chor genau östlich ausgehauen. Im Vorraum sehen 
wir Prokop zu Pferd und Eustathius mit dem Hirsch, neben ihm 
die Legende: y^ii IlXaxida^ tl fia diwxBig; kyw bia oe ndgeifii hv r<p 
^(oq> Tovtq) xai vno cov SivixofjiBv.^^) Die parallel neben der Höhlen- 



ßfjiuc. KccXei es 6 ägxiB'jtla'KO'jtoi^' ib. p. 204. Der Syrer Ephraim kommt, um 
Basilius kennen zu lernen, nach Cäsarea. Ohne ihn vorher gesehen zu haben, 
läßt ihn dieser alsbald durch seinen Archidiakon im Gottesdienst rufen. 
^) Bayet, LArt Byzantin p. 175 Fig. 57. (XI. Jahrh.) 
*) Die lesbaren Heiligen: Anastasia, Barbara, Katharina, Prokop, Theodor, 
Georg mit Speer und Schild, Athenogenes, Nikolaus, Gregor, Agapius, Eusta- 
thius, Theopistus, Justus, Pauteleemon, Kyriakus, Mamas, Merkurius, Anempodistus, 
Elpidiphorus, Pegasius, Aphthonius. Sie tragen reich mit Edelsteinen besetzte 
Kleider. Gut hat sich hier der grüne Hintergrund erhalten; Mäander, Flecht- 
bänder und Schachbrettmuster bilden die Dekoration. 
^) Etwas andere Fassung als p. 131 u. 145. 



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Hölilenkapelle mit der Verfolgung des Johannes 231 

kapeile ausgehauene Totenkammer birgt eine Reihe großer und 
kleiner Gräber zur Erde und in Arkosolien der seitlichen Wände. 
Sie ist nach der Bemalung hergestellt worden. 

Die interessanteste Szene im Innern der Kapelle ist die Ver- 
folgung des kleinen Johannes durch Herodes. (Vgl. den Lichtdruck 
gegenüber.) Zacharias liegt, von den ausgesandten Bogenschützen ge- 
troffen, vor der Tempelfassade. Nach den Apokryphen wird er aller- 
dings am Altar ermordet, was auch die Beischrift richtig wiedergibt : 
ZAXAPHAC 6Cc|)ArH €N TO NAO. Statt ins Innere des Berges 
ist Elisabeth mit Johannes in ein Gebüsch versetzt, das sie vor den 
Verfolgern, H AYOXTE schützen soll. Auffallend ist die Krieger-- 
tracht der Zeit. 

Es schließen sich die gewohnten Bilderreihen an:^) Josephs 
Traum, ATrEAOC und HOCH*; der englische Gruß; die Heim- 
suchung der beiden Frauen, hinter Maria steht die Pediske mit Krug 
unter einem Torbogen ; die Fluchwasserszene mit dem Hohepriester 
Zacharias vor dem Tempel ; die Geburt Christi mit der Waschung des 
Kindes durch Mea und Salome, der Anbetung der Hirten und Magier, 
die als Jüngling, Mann und Greis aufgefaßte Könige sind, während 
Maria auf kostbarem Thron sitzt und hinter ihr Joseph steht, dabei 
die seltsamen Worte: CATOP, AP€nO, TeNET; «) die Darstellung 
im Tempel, O NAOC TOY ZAXAPIA; die Flucht nach Ägypten 
mit Jakob und der Personifikation des Landes. Beischrift: 

HOCH<t)nAPAAA 

B€TOntZ\HON ^Iwai]^ nagaXaßB ro naiSiov y,cu 

K6THNMHT€PA tj/v fii^riga avxov xal (ftvyi iig 

NAYT8KecD€BreHCe MyvTtTolv.] 

rVcDTO 



*) Der Zyklus im nächsten Heft. 

') Es ist dies eine anagrammatische Zauberformel, die vollständig lautet: 

8ATOB ^^^ nach allen Richtungen hin gelesen werden kann. Sie kommt 

ABEFO schon auf einem koptischen Ostrakon des Berliner Museums vor, ist 

TB NET in ganz Europa nachweisbar und wird bis in unsere Tage als Mittel 

OFEBA bes. gegen Tollwut, wie gegen Fieber und Brand angewandt. Vgl. 

BOTA8 Verhandl. der Berl. Gesellsch. für Anthropologie 1880 p. 42 f.; 1881 

p. 35 f. Einen Wink für den Zusammenhang mit dem obigen Fresko gibt uns 

eine Stelle bei Toeppen, Aberglauben aus Masuren. Danzig 1867 p. 46. ^Sprich 

das Gebet des Herrn. Unser Herr Jesus Christus» als er mit seinen Jüngern 

wanderte und sie ihn baten, daß er von dem Biß des tollen Hundes und der 

Hündin heilete, sprach er : Heilet mit Gottes Macht und mit des Sohnes Gottes 

und des H. Geistes Hilfe. Das Wasser im Meere stand still, als Gottes 

Mütterchen ihren Sohn badete; so möge denn das Tier stille liegen .. ." — 

Eine apokryphe Erzählung liegt zweifellos vor. 



232 Sonstige Höhlenbautea zu Gereme bei Urgilb 

Der Kindermord als Doppelszene: Herodes hält Rat, O NOTA- 
PHOC (ö votä(ftos), and Soldaten töten die Kinder, O BPE^OKTO- 
NOC (ö ße^foxtSpos). ßahel rauft ihre Haare, PAXHHA KAtSCA 
TA TEKNA AYTHC. 

Im Chor der Pantokrator von Engeln und Evangelistensymbolea 
umgeben, über ihm Sonne und Mond, die als Sol und Luna in weißem 
und rotem Feld personifiziert sind, darunter die 12 Apostel. Über 
den Heiligenfiguren der Südwand läuft ein gemalter Tierfries mit 
naturalistischer Wiedergabe von Raben, die aus Bechern trinken, 



Abb. SO. Uilcreleo bei dor KslTTdicbjdmmr In Oarems. 

von Hasen, Habichten und Hähnen.') An der Innern Eingangs- 
wand stehen drei Mönche mit spitzen Kapuzen in Orantenstellung, 
Simso und Arsenius waren noch zu lesen. 

Etwa in der Mitte des Wegs, der steil die Höhe herabkommt, 
schaut man in eine halbzerstörte Kapelle hinein, von deren Fresken- 
schmuck Texieb in seiner „Byzantinischen Architektur" eine Szene 
mit größter Wahrscheinlichkeit in seiner lässigen Weise veröffent- 
licht hat. Es ist die Anbetung der drei Magier, die ein edelstein- 
besetztes Kästchen dem Kind auf dem Schoß Mariens darreichen, 
welche auf kostbarem Sessel sitzt, während Joseph hinter ihr auf- 
recht steht.*) Hinter den Magiern schwebt ein leitender Engel. 

') Die Heiligen sind die bereits bekannten Namen. 
»j Abb. im iiiithsten Heft. 



Sonstige Höhlenbauten zu Gereme bei Urgiib 233 

Man sehe, was Texieb in seiner kolorierten Zeichnung aus der Szene 
gemacht hat.^) Er sagt: „Peut-etre Saint- Jeröme , qui offre au 
Sauveur une copie des Evangiles. Les anges assistent ä la sc6ne 
et paraissent prier pour que Toffrande soit bien re^ue." 

Auch ein Xenodochium hat in dieser Mönchskolonie bestanden. 
Wenige Minuten unterhalb der ragenden „drei Nadeln" eröffnet sich 
rechter Hand ein Felsenhof, der von drei Seiten mit hohen Wänden 
umgeben ist. Im Innern sind Räume für vieleWohnungen, für Stallungen 
mit Krippen und Vorratskammern ausgehöhlt. Die Türken nennen 
die Anlage heute noch Katyrdschydamy oder Herberge. 

Eine kleine Grabkapelle in unmittelbarer Nähe dieses Unter- 
kunftshauses bringt eine eigenartige Darstellung, die sonst im Tal 
und in der Umgebung nicht gebräuchlich ist (Abb. 80). In Lebens- 
größe erblicken wir die hohe Gestalt des segnenden Christus mit Buch 
neben Maria, die ein Kreuz hält. Zur Seite steht im Bischofsomat 
der heilige Basilius und Daniel als Orans unter den Löwen in reicher 
orientalischer Gewandung.*-) Zwischen ihnen sieht man eine kleine 
weibliche Gestalt ohne Heiligenschein und den Rest der Inschrift: 

eKYMHeHH A8A/////// 'Exoif^rj&tj i) Soa[v roi &Bod r} delva]. 

Außerdem die Anrufungen: 

kfeBOieiTON 

A8AONC8 K{vgi)B ßotj&u rdv SoiXov aov 

BACIAION BaalkHov vov Jaßi{d). 

TÖAABI^ 



K€BO 

leHTON Ar w '<. A-;' 

AK AON A(i(>ij6 porfiTH rov oovkov 

COYßO ^^^ Qoij^iav. 

MAN 

Unter Prokop zu Pferde die Worte: 

MHTÖcWAOeCÖ Mix{(tiiX) xov ^ao&(i)ov. 

Im bescheidenen Vorraum sind 6 große und 4 kleine Gräber 
teils in Kniehöhe, teilweise unter Arkosolien in den Wänden ein- 
geschnitten. Einfache Steinplatten lagen auf den aus dem gewachsenen 
Tuff herausgearbeiteten und an den Rändern gefalzten Sarkophagen. 

*) Texier-Pulljln, Architecture ByzaDtiiie p. 42. 286. Planche V. — Neueste ns 
wieder abgebildet beiOBSRHUMMSB-ZiMMEREB, Durch Syrien u. Kleinasien. 1899p.248. 

*) Die gleiche Darstellung Daniels im Menologium Basilius II der Vatic. 
Bibl. ScHLUMBEKGER, L'Kpopäc Byz. II, 557. 



234 Die Hemsbeyklisse zu Gereme bei Urgüb 

Draußen unter den am Boden sich hinschlingenden Reben findet man 
noch die Gebeine der Mönche verstreut. Fanatismus und schnöde 
Habsucht, verbunden mit einem düstern Abei'glauben , haben die 
Ruhestätten der zahllosen Toten hier entweiht. Auch heute noch 
könnte Gregoe von Nazianz seine Epigramme, die er damals zu 
Hunderten gegen seine grabschänderischen Landsleute schleuderte, 
gegen das jetzige Geschlecht kehren etwa in den Worten: 

„Tvfißoi xai axoTnal xai ovQsa xai naqoSixai 
xkavaatB tvfißov kfiov^ xXavaare TVfjißoXiTt]v. 
'Hxtv d* ix axontkiüv nvfidrtjg onog icvtiax^itfa 
rwvdB ntQiXTioviav, KkavffatB tVfjißoXitt]v.**^) 

Die letzte beachtenswerte Höhlenkirche von Gereme ist nach 
Tschawusch In hinab in einem engen Seitentälchen versteckt und 
diente bei unserm Besuch als Traubenspeicher. Die kleine, dreischiffige 
Säulenbasilika war außer der Dogbaliklisse die zyklenreichste Kirche 
in der Gegend. Eine längere Inschrift zieht sich am vorkragenden 
Kuppelgesims der sog. Hemsbeyklisse hin, die allerdings erst 
nach längern, vorsichtigen Waschungen vollständig unter dem Tauben- 
mist hervorkam: 

+ eNrHKATEAeONOeceKTONANO 

TOXÖNnPOCAABONANYYWCeKTONKATO 

e<t)PI2ANOIBA€nONTeCe2eCTIKOTeC 

XOPOCMAeiTONCYNTeKÖCinAPeeNON 

nOCHBAOnCACXePCIN AYTÖCe ? e€8 

IPeiCAnAYTYCÖP? NöCANATPeXON 

KPITIC€AeN]IinANTONAePOnONreNOC 

AYOlCnAPeCTIKICANArreAONKYKAO 

ANAAOlKTIKOCOlMAeHTAITGJAAKTYAHON 

+ 'Ev yrj xatik&wv 6 &eds kx taiv ävw 

T6{y) xoiv ngoakaßatv äpvyjwa kx rtav xavu), 
i'cpQi^av oi ßkinovreg klieaT7]x6teg, 
XOQog fia&rjTUJv avv texavarj nag&iviavy 
Tivüg TivXoyrioag yjQ&iv avtovg i[x] &eov 
TiQ&Yig an avtölg ovQ\a\vovg avatgexcov. 
Kgitijg kXdy^si näv nHv ä(y)&gwno)v yivog, 
Jvdlg nciQtax'iqxtiaav ayyiloav xvxkq) 
ävaösiXTiXcug ol fia&tirai to SaxxvXiov. 

') Epigr.LXXVII bei Migne XXXVIII, 121. — Über das rhythmische Prin- 
zip, Krumbacher, Byzant. Literaturgeschichte- p. 694 f. u. 700. 



Die Hemsbeyklisse zu Gereme hei Urgüb 235 

Die Kuppel verherrlicht also den zum Himmel aufgefahrenen 
Christus; im Rund des Tambours standen die 12 Apostel.^) Im 
einzelnen verteilen sich auf die Wandflächen, Lunetten, Kuppeln und 
Tonnengewölbe die folgenden Szenen der heiligen Geschichte, mehr 
oder weniger verblaßt oder zerstört^): 

Die Verkündigung; der Traum Josephs; der Trank des Fluch- 
wassers unter einer rundbogigen Tempelarchitektur; die Begegnung; 
die Geburt Christi mit der Waschung und der Anbetung von Hirten 
und Magiern; die Darbringung im Tempel, dessen Kuppel auf Säulen 
ruht ; die Flucht nach Ägypten ; der Auftrag des Engels an Johannes 
zu taufen mit der bekannten Beischrift : ^'Itadvvfjg €S:eX&B ix rrjg igi]- 
fAov^ tpqxu iig t6 ßanriöfia^ ; die Proskynesis des Täufers vor Christus; 
die Taufe des Herrn ; die Heilung des Blindgebomen : Christus, von 
Thomas begleitet, rührt an die Augen des Blinden, der nachher vor 
€inem Gebäude — es ist der Teich Siloah nach Joh. 9, 6 f. — sich die- 
selben wäscht; Zacharias auf dem Baum; Auf erweckung des Lazarus, 
der aus einem Grabhaus hervortritt ; der Einzug in Jerusalem ; das 
Abendmahl mit einem großen Fisch auf dem halbkreisförmigen Tisch ; 
die Fußwaschung der Jünger und des Petrus, der auf sein Haupt dabei 
deutet, O NlflTIP (pvintr^)-, Christus vor Hannas und Kaiphas; 
der Judaskuß; die Gefangenführung; die Verleugnung des Petrus, 
der an einem Mangal sitzt, vor dem die Magd, flEAlCKI, steht. 
Nach rechts geht er weinend und das Gesicht mit einem Tuch 
verhüllend ab; Christus vor Pilatus, der die Hände wäscht, hinter 
ihm seine Frau; die Kreuztragung des Simon von Kyrene, dem 
Christus von Soldaten geführt, nachfolgt; die große Kreuzigung: 
Die Schacher sind mit Seilen aufgehängt, Sonne und Mond auf 
roter und fahler Scheibe personifiziert; die kleine Kreuzigung mit 
Maria und Johannes allein, eine kleine Figur am Fuß des Kreuzes, 
die Nägel ausziehend (?) ; Christus in der Unterwelt; die Grab- 
legung; die Auferstehung; das Pfingstwunder über der Eingangs- 
wand: Die zwölf Apostel auf kostbaren Thronsesseln mit Büchern, 
im roten Kreis ein prächtiger Altar mit Kreuz und einer Taube 
darüber. Von dem Kreis gehen zwölf Strahlen auf die Apostel aus. 
Unterhalb der Apostelschar viele Personen, das Sprachenwunder an- 
deutend, 6 rAOC6 {al yXHaaai), eine Architektur im Hintergrund 
stellt den Tempel Jerusalems vor; der Tod der Maria im Kreis der 
Apostel, während Engel herabschweben. Eine Menge von Heiligen 



^) über die Kuppelmalereien und deren Umschriften vgl. Brockhaüs 1. c. 
besonders p. 103. 

*) Zwei Szenen abgebildet im nächsten Heft. 



236 Die Hemsbeyklisse zu Gereme bei Urglib 

füllt jeden noch verfügbaren Fleck an Archivolten, Gurtbogen und 
Zwickeln aus.^) 

Durch eine Reihe von Szenen ist der gewohnte Bilderkreis 
in der Hemsbeyklisse überschritten, der Stil und die Anordnung 
geht jedoch mit den Malereien der übrigen Kirchen, die Doghali- 
klisse abgesehen, Hand in Hand. Wir können deshalb mit Sicher- 
heit sagen, daß die bedeutenderen Freskenkirchen im Gereme, die 
Analipsis, die Tscharikli, die Elmaly, die Theotokos, die Kapelle 
mit der Verfolgung des Johannes und die Hemsbeyklisse dem X. 
und XI., die älteren Fresken der Doghaliklisse dem Beginn des 
IX. Jahrhunderts angehören. Außer den drei ersten weist jede 
der übrigen eine andere Hand auf, von den Malereien des Soandere 
unterscheidet sie die Reichhaltigkeit und die schönere Ausführung 
im einzelnen. 

Nahe bei dieser Kirche ist in einer kleinen Kapelle, die zur 
Aufbewahrung von Obst und Trauben dient, der Heilige Zosimas 
dargestellt, welcher der Maria Aegyptiaca das Abendmahl reicht 
Ein Baum mit roten Früchten deutet die Wüste an. Die Bestattung 
der Heiligen durch den Löwen und den Mönch fehlt allerdings.*) 
In dieser Felsenecke sind mehrere fassadengeschmückte Räume, 
deren Wände durch 3/4 Säulen und Pilaster belebt sind, auf denen 
eine flache Decke mit Zahnschnittgesims liegt. Das sind w^ohl die 
vermeintlichen antiken Anlagen in Gereme, von denen Belck in 
seiner Beschreibung dieser Höhlengegenden spricht.^) AVer genauer 
zusieht, bemerkt, daß die Decke in ihrer ganzen liänge von großen 
Balkenkreuzen durchzogen ist, denen wir noch w^eiter in bestimmt 
als christlich nachzuweisenden Anlagen zu Atschyk Serai be- 
gegnen werden. 

Am Talende nach Tschawusch In hinab ragt ein mächtiger 
Kegelberg isoliert empor, der von vielen verlassenen W^ohnungen und 
Kapellen durchbrochen ist. Levidis will gehört haben, daß die Um- 



^) Die erhaltenen Heiligen der Hemsbeyklisse mögen nur eine weitere Vor- 
stellung des Freskenreichtums in dieser Höhlenanlage geben. Wir lasen noch 
die Beischrift: Capitoo, Polykarp, Ktemon, Niketas, Theophilus, Tarachus, Kalli- 
machus, Theodote, Cyprian, Nikephorus, AthaDasius, Blasius, Gregor, Orest, 
Ignatius, Proklus, Hypatius, Spyridon, Aniketus, Photius, Meletius, Alexandras, 
Tryphon, Mamas, Justus, Elpidius, Kyriakus, Theodotus, Piaton, Sergius und 
Bacchus, Epimachus, Phokas, Sisinnius, Alypius, Ephrem, Akakius, Leontius, 
Georg und Eustratius. 

^) Über Zosimas und die Maria Aegyptiaca vgl. Stadler, Heiligenlexikon 
IV, 170 f. 

^) Belck, in den Verhandl. der Berliner Anthropolog. Gesellsch. 1901 p. 513. 



238 Tschawuscb In 

wohner den Tuflfelsen Kislar Kalesi d. h. Mädchenschloß benennen 
und schließt aus seiner abgesonderten Lage, daß hier einst ein 
Nonnenkloster gewesen sei. Indessen hörte ich die uns begleitenden 
Türken die Anlage deutlich als KisleKalesi d. h. Kirchenschloß 
bezeichnen. Das nahe Zusammenwohnen von Mönchen und Nonnen 
wurde bekanntlich auch durch viele kaiserliche Erlasse untersagt.^) 
Mehrere der untern Wirtschaftsräume, Wohnungen und Keltereien 
gehören wahrscheinlich einer spätem Epoche an. Darüber liegen 
dann mehrere Kapellen, die neuerdings in Taubenschläge umge- 
wandelt sind und deshalb unzugänglich waren.^) 

Durch das breite, trockene Sandbett des Baches von Gereme 
ritten wir nach Tschawusch In hinunter. Dort, wo hohe, fast senk- 
rechte Felsenmauem emporstarren, zieht sich das alte Troglodytendorf 
pittoresk seitlich die Schlucht hinauf. Die frühem Höhlenwohnungen 
sind jetzt zu einem großen Teil verlassen, ihre Vorderwände meist ab- 
gewaschen oder abgestürzt, und das grelle Sonnenlicht entwirft bunte 
Schattenbilder auf der glühenden Hinterwand des heutigen Dorfes. 
Auf halber Berghöhe sehen wir die klassische Vorhalle einer Höhlen- 
kirche mit Säulen und Zahnschnittgesims, größtenteils zusammen- 
gebrochen. Rundbogige Arkaden auf hohen Säulen mit ionisieren- 
den Kapitalen trennen das Innere in drei jetzt verbaute Schiffe, in 
denen Obst, Gemüse und Trauben in wirrem Durcheinander aufbewahrt 
werden. Der östlich orientieite Chor ist wieder im Schema des 
Hufeisenbogens angelegt, daselbst bildet eine tiefe Aushöhlung 
den Eingang zu einer Krypta oder einem großen Grab. Die Fresken 
sind völlig verblichen. Die Ainaly genannte Kirchenanlage mit 
ihren drei schön profilierten Türen samt gradem Sturz, die den 
Zugang zu dem weiträumigen dreischiffigen Innem vermitteln, gehört 
der frühchristlichen Epoche an und ist zweifellos der älteste kirch- 
liche Bau, den wir in den Höhlenlandschaften antrafen. Eine Stunde 
nördlich führt die alte Straße den Halys aufwärts, in nächster Nähe 
liegt Avanos, in dem ich das antike Venasa sehe, wo Tausende 
von Hierodulen des Zeus von dem Ertrag der breiten, fruchtbaren 
Ebene lebten, die sich vom Steilfelsen von Tschawusch In und Selve 
bis an das Städtchen am Halys ausdehnt. 

Vor unserer Abreise von ürgüb besuchten wir die Kirchen 
von Sinasos, dem alten Asuna, die des Johannes Prodromos, des 
Stauros, des Nikolaus und des Johannes Theologos, wo Levidis einst 

*) W. Nissen, Die Regelung des Klosterwesens im Khomäerreich. Progr. 
des Johanneums in Hamburg. 1897. passim. 
•^) Levidis 1. c. p. 150. 



Sinasos und Umgebung 



239 



noch die Datierung vom Jahre 848 las. Sie sind alle von den Be- 
wohnern des reichen Griechenstädtchens gründlich restauriert. Die 
alte Inschrifttafel der Prodromoskirche mußte einer neuen Kopie 




a / i i * S 



/« 



20 



Abb. 82. Der Saiychan bei Avanos am Halys. 



weichen. Auf der alten standen die "Worte: „BaQ&okofialog ini- 
cxonog Tafjuaov iyxaiviaaa top naqovxa vao'y." ^) Der kaum eine 
Stunde entfernte Ort D a m s a mit dem gleichnamigen Bach, der da- 

^) Levidis 1. c. p. 122. 



240 13CT Saryi^han bei Avanos 

selbst entspringt und an Urgüb vorüber dem Halys zueilt, hat den 
Namen des spätmittelalterlichen Bischofsitzes bewiüirt Änch die 
Kirche des Theodor am Usengitschai fanden wir neben anderen in 



einen Stall vt^rwandelt. Fast auf der Talsohle dieses breiten 
Baches sprudelte eine Bitteniuelle auf, deren Wasser bis nach 
Konstantinopel versandt wird. 



Der Sarycban bei Avanos 241 

Am 2. November verließen wir das gastliche Haus des Hiero- 
monachos in Urgüb und ritten im Bett des Damsatschai zum Haljs 
hinunter. Eine halbe Stunde vom Flusse entfernt, am alten Völker- 
weg, stießen wir auf den teilweise schon in Ruinen liegenden 
Sarychan, einen stattlichen Bau aus der Seldjukenzeit, der seinen 
Namen von der leuchtend gelben Färbung seiner Quadermauem 
erhalten hat Durch ein demoliertes, reich geschmücktes Portal ge- 
langen wir in den großen, mit Quaderplatten bedeckten Hof, den 
links Arkadenhallen, rechts eine Flucht von Wohn- und Vorrats- 
kammern flankieren. Das Tor im Hintergrund leitet zu den 
Stallungen, einer hohen fünfschiffigen Halle mit Tonnen- und Kuppel- 
gewölben von eigenartiger Technik, alles auf starken Pfeilern und 
Spitzbogen.*) Eine gefährliche Kletterpartie an den abgebrochenen 
Stufen hinauf, die einst zum Obergeschoß des Hauptportals führten, 
belohnte mich mit dem überraschenden Blick in eine seldjukische 
Gebetskapelle, deren reizendes Innere wegen der Unzugänglichkeit vor 
Zerstörung bewahrt blieb. Ein Bach mit gutem Tiinkwasser, der 
bei der Anlage des Chans künstlich hierher geleitet wurde, rinnt vor 
demselben vorüber. Bei eingehenderem Studium der so sehr veiuach- 
lässigten Seldjukenchane wird der Beweis erbracht werden, in wie 
nahem Zusammenhange dieselben mit den kirchlichen Klosteranlagen 
des Mittelalter stehen. Am Mauergefüge wie an der Wölbung 
muß man auch hier wieder Technik und statische Kenntnis der 
damaligen Baumeister bewundem. 

An diesem Tage überschritten wir auf einer langen Holzbrücke 
über Steinpfeilern den schmutzig gelben Halys und kehrten in 
Avanos ein, das einsam am bäum- und strauchlosen Ufer eine 
sonnenverbrannte Anhöhe hinauf liegt. Das breite Marschfeld, 
welches sich hier auf der Südseite des Halys ausbreitet, wird das 
Tempelgut der dreitausend Priester des Zeus von Venasa gewesen 
sein, das jedem jährliche Einkünfte von 15 Talenten lieferte, und 
welches ich hierher in die alte Morimene verlege.-) Trotz vieler 
Umfragen konnten wir keine Ruinen eines schönen Martyriums und 
eines Klosters finden, von denen Levidis in seiner Kirchenbeschreibung 
Kappadokiens spricht.^) 



^) Siehe Abb. obeo p. 22. 

') Strabo, Geographie 587. ^'Ev &h tfj Mogtiirivfj tb Isgbv roi) iv (Hrivdaois 
^i^bg, UgodovXfov Ttaroixiav iiov tQiaxilUov axsdov ti xal x^Q^'*^ Ibqccv s^xagnov, 
nccQtxovaav ngoaodov iviavaiov tccXdvtav ytsvrsxaldtxa x& IsqsV^ 

') Levidis 1. c. p. 98 f. und die Briefe des Basilius wegen des Diakonen Gly- 
cerios in Venasa. Kamsat, Geographj p. 292 f. u. Bulletin de corr. heU. 1883 p. 822. 

Bott, Kleinasintiiohe DenkmAler. 16 



242 Die Felsbäuten von Atschvk Serai 

Wir waren froh, als wir den abscheulichen Chan hinter uns 
hatten, wo in dem einzig bewohnbaren Gelaß ein quacksalbernder 
Kurschmierer seine übel duftende Werkstatt aufgeschlagen hatte. 

Flache Hügel und trockene Rinnsale querten unsern Weg, der 
eine halbe Stunde südlich vom Halys den Strom abwärts führte. Am 
Mittag hielten wir im Höhlengebiet um Atschyk Serai. Im obem 
Tal begegneten wir zunächst tonnengewölbten Gräbern mit niedrigen 
Türen und Totenbänken im Innern, w^eiter nördlich mehreren zwei- 
und dreischiffigen Höhlenkirchen im Stil des Hufeisenbogens. Von 
den fast völlig zugrunde gegangenen Fresken waren nur die Meta- 
morphosis, die Analipsis, Konstantin und Helena mit dem Kreuz 
zwischen beiden zu erkennen. Charakteristisch sind weiter tal- 
abwärts die großen Felsenhöfe ausgebildet, Anlagen, die von drei 
Seiten durch steile Wände geschlossen sind und deren Rückseite 
immer eine große Schaufassade im Hufeisenbogenstil mit tiefen 
Gemächern dahinter einnimmt. Der christliche Ursprung und die 
mönchische Bestimmung dieser Bauten treten hier am deutlichsten 
zutage. Ich hebe die wichtigsten dieser Klosterhöfe hervor. 

Eine dieser Fassaden (I) an der Rückseite einer felsumschlossenen 
Hofanlage ist durch Fenster im Oberstock loggienartig durchbrochen, 
die Zwischenfelder sind durch Pilaster und Blendarkaden im Huf- 
eisenbogen belebt. Ein großer Raum dahinter mit Tonnengewölbe 
auf Gurtbögen läßt an den Kapitelsaal dieser Mönchskolonie denken. 
Die Nordseite flankiert eine dreischiffige kleine Säulenbasilika mit 
Vorhalle, die nach Osten in drei Apsiden ausladet. Kuppeln und 
Kreuzgewölbe decken in fingierter Weise das Innere, dessen AVände 
durch Arkadennischen gegliedert sind. Konstruktiv und im Grund- 
riß ist hier und in allen übrigen Felsbauten der Umgebung der Huf- 
eisenbogen angewandt. Gegenüber in der Südwand ruhte eine große 
Hausanlage einst auf zwölf Säulen, die eine flache Decke stützten. 
Große Räume für Küche, Keller und Vorratskammern umgaben diesen 
Hauptsaal seitlich und nach der Tiefe zu. Mit dem bekannten roten 
Zickzackmuster sind die vielen Bogenfelder daselbst geschmückt. 

Wie die Fassade dieses Hofes, so ist auch eine andere (II) weiter 
nördlich vom Regen sehr verwaschen. Die untere Wand mit Ein- 
gängen und Blendtüren ist durch Wetter und Menschenhand größten- 
teils zerstört. An der Oberwand laufen zwei Reihen von Blend- 
nischen entlang, die doppelt abgestuft, vom Hufeisenbogen geschlossen 
und einst bemalt waren. Die oberste Arkadenflucht ist durch 
Pilaster in neun Felder geteilt. Viele Räume legen sich seitlich an 
und hinter diese Fassadenwand (Abb. 84). 



Die FelBl)auten von Atscbjk Serai 



An die hochgiebligen Totenkammern Myras in Lykien mußte ich 
bei der hintern Schaiiwand eines anderen Felsentores (HI) denken 
(Abb. 85). Die Fassade ist vertikal und horizontal dreigeteilt durch 
einen Vorbau, der auf Wandpfeilern mit trennenden Brüstungs- 
gesimsen aus der Flucht der Wand heraustritt. Am Bogenansatz der 
unteren drei Eingänge geht ein Gesimsband mit aufgemaltem Zahn- 
schnitt durch, die Pfeiler des Vorraums verkröpfend. Während die 
Seiteneingänge im Hufeisenbogen enden, schließt die Mitteltur mit 
einem von zwei kleinen Öffnungen durchbrochenen Tympanon, das ein 
Blendbogen unter einer von Eundstähen gebildeten Giebelverdachung 
einfaßt. An der Stirnseite des Brüstungsgesimses darüber ist in 
ganzer Breite ein Kreuzstab ausgehanen, ein griechisches Kreuzrelief 
ist auch anf dem rechten Wandpfeiler noch sichtbar. Alle durch 
Pfeiler und Gesims abgeteilten Felder sind nun mit profilierten 
Blendarkaden geschmückt, deren Hufeisenbogen und Vertiefungen 
mit Kreuzen, Zickzack, Bosetten und Flechtbändem genau wie die 
geschilderte Fassade im Tal Gereme polychrom ausgemalt waren. 
Drei große Räume entsprechen auch der vertikalen Einteilung der 
Schauseite. Die Wände des mittleren rechteckigen Saales sind durch 



Abb. 85. FuiBde 111 xa AiacliTk Ssni. 

Pilaster un<l Gesims in untere und obere Felder, die oberen nochmals 
durch Blendarkaden im Hufeisenbogen geteilt und belebt Ein riesiges 
Krenz mit sich erweiternden Armen und großen Balkennägeln gleich 
Buckeln ist an der ganzen Länge der Flachdecke ausgehauen (Abb. 86). 
Auf der Innenwand über der EingangstUr stehen einander zugekehrt 
die beliebten Buckelochsen Kappadokiens, deren Köpfe durch die 
beiden später eingebrochenen Schlitzfenster über der Tür und damit 
verbundene innere Zurückarbeitung der dicken Wand abgemeißelt 
wurden. Die linke Hofseite nahm eine jetzt größtenteils zusammen- 
gebrochene Kapelle ein. An diesem Platz mochte man das Kapitel- 
haus nnd den Sitz des Klostervorstandes oder Hegumen suchen. 

Westlich existiert in den benachbarten Berghängen ein Felsen- 
hof mit einer Fassade von gleichem Aufbau, die durch das 
Wetter sehr verwittert ist. Große Wohn-, Wirtschafts- und Kirchen- 



Arebiun 245 

räume liegen in ansehnlicher Tiefenauadehnung dahinter oder in 
den flankierenden Felsenmaaem. Wände und Decke sind wieder 
mit Pilasterordnnngen, Blendarkaden and Kreuzen mit Buckelnägeln 
reich verziert; teilweise deuten nur die im Kreuz ausgemeißelten 
Bnckelknfipfe die Balkenkreuze an. Spitze Giebelanfsätze sitzen 
über den Verhindnngstüren.') Viele Kirchen- und Fassadenbauten 
jener Täler sind zerstört oder von den hier hausenden Hirten durch 
die Umwandlung in Magazine und Ställe sehr entstellt worden. Die 
Formen nnd der Stil der Kirchen daselbst besagt aufs deutlichste, 
dafi die Gesamtanlagen, bes. die Hufeisenbogen-Fassaden zwischen 
dem VJI. und X. Jahrhundert angelegt wurden, in jener Zeit als 



das kappadokische Mönchtum mit seinen unzähligen Kohorten die 
Schluchten und Einsamkeiten der Felsentäler bevölkerte und sich 
diese Atschyk Serai d, h. „offene Schlösser" schuf. 

Der Abend brachte uns nach Arebsun am Halys, das immer 
noch keine steinerne Brücke mit dem jenseitigen Ufer verbindet. 
Die Tufffelsen, die sich am Nord- und Südufer des Flusses hier 
allenthalben erheben, sind von unzähligen Wohnungen, Grabbauten 
and Kapellen durchlöchert, doch diese infolge roher Zerstörung 
meist in jämmerlichem Zustande. Eine Viertelstunde östlich von 
Arebsun bilden die schroffen Hänge einen amphitheatralischen Fels- 
kessel, Karsehiklisse genannt. Eine aus Unter- und Ober- 
kirche (=: Karsehiklisse) bestehende Anlage im Berginnem ist den 
Taiiarchen geweiht. Durch die durchbrochene Kuppel der unteren 

') Abb. dieicr Fasaaiie (IV) im nächsten Heft. 



246 Die Karscbiklisse oder Taxiarchenkirche 

Basilika sahen wir in den oberen Raum, der gleich jenem mit seinem 
Chor im Hufeisenbogen nordöstlich gerichtet ist. In die Blend- 
nischen der Unter wände sind Heilige gemalt, an den Oberwänden 
und der Tonnenwölbung waren die Gemäldezyklen durch den Kerzen- 
rauch dermaßen verschwärzt, daß nur noch wenig kenntlich ist 

An der Westwand war in breitem Rahmen das jüngste Gericht 
dargestellt mit dem seelen wägenden Engel und einem anderen, der 
die Verdammten mit einer Lanze in die Hölle stößt. Ein Teufel 
zieht dieselben an ihren Barten hinab, ein anderer reitet auf einem 
phantastischen Tier über schlangenumwundene Köpfe hinweg. Eine 
benachbarte Szene ist wohl als der Bethlehemitische Kindermord 
zu deuten: Eine Mutter legt schützend die Hände über ihre beiden 
Kinder, daneben der Rest einer Beischrift ÖPHNOC K€ B ') 

Mit einiger Muhe enträtselten wir auch die übrigen Szenen, 
soweit diese überhaupt mit Gewißheit zu bestimmen waren: Die 
Taufe Christi, das Abendmahl, der Judaskuß, die Kreuzigung, Christus 
im Hades, seine Auferstehung und Himmelfahrt, die Koimesis der 
Gottesmutter im Kreis -der Apostel und herabschwebender Engel, 
und die Männer im Feuerofen. Die großzügigen Szenen stehen quali- 
tativ hinter denjenigen im Tal Gereme schon weit zurück und ver- 
raten die fortgeschrittene Verfallszeit. Die größtenteils abgefallene 
Inschrift am Chorgesims unterhalb der kleinen Deesis erzählt, daß 
die Höhlenkirche unter Theodor Laskaris im Jahre 1212 mit diesen 
Fresken ausgemalt wurde. 

n 



£m| n i^HÄH PHnro Hf fTe 



.... avTov inl ßaaiX^[y^ovTog QioSdqov Adaxaqi %vovs gtpx' . . . 
lvS{ixTtCüVüg) le fi{ri)vl *A7tQtk{k)iov r]{f^i)Q(f xe'. 

Die Anlage der Kirche mit ihrem Hufeisenbogen-Portal geht 
jedoch in weit frühere Zeiten zurück, da auch ältere Fresken unter 
den Jüngern liegen. 2) 



^) Vgl. auch Levidis 1. c. p. 100 f. — Matthäus 2, 18. Die Variante „9'Qfivog 
xal Pgy/aog'*" daselbst (Tischend.). 

^) Unrichtig sind die Angaben über diese Michaeiskirche bei Obebhummer 
und Zimmerer, Durch »Syrien u. Kleinasien p. 145. Kaie Anghy ist ein Zigeuner- 
-dorf jenseits des Halys. 



NewBchehr 247 

Uni in Newschehr die Post abzuholen und die Kirche vom 
Djardagh zu besuchen, wandte ich mich bald hinter Arebsno snd- 
östlicb, während mein Begleiter über Tatlar nach Suwasa weiterritt, 
wo wir uns wieder treffen wollten. Kaum eine Stunde vor New- 



Abb. 87. KsplUl eiaet R[rche am CjEnlngh. (bJ 

schehr erhebt sieh plötzlich ein steiler Bergfels in die Luft, Kebes 
genannt, der wie das unfern gelegene Tscbat von H&hlenwohnungen 
völlig durchbrochen ist. Die aufblühende Stadt Newschehr, eine 
türkische Griindung des XVIII. Jahrhunderts, zieht sich an einer 



Abb. SS. EiptUl «iiMT Eircbfl Mn I>)ord>«h. (b) 

festungsartigen Äkropoüs hinauf und ist der Mittelpunkt eines leb- 
haften Transithandels vom Schwarzen Meer nach Mersina. 

Um Mittag ritt ich mit meinem treuen Diener aus dem geräu- 
migen Chan mit seinen zierlichen Lt^gien den Hadji Ibrahimtsehai 
hinauf an Görü vorüber, das von abgestürzten mächtigen Blöcken 
übersät und täglich von neuen Stürzen bedroht wird. Am Fuß des 



248 Kirche am Djardagh 

Djardagh, der alle Höhen ringsum weit übertrifft, liegt ein römischer 
Opferstein mit verlöschter Inschrift, der von der Höhe herabgerollt 
sein soll. Zwischen Göwerdjinlik und Djardaghkoi, zwei armseligen 
Höhlendörfchen, steht noch der Chor einer Kirche mit Resten der 
Umfassungsmauern einsam in verlassener Gegend. Zu den richtigen 
Bemerkungen samt guter Planaufnahme Smibnow's füge ich noch 
einige hinzu. ^) In der Leibung des rechten Chorfensters waren drei 
schöne Brustbilder mit klassischen Zügen und Gewandung gemalt, 
in der Koncha 13 Gestalten im Mosaikenstil, sicherlich Christus mit 
seinen Aposteln. Der Freskengrund zeigt mehrere feine Stuck- 
schichten über einem dicken Bewurf. Technik und Ausführung 
rücken diese Malereien, die heute nur noch Farbreste von Himmel- 
blau, Rot und Grüngelb sind, in die frühchristliche Zeit hinauf. 
Die Halbkuppel des Chors, teilweise eingestürzt, ist aus leichtem 
Vulkangestein hergestellt, die übrigen Mauern aus dunkelm Trachyt 
mit haarscharfer Fügung der regelmäßig versetzten Quader. Die 
Werkstücke des Langhauses, namentlich des Dachgesimses, sind 
wieder bei der Moschee benützt worden, die in die Kirche eingebaut 
wurde. Unter den alten Stücken, mit denen man den oktogonalen 
Tambour der ersteren aufbaute, befinden sich Säulenreste, die ver- 
muten lassen, daß die einstige Kirche eine dreischiffige Säulen- 
basilika war mit Wandpilastern. An der Chorwand außen las ich 
noch die Buchstaben und Zeichen: 

Aeo///// ^'''*'' Af -P ^ E 

Der Schnitt der Konsolenkapitäle, auf denen die Fensterbogen 
des Chors aufliegen, ist derselbe, wie bei den Pfeilerkapitälen im 
Innern der zum Taubenschlag heute degradierten Apsis. Die Ab- 
bildungen hier bringen die schon nach SAiniNow's Zeichnungen 
bekannten Chorreliefs in photographischen Aufnahmen, die unter 
schwierigen Umständen hergestellt wurden (Abb. 87. 88). 

Am 5. November ritt ich zwischen dem Bogha- und Tschatal- 
dagh an einer alten Siedlung, Refad genannt, vorüber und tränkte 
bald dahinter an einer starken Quelle, die nach einigen Hundert 
Schritten schon eine Mühle treibt, mein Pferd. Es ist der Ur- 
sprung des Tatlarsu, der bis jetzt nach unrichtigen Vermutungen 
Tchihatschef's bei Siwri Hissar gesucht wurde. Nach kurzem Ritt 
erreichte ich den toten, fast kreisrunden Atjigöl, der hart am 



*) Strzygowski, Kleinasien p. 69 f. 



Von NewBchehr nach Suwasa 249 

Wege liegt und in dessen blauem Wasser sich ein mäßiger Berg 
spiegelt. Der See fällt und steigt je nach der Jahreszeit, obwohl 
kein Ab- und Zufluß zu sehen ist. Durch das äußerst elende Tob a da 
fließt ein Bach, Karatschai genannt, der nach einer Stunde bei Imamli 
sich mit dem erwähnten Tatlar vereinigt. Nordwestlich mich jetzt 
wendend, sah ich jenseits der Hügel hinter Juala in einem Talmnkel 
eine christliche Kapelle am frischen Quell, in ein Tekke Asambaba 
verbaut. Über baumlose Hochflächen, wo der fruchtbare Boden ein 
fröhliches Volk ernähren könnte, erreichte ich nach neunstündigem 
Ritt das kleine Höhlendorf Suwasa, wo ich mit meinem Begleiter 
wieder zusammentraf. Derselbe hatte die Höhlenanlagen von Tatlar, 
namentlich auch die Karadjaklisse besucht, jene unterirdische Höhle, 
in der Hamilton das geheimnisvolle, sagenumwobene Buch, ein 
Menologium, gezeigt wurde, das seither verschwunden ist.^) Heute 
ist der Raum mit seinen Grabnischen und Vorhalle ganz geschwärzt, 
nur eine Verkündigung war zu erkennen. Grabkammem und Kapellen 
wurden auch zu Ipeklik Tschiflik und Belik Ören angetroffen. 

In vierzig schmutzigen Erdlöchem sitzen die Turkmanen von 
Suwasa ; in einer solchen unterirdischen Spelunke wurden wir gast- 
lich aufgenommen. Die ganz unerforschte Gegend gilt mit Recht 
noch heute unsicher, denn Kizilbasch, Kurden, Turkmanen und 
Jurüken bevölkern mit ihren fliegenden Wohnplätzen diese welligen 
Tafelländer. Eine härtere Basaltkruste liegt vielfach über weicherem 
Vulkangestein, daher sich hier tiefe Schluchten mit senkrecht ab- 
fallenden Klippen allenthalben gebildet haben. 

Einige Minuten südwestlich vom ärmlichen Dorfe entfernt steht 
einsam auf einer Schutthalde ein fremder Gast, ein christliches Okto- 
gon, das schon teilweise zerstört, seinem allmählichen Untergang ent- 
gegengeht, aber von bester Bautradition und Technik in dieser Arm- 
seligkeit der Umgebung zeugt (Abb. 89. 90). Schlimm haben dem Bau 
die Erdbeben zugesetzt und die Menschenhände, welche die Bausteine 
des gestürzten Chors wegschleppten, so daß wir tief graben mußten, 
um zu den Fundamenten zu gelangen. Das Achteck, welches nach 
Osten in einem Chorbau von der Anlage des Hufeisens endigte, muß 
einen Umgang besessen haben. Da wir im Dorf große marmorne 
Säulenstücke und zugehörige Kapitale mit Zungenomament antrafen, 
die von der Kirchenruine stammen sollen, so können wir uns diesen 
rekonstruieren als Säulenportikus mit einem Dach darüber, dessen 
Sparren in die noch sichtbaren Balkenlöcher an den Obermauem 



^) Hamilton, Researches 11, 246. 



250 



Das Oktogon Ton Suwasa 



des Oktogons eingriffen. Hohe Schuttmassen decken freilich heute 
ringsum die Basen und Fundainente, auf denen diese Säulen standen. 
Jede Seite des Achtecks hat einen Durchgang, dessen huf eisen- 
bogige Archivolten auf Kapitalen ruhen, die mit senkrecht gestellten 
Zungenmustem, auch Efeu, Akanthusblättern und Vögeln geschmückt 
sind. Darüber sieht man immer je 6 Löcher für das Balkendach 







^v ^/ä 



Abb. 89. Oktogon Ton Sawasa. 



des Umgangs. Oberhalb desselben öffnen sich in den Achsen der Zu- 
gäuge die Fenster, deren Hufeisenbogen auf dem einfach profilierten 
Kapital lagert, während eine vorkragende halbrunde Verdachung mit 
konsolenartigen Balkenköpfen nach oben hin abschließt.^) Im Innern 



*) Es sind immer zwölf solcher Konsolen, welche diesen obern Fenster- 
rahmen tragen. 



Das Oktogon von Suwasa 



251 



läuft in Höhe der Fensterbank ein Gesims ringsherum, das aus 
Hohlkehle und Steg gebildet ist. Ein Eranzgesims mit Kehle und 
weit ausladendem Konsolengebälk trägt das niedrige Dach, das 
mit großen rechteckigen Steinplatten und keilförmig dazwischen 
eingeschobenen Imbrices abgedeckt ist. Das Ächteck wird zum 
Kreis der flachen Kuppel unmittelbar in der Weise übergeführt, 
daß ihi* rundes Auflager, die Ecken überschneidend, etwas hinter 
die Mauerkanten der Mitte der Seiten zurücktritt (Abb. 91). Die 
Wölbung der Kuppel ist aus immer mehr sich verengernden Eingen 
glatter Quader hergestellt. Diese wie die Untermauern, die eben- 




j i l ^ S 



Abb. 90. Qrundriß des Oktogons von Suwasa. 



falls aus Werksteinen des harten Vulkangesteins in regelmäßiger 
Versetzung mit scharfen Stoß- und Lagerfugen geschichtet sind, 
sprechen deutlich genug für die vorzügliche Bauweise und das 
hohe Alter dieser Ruine. Die Werksteine, nach innen durch eine 
harte Gußschicht verbunden, haben annähernd immer die gleiche 
Höhe, nur dem üntergesims entspricht außen ringsum eine schmale 
Quaderschicht. 

Dieser treffliche Bau, dessen Errichtung ich unbedenklich ins 
V. Jahrhundert setze, ist nach einer verstümmelten Inschrift auf 
der südöstlichen Innenwand in der ersten Hälfte des XIIL Jahr- 
hundert bemalt worden. Das Bruchstück derselben, das mit den 
Fresken gleichzeitig aufgemalt wurde, lautet: 



262 Malereien in den Oktogon ron Sunua 

'Ev (tu ? . . . [4 ixxXtjaia {'{) a]vaxs>faXamfiiinj nagal[&^ö]vTos 

Aäoxagt ßaüiXevovrog BaratCv [ivtXeiü&r}9'].') 
Leider sind von dea Malereien aar noch Schattenreste vor- 
himden, und nach langem, gednldigem Betrachten konnten wir das 
Folgende fest bestimmCD : Die Geburt Chriati mit der Badung und 
der Anbetung von Hirten and Magiern; die Aufweckung des Lazarus; 
der Einzug in Jerusalem; das heilige Abendmahl; der Judaskußr 
die Kreuzigung ohne die Schacher;*) die Grablegung und Christi 
Himmelfahrt. An Einzelfiguren sahen wir noch: Die Hod^tria 
mit Kind, H OAHnTPYÄ;^) Christophorus einmal mit Buch und 
Heiligensehein, ein andermal mit einer besiegten Person zu seinen 
Füßen; einen Reiterheiligen mit Schild, Chlamys and Lanze, anter 



ihm eine Schlange; zwei sich ent^egensprengende Reiterfiguren,, 
unter ihnen Drache und Schlange, wohl Georg and Demetrius; Kon- 
stantin im Bischof somat; Gabriel und Johannes Theologus. Die: 
Gestalten sind teilweise in Lebensgröße gemalt, mit schematischer 
Gewandhehandlung und ausdruckslosem Gesicht. Dagegen sind die 
Stoffe mit kostbaren Steinen und Perlen reich besetzt. 

Da, wo der Stuck abgefallen ist, kommen eine Reihe In- 
schriften zu Tage, die mit schönen Zügen in die Quader der Wand 
eingeliauen sind: 



*) &vaKiipalaio6v ^^ ivuxTi^tiv, also restaurieren, womit hier haupUächlich 
die AusmaluDg gemeint ist, die unter Theodor Laskaris (1206 — 22) begonnen 
und unter Johannes Dukas Vatatzefl (1222—54) vollendet wurde. 

') Eine Ssene, in der ein Mann vor einer thronenden Figur steht, ist wohl 
nU NikademuB nu erklären, der Pilatus um Cbrieti Leichaam bittet 

') Über die Hodegitria vgl. Brockhaus I. e. p. 107. 



Inschriften am Oktogon von Suwasa 



253 



+ YHEPEY 
XHCAEKA 
NIAC 
ADNTI 
NDYAN 
ArNCO 
CTDY 



+ 'Ynig sv^tK 3exaviag 
Aovxlvov ttvaj'vtioTov. 



+ YnepexH 

AEKANIACn 
ACPNOY + 

+ YnepeYXHc 

??AN?? 



naa[t]vov +. 



+ 'Ynkg Bvx^g • . . .^) 



Ein Monogramm am Chorpfeiler: T X f 



Eine spätere christliche Inschrift fanden wir im Stall vor 
unserm eignen Schlaf räum: 

/;//e ? ? ? THNTAneiNO////// 

/////KOnONHoYKAIAcDecnAC////// 

['£'A]£[i;cro{v)] trjv Taneivolrr^Td fiov xai rov] 
xonov jüov xai utfSß nda[ag ras dfA.agTiag'].^) 

Daß das Christentum hier bereits eine alte Kultstätte vorfand, 
ist ersichtlich aus einer Götterfigur, die wir an der senkrechten 
Felswand hinter dem Dorf ausgehauen fanden. In einer rundbogigen 
Nische sitzt eine Gottheit, die den linken Arm erhoben hatte. 
Der Oberkörper ist unbekleidet und zeigt Eeste von Brüsten, ein 
faltiges Gewand fällt über Schoß und Kniee hinab. Vier Stufen 



^) OberkoDsist.-Rat Dr. Ph. Meyer schrieb mir in freundlicher Weise, daß 
es sich hier anscheinend um eine liturgische Festsetzung handle. ^Das zehnfache 
Gebet soll die Gegenleistung für eine Stiftung sein.** — Vgl. auch den Ausdruck 
toTtog oder TtaQactatixbv dsxaviag in den christlichen Soldateninschriften bei 
Seleucia (Cilicien). Bulletin de corresp. hell. IV, 197 f. u. C. I. Gr. 9228 f. 

^) Die Inschrift auf einer Kalksteinplatte. Höhe 0,60 m, Breite 0,80 m. Über 
den byzantinischen Charakter von tansivog cf. Cümont in den MAanges d'arch^o- 
logie 1895 p. 262. 



254 GU>tterfigur bei Suwasa 

führten zur Statue hinauf, der Eaum davor ist geebnet und die 
Felswände rings geglättet (Abb. 92). 

Ich halte die Figur für den Zeus Stratios, dessen Kult in 
Kappadokien allenthalben verbreitet war. Schon König Eumeaes, 
der dies Land und Paphlagonien beherrschte, wandte sich an diesen 
Zeus {nQog Jiog 2tqaxiov xai &^&v ogxiwv) , als er den Truppen 
des Antigonus ausgeliefert wurde. Die asiatische Gottheit, mann- 
weiblich, bärtig und mit Brüsten dargestellt, trug in der einen Hand 
die Lanze, in der andern die Streitaxt.^) 

Zwanzig Minuten südwestlich von dem christlichen Kundbau ent- 
deckten wir unter den abgestürzten Felsen der steilen Wände die 
oben bereits besprochene hettitische Inschrift, die einer noch älteren 
Kultur am Orte angehört. *) Jenseits des kleinen Felsplateaus, an 
dessen Südabfall das Götterbild aus dem Felsen gehauen ist, hat 
sich ein Anachoret ein kleines Säulenkirchlein in den TufF gegraben 
und es mit Fresken ausgeschmückt, von denen der größere Teil 
untergegangen ist. 

Auch den alten Namen der christlichen Epoche glaube ich ge- 
funden zu haben. In der Metropolitenliste des Kaisers Leo wird 
unter den neugeschaffenen Bischöfen der Metropolis Caesarea vor 
Prokopion-Urgüb auch der von Sobeson, 6 2oßiaovj erwähnt. Die 
Pluralform hat sich im Namen Suwasa erhalten.*) 

Wir verließen unsere unterirdische Wohnung, deren baufällige 
Tuffdecke von rohen Gurtbögen unterfangen war und ritten in der 
Eichtung auf den Alai Chan zu. Nach einer kleinen Stunde trafen 
wir byzantinische Säulen und Kapitale in der Djami von Gözdesin 
verbaut, die von dem nahen Ruinenort Adi Kemer stammen, wo noch 
weitere Trümmerstücke einer ehemaligen Kirche sich befinden. Kaum 
40 Minuten entfernt liegt ein anderer Ruinenort Kalekoi Oren. Hierher 
nach Gözdesin versetze ich das alte Argustana, das IC Meilen nörd- 
lich von Akserä, am Weg nach Pamassos anzusetzen ist.*) In der 
Höhe von Dadasin sahen wir zur linken Hand einen 3 m hohen 
bearbeiteten Granitstein, Dikelitasch genannt, tief im Boden stecken. 
Unweit dieses Dorfes im Gebiet der Turkmanenniederlassung Mar- 
masin steht noch der Chor einer Kirchenruine aufrecht. Die kreuz- 
förmige Anlage, im Hufeisenschema erbaut, ist nach Osten fünf- 



^) CuMONT, Le Zeus Stratios de Mithridate, in der Revue de Thistoire des 
religions XLIII, 1901 p. 47 f. 
*) Siehe oben p. 175. 

s) Die Liste bei Gelzbb in Abbandl. der Bayr. Akad. III. Kl. XXI, 552 (118). 
*) Ramsay, Geography p. 286. 



VoQ Suwasa nach Akeerai 255 

Beitig abg^eschlosseD aod von drei FeDStern darchbrocben. Fresken- 
reste tod Heiligen sind noch erhalten. In einer Anexe des halb 
zerstörten Alai Chan fanden wir in einem Stall die einzig mCgliche 
Unterkunft, nachdem unser Saptieh ihn vorher erbarmungslos von 
mehr als 20 Insassen, fahrendem Gesindel, gereinigt hatte. Der alte 
Seldjukenclian dient jetzt als regelrechter Steinbruch (Abb. 93). 



Aach der hochgewölbte Weresiu Chan, zu dem wir über ein- 
töniges, welliges Hügelland reitend kamen, ist schon seiner ganzen 
Quaderbekleidung beraubt. Besser ist der gewaltige Ahsy Kara 
Chan erhalten, wohl neben dem Sultanchan die größte derartige 
Anlage Anatoliens, aber noch ganz unbekannt. Herrliche Stalak- 
titenportale zieren die Einfahrt und den Zugang zur großen Unter- 
kunftshalle. In der Mitte des Hofes erhebt sich turmartig eine 



256 Von Suwua nach Akserai 

Moschee mit zierlicher Grebetskapelle im oberen Stockwerk. Ein 
Bach, der kurz vorher am Wege entspringt, versorgte die Karawanen 
daselbst mit reichlichem Wasser. Kach wenig Stunden standen wir 
hoch über Akserai, das unter uns in der Tiefe lag, vor uns die uner- 
meßliche Salzwttste, jenseits derselben die verschwommene Silhouette 



Abb. 03. Portil Tom AUi CDu. 

des Sultandagh, hinter uns der weiße Gipfel des Erdjas, zur Seite 
der nahe Hassandagh und der Taurus und weit im Norden über den 
Tatta lacus hinaus die zerrissenen Linien des plirygischen Bei^- 
landes. Die Erhabenheit dieser Hochlandsszenerie war überwältigend 
and hat nicht mehr ihresgleichen auf der asiatischen Halbinsel. Nach 



Von Akserai zum Hassandagh 257 

einem jähen Abstieg durch die tiefeingewaschenen Talschluchten, 
wo der härtere kristallinische Peperin über dem gelben Mergel 
lagert, zogen wir am Abend zu Akserai hinein, das ein Wald von 
Silberpappeln umrauscht 

Schon im XII. Jahrhundert wird die Episkopalstadt Colonia — Avir 
kennen sieben Bischöfe daselbst — von den byzantinischen Schrift- 
stellern mit dem türkischen Namen Taxara genannt. In den Kriegen 
mit den Arabern spielte der Ort als Eingang zu dem kappadokischen 
Hochland und den Pässen des Hassandagh mit seinen Kastellen eine 
wichtige Rolle. Wer jedoch daselbst nach byzantinischen Denk- 
mälern sucht, wird enttäuscht sein.^) 

Der von europäischen Reisenden noch wenig erforschte 2400 m 
hohe Hassandagh war das Ziel der nächsten Tage. Nach kaum zwei- 
stündigem Ritt in südlicher Richtung stiegen wir dort, wo eine Lava- 
masse ganz steil nach der Ebene hinabfällt, bergauf und trafen auf dem 
breiten, künstlich geglätteten Yorsprung gi*oße massive Unterbauten 
und Strebemauem. Die gewaltigen Quader mit Randschlag und 
schön gearbeitete Werkstücke deuten unverkennbar auf eine Tempel- 
anlage. 2) Nur ein schmaler Engpaß führt durch eine steile Schlucht 
von Südwesten auf diese befestigte Höhe, die nach allen Seiten durch 
Absturz und im Rücken durch tiefe Schluchten geschützt war. Am 
Fuße der senkrechten Felswand, welche sich hinter diesem Plateau 
erhebt, liegt das Höhlendorf Akhissar, über dem sich noch weitere 
Ruinen, Kaie genannt, befinden sollen. Wahrscheinlich ist es eins 
jener zahlreichen, unersteiglichen Kastelle, welche die Byzantiner 
in ihrem Verteidigungskampf gegen die Sarazenen auf den Bergen 
dieser Distrikte anlegten. 

Auf dem Weitermarsch nach Tscheltek ging der Weg an 
schwindelnden Abgründen und berghohen Felswänden vorüber, bis 
wir auf dem Hochland zu einer großen Mönchsansiedlung gelangten, 
die in wilder Bergeinsamkeit liegt. Eigentümliche Grabanlagen und 
Höhlenkapellen trafen wir daselbst an, deren Eingangswände durch 
rundbogige Blendnischen mit hohen Giebelaufsätzen gegliedert sind 
(Abb. 94). Über der niedrigen Tür rahmt ein Hufeisenbogen die von 
Fenstern durchbrochene Lunette ein. Die Flachdecke der Vorhalle 



*) Siehe die Beschreibung von Akserä bei Sarbe, Keise in Kleinasien, bes. 
Taf. XLI — Xr JI mit Blick auf den Hassandagh. — Le Quien, Oriens Christ. 1, 415. 

'^) Auch Hamilton, Researches II, 231, gedenkt dieser kleinen Kuinenstätte. 
Er hat sie für ein altes Kastell und die Station Momoas^um des Itinerars von 
Jerusalem angesprochen, die wir jedoch ein paar Stunden östlicher passierten. 

Kott, Kleinasiatische Denkmäler. 17 



258 Die Felsanlagen bei Tscheltek 

ziert in ganzei- Ausdehnung ein großes erhabenes Kreuzrelief mit 
weiteren Kreuzen in den vier Feldern. Ich dachte an syrisch- 
palästinensische Mönche, die der Arabersturm hierher geworfen hatte, 
als ich iliese eigenartigen Arbeiten hier sah. Die Wände der fast 
immer östlich gerichteten Grabkapellen hinter diesen Vorräumen 
sind von Blendarkaden belebt, Luminare erhellen als Lichtschächte 
das Innere, dessen einstiger Freskenschmuck meist untei^egangen 
ist Die bereits besprochenen Felsenhöfe treffen wir daselbst in großer 
Anzahl an. Kleine Hochfelder mit magerer Ackererde boten diesen 
Cönobiten hier oben genügende Nahrung, auch Ackerbau und Vieh- 



Abb. Bl, ElDgaog lu aSnsT Oribkapelle bei Ticlialtuk. 

zucht wurde von einem Teil derselben, den „utxgöax'ifiot", die wir 
vielleicht mit den Tertiariern des Abendlandes vergleichen können, 
getrieben. Deutlich konnten wir eine Eeihe von Stallaiilagen mit 
Krippen und unterirdische Scheunen unterscheiden.») 

An einem Abhang, wo Kapelle neben Kapelle im Boden sich fast 
den Raum streitig macht, steht als einziger Freibau die Tschanli- 
klisse d. h. Glockenkirche (Abb. 95 u. 9t)). Der N'ordostflucht des 
ansteigenden Hügels folgt auch die Richtung der Anlage. Vier Pfeiler 
mit einfaclien Kämpferkapitälen trugen die hufeisenbogigen Arkaden 

') K. HuLL, Enthusiasmus uu<l Biiß^rcwalt btiin grieehischen Moaehtiim. 



Die Tschanliklisse bei Tscheltek 



259 



einer dreischiffigen Basilika, der drei Apsiden von gleicher Bogen- 
form in Grund- und Aufriß entsprechen. Längs- und Quertonnen 
mit einer Kuppel auf hohem Tambour überwölben den Innenraum. 
Trotzdem nun zwei Pfeiler in den Diagonalen zusammengebrochen sind, 
schwebt das ganze Kuppelgehäuse fast frei in der Luft, ein Zeichen 
für die treffliche Bauweise. Freilich muß die Wölbung, die fast nur 
durch die Gegenstrebung der Tonnen noch gehalten wird, in der 




y/. 



■/ /--<-: ' ' " / ■ - 'A '■- ■ \ V '■'-V ■,. ; 

/j//A//'-'/y.///. / J.'.y'-^-- - ■■'■■yj.-i \..-../... ./.ü.,, i, ,,! , ,, iA fa< « . . « ■ /<^^ . V . < . 



■ - . .-. . . .j-i. 






Abb. 95. Flau der TschanlikÜBse bei Tscheltek. 



allernächsten Zeit schon krachend niederstürzen. Die Außenwände 
sind durch Blendnischen aufs reichste gegliedert. Jede wird durch 
ein 3/4 Säulchen eingefaßt, dessen Bogen auf seitlich weit ausladenden 
Kämpferkapitälen mit knopfartigen Gebilden ruhen. In den Ober- 
mauem außen entspricht den Quertonnen des Innern ein großes, 
dreifach abgestuftes Blendfenster mit zwei kleinen Öffnungen, zwei 
seitliche Mauerblenden den übrigen Nebenräumen und den unteren 
Durchbrechungen. Diese Fenster sitzen schlitzartig in der Mitte 
der jedesmaligen, mehrfach abgestuften Blendnische der Längs- 
mauern und der fünf-, resp. dreieckig umschlossenen, von gleichen 

17* 



260 Die Tschanliklisse bei Tscheltek 

Wandbelebungen geschmückten Chöre. Die Obermauern der Apsiden 
umzieht eine weitere Eeihe dieser abgetreppten Blendfenster, ebenso 
den zwölfseitigen Tambour mit seinen vier hohen Schlitzfenstern 
in den Achsen. Das horizontal abteilende Gesims wird ersetzt durch 
friesartige Ziegelstreifen, welche die Mauern mit ihrer regelmäßigen 
Versetzung von glatten Trachytquadern durchziehen. Eine starke 
Mörtelschicht ist zwischen die Ziegel eingebunden, welche auch zur 
Herstellung der Blendbogen verwandt wurden,*) Das flache Dach 
der Kuppel trägt ein Kranzgesims mit Hohlkehle und Konsolen, die 
mit einem aufrechtstehenden jonischen Polster zu vergleichen sind. 
Vom Dachgesims des Unterbaues sind nur noch ein paar Werkstücke 
mit mehrfacher Profilierung und Einkehlung über dem Chor erhalten. 

Neben diese Kuppelkirche im Kreuz wurde ein Paraklission 
parallel angebaut und dann mit Tonnen auf Gurtbogen eingedeckt. 
Im Grund- und Aufriß ist auch hier der Hufeisenbogen angewandt, 
selbst in der Einwölbung.^) Beiden Kirchen wurde dann eine gemein- 
schaftliche Doppelhalle als Narthex vorgelegt. Der eingeschossige 
Nordraum, zu dem eine jetzt zugeschwemmte Tür von Westen herein- 
führte, ist durch ein Tonnengewölbe, der zweigeschossige Südraum, 
mit Eingängen im Süden und Westen, im untern Stockwerk durch 
drei Kreuzgewölbe, im oberen durch eine Tonne quer zur Längs- 
achse der Hauptkirche geschlossen mit drei Emporenöffnungen, die 
den unteren Eingängen zum Innenraum entsprechen. Hinter dem 
nördlichen Ende dieser gesamten Vorhalle liegen Arkosolgräber im 
Fels, deren Zugang jetzt verschüttet ist.^) 

Beide Kirchen samt ihren Vorräumen Avaren einst reich mit 
Fresken verziert ; heute haben sich nur kümmerliche, verblichene Reste 
erhalten und auch diese teilweise schwer deutbar. Die einzelnen Räume 
sind zu . verschiedener Zeit ausgemalt worden, die Bilderfolgen der 
Hauptkirche sind qualitativ die besten. Bestimmen ließen sich: 

In der nördlichen Vorhalle die Geburt Christi, die Taufe, die 
Verklärung und das Abendmahl ; in der südlichen^) nur die Heiligen 
Kyriakos, Euphemia, Makrina und Barbara. 

^} Verhältnis von Ziegel zu Mörtel wie 0,04 : 0,05 — 0,06. — Höhe der Chor- 
fenster 1,85 m. 

-) Die Nebenkirche ist vielleicht zuerst fluch gedeckt gewesen; jedenfalls 
sind die Stützpfeiler der Tonnenwölbung erst später vor die nördliche Umfassungs- 
mauer dieser und der Hauptkirche gestellt worden. Möglicherweise ist das Para- 
klission die ältere Anlage, von der man beim Bau der vordem Kirche die Süd- 
mauer niederriß und dann später vermittelst der Pfeiler einwölbte. 

^) Abb. der Kirche von der Chorseite im andern lieft. 

^; Hechts am Eingang zur südlichen Vorhalle ist noch eine Sonnenuhr sichtbar. 



262 Die Tschanliklisse bei Tscheltek 

In der Xebenkirche die Geburt mit der Waschung, die Anbetung 
der Hirten, und der Heilige Florus. 

In der Hauptkirche an der Westwand in gut realistischer Auf- 
fassung ein Mönch und eine Nonne. Nach dem Bruchstück der Bei- 
schrift: MAFIA ZOC • • . ist es die Spendung der Kommunion durch 
Zosimas an die Maria Aegyptiaca. Ferner Christus mit der Sama- 
riterin, [CAJMAPHTIC, am Brunnen;*) Konstantin und Helena. 

An der Südwand die Geburt der Maria unter reicher Archi- 
tektur; die Erweckung des Lazarus durch Christus, den Thomas 
begleitet ebenso wie bei dem folgenden Einzug in Jerusalem. Nach 
dem Chor zu: vier reich bekleidete Pei^onen, die auf einen Altar 
zueilen, vielleicht die Etimasie. 

An der Nordwand das jüngste Gericht^ fast ganz zerstört. Vor- 
züglich ist der Schrecken der nackten Verdammten zum Ausdruck 
gebracht. 

Im Chor sieben überlebensgi'oße Heilige mit Bücheni im reichen 
Bischofsornat, unter ihnen Theophylakt noch erkennbar; in der 
rechten Apsis die Madonna mit ihrem Kind, in der linken der Erz- 
engel Michael; darunter der Heilige Herraolaus. 

Ein helles Blau und ein tiefes Grün haben sich am besten 
erhalten, die Ornamentik ist reich und lebhaft Die Malereien 
sind wie die Hauptkirche selbst wohl um die Wende des ersten 
Jahrtausends entstanden. 

Auf dem tieferliegenden Teirain im Süden der Tschanliklisse 
liegen die Eeste des alten oberirdischen Mönchfriedhofes mit vielen 
Grabsteinen aus Tuff, deren Kreuze und Monogramme sehr ab- 
gewaschen sind. Auf einer Grabplatte stehen beiderseits von einem 
gi'oßen erhabenen Kreuz die Worte: 

TOPeeOYAOVAOC To[{)] &eov Sov?.og 

K6XPICTOYe6PAn?N yai Xqiotov &Bgcc;i[ai]p, 

I10NAZOJNnANKI???IC? ^ovdCwv nayy,Q[dT]io[gl 

Mehr noch könnte in dieser Klostereinsiedelei gefunden werden. 
Allein es war schon Nacht, als wir die Pferde bestiegen und nach 
mehrstündigem Umherirren in den Schluchten den Ort Tscheltek 
erreichten. 

Nach wüster Nacht schlugen wir die Kichtung nach dem Irmaq 
ein, um dort eine Reihe von Troglodytend()rfern zu erforschen. In 
nordöstlicher Kichtung ritten wir an einer kleinen Ruinenstätte, 
Kurtler Oren genannt, vorüber und standen nach zwei Stunden in der 

^; Abb. im nächsten Heft. 



Mamassun. Seime und seine Felsanlagen 263 

tiefen Schlucht des gewundenen Flusses, auf dessen nördlichem Ufer, 
eine Viertelstunde die Höhe aufwärts, der Ort Mamassun sich 
ausdehnt. Hier ist die alte Station Momoassum anzusetzen, die nach 
dem Jerus. Itinerar 12 Meilen östlich von Akserä am Weg von 
Archelais nach Tyana lag. Das eine Stunde südlich von Mamassun 
befindliche EskiNes scheint mir das alte Nanessos zu sein, das 
Ramsay mit Unrecht in Zusammenhang mit Momoassum bringt.^) 
Dieses ist aus einem Höhlenort hervorgegangen, und viele Kapellen 
und Kirchen sind in die hohen Felswände ringsum eingehauen. 
Zu unserm Leidwesen waren sie durch die Umwandlung in Magazine 
größtenteils zerstört oder wegen der Unmasse von Stroh und Spreu 
in denselben nicht zu erforschen, trotzdem Lkvidis von interessanten 
Malereien und Inschriften an diesem Ort berichtet.-) Die Siaret- 
klisse, angeblich die Kirche des Heiligen Mamas, wird von Türken, 
Armeniern und Griechen hochheilig gehalten und von vielen Wall- 
fahrern besucht. 

Wir stiegen wieder ins Flußtal hinab, avo die kühlen Berg- 
wasser rasch durch die engen Felsspalten abwärts eilen, um sich 
dann nach trägem Lauf durch die Steppe in den Salzsee zu ergießen. 
Weiterhin passierten wir den Bekertschai, der vom unfernen Apsara 
herkommt, talaufwärts das Höhlendorf Köstük, dem ein anderes, 
Kyzylkaia, gegenüberliegt. Am Mittag rasteten wir im romantischen 
Seime, unter den fast senkrechten Wänden hoher Bergfelsen, die 
von unzähligen Höhlen durchlöchert sind. Hier am Engpaß zweigt 
ostwärts der W^eg nach Sorsovu ab, wo ich das alte Nazianz suche. 
An diesem Punkt nehme ich auch die weitere Station Salambria oder 
Salaberina des Ptolemäus an, welche die Peutingertafel am Weg 
von Akserä nach Tyana aufzählt. 

In der Gluthitze kletterten wir zur größten Felsenkirche von 
Seime, der Kaleklisse empor, die etwa 80 m über der Talsohle liegt 
(Abb. 97). Durch Pfeiler und Säulen, welche einen dreischiffigen Eaum 
abteilen, ist ein bewußter Stützenwechsel erstrebt, durch Blendarkaden 
sind die Seitenwände reich gegliedert. Dreiviertelsäulchen sind vor die 
Pfeilerecken gelegt und durch Bänder verkoppelt. Über den Arkaden 
vermittelt ein efeugeschmücktes Gesims zu der Tonnenwölbung in 
den drei Schiffen hin. Durchgängig herrscht die Form des Hufeisens 
in den Bogen über den Säulen, der Eindeckung, den Wandarkaden 
wie im Grund- und Aufriß der Chöre. Das bekannte Zickzackmuster 
ziert die Arkadenbogen, herzförmige Blätter die Kapitale der Stützen. 

^) Ramsay, Gcography p. 285. -) Levidi'^ l. c. p. 181. 



264 Die Kaleklisse zu Seime. Ihrasa 

Die Zyklen der umfänglichen Malereien sind meist bis zur Unkennt- 
lichkeit verblichen und geschwärzt.^) 

An den Seitenwänden des kleinen Vestibüls sind christliche 
Inschriften in den Tuff eingehauen, die ehemals mit roter Farbe 
ausgestrichen waren und heute sehr abgewaschen sind. Die am 
besten erhaltene lautet: 

MIZilCT¥<D0¥CT0TH0P65HT0¥n A//; /// 
nOJAO¥CrAP?A6C6NI<DIAAPr¥PHA 
ICAP5rAPTA¥THX0¥CnH AOCKAl // / ' 

MtjSeig Tvyovad'w rfj ogSiBi tov 7ik[ovtov], 

7toA{k)ovg yäq \ßj\XBGBV rj q)ikaQyvQia, 

rj tsdq^ ydg ravTfj x^^^y ntjXdg xal [nirvQOv?].-) 

Die Kaleklisse bildet nur die Ostseite eines Felsenhofes mit 
Anlagen in den Flanken. In einem Raum des südlichen Flügels ist 
ein Kreuz über der ganzen Breite einer Tonnenwölbung ausgehauen, 
während die Oberwände durch die Hufeisenarkaden geschmückt 
sind. Im Saal daneben stehen im Rundbogenfeld über der Tür 
zwei aus dem Tuff gehauene große Vögel rechts und links von 
einem hohen Kreuzrelief. 

Fast imposanter noch sind die Felsenbauten von I b r a s a , das 
eine Viertelstunde oberhalb auf dem jenseitigen Ufer in einem Amphi- 
theater hoher Bergwände liegt. Die größten Kirchenfassaden sahen 
wir daselbst mit drei Reihen von Blendarkaden im Hufeisen- 
stil übereinander. Heute sind sie durch das Wetter elend ver- 
waschen oder infolge Umwandlung zu Wohnungen, Ställen und 
Vorratshäusern größtenteils außen wie innen barbarisch zugerichtet. 
Die warmen Quellen, die hier sprudeln, scheinen diese Talklause 
zu einer beliebten Mönchkolonie gemacht zu haben. Die Anlagen 
nennen die dortigen Türken heute noch Monastir. 

Jetzt ging unser Kurs in direkter Richtung auf die Spitze des 
Hassandagh zu, um das Gebirgsdorf Halvadere zu erreichen, wo 
Hamilton in den vierziger Jahren Kirchenruinen gesehen hatte. 
Seither hat niemand mehr diese Höhen besucht oder geschildert. 

*) Die Anbetung der Magier noch erkennbar. 

*) Um nur ein Beispiel für die salope Arbeitsweise des fleißigen Levidis 
zu geben, setze ich seine Lesart hierher: 

'lovdag vnb ytiadovg yccQ anioX^öd'ri (fLlaQyvQiag, 
7} 6CiQ^ yuQ %a.vtr\ xovg nrjXbg xctl . . ." 
Levidis, Äi iv \iovoXi^oig novai p. 118. 



Halvadere. Viran Schehr 265 

In der Nacht kamen wir im bergumscMossenen Halvadere an, wo am 
südlichen Ende ein kleiner See, von starken Quellen der Schmelz- 
lager gespeist, das Ennd eines Kraters ausfüllt 

Der arme, alte Pappas Nikolaus von Halvadere zog am folgen- 
den Morgen mit dem Sack auf dem Kücken wie der Kapuziner 
in Manzonis Verlobten uns vorauf zu dem hochgelegenen iRuinenort 
Viran Schehr. Nach dreiviertelstundigem Steigen traten wir 
durch ein enges Felsentor, das den Namen Demir Kapu trägt, in 
eine von Süden nach Norden laufende Talmulde, einen ehemaligen 



Krater mit hohen Rändern ringsum. Wie durch eine Mauer geschützt 
liegen hier die Ruinen einer Klostemiederlassung und einer Berg- 
feste. Diese Höhe war gleich dem gegenüberliegenden Gipfel des 
Siwri Hissar mit Quaderblöcken von rotem Trachyt stark befestigt. 
Denn im byzantinischen Mittelalter bildete das kleine Thema Kappa- 
dokia mit seinen nicht weniger als 13 Kastren einen starken Grenz- 
wall um den Hassandagh herum.') Am östlichen Vorsprung formierten 
starke Mauern mit Qnergelegten Quadern eine Art Akropolis. 

Ein Wald von Kirchen und Kapellen nahm die Senke und 

a den Abhaodl. der 



266 



Viranschehr 



die umgebenden Höhen ein, als die frommen Mönche hier oben 
hausten. Denn die Eeste von etwa zehn Kirchen sind heute noch 
nachzuweisen, trotzdem jetzt nur zwei eine Erwähnung verdienen. 
Da die eine an einen stark abfallenden Hang gebaut ist und sich 
nach Westen hin nicht ausdehnen konnte, übertrifEt ihr QuerschifE 
die Größe des Langhauses. Deshalb sind die beiden Zugänge auch 
von Süden her. Allenthalben ist der Hufeisenbogen, auch im Grund- 
riß des südöstlich orientierten Chors angewandt. Seit den Tagen 
Hamilton's, der diese Kirche für diejenige hielt, in welcher der Vater 




mi tti'iit 



-♦ — ♦- 



0/12^^ 






Abb. 98. Plan einer Kirchenruine bei Halvadere. 

des Gregor von Nazianz seines Amtes waltete, ist der nördliche und 
westliche Tragbogen der Kuppel über der Durchschneidung von 
Längs- und Querschiff abgestürzt.') Die beiden, die heute noch 
stehen, erheben sich über Pfeilern mit einfach profilierten Kapitalen. 
Gewaltige Gewölbebrocken aus Mörtel und leichtem Vulkangestein 
liegen im Innern und zeigen, wie die Kirche einst durch Längs- und 
Quertonnen abgedeckt war. Unentschieden bleibt es, ob die Kuppel 
unmittelbar auf den Pfeilerbogen oder einem vermittelnden Tambour 
auflag. Um die im Hufeisenbogen schließenden, 1,25 m hohen Fenster 



\ Ha^iilton, Kcsearches JI, 22."> f. 



Kirchen anlagen «m Halvadere 267 

länft ein stark vorkragendes Konsolen^esims an den drei Seiten des 
im */h endenden Chors hemm, während die übrigen Wände ungegliedert 
blieben. Ein großes Fenster, wahrscheinlich durch Jlittelpfosten 
geteilt, fübrte von Süden her reichlich Licht in den Querraum. 
Türen, Fensterurarahmungen und äußere Wandverkleidung sind aus 
glatt bearbeiteten, roten Trachytquadem, alles übrige aus gut ge- 
fügten Hackelsteinen mit reichlicher Mörteleinlage errichtet. Einst 
war diese Kirche wohl innen wie außen bemalt, über der Südtür des 
Langhauses sind noch deutliche Spuren davon sichtbar (Abb. 98 n. 99). 
An diese Anlage stößt im Westen auf höherer Stufe ein tonnen- 
gewölbter Quaderbau, der den Eindruck eines Grabgebäudes machte. 



Südwestlich sieht man in eine große, trefflich ausgemauerte Brunnen- 
stiibe hinab, von denen wir hier eine große Anzahl trafen. 

Auch von der nur wenig Minuten entfernten Nachbarkirche, 
deren rmfassungsmauem noch zu einem großen Teil aufrecht stehen, 
spricht Hamiltox in seinem Ketsewerk.') Es ist ein einschiffiger, 
ehemals tonnenüberwölbter Kaum mit genau östlicher Orientierung.-) 
Auch diese Kirche hatte ihren mit einem kleinen Vorbau versehenen 
Eingang an der Südseite. Ein Strebepfeiler auf hohem Sockel, der 
0,50 m aus der Wand heraustritt, nahm den Seitenschub des Triumph- 
bogens auf. Der fünfseitige Chor, innen im Hufeisen angelegt, 
war im Osten von einem untern und drei gekuppelten Oberfenstern, 

', Hamilton ib. U, p. 228. *) Abli. im nücheten Ili^ft. 



268 Kirchen anlagen um Halvadere 

im Westen wahrscheinlich durch ein Doppelfenster erhellt, da unter 
ihm im Innern ein Pfeilerstück mit vorgelegten Halbsäulen liegt. 
Auf der Nordseite der Kirche ist eine große Zisterne in den Fels 
gehauen und durch Quader eingewölbt. ^) 

Im Talkessel, inmitten vieler tonnenüberdeckter Räume und tief 
verschütteter, zellenartiger Anlagen sah ich die Mauern einer ansehn- 
lichen Kirche mit fünfseitig endendem Chor, ganz im Schwemmland 
begraben, daneben nordöstlich eine ehedem tonnengewölbte von mitt- 
lerer Größe und breitem Querschiff, aus großen Quadern im Hufeisen- 
bogenstil erbaut mit genauer Orientierung. Bis zum Gewölbeansatz 
steckt sie heute im Boden. Eine halbe Stunde südwestlich fand mein 
Begleiter eine von Mauern rings umschlossene Anlage, Kaleklisse 
genannt, mit einer kleinen, tonnenüberdeckten Kirche. Er sieht 
darin ein befestigtes Kloster. Noch eine ganze Anzahl kleinerer 
und größerer Kirchen sind in der Talsenke, auf den Höhen und 
in weiterer Entfeniung zerstreut, wie die Sütlüklisse auf den hintern 
Felsstufen, die Kirchenruine auf dem Jeschildagh, eine andere im 
Machal, oder die schon jenseits des Gebirges zu Karakapu bei 
Af schar Ören gelegene.^) Von den übrigen Kirchenanlagen ist jedoch 
außer niedrigem Mauerwerk und Trümmerhaufen wenig mehr zu 
sehen. Die Werkstücke wurden teilweise zum Bau der neuen Nikolaus- 
kirche unten im Dorfe benützt. Mit unserm Pappas Nikolaus, der 
anfänglich um keinen Preis als Statist bei unsern photographischen 
Aufnahmen fungieren wollte, stiegen ynr durchs „Eisentor", dessen 
Gitter angeblich nach Konstantinopel entführt worden sei, zum 
Dörflein hinab mit seiner herrlichen Hochgebirgsluft und rauschenden 
Kristallquellen. 

Wir verließen Halvadere in gutem Angedenken an die biedern 
und treuherzigen Menschen, die wir dort getroffen hatten und 
wandten uns in der Eichtung nach Gelvere. Unser Weg führte 
an einem kleineren Kuinenort Djemal Oren vorüber, wo ein flinker 
Bach dem Irmaq zueilt. In einem kleinen Seitental dieses Flusses 
liegt Irchlara, zu dem man wie in einen tiefen Bergschlund 
hinabsteigen muß. Die heißen Quellen, die hier dem vulkanischen 
Boden entspringen, haben dem Ort seinen Namen gegeben. Eine 
christliche Höhlenkirche in der Mitte des Ortes, in deren Decke 
große Kreuze herausgearbeitet waren, ist heute zur Djami umge- 

^) Breite der Kirche im Innern 6,20 m, Länge 13.50 m, Wandstärke 1,00 m. 
Strebepfeiler 0.65 m breit. 

*) Die letztere soll noch gut erhalten sein, doch hätte uns ihr Besuch zwei 
Tage gekostet. Es war schon 10. November und böse Kegen drohten. 



Irchlara. Gelvere 269 

wandelt. Von dem steilen Felsvorsprung über Irchlara, den in 
schauerlicher Tiefe der Irmaq umbraust, schaut noch ein runder 
Turm, wohl eines alten Kastells ins Tal. Unterhalb des Dorfes be- 
ginnen in der Schlucht des Flusses die unzähligen Mönchswohnungen 
und Felskapellen von Peristrema. 

Hier oder talabwärts in Ibrasa ist das alte Xanxaris oder Zan- 
zaris zu suchen, in dessen heißen Wassern Gregor von Nazianz Heilung 
suchte. Gelvere, in dessen Nähe sein Landgut Arianz lag, ist kaum 
zwei Stunden von hier entfernt, und er konnte mit Recht sagen, 
daß ihn die Reise dahin weiter von Nazianz abführe. Von Irchlara 
geht ein Weg über Ortakoi nach Aspüsü, dem alten Aspenzinsos, 
das wir aus dem Testament Gregors kennen, und von hier nach 
Bor und Tyana, dessen Statthalter Olympus der Kirchenvater im 
Bad zu treffen hoffte.^) Wie wir aus einem weitern Briefe Gregors 
vernehmen, befand sich auch eine Klosteranlage bei diesen Bädern, 
was für unsere Ortlichkeit ausgezeichnet paßt. Der Kirchenvater 
bat den Statthalter, den kränklichen Klostervorstand Nikobulos auf 
einen andern Posten zu versetzen, da er die Klosterpflichten nicht 
mehr erfüllen, vor allem aber diese Einsamkeit nicht mehr ertragen 
könnte.-) 

Über fruchtbare Hochfelder ging's nun schnurstracks dem Ge- 
birgsstädtchen Gelvere zu, dessen Bach uns unterwegs schon ent- 
gegenkam. In dem alten Carbala, wo unfern Arianzos lag, sind 
die alten Kirchen restauriert oder neu aufgebaut, wie diejenige der 
Marina und der Katharina, das Katholikon des Ortes, die Kirche des 
H. Gregor, die gemäß einer alten, jetzt zerstörten Inschrift auf Kosten 
des Kaisers Theodosius als Kreuzeskirche erbaut wurde. Noch wurden 
uns wertvolle Reliquien und Tafelbilder, angeblich aus Tzimiskes Zeit, 
daselbst vorgezeigt^) 

Vielleicht der wildromantischste Fleck Kleinasiens ist das sog. 
Peristrema, die tiefe Felsschlucht des Irmaq zwischen Irchlara 



^) Das Testament Gregors in seinen Opp. II, 201 ; „t6 %h)uc£ tö iv 
'AüTCTiV^ivaä^'' ib. 203. — Epist. CXXV. Gregor an Olympus, den Statthalter. 
„'EntiSri dk ntQuixi^to nQor^yaytv ij^ag i] a^gaatiu xal roig Isiav^uQiöog (vel. 
Zav^uQidog) ^tQ^iolg ;u(>r/(7a(?'9"at avayxaiov iytvtto, rwv LutQibv tovto cviißov- 
Xtvadvr(üv, ävt* iuuvrov not^oviiat xu /(»c^/tfiara." 

*) Ib. Epist. CXXVI. ^^Kal yäg iitXQi t/^j? ^ovfjg ivtx^tlg, toatt rtvug ix tov 

XovtQOv itaga^Lv^iag tvxtlv, tlta ti]v 6r]v avvtv'xiuv iXniaag , f^atqpr^j^ 

ccTtrix^riV vno xi)g cc^Qaaxiug . . .'• Dies Kloster verlegt Ramsay an den Hamani- 
göl zwischen Tyana und Nihde, s. oben p. 102. 

^) Vgl. auch Levidis 1. c. 126 f. 






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270 Peristrema 

und Seime. Das Tal ist hier so eng und die Bergwände so hoch, daß 
kaum der blaue Himmel über diesem Felsspalt sichtbar ist, durch 
den die wilden Wasser des Flusses über gewaltige Trümmerblöcke 
hinabstürzen und -brausen, welche von der Höhe in den Abgrund 
geschmettert sind. Zwischen dem Labyrinth der Felsmassen muß der 
Reisende beständig auf- und abklettem, um vorwärts zu kommen 
und die Flut mehrmals durchfurten. Es ist das Tal der Todes- 
schatten, in das kaum die Sonne eindringt. Dieses hatten sich einst 
die Weltentsagenden zum Aufenthalte erwählt und zahllose Kapellen, 
Wohnungen und Totenkammern in der grausigen Wildnis angelegt. 
Hier spricht eine Geschichte der strengsten Askese zu uns, wie sie 
nur ein dekadentes, aber zur äußersten Konsequenz hinstrebendes 
Geschlecht üben konnte. Es sind die Scharen derer, die Basilius 
und die Gregore zu völliger Weltverneinung in der unzugänglichen 
Naturwildnis begeisterten. 

Dieses wildromantische Tal mit seinen Mönchen und Bergklausen 
hat zweifellos Gregor, der im nahen Xazianz und Gelvere wohnte, 
auf eine prächtige Weise in einem Brief an seinen Freund Basilius 
kopiert, als er in launigem Stil dessen asketisches Leben am Iris 
ausmalte. Da keine Übersetzung die wunderbare Phantasiegewalt 
seiner Worte wiedergibt, so möge der Geist jener Zeit und der Geist 
dieses Ortes in ein paar Bruchstücken des Originals zu uns, den 
Spätgeborenen, sprechen, damit ein Zauber dieses Tal von Peri- 
strema belebe: 

,,'£yw ÖS 60V TOP TJovxov d^ccvfidaofiai, x«J rijv IIovriKi^v ^o<pi](poqlav 
Y,cd Ttjv (fvyTjg a^Cccv fiovi]v, zovg t£ vtieq xeipcikfjg X6(povg x«fc ^TjQag, o? 
Tijv niöxiv v^cbv öoKifid^ovai, %al xi]v vjtoKeL^vrjv icjaxiav, elt* ovv fivoi^tav 
fiexä Tcov aefiv&v ovofidrcov zov q)qovxi(SXYiqCov xca xov fiovaaxriQCov y,ai xfig 
(SypXfig^ koxfJ^cig xe ayqifov cpvx&v ymI ßa&vKQYj^vayv 6^&v 6xiq>avov^ v<p* ov 
fii] öxeqxxvovö^B^ ukka avyKksieö&s, xbv ös fisxQOviisvov ccsqu Tial xbv no- 
d'ovfiEvov ijXiov, ov u)g öicc aajtvtjg avya^ead-e, w IIovxikoI KifiiUQtot xal 
arjkioi . . . *'E<SxL yuQ oGov filv öiccrcifpsvye xccg nixQag xdQCiÖQsdav. oGov 6i 
rccg laQccÖQccg, ßxwr^fcöv, Tial {] vmQ xovxov oöbg, inlTiQjjfivog xe Tial afiq>i- 
xakavxog tcov oöevovxcov xbv i'ovv övvdyovöa ymI yv^vu^ovGa TtQog aa(pcc- 
keuiv. Iloxccfibg öe kccxco Qoxd-SL . . . Kcd ovTi ix^vo(p6Qog ^läkkov rj ki^o- 
(poQog . . . ''Eaxt yaq fiiyag ymI (poßsQbg xai xmiQrjx^v x&v ava xag tf^aA/LtCi)- 
dlug."" „Nicht mit der Last der Fische, sondern der Tracht der Felsblöcke 
donnert der Fluß zu Tal, der große und furchtbare, dessen Rauschen die 
Psalmengesänge der über ihm hausenden Heiligen übertönt."^) 

^) Ib. Epist. IV Grc^ror an Basilius. (Opera II u. äügne XXXMI, 25.) 



270 Peristrema 

und Seime. Das Tal ist hier so eng und die Bergwände so hoch, daß 
kaum der blaue Himmel über diesem Felsspalt sichtbar ist, durch 
den die wilden Wasser des Flusses über gewaltige Trümmerblöcke 
hinabstürzen und -brausen, welche von der Höhe in den Abgrund 
geschmettert sind. Zwischen dem Labyrinth der Felsmassen muß der 
Reisende beständig auf- und abklettern, um vorwärts zu kommen 
und die Flut mehrmals durchfurten. Es ist das Tal der Todes- 
schatten, in das kaum die Sonne eindringt. Dieses hatten sich einst 
die Welteutsagenden zum Aufenthalte erwählt und zahllose Kapellen, 
Wohnungen und Totenkammem in der grausigen Wildnis angelegt. 
Hier spricht eine Geschichte der strengsten Askese zu uns, wie sie 
nur ein dekadentes, aber zur äußersten Konsequenz hinstrebendes 
Geschlecht üben konnte. Es sind die Scharen derer, die Basilius 
und die Gregore zu völliger Weltverneinung in der unzugänglichen 
Naturwildnis begeisterten. 

Dieses wildromantische Tal mit seinen Mönchen und Bergklausen 
hat zweifellos Gregor, der im nahen Nazianz und Gelvere wohnte, 
auf eine prächtige Weise in einem Brief an seinen Freund Basilius 
kopiert, als er in launigem Stil dessen asketisches Leben am Iris 
ausmalte. Da keine Übersetzung die wunderbare Phantasiegewalt 
seiner Worte wiedergibt, so möge der Geist jener Zeit und der Geist 
dieses Ortes in ein paar Bruchstücken des Originals zu uns, den 
Spätgeborenen, sprechen, damit ein Zauber dieses Tal von Peri- 
strema belebe: 

„£ya) ÖS 60V rbv IIovxov d^ciVfidoo^iat kc(1 xt]v JIovxiy,i]v ^oq)r}<po^Lav 
vmI Ttjv (pvyfjg a^tav fiovr]v^ rovg rs v:tSQ xetpakTjg koipovg 7ic<l ^T}Qag, o? 
Ti]v TtCaxiv vficav öoMiid^ovat, %al xi}v vTtoKBLfiivijv iö^axidv, eW ovv fiva^iav 
fisxa x&v as^v&v ovofidxcov xov cpQOvxiöxriqiov %cd xov ^lovaaxrjQCov nal x^g 
O^oXfjg, Xoxficcg xs dyqioyv (pvxwv %cu ßa&VKQrjfivoiv oqöv oxiipavov^ v<p* ov 
fii] axsipavovG^s, dkUc övy^keisG^e^ xov Sh fisxQOVfievov diQcc %al xov no- 
&ov^Bvov i'ihov^ ov iog dicc xuTtvrjg avyd^söd'S, S) JIovxlkoI Ki^^qioi yucl 
drilioi . . . "£au yuq oöov fiev öiarcicpsvys xag nixqag jciqaöqEdiv. o(Sov de 
xug xccQccöqag, dxuv^scov^ Tial 7] vmQ xovxov oöbg, eittY.qri^vog rs nal aficpi- 
xdkavxog xcbv oösvovxcov xov vovv övvdyovöa Kai yv^vd^ovGa JtQog d6(pd- 
keuiv, Uoxafibg de Kdxco Qoxd'ei . . . ymI ovk ixd'voq>6Qog (läXkov 1) hd^o- 
q)6Qog . . . "Eöxi yaQ fiiyccg Kai q)oßeQbg acd v7teQj]x6bv xcjv dvco xag i/;aAfioi)- 
ÖLug." „Nicht mit der Last der Fische, sondern der Tracht der Felsblöcke 
donnert der Fluß zu Tal, der große und furchtbare, dessen Rauschen die 
Psalmengesänge der über ihm hausenden Heiligen übertönt."^) 

^) Ib. Epist. IV Gregor an Basilius. (Opera II u. Migne XXX^'II, 25.) 



270 Peristrema 

und Seime. Das Tal ist hier so eng und die Bergwände so hoch, daß 
kaum der blaue Himmel über diesem Felsspalt sichtbar ist, durch 
den die wilden Wasser des Flusses über gewaltige Trümmerblöcke 
hinabstürzen und -brausen, welche von der Höhe in den Abgrund 
geschmettert sind. Zwischen dem Labyrinth der Felsmassen muß der 
Reisende beständig auf- und abklettem, um vorwärts zu kommen 
und die Flut mehrmals durchfurten. Es ist das Tal der Todes- 
schatten, in das kaum die Sonne eindringt. Dieses hatten sich einst 
die Weltentsagenden zum Aufenthalte erwählt und zahllose Kapellen, 
Wohnungen und Totenkammem in der grausigen Wildnis angelegt. 
Hier spricht eine Geschichte der strengsten Askese zu uns, wie sie 
nur ein dekadentes, aber zur äußersten Konsequenz hinstrebendes 
Geschlecht üben konnte. Es sind die Scharen derer, die Basilius 
und die Gregore zu völliger Weltverneinung in der unzugänglichen 
Naturwildnis begeisterten. 

Dieses wildromantische Tal mit seinen Mönchen und Bergklausen 
hat zweifellos Gregor, der im nahen Nazianz und Gelvere wohnte, 
auf eine prächtige Weise in einem Brief an seinen Freund Basilius 
kopiert, als er in launigem Stil dessen asketisches Leben am Iris 
ausmalte. Da keine Übersetzung die wunderbare Phantasiegewalt 
seiner Worte wiedergibt, so möge der Geist jener Zeit und der Geist 
dieses Ortes in ein paar Bruchstücken des Originals zu uns, den 
Spätgeborenen, sprechen, damit ein Zauber dieses Tal von Peri- 
strema belebe: 

„£ya) öi oov rbv Uovtov O'ccv^iccöofiui kccI rrjv Hovri^riv ^o(pri(poqiav 
y,al trjv (pvyfjg ä^iav fiovi]v^ zovg ts vmQ 7iB(pcik}}g Xoipovg xal ^T^qccg, o? 
TT^v TtCötiv v^&v doKL^id^ovGi,, Kul Tijj^ ^7toKEiiiivy]v iöxatLccv, £?r' ovv fivcü^iav 
fiexcc r&v aeiiv&v ovofjuxicov rov <pQOvxtati]Q£ov %ccl rov ^ovacxriqlov %al xrig 
ö^oA^g, XoXliug xe ayqioiv cpvxwv Kai ßad'VKQijfivcov oq&v Gxicpavov^ v(p^ ox) 
fii} axs(pccvov0d'e, dXkci avyTcleUa&e, xbv öi fiexQoviieuov cciQu xccl xov %o- 
&ovfievov ijXiov, ov log öiä ndTtvrjg ccvyd^sad'e, « IIovxrAol KififiSQioi xal 
di^hoi. . . . "EaxL yciQ 060 v filv öiaTciipevys xäg nixQccg xaQaÖQScov, odov öh 
xag x^Qf^^Q^S, dKav&eo^v, kciI ri irnsQ xovxov oöbg, inC'Kqrnivog xs Tial d^tpi- 
xdkavxog xcöv oösvovxcov xbv vovv cvvdyovöa Tial yv^vd^ovGa TtQbg dofpd- 
Istav, Iloxcc^ibg öe Kdxo ^ox^Bt . . . Kai ovk ix^voq>6Qog ^läkkov rj h&o- 
(poQog . . . ''Eaxi yaQ fiiyag xal (poßsQbg ymI xmsQtjxwv xmv dva xccg tf^c^Afiro- 
ÖLugr „Nicht mit der Last der Fische, sondern der Tracht der Felsblöcke 
donnert der Fluß zu Tal, der große und furchtbare, dessen Rauschen die 
Psahn engesänge der über ihm hausenden Heiligen übertönt.*^) 

1) Ib. Epist. IV Gregor an Basilius. (Opera II u. Migne XXXVII, 25.) 



270 Peristrema 

und Seime. Das Tal ist hier so eng und die Bergwände so hoch, daß 
kaum der blaue Himmel über diesem Felsspalt sichtbar ist, durch 
den die wilden Wasser des Flusses über gewaltige Trümmerblöcke 
hinabstürzen und -brausen, welche von der Höhe in den Abgrund 
geschmettert sind. Zwischen dem Labyrinth der Felsmassen muß der 
Reisende beständig auf- und abklettem, um vorwärts zu kommen 
und die Flut mehrmals durchfurten. Es ist das Tal der Todes- 
schatten, in das kaum die Sonne eindringt. Dieses hatten sich einst 
die Weltentsagenden zum Aufenthalte erwählt und zahllose Kapellen, 
Wohnungen und Totenkammern in der grausigen Wildnis* angelegt. 
Hier spricht eine Geschichte der strengsten Askese zu uns, wie sie 
nur ein dekadentes, aber zur äußersten Konsequenz hinstrebendes 
Geschlecht üben konnte. Es sind die Scharen derer, die Basilius 
und die Gregore zu völliger Weltverneinung in der unzugänglichen 
Naturwildnis begeisterten. 

Dieses wildromantische Tal mit seinen Mönchen und Bergklausen 
hat zweifellos Gregor, der im nahen Nazianz und Gelvere wohnte, 
auf eine prächtige Weise in einem Brief an seinen Freund Basilius 
kopiert, als er in launigem Stil dessen asketisches Leben am Iris 
ausmalte. Da keine Übersetzung die wunderbare Phantasiegewalt 
seiner Worte wiedergibt, so möge der Geist jener Zeit und der Geist 
dieses Ortes in ein paar Bruchstücken des Originals zu uns, den 
Spätgeborenen, sprechen, damit ein Zauber dieses Tal von Peri- 
strema belebe: 

,,£ycö öi 00V xbv TLovxov d'avfidöofica xaJ xijv UovxiKriv ^ocpi]g)o^Cav 
ymI xy]v fpvyi]q ccl^iav iiovi}v^ xovg xe vmQ Ke(paktig X6<povg kccI &T]Qag, dl 
xi}v TtCöxLv v(iG)v öoxi^id^ovai, xai xrjv v7to}iei.fiivt}v iöiaxLccv^ elx* ovv fivco^Lav 
fiexä xcbv aefiv&v ovofidxcov xov (pQovxiöxr^QLOv tcccI xov fiova6xt]Qlov ymI xf]g 
(Sxo}^T]g^ kox^ag xe dyQtav cpvxobv aal ßad'VKQinivcov 6^c5v axicpccvov^ v(p* ov 
fii] 6xeq>ccvovöd'€, dkXa avy^keUad-e, xov Sh fiexQOV(ievov ccsqcc xal xbv no- 
d'oviisvov ^Ihov, ov üg diä KccTCvijg avyd^sad'E, w UovxtKol Ki^iUqioi tuxI 
uri^Loi . . . *'E(SXL yccQ oöov fihv diaTtiipsvys xäg nixQag laQaÖQScov. o6ov öe 
xäg laQuÖQag, aKavd'EÜv, y,cd i] vtcsq xovxov odbg, inlKQii^vog xe xal cc^tpi- 
xdkavxog xcjv oöevovxoDV xbv vovv övvccyovGce xal yvfivd^ovöa jtQbg döcpd- 
ksLav, Tloxa^bg 8\ y,dxco Qoxd'et . . . y.al ovk i^d'voipoQog ^äkXov f) AtO'o- 
g)6Qog . , . "EßxL yaq fiiyag xal g)oßeQbg %cd VTteQtyicbv xa>v ccvco xäg i/^aAfico- 
öUcg/' „Nicht mit der Last der Fische, sondern der Tracht der Felsblöcke 
donnert der Fluß zu Tal, der große und furchtbare, dessen Bauschen die 
Psalm engesänge der über ihm hausenden Heiligen übertönt.*'^) 



^) Ib. Epist. IV Gregor an Basilius. (Opera II u. Migne XXXVII, 25.) 



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Felsbauten in Peristrema 



271 



Treten wir über eine Schutthalde herabgestürzter Felstrümmer 
in eine solche fromme Klause, die dem Gottesdienst geweiht war, 

ein. (Siehe den Lichtdruck der folgenden Seite.) Eine ungeübte 

Mönchshand hat an die Westwand das Weltgericht mit seinen 
Schrecken gemalt. Leider ist der Zustand des Freskos ein recht 
schlechter.^) Unter dem von zwei Engeln umgebenen Weltenrichter 
stehen die 24 Ältesten und Heiligen mit Büchern und Kreuzen in 
ihren Händen. Unten links wägt ein Engel die nackten Seelen, 
während ihm gegenüber der Teufel O ^AHABOAQ, ein Schlangen- 
ungetüm mit drei Köpfen, die Unseligen ergreift. In vier Bulgen 
kauern diese schwarzen Gestalten bis zur Brust in roter Flammenglut. 

Über der ersten Abteilung stehen die Worte: 

HnHC(\H(\B(\ZieC(!) H nia{a)a rj aßaö{S)u)lv]. 

Über der zweiten: 

HAHMNHTönVPOC H kifivv roi nvgog. 

Über der dritten: 

OTAPTAPOCHAHMNH 6 JUQTaQog i} XifAvt]. 

In der vierten sehen wir vier schlangenumwundene Weiber, 
über denen noch drei Beischriften entziffert werden konnten. Von 
den Schlangen hat die Höhlenkapelle ihren Namen: Jilanliklisse. 

Über der zweiten: OnS^nOC 

TP6(DT(\ 
NH 
RH 
(\ 



"Ü{nov) ovnuig 



Über der dritten: OHÖKATA 

A(\AH 

Über der vierten: OnöflAPA 

KPOATe 



"Onov 'AaraXaXoi. 



"Onov naqccxQoaxtti. 



Durch alle diese Zonen windet sich das Schlangenungetüm 
hindurch. Die Seligkeit ist durch die Erzväter Abraham, Isaak und 
Jakob dargestellt, welche die Vollendeten in ihrem Schöße halten. 
Nur der erste ist bärtig gemalt.-) 

^) Eine Abb. der Oberwändc im folgenden Heft. 

^) Ebenso auf dem Fresko der Kirche von S. Maria ad Cryptas in den 
Abruzzon. Bertaux, L'art dans Tltalie mörid. p. 301. 



272 Die Jilanliklisse im Peristreraa 

Die sonstigen erhaltenen Freskenreste sind : Die Auf erweckung 
des Lazarus, wobei die Frauen aufrecht hinter Christus stehen, 
den außer Petrus auch Thomas und Paulus begleiten; der Einzug 
in Jerusalem; das heilige Abendmahl mit Trauben und Kelch auf 
dem Tisch; die Kreuzigung mit den beiden aufgehängten Schachern. 
Im Chor der Pantokrator, darunter die Madonna mit dem Kind 
auf einem Thronsessel, ringsum die zwölf Apostel mit Büchern 
und Kreuzen. 

Eine l'nzahl von Heiligen mit Schönheitspflästerchen auf den 
Wangen bevölkern die Unterwände und die Tonnenwölbung, außer 
den bekannten Namen noch: Chione, Lyanos, Samonas, Theodotus, 
Claudius, Valentinus, Sabas und Sisinnios. In die Nordwand ist eine 
tiefe Totenkammer mit fünf Keihengräbem über dem Boden ein- 
gehauen. Beim hintersten steht auf der Wand über dem Bild einer 
Deesis die gemalte Inschrift: 

OTAcDOC 

KOCMA '^ ^«>^^ 



npecBv 
repov 



Koofiä 
TtQeaßvtigov. 



In der kleinen Vorhalle an der Südwand ist Zosimas in seiner 
Mrmchskapuze abgebildet, wäe er der Maria Aegyptiaca die Sterbe- 
sakramente reicht, mit der Beischrift: 

0(\rHOCZOCHM(\C ,,, . ^ , .,. 

OCH(\NM(\PH(\N 

Bäume rechts und links deuten die Wüste an. Daneben be- 
stattet der Heilige mit der Hilfe eines Löwen die tote Heilige: 

0(\rHOCZOCH 
M(\CKHA€BTH 

THOCHANMA 9 "^'^^ Zwaifiag xr3Öev[e}Tai rr;(v) 

AeONTAN 

An der Westwand ist unterhalb zweier Zvklen, der Flucht 
nach Ägypten und Daniels in der Löwengrube, welche die Errettung 
der erlösten Seele darstellen, ein großes Arkosolgrab aus dem Tuff 
gehauen mit Kreuzen und den beiden Überschriften: 



Die Jilanliklisse im Peristrema 273 

T(\(DOCM€ 

KPHnTHnAd) 

A(\K6K(\AHMeNH 

KeAYnoNöKeTHee 
opoTöcnANTACMcee 

OPÖT(\C(DVAÖCOKOCMe(\(D(\T///// 

Tätfog fA€ x^mu, üaikalv] xsxaktjfiivr^v), xai Xomov ovxiti 
&6WQui Tovg navrag (i€ &eu)Qo£{v)Tas q>iXovg. ^i xoaf^e Syat\_B]. 

???IC 

T?(DÖCTOTÖ 
OPeOTATönAÖTÖ 
nO AÖCr ? ? ? AOAeKCNH 
c|)HA(\PrYPH(\eNKYYONOAe 
KeHZieT ? TH ? eCYNCPHcDOBOCKe 
? ^POMOCKeOAOCHNÖKH A(\nOTe 

[il/>;5j€iff T[y]yovc&ai rov (bgaioTarov nkovrov, 

noX{k)ovg y[ccQ o]kcikBXBV fj (ftXa^vgia. 

"Eyxvtfjov d>86 xai Ide ra[v]rif(i/) 

xal avv kQi^(p ßoaxB (?). 

['(?] Sgofiog xai odog r/v ovxiSrinote,^) 

Über der Eingangstür zur Kapelle ist ein gi'oßes Kreuz gemalt, 
zu dessen Seiten die Worte stehen: 

CTABPeTICe^eAPYNACe UravQk, Ti 6' h(paid()vva6e; 
XCOeN€MYn(\riC XQiardg 6 iv kfioi nayig. 

Unter den Eeitergestalten des H. Georg und Theodor lesen wir 
die gemalte Inschrift: 

Yn6P(\N(\n(\Y60CTHC Ynkg avanaUmg xf^g 

AÖAHCTSeYePHNHC iovln^ xov &{bo)€ EiQnvng. 

Über dem Pferd des Kitters Georg steht das Monogramm: 



X N 



A 



B Bei den Buchstaben X und B kann man an 

_P Xgiaxi ßor&Bi, bei A und Gl) an Apok. I, 8 



(j denken. Vielleicht bedeuten sämtliche einen 

^ Zaubei-spruch von der Macht des Kreuzes. 



^) Diese Inschrift in der Tuffwand ist sehr verwaschen. Die drei letzten ZeihMi 
sind deshalb im einzelnen nicht gesichert, nnnientlich nicht das tgitpog, das sonst 
in der Mystensprache gebräuchlich ist. A. Dieterkh, Mithrasliturgie j). 170 f. 
Rott, Kleinasiatische Denkmäler. 1^ 



274 Felsenbauten im Peristrema. Karajedikklisse 

Inmitten wildester Zerstörung schaut, von weit überhängenden 
Felswänden geschützt, ein hübsches Portal hernieder, das noch so 
wunderbar erhalten ist, als wäre es gestern erst geschaffen worden 
(Abb. 100). Geräumige Anlagen, teilweise bemalt, dehnen sich dahinter 
in die Tiefe aus. Doch ist darunter keine Kapelle zu finden. Das 
Dachgesims über der Hufeisenbogen-Fassade gleicht etwas demjenigen, 
welches Texiek mit viel Phantasie im Tal Gereme veröffentlicht hat.*) 
Nicht weit davon schwang sich einst, eine steinerne Brücke über 
den Fluß, während" wir uns beim Besuch der Kapellen und Höhlen- 
bauten auf den Schultern eines türkischen Christophorus durch das 
tiefe Wasser hinüber- und herübertragen lassen mußten. 

Wo der steile Weg am Felsenhang sich zum obern Plateau 
hinaufwindet, stehen die wenigen ärmlichen Hütten von Peristrema, 
dem Dörflein in „gewundener Schlucht", wo wir auch eine Inschrift 
auf einer Marmorsäule entdeckten, die als Dachwalze dient. Nicht 
weit von diesem Orte entfernt, wo die chaotischen Basaltmassen im 
Tal beginnen und den Eindruck hervorrufen, als hätten die Titanen 
hier im Klamm gehaust, hat ein ungeheurer Felsblock den einzigen 
Freibau ringsum, die Karajedikklisse oder Kirche des H. 
Hermolaus, zusainmengeschmettert, als ob sie ein Kartenhaus 
gewesen wäre.-) Nur die nördliche Hälfte blieb vom Sturze unver- 
sehrt. Doppelt gegliederte Blendbogen beleben die Außenmauern 
dieses genau östlich orientierten Baues, der fast ausschließlich aus 
glatten Hackelsteinen in regelmäßiger Schichtung hergestellt wurde.-^) 
Im Osten endigt die durch Pfeiler in drei Schifte geteilte Anlage 
in einem siebenseitigen Chor mit drei schmalen Offnungen zwischen 
Blendfenstern und zwei kleinen Nebenapsiden mit je einem Fenster. 
Eine Eigentümlichkeit dieser Kirche ist, daß in Anlage und Aufriß 
durchweg der Rundbogen angewandt wurde, eines der wenigen Bei- 
spiele dieser Bauweise in Kappadokien, soweit ich bis jetzt die 
Denkmäler kenne. Das Innere bildete eine Kuppelbasilika im 
Kreuz mit Längs- und Quertonnenwölbung. über die Kuppel- 
konstruktion kann nichts mehr bestimmt werden. Die westlichen 
Seitenschiffe vor dem QueiTaum trugen eine tonnengewölbte Empore 
mit Öffnung nach dem Mittelschiff, Rundnischenabschluß nach Osten 
und einer Zugangstür von der Empore eines Narthex her, der in 
ganzer Breite vor der Kirche im Westen lag und im Unter- wie 

1) Siehe oben p. 210. 
■-) Abb. im nächsten Heft. 

3; Die Kirche mißt im Innern 18 m in die Länge (ohne Vorhalle) und 
10,70 m in die Breite. 



Die Karajedikkligse im FerUtrema 275 

Obergeschoß durch eine Tonne eingedeckt war. Über den Arkaden- 
fenstem des Querraums, deren Bogen mit Ziegeln errichtet, sind 
außen Reliefs von Kreuzrosetten und Tiergestalten, \vie Löwe, Adler, 
Ente u. a. eingemauert. 

Das Kircheninnere war einst bis auf die Leibungen der Fenster 
ausgemalt, die Fresken sind hente jedoch schwer deutbare Hiero- 
glyphen geworden. Im linken Chor erkannten wir noch Zacharias 
vor dem Tempel, vor ihm eine undeutliche Gestalt, hinter ihm 
Elisabeth mit dem Täufer, das Ganze wohl als die Verfolgung des 



kleinen Johannes nach den Apokryphen anzusprechen; daneben 
Zacharias im Tempel, die Hand an den Mund haltend, zum Zeichen, 
daß er stumm geworden sei; im Hauptchor die Darbringung Christi. 
Von einer zweizyklischen Darstellung ist eine Masse Volk sicht- 
bar, ein Wasser- und Landgott, ferner zwei Männer, die einen 
dritten herbeischleppen, während ein anderer einen roten Bock opfert 
Es ist vielleicht der Auszug aus .Ägypten und Mosis Bedrfingung 
damit gemeint. Im rechten Seitenschiff waren Szenen aus der 
Legende des H, Georg gemalt, die durch den Regen schier bis zur 
Unkenntlichkeit abgewaschen sind. Einige Worte von den darauf 
bezüglichen Beischriften waren noch zu entziffern: 

18* 



276 Höhlenbauten im Peristrema 

I ? Ol ? eoBAc ? ? ? Yc ? ? Ae YHreNeceeoinoAiM ? ? 

A6XÖTAHAOYCOPeOYCKAinYPOeiN€ 

eiN€TONArHONI^eAAYNeCTeC(DOAPO? 

... 6 ßaa\_ilB]tg [xejkevu ysvia&ai vnoSriu\^aT^a ix^vra f}kovs 

og&ovg xai nvQw&ijvai [xai knir€]&r/vai rov ayiov xai 

kXavvBO&ai affoSQUj[s]. 

///////eKY6AeONeAOIC 
MPTAHOYeKHIOY 
7//A?OAYTONAerON 

cci)OAPAreopriei^rHC 

? ? eN AYNAMÖNTHCOYXN 

• . . ixu ik&wv &.va\evV\ . . . pi[t\ya fiov kx vlov . . . avtov liywv' 
ütfoSga r^ojgyie xai nialtu] kvSvvapLOvvti aov JC{giaT6)v . . .^) 

Mit der Figur des Täufers am Westeingang und dem Spruch : Siehe 
das ist Gottes Lamm, den Heiligen Chrysos, Tryphon, Tarachus, 
Photius, Niketas und Alexandros, ist alles erschöpft, was ohne 
Zuhilfenahme der Phantasie über die Malereien gesagt werden kann. 

Levidis bringt in seiner Schilderung des Peristremas noch 
mehrere datierte Inschriften aus Höhleukirchen daselbst, eine aus 
dem Jahr 600. Bei seiner absoluten Unzuverlässigkeit in solchen 
Dingen und dem sehr herabgekommenen Zustand der übrigen Felsen- 
kirchen, von denen auch jetzt mehrere verschüttet sein müssen, läßt 
sich aus diesen Angaben leider nichts sicheres schließen. Juppiter 
Pluvius goß in Strömen herab, und uns war versagt, die Studien in 
diesen Schluchten fortzusetzen, in welchen ein nachfolgender Forscher 
noch manch wertvollen Fund machen wird.-) 

Im abscheulichsten Wetter besuchte ich am folgenden Tag die 
Kizilkilisse oder „rote Kirche" von Siwri Hissar, einem aus 
Troglodytenwohnungen hervorgegangenen Gebirgsdörfchen am Fuße 
des hohen, gleichnamigen Felsens, auf dessen Spitze sich ansehn- 
liche Reste einer alten Befestigung befinden.*^) Ich halte dieses 
Kastron für das von Strabo erwähnte Kastell Neroassos oder 
Nora, wo Sisinius seine Schätze aufbewahrte, während er auf dem 
Burgfelsen von Kadena, dem ein paar Stunden davon entfernten 
modernen Nilide, seinen Hofhalt hatte. Am Nordfuß des Siwri Hissar 

^) Vgl. auch die Erzählungen in den Acta sauet. III April p. 117—123 u. 
append. p. IX— XX. -) Levidis I.e. p. 117f. ^) W. F. Ainsworth, 

Travels and researehes in Asia Minor. London 1S42. I p. 203 mit Zeiehnung. 



Die Kizilkilisse zu Siwri Hissar 



277 



treffen wir heute noch das fast gleichlautende Nar oberhalb von 
Nazianz und Canotala. Nennt doch auch der römische Geograph die 
beiden Festungen Nora und Argos als an der Westgrenze von Kappa- 
dokien gelegen. Wahrscheinlich trug der Hassandagh im Altertum 
den Namen Argos und nach ihm auch die gleichnamige Feste, die 
vielleicht bei Halvadere, jedenfalls um jene größte Erhebung herum 
zu suchen ist.*) Als höchster und vorgeschobener Pik des nörd- 




Abb. 101. Plan der Kizilkilisie von Siwri Hissar. 



liehen Hassandagh und der Melendiz beherrscht der Felsen von 
Siwri Hissar die ganze alte Morimene. 

Die beiden Höhlenkirchen von Siwri Hissar, die des H. Gregor 
und der H. Trias, sind in den letzten Jahren restauriert worden. 
Wandert man dann eine Viertelstunde das schmale Tal nach Süd- 
osten hinab, so verbreitert sich dasselbe plötzlich zu einer kessel- 



*) Strabo, Geographie 537. ,/Ev dh ralg äXXaig o rt "Agyog ^gviuc vxpriXbv 
ytgog TW TavQOi xal tä NtbQa o vvv xaXsltai Nrigoadöog . . ." Weiterhin sagt 
Strabo auch deutlich genug: ,^Eari> dh xal in\ toav oqwv tmv Avxaovix&v tä 
raQöaviQu KfononoXig^" (Akserae). — Mit Zengibar Kaie bei Karahissar, am Ein- 
gang zum Soandere, hat es nichts zu tun. — Auch Ramsay, Geography p. 308. 



278 Die Kizilkilisse von Siwri Hissar 

förmigen Mulde mit fruchtbarem Erdreich, die fast ringsum von 
Bergen eingeschlossen ist. In der Ostecke schaut eine einsame leid- 
lich erhaltene Basilika auf eine Reihe von kleinern Ruinen herab. 
Diese Baureste deuten auf eine uralte Mönchssiedlung in einem welt- 
fernen Erdenwinkel. Die Kizilkilisse, von den Griechen Gelveres 
„MovaaTt]gtov tov ayiov UavTBkBrjfiovog^ genannt, ist der Typus 
der kappadokischen Grabeskirche, einer zweischiffigen Anlage, deren 
Seitenraum die Gräber der Heiligen aufnahm und deren vornehmstes 
Denkmal die Kirche von Utsch Ajak^) im nördlichen Kappadokien 
darstellt (Abb. 101—103). 

Einem größern und einem kleinern Längsraum ist ein Quer- 
schiff vorgelegt, das eigentlich nur nach Süden hin in der Weise 
der kappadokischen Kreuzschiffanlagen über die Seitenmauern hinaus- 
läuft. Die trennenden Stützen der Arkaden bestehen aus harten 
Sandsteinpfeilern mit angearbeiteten Halbsäulen auf vorspringendem 
Fuß mit Wulstprofil. Einfache Kämpferkapitäle tragen an der Breit- 
seite Kreuzreliefs. Die nahezu östlich gerichtete Basilika schließt 
außen mit fünfseitigem Chor ab, während innen sowohl im Grund- 
wie im Aufriß bei dem Triumph-, den Arkadenbogen und sämtlichen 
Fensteröffnungen die Form des Hufeisens angewandt wurde. Da- 
gegen sind Längsräume und Querschiffe mit rundbogigen Tonnen ein- 
gewölbt. Oberhalb der vier Pfeiler mit einfach profiliertem Kapital 
steigen die Hufeisenbogen empor, auf denen die Vierungsmauern 
ruhen. Über einem hübsch gegliederten Gesims geht das Viereck 
durch Überschneidung der Ecken vermittelst Trompen in das Acht- 
eck hinüber. Hohe Rundfenster durchbrechen in den Achsen die 
Achteckseiten, in die Diagonalen sind kleine rechteckige Öffnungen 
eingeschnitten. Über denselben legt sich das flache Kuppelrund 
auf das achteckige Unterlager. Diese gesamte Wölbung ist aus 
glatten Quadern in trefflichster Technik ausgeführt und hat bis zum 
heutigen Tag jeder Erschütterung Trotz geboten, während Längs- 
und Quertonnen teilweise abgestuft sind. Die jetzige Einwölbung 
der Längs- und Querräume ist späteren Datums, da sie aus Gußwerk 
von Mörtel und leichten Tuffbrocken besteht und im südlichen Längs- 
schiff noch zwei Reihen der alten Quadereindeckung erhalten sind. 

Auch außen, wo sphärische Dreiecke zum Achteck der Kuppel 
leiten, ist dieser Übergang durch ein Gesims gekennzeichnet. Hohe 
Fenster im Chor und an den Längsseiten (diese 2,50 m hoch), nament- 



^) W. F. AiNSWORTH, Travels and researches in A. M. I p. 162 mit Zeich- 
ung von Ütsch Ajak. — Erwähnung der Kizilk. ib. p. 203. 



280 Die Kizilkiliase von Siwri Hissar 

lieh eine große Öffnung an dem westlichen Portal, fahrten dem 
Innern reichliches Licht zu. Teilweise sitzen ihre Bogen auf konsolen- 
artigen Kapitalen. Ein reich gegliedertes Kranzgesims mit Kehle 
trägt das Dachgebälk, dessen Konsolen gleich Balkenköpfen weit 
überkragen. Dies Dachgesims, welches in gleicher Form die Kuppel 
außen krönt, stieg auch an den Giebelwänden des Querscbiffis und 
der Westseite empor. Ein zahnschnittartiger Sims ziert den graden 
Sturz der Portal- und südlichen Querschifftur, welche Krenzreliefs 
Im umschließenJen Kreis tragen. Die Tonnenwölbung des nördlielien 
Längsschiffs sitzt tiefer als 
diejenige des südlichen; es 
war durch ein Pultdach ge- 
sclilossen, über dem die Ober- 
wand der Arkadenmauer mit 
dem Kranzgesims emporstieg. 
Auch dies Pultdach lag auf 
einem eigenen Dachgesims 
der nördlichen Umfassungs- 
mauer auf. Diese ist mit der 
Portal- und der nördlichen 
Querliauswand biudig ge- 
mauert, namentlich ist auch 
der westliche Arkadenpfeiler 
gleichzeitig mit seiner an- 
schließenden Wand empor- 
geführt, so daß über die Ein- 
heitlichkeit des in seinem 
Grundriß seltsamen Bau- 
Abb. 108. inneia EoppeikanitniiitloD d« Kiiii- werks njcht der geringste 
""'■ Zweifel herrschen kann. 

Die Mauern sind innen wie außen aus schönen, glatten Quadern 
mit haarscharfen Fugen und dünner MörtelfüUung errichtet. Die 
hellrote Färbung des vnlkanischen Gesteins hat der Kirche ihren 
türkischen Namen gegeben. Ein niedriger, aber breiter Sockel um- 
gibt Chor- und Langhaus, eine kleine Vorhalle war später an die 
Portalmauer angebaut, von der jedoch heute nur noch die Funda- 
mente stehen. Die sechs Balkenlöcher in dieser A\'estwand sind über 
dem Gesims sichtbar. Das große Portalfenster ermöglichte wohl den 
Frauen, von einer Empore aus dem Gottesdienste beizuwohnen. 

In der A]isis steht der Rest einer alten Kathedra, und rings 
läuft die niedrige Priesterbank. In der Brüstung des erhöhten 



Arianzos 281 

Bemas wie an den Pfeileni des Chorbogens ist die Einfräsung 
für die Schrankenplatten zu sehen. Noch deuten allenthalben Reste 
von Malereien auf die Ausschmückung der gesamten Basilika bis 
zum Scheitel der Kuppel hinauf. Am besten sind die von Bändern 
umschlungenen Medaillons am Chorbogen in ihren gelbgrünen und 
hochroten Farbtönen erhalten, wenngleich die Brustbilder darin 
nicht mehr zu enträtseln sind. Von einem alten Sgraffito in der 
linken Chorwand ist nur noch der Name Johannes sicher zu ent- 
ziffern.i) 

An der Südwestseite der Kizilkilisse oder der Kirche des Heiligen 
Panteleemon stieg man zu einem hochheiligen Hagiasma, einer 
steingefaßten Quelle hinunter, die jetzt völlig von Trümmern ver- 
schüttet ist. Bings starren noch die Ruinen einstiger Häuser- 
komplexe aus dem Boden, das meiste ist jedoch von fruchtbarer 
Schwemmerde bedeckt. Der Grund für die seltene Erhaltung 
dieses alten Denkmals, das der frühchristlichen Zeit angehört, ist 
die mir von den Bewohnern Siwri Hissars berichtete Sage, daß 
jeder, der auch nur einen Stein von der Kirche entfernt, seine Hand 
verliert. 

Nach der topographischen Lage von Gelvere und dessen Um- 
gebung glaube ich in diesem abgelegenen Tälchen die Heimat 
Gregors von Nazianz, das mehrfach erwähnte Arianz, entdeckt 
zu haben und in dieser Kizilkilisse eine Grabeskirche, deren erste 
Gründung mindestens in die Tage des Kirchenvaters (329 — 389) 
fällt. Bekanntlich war das Landgut der Familie, „ro xtrjfia iv 
'Agiav^ois^, das beim Tode Gregors dem Diakon Gregor und dem 
Mönch Eustathius laut Testament zufiel, in der Nähe von Carbala, 
dem heutigen Gelvere gelegen. Dort lebte Gregor bei seiner Liebe 
zur heimatlichen Erde während seiner späteren Tage in strenger 
asketischer Abgeschlossenheit. Hier wurde alljährlich am 22. des 
altkappadokischen Monats Dathusa ein Fest von Märtyrern in der 
Kirche gefeiert, bei deren Anniversar auch der Bischof von Tyana, 
Theodor, von Gregor gebeten wurde, helfend mitzuwirken. Daß eine 
Märtyrerkirche daselbst sich erhob, geht aus einem andern Brief 
des Kirchenvaters an Valentinian hervor, der mit den zoment- 
flammten Worten beginnt: ^E^iXavvoiAt&a Kagfidkr^g dvoaiaivaTa^, 
Valentinian hatte Frauen, höchstwahrscheinlich Nonnen in der Nähe 
von Gregors Wohnsitz eingeführt, was den asketisch strengen 
Kirchenvater dermaßen verletzt, daß er sofort den Ort verläßt, dem 

^) Die Abb. von der Chorseite im andern Heft. 



282 Von (ielvere nach Nazianz 

Neuerer aber drohend zuruft, ja nicht den heiligen Märtyrern nahe- 
zurücken oder ihren Frieden zu stören.^) 

Ich zögere nicht, die Kizilkilisse als den Ort anzusehen, wo 
die Gebeine dieser Heiligen von Arianz ruhen, und die Ruinen 
dieser Taleinsamkeit als die Heimat des Gregor. Die vorzügliche 
Bauweise, namentlich auch die treffliche Konstruktion der Kuppel 
rücken diesen Bau in das V, Jahrhundert hinauf. Vielleicht wurde 
er nach Gregors Tod begonnen, und dann ist die Wahrscheinlich- 
keit groß, daß in der Heimatskirche auch die Gebeine des großen 
Kirchenvaters beigesetzt Avurden und daß die heutige Kizilkilisse 
seine Grabeskirche ist. 

Da der Himmel erbarmungslos Tag für Tag seine Wasser über 
uns entlud, gaben wir Peristrema auf und zogen auf bequemen 
Wegen über die breite, fruchtbare Fläche, welche sich nordwestlich 
vom alten Nazianz ausdehnt, in der die Dörfer Demirtschi, Asch- 
likoi und Chidjib liegen, die nur in der kühlem Jahreszeit vom 
Bekertschai bewässert werden. Nachdem wir mehrere in diese Ebene 
streichende Hügel quer überschritten hatten, bogen wir kurz vor 
dem Dorf lein N e n e s i , hinter dem der ansehnliche Nenesidagh auf- 
steigt, bei alten Gräbern in das nördliche Seitental, an dessen Austritt 
in das Flachland das Höhlendorf Sorsovu liegt. Es ist die Schlucht 
von „Binbirkilisse'*, womit der Türke, wie im Tal Gereme und im 
Karadagh, die Unzahl der Kirchen bezeichnet, die in die hohen 
Felswände des westlichen und östlichen Talabfalls eingehauen sind. 
In einer Breite von 1 km zieht sich dieses Tal wie von Mauern 
geschützt nordwärts hinauf bis nach Nar und Canotala, wo Gregor 
das gleichnamige Landgut besaß-) und von wo aus man Gelvere in 
einer halben Stunde erreicht. Auch die alte unterirdische Wasser- 



*) Grkoor von Nazianz, Opera II, 105, Epist. CXXII. ^.Xf^sonarttg Sh xai 
Toftf uyioii y,dQXvai ri}v dt* ^rovg Tntr]v, F; iv 'Agiav^otg rotg cotg ioQxdi^ofUv rg 
tixciöi dtvr^QiXy TOt) xaO"' i}^&g fiTivbg Ja&ovaa, xai a^a ovx öHya ix7dr]aiaeTixäiv 
dttrui noivifg diacncti/^tcoff.'" — Auch Eiiphrantes, der Bischof von Tyana, bestätigt 
dieses Kirehenfest zu Arianz. ,Praedicatur enim in sacris diptychis ita.*^ Mausi, 
Saoi. cone. nova et aiupl. coli. LX, 258. 

Epist. ('CHI. Gregor von Naz. an A^alentiniiin. ^^TloXka yuQ ßiXriov j^v 
nffOYQdpL^ari xi]Qvicci ri]v v710x<!oqi]Giv 7} yvvui^lv^ cig ccvt inQOüoanovg i^iiwv avvta- 
xtaug . . . tog (<v ^irjrt rovg ccyiovg vßgil^rjrs ^ccQrvQag^ firjrf avtol nXriaöTiGd'S rg 
TtvcQOtnitt. 'E-Kttvo dh ^r^o ndvtav dßtfaXißaöd't^ rtav xa^isgiafitviav roTg luxgtvöt 

Testament Greg^^rs II, 201 f. „Tö xri^fi« iv 'Agtav^otg t6 ^x tdtv 'Priyivov 
xftrtXd'bv tig i;uatf.** 

*) Opera II, 2ü3: „ri^f ^ül•i^v roi» x^^Q^ov A'aj-orculwy." 



Xazianz 283 

leitung kam hier vom obern Defilee herab, deren Röhren heute teil- 
weise aus dem Boden gerissen sind. Die Bewohner von Sorsovu 
bedauern jetzt sehr den Wassermangel und können sich noch der 
Zeit erinnern, als das köstliche Naß herabkam. Die sichtbaren 
ßuinenreste, soweit sie nicht von den Abschwemmungen der west- 
lichen Höhe verdeckt sind, liegen auf einer breiten Stufe etwas 
höher als die Talsohle des Gebirgsbaches , waren also vor Über- 
schwemmungen geschützt. Von hier stammen die vielen Marmor- 
werkstücke, die man in die neuen Häuser von Sorsovu eingemauert 
sieht. Überall graben die Einwohner die Fundamente nach Steinen 
auf, so daß wir von der Konstantinskirche, wie die Türken die 
eine von zwei sichtbaren Kirchenruinen nennen, nur den Chor und 
einen Teil der Umfassungsmauern feststellen konnten. Der uns be- 
gleitende Türke, ein zuverlässiger Mensch, erzählte uns, daß er die 
Säulenreste an seinem neuen Haus hier ausgegraben habe. Die 
Einwohner des Dorfes versicherten, daß schöner Marmor hinter 
Siwri Hassar im Melendizdagh gefunden werde. Eine amphitheatra- 
lische, regelmäßige Vertiefung machte mir den bestimmten Eindruck 
eines kleinen Theaters. Die Felswände ringsum sind gänzlich durch- 
höhlt von Wohnungen, Klosteranlagen mit Zellen, Kapellen und 
Totenkammern. Aber die hier im Mittelalter hausenden Hirten, 
welche die Ebene mit ihren Herden durchstreiften, haben die 
Räume vöUig umgewandelt und barbarisch ausgebrochen. Das 
Wetter tut noch das seinige, so daß von den vielen Felskirchen, 
die Levidis nennt, kaum eine jetzt eine eingehendere Schilderung 
verlohnt, überall jedoch konstatierten wir in den Anlagen den Huf- 
eisenbogen. In diesem allseitig geschützten Tale, dessen enger Aus- 
gang in die Ebene leicht verteidigt werden konnte, lag das ehemalige 
Nazianz, mindestens der älteste Teil der Stadt. An der Stelle 
des heutigen Nenesi, eine Stunde nordostwärts ist dagegen die be- 
rühmte Stadt nicht zu suchen. Denn keine Spur von Ruinen hat 
sich dort gefunden, auch die Lage des elenden Dörfleins am Ende 
einer heißen, wasserlosen Ebene vor einem schrecklich kahlen Berg, 
ist die allerunmöglichste für eine antike Siedlung.^) 

Als flackernder Lichterschein aus den Höhlen talüber her- 
schimmerte, saßen wir bei den braven türkischen Bauern Sorsovus und 
teilten mit ihnen das Mahl und die Ruhestatt. Auch die Unjnasse 
der byzantinischen Münzen, die sie uns brachten, ist ein weiterer 



^) Kamsay sagt, obwohl er Nazianz zu Nenesi ansetzt: ^It is a small village 
with no traces of ancient history.** Bulletin de corresp. hell. VII, 323. 



284 Doghala 

Grund, hier Nazianz zu suchen, das zur Kömerzeit eine unbedeutende 
Komopolis war, in christlicher Epoche aber, namentlich als Wirkungs- 
stätte des großen Gregor bekannt, zur Episkopalstadt und schließ- 
lich unter Romanos Diogenes (1067 — 71) zur Metropolis emporstieg.^) 
Auch Eregli war kurz vorher zwischen 1059 und 1064 zum Erz- 
bistum erhoben worden; denn Tyana war jetzt in partibus infide- 
lium. Allein 14 Bischöfe vom alten Nazianz sind durch den Oriens 
Christianus bekannt geworden.*-) 

Unsere braven Gastfreunde gaben uns am nächsten Morgen 
das Geleit nach dem eine halbe Stunde östlich gelegenen Bergsee 
von Sorsovu, einem Kraterbecken von 1 km Umfang. Der See 
wird durch aufsprudelnde, unterirdische Quellen gespeist und ist 
ohne Abfluß. Einst soll ein Kanal durch den nördlichen Kessel- 
rand das Wasser in die Ebene geführt haben. Ein geheimnisvoller 
Ernst liegt über der Abgeschiedenheit dieses tiefgelegenen Sees, in 
dessen düsterer Wasserfläche sich hohe Berge mit dunkeln Grotten 
spiegeln. 

Um die Lage Doghalas zu erforschen, zogen wir nördlich hinter 
dem Nenesidagh über eintönige, hügelige Gegenden dem von Osten 
nach Westen streifenden Erdasch zu. Von einer angeblichen Kirche 
des H. Gregor auf dem Nenesidagh soll nach der bestimmten Aus- 
sage mehrerer Bewohner von Sorsovu nichts mehr vorhanden sein.^) 
Zwischen Doghala und der Melendizowa erheben sich mehrere iso- 
lierte vulkanische Bergkegel von mittlerer Höhe, deren oberer Krater 
noch deutlich zu erkennen ist. Dazwischen dehnen sich wieder frucht- 
bare Niederungen aus. Am Mittag kamen wir in dem schmutzigen 
Dorfe an, das am Fuße des Erdasch über der Ebene liegt. Ruinen 
befinden sich in der Nähe, und die Trümmer eines ansehnlichen Seld- 
jukenchans deuten darauf, daß im Mittelalter die Straße von Nazianz 
nach Cäsarea daselbst vorbeiführte. Hier lag zweifellos die alte 
Episkopalstadt Doara oder Doala der Eparchie von Mokissos, zu 
der außerdem Nazianz, Colonia und Parnassos gehörten.*) Aber auch 
als Bischofsstadt war es nur ein großes Dorf, und Basilius der Große 
nennt es geradezu eine Kome. Gegen seinen arianisch gesinnten 
Bischof Georgios geht dieser Kirchenvater als einen Menschen mit 
schlechtem Lebenswandel vor, und Gregor von Nazianz widmet dem 



») Gelzer in den Abhandl. der Bayr. Akad. der W. III. Kl. XXI, 547. 

^) Le Qüien, Oriens ehrist. I, 409. 

') ^S^' jedoch Levidis 1. c. p. 125. 

*) Gelzer 1. c. XXI, 541 und die Notitiae episc. 



Von Doghala uach Melegoli 285 

neu ordinierten recbt^läubigen Nachfolger Eulalius von Doara eine 
Epistel.') 

Da Tags zuvor die Post in der Nähe von einer Räuberbande 
niedergeworfen worden war und die Bewohner Doghalas freches 
Gesindel sind, so ritten wir ohne die angeblich hettitischen In- 
schriften in dem schrecklich kahlen Erdasch aufzusuchen nach Mele- 
gob hinüber. Nur ein paar kleine, trockene Rinnsale überschritten 
wir, die alle ihre Wasser zur Regenzeit nach Süden führen. Schon 



deswegen kann der Tatlar unmöglich auf dem yiwri Hissar ent- 
springen. Links ließen wir in einer Stunde vom Weg« entfernt das 
Dorf Sile liegen, wo noch viele alte Höhlenanlagen und Inschriften 
vorhanden sein sollen, und kamen nach einem durch die Einförmig- 
keit der Landschaft sehr ermüdenden Ritt nach dem Griecliendorf 
Melegob. Mühsam zogen die häßlichen Giiechenweiber des Orts 

') Ba?ilii-s, Epist. X und Cre.k.h, Epist. XXX. — Levidis 1. c. p. 115. 1^3 — 
Le (Juiks, OrieLB christ. I, 41«. 



286 Welegob 

das Wasser aus tiefen Brunnenschächten herauf Denn die TufTschlcht 
geht hier sehr tief hinati, so daß die Bewohner von Melegob bis 
auf die härteren geologischen Schichten weit hinabteufen mußten. 
Daher sagt das türkische Sprichwort: 

,\Vo daa Wasser klar und reichlicb, 

Sind auch Roß und Weibpr schon." 



Abb. 10t. Belltfi «in« TbioniHHli In d« Theodorkfnha lu Mtlsgob. (b) 

Einst bildeten die unterirdischen Gänge und Schächte des alten 
„Malakopaia" mit ihren Vorratsräumen eine natürliche Festung, die 
Harun al Easchid im Jahre 800 durch Belagerung erobern mußte.') 

Eine Eeihe von unterirdischen Höhlenkirchen, wie die Meta- 
morphosis, das Kloster des Komas und Damian, wo die Kranken zur 
Heihing in die Unterkirche gelegt werden, die Kapelle der Taxi- 

') Theopbaries irouliuuatus (Bonn) 4b2, 4f. „Kul Ttohogxijuag jiugiXafif r4 
H^axXiovi xäOTQOV öxvQoiTaTov advv inäf^ov xul ri;t> 0tjßiti!civ Kai lijf Mala- 
Konuiav xal Ti,v 'Avdgajtov xvl cfji' £iör]g6nidor.'^ Gi'ißaau ist wahncheinlk'h 
du» viiT Stunden iiordiistlich von Melegdb gvlcfit-ne Süveschii. 



Kirchen niinc iIob Andr,-ns zu Till 287 

archeR und die Philippuskirche boten außer Inschriften nichts, was 
die Erwähnung lohnte. Die Reste des marmornen Thronsesselbi, der 
vor einem Menschenalter noch in der Theodorkirche gestanden nnd 
von Johann Tzimiskes gestiftet worden war, mußten wir von den 
Gräbern vor der Kirche herunternehmen (Abb. 104. 105 u. nnteu 
Abb. 108). Ähnliche Arbeiten treffen wir in San llarco zu Venedig 
und an der kleinen Metropolis zu Athen.') 

Zwei Stunden von Melegob entfernt hatte der englische Eeisende 
AiNswoKTH vor 60 Jahren eine christliche Kirche gesehen.*) Wir 
ritten deshalb am folgenden Morgen ostwärts am Sivritepe vorüber, 
den die Griechen Hagia Laura nennen, auf dessen Gipfel noch eine 
zerstörte Kirche liegt, nnd 

erreichten nach einem ein- , ^ -^ 

förmigen Ritt das zwischen ^ ^ ^ - ' 

zweiTufffelsen gelegene arm- -- ' 

liehe Till. In der Tat fan- 
den wir am Ende des Dorfes 
bei der Tscheschme die Kir- 
chenruine des H. Andreas 
(Abb. liitj n. 1(17). Derziem- 
lich nach Osten angelegte 
Bau ist eine zweisthiffige 
Grabeskirche mit etwa 10 
KeiliengrSbern im Boden des 
uürdlichen Schiffes. 

Die ursprüngliche An- 
lage scheint eine Sänlen- 
basilika mit dacher Decke 
gewesen zu sein. Denn in x\,b m. nnn d.r Ai.dre.rtirch. .u tih. 
der Nordwand sind aus der 

ersten Periode acht große Balkenlöcher erhalten, die in einer Höhe mit 
dem Ansatz der späteren Pfeilerarkaden liegen ; außerdem waren keine 
■\\'andpfeiler an der inneren West- und Chormaner vorhanden. Ein 
Quader mit Balkenloch sitzt noch zu oberst in der südlichen Ober- 
mauer, ein weiterer Beweis für die flache Eindeckung. Später 
wurden Pfeiler zwischen die beiden Längsräume und auch vor die 



') Auch fiir Jfn Alhos machte Johunn Tzimiskca kirchliche Sliftime-'n. 
Bkockhavs, Die Kunst in den Athosklostern p. 36. 45. — Cattaüeo, L'arfhiteltnra 
in Itftlia dfti secolo VI al mille circa, p. 247 f. — K. Michkl und A. Struck, Die 
mittclbyzant. Kirchen Athens, in Athen. Mitteil. 1906 p. 279 f. 

-) AiNSM-oRTH. Travels aiid researches I. 207 (Kaiser Keuy). 



288 Die Andreaskirche zu Till 

Südmauer gesetzt und darüber eine halbrunde Tonne gesprengt, 
die auf je drei Gurtbogen über Konsolen ruhte. Im nördlichen 
Schiff sitzt diese Wölbung tiefer als im südlichen Hauptraume. 
Die Kirche als Ganzes stammt trotz ihrer unregelmäßigen Anlage 
aus einem Guß , nirgends sind Nähte einer Verengerung oder einer 
Erweiterung in den Umfassungsmauern sichtbar. Überall ist, an 
Arkaden, Fenstern, Wölbungen der Eundbogen und im Grundriß 
des Chors der gestelzte Bogen verwertet. Außen ist die Apsis 
ftinfseitig geschlossen und von drei Fenstern erhellt, von denen das 
mittelste die beiden seitlichen an Höhe (1,80 m) überragt. Der 
profilierte Chorbogen, im Wechsel von bunten Keilsteinen er- 
richtet, sitzt auf einem einfachen marmornen Wandkapitäl und trägt 
an seinem Scheitel ein Kreuzmedaillon. Am Chor außen sind noch 
Reste des einstigen Konsolengesimses, das den Bau umgab und 
das Dach trug, erhalten.^) Die Halbkuppel des Chors war aus 
einem Guß von leichtem Vulkangestein mit Mörtel eingewölbt, 
während die Tonnen der Längsräume aus glatten Quadern be- 
standen. Zwei Eeihen von Fenstern erhellten von Süden her das 
Innere, von den oberen ist nur noch der unterste Wangenstein der 
beiden westlichen erhalten. Ein Gewinde ziert die Stirnseite der 
Fensterbogen, die Architrave der westlichen Türen hingegen ein 
hochstengliger Akanthus mit spitzen Blattenden. Darüber sind 
Entlastungsbogen gesprengt, während man an den Türwangen noch 
die Ausarbeitungen für die ehemaligen Holzpfosten deutlich erkennt. 
Auch eine Vorhalle war hier im Westen wie an der Südseite angebaut. 

Die Pfeilerkapitäle im Innern haben alle verschiedene Motive, 
Zickzack, Gewinde oder eine Profllierung mit Kehle und Wulst. 
Nur die ältere Kirchenanlage war ehedem bemalt, und hinter dem 
halbzerstörten Arkadenpfeiler an der Ostwand treten jetzt die Reste 
einer fast völlig verlöschten Inschrift mit Mennigfarbe zu Tage, die 
schon paläographisch einer frühen Epoche angehören muß. Trotz 
langen Mühens an der unbequemen Stelle entzifferte ich nur wenige 
Worte wie: . . ryg aturriQiag .... xai avdnavaig xai 6 niarsvMv .... 
Oexkav . . . 

Vor der Kirche sind eine Reihe Gräber in den TufEboden ge- 
schnitten, an die Südostecke stößt ein halbverfallener, mit Gurten 
und Tonnengewölbe eingedeckter Längsraum. In dem Türgewände 
der Westseite sitzt ein Inschriftstein mit Kreuzrelief und wenigen 
lesbaren Buchstaben: 

^; Es kragt 0.25 in aus der Wand und hat oben die Rille für die Balken 
des Chordaches. 



Die Andreaskirche von Till 289 

MsH^HI??? Eine andere überirdische Kirche ist jetzt ab- 

AHTI???? gebrochen und ihr Material zur Herstellung 

r Y ///////; // einer Feldtenne verwandt. In der benachbarten, 

finstem Kirche des Heiligen Basilius fanden wir außer Fi-eskenresten, 



einer halbzerstörten Löwenfigur und einer Unterkapelle nichts von 
Bedeutung. 

In einem fürchterlichen Wetter kamen wir wieder in Melegob an, 
wo wir im schmutzigen Chan unter viel Wagengerassei, Hundegebell, 
Geschrei von Eseln und Menschen eine schlaflose Nacht verbrachten. 

Kott, KleiDHtMiiahe DsDkmtl«. 19 



290 Melegob. Hasakoi 

Die Papaten bestürmten uns mit tausend Fragen, wie man am besten 
mit Wind, Dampf oder Elektrizität das Wasser aus den unergründ- 
lichen Brunnen heraufhole, um durch europäische Technik ihre Weiber 
zu entlasten. Dann verlangten sie von uns neue Systeme für ihre 
Strickmaschinen, Empfehlungen für Absatz, machten unsere eigene, 
enge Kammer zum Tschartschi von Wollsachen und suchten Brief- 
marken und Münzen an den Mann zu bringen. Kranke baten um 
Heilung ihrer Gebresten, Bettler belagerten das Tor des Chans, 
durch das immer aufs neue Fuhrleute der großen Verkehrsstraße 
mit Gerassel und Gefluch ein- und auszogen. Die Sehnsucht harrt 
dem dämmernden Morgen entgegen und gedenkt der Worte des großen 
Gregoe von Nazianz, der die Wegstation des nur wenig Stunden 
südlicher gelegenen Sasima oder Hasakoi mit aller seiner Un- 
ruhe und Qual in trefflicher Weise schildert: 

xTjg Ka7t7tadoK&v^ og C-fJ^zx dg XQi,<S(5r}v 6ö6v, 
ävvÖQogy äxlovg ov6^ ok(og ikEv&SQog, 
ÖEivcog aTtevTixbv xccl axsvbv KOfivÖQiov, 
xovtg xcc Ttdvxci xal '^6<pov wxl uQfiaxcc, 
d'^Tjvoi^ öxEvayfioU TCQccKxoQeg, axQißXai, niöca^ 
Xaog <)' 0601, ^ivoi xe Tial 7ikav(Ofi£V0L^) 

„Einst alles wie heut" predigt der Orient auf Schritt und Tritt. 
Aber wie nach einem dumpfen Alp hebt sich am frühen Morgen des 
Reiters freie Brust wieder, wenn er die „Herbergen des Schmutzes" 
hinter sich hat, und das rings ihn umflutende Sonnenlicht den langen 
Feiertag der Natur heraufführt. 

Hinter Tirchin, in dessen alter Georgskirche noch viele antike 
Marmorwerkstücke umherliegen, kam diese Leidensstation Gregors, 
das Bistum Sasima. Die Kirche der H. Makrina, seit 1843 erneuert, 
soll angeblich die Gebeine von Basilius Schwester bergen, während 
dieselben in der Bergeinsamkeit am Iris ruhen. Zur Linken ließen 
wir des bösen Wetters halber das am kleinen See gelegene 
Göldjik, das griechische Limnos, liegen, um das sich einst der Streit 
zwischen Basilius von Cäsarea und Anthimus gedreht hatte, als 
letzterer den neugeschaffenen Metropolitenstuhl von Tyana erstieg.-) 



*) GitEGOR VON Nazianz, Poem. XI. IltQl xbv iavxov ßlov. Opera II, 496. 

■^) Vgl. darüber die Briefe des Basilius, namentlich auch den Brief Gregors, 
Epist. L. — Le Quien erwähnt im Oriens christ. I, 406 vier Bischöfe von Sa- 
sima. — An einem Ort bei Göldjik, Monastir genannt, hat Levidis christliche 
Inschriften und eine Löwenfigiir gesehen. Levidis 1. c. p. 172 f. 



Von Tyana durch den Taurus nach Tarsus 291 

Hier ist auch Basiliscus, der Gegenkaiser Zenos, im Exil ge- 
storben.^) 

Im Regen und Schneegestöber kamen wir wieder in T y a n a an. 
Ein eisiger Wind blies durch die niedrige, fensterlose Oda am Wege, 
und heißhungrige Köder stahlen uns die kärgliche Mahlzeit von der 
Erde. Im Nachbarhause lagen marmorne Reliefstücke im Hofe 
herum, eine verstümmelte Amazone zog der Besitzer aus dem Mist 
hervor und wusch ihr mit einer Gießkanne das Gesicht rein. Was 
ist aus dem Weib dieser Rechtgläubigen geworden! Als ich die 
Familie eines hilfsbereiten Türken photographier te, schaute das 
junge Weib, orientalisch neugierig durch die Türspalte, während 
ich die herzigen Kinder porträtierte. Dem Egoismus, nicht der 
Moral bringt der Türke das Opfer, das ihn um den äußern Reiz 
des Familienlebens bringt. 

So ging's zu Tyana hinaus. Die Pferde schritten auf dem 
Marmorpflaster einher, das eben aus vielen zerschlagenen antiken 
Säulentrommeln hergestellt wurde. Wehmut ergreift den fremden 
Wanderer beim Anblick solcher Stätten und Menschen. Wo die Völker* 
Straße sich hinter dem Hügel der Semiramis zum Gebirge hebt, saß 
auf einem Granitfelsen ein Steinadler. Ich hätte ihn erlegen können, 
den Traurig-Stummen. Sann er wolil darüber nach, daß in wenig 
Jahren schon die nüchternste Gegenwart auch in die romantischen 
Täler des Bosanti, den alten Paß des Taurus einziehe, wo unzählige 
Völker hindurch- und nimmer zurückwanderten. Noch schreiten 
endlose Züge lasttragender Kamele mit Eisen, Petroleum, Salz 
und Getreide den alten Heerweg hinab, herdenweis lagern sie 
auf schmaler Trift am Bach, Feuerschein leuchtet zwischen auf- 
gestapelten Warenballen, bunte Gestalten bewegen sich in der 
Dämmerung, blinkende Gewehre aus der Vorväterzeit und schleichende 
Hunde; langhälsige Kamele recken ihre hohen Gestalten am Ge- 
büsch empor und verworrener Lärm dringt aus den Zeltlagern her- 
vor. Alles aber übertönt der rauschende Gesang des Wassers, ein 
ewiges Leuchten geht mitternächtig über die Firne des Madenschehr, 
der im Busen das Gold birgt. Dann wird die elendeste Hütte zur 
schönsten Ruhestatt unter der sternhellen Nacht. Bald schrillt in 
dieser wilden Einsamkeit die Pfeife und schnaubt die Berglokomotive, 
Dann wird es geräuschvoll, wenn die leichten Levantinerinnen die 
Aquae Calidae zum Sommeraufenthalt gewählt haben und die herr^ 
liehen Tannen von Anascha den Spekulanten zum Opfer fallen. 



^) Kamsay, Geography p. 294. 

19^ 



292 Anascha Kaie. Tarsus 

Ein schlauer Grieche hat dann Bier, Wein und europäische Bett- 
statt für Nimrode und Parforcereisende bereit. Damit ist die 
Paßstraße, die heute noch einen mühseligen Kampf mit Schroffen 
und Abstürzen führt, verschwunden, auch der römische Opferaltar 
im engen Klamm und die Votivkreuze, die fromme Pilger- und 
mutige Kreuzfahrerhand in die Felswände des Gülek Boghas ein- 
gehauen hat. 

Vom Äk Köprüchan klommen wir mit einem rüstigen Huf- 
schmied zum hochgelegenen AnaschaKale empor, wo noch eine 
Kirche aus der kleinarmenischen Zeit aufrecht stehen sollte.^) Wir 
fanden nichts als die halbzerstörten Kuinen eines schier unzugäng- 
lichen Kastells. Die großartigste Hochgebirgsszenerie entschädigte 
indessen tausendfach die müden Glieder. Wer auf dem Dach einer 
Hütte im Angesicht der unermeßlichen Schneefelder ringsum, hoch 
über dem Kauschen von Zedern und Fichten unter der ruhigsten 
Himmelsbläue den Jourt geschlürft hat, während ein femer Schimmer 
vom Mittagsmeer heraufleuchtet, der weiß, daß ihm ein Genuß zu- 
teil geworden, den keine empfindsame Alpenfahrt bietet und daß er 
diesen nicht zum wenigsten dem treuen Eoß verdankt, das ihm über 
das tollste Steinmeer hinweg bis zur höchsten Jaila folgte. 

Als wir am Morgen des 20. November nach zwei schlimmen 
Nachtkampagnen von der südlichen Terrasse des Taurus das weite 
Mittelmeer erglänzen sahen, da zog ein befreiendes Gefühl durch 
unsere Brust nach den wochenlangen Fahrten auf dem einförmigen 
kappadokischen Hochland. Ein tropisches Klima tat sich vor uns 
auf, während wir in die kilikische Ebene nach Tarsus hinabzogen, 
und eine heiße Luft düustete über den feuchten BaumwoUenfeldem 
und mahnte zu doppelter Vorsicht vor der hier gefürchteten Malaria. 

Vom alten Tarsus der christlichen Epoche ist nur wenig übrig 
geblieben. Die Klissedjami d. h. Kirchenmoschee, die alte Paulus- 
kirche, ist mit ihrem Chor ganz erneuert, wenngleich über den 
alten Fundamenten. Die Uludjami, die an der Stelle der ehe- 
maligen Hagia Sophia steht, ist ein langer Hallenbau mit Pfeilern 
und Säulen im Stützenwechsel. Die schönen Monolithe stammen alle 
aus christlicher Zeit, tragen jedoch heute keine Kapitale mehr. Die 
Stützen der Hofarkaden ruhen dafür auf Bronzefiißen, und vom alten 
Kirchenplan ist keine Spur mehr zu erkennen. Die armenische 
Pauluskirche ist vor fünfundzwanzig Jahren ei*st neu aufgebaut 

*) Ritter, Kleinasieu II, 264 und F. Schaffer, Cilicia p. 81 in Ergänzungs- 
heft 141 zu den Peterm. Mitteil. 1903. 



Kirchliche Banten zu Tarsus und Manaz 293 

worden, aber nach Rissen und Aufnahmen des altem Bauwerks 
suchten wir vergebens. Nur ein Steinrelief mit dem byzantinischen 
Doppeladler liegt in der Sakristei als einziger Überrest der altem 
sog. Pauluskirche. In der linken Hofecke steht noch eine viel- 
hundertjährige, umfriedigte Eiche, die nach orientalischer Tradition 
natürlich in die Tage des Paulus zurückreicht. Im Hof wurden 
die Kinder wie im Gymnasien des alten Athen klassenweis unter- 
richtet, die dabei fast unaufhörlich hin und her wanderten. Schließ- 
lich ist auch die Kirche der Griechen, die Panagia, ein dem letzten 
Jahrhundert angehörender Bau.^) 

Langlois hatte in dem alten Werk über Kilikien Kirchen be- 
schrieben und gezeichnet, die bei M a n a z in den Taurusbergen nörd- 
lich über Tarsus liegen sollten.'^) Nach einem fünfstündigen Ritte, 
der teilweise durch die schaurigen Schluchten des Kydnos führte, 
standen wir auf einer kleinen Hochfläche, welche das ganze mittlere 
Kilikien beherrscht mit einem entzückenden Blick auf das Meer und 
die Küste. Die Klosterhöhe von Camaldoli über Neapel erinnert 
an diese Mönchsiedelei von Manaz, die noch im Namen die Ver- 
gangenheit aufbewahrt hat. Der Platz ist von den Trümmem der 
Klosteranlagen und Kirchen übersät, die letztem bis auf die Funda- 
mentmauern niedergerissen, auch diejenige, von der Langlois die 
Abbildung ihrer Fassade bringt. Der kühle Ort dient den Be- 
wohnern des ungesunden Tarsus zur Sommerfrische, und die statt- 
lichen Neubauten im Osten des Ruinenplatzes sind aus dem bequemen 
Werkmaterial der Kirchen und Klöster errichtet. 

Durch Unkenntnis unserer Führer verirrten wir uns und kamen 
an ein riesiges Felsentor, wo der Kydnos aus den Djehennen, den 
Teufelsschluchten, hervorbricht, die kaum von dem Auge eines 
Europäer je gesehen wurden. Im Unwetter gelangten wir in der 
Nacht nach dem ärmlichen Gebirgsdörfchen Hadji Hamzali, wo 
wir uns am rauchenden Kamin trockneten. In der nahen über 100 m 
tiefen Felsenspalte, durch die sich ein Arm des Flusses hindurch- 
zwängt, sollte eine merkwürdige Schrift an der Felswand tief unten 
sein. Barfuß kletterte ich mit einigen beherzten Türken die glatten 
Kalkfelsen an dem schaurigen Abgrund hinab, in dem unten die 
Gischt tobte. Ein einziger Fehltritt, und wir wären da unten be- 
graben gewesen. Die letzten 15 m wurde ich an einem Strick 
hinabgelassen, während der Regen unbändig niederrauschte. In der 



^) Vgl. auch Langlois, Voyage dans la Cilicie. Paris 1861 p. 317 — 25. 
^) Langlois 1. c. p. 358. 



2S4 Ha4ji HamzaU 

unterwaschenen Felswand fand ich nichts als müßiges, unverständ- 
liches Gekritzel, das vor Hunderten von Jahren eine Hand in die 
Felswand geschrieben, als die Höhle noch von oben her zugänglich 
war. Als ich am Seil wieder über dem Abgrund schwebte und 
kaum in der Umschlingung: Atem gewann, da schwur ich allen 
Oreaden, der alleinseligmachenden deutschen Gründlichkeit in Punkto 
Wissenschaft färderhin in solchen Fällen eine Nase zu drehen. 



Durch Lykien. 



Zurückgekehrt nach Tarsus verkauften wir unsere braven 
Pferde, da wir die Reise nach Sis und dem östlichen Kilikien wegen 
der Überschwemmungen des Seihun und Djihan aufgeben mußten. 
Wehmütig sieht man, wie die lieben, treuen Gefährten aus dem 
Stalle gezogen werden und uns verlassen müssen. Wie oftmals hatte 
mein Reitpferd im Oda unter mir hell gewiehert, wenn es seines 
Herrn Stimme vernahm, wie hat es ruhig um mich herum gegrast, 
wenn unter dem schattigen Baum das Reisigfeuer knisterte und der 
Kebab dampfte. Möge ihm ein guter Mirachor Ef endi geworden sein ! 

Nach einer mehrtägigen Quarantäne in Mersina fuhren wir mit 
einem östreichischen Dampfer nach Rhodus, wo wir unter stür- 
mischer See am 1. Dezember landeten. Sobald der Regen aufgehört 
hatte, ging's nach Makri und Castelorizo, von wo aus wir in 
das südliche Lykien vordringen wollten. 

Castelorizo ist heute der Hauptstapelplatz für Seefahrt und 
Handel an der Südwestküste Kleinasiens. Gegen hundert große Segel- 
schiffe der Inselbewohner lagen nach den furchtbaren Stürmen der 
letzten Tage im herrlichen, windgeschützten Hafen, mehrere auch, 
wie dasjenige unseres griechischen Gastfreundes, auf dem Grund des 
Meeres. Ein eingeborener Grieche, der brave Patriot und energische 
Schulmann Achilles Diamantara, leistete uns während unseres zwei- 
maligen Aufenthaltes auf der Insel die liebenswürdigste Gesellschaft. 
Die hübschen Kirchen sind alle neuern Datums oder gründlich restau- 
riert, da hier mit steigender Bildung und Wohlstand auch die natio- 
nalen und kirchlichen Interessen zunehmen. Wie die alten Basiliken 
früher wieder aufgebaut wurden, besagt ein Schreiben des Patriarchen 
von 1620, in dem die orthodoxe Christenheit aufgefordert wird, an 
der Wiederherstellung der zerfallenen Kirche des H. Georg auf dieser 
Insel Castelorizo (Megiste) mit Liebesgaben sich zu beteiligen. Der 
Inhalt des Kollektenzettels (Abb. 109), den ich in der griechischen 
Schule fand, lautet folgendermaßen: 



Abb. 109. Koll 



*.u7ioi. iv c:ylm jtwi'jIiku i(;'ßTi,roi t'iiikfpoi xiii OvlXitTiivQ-/ol. &toipiliazuzoi 
(Triay.oTToi. ivTtito'iuaoi xkijQtxoi. ivi,i:{iiauiii>t itpti's'. );pi(ö/fiti>i«TOi «pj^Ofiti; 



Castelorizo 297 

xal ot XoiTtol svkoyriiiivoi XQiariavoU riKva iv Kvqloi ayaitrixa xfig rui&v 
HetQiotritog, xaqvg eXri vfiiv %al ilqrivri xal eksog itaqa Seoü UavxoKQaxoqog 
%cd Kvqiov rjficbv Iriöov Xqiöxov, naq rjii&v ös avxr} xai evkoyla kccI övy^co- 
qiOig. rv(o6xov 'b^lv eöxco, oxi xara xr\v 'Jta{xquiq)'iiy,7]v vfjöov KaCxEkoQOi^ov, 
iyyvg xT]g tTta^iag MvQicav, evqla%txo vaog TtETtakauofiivog Kai ataa^qco- 
fiivog [TtQo XQo]v(ov afivri(iovivx(ov, Tckrjciov xf^g ccyuxg MagCvrig, [eig x6 5v]ofia 
xov ayiov ivÖo^ov ^leyako^ia^vQog remgyCov xov XQ07tatoq)6QOv. Nvv o 
eKeiCe evQLCKO^itvog Ttccitä KvQiccTibg 6 oix[ov6(iog &£]Co) ^TJko) Kai tq(oxi Kivi]- 
Ocig, KOitoig Ttokkoig Koi ßaadvocg Kai öandvatg dvrjyeLQtv Ik ßad-gcov Kai 
dvfpKOÖOfiriaev im 7t{ax)QiaQXiKCi 6x(av)Q07tr}yiipaÖ£lagxv%a>V7taQa xobv Meyiöxd- 
vav, v(podriybg eaovxag{?) xfjg "Acn^ag ^akdca^ig Kai V7triQixj\g x&v iKBiae 
KQaxovvxcov Kai (Snevöet eig xekelav oiKodo^riv xov iqyov Kai slg Kakkcmtöfibv 
Kai eimqi'jttiav xov vaov^ Kai dnoQ&v öanav&p Kai xobv kointbv ;)r^€t(odci}i/, 
üg Tcokka i^oöidcag tiqoxeqov, Kai (irj «jrcDv i^ idlcov, i(»%£Ta£ TtQog vfiäg xovg 
ikerj^ovag Kai Evasßstg fisxä xov naQovxog ygäfifiaxog ikir}fioavvi]g ösofievog 
Kai ßofj^eiag eig xekeCcaacv xov dyad'ov eQyov. Toiya^ovv ös^dfisvoi avxbv 
dOTtaclag Kai tkaq&g cvvS^o^r\v Kai ßorjd'ei.av ijtidel^axe avx^ koyto Kai 
?Qyo} Kai ikeri^o6vvr]v inlSoxe avxö öiä xr\v apdKxtjCtv tuxI xekeCaatv xov 
vaov avxov, i^ cov evTtOQeixs dya^&v, 6 fiiv TtQod'SGiv, 6 öi (Sa^avxdqiov, 
6 öh ddek(pdxov, Kai akkog akko, SKaöxog [oi}]g ixst övvd^Bcog Kai TtQOaiQiaeag, 
Kaxä xov KvQLOv xov xovg ikei^fiovag ^aKagl^ovxa Kai xov avaTUiivtanbv 
Kai xijv svnQijtetav xß)v ^eloov iKKkt]<St&v dyana>vta vTciq xi iikko, iv alg 
vfivHxai Kai öo^d^exai xb d'stov avxov (ivoiia Kai avxiöiÖovxa X'^Q^^ ^^^^ 
xdqixog Kai xb XQ^^S ^? '/J^Q^^ kafißdvovxa. Ovxco rcoirjöaxe, dyanijxol, Kai 
ßor]d'riaax£ tö dvaxiQca qi]^ivxi nana Kvq KvQiaKcp Kai oiKOvofiCD öia xbv 
dvaKacviö^bv xov vaov avxov nQO&vfiag Kai 6A,ot/;i;;^a)g, &g av öui xfjg ßof]- 
&elag Kai CvvÖQOfiTjg vficbv avxbg fiev övvi]^ Kakkconlaag Kai elg xikog dna- 
yayetv xbv vabv avxbv, vfieig 6e xbv ci^iov fiL<s&bv üg vsol Kxlxoqig naqd 
Seoü eKaxovxankaclova avxikdßoixe Kai xbv fieyakofid^xv^a FscoQycov ngsößw 
Kai ßotjd'bv s^^Qone iv iKeivrj xfj 'l}iiiQa Kai X7]v aiioviov f 007)1/ xXr/^oro^)J- 
GoiXE iv XqiGxßi ^ItjCov tc5 kvqio) i^icbv, ov i] x^Q^S '^^^ ^^ dneiQOv ekeog 
Kai 1] evx'Ti Kai ri evkoyla xf}g rjficbv fiexQioxtixog ehj ^exd ndvxoav i^fiwv. 
afiriv. '£v ixei acoxr^QLG) ^a^x."^) 

Herrlich ist der Blick von dieser Kirche und der dahinter in 
klassischem Stil erbauten Schule auf die gegenüberliegende Küste von 
Kleinasien, über die Inseln und Klippen, welche schon so manchem 
Schifflein den Untergang bereitet haben. In einem Segelboot setzten 
wir über den Seearm und fuhren in die stille Bucht von Sevedo. An 

*) üTavQonrjyiov = jus figendae crucis, die KonsekriruDg einer Kirche; 
ngd^saig = Meßpfründe; eagavtagiov = quudrigies missarum pro defunctis, 
schheßlich jegliche Kirchenstiftung; ddsktpdtov = fraternitas, hier Präbende. 



298 Antiphellus 

ihrem Südostende stiegen wir, wenige Schritte landeinwärts, in eine 
große Tropfsteinhöhle hinab, auf deren Sohle das kristallklare, grüne 
Wasser als Hagiasma emporsprudelt. Die tiefe Grotte gibt tausend- 
fach das Echo zurück, und unter den seltsamen Gebilden der Ealk- 
niederschläge sucht die Phantasie nach den alten Göttern, nach der 
dämmerigen Wohnung der Calypso. Hier hat ihnen der Schiffer nach 
glücklicher Heimkehr sein Dankopfer gebracht. Dann nistete sich 
auch das Christentum in der geräumigen Grotte ein und richtete dem 
Nachfolger Neptuns, dem heiligen Schutzpatron Nikolaus, eine doppel- 
chörige Kapelle auf und schmückte sie mit Heiligengestalten. Nur 
das Bild und die Beischrift des Schutzheiligen auf dem Meer konnte 
ich noch in der Apsis entziffern. 

Als wir aus der Halbnacht dieser Grotte heraufgestiegen waren, 
flüchtete eben eine große schwarze Ziegenherde in ein klassisches 
Felsengrab, Boreas begann aus vollen Backen zu blasen, Juppiter 
Pluvius goß in Strömen, und nach langem angestrengten Kampf mit 
Wind und Wellen kamen wir endlich nach A n d i f i 1 o. Heute liegt 
der kleine Hafen ungeschützt gegen jede Sturzwelle da, und haus- 
hoch schlug nach wenig Stunden die empörte Brandung am Ufer 
bis zu der Tür des kleinen Kawees empor, wo wir unsern Hunger 
stillten. Da türmten sich die grünlichen, schaumgekrönten Rosse 
des Meeres zu Wellenbergen auf, stürmten mit gewaltigem Donnern 
gegen die ausgelaugten Kalkfelsen heran, färbten sich mit weißen 
Kämmen und zogen dann gurgelnd in tausend und abertausend 
Grotten hinein, um in unzähligen Kaskaden niederzurinnen und 
beruliigt auf einen Augenblick vom granitenen Widerstand zurück- 
zuweichen, gleich wieder dasselbe ewige Spiel beginnend. Dann 
sieht man auf Augenblicke die versunkenen Trümmer einer dahin- 
geschwundenen Stadt, die Reste von Grab-, Schiffs- und Hafen- 
bauten des alten Antiphellus. Stumm und einsam steht der, welchem 
die Schönheit noch eine Welt bedeutet, auf den obersten Stufen des 
verlassenen Theaters, w^o tausend lichttrunkene Augen vom heitern 
Maskenspiel des Lebens über die Bühnenwand hinausschauten aufs 
endlose Meer in sonnenbeglänzte Fernen. Wie oft dachte ich beim 
Anblick der steilen Ruinenplätze: Wie reich und stark wäret ihr 
Menschen, die ihr mit flinken Sohlen über die harten Felsen zum 
Jlusenspiel oder zum hochgelegenen Tempel emporstieget, um euer 
stummes Opfer darzubringen, die ihr noch begehrtet, im Tod auf Berges- 
höhen zu ruhen, die nur des Vogels und der Wolken Flug berührt, 
die Phoebus mit ewigem Licht umzieht und deren Grabhäuser die 
Natur beständig mit dem Frühlingskranz wilder Schönheit umwindet. 



Von Antiphellus nach Dere Ahsy 299 

Den Abend verbrachten wir beim Kaimakam Chukri el Asaly, 
einem feingebildeten Araber, der eine seltene Kenntnis der Ge- 
schichte, Philosophie und Literatur seines Volkstammes entfaltete 
und über die deutsche Keformation, Heinrich IV., die politische Lage 
Ägyptens und die Frauenemanzipation gleichen Bescheid wußte. 
Mit dem Satz von der persönlichen Verantwortlichkeit vor der Gott- 
heit rannte er beim gemütlichen Abendtisch unsern trefflichen Schul- 
direktor von Castelorizo mit seinem Glauben an die stellvertretenden 
Heiligen bald über den Haufen. Möge Alah ihn schützen! 

In Andifilo suchten wir jeden Fleck ab, um den von Texeer 
veröffentlichten Rundbau zu finden, der seitdem so oft abgebildet 
worden ist.^) Da wir nicht die geringsten Spuren davon treffen 
konnten, obwohl wir den kleinsten Fleck durchsuchten, so glaube 
ich, daß es sich dabei um ein kleines, rundes Grabgebäude des 
Altertums handelt, das später allenfalls einmal zur Kapelle um- 
gewandelt wurde. Von der Kirche am Markt sind nur noch einzelne 
Fundamen tmauem vorhanden, auf Grund derer sich nichts mehr 
für die ehemalige Basilika des Bistums Antiphellus folgern läßt. Sie 
war übrigens aus altern Werkstücken zusammengepfuscht. 

Ein mühseliger Pfad leitet an manchem lykischen Grab vorüber, 
das im trauten Holzstil errichtet ist, zur Bergeshöhe empor, wo unten 
die Welt eines Homer wie ein aufgeschlagenes Buch liegt. Hinter 
den hohen Bergen der Küste ist von aller Kultur abgeschlossen 
das ehemalige Regierungsstädtchen K a s c h , welches durch die Ver- 
legung des Amtssitzes nach Andiftlo allmählich von der Karte ver- 
schwindet. Die Gassen sind ausgestorben, die Lehrahäuser verlassen, 
und nach einem Menschenalter wird der Reisende nichts mehr vom 
Kaimakam Kasch sehen als die Ruinen eines Konak und einer 
Djami.2) So lebt und regiert man in der Tüi-kei. Der Gedanke, 
Castelorizo gegenüber eine rivalisierende Hafenstadt zu schaffen, 
ist vorzüglich, leider spritzt zur Stunde bei Hochflut das Wasser 
bis in die Fluren der Häuser Andifllos. Das fruchtbare Tal von 
Kasch mit seiner alpinen Szenerie könnte ein Dutzend Dörfer tragen. 
Kein einziges sendet zur Zeit seinen Rauch empor, mühsam mußten 
wir uns den Weg durch Dschungeln, üppige Brombeerhecken und 
Oleanderbüsche bis nach Dere Ahsy bahnen und viele kleine Bäche 
überschreiten, deren breite Fiumare das angrenzende Kulturland für 
immer vernichtet haben. Dort, wo der alte Myros durch ein großes 

^) Texier-Püllan , Architecture Byzantine p. 183f. und in seinem Reise- 
werk über Kleinasien. 

*) Abb. des Konak bei Bexndorf-Niemann, Reisen in Lycien I, 138. 



300 Kirche von Dere Ahsv 

Felsentor in die wilde Schlucht zwischen dem Aladjadagh und den 
Höhen über Myra eintritt, machten wir bei einer armseligen Mühle 
Halt, um in der Nähe einem wichtigen Denkmal der byzantinischen 
Baukunst einen Besuch abzustatten. 

Am Ufer des Ernes, welcher sich eine Viertelstunde abwärts 
in den alten Myros ergießt, steht auf einem der mit niedrigen 
Fichten bewaldeten Hügel die Kirchenruine von Dere Ahsy. 
Nachdem sie in den vierziger Jahren von den Engländern Spratt und 
FoRBEs und dem Franzosen Texier besucht und mit völlig unge- 
nügenden Skizzen und Plänen bekannt gemacht worden war, ist sie 
seither nur noch einmal von der östreichischen Expedition in den 
80 er Jahren flüchtig gestreift und eine Abbildung in dem be- 
kannten Reisewerk über Lykien davon gegeben worden. Auf Grund 
der Tagebuchnotizen von Niemanx hat dann 0. Wulff in seiner 
trefflichen Arbeit über die Koimesiskirche in Nicäa versucht, die 
Basilika von Dere Ahsy nach diesen und früheren Angaben zu be- 
schreiben.^) Im östreichischen Reisewerk selbst wird nur berichtet, 
daß Niemann eine neue Aufnahme durchführte, „bei der sich indessen 
erhebliche Berichtigungen Texier's nicht ergaben."-) 

Somit hat man sich eigentlich seit sechzig Jahren nicht mehr 
um ein Bauwerk gekümmert, das trotz mannigfacher Zerstörung 
durch den Einfluß der Zeit zu den verhältnismäßig am besten er- 
haltenen orientalischen Basiliken gehört. Entlockte es doch schon 
dem Engländer Spratt den Aussprucli: „It is a noble fabric and 
one which excited on examination a deep interest." Zugleich hob 
er seine verhältnismäßig gute Erhaltung hervor."*) 

^) Spratt and Forbes, Travels in Lycia, Milyas and the Cibyratis. London 
1S47, I p. 105 f. mit Planskizze. — Texier, Description de FAsie Mineure III, 
202. 232. PI. 205 und Texier-Pullan, Architecture Byzantine p. 183. — Benndorf- 
NiEMANN, Reisen in Lycien und Karlen 1, 131 Taf. XXXVIII. Texier's Plan oft 
wiederholt, z. B. Salzenberg p. 133 Taf. XXXIX 6. 7; Hübsch p. 81 Taf. XXXII, 
3. 4 (Querschnitt). — Millet in der Histoire de l'Art von A. Michel. Paris 
1905, 1,145. — 0. Wulff, Die Koimesiskirche in Nicäa und ihre Mosaiken. 
Straßburg 1903, p. 66f. u. Fig. 16—20 u. neuem Längsschnitt. 

-) Kassaba oder Kasch ist die Bezeichnung des Ortes, der flußaufwärts liegt, 
nicht, wie Texier wohl angibt, eine Benennung für den Ruinenort oder die 
Kirche von Dere Ahsv. Was daher bis in die neuesten archäol. Handbücher 
als Kirchen von Dere Ahsy und des Kassabatais angefahrt wird, ist nur die eine 
Basilika des letztern Ortes. Kaufmann, Handb. der christl. Archäologie p. 99 u. a. 

**) Spratt and Forbes, Travels 1. c. p. 105. ,a large Christian cathedral of 
early Byzantine architecture, one of the most interesting and picturesque, as well 
as best preserved ruins in Lycia"; p. 106. ,The greater part of this cathedral, 
however, still remains perfect.* 



302 Kirche von Dere Ahsy 

Seit den Tagen der östreichischen Expedition ist der Verfall 
des Bauwerks wenig vorwärts geschritten dank des trefflichen 
Bindemörtels und der weltabgeschiedenen Lage des kirchlichen 
Denkmals. Nur der hohe linke Fensterpfeiler im Hauptchor, die 
Abschlußwand des Diakonikons und der rechte Pfeiler des Exo- 
narthex sind zusammengebrochen. 

Eine Quelle mit köstlichem Wasser, die sich oberhalb der 
Kirche in den Ernes ergießt, war wohl ausschlaggebend für die 
Wahl des Ortes. Auf der kleinen Anhöhe über dem breiten Fluß- 
bett war die Anlage gegen Überschwemmung durch die Winter- 
wasser geschützt. Leider hat sich der Fluß neuerdings der Kirche 
bis auf wenige Meter genähert und unterspült in absehbarer Zeit 
schon die steile Böschung, welche ihn noch von der Chormauer trennt. 

Der fast nahezu nach Osten ausgerichtete Bau ist eine drei- 
schiffige Kuppelbasilika im Kreuz, mit Liti und Vorhalle, mit 
Treppenhäusern und oktogonalen Anbauten im Norden und Süden, 
die jedesmal durch einen tonnengewölbten Gang mit der Kirche in 
Verbindung standen (Abb. 110 — 113). Starke Pfeiler trennen das 
Hauptschiff von den Nebenschiffen, eine Tonnenwölbung deckt den 
Hauptraum wie den Querraum, welcher diesen und die Seitenschiffe 
durchschneidet. Über der Kreuzung dieser beiden Tonnen erhob 
sich die Kuppel auf Pendentifs. Die Seitenschiffe sind, abgesehen 
von dem Querraum, doppelgeschossig und im untern wie obern Stock- 
werk mit Kreuzgewölben eingedeckt. Die Emporen mit Obergeschoß 
setzen sich auch östlich von der Durchschneidung zu Seiten des 
Bemas fort und öffnen sich unten wie oben mit Durchbrechungen 
nach dem Mittelschiff hin, die jedoch im Verhältnis zu den übrigen 
Durchgängen ziemlich niedrig geworden sind. Dem Bema liegt 
je ein quadratischer Raum zur Seite, dem sich nach Osten hin 
Prothesis und Diakonikon anschließen, beide von quadratischer 
Anlage, aber nach drei Seiten in Eundnischen ausladend. Darüber 
erheben sich Halbkuppeln und Kreuzgewölbe. Die Xebenapsiden 
schließen wie der Hauptchor inwendig mit einem Halbkreis, außen 
bilden sie drei Seiten eines Achtecks und sind jedesmal von drei 
Fenstern durchbrochen. Die Wände des nördlichen und südlichen 
Nebenchors wie der linke Fensterpfeiler des Hauptchors sind jetzt 
abgestürzt, und auch der hohe Fensterbogen daselbst ist bereits 
niedergebrochen. 1) 

*) Texiek lilßt Haujit- und Nebenapsiden außen rundl)ogig enden und gibt 
den letztern pinz schmale Fensterpfosten. — Von Spratt und Forbes sind die 
I^äunK» seitlieh des Bemas ganz unrichtig gezeichnet. 



Kirche von Dere Ahey 303 

In Anlage, Kindeckung, Zugängen und seitlichen Öffnungen 
entsprechen die Oberräume der SeitenschifEe genau denen im Unter- 
geschoß, selbst über Prothesis und Diakonikon ist die reiche Form 
in der gleichen Art durchgeführt Die westliche und Östliche Em- 
pore verband nun im Querranm eine eingeschossige Bühne, die auf 
zwei Stützen, höchstwahrscheinlich Säulen ruhte. Deutlich sehen 
wir noch die Ansätze zu den drei Kreuzgewölben, welche über diese 



Säulen und die AA'andpfeiler gesprengt mirden.') Dagegen trug die 
mittlere Empore nicht, wie Texier in seinem Werk rekonstruiert, 
Obermauern auf einer Säulenreihe; denn über den Eckpfeilern des 
Lang- und Querhauses ist das Gesims ohne Unterbrechung an der 

*) Pfeiler ainil S'i g\it wie ausgeschloBBon, ihr Kern hätte hier, wo Meniichen- 
band nichts zerstört hat. nieht so Bpurlos verschwinden können. Es nar mir 
uniniif.''Iich , um dritten Tug noch weitere Grabungen durchzuführen, da L'!>er- 
Bchwemmung meinen Heimweg bedrohte und dünn auch wirltlich eintrnt. 



304 Kirche von Dere Ahsy 

Völlig glatten Oberwand herumgeführt, ohne daß Ansatzspuren einer 
anstoßenden Längswand etwa sichtbar wären, wohingegen im Erd- 
geschoß die Stelle deutlich zu erkennen ist, wo der Arkadenbogen 
in die Wand einsprang. An der Nordwestecke (nicht am südöst- 
lichen Pfeiler wie Wulff nach Niemann's Angaben berichtet), 
sitzt das Werkstück des Hauptgesimses an seinem Platze, während 
es an den drei übrigen Stellen der Kuppelpfeiler abgestürzt ist. 
Jedesmal ist aber unter diesen Gesimsteilen das Einlager für ein 
Gebälkstück sichtbar, über dem wieder ein konsolenartiges Werk- 
teil aus Marmor liegt, das bei drei Kuppelpfeilern noch an seiner 
Stelle ruht. Wir müssen deshalb über der mittleren Empore eine 
Säulenbalustrade rekonstruieren, deren grades Gebälk in die Kuppel- 
pfeiler direkt über der Umbrechung des Kämpfergesimses eingriff. 
Außerdem muß dieser Teil der Empore eine niedrige Brüstung in 
der Flucht dieser Balustrade besessen haben, da in einer solchen 
Höhe über den Arkaden jedesmal die Ecken der Kuppelpfeiler aus- 
gebrochen sind, was keine zufällige Zerstörung bedeuten kann. 
Texier kann also bei seinen flüchtigen Zeichnungen noch deut- 
lichere Überreste dieser Emporenbrüstung vor sich gehabt haben. ^) 
Denkt man sich bei seinem Längsschnitt den Kaum über der 
Säulengalerie nach der Tiefe zu offen und die nunmehrige äußere 
Abschlußwand durch drei Fenster durchbrochen, so gewinnt man 
ein richtiges Bild des tatsächlichen baulichen Zustandes. Freilich 
müssen dann auch die Wandpfeiler seiner Säulenbalustrade fallen.-) 
Dagegen scheinen die „jonisch-byzantinischen" Kapitale bei Texier's 
Rekonstruktion an ihrer richtigen Stelle zu sitzen. 

Die äußere, heute zerstörte Abschlußmauer dieser mittleren 
Empore muß einst drei Fenster besessen haben, da jedesmal die eine 
hohe Wange des nördlichen und südlichen Fensters noch vorhanden 
ist, diese aber immer genau in den Achsen der Unterfenster liegt. 
Zwischen ihnen entsprach ein mittleres Fenster dem Unterfenster resp. 
der seitlichen Eingangstür. Der überhöhte Bogenansatz dieser Ober- 
fenster befindet sich etwas über dem Hauptgesims, welches inwendig 
an allen Wänden, die Ecken verkröpfend, ringsherum läuft. Ein 
tieferes Gesims umzog in Fußhöhe der Emporenöffnungen die Längs- 

^) Zu Verankerungen oder Gegenstreben können jene Löcher über dem 
obersten Gesims nicht gedient haben, da keine Eingänge in den Pfeilerkern sicht- 
bar sind und die Ankereinlager der Quertonne gleich darüber erhalten sind. 

*) Das Fehlen von Fenstern in den TExiER'schen Schildmauern über den 
Säulenarkaden der Empore hat seinen Grund wohl darin, daß zu seiner Zeit die 
entsprechenden Außenmauern des Chorraums schon zusammengebrochen waren. 



Die Kirche von Dere Ahsy 305 

wände, brach jedoch beim Beginn des Chorhalbrundes ab, da es 
durch die Fenster roh durchschnitten worden wäre, welche nahezu 
bis zum Obergesims hinaufreichten. Ein drittes Untergesims liegt in 
den Seitenschiffen und Apsiden unterhalb der Zwickel ihrer Kreuz* 
gewölbe in einer Höhe mit dem Bogenauflager der Durchgänge. 
Dasselbe ist auch in gleicher Weise im Obergeschoß herumgeführt.^) 
Unter der mittleren Empore setzt jedoch dieses Gesimsband in der 
Mitte des Kuppel- und Wandpfeilers plötzlich an der Stelle ab, wo 
die Löcher für die Verstrebungen noch sichtbar sind. 

Der dreischiffigen Anlage wurde auch ein dreiteiliger Narthex 
vorgelegt, der sich nach dem Mittel- und Seitenschiff je in einem 
hohen und breiten Durchgang, nach dem Exonarthex in fünf 
Türen öffnete. Das Untergesims der Nebenschiffe treffen wir hier 
an der gleichen Stelle, an dem Bogenansatz der Zugänge durch- 
laufend, während es in der Vorhalle fehlt. Der dem Hauptschiff 
entsprechende Raum des Innern Narthex wurde durch drei Kreuz- 
gewölbe und auch der nördliche und südliche Nebenraum durch ein 
gleiches Gewölbe eingedeckt. Während die letztern Wölbungen 
nach der Mitte hin durch Gurtbögen auf schmalen Wandpfeilern 
abgetrennt sind, entbehren die mittleren Kreuzgewölbe eines solchen 
Zwischengliedes, Das Obergeschoß, das als Westempore diente, trug 
eine Tonne auf Gurtbögen und öffnete sich nach dem Naos in drei 
Arkaden vermutlich zwischen zwei Säulen.-) Ich konnte bei dem 
jetzigen Zustand des Gemäuers über der Haupttür nichts mehr er- 
kennen, wie ich überhaupt keine Reste von Säulen oder Kapitalen 
in und um die Kirche herum gefunden habe. Hohe Durchgänge 
führten von den Seitenräumen der Westempore zu den obern Neben- 
schiffen. Querschiffartig setzte sich der Esonarthex seitlich in 
Treppentürmen von quadratischer Grundlage fort, die mit den Um- 
fassungsmauern der Kirche im Verband errichtet wurden und außen 
durch Wandpilaster gegliedert sind. AsjTnmetrisch liegen die Zu- 
gänge von dem Innern Narthex zu den Treppen in der Diagonale des 
ersteren, nicht in gleicher Achse wie die Zeichnung bei Texiee und 
Spratt vermuten lassen. Der größte Teil der südlichen Anlage ist 
bis auf den Schutt herab zusammengebrochen.^) Der nördliche Turm 
ist dagegen fast noch bis zur Höhe der Narthexobermauem vorzüglich 

*) Die Zeichnung der Geaimsprofile hei Wi;lff p. 73, Fig. 17. 

^) »So Wulff nach Andeutungen in Niemann's Skizzenbuch p. 69. 

'') Wohl war dieser Treppenturin schon zur Zeit, als Spratt und Forbes 
die Kirche besuchten, zUBUinmengestürzt, weil sie ihn mehrfach durchbrochen 
zeigen. L. c. p. 105. 

Rott, Kleiuasiatische Denkmäler. 20 



306 Die Kirche von Dere Ahsy 

erhalten.*) Zwischen den ümfassungswänden und einem rechteckigen 
starken Mauerkern, der beim Südturm am besten erhalten, beim 
nördlichen zerstört ist, lief eine Treppe auf einem schiefen Tonnen- 
gewölbe in vier Windungen bis zur Höhe der Westempore hinauf 
und führte durch eine Tür in den Oberraum des innern Narthex. 
Am Ende der Treppen lag eine Holzdecke, deren Balkenlöcher im 
Nordturm noch deutlich zu sehen sind, während das Obergeschoß der 
Treppen türme, wie der nördliche zeigt, mit einer Tonne quer zur 
Kirchenachse schloß. Der Unterstock war durch ein östliches, der 
obere Treppengang durch ein nördliches und südliches Fenster erhellt. 

Der Exonarthex vor der innern Vorhalle gliedert sich ent- 
sprechend der Dreiteilung des Naos in einen kreuzgewölbten Mittel- 
räum, der durch seitliche Durchgänge von den Nebenräumen ge- 
trennt ist. Diese Kammern sind durch Quer-, die Zwischenräume 
durch Längstonnen eingedeckt, und um den Haupteingang hervor- 
zuheben, treten die beiden mittleren Fassadenpfeiler noch über die 
Wandflucht heraus. Der äußerste rechte Pfeiler und die ganze 
einstige Obermauer des Exonarthex sind heute eingestürzt, riesige 
Trümmer liegen vor den Westeingängen. Daß ein Obergeschoß 
hier vorhanden war, ist fraglos. Die Streben der nördlichen und 
südlichen Fassadenpfeiler wie die Kämpf ergesimse hoch oben in der 
Narthexwand beweisen die ehemalige Existenz eines obern Stock- 
werkes, das wohl gleich der Westempore durch eine Quertonne ge- 
wölbt war. Ein eingeschossiger Exonarthex würde den Eindruck 
des auf monumentale Höhe und Breite berechneten Baues durch 
seine Niedrigkeit sehr beeinträchtigt haben. Außerdem machen die 
Durchbrechungen der Obermauer zwischen Exo- und Esonarthex 
trotz der teil weisen Zerstörung ihrer Pfeiler eher den Eindruck 
von verbindenden Durchgängen als von ehemaligen Oberfenstern 
der Westempore. 

Die Wölbungen im Innern des Naos sind aus Ziegeln herge- 
stellt und zwar die nach Osten, Süden und Norden laufenden 
Tonnen aus zwei Beihen senkrecht gestellter, zwischen die eine 
horizontale Ziegelschicht eingebunden wurde. Die östliche Tonnen- 
abdeckung weist eine Stärke von zwei ganzen und einem halben 
Ziegel auf, die beständig im Wechsel senkrecht gemauert wurden. 
Über der Durchschneid ung der Längs- und Quertonnen leiten Penden- 
tifs in der Weise in den Kreis der Kuppel über, daß man die 
Ziegel treppenartig vorkragen ließ. Ein steinernes Gesims, von 

^) Texier's Zeichnung in seinem Aufriß ist Phantasie. 



308 Die Kirche von Dere Ahsy 

dem noch kärgliche Reste erhalten sind, markierte diesen Übergang 
zur Kuppel, deren Durchmesser 8,70 m beträgt.^) Gleich darüber 
hört auch heute die Wölbung schon aut Nur außen erhebt sie 
sich etwa einen Meter noch aus dem umgebenden Mauerwerk heraus 
und schloß als achtseitiger Mantel.-) Mit dieser Seitenzahl würden 
auch die acht Fenster stimmen, die Texter in seiner Eekonstruktion 
angegeben hat. Ich möchte die Kuppel nach Analogie des südlichen 
Oktogons wiederherstellen und gleich wie an diesem äußere Strebe- 
pfeiler als Widerlager der Ummantelung annehmen. Vielleicht sind 
die abgeschrägten Streben, von denen Texier hier spricht, auf solche 
Außenstützen zurückzuführen. Im Innern scheint die Annahme einer 
flachen Gewölbekuppel nach den vorhandenen Resten und ihrem 
Neigungswinkel sehr wahrscheinlich. 

Die Längsmauern der Kirche sind außen durch sechs Wand- 
pfeiler gegliedert, die den Gegendruck der innem Gurtbögen auf- 
fangen und ungegliedert von unten bis oben durchgehen. Dazwischen 
durchbrechen je fünf Fenster (immer eins über der Durchgangstür 
zu den Anbauten) und je zwei Türen die untere Wandflucht Die 
letztern führen teils ins Freie, teils in die seitlichen Oktogone. In 
der Obermauer saßen, wie wir bereits nachgewiesen haben, ent- 
sprechend sechs Fenster. Die westliche Tür der Nordwand hatte 
einen kleinen Vorbau, von dem jedoch nur noch die im Verband 
gemauerten Ansätze erhalten sind. Die Tür in der Mitte der Süd- 
wand ist im Verhältnis zu den sie flankierenden Fenstern und 
übrigen Eingängen sehr niedrig; allerdings müssen wir die Masse 
von Schutt in Rechnung ziehen, der sich in und um die Kirche her 
aufgehäuft hat. Spuren einstiger Türumrahmungen oder Verschlüsse 
habe ich nirgends, auch nicht bei den Zugängen der Westseite fest- 
stellen können. 

AVas das Material betrifft, so sind sämtliche Bogen, Wölbungen 
und Nischen aus Ziegel, alles übrige aus glatt behauenen Bruch- 
steinen hergestellt, die in gewissem Abstände, namentlich bei den 
Ansätzen der Fensterbogen, mit Schichten von 4— 6 reihigen Ziegel- 
streifen binderartig durchsetzt sind und so das Äußere malerisch be- 
leben, das sonst einen recht unerfreulichen Eindruck machen würde.-') 

^) Hosios Lucas iiiilit nur 8,10 in in der Kuppel weite, Daphni 7,85 m, und 
Nea Moni 7,80 m. 

-) Leider ist heute das obere Dach der Kirche aucli von dem Mutigsten 
nicht zu erklettern, und eine I^eiter herbeizuschaffen war unmöglich. 

■^ Die Arkadt'nbogen des mittleren Querraums waren aus Quader-Keilsteinen 
errichtet, wms jiuch wieder für die Annahme der Säulen an dieser Stelle spricht. 



310 Die Kirche von Dere Ahsy 

An der Frontseite sind die friesartigen Ziegelschichten in gleicher 
Höhe regelmäßig durchgeführt.*) Auch zwischendrin wurden ein- 
zelne Schichten oder einfache Ziegelreihen eingebunden. Die Kalk- 
steine, die in allernächster Nähe gebrochen wurden, sind mit dem 
vorzüglichen Mörtel zu einem eisernen Kitt verwachsen. Nur 
diesem Bindemittel, das mit dem feinen Kies des nahen Flusses ver- 
mischt wurde, ist die leidliche Erhaltung des Bauwerks zu danken. 
Inwendig wie auswendig waren die Mauern durch einen Kalkmörtel 
verputzt, dem kleine zerstoßene Ziegelbrocken reichlich beigemischt 
wurden. Der Bewurf ist heute größtenteils abgefallen. Phantasie 
ist jedoch wiederum Texier's Behauptung von einem Belag der 
Wände mit Marmorplatten, von denen er selbst sagt, daß sie ver- 
schwunden seien.-) Ich wüßte auch nicht, woher der Marmor in 
dieser Gegend kommen sollte und wozu der Luxus in einer Kirche 
entfaltet worden wäre, die zum gemeinschaftlichen Gebrauch von 
ein paar weltabgeschiedenen Dörfern gedient hat. 

An den Archivolten der Vorhalle, an den Fensterbogen wie 
an den Längs- und Quertonnen des Innern bemerken wir eine Keihe 
von Löchern, in denen die Balkenenden der Verankerungen und 
Verstrebungen stecken. Ein schAvarzverkohlter Holzanker ist noch 
im hohen Chorfenster teilweise erhalten. Diese Durchsetzung und 
Verspannung der Mauern mit Streckbalken sowohl zum Schutz gegen 
Erschütterungen wie zu größerer Stabilität ist ein im Orient be- 
liebtes Verfahren.^) Eine so ängstliche Bauweise, wie sie sich aber 
hier in Dere Ahsy in Anwendung der vielen Anker bekundet, beweist 
klar genug, wie man längst die alte Bautradition und mit ihr die 
Sicherheit und das Schönheitsgefühl im einzelnen verloren hatte. 
Trefflich ist indessen die räumliche Gliederung und die Überwölbung 
des Innern durchgeführt.*) 

Tonnengewölbte Gänge führten aus den Nebenschiffen zu okto- 
gonalen Anbauten, die in ungleichen Achsen zur Kirche liegen. 



^) Die Ziegel stehen zu dem Mörtel wie 1 : 1 und 1 : 2 sowohl beim Haupt- 
bau wie bei den Anbauten, ein deutlicher Fingerzeig für das jüngere Alter der 
Kirchenanlage. 

*) Texier-Püllan , L'Architecture Byzantine p. 183: »Les murs etaient 
revetus de dalles de marbre, qui ont disparu.*' — Auch seine Angabe, dafi die 
Aufienmauern der Hagia Sophia in Salonik mit Marmorplatten belegt gewesen 
waren, hat keine Bestätigung gefunden. Wulff, Die Koimesiskirche p. 43. 

^) Choisy, L'art de bätir chez les Byzantins p. 1157. 

*) Die Löcher der Verankerungen sind nicht zu verwechseln mit denen der 
Gerüsthölzer, die allenthalben sichtbar sind, nachdem der Bewurf von den 
Wänden abgefallen ist. 



Die Kirche von Dere Ahsy 31 1 

Textes hat sie in seiner liederlichen Art sowohl innen wie außen 
als regelmäßige Achtecke gezeichnet. Zwar sind die Korridore 
nicht im Verband mit den Umfassungsinanem der Basilika auf- 
geführt, doch stammen diese Bauten aas derselben Zeit und wurden 
gleichzeitig rölt dem Hauptbau errichtet, wofür ein Blick auf Tech- 
nik und Material genügt. Der Grund, warum das linke Oktogou 
weiter nach Westen ge- 
baut ist, liegt wohl 
in einer großen recht- 
eckigen Anlage, die von 
Norden her senkrecht 
auf die Apsis der Kirche 
zuläuft und zweifellos 
altem Datums ist. Die- 
sem Hindernis wurde 
Rechnung getragen, in- 
dem man jenes Okto- 
gon aus der Querachse 
rückte. 

Dem nördlichen Ok- 
togon, dessen Grundriß 
der Plan angibt, liegt 
im Innern ein Kreis zu 
Grunde mit abwech- 
selnd runden und recht- 
winkligen Nischen. Die 
Ostseite ist einer Apsis 
wegen hinausgeschoben 
und schließt außen in 
einer eigenartigen,drei- 

seitigen Ummantelung Abb, m. dm inn.™ d« räduehm okiogon« 

ab.') In den Diagonal- ™D.™Ah.,. 

Seiten, den Flachnischen entsprechend, sitzen doppelt abgestufte 
Schlitzfenster, die von einem Segmentbogen überdeckt sind, Biend- 
nischen zieren in den Achsen bei gleicher Höhe die Mauern. Inwendig 
läuft da, wo die überhöhte Halbkuppel der Wandnischen aufliegt, ein 
verkröpfendes Gesims hemm, das aus einfachem Profil mit Schmiege 
besteht. Gleich über den Scheitelbogen der Nischen, 1 m über den 

') Die Choneite ist bei beiden Oklogonen heute zerstört, »o dafi ich fa»t 
einen Meter tief graben laisen mußte, um auf die Fundameote zu gelangen. 




312 Die Kirche von Dere Ahsy 

äußern Blendnischen und Fenstern ist das Auflager für die flache 
Kuppel, von der jedoch heute nur noch die Anfänge vorhanden sind. 
Über der äußern niedrigen Apsiswand geht das unregelmäßige Oktogon 
im Schnitt zum i-egelmäßigen Achteck über. Der durch den schmalen 
Gang mit der Kirche in Verbindung stehende Kaum war also nur 
dürftig erhellt und einst bemalt, da innen wie außen, namentlich in 
den Nischen sich noch Stuck mit Farbspuren findet. In den Feldern 
zwischen den Nischenbogen sieht man heute die Löcher für die Gerüst- 
balken, auf denen die Bretterverschalung für das Gußgewölbe ruhte. 
Wenn auch im Grundriß dem nördlichen Oktogon gleich, so ist 
der südliche Anbau im einzelnen noch mehr gegliedert (Abb. 113 — 115). 
Die rechtwinkligen und runden Wandnischen des Innern, die hier in 

umgekehrter Weise angeordnet sind, öffnen sich 
nach außen in großen Fenstern (2,30 m) resp. 
Türen. An ihrem Bogenansatz läuft ein ver- 
kröpfendes Gesims von gleichem Schnitte wie 
im Nordbau ringsherum und kragt 0,15 m aus 
der Kundwand heraus.^) Außer dem Zugang 
von der Kirche her haben wir hier eine Tür 
Abb. 115. Durchichnitt jß jer Westscite mit einem kleinen tonnen- 

darch das Knppelaoflager 

des südoktogoM Ton Dere gewölbtcu Vorbau. ^ ^^ der Oberwand über 

den untern Öffnungen sehen wir in der Längs- 
und Querachse drei von Blendbogen überspannte Kundfenster, welche 
die innem ebenfalls stark überhöhten Rundbogennischen durch- 
brechen, in den Diagonalen dagegen wieder abgestufte, rundbogigö 
Blendnischen. Über den Scheiteln dieser obern Nischen und Rund- 
fenster und der Koncha der Apsis beginnt der zwölfseitige Mantel 
der Kuppel, die im Innern fast unmittelbar über den Wandnischen 
ohne Zwischenglied ansetzend, sich in zwölf ähnlichen Nischen kranz- 
artig gliedert und zwischen diesen ebensoviele tragende Rippen 
bildet. '0 Dieser obere Kranz ist wieder von rundbogigen Fenstern 
durchbrochen, die an den Außenseiten der Kuppelummauerung von 
Strebepfeilern und Rundbogen eingerahmt werden. Die Pfeiler dienen 
dabei als Widerlager für den Seitenschub der Kuppel, deren oberster 
Teil (die Kalotte) bis zum Scheitel ihrer Nischen abgestürzt ist 

') Diese untern Wandnischen messen über dem Schutt bis zu ihrem Scheitel 
4,50 m. 

') Es ist keine Apsis gewesen, da die obersten Ansätze des abgestürzten 
Mauerwerks um vieles tiefer liegen als die Koncha der Ostapsis. 

^) Vgl. den Durchschnitt in Abb. 115, dessen Durchmesser im Verhältnis zum 
Rirchenplan etwas größer genommen ist. 



Die Kirche von Dere Ahsy 313 

Der ganze Mantel war durch Holzbalken verankert, welche auch 
äußerlich durch sämtliche Oberfenster sich hindurchzogen, und deren 
schwarzes Holz noch teilweise in den klaffenden Löchern drin steckt. 
Hoher Schutt und Gewölbebrocken bedecken das Innere, so daß die 
Sohlbank der meisten Unterfenster unter ihm begraben ist. Der 
Unterbau besteht größtenteils aus Bruchstein mit Verwendung von 
reichlichem Mörtel und friesartigen Ziegelstreifen in Höhe der 
Fensterbank und der Bogenansätze. Aus Backstein ist dagegen der 
ganze Kuppelmantel errichtet, die Blend- und Wandnischen und 
sämtliche Fensterabschlüsse. 

Die beiden Oktogonalbauten haben ihre nächsten Analogien 
bereits im Jupitertempel zu Spalato, dann in den Anbauten von 
San Lorenzo, in den Baptisterien von Albegna an der Riviera di 
Ponente, in Novara und Parenzo.^) Durch die Kuppelbildung wie 
den äußern Abschluß der Apsis stehen die Oktogone von Dere Ahsy 
wohl einzig in der Geschichte der Architektur da, so daß Texier 
schon Recht behält, wenn er meint: „C'est peut-etre le seul exemple 
d'une construction de ce genre, qui reste des temps byzantins."-) 
Wegen der Betonung des Liturgischen in den Apsiden bin ich ge- 
neigt, im südlichen Oktogon allenfalls ein Baptisterium, im nörd- 
lichen dagegen wegen seiner Abgeschlossenheit und mangelhaften 
Belichtung ein Martyrion zu erkennen. Ein Skeuophylakion ist 
jedenfalls ausgeschlossen. 

Betrachte ich das ganze Bauwerk in seiner klassischen Gliede- 
rung und seiner dürftigen Ausführung, dann komme ich zu dem 
Schluß, daß ein untergegangener oder umgewandelter Prototyp der 
Hauptstadt dem Erbauer dieser Kirche vorgelegen hat, dessen Ab- 
leger noch daselbst in der Panachrantos (Eklissia Djamisi) und der 
Eski Imaret Djamisi (Pantepopte) erhalten sind.'0 Auch den Archi- 
tekten möchte ich in Konstantinopel oder Salonik suchen, da ein so 
schwaches Erzeugnis wie die jüngere, etwa gleichzeitige Kirche des 



^) Die GruDdrisse bei Dehio u. Bezüld , Die kirchliche Baukunst Band I 
Tafel III, 1. 5. XIV, 3. XVI, 10 u. Text p. 25. Nuovo bulletino di arch. christ. 
1896 Tafel III. Verwandte Anlagen gibt es viele. 

*) Texier-Pullan, L*Architecture Byzanline p. 183. 

') PcLGHER, Les anciennes eglises byz. de Constantinople p. 26 f. PI. XL 
XIII. — Paspates, Bv^avrivat utXerai, p. 313f. Weiter käme in Betracht die 
Klemenskirche von Angoni, die eine genaue Aufnahme verdiente (vgL Wulff, 
Die Roimesiskirche von Nieäa) und die Theotokos in Konstant. Dehio-Bezold 
XIII, 3. p. 48. — Auch RivoiRA, Le origüü deH'arch. Lomb. p. 192. 300. — Richter, 
Quellen zur byz. Kunstgeseh. p. 239. — Bayet, L'art byz. p. 136. 



314 Die Kuineo von Dere Ahsy 

unfernen Aladja kaum verleiten kann, beim Bau von Dere Ahsy an 
einen Eingeborenen zu denken. 

Keine Inschrift und keine großem Kuinen sind in der Umgebung 
wie in dem ganzen Cassabatal gefunden worden, ein Beweis, daß 
dieses Hinterland bis ins späte Altertum der Kultur verschlossen 
war. Nur die Not kann die Umwohner veranlaßt haben, größere An- 
siedlungen hier zu gründen. In den letzten Dezennien des VII. Jahr- 
hunderts überzogen die Araber die Südküste Kleinasiens mit Feuer 
und Schwert, die Bewohner von Myra, Antiphellus und Sura werden 
gezwungen, in diesem sichern Tal Schutz und neue Wohnungen zu 
suchen. Kleine bäuerliche Komen haben sich hier, wie die späten 
Ruinenreste beweisen, auf den Hügeln ringsum (wie in der antiken 
Demenverfassung) gebildet, die sich schließlich auch ein gemeinsames 
Gotteshaus erbauten, vielleicht als Ersatz für die Hauptkirche der 
verheerten Metropolis Myra. Die Erbauung der Kirche von Dere 
Ahsy im Cassabatal setze ich deshalb aus historischen und archi- 
tektonischen Gründen an die Wende des VIII. Jahrhunderts, wie 
an seiner Stelle noch weiter ausgeführt werden wird. Vielleicht ist 
auch hier einer jener Bischofsitze zu suchen, die in byzantinischer 
Zeit ziemlich zahlreich in der Eparchie Lykien gegründet wurden.^) 
Tiefes historisches Dunkel lagert einstweilen über dieser Stätte, von 
der der Forscher im Angesicht einer alpinen Hochlaudsszenerie und 
wildester Natureinsamkeit ungern scheidet.'^) (Siehe den Lichtdruck 

auf dem Titelblatt.) 

Über die Gebäudereste namentlich im Westen und Norden der 
Kirche können nur Ausgrabungen weitere Aufschlüsse geben, nament- 
lich über eine rechteckige Anlage mit großer Fassadenwand im 
Südwesten. Auch die steile Felsenhöhe über dem Talwinkel des 
Dembre soll noch ansehnliche Eeste aus byzantinischer Zeit auf- 
weisen. Schöne antike Grabdenkmäler sind in die steilen Berg- 
wände am Eingang der Schlucht eingehauen und schier unersteiglich. 
Während meiner zweieinhalbtägigen Arbeit an der Basilika von 
Dere Ahsy war mein Begleiter nach Ernes geritten und hatte die 
dortigen Ruinen untersucht, wo Texier von einer großen Kirche 



^) ^^S^' ^6° Aufsatz E. Kalinka's, Zur historischeu Topographie Lyciens, in 
der Festschrift für Heiurich Kiepert p. 159f. 169 f. Wir kÖDueu an Namen 
denken wie Hagiodoulon, Skomnon oder Hagias, Eudocia, Romestauros, Marciane 
und Mastaura, die bei Hierokles und den Notit. episc. erwähnt sind. 

2) Texier-Pullan 1. c. p. 183 bedauert schon zu seiner Zeit den gänzlichen 
Mangel an historischeu Anhaltspunkten: „Ce sont des lacunes qui restent k com- 
bler dans l'histoire des temps chretiens de ces provinces.* 



Der Marsch durchs Dembretal 315 

spricht') Da bei seiner Rückkehr am dritten Tag die onanfhörlicheD 
R^en drohten, uns den Talweg zu versperren, verließen wir alsbald 
Bere Ahsy, dessen UmgebiiDg aUmorgentlicb von Wildschweinen völlig 
durchwühlt war und wo im Winter hungrige Wölfe heulen. 

Wie ein ungeheurer Riß klafft der Durchbrach des alten Myros 
zwischen dem Äladjadagh und dem Dembreplatean. Im Sommer 
muß es ein Genuß sein, diese tiefe Schlucht zu durchwandera, wenn 
Lorbeergebüsch die schaurigen Felsabhänge beschattet und auf den 
Fiumaren der Talsohle Wälder von Oleander blühen. Im Winter 



Abb. HS. Klribannioe von MuikuT. 

hingegen, wenn Hochwasser das Flußbett bedeckt, muß jeder Ver- 
kehr aufhören. Diesen einzig möglichen Weg zog jetzt unser Troß 
hinab nach Myra. Es wurde völlig Nacht, als die schwarzen Wolken 
nun nach wenig Stunden vom Meer her sich durch das enge Tal 
heraufwälzten. Von oben goß der Himmel, von hinten schwoll der 
Fluß immer heftiger an und bedeckte allmählich auch die Kies- 
bänke, die den Weg für Mensch und Tier bilden. Spät in der 
Nacht, nachdem wir 32 mal den Myros dnrchfurtet hatten, retteten 
wir uns auf einen schmalen Ufersaum, wo ein paar ärmliche Hütten 
vor der jähen Felswand standen. Es war höchste Zeit. Als wir 



') Sf in Bericht durUber ob^n p. 74 u. 75. 



316 Kirchenruine von Muskar 

am Morgen Wnausblickten, schäumte das kaum 150 m breite Tal 
wie ein einziger Strudel, in dem Bäume, Felsen und Tiere abwärts 
trieben. Drei lange Tage waren sieben Menschen, vier Pferde und 
zwei Esel in einer einzigen kleinen Lehmhütte zusammengepfercht, 
im qualmenden Rauch des Kamins und von schrecklichem Durst ge- 
plagt, da alles Wasser ungenießbar war und wir bald die Folgen des 
schmutzigen Flußwassers verspürten. Des Nachts brüllten die Kühe, 
Schafe und Ziegen zu den Läden und gar zum Schornstein ihres 
angestammten Heims hinein und schließlich löste sich auch die 
Lehmdecke in Wohlgefallen auf.') Am dritten Tage, als die Vorräte 
eben zu Ende gingen, fiel glücklicherweise das Wasser. Ich kletterte 
mit meinem treuen Diener und einem Führer an einer schier un- 
ersteiglichen Felswand empor, um den Weg nach Muskar zu ge- 
winnen, während mein Begleiter unter Lebensgefahr den Dembre 
bei Myra durchfurtete und nach dem Kloster des H. Nikolaus eilte, 
um Herberge für die nächsten Tage zu bestellen. In einer förm- 
lichen Dragonade erzwang ich mir in dem elenden, hochgelegenen 
Gebirgsdörfchen Muskar Lebensmittel und nächtliche Unterkunft in 
einem Schuppen. An einem Feuerlein durchwachten wir die Nacht, 
während ein schauriger Nordwind die Schneeflocken hereintrieb. 

Dafür mußte am nächsten Morgen die Ruine einer Kirche 
trösten, von der nur der Chor noch aufrecht stand.-) Es war eine 
dreischiffige, südöstlich orientierte Basilika mit einem Querschiff, 
dessen nördlicher Arm in einer Apside endigte, während beim Südarm 
ohne Ausgrabung nichts sicheres angegeben werden kann (Abb. 116). 
Doch scheint auch er apsidial abgeschlossen zu haben, wie mir die 
östlichen älteren Teile überhaupt den Eindruck eines Martyrions 
machten. Von der südlichen Langmauer steht ein Wandstück noch 
wenige Meter aufrecht, das einer Jüngern Epoche angehört, da ältere 
Werk- und Inschriftsstücke hineinverbaut sind. Das QuerschifE war 
höchstwahrscheinlich flach gedeckt und wurde von je einem Unter- 
und Oberfenster von Osten her erhellt. Die westlichen Mauern der 
Kirche sind völlig verschüttet. Ein schönes Gesims läuft inwendig 
am Chor und an den seitlichen Flügelmauern herum. ■^) Es besteht aus 



^) Szenen wie sie Benndorf-Niemank io ihrem Reisewerk 1, 133 mitteilen, 
habeo wir auf unsern Reisen öfters durchlebt. Schilderungen unserer derartigen 
Erlebnisse haben jedoch für die, welche nicht gleiches im Herzen Kleinasiens 
erduldet hüben, keinen Zweck. Für die wenigen „Wissenden** sind sie allein 
verständlich, für sie aber überflüssig. 

*) Nur erwähnt bei Petersen-Luschan, Reisen in Lycien II, 40. 

^) Aufnahme des Gesimsbandes allein im andern Heft. 



KirehenniiDe von Nfiukar 317 

Perlschnar , Kranzgewinde , schai'fgeschnitteneD Akanthusblättem 
und einem schippenartigen Muster, alles in tiefer Ansarbeitnng und 
auf Scbattenwirkung berechnet. In bestimmten Abständen sind 



scliiine gi'iechisclie Kreuze in perlenbesetzteu lledaillons angebracht. 
Die feine, scharfe Technik in dem marmorweißen Kalkstein ist die- 
selbe wie bei der gleich zu besj)rechenilen Kirche der Aladja Jaila, 



318 



Die Ruinen von Aladja Jaila 



r- 



H 

r-i 



Der Chor selbst, im Grundriß ein Halbkreis, endet außen dreiseitig 
mit vier Fenstern, die im Hufeisenbogen schließen. Auf der aus harten 
Kalksteinen errichteten Chormauer sind noch Spuren von hochroter, 
blauer, grüner und hellgelber Farbe auf feinem Stuck sichtbar. Die 
Ecken wurden mit Quadersteinen, alles übrige mit kleinen Hackelsteinen 
und einem vorzüglichen Kalkmörtel hergestellt. Die Kapitale der vielen 
umherliegenden Säulenstücke tragen als Ornament reihenweis tief 

ausgehauenen Akanthus 
mit den schon erwähnten 
schönen Kreuzreliefs auf 
der Deckplatte. 

Über schneebedeckte 
Berge und durch tiefe 
Täler zogen wir am 
nächsten Tag nach der 
Aladja Jaila hinauf. 
Dort, wo wir in die 
Schlucht eintraten, wel- 
che stundenweit sich vom 
Meer, das man hier durch 
eine Spalte hindurchleuchten sieht, 
heraufzieht, beginnen die Ruinen 
einer antiken Stadt, die weit ins 
Mittelalter herein bestanden ha- 
ben muß, ja ein sicheres Asyl zur 
Zeit der Sarazeneneinfälle ge- 
wesen zu sein scheint. Die Stätte 
ist sehr unzugänglich und schwer 
auffindbar, daher bis jetzt noch 
gar nicht erforscht. Auf allen 
Höhen ringsum liegt eine Unmasse 
von Grabbauten, aus dem Mutter- 
stein gehauen, Ruinen von Be- 
festigungen und ansehnliche Wohnbauten. 

Am Nordostausgange dieser Stadt trafen wir eine altchristliche 
Kirchenanlage, die von der östreichischen Expedition in den acht- 
ziger Jahren nur flüchtig aufgenommen wurde. Von hier scheint 
ein alter Paßweg über das Plateau des Aladjadagh nach Arycanda 
und Adalia weiter geführt zu haben (Abb. 117). 

In der Aladjakisle haben wir einen Bau aus frühchristlicher 
Zeit und einen großen spätem Umbau aus dem IX. Jahrhundert vor 




Abb. 118. Kirchenanlage 
zu Aladja Jaila. 



uns (Abb. 118). Der altern Periode gehiirt die südliche Grabkapelle 
und ein Teil der Vorhalle an der Hauptkircbe an. Technik und orna- 
mentale Behandlung der Schmuckteile ergeben den sichern Beweis, 
daß die ältere Kirche und die Grabkapelle derselben Bauzeit, dem 



320 Die Grabkapelle auf der Aladja Jaila 

V. Jahrhundert angehören. Die letztere ist ein vom QuerschifE 
durchschnittener einschiffiger Raum. Auch seitlich des Bemas b'egen 
in der Breitenausdehnung des Querraums Kammern von quadra- 
tischem Grundriß, die von flachen Kuppeln gedeckt sind und von 
einem kleinen Schlitzfenster Licht erhalten. Durch zierlich ge- 
schnittene Türen, in deren gradem Sturz ein schönes Kreuz im 
Kranz eingemeißelt ist, sind sie mit dem Hauptraum zugänglich ge- 
macht. Die Tonnenwölbung des Querschiffs ist im nördlichen Flügel 
noch in Ansätzen erhalten, nach Werkstücken im Mittelraum zu 
schließen muß die Vierung durch eine Kuppel aus glatten Quadern 
gewölbt gewesen sein. Die vier schwachen Eckpilaster darunter 
tragen ein hübsches Kapital von dreireihigem Akanthus. Der über 
die Wandflucht der Kammern südöstlich hinaustretende Chor endet 
außen rechtwinklig, im Innern ist er im verkürzten Halbrund an- 
gelegt. Die Westseite der Grabkapelle ist später in schlechterem 
Material restauriert resp. erweitert worden und liegt heute ganz 
unter Schutt und Trümmern begraben.*) Von einem Taufstein ist 
im Innern keine Spur zu sehen. Was im östreichischen Eeisewerk 
als solcher erwähnt wird, war der Brunnenaufsatz über einer Zisterne 
wenige Schritte südlich von der Kapelle. Es ist ein ausgehöhlter 
prismatischer Quader mit einem Kreuzrelief im Kreis an der Vorder- 
und einem Kranz an der Eückseite. Ich zählte allein fünf solcher 
Zisternenanlagen auf dem Areal der Kirchen, die wohl alle in frühern 
Zeiten durch einen Puteus abgedeckt waren. Selten sah ich an einem 
frühchristlichen Bau eine so treffliche Fügung der marmorweißen, 
mäßigen Kalksteinquader, die geglättet und in parallelen Lagerfugen 
haarscharf versetzt sind. Spuren von Farbe in den Chorkammern 
lassen auf eine Bemalung der Kapelle schließen. 

An dieses Heiligtum stößt in gleicher Ausrichtung eine drei- 
schiffige Pfeilerbasilika, die Kirche des Erzengels Gabriel, deren rund- 
bogiger Chor dreiseitig ummauert ist (Abb. 119). Bis auf die Vorhalle 
ist diese Anlage, wohl auf den Fundamenten der altem Kirche, mit 
reichlicher Benutzung ihrer A\'erkstücke im Jahre 812 errichtet worden. 
Die bereits veröffentlichte, aber von mir nochmals nachgeprüfte In- 
schrift auf einem Pfeiler links von der Eingangstür lautet: 

+ 'EyivBTo ra iyxaiv[i]a tov navöinrov v[a\ov xoi üyiov 
ag^^ayyikov Faß^uß^ ^{V'^i) Maito ß' ivd{iXTiwvog) e' irovg 
&7id xtiöBOjg xoa^ov grx' 4- 

^) Die UmriÜzeichnung im Plan nach Westen hin nach der Größenangabe 
von Nif.mann's Skizze bei Stkzygowski, Kleinasien p. 139 Abb. 105. 



322 Die KirchenruiDe des Erzengels Michael auf der Aladja Jaila 

Auffallend ist, daß die Kirche nicht der Panagia, der Trias 
oder den beliebten Heiligen geweiht ist. Es erklärt sich dies daraus, 
daß die Nebenkirche ihren Patron hatte, eben seine Gebeine. Denn 
mit einem Baptisterium hat die Grabkapelle nach ihrer Anlage 
nichts zu tun. Von der Hauptkirche steht nur die hohe Obermauer 
über den nördlichen Pfeilerarkaden samt den Oberfenstern noch auf- 
recht. Sechs rundbogige Fenster entsprechen den sieben untern 
Durchgängen, über ihnen lag eine flache Holzdecke, während die 
Nebenschiffe wie an den Balkenlöchern der Nordseite deutlich zu 
sehen ist, durch Pultdächer gedeckt waren. Zu dem Gesimsband 
über den Pfeilern, wie zu den Kapitalen dieser Stützen verwandte 
man die Werkstücke der Kirche des V. Jahrhunderts, die in roher 
Weise zurechtgehauen und zusammengestückt wurden. Daher sehen 
wir noch schöne Kreuzreliefs in dem reich profilierten Zahnschnitt- 
gesimse. Auch sonst wurden prächtige Zierstücke zur Füllung der 
aus Bruchsteinen in lässiger Weise hergestellten Mauern rücksichtslos 
verwertet. 

In der Vorhalle finden wir die Reste des ersten Bauwerks an 
ihrer Stelle, prächtige Türgewände und Gebälkstücke auf den ur- 
sprünglichen Pfeilern. Der Unterschied von älterem und jüngerem 
ist im Grundplan deutlich hervorgehoben. Aber auch an der Vorhalle 
wurde bei dem spätem Umbau zerstört, indem man den Architrav 
über dem südlichen Durchgang durchbrach und einen Rundbogen auf 
vorgemauerten Pfeilern einsetzte. Die älteren Türwangen tragen als 
Schmuck Perlschnur, einen kranzartigen Wulst und eine Hohlkehle 
mit abwechselnd senkrecht gestelltem Akanthus und Zungenomament. 
Die ähnlichen Muster der prächtigen Architrave, die rings herum 
liegen, weisen außerdem Kreuzreliefs und Vögel an ihrer Stirnseite 
auf (Abb. 120. 121). Ein gewaltiger Türsturz, der an seiner Krönung 
noch den klassischen Eierstab und ein erhabenes Kreuz inmitten 
reicher Ornamentik zeigt, trägt die Inschrift: 

MHYAHTOYK YPIOYAIKAI ? lEICE AE ? ? ONTEENAYTH + 
*H nvkii Tov KvQiov^ Sixai[o]i eiaekelva]opTai iv aity +•') 

Er liegt an der Stelle, wo man die Eingangstür zum Atrium 
suchen möchte, in der Mitte der Kirchenachse.-) Der Vorhof war 
jedenfalls vorhanden, fiel jedoch dem Neubau zum Opfer. Keinesfalls 
aber können die fünf Säulen, von denen vier noch Architrave und 

*) Nach Psalm 118,20. Kommt noch öfters vor, bes. in Syrien. B.Waddino- 
TON, Voyage archdol. III. 1960. — C. I. Gr. IV. 8930—34. — Lucas in der Byz. 
Zeitschrift XIV. 40. Inschr. No. 52. 56—58. 

*) Abb. im nächsten Heft. 



Die Kircbenmine des Erzengels Michael auf der Aladja Jaila 323 

Kapitale tragen und die etwa 80 m entfernt im Nordwesten der Kirche 
aufrecht stehen, in eine Sänlenhalle dieses Atriums etwa einbezogen 
werden, da sie sich ganz außerhalb dieser einstigen Anlage an ihrem 

alten Standort befinden. (Siehe deo Lichtdruck oben p. Ifi.) Wir 

sehen an den in syrischer Art unverjiingten Säulenstämmen mit 
oberem Ring große Kreuze an der Stirnseite mit verlängerter Hasta 
und omamentaler Verzierung an den Knden. Ein Lossagen vom 
antiken Schema bekunden die Kapitale darüber mit ihren wie vom 
Winde bewegten Blättern, die in ihrer feinen Behandlung zum 
schönsten gehörten, was die altehristliclie Kirche geschaffen bat. Auf- 
fallend gemahnen sie an die gleichen Kapitälformen in Sant' Apollinare 
in Classe zu Ravenna, noch mehr an die Sandsteinkapitäle, welche 



sich heute daselbst auf der Piazza Vittorio Emanuele befinden und 
das Monogramm Theodorichs tragen. Nach neuem Vermutungen ge- 
hörten sie der von den Venezianern 1457 zerstörten Kirche S. Andrea 
de' Goti an und wurden bei Umbauten auf der Piazza verwendet') 
Diese wildbewegten Btattformen treten auch in Syrien im V. Jahr- 
hundert auf *) und waren dort bei kirchlichen Bauten ein beliebtes 
Motiv. Der über unsern Säulen liegende Arcliitrav mit tiefer 
Kehlung ist in gewissem Abstand mit schönen Kreuzmedaitlons ge- 
schmückt. Alle Zierteile sind scharf und kräftig aus dem marmor- 
artigen Kalkstein herausgearbeitet und anf tiefe Schattenwirkung 
berechnet. Die Säulenstellung selbst scheint einer Bmnnenanlage 

') Vbnti'bi, Sloria dell'arte italiana I fig. 81. — Gobtz, Raveona p. 87.89 
u. AD>n. iui AiiliuDg. 

-) BvTLEH, in de» Publicalions of an Americao areh. Eiped. to Svria II 
p. i\ u. fig. 19. 



324 VoD der Aladja Jaila bis nach Myra 

anzugehören ; denn heute noch sehen wir vor ihnen eine bassinartige 
und mit Platten ausgelegte Vertiefung, während in der Mitte sich die 
Öffnung für eine tiefe, gewölbte Zisterne befindet, aus der die Hirten 
der Jaila das köstliche Wasser heraufziehen. Hier fand ich auch das 
Stück eines Architravs, an dessen Unterseite eine hübsche Kreuz- 
rosette und eine christliche Inschrift eingemeißelt war. 

Zwischen der Säulenreihe und der Kirche des Erzengels Gabriel 
liegen zwei kuppelgewölbte kleine Bauten aneinander gelehnt, aber 
tief im Schutt begraben. Ohne Aufdeckung ist jede Vermutung über 
ihre einstige Bestimmung jedoch zwecklos, ebenso über die Masse der 
ringsum in Trümmern befindlichen ansehnlichen Bauwerke, die an- 
scheinend alle in näherer Beziehung zur Kirche gestanden haben. 

Die ganze kirchliche Anlage mit ihrer Umgebung verdiente 
wohl im Interesse der frühchristlichen Architektur eine Freilegung 
der Fundamente, die unzweifelhaft mehr Resultate ergeben würde 
als meine eiligen Beobachtungen, die ich in den wenigen mir zu 
Gebote stehenden Stunden machen konnte. Denn stundenweit von 
jeder menschlichen Niederlassung entfernt, dicht unter den Schnee- 
feldem der Jaila, mußte ich drängen, um auf halsbrecherischen 
Pfaden noch vor Einbruch der Nacht das Tal des Dembre zu erreichen 
und den Übergang über den geschwollenen Fluß zu bewerkstelligen, 
da ich keine Lust verspürte, wochenlang von jeder Kommunikation im 
Hochgebirge abgeschnitten zu sein.^) Genug, abends spät saß ich am 
schwelenden Mangal im ärmlichen Nikolauskloster zuMyra; Scharab, 
Jumurta und Schekerli Kachwe entfachten neuen Mut und Schnee- 
wind, Abgründe und Hochwasser lagen weit hinter mir. 

Hochgepriesen sei er, der arme, einzige, geistliche Insasse des 
Klösterleins vom H. Nikolaus. Wenn ihm auch das Hemd aus beiden 
Ellenbogen quoll, sein Herz schlägt warm und treu. Weil er einst 
mit seiner bösen Ehehälfte nicht durchs Leben wandern wollte, hat 
ihn das harte Schicksal in Gestalt des alten kanonischen Rechts an 
dieses unwirtliche Gestade geworfen. Sein Häuslein vor der Kirche 
könnte ein kräftiger Windstoß umwerfen, von der Decke trieft die 
Feuchtigkeit, und durch den fensterlosen Raum hielten die Katzen und 
der Nachtwind ihren ungestörten Einzug. Auch die alte Kirche des 
Heiligen Nikolaus hatte ihrem Patron und den neuen Gästen alle 
Ehre gemacht. Sie stand tief unter Wasser, so daß mir nichts 
übrig blieb, als mit hohen Fischerstiefeln zwei Tage im eisigen 

*) Dort, wo die Wege nach Martyrly und Muskar auf der Paßhöhe sich 
trennen und der herrliche Ausblick aufs Meer sich eröffnet, steht ein kleines, 
gut gebautes Kirchlein mit einer Vorhalle und schön profilierten Türen. 



Das NikolaosklosteT zu Mjtb. 325 

Schlamm und Wasser umherzuwaten, das mir am Grab des HeiligeD 
bis an den Leib stieg. Zwei Verwandte des Pappas halfen während 
dieser Zeit in dem gleichen Kostüm unverdrossen vermessen.') 






Der Fußboden der alten Nikolauskirche liegt nämlich so tief unter 
dem heutigen Niveau, daß man auf einer Treppe zirka 8 m in den 
Vorhof hinabsteigen muß. Im Norden schritt ich zu ebener Erde in 



') Ich habe die Nikolauakirche zweimal vennesBen, da mir Dach der ersten 
AuBzeichnuDg am Abend Texibr'b Plan doch allzu ungeheuerlich vorkam. Er 



326 Zustand der Nikolauskirche von Myra 

die Emporen durch die Oberfenster hinein ; die Kapelle, welche an 
Stelle der abgerissenen Südempore in die Kirche eingebaut wurde, 
macht daher den Eindruck, als wäre sie auf der heutigen Erdober- 
fläche errichtet. Außer Chor, nördlicher Emporenmauer und er- 
neuerten Narthex-Oberwänden ragt also nichts über das gegenwärtige 
Niveau hinaus. Bei Texieb's Besuch lag die ganze Vorhalle, mithin 
der Eingang zur Kirche überhaupt, in Trümmern und Schutt.') 

Deswegen wurde im späten Mittelalter zwischen dem alten 
Nikolauskloster und seiner Basilika eine kleine unansehnliche Kirche 
gebaut, die im Jahre 1738 gemäß einer barbarischen Inschrift über 
ihrer Eingangstür restauriert wurde. Dieselbe Inscription besagt auch, 
daß hier in den letzten Jahrhunderten die angeblichen Gebeine des 
H. Nikolaus ruhten, womit gleichfalls die Angaben älterer Eeisenden 
stimmen.*) Heute ist das Kirchlein ein verwahrloster, ausgeleerter 
Eaum, der als Schuppen für fertige Werkstücke dient, seitdem die 
Russen in den sechziger Jahren begonnen hatten, die halbver- 
schüttete Nikolauskirche daneben zu restaurieren.^) 

Der Elsässer Salzmann aus Rappoltsweiler führte die ersten 
Arbeiten aus : Die Freilegung des gänzlich zugeschwemmten Vorhofs, 
die Erbauung des zerstörten Exonarthex mit der ganzen Empore 
über der Vorhalle und dem Kirchturm über ihr, die Ein Wölbung 
des Hauptschiffes und der Seitenemporen. Da die Russen allzu viel 
Propaganda machten und ringsum das Land ankauften, bewirkte 
die türkische Regierung die Einstellung der Restaurationsarbeiten 
und gibt seitdem vor, die ganze Ebene von Myra in ein kaiser- 
liches Gestüt umwandeln zu wollen. Niemand darf heute mehr ein 
Haus reparieren oder gar ein neues aufbauen lassen. Die Hälfte 
der Wohnungen zu Dembre sind deshalb zusammengebrochen, und 
der Ort macht daher einen jämmerlich kläglichen Eindruck. Der 
schönste verarbeitete Marmor liegt seit einem Menschenalter um 
die Nikolauskirche herum, die Gewölbe fangen an wieder ein- 



hat sich bei der Aufnahme dieser Kirche — sageu wir kurz — eine Fälschung 
zuschulden kommen lassen. 

^) Texier-Pcllan 1. c. p. 185 sagt vom Narthex ausdrücklich: „qui ^tait en 
ruines lorsque nous la yisitämes.*^ 

*) Spbatt und Fobbes, Travels in Lycia I, 126. 

■) Texier-Püllan p. 185 spricht von einer ,chapeUe avec quelques pein- 
tures mddiocres'*. Es kann nur dieses Paraklission sein. — Ein altes, wertvolles 
Bild des H. Nikolaus sah ich drüben in der Hauptkirche von Castelorizo^ das 
die dortigen Griechen aus dieser Nebenkirche von Dembre holten, um es vor 
dem Untergang zu retten. Der jetzige Pappas macht allerhand Anstrengungen, 
dieses Heiligtum wieder an seinen alten Ort zurückzubringen. 



Das alte Myra 327 

zustürzen, und während meiner Untersuchungen drunten in der 
Kirche regnete das Oberwasser förmlich durch die Gewölbedecken, 
so daß ich gezwungen war, unter einem Schirm zu arbeiten. So 
wußte die türkische Regierung es den ortsansässigen Griechen zu 
verleiden, mit den orthodoxen Russen gemeinsame Sache zu machen 
und in ihnen schon die Befreier vom Heidenjoch zu sehen. 

Der armselige Ort Dembre, dessen Namen wahrscheinlich aus 
T(( Mvqu entstanden, ist der letzte Überrest der alten Metropolis 
Myra, wo außer Nikolaus auch der H. Nikander den Märtyrertod 
erlitten haben soll und eine lange Reihe von Erzbischöfen den Ruhm 
der Stadt in christlicher Zeit bekundet.*) Heute liegt das Dörflein 
dreiviertel Stunden vom Meere entfernt, dessen Schwemmboden die 
alten Ruinen Myras viele Meter hoch zugedeckt hat, während zur 
römischen Kaiserzeit die stolzen Wogen des Meeres noch ganz 
nahe brandeten und Paulus hier ein alexandrinisches Schiff be- 
stieg, um nach Rom zu fahren. Stolz aber schauen im Norden die 
alten Grabtempel von den Felswänden hernieder in die wehmütige 
Einsamkeit des Vergehens und Entstehens, dort wo die Lykier 
in ihren steingewordenen Blockhäusern angesichts des rauschen- 
den Meeres ruhen. Wir schütteln staunend das Haupt ob der 
Kraft eines verschwundenen Volkes, wenn wir auf den höchsten 
Stufen des Theaters, einer aufgetürmten steinernen Riesenmasse, 
uns der Betrachtung und wie die grüne Eidechse neben uns dem 
ewigen Strahlenlicht hingeben. Mit seinen gewaltigen Quader- 
blöcken führten die christlichen Myräer eine große Mauer in weitem 
Kreis um ihr Kloster, die bis auf wenige Meter bereits im Schoß 
der ewig jungen Natur begraben liegt. Dieser Raub vermochte 
kaum eine Bresche in den Riesenleib des Theaters zu legen. Ein 
Erdbeben allein konnte das Bühnenhaus mit den Masten seiner 
herrlichen Säulenstämme niederwerfen und es ermöglichen, daß der 
Hirt samt Schafen und Ziegen mit uns über seinen Rücken in die 
Cavea Einzug hält, um daselbst seinen Pferch aufzuschlagen. 

Die Nikolauskirche, welche nun an der Nordseite jenes mauer- 
umschlossenen Klosters liegt, ist eine dreischiffige Basilika, die auch 
den seltneren Namen der Zionskirche führt.-) Erneuert wurde bei 



') Über das Geschichtliche, namentlich die Nikoluusakten und die Ent- 
fuhrung der Gebeine des Heiligen im nächsten Heft — Auch in den Notitiae 
episc wird die Metropole immer Ta Mvga genannt. — Le Qüien, Orlens christianus 
I, 966 zählt 19 Bischöfe von Myra auf. 

') Die Nikolauskirche erwähnt bei Spbatt u. Fobbes, Travels in Ljcia. 
London 1847. I, p. 126 f. — Texieb, Asie Mineure HI, p. 205. 238. PI. 222 u. Texieb- 



328 Die Nikolauskirche zu Myra 

der SALZMANN'schen Restauration, die laut einer Jahreszahl im Eso- 
narthex 1862 ausgeführt wurde: Die Westmauer der äußern Vor- 
halle samt ihrer Wölbung und der Einstellung der Stützen vor die 
Innenwand, femer die Westempore von der Brüstung an, die Langhaus- 
emporen meist schon vom Gesims aufwärts samt der Tonnen- und 
Kreuzgewölbe-Eindeckung des Mittelschiffs und die Halbkuppel des 
Chors. Den Exonarthex ließen die Russen einstöckig und deckten 
seine Kuppelwölbungen mit reichlichem Zement ab. Die Südempore 
wurde zu einer Kapelle ausgebaut, in der gegenwärtig der griechische 
Gottesdienst verrichtet wird. 

In den nichtrestaurierten Teilen der jetzt noch bestehenden 
Kirche haben wir zweifellos den Umbau einer altem Anlage vor 
uns. Dafür spricht die Unregelmäßigkeit der Grundrißverhältnisse, 
namentlich die Hineinbeziehung eines zweiten parallelen Raumes 
neben dem südlichen Seitenschiff, schließlich aber auch die ver- 
schiedenen Niveauhöhen in der heutigen Gesamtanlage. Ja wir 
können den Nachweis führen, daß zur Zeit des Umbaues das Erd- 
reich beträchtlich höher gestiegen war als zur Zeit der ersten 
Kirchengründung und man schon an Belichtung der Seitenräume 
durch inneres Oberlicht denken mußte. Nirgends sind indessen die 
Nähte zu erkennen, die uns in den Stand setzen könnten, zwischen 
älterem und jüngerem Mauerwerk zu unterscheiden. Nur die Chor- 
abschlüsse der beiden südlichen Nebenschiffe, von denen der eine 
nach alter Tradition das Grab des H. Nikolaus umschloß, treten aus 
der gesamten Kirchenanlage nach ihrer Form wie nach ihrer Kon- 
struktionsweise deutlich heraus. Der Fußboden liegt hier 8,40 m 
unter der heutigen Oberfläche, während das Tiefenniveau sonst nur 
8 m beträgt. Oder deutlicher gesprochen : Ging mir beim Arbeiten 
das Wasser überall bis zu den Knien, so reichte es mir vor dem 
Grab des Heiligen bis an den Leib, wozu noch eine Masse Schlamm 
zu rechnen ist, der infolge eines Erdrutsches von Seiten der obem 
Nebenkirche her in diesen Unterraum erfolgt ist. Schon aus diesem 
Umstände müssen wir hier in der Grabanlage des Heiligen ältere 
Überreste suchen. Die Mauern sind fast ausschließlich aus Ziegeln 

PuLLAN, L'Architecture ByzaDtine p. 183 t'. PI. LXIIl. — O. Wulff, Die Koimesis- 
kirche in Nicäa p. 76 f. — Viele WiederholuDgen z. B. bei Hübsch p. 81 Taf. V 
11/12 mit RekoDstruktioD, bei Salzenberg p. 123. Taf. XXXIX, 3 und den neuesten 
Handbüchern. — Außer von Texier ist der Bau, von Spratt's Planskizze ab- 
gesehen, niemals aufgenommen oder untersucht worden. Meine Blitzlichtpatronen 
waren zu feucht, um vom dunkeln Innern noch weitere Aufnahmen zu machen. 
An der Hand von Texier's Aufriß und meinem Grundriß ist es einfach, sich von 
den Arkaden des Mittelschiffs und deren Oberwand eine Vorstellung zu machen. 



329 



r.f-o 




Abb. 123. Flau der Nikolauikirche roa Myra. 



330 Die Nikolauskirche zu Mvra 

errichtet, teilweise doppelreihige Ziegelbogen sitzen hier auf altem 
Wandpfeilern, die ein Marmorkapitäl mit zweireihigen Akanthus- 
blättem und Eierstab ziert, während sonst die tragenden Glieder in 
der Kirche keine Schmuckteile besitzen. Ein flaches Kuppelgewölbe, 
heute teilweise eingestürzt, erhob sich über Gewölbezwickeln, die 
von einer Konsole in den Ecken emporstiegen. Auch die Reste der 
Malereien zeigen eine sorgfältigere Ausführung als diejenigen, welche 
ich im nördlichen Seitenschiff beobachten konnte. Für das jüngere 
Alter der gesamten übrigen Bauteile spricht deutlich genug ihre 
Deckenkonstruktion, das Durcheinander von Tonnen und Kuppeln, 
die verschiedene Kreis- und Ellipseformen aufweisen. Schon die 
letztem verbieten es, den gegenwärtigen Bau, der über einer altem 
Kuppelkirche errichtet ist, in das erste Jahrtausend zu rücken. 

Dieser schließt, bei einer nahezu östlichen Orientierung, in 
seinem Hauptschiff außen dreiseitig ab, so daß also der alte 
Salzenberg mit seinen Zweifeln an der Echtheit von Texiek's un- 
geheuerlichem Grundplan Kecht behalten hat. Im Innem liegt der 
Hauptapsis ein überhöhter Halbkreis zugrunde. Die nördliche Apsis, 
die inwendig durch ein ehemaliges Grab etwas verbaut wurde und 
von auffallender Kleinheit ist, endigt nach außen hin rechtwinklig, 
wenigstens ist dies bei der Obermauer der Fall, die sich noch 
mehrere Meter mit dem alten Mauerwerk aus dem heutigen Boden- 
niveau erhebt und mit der Ummantelung des Hauptchors im Werk- 
verband steht. Über den Außenabschluß der beiden südlichen 
Apsiden läßt sich zur Zeit nichts sagen. Heute sehen wir nur das 
applanierte Gelände mit den Kuppeln, während die Restauration 
der Russen einzig die innere Emporenmauer im Osten stehen ließ. 
Doch scheint bei der Jüngern Basilika eine östliche Abschlußwand 
diese altem Choranlagen in der Weise überschnitten zu haben, 
daß sie auf ihren Wölbungen aufruhte, während die frühern, tiefer 
liegenden Apsidenmauern mit ihren einstigen Fenstern viel weiter 
östlich enden. Auch dies wäre wieder ein neuer Beweis für das 
höhere Alter dieser Bauteile. 

Vier gewaltige Pfeiler, welche das Mittelschiff von den Neben- 
seiten trennen, tragen die Oberwände der Arkaden ohne irgend 
welches überleitende Zwischenglied. Etwa einen Meter über den 
Scheitelbogen der drei Durchgänge vermitteln ebensoviele niedrige 
Öffnungen ein Oberlicht für das Erdgeschoß der Seitenschiffe. Auch 
über den Zugängen aus dem südlichen Nebenschiff zu seinem Parallel- 
raum sehen wir in den Achsen und in gleicher Höhe dieselben 
Lichtöffnungen. Mit diesen Oberlichtern der Arkaden beginnen 



Abb. III. Du 



332 Die Nikolauskirche zu Myra 

gleichzeitig die Einwölbungen der Seitenräame, so daß diese Wand- 
durchbrechangen im Querschnitt segmentartig bereits die Tonnen- 
gewölbe hier durchschneiden. Im Hauptschiff läuft über den Ober- 
lichtern, ein einfaches Gesims ringsum, auch durch den Chor, immer 
die Ecken verkröpfend. Es wurde bei der SALZMAXN'schen Restau- 
ration nach den alten vorgefundenen Werkstücken wieder vollständig 
ergänzt und sitzt zweifellos heute an seiner ursprünglichen Stelle. 
Auch unterhalb des Tonnengewölbes, aber auch nur hier, geht in dem 
nördlichen und südlichen Seitenschiife das gleiche Gesimsband rings- 
herum. Gleich über demjenigen des Hauptschiffes öffnen sich heute 
die Arkaden der Emporen. Zwar sind die Pfeiler mit der Schildmauer 
darüber der russischen Restauration zum Opfer gefallen, weil Salz- 
mann ein solides Auflager für sein großes Kreuzgewölbe über dem 
Mittelraum schaffen mußte, aber die Außenmauer des nördlichen 
Katechumenions ist zu einem großen Teil erhalten samt den Wand- 
pfeilern und den Ansätzen für die Gurtbögen, auf denen die Tonnen- 
w^ölbung des Obergeschosses ruhte. Noch liegt alter Wandbewurf auf 
diesen altern Mauerteilen. Nun entsprechen an der erhaltenen Nord- 
seite den Emporenöffnungen der SALZMANN'schen Restauration und 
des TExiER'schen Aufrisses ebensoviele Außenfenster in den gleichen 
Achsen mit denselben Höhen- und Breitenverhältnissen, setzen also 
notwendigerweise die Annahme voraus, daß die jetzigen Durch- 
brechungen der Emporen vor der russischen Erneuerung in gleicher 
Anordnung vorhanden waren. Sie sitzen ihrerseits wieder senkrecht 
über den Durchgängen des Mittelschiffs und ihren Oberlichtern, so 
daß hier durchgehende Regelmäßigkeit vorherrscht. 

Die Einwölbung der nördlichen Emporen entspricht genau der- 
jenigen im untern Stockwerk, und nach den Mauerresten können 
wir feststellen, daß Salzmann sich bei der Eindeckung genau an 
das Vorgefundene anschloß. Nach Osten endet das Obergeschoß mit 
einer Apsis und einem Fenster in derselben. Die Westempore über 
dem innern Narthex mit ihren drei großen Offnungen nach dem 
Mittelschiff und dem Zugang zu der nördlichen Empore ist durch- 
weg neu aufgeführt. Sie war noch zur Zeit, als Texier die 
Ruine aufnahm, zu erkennen.^) Wir können nur vermuten, daß 
Salzmann auch da sich an die vorgefundenen Überreste hielt, wenn 
er eine Quertonne in der Breite des Mittelschiffs über diese West- 
empore legte und die Nebenräume, welche zu den Seitenemporen 



*) Er spricht von der Gynaiconitis, ,qui circulait au-dessus du narthex**. 
Texier-Pullan , Archit. Bjzant. p. 248 (Anmerk. zu den Tafeln). — Vielleicht 
meinte er damit auch die Fortsetzung der Westempore in den Seitenemporen. 



Die Nikolauskircfae za Myra 333 

führten, durch Kuppeln eindeckte. Genau den untern Eingängen 
entsprechend hat Salzhann sowohl die EmporeuöSnungen zum Naos 
hin wie die Fenster der äußern Westwand hier angelegt. Auch 
den eingeschossigen Esonarthex seheint er auf den alten Funda- 



menten aufgerichtet zu haben. Unter Zuhilfenahme von Säulen und 
Wandpfeilem wölbte er diesen Vorraum mit den gleichen elliptischen 
Kuppeln ein, während sonst alle Wölbungen in dem Esonarthex 
und in den Seitenschiffen der alten Kirche angehören und keiner 
Restauration unterzogen wurden. 



334 Die Nikolauskirche zu Myra 

Nur in der Eindeckung des Mittelschiifs hat Salzmann eine 
Änderung vorgenommen, welche baugeschichtlich nicht dem ursprüng- 
lichen Zustand entsprochen haben kann. Über dem Mittelraum des 
sonst tonnenüberwölbten Hauptschiffes führte er ein gewaltiges 
Kreuzgewölbe auf, wohl weil er sich nicht getraute, eine Kuppel auf 
teilweis alte Substruktionen zu legen. Jedenfalls müssen wir an Stelle 
des Kreuzgewölbes die Kuppel einsetzen, die wahrscheinlich auf 
einem mäßigen Tambour ruhte, so weit wir hierin dem ganz unzuver- 
lässigen Gewährsmann Texieb folgen können. Die Spätzeit des 
Neubaues, den ich nach einer Inschrift und der Verheerung Myras 
1035 ins Jahr 1042 setze, spricht für die Annahme des Texier- 
schen Tambours. Im einzelnen freilich können die Angaben und 
Zeichnungen des französischen Gelehrten gar nicht zur Rekon- 
struktion der Kuppel herangezogen werden. Sagt er ja selbst, daß 
sie zu seiner Zeit halb zusammengestürzt war und behauptet, daß 
sie von zwölf Fenstern durchbrochen sei, während sein Längsschnitt 
nur acht Öffnungen aufweist') Würde seine Angabe hinsichtlich 
der Fenster stimmen, so könnten wir uns den Tambour als zwölf- 
seitigen rekonstruieren, wenn jedesmal ein Fenster einer Außenseite 
entspräche. Hat er aber noch Fenster gesehen, dann müßten wir 
wohl des gegebenen Höhenverhältnisses wegen seiner Kuppel- 
konstruktion Glauben schenken. Denn das höhere äußere und tiefere 
innere Niveau der Kirche wäre bei der Frage eines Tambours in 
Rechnung zu ziehen, ebenso die Tatsache, daß man beim Neubau 
bestrebt war, möglichst viel Oberlicht von innen her den dunklen 
Kirchenräumen zuzuführen. 

Noch unzuverlässiger werden Texier's Angaben über ein rings- 
umlaufendes Gesims, von dem er eine recht antikisierende Zeich- 
nung gibt Es ist mir gelungen, unter einem Schutthaufen von 
Steinen am Ende des linken Seitenschiffes ein Werkstück des frag- 
lichen Kamieses zu entdecken. 2) Es könnte sich nur um das Auf- 
lagergesims der Kuppel handeln, da das einfach gehaltene Arkaden- 
gesims noch stückweise erhalten ist Aber unser Werkstück gehört 
überhaupt nicht zu einem Wandgesims, da es in eine glatte Mauer 
mangels einer Basis nicht eingelassen werden kann, vielmehr nach 

^) Texier-Pullan L c. pl. LVIII u. p. 185: ,une coupole perc^e de douze 
fenetres.* 

^) £r sagt ib. p. 185: ,Les corniches de marbre, qui r^gnent k la hauteur 
de Timposte, existent encore; elles soDt orn^es de feuiUages et de fruits de pins 
artistement sculptes.'* Ferner p. 248: ,La frise sculptee circule k la hauteur 
de l'imposte et tient lieu d^entablement au rez-de-chauss^e.* 



Die Nikol Aliskirche zu Myra 335 

seinen Falzen einen Qnaderverband voraussetzt, der natürlich bei 
unserer Nikolauskirche völlig fehlt Es ist vielmehr ein Werkteil 
von der altern Anlage und gehörte höchstwahrscheinlich zu einem 
Architrav, der auf der Säulenwand vor dem Presbyterium auflag. 
Mit den OmamentstUcken, welche in die Chorstrebepfeiler der 
Djumanün Djamisi zu Adalia eingebaut sind, hat es die nächste 
Verwandtschaft. Lassen wir den Eierstab weg, dann haben wir 



Abb. 12«. Du On' 



die in gleicher Weise geschwungenen Ranken und gleichgearteten 
Blattenden, aas denen Granatäpfel resp. Pinienzapfen herauswachsen. 
Von der Säulenstellung vor dem erhöhten Priesten-aum stehen 
heute nur noch drei Stützen aufrecht, von den andern haben sich 
die Basen erhalten. Es waren herrliche Marmorstämme, von un- 
gleicher Stärke, die zweifellos einem antiken Bau des alten Myra 
entstammen. Zu ihnen gehören mehrere byzantinische Kapitale, die 
jetzt in allen Ecken der Kirche umherliegen. Sie zeigen meist zwei 
Reihen von tie^earbeitetem, weituberhängendem Akanthus mit 



336 Die NikolauBkirche zu Myra 

Eckvoluten und an der Deckplatte oben den Eierstab oder ein Ge- 
windemuster.') Auf diesen Kapitalen lag dann vermutlich ein Ge- 
bälk von der eben besprochenen Form. Ein weiteres Werkstück 
mit der Darstellung einer Taube auf dem Zweig gehört seinen 
Abmessungen nach zu den Säulen des Ältarbaldachins. Es ist das 
einzige derartige Kapital, das ich unter den umherliegenden altem 
Resten entdecken konnte (Abb. 125). 

In der Mitte des Hauptschiffs sehen wir den alten Ambo, 
wenn auch halb zerstört, mit dem doppelten Aufstieg und dem 
Podium auf Marmorsäulchen. Im Chor, der von drei hohen, heute 
verschütteten Fenstern erhellt war, steigen noch die neun Priester- 
bänke amphitheatralisch empor. In der Mitte der obersten Reihe 
bemerkt man den Standort für die Kathedra, die heute halb- 
zertrümmert in der Vorhalle liegt. Sie war aus Marmor gefertigt 
und hatte eine mit Greifenfüßen gezierte Fußbank. Unter den 
Sitzen läuft an den Chorwänden ein kryptenartiger, tonnengewölbter 
Gang herum, der lediglich der besseni Kommunikation gedient haben 
kann, da ich an den äußern Stirnseiten keinerlei Vorrichtungen für 
Verschlüsse beobachten konnte. Sarkophage scheinen dagegen in 
allen Nebenapsiden gestanden zu haben. Im linken Seitenschiff 
sahen wir deutlich, wie ein solcher unter teilweiser Zerstörung des 
Mauerwerks gewaltsam herausgerissen wurde. Im zweiten rechten 
Seitenraum sind noch die kläglichen Reste eines Grabes erhalten, 
das nach alter Tradition als dasjenige des H. Nikolaus verehrt wird. 
Es ist zur Hälfte vom Grundwasser bedeckt und trägt die deut- 
lichen Spuren einer rohen Zerstörung. Hinter marmornen Säulen 
und Schrankenplatten, die mit Kreuzen geschmückt sind, steht heute 
erbrochen der einfache Marmorsarkophag. Die Wände, soweit sie 
nicht von Marmor belegt, waren mit Heiligen in reicher byzan- 
tinischer Hoftracht bemalt, von denen ich jedoch keinen Namen mehr 
entziffern konnte, da sie zu sehr von dem Moder gelitten haben. In 
die Zugänge ringsum hatte man später Türgewände mit Kreuzen im 
Sturz eingesetzt, um die Grabkapelle abschließen zu können. 

Vor der südlichen Zugangstür ist eine große Rundnische in der 
Mauer ausgespart, in welcher ein großer römischer Sarkophag aus 
herrlichem Marmor steht ^) Die Vorderwand war durch Säulen mit 
gewundener Kannelierung in fünf Arkadennischen mit flachem Grund 
eingeteilt. Die abwechselnd rundbogigen, geraden und giebel- 



^) Ein solches Kapital vorher in Abb. 125. 

^) Die Tumba 1,10 m, der Sarkophagdeckel mit den Figuren 0,70 m hoch. 



Die NikolauBkirche zu Mvra 337 

fSrmigen Yerdacliungen über diesen Säulchen sind mit Eierstab, 
Zahnschnitt und lesbischem Kyma geschmückt. Die Nischen sind 
flach gearbeitet und entbehrten des gewohnten Reliefschmiickes. 
Das llittelstilck, welches in die zu dreivierteln zerstörte Vorder- 



wand des Sarkophags eingestellt wurde, entstammt einem andern 
Marmorsarg, den eine Hirtenszene schmückte. Nur die Füße und 
die Syrinx sind hier noch zu sehen, während ich den ganzen zu- 
gehörigen Oberteil, eine treffliche Arbeit, in Castelorizo wieder 
auffand. Die Besitzer haben mir die Provenienz ehrlich gestanden. 

Roll, KlelnHimltcl.s Diukmtl«. 22 



338 Die Nikolauskirche zu Myra 

Aucli sonst sind christliclie Reliefstiicke mit Ki'euzen in diese 
Sarkophagwand eingelassen. Auf einer Kline ruht oben ausgestreckt 
ein Ehepaar, dem Kopf, Arme, Beine und Brüste größtenteils ver- 
stümmelt sind. In die Oberwand der Grabnische hatte man ein 
großes Kreuz gemalt, in das Tonnengewölbe davor dekorative 
Ranken, welche kleine Medaillons umschlingen, auf deren rotem 
Untergrund Muster von Grün und verblichenem Blau herausleuchten. 
In der Mitte glänzt ein weißes Kreuz. Das Ganze zeigt schon 
deutlich den Einfluß des Islam. ^ 

Einst waren alle Nebenräume und vielleicht auch das Haupt- 
schiff ausgemalt. Auf den Arkadenwänden zwischen den beiden 
südlichen Seitenschiffen treten bei längerem Zusehen hohe Heiligen- 
gestalten hervor mit Nimben und Kreuzen. Auch Texieb erwähnt 
den Bilderschrauck im Innern der Kirche, ja er will noch einige 
Szenen der Passion gesehen haben, was ich dahingestellt sein lasse.*-) 
Nur im Kuppelraum vor der Apsis des linken Seitenschiffes erkannte 
ich nach längerem Ableuchten mit Kerzen, die ich an Stangen be- 
festigte, die göttliche Liturgie. Christus teilt, jedesmal unter einem 
Säulenbaldachin stehend, nach rechts und nach links je sechs seiner 
Apostel, die mit verhüllten Händen nahen, Brot und Wein aus.^) 
Die Gewänder sind in einem Silbergrau, die Gesichter in guten 
Fleischtönen und mit verlangendem Ausdruck gemalt. Über das 
Durchschnittsmaß der byzantinischen Malereien gehen diese erkenn- 
baren Freskenreste jedoch nicht hinaus. Die Nikolauskirche wurde 
erst längere Zeit nach ihrem Neubau ausgeschmückt, da überall, auch 
im Hauptschiff, ein älterer Bewurf unter der jungem Freskenschicht 
liegt, der nicht bemalt war und auch auch nicht als Unterlage für 
den Malstuck diente. An der Stirnwand der Chorsitze ist der doppelte 
Kalkbewurf gleichfalls erhalten, ein Zeichen, daß ihre Anlage spä- 
testens in die Zeit des Wiederaufbaues gehört. Doch will mir scheinen, 
als stammten die Priesterbänke samt dem Altarbaldachin, dem Ambo 
und der Säulenwand noch aus dem Inventar der älteren Kirche. 

Der Kern der gut erhaltenen Untermauern der Kirche ist aus 
geglätteten Bruchsteinen mit reichlicher Verwendung von Mörtel 
aufgeführt, zwischen die vier- bis siebenreihige Ziegelschichten in 
großem und kleinern Abständen durchgebunden wurden. Mörtel und 
Ziegel zeigen dabei ungefähr die gleiche Dicke. Sämtliche Wölbungen 



^) Abb. im nächsten Heft. 

'^) Texier-Pullan, Arehitecture Byzantine p. 185. 

^) Die Szene wie in der Hagia Sophia zu Kiew. Abb. bei Schlumbbkoer, 
L'Epopee Byzantine 1, 601. III, 665. 



Die Nikolaiiskirche zu Myra 339 

und alle Bogen sind aus Ziegeln hergestellt, die letztern aus zwei 
Keihen oder einer Schicht ganzer und halber Ziegel.^) 

Die hohen Fenster der südlichen und nördlichen Umfassungs- 
mauer, die tief unter der heutigen Oberfläche stecken, sind größten- 
teils vermauert. Im hintersten der Nordseite steckt noch der obere 
Verschluß, eine Transenne, die löffelblechartig von runden Öffnungen 
durchbrochen ist. Als am vierten Tag meines Aufenthaltes das 
Wasser in der Kirche merklich gefallen war, konnte ich wahr- 
nehmen, daß der Mosaikboden mit Sternmustern im Kreis aus- 
gelegt ist. Auch der Plattenbelag des Hofes soll nach der Ver- 
sicherung der ansässigen Griechen noch der Zeit vor der russischen 
Renovierung entstammen, nicht jedoch das kleine Taufbecken rechts 
vor dem Eingang zur Vorhalle. Von hier aus steigt man heute 
auf einer mit Inschriftsteinen teilweise gepflasterten Treppe zum 
Klosterhof hinauf. 

Rätselhaft bleiben die Uinbauten des Hofes und die Anbauten 
im Norden des Exo- und Esonarthex, die alle mit Ausnahme der 
von den Russen erneuerten nördlichen Hofmauer aus der gleichen 
oder einer frühern Zeit als die Nikolauskirche stammen. Sie haben 
dasselbe Tiefenniveau wie die Kirche, sind aber großenteils trotz 
der russischen Freilegung durch eingeschwemmtes Erdreich seither 
wieder zugeschüttet. Der mittlere Raum im Norden mit seiner 
Säulenarkade bildete in alter Zeit eine Zugangshalle, hinter der 
sich jetzt der Boden um fast 8 m gehoben hat. Diese drei Kammern 
der Nordseite setzen sich nach Osten hin nicht weiter fort, so daß 
die Annahme eines zweiten Seitenschiffes hier ausgeschlossen ist und 
unter keinen Umständen etwa an eine fünfschiffige Kirchenanlage 
gedacht werden kann.-) 

An der Südseite des Hofes, gleich neben der modernen Treppe, 
ist ein alter tonnentiberdeckter Grabbau mit zwei einfachen Särgen 
erhalten, die von einer gemeinschaftlichen, leider zerbrochenen Grab- 
platte bedeckt sind. Interessant sind die Tierdarstellungen auf der- 
selben, welche an die romanische Kunst des Nordens gemahnen.-^) 

^) ÜDrichtig ist wiederum Texieb's Angabe, daß die Nikolauskirche all- 
gemein aus Ziegeln errichtet sei. — Das Verhältnis der Ziegel zum Mörtel ist 
0,05 — 0,06 : 0,05—0,06, während ich an einem Ziegelbau der römischen Kaiserzeit 
zwischen dem Kloster und dem Theater das Verhältnis von 0,05 : 0,02 ausmaß. 

^ Die TEXiER^schen Seitenräume, die schon für manchen Kunsthistoriker 
ein Rätsel waren, sind also ganz freie, phantastische Rekonstruktionen nach ein- 
zelnen, damals aus dem Schutt herausragenden Gebänderesten. 

®) Vgl. beispielsh alber die Marmortafel der Laura auf dem Athos. Abb. bei 
ScHLüMBEBGEB, L'Epop^c Byzantiuc II, 189. 

22* 



340 Die Nikolauskirche zu Myra 

Von den sehr verdorbenen Malereien auf den Grab wänden erkannte 
ich noch die Äuferweckung des Lazanis und die Koimesis der Maria (?) 
An der Decke ist eine schwer zu entziffernde Inschrift zu lesen, die 
ich nach Vergleich mit einer frühem sorgfältigen Abschrift des 
Schuldirektors Diamantara von Castelorizo hier wiedergebe und 
welche besagt, daß Vater und Sohn hier gemeinschaftlich im Jahre 
1118 beigesetzt wurden. Aus derselben Zeit stammt auch die eigens 
für diesen Zweck hergestellte Grabplatte. 

+ eKOIWerYAÖT////lCNXAPTAAPioC 
////H AeONXAPToCt)YA^////////TYKONOMON 

M • AYroYToeleS Hi ia eäxiTs 

+ ^Exoifiri&ri{aav) ol Sov{koi) tov \&6ov\ Ka)v{aTav)Tiv{og) x^Q^oXd- 

Qiog [xcri] vlog Ai(av j^aQXo^vX(a)lE^ t6{v) olxovofiov f*r^{vi) 

Avyoi\a^t(p [y/^]€[c^] '* (xaX) ivd{ixTiwvog) la ix(tii) g;^xg'. 

Wichtiger als diese Inschrift ist diejenige auf einer großen 
Marmorplatte, welche auf dem Mesarlyk südöstlich vor Dembre liegt, 
die schon in den vierziger Jahren sich daselbst befunden hat und nach 
einstimmiger Aussage der Griechen von der Kirche des H. Nikolaus 
herrührt. Tatsächlich kann sie nur der damals bereits verschütteten 
Vorhalle angehört haben, da nirgends ringsum christliche Ruinen zu 
entdecken sind, auf welche der Inhalt der lapidaren Inschrift passen 
könnte. Sie spricht von einer Erneuerung der Anlage unter der Re- 
gierung des Kaisers Konstantin Monomachus und seiner Gemahlin Zoe 
im Jahre 1042. Kurz vorher war Myra durch einen Arabereinfall 
verheert worden, wobei das weithin bekannte Heiligtum des w^under- 
tätigen Nikolaus der Zerstörung nicht entgangen sein kann, nachdem 
schon im Jahre 792 die Scharen des Harun al Raschid angeblich 
erfolglos versucht hatten, die Stätte des Heiligen zu entweihen.^) 

/^leKcNI^I^K^Ne^AölSI KAI 

Z WAV fif -R C eXTcJ) N A":- 1 IS I A 

'Avexaivia&f] ini KcDV6r{<xv)T{ivov) dBan[o]TOV xai Zwr^g Aiyoüarrig 

^t(Bi) g(pva lvö{ixriwvog) £«'.-) 

^) Theophan. I, p. 750. — Konstantin Monomachus soll auch der Erbauer 
von Nea Moni sein. Byz. Zeitschr. 1896 p. 151. 

*) Vgl. die VerfalschuDg Bailiä's im C. I. Gr. 8708 neben der richtigen 
Kopie No. 8707. — Le Bas -Waddington V, 1316. Die jetzige Leseart nach 
unserer Kopie der Inschrift und einer gleichlautenden Abschrift von Diamantara 



Abb. lae. Kaliefpltlls tod tinta Onb bei dar NikotauiklTclis in Hrn. 

Das alte Haus des Hegunien soll auf der Südseite des Hofes zu 
suchen sein, wo ich auch verschttttete Zugänge und eing^esunkene 
Gewölbe bemerkte, die jedoch al!e unter der heutigen Erdoberfläche 
liegen. Der arme Pappas wartet seimsüchtig, daß eine Aosgrabui^ 
einmal die Goldschätze und Pergamente daselbst an den Tag fördere, 
welche nach seiner Versicherung in den unteriidischen Klosterräumen 
versteckt lägen. 

Während ich noch mit den Arbeiten an der Nikolauskirche 
beschäftigt war, zog mein Begleiter auf bösen \Vegen nach Fineka 
hinüber, um die Kirchenruinen von Ehodiapolis und Gagä zu besich- 
tigen und dann über Adalia und Alaja heimzukehren.') Ich wandte 
mich nach Erledigung der Aufnahmen mit dem Pferdetroß und dem 
ganzen Gepäck westlieh von Myra über die Höhen nach dem alten 

Hilf Caatelorizo. — Das Jahr 6551 und die 11. Indiktiou begiDoen am 1. Sep- 
tember IÜ42. KoDstaatin Moaomachus heiratete am 11. Juai 1042 die Katierin 
Zoe und wurde am folgenden Tage gekrönt. Sie starb 105O. 

') Der ergänzende Bericht Dr. Michel'b über seine Eeiae nucli Fineka, Gagii, 
Adalia und Alajah oben im Zueammenhaog p. 76—80. 



342 Ruinen zu Sura 

Sura, um daselbst eine von der Östreichischen Expedition erwähnte 
Kirche aufzusuchen. Dicht unterhalb des steilen Felsens von Sura, 
der eine Befestigung trug, stieß ich auf eine ausgedehnte Kirchen- 
und Klosteranlage. Eine kleine, dreiapsidiale Kirche ist in eine 
ältere, große Basilika eingebaut, deren Hauptschiff in einem drei- 
seitigen Chor endet, während die Xebenschiffe der nordöstlich ge- 
richteten Anlage gerade abschließen. Kings um den aus unschönem 
Konglomerat errichteten Bau liegen zellenartig eine Menge kleiner, 
rechteckiger Kammern, und einige aus dem Mutterstein gehauene, 
freistehende Sarkophage sind in die Gesamtanlage hineinbezogen. 
In der nahen Felswand bemerkte ich kleinere Rundnischen, denen 
ehemals Kapellen vorgebaut waren. 

Kaum hatte ich mich jedoch in dem verwirrenden Trümmer- 
feld orientiert, da brach ein so fürchterliches Gewitter los, wie ich 
es nie in Kleinasien erlebt hatte. Es kam so rasend schnell von 
den hohen Bergen über uns herab, daß wir kaum Zeit fanden, uns 
mit den Apparaten in einen mächtigen freistehenden Sarkophag zu 
verkriechen, in dem ich mit Diener, Troßbub und Gepäck eine 
Stunde lang im Knäuel zusammengekauert lag, während ringsum 
Felsen und Fichten förmlich im Feuer der Blitze standen und eine 
wilde Wasserflut herniederrauschte und unsere Aufnahmen wie so oft 
mit dem Untergang bedrohte. Als das Toben vorüber war, schickte 
ich den Pferdetroß einstweilen voraus und kletterte mit dem behenden 
Diener die Felsen jenseits der Akropolis hinab in die enge, düstere 
Felsenschlucht, an deren südlichem Ende die dampfende Bitterquelle 
von Sura hervorrauscht und nach wenig Schritten sich in die lagunen- 
artige schmale Seebucht ergießt. Daneben steht schon halb im 
Sumpfwasser ein kleines Tempelheiligtum des Apollo Surius, dessen 
Priester dem Kult des weit berühmten Fischorakels hier oblagen. 
Einen Steinwurf von Tempel und Quelle entfernt baute man in 
christlicher Epoche eine Kirche, die gegenüber dem antiken Denkmal 
in der gleichen charakterlosen Weise aus Konglomerat errichtet ist 
wie die Klosterkirche auf der Höhe des Burgfelsens. 

Sie ist eine fast genau östlich orientierte, dreischiffige Pfeiler- 
basilika mit Emporen und einer holzgedeckten Vorhalle. Drei Türen 
führen aus dem Narthex in die einzelnen Schiffe, die obere Fassaden- 
mauer ist von ebenso vielen Fenstern durchbrochen, die im Huf- 
eisenbogen schließen. In der gleichen Bogenform sind auch die 
Pfeilerarkaden und der Chorbogen errichtet, während dem Grund- 
riß der Apsis ein flacher Halbkreis entspricht. Die Seitenschiffe 
enden ohne Chöre, hatten seitliche Zugänge und trugen holzgedeckte 



Von Sura nach Andifilo. Überfahrt nach Castelorizo 343 

Emporen, welche sich ihrerseits in Fenstern nach außen öffneten J) 
Zu ihnen gelangte man vermittelst Türen von dem Obergeschoß der 
Vorhalle aus. Diese selbst ist bereits zu sehr zerstört, um eine 
Treppenanlage festzustellen, die jedenfalls von dem höher gelegenen 
nördlichen Terrain zur Empore des Narthex leitete. Eine Türe 
führt aus dem südlichen Nebenschiff in ein fast quadratisches Para- 
klission mit Apsis und kleinen Schlitzfenstern. Von den ehemaligen 
Malereien der Kirche sind nur noch die Umrisse von Heiligen mit 
ihren Nimben zu unterscheiden, die unter einer spätem Tünche jetzt 
an den Tag kommen.^) 

Der Weitermarsch nach Andifilo führte mich an einsamen Hoch- 
gebirgsdörfem vorüber, an Tchakalbajad und an dem berühmten 
Gjölbaschi vorbei. In Jäu kampierten sechs Mann in einer halb- 
zerfallenen Lehmhütte, dafür entschädigte wieder die Morgenwande- 
rung durch die wildzerrissenen Berge mit den entzückenden Ausblicken 
auf das tief unten schimmernde Mittelmeer.'*) Am 20. Dezember 
saß ich am stürmischen Ufer von Antiphellus und sah tage- 
lang sehnsüchtig wie eine Iphigenie nach Castelorizo hinüber, 
während die Wellen bis an die Tür des Kawes emporspritzten und 
jedermann sich weigerte, sein Leben dem Meer anzuvertrauen, das 
in den letzten Tagen mehrere Opfer gefordert hatte. Mein Diener 
stand traurig und bang neben mir, denn er hatte sich durch einen 
Dorn einen hochgeschwollnen Arm zugezogen und ärztliche Hilfe 
war hochnot. Da zwang ich durch den Kaimakam die ängstlichen 
griechischen Fischer, ein vSchiff fertig zu machen und im wildesten 
Sturm abzufahren, da ich nicht die Verantwortung für das Leben 
eines braven Menschen und Familienvaters durch weiteres Verharren 
übernehmen wollte. Stundenlang kämpften wir auf offenem Meer 
gegen die rasenden Elemente. Es war der Namenstag des H. Nikolaus, 
und zu ihm schrieen die griechischen Feiglinge in bleicher Angst 
jedesmal, wenn eine Sturzwelle unser Segelschiff überrollte. Nur 
durch ein Wunder entgingen wir einem trübseligen Tod in den 
Wellen, und jubelnd begrüßte uns der brave Gastfreund Diamantara 
auf Castelorizo, der voll Ängsten täglich übers Meer nach uns 
ausgeschaut hatte. 



^) Bogen weite der Pfeilerarkaden 1,40 m, Pfeilerßtarke 0,65 m, Breite der 
HaupttUr 1,60 m, Mauerdicke 0,80 m. 

2) Nur erwähnt bei Petersen-Luschan, Reisen in Lycien II, 46. — Spratt 
u. FoRBES, Travels I, 135. 

') Die ehemalige Kirche von Sudjak hinter Afschar (Ritter, Kleinasien II, 
1142) ist jetzt zerstört. — Zu Hoiran, Assar Termissiui und Gjauristan sind nur ge- 
ringe Reste aus christlicher Zeit. Petersen-Luschan, Reisen in Lycien II, 23. 26. 52. 



344 



Die Churma Medrese auf Khodus 



Mit den drei kirchlichen Denkmälern von Dere Ahsy, Aladja 
Jaila und Dembre ist das wichtigste an christlicher Architektur in 
Lykien auch erschöpft. Direkt oder indirekt hängen diese Schöpfungen 
mit der alten Bedeutung Myras als Seestadt und kirchlicher Metro- 
polis zusammen. Dem allgemeinen Verfall in byzantinischer Zeit 
konnte sich die Provinz nicht entziehen, und bezeichnend für den 
ephemeren Bestand christlicher Neusiedlungen ist die auffallende 










ZI 









Abb. 129. Plan der Gburma Medrese auf Rhodus. 

Tatsache, daß keine jener zahlreichen Gründungen und Kirchen- 
sprengel auch nur im Namen eines türkischen Dorfes fortlebt. Das 
Binnenland Lykien ist in byzantinischer Epoche nach dem Urteil 
eines seiner besten Kenner „durch den vollständigen Niedergang 
des Landes gekennzeichnet". „Christliche Denkmäler," sagt der 
gleiche Autor, „die sich bis zum heutigen Tag erhalten haben, ge- 
hören zu den Seltenheiten und sind mit wenigen Ausnahmen äußerst 
bescheiden und anspruchslos."^) 

Während ich auf Rhodus die Rückkehr meines Begleiters ab- 



^) E. Kalinka, Zur historischen Topographie Lyciens p. 159 f. 169 f. 



Die Churma Äfedrese auf Rhodus 345 

wartete, blieb mir noch Zeit, um mit freundlicher Erlaubnis Seiner 
Exzellenz Nasym Pascha die Türen der Suleiman Djami, prächtige 
Arbeiten der Venetianischen Renaissance aus der letzten Zeit der 
Johanniter, aufzunehmen^) und die Churma Medrese flüchtig zu 
untersuchen, in der ich schon bei meinem frühem Besuch von 
Rhodos eine christliche Kirche erkannt hatte. Der kleine Bau liegt 
ganz versteckt in dem türkischen Klosterhof eines engen Gäßchens 
und ist nirgends in den ausführlichen Stadtbeschreibungen erwähnt,'-) 
Hohe Platanen beschatten den Hof, den die alten Klosterwohnungen 
der Ritterzeit malerisch von drei Seiten umgeben, aus welchen jetzt 
türkischer Schullärm heraustönt. 

Der eigenartige Zentralbau stammt seiner Anlage nach aus 
dem frühen Mittelalter und wurde in gotischer Zeit in der Weise 
umgestaltet, daß man im Westen einen tonnengewölbten, recht- 
eckigen Raum, im Norden eine hübsche gotische Vorhalle mit 
einem Kreuzgewölbe vorbaute. Aus dieser Periode datiert auch 
die spitzbogige Einwölbung des Innern durch Halbkuppeln samt 
dem hohen Tambour mit flacher Kuppel darüber. Derselbe ist 
inwendig durch rundbogige Blendarkaden, außen durch 20 Rund- 
nischen gegliedert, die von niedlichen Säulchen und Rundbogen ein- 
gefaßt werden. Alles ist aus dem gelben Muschelkalk in bester 
Technik aufgeführt. Aus dem kapriziösen Grundplan erfolgte ober- 
halb der Halbkuppeln die Überführung ins Viereck, über dem dann 
der Zylinder der Tambours mit seinen vier hohen Fenstern in den 
Achsen sich aufbaute. Leider hat die Zeit an der Kuppelwölbung 
wie am gesamten Bauwerk manches verändert und zerstört. Die 
heftigen Kämpfe der Johanniter gingen auch an diesem Denkmal 
nicht spurlos vorüber. Wie im Innern ein weitvorkragender Kamies 
aus Marmor ringsum verkröpfend durchläuft, so umziehen auch außen 
vielfach profilierte Gesimse sowohl die Unterwände wie die Dach- 
bekrönung. Noch reicheren Schnitt weisen die beiden Türen auf, 
von denen die westliche völlig verbaut ist. In der Nordmauer der 
Westhalle errichtete man eine große, spitzbogige Nische, die auch 
in den altern Mauerkern einschnitt; der Bogen ruht auf wappen- 
artigen Konsolen. 

Bereits wähnte ich in der Heimat zu sein, als im trauten 
deutschen Pfarrhause zu Smyrna am Sylvesterabend dem Gast zu- 
liebe nochmals der Weihnachtsbaum angebrannt wurde und holde 

^) Werden demnächst an anderer Stelle veröffentlicht. 
^) Die gesamte topographische Literatur bei Le Bailli F. Guy Sommi 
Picenardi, Itineraire d*un Chevalier de Saint-Jean de Jerusalem. Lille 1900. 



346 Alischled 

Eonderstimmen mir den Abschied von der anatolischen Erde erleich- 
terten. Vor wenig Tagen noch mußte ich in den lykischen Bergen 
die schwersten Strapazen erdulden, die stahlharten Nerven zugemutet 
werden können. Jetzt stand ich auf dem Hinterdeck des Schiffes, 
SmyiTia versank ins Meer, Burgberg und Vorgebirge sagten mir 
nacheinander Lebewohl und verschwanden mit der einbrechenden 
Nacht unter dem verschleierten Horizont. Und schon beschlich mich 
leise ein stilles Heimweb nach den hohen, einsamen Bergländern, nach 
den alten Stadtruinen auf schroffen FelsenrUcken, nach der üppigen 
Pracht romantischer Naturwildnis nnd nach den treuherzigen Hirten 
und Bauern Karamaniens, die sich zum Propheten bekennen. 



Inschriften. 



Die Inschriften, deren Bearbeitung Herr Dr. Eott mir über- 
trug, sind von ihm und Dr. Michel auf den beiden Reisen nebenher 
abgeschrieben worden. Aus Mangel an Zeit konnten keine Ab- 
klatsche genommen werden; sichere Entscheidung war deswegen 
vielfach erschwert. 

Mit wenigen Ausnahmen gehören sie alle der Zeit nach der 
Mitte des I. Jahrhunderts nach Chr. an, eine der von mir 
behandelten dem XI. Jahrhundert. Aus allen Gebieten des Lebens 
sind Stücke vorhanden, bei weitem überwiegen die Grabschriften. 

In der Abfolge der Reise sind die Nummern geordnet. Die 
schon bekannten wurden nur teilweise, mit Rücksicht auf ihre Be- 
deutung, wiederholt, teilweise als Revision verzeichnet. Bei Namen, 
die zertrümmert erhalten sind, wurde nicht immer der Versuch 
einer Ergänzung vorgelegt, da wegen der Schwierigkeiten, welche 
die Ergänzung nichtgriechischer Namen in Innerkleinasien bietet, ge- 
sicherte oder auch nur mögliche Resultate oft nicht geboten werden 
können. Im übrigen wurden erläuternde Bemerkungen nur da zu- 
gefügt, wo ein historisches Interesse sie zu verlangen schien, vor 
allem aber absichtlich von Übersetzungen abgesehen. 

Für gütige Beihilfe danke ich den Herren Prof. A. Deissmanx, 

A. V. DOMASZEWRKI UUd F. V. DüHN. 

W. Weber. 



348 Oluborlu (Apollonia) 

1. Oluborlu (Apollonia), Ramsay, Journ. Hell. Stud. IV, 417 
No. 32. Abschr. von Rott (R.). 

"Opo^ lepö; xai Stj- 

MyjvÖ!; 'A«7x[a]£vo'j. 

Z. 2. IsKpavoö Rams. Z. 3. 'Auxarjvou Eams. — über den My,v 'Auxaivöj 
vgl. RoscHEB, Ber. d. Leipz. Ges. d. Wiss. 1891, 118 ff.; Cumont bei 
P.\CLY-WissowA, Realencyclop.* II, 2, 1607. 

2. Ihid. „In the wall of the Greek church" Stekket III, 
519—522. — Ebendaher R. 

a) b) c) 

AHMOZETIMHZEN/, ////////// ^HMO • • N 

PIONMENEAAOY////;////// MEATIN ^ EIN • • 

NAIKAAEAH 
TOYMENEAA 
ZENEKEN 
• • -YNHZ 



• • • • 



THZENEKENKAIEYNOI ^ 

AZKAIEYT ? 5IAZKAI AIK AI MHTPIO 

OZYNHZK Alcl>l AO A05I AZ / /// OYAPET 

THZEYZEBEIAZAYTOY KAIZÄ* 



a) Sterbet Nr. 519 a = R., dessen Abschrift abweicht. Z. 1. 
St, HMOZE///IZEN; 2. St. / ////MHTPION etc.; 3. St. PETHZetc; 
4. St. EVTAZIAZ; 5. Schluß fehlen Buchstaben; 6. St. THZ 
EIZAVTON. RoTTs Lesung ist hier sicher. Woher die teilweise 
verschiedene Abteilung der Zeilen kommt, ist mir unklar. Sterbet 
hat nicht bemerkt, daß die Inschrift in dieser Form nicht einleiten 
kann; da Rotts Abschrift sicher vor AHMOC nichts mehr gibt, 
muß vorher ergänzt werden. Dies ergibt sich auch aus b und c, die 
die Parallelstücke sind. 

b) bei Sterbet 520 B, von Rott nicht mehr gesehen, hier 
abgedruckt, weil es mit c = Stebbet 52 1 A (nach Rotts Abschrift 
außer Z. 6, die er nicht mehr gesehen) offenkundig (Stebbet bemerkte 
es nicht) zusammengehört, aber zerschlagen verbaut worden ist. 
Die vollständigere, sicher korrektere Lesung R.s gibt zusammen 
mit b) das Parallelstück der Gattin des in a) genannten Geehrten. 
Auch diese Inschrift beginnt (b) mit AHMOC, überall ist in b) 
Zeilenanfang vorauszusetzen (auch aus diesem Grund wird Rotts 
Zeilenteilung in a) sicher), 8r,[j.o; verlangt aber den Artikel und 
mindestens r, Jio-jK,, aber gewiß auch den Stadtnamen, den ich 
beide Male nach der Angabe und in der Zeilenverteilung der Stadt 
Apollonia bei Sterbet Xo. 517 (wo in der Transkription KoXto-rcSv 



Oluborlu (Apollonia) 



349 



offenbar Druckfehler für das auf dem Stein stehende KOAßNßN, 
cf. dazu Le Bas III, 1195, Hibscjhfeld, Pauly-Wissowa II, 1. 117 
No. 21) setze. Ich ergänze: 



a) 'A7:oXXo)vtaT5>v Au- 

X10)V öpocxöiv Ko}.(t)- 
vwv *?] ^o'j'k^ xoi 6] 
^%[kO^ It([jly)(J8v [AY)[jnr;T-] 
5 ptov Msve>.ao'j [aps-] 
T^i; svsxev xot sövot- 
OLg xai £'jT[a]^ia^ xot Stxai- 
o<7üvY]c xol (fiXo6oii(X(: [xa\] 
ty5<; södsßsCa? aÜTOÜ. 



b. c) 'A::oXX(i)viaTü)v Au- 
xCö)v Öpotxöiv KoXö)- 
vcov •/] ßoüXv) xai 6] 

5 Ms^Tiv^v Toö] E?v[ta] 

|j.T,Tpio[u] TOü MsvsXa- 

Oü (ip8T[Y5]$ SVSXSV 
xai (TCOCpfpOdJ'JVY)^. 



Zu a). Z. 4 eTijxTjacv, von Rott gelesen, ergibt sich auch aus der Lücke 
von b. 9. Die e^ae^eia gegen die Vaterstadt ist das ausschlaggebende. 

Zu b. c). Die Namen Z. 5. 6 sind unsicher, wohl auch nicht zu ergänzen. 
Z. 9. Sterbets Lesung verbessert nach Ramsays Angabe bei Sterbet S. 362 
No. 51, die durch Sterbet 522 B gestützt wird. 

Die Bedeutung der Familie für die Stadt erhellt daraus, daß noch mehr 
Glieder geehrt werden (das folgende ist gewiß nicht das einzige). 

3. Ibid. Steeret III, 523 B. Abschr. von R. identisch. Ge- 
ehrt ist die Schwiegertochter des vorhergehenden. Der Anfang ist 
gewiß in der gleichen Weise zu ergänzen wie jene. Z. 3 der Tran- 
skription St. lies ipsT?;^, wie der Stein gibt. 



4. Ibid. Abschr. von R. 

MNEA 

y]YNAIKA[8^ 

iio7u[AiAErorH 

NnAATONI[To) ßCo) 
av8p\]KAITOI[; T^xvot; etc.] 



5. Ibid. In die Südwest- 
mauer der Akropolis als Eck- 
quader eingemauert. Kalkstein, 
fast ganz zerstört. Sterbet III, 
365 No. 528. Abschr. von R. 
stimmt mit St. überein außer: 

z.i. ackahtiah:, cf. z.4/5, 



wo ACKAHTI I AOY steht und 
Sterbet ausdrücklich bemerkt: L. 4, end, is corrupted. 2 flu. KAIAYP. 
3. "EMOJNOC. 5. IVENEOY, das wohl versehen ist aus IVEAACOY, 
wie St. gibt. Menneas cf. Dittenbebgee, Syll. Or. II, 611 Note 3. 
Rott gibt Z. 2 (anders als Steeret s. oben) und Z. 6 AYP"E- 
MOJNHC. So müßte der Fehler, den St. 364, 2 annimmt (*1. 6, AP 
is omitted by the stonecutter between AYP and TEM') zwei Mal 
vorkommen. Das ist an sich unwahrscheinlich, andererseits ist mir 



350 



Olüborlu (Apollonia) 



der Name TEMdJN nicht, 'Ap-ffsp-cov aber wohl bekannt, sichere 
Entscheidung daher schwer. Zeit: III. Jahrh. n. Chr. Im Giebel- 
dreieck über der Inschrift (von Stebret nicht bemerkt) ein christ- 
liches Kreuz. 

6. Ihid. C.I.G. 3972 = Le Bas -Waddington, Asie III, 1193. 
Abschr. von R. bestätigt die Lesung. 

7. Ihid. Sterbet III, 524 B u. 525 A sind, wie schon St. an- 
nahm, zu vereinigen, da die Buchstaben (0,15 m h.) gleiche Größe 
und gleichen Charakter haben. Abschr. von R. 



8. Ibid,, im Haus Jordanis Dulger, als Treppenstein verwendet. 



sehr abgetreten. 

////YAENENAN^PlUn//////// 
////K////AIHIOCEMOPON 
////TICZIJJ0CEIJJNTEY5ETA4>0N 
AYTOCEAYTUJ 

/////MOCYNHI ? AlEXEin AI AAC 

////IA////////////0/////M/////////0///////// 



[o]'j81v Iv (ivOpö>[::ot<Ji 
x[ JXlTjtOS l|JLo[]ov 

aÖTÖ^ eaüTö 
[xvY]][jL0(7üvY] [x]at sxst(?) TuotBa^ 
ta 



9. Ibid,, im Süden der Stadt. 
Sterbet III, 379 No. 55<3. R. las: 

K 

ICA 

ONO/ 

AAO 

ONOCI 

ONKAIT/ 

ACAN 



10. Ibid,j im Hause 
Ajans Damianos. Bruchstück 
eines Grabsteins. Sterbet 
111,377 No. 547. Abschrift 
von R. 

Z. 2. cl>AOPEN-EI- 



11. Ibid., im Süden der Stadt, im Hause Deli Ibrahims. Grab- 



stele. 

/////////HNO//////, 

////nAniOYEnoiH • • • 

I^IßHATPinAniABMAPEGY 
MrsHMhCXAPIN 



[. . . . Z]TjVo[BoTtava) 
Mapea] Ila-tou lxoiY)[o'ev] 



Bajad bei Isbarta 351 

12. Bajad bei Isbarta, in die Südwand des letzten Hauses im 
Norden vermauert. H. 0,62 m, Br. 0,62 m. Stokret III, 333 No. 465. 

?YCYNEP????XPI?TSKAIA//////////7/ ^- ^' ^*® ^^^"^^^ 

TOYAnoYrEUJpnoYnpcüTc////// ^tuStglpTlliS: 

CVNOAIAEP/ABPAMIOYKAI///// ^„3 j^barta, Stebeex, 

YnOnPOArONTAANTinATPO//// Papers II, 118 No. 89 

5 nOP<|)YPICANTI(D0ÜNAPICnAYAOC = unten No. 18 , die 
HPAKAIC ? €N ////X ? ICnAYAOC beidemal von ihm müJ- 
KYPIAKOCCTATONIKOCAYSANllN verstanden ist Der 

ZUJTIKOCTIMOeiSATTAAOC ^^'t ^^'\f'^''''\ 

erhaltenen IL Formel 

lUJANNHCKOTOhHICEXeNNEC///// qY beweist die Kon- 

10 nAYAOCTEXNITHCcDIAinnOC traktion aus Bsoö 

KONUJNXPYCANeiAAAE^AN A// // (Traube, Nomina sacra 

cWAITTTTOC S. 88), zumal dort 

XPICTS wie das von 
RoTT sicher gelesene AFIOYTTN nur diese Erklärung zuläßt und 
Sterrets Ergänzung eToJu^ üv' aus Eaummangel unmöglich ist. 
CYNEP^ wohl a'jvepY^övTo«; oder cruvspYou zu ergänzen, dessen Be- 
deutung klar wird durch Beispiele wie Theophanes chronogr. I 
p. 14, 26 Boor: Toütw tw exet xpaTiQcra? tyjv 'P(6ji.Y)v Kowo-Tav-rTvoc 

6 b^zotyu^iffTiXo^ (cf. I, 20. 10) und Paulus Silentiarius descr. eccl. 
Sanct. Sophiae (Migne 86, 2, 2121), v. 6 (vom Kaiser): ''ü&sv (tw- 
spY^v auTOv (Gott) Iv -zoLic, T^pa^s^ytv syst^ 7;ap6vTa.^) Z. 2. Sterret: 
7rpa)T[Y]] ; nach R.s Kopie stand noch C, also wohl ein Adjektiv, das 
auf den Heiligen sich bezieht, daher wohl xpü)To[[jLapTupoc] , wie 
mir R. vorschlägt.*) 3. schlage ich £p(YsmoTaTO'j) des Kürzungs- 
zeichens wegen vor. 6. Sterret: Msv8[jLa[yjY) ; wohl den erhaltenen 
Resten zufolge MsveiiayM? , da R. y deutlich las, aber dann eine 
Lücke gibt. 9. St. IXe(r>£ve<7[toc]?, sicher gelesen, daher wohl 
CEXENNEC[tc]. Über ein zweites Ex. s. unten No. 18. 

13. Ibid. HiRscHEELD, Monatsber. d. Berl. Akad. 1879, 313 
= Sterret III, 334 No. 466 (vollständiger). Abschr. von R. An 
der Westwand desselben Hauses als Türwange benutzt, teilweise im 
Boden. H. 0,55 m, Br. 0,95 m, L. 0,75 m. Buchst. 0,07 m. 



^) Wie ich nachträglich bemerke, ergänzt Cumont, Möl. d'hist. et d'archeol. 
XV (1895) 292 No. 261 : 0eou auvep-^'ia >tat Xpia-ot3 y.at äyiox) 7rveu|JiaT0?. 

'^) Wie etwa C. I. G. 8609 ÖTy.oc oty-^'' alv.096ptov pt.aprJpo>v Teoip-^ou y.ai töv 
auv aüTß cTfuov oder Dittenberoer Or. II, 610 tou y.aW.iviy.o'j ayio^ (xdpTupoc rewpyiou. 



352 



Islamkoi. Egerdir— Isbarta. Findos bei Isbarta 



14. Islamkoi. Türsturz eines Brunnens am Dorfeingang, s. oben 
RoTT im Text S. 10. 

15. Am Weg von Egerdir nach Isbarta im Tekke als Türwange 
verwendet. 



APH6NYAAI0J 
AOYklOCkAAnO 
YPNIOCAYkOAAe 
INAAONrOCOYe 

TPANOceknPAn 

GJPlOYAYrOYC 
TOY 



'; 



A(oü>tCo'j) 'j(t6;) Ko>wXsiva Aoyyo? oösTpavo? 
1% ;:pa[tT](opioy k\iYyja':o'j Ao[X£Tiavoy xa\ 



YkAieeoYTiTO 
YkAieeoYOYec 

nACIANOY 



Die Verschreibung nPAn (Z. 5 f.) ist 
leicht erklärlich (und häufiger zu belegen). 
Der Name Domitians ist nachträglich era- 
diert, der Veteran also zu Lebzeiten des 
Kaisers entlassen. Die normale Dienstzeit 
des Praetorianers beträgt 16 Jahre, die 
Entlassung wird in die ersten Jahre des 
Kaisers zu setzen sein, denn es ist anzunehmen, daß unter Vespa- 
sian der Übertritt aus einer Legion, die diesem anhing, in die 
Garde erfolgte , als er die Garde restituierte (Tac. bist. 4, 46 ; 
V. DoMAszEwsKi, Phüol. 66, 167, der auch der Ansicht ist, daß 
dieser Mann in einer der dalmatinischen oder moesischen Legionen 
gedient hat), da es mir sehr unwahrscheinlich ist, daß in dieser 
Zeit schon Nichtitaliker direkt in die Garde aufgenommen wurden. 
Die Tribus des Mannes kommt in der Gegend vor in Iconium und 
Tavium (Kubitschek, Imp. Rom. tributim descr. 254). Als Veteran 
verehrt er noch seinen Heeresgott Mars Ultor (v. Domaszewski, Rel. 
d. Rom. Heeres 34). 

16. Findos bei Isbarta in der Mekteb, ehemaligem Chan, ein- 
gemauert. H. 0,29 m, Br. 0,33 m. 

6N0ÄA6kATA 'EvOaBs xaTaxtTS AoyYtvo? tou [JL£YaXo;:p(e7:ecr- 

toctod) xojjL(T^Toti) T'jpavvo'j. + 



klT6AONriNOC 
YIOCTOYMerA 
AOnPPKOMS 
TYPANNOY + 



Die Auflösungen ergeben das Amt des 

KoixTjC. Tyrannos (als Name: Reisen im südw. 

Kleinasien II, 170 No. 209; als christlicher 

Name z. B. Synaxar. Constantinop. ed. Delehaye p. 909, 55) scheint 

als Comes unbekannt. Mit einiger Sicherheit läßt die Bestimmung 



Findoß bei Tsbarta. Baris 353 

de.s Fundortes den Comitat erkennen. Da in den Biscliofslisten 
(Raäisat, Hist. Geogr. of Asia Minor p. 388 ; cf. p. 404 5, dort nach- 
zutragen Gelzer, Abhandl. Bayr. Akad. 1900 p. 556 und Georgius 
Cyprius ed. Gelzer p. 21, 414 ff. cf. p. 73, 1534 ff.) in einer Eeilie 
von 23 Ortsnamen der iTcap/ja Ui(ji6i%c ein BivSaio-j (Var. BivB£of> bei 
Eamsay, MivBsüo'j Gelzer S. 21,435) genannt wird, vermutete Rott 
(S. 12), daß dieses Bindds an der Stelle des heutigen Findos zu 
suchen sei (nordöstl. von Baris). Über das Alter des Ortes liegt 
eine Vermutung nahe. Ptolemaeus V, 5 , 4 gibt folgende Liste : 
ZsXsyKsta^ tyJ^ ütaiStac, IIaXai6v BsüBo^, Bapt^, KovavY) etc., Städte, 
die um Baris gruppiert sind. Noch Forbi&er, Hdbch. d. a. Geogr. 
II, 334 hat die Lage von IlaXatöv BsüSo^ bei Baris festgehalten, 
während Ramsay 1. 1. 405 (cf. auch Rüge, Pauly-Wissowa, Real- 
encycl. III,, 1, 375) die Stadt in der Nähe von Synnada in Phry- 
gien richtig lociert. Ptolemaeus las in seiner Quelle gewiß BINAOC 
und verwechselte es — bei ihm nicht unmöglich — mit dem be- 
kannteren B6YA0C; so kam dies in die Nähe, nach seiner An- 
gabe westlich von Baris (s. d. Tafeln von Müller, B1. Kleinasien). 
Kieperts Ansatz (Kleinasien 1 : 400000 d. betr. Bl.) ist daher anzu- 
erkennen, der Name Findos aber wohl entlehnt dem alten Ort, wenn 
auch die moderne Ansiedlung, wie in Aglasun-Sagalassos (Lanckoronski 
II, 127), sich verschoben hat. Unerklärt bleibt dann nur, was der 
Artikel -roö BivBaioü bedeutet, zweifelhaft jedenfalls, ob der Name 
dem Charakter des Orts entsprechend ähnlich wie 6 tgö 'Ayio'J 
IlpoxoTwiou (Gelzer, Abh. B. A. 552 No. 119; cf. S. 561), toO 'Ayio'j 
KopvYjXto'j Q.l 553 No. 194), tou 'Aylryj 'AyaTniTOü (1.1. 554 No. 306) 
zu erklären ist, oder wie 6 toö ApsTwOcvou (554 No. 270), Totl 'Aaa- 
[xo)TOü (570 No. 63), Toti 'Ispoö (555 No. 368). Da in der Liste des 
Georgius der Ort zu den Städten der £;:apyia UigiUocc gerechnet 
wird, so war der Com es zweifellos dieser Provinz gesetzt. 472 be- 
kleidet der Comes Pisidiae ein Militärkommando wie die Comites 
aller Provinzen, „die das Land der wilden Isaurier umgeben" (Seeck, 
Realencycl. III, 661 No. 70). 

17. Baris, am Architrav einer Tekketur. B. C..H. 1879, 343 
No. 20 = Sterret, Papers II, 117 No. 87. Abschr. von R., s. oben 
Text p. 9. Auch R.s Lesung in Z. 1 nicht ganz gesichert, da alle 
Kopien übereinstimmend EPIIKS^IOY ergeben, also wohl ein Nomi- 
nativ 'Ezix[t7)tt,c] zu ergänzen ist zu avsKTtasv. Falsch Sterrkt 
Z. 2, vielmehr 'IvB(t>tTi(r)voc) y\ Zur Eingangsformel cf . C. I. G. 8624 
u. sonst. 

Rott, Kleinasiatische Denkmäler. 23 



354 Baris 

18. Ibid., an einem Bronnen daselbst die Marmorinschrift 
als Einfassung der Ausflußröhre benützt, daher stark verwittert. 
H. 0,92 m, Br. 0,68 m. Steeret, Papers 11, 118 No. 89. 

Z. 1 zu restituieren nach Rotts Lesung: 

ÖYCYNEPSKAIXPICTSKAIAnOYnN (s. oben No. 12). 

Z. 3. AlAeCTYAHNWINEIWANNC. 

Sterbet AIA6CTYAI//INWI\EIWANN-C. Fehlt hier (Z. 2/3) das 
Adjektiv, so ist anderseits unklar, was für eine (juvoSia gemeint ist. 

Z. 5. Anf. r ' LU oder H , das Stekrets Ergänzung [IIpoJdcYwv 
entgegenkommen würde. 

Z. 7. Anf. AAAIKICR. Z. 10. ZUJTIKOC. 13. las R. nur 

(WAinnoc n?? 

Beide Exemplare geben ganz verschiedene Namen, stammen 
aber wohl aus der gleichen düvoSCa, denn das erste scheint als Bau- 
stein verschleppt. 

19. Ibid., Sterret II, 119 No. 90. Abschr. von R. 

20. Ibid,, im Hause des Griechen Demeter. H. 0,84 m, Br. 0,37 m. 
(Stamm 0,33 m.) 

EYXH0EOAWPOY Ei>/ri GsoSoSpo'j Biaxovou. 

AIAKONOY + 

Formel cf. Sterret III, 301, 477. — Der Stein ist vielleicht 
verschleppt aus dem 2 — 3 Stunden entfernten Dorf Aglasun (Saga- 
lassos), wo Lanckoronski, Pisid. II 232 No. 235, allerdings mit den 
Maßen 0,35 m h. 0,18 m br., die gleiche Inschrift und ihren Schmuck 
beschreibt. 

21. Ibid., im Vorraum zu einem kryptenähnlichen Raum unter 
der Kirche St. Panteleemon zwei Grabcippen (s. oben Text S. 8). 
Der eine ist verkehrt in dem Fußboden; der andere trägt die In- 
schrift, die CoLLiGNON B. C. H. III, 1879, 344 No. 22 als an der 
„grande eglise de la Dormition de la Vierge" befindlich beschrieb. 
H, 0,43 m, Br. 0,32 m, L. 0,52 m. — Z. 1. BABEIAHC Collignon, 
von RoTT sicher gelesen BABEIAOC, Frauenname; cf. Sterret 
III, 480: E'jcppocT'Jvr, r^ xai Bajisic. 



Baris. Aghras (Agrai). Gjönen (Conana) 355 

22. Ibid., Grabstele im Besitz des Türken Sawa Arslanoglu 
am Bazar. Reiter mit Chlamys und dichtem Haar. H. 0,36 m, 
Br. 0,31 m. 

AYPHAIOCMOAHC , , ,, ,,,, Über den Kult des 

KAEUJNOCCmZO "^'P^^'"' '^^'^"'^ ^^"^^« ^^^^^ ^*- 

i^i-f-ir^wx/i 11^. KXecovos Sw^oIvTi tiym. Collignon, B.C.H. 

IV, 291 ff., besond. 

Deneken bei Eoscheb, Myth. Lex. I, 2564. Die Parallelen beweisen, 

daß eö)(^v stehende Formel bei ihm ist. 

23. Aghras (Agrai), nordöstl. von Baris. An der Wand der 
dortigen Medrese ein Grabrelief, von Pilastem seitlich eingefaßt, 
in der Mitte Buckelschild über gekreuzten römischen Schwertern. 
Darunter die Inschrift Sterbet IH, 337 No. 471. Z. 2. [MHJTPI- 
ANO[Z] nach Rotts Kopie. 

24. Ibid., an der gleichen Medrese. H. 0,80 m, Br. 0,69 m, 
L. 0,31 m. Sterret III, 336 No. 469, den R.s Abschrift Z. 1 'A(jxXy]- 
xioBwpoü berichtigt. 

25. Ibid., an der Nordwand der Medrese. Abschrift von R. 

Zu entziffern vermag ich nur : 

/;///AAH6e THenOA/iXoCiXr///// ix]aXYiepY^,0'Y] 6 vaö^ &y[i(h^%Toq] 

///////y(XrHoyreoprHoyr;>/n/////// ^o]ö Äyfou rsopyfoü 

/////l>H(XcCTHO/VOCCH(Xe/////// Br.at [?] Tr,ovocr(Tr,a{> 
nö^nAA/HKHTÖ^NTSdAI///// 7:a7ca toYixYjTavTOü . . . 

26. Ibid, dicht daneben, Bruchstein mit 0,14 m hohen Buch- 
staben. 

DIVO ? 

27. Gjönen (Conana), nördl. von Isbarta, im Hause des Türken 
Akischoglu Mehmet Ali, Grabaltar in Säulenform mit Bukranion. 
H. 0,91 m, 0,32 m Durchmesser. 

AYP • A A6 

KAinAMENIC ^rC' ^ / ^ ' 

r?/ 1 KOYnATPI r[XaüJxoü xa^pi [xvrXpi?) yap^v. 

AANHXAPIN 

23* 



856 Gjöneu (Conana) 

KAAIHA 28. Ibid., an der Süleklü Tscheschme. Grabstele 

XOCTTP *U8 Kalkstein. Ornament mit Bukranion. 

OKAOY 

HAHAA 

U>HTIN 

NlllNH 

XINHC (Sic) 

XAPIN 



Ka(X)X(f».a)roc Hp6x7.o*j lIai:a8o)rjTiwi(?) 

{i.vif;[j.<v>T,; yxpu. 



29. Ibid., am gleichen Brunnen ; harter Kalkstein mit Bukra- 
nion unter einem Giebelfeld. H. 1,5 m, Br. 0,46 m. 



nAHVAQC 
KAAAIMAXO) 
nATPIMNHM 
HCXAPIN 



IlaK'JXo? KaX7.t[j.a)r<i) izoiTfi [xvifj[j.Yj; y^apiv. 



ANTIOXOC 30. Ibid. bei Hafls Mehmet. Grabstele 

0IAITTTTOY 8,18 Kalkstein mit Kranz, oben abgeschlagen. 

ANTIOXOJ ^" ^'^^ ™' ^^' ^^^^ ^'^^ ™' 

TeKNOJKA 

lATGJZGJN 'AvTioyo^ OtXi;:7uoti ^Avzioyo) tsxvo) 

AANHAAHC ^°^'^ ^^^ ^^^ l^^i!^^? X=^P^^- 

XAPIN 



31. Ibid., auf dem Kirchhof; Architravstück , tief im Boden 
steckend. 



MYTO p-(o ? 



32. J&i J., bei Tscheneroglu Sintschausch ; Oberteil eines Grab- 
steins mit schönen Typen, später zu einem rohen Würfelkapitäl 
umgearbeitet. 



////YAIAAPPIAK///// ^,,^^^,^,,^ ^ 

///EPEINHTH-A//. ,r .' . " ' , ' ii^ 



I "'1 



/VTATHZYNBI ,' 7 



Gjönen (Conana) 357 

33. Ibid. Sarkophag mit Deckel vor der Dschami]. H. 0,76 m, 
. . L. 1,94 m. Deckel als Satteldach mit Akroterien 

und Imbrices. Verklammerungen noch sichtbar. 
NOCKAAYr ^^f ^ejn Inschrifttäfelchen (Br. 0,30 m, Länge 

KIAAHMH 0,48 m) die Inschrift Sterbet HI, 349 No. 491, 

TPI JT deren Z. 2/4 Rott wie nebenstehend liest. 

34. Ihid.y an der Ecke eines Hauses im Süden des Dorfes. 
Das untere Stück einer Stele. 



AI/ 


a& 


ClAHl 


(TiaYjt 


AYTOYC 


tli;] aÖToij«; [(xvi^ 


HHCXAP 


[j.Y]s yaptv 


^ 


^ 



35. Ibid., in der rechten Portalwand der großen Dschamij. 
H. 0,32 m, Br. 1,02 m. Steeret III, 340 No. 475. Z. 1 gibt R. 
die Spuren von xa[Tpi]. 2fin. ANAKTOZ. 4. OYrATEPQN 
und ATToAASNIAoZ: (vollständig!). Am Schluß ziehe ich si^a- 
Tsfsi[Y)]s vor. 

36. Ibid., bei Stambula Hafis. Grabstele, Bruchstück noch 
0,58 m h., 0,47 m br. 

////////ocnpoc 

///iANOCAIAYTOl) r 1 ^ ' - y-r ^ ^ ^ x ' - 

p%r,? yapiv. 



ZCOTIKAinAT 

PIN0YM6CI(jüM 

NHmCXAPIN 



37. Ibid., bei Medschid, unteres Bruchstück einer Grabinschrift. 
Stekket III, 345 No. 483. Z. 1 las R. nur: EYI. Z. 4 dagegen 
vollständig xai (jir^Tpi. 

38. /6irf., am Kadi Tscheschmesibrunnen im Osten des Dorfes. 
B.C.H. 1879, 340 No. 15, besser bei Stekket IE, 338 No. 478, dessen 
Abschrift Z. 9 hier zu vervollständigen ist, wo R. TTANKPATI las^ 

Aber die Datierung der Inschrift auf das Jahr 261 n. Chr. ist 
nicht so gesichert, da die Sullanische Ära doch nur für die Städte 
der Provinz Asia gilt. 



358 



Gjönen (Conana) 



39, Ihid., am gleichen Brunnen Bruchstück einer Grabstele mit 
Bükranion. 



TdcTa Tsi[xoO£o) Der Name in Lycaonien und 

©EnMINH^KI uLv^Mt)^ Yocpiv. Cilicien bekannt: Heberdey- 

XAPIN <2r ' Wilhelm, Reisen in Kilikien 

157; joum. Hell. Stud. 1890, 164 No. 22; 166 No. 30. 



///AAYAIA(|>AA 

OYIAOYAPIAAA 

ZYNBIOEKAI 

KAAYAIA(|>AAOYIA 

TIBEPEINA0YrATHP 

tikaayAiooyapo 

MNHMHEXAPIN 



40. Ibid. Grabinschrift verstüm- 
melt, bei Glabosoglu Mehmet. H. 0,52 m, 
Br. 0,38 m. 



'? 



[KjXauBia OXaoüCa OuapOAa (Tüvjäio^ 
xol KXaüBCa <I>Xao'jCa TißspsTva OüyaTTjp 



41. Ibid. Bruchstück eines Grabsteins auf dem Mesarlyk, der 
von seitlichen Pilastern eingefaßt ist, darüber Giebelfeld mit Eck- 

akroterien. Br. 0,36 m, H. 0,68 m über dem Boden. 



IOYAIOY 

*iAono 

AEITOY 



louXioü OlXoTUoXsiTOÜ. 



42. Ibid, an der nordöstl. Kirchhofsmauer. Fragm. H. 0,26 m, 
Br. 0,64 m. Stebbet III, 351 No. 498. 



C(jJC0eNHCKAI 

ANTIOXOCMO 

AHHATPIKAITA 

TIATHMHTPI 

JUNHllHC 

XAPIN 



43. Ibid. Grabstele bei Kadioglu Ibra- 
him, umgekehrt. H. 0,47 m, Br. 0,42 m. 

SwcrO^vYjs xol 'AvTiojro; M6Xr/i) 
7:aTp\ xai TaTWt tt] (Jir^rpi 



ÜHTHPOY 
AAePIWT 
6KN(jl)HNH 
JUHCXAPIN 



44. Ibid. Verstümmelte Stele mit Kranz. 
H. 0,54 m, Br. 0,35 m. 

r^ BsTva] [JiYjTrjp OiaXeptto tsxvw 
[j.vT,[j,r,; yapiv. 



Gjönen (Conana). Budjak 359 

©ATTIA 45. Ibid., Stele auf dem Kirchhof bei der 

N(jJ0P6YA Dschamij. Im Giebel ein Kranz, an den Enden 
NTI6IAI Akroterien. Br. 0,33 m, L. 0,69 m über dem Boden. 

CXAPIN 2u lSCq> &pe'^avTt cf. Sterbet III 505, 1 . 

46. Ibid., am Wel-Tscheschmesi-Bmnnen. Inschrifttafel unter 
einem von Pilastern getragenen Giebeldreieck. Darunter zwei Hände. 
Br. 0,45 m, L. 1,25 m. B.C.H. HI 1879, 337 No. 6, besser Steeeet 
III 345, No. 484, durch den die Ortsangabe („^Eüvirobä de Bo'uldours' 
Cöpie communique par le syllogue hell6nique d'Isbarta") widerlegt 
ist. Abschrift von R. 

47. Ibid., an der Kirchhofsmauer im Westen des Dorfes. 
MAPKOElOYAlOZMoN ,,, n ^ \. - 
TANOZKAIMOYAIOE ^, L\ ^\ .c ni >ai . 
(|>POYrHM????KYIAATOnA . /,, \, \. . . 
TPIKAIlOYAlAnPOKAA * . Li . ' / 

? aYiTpi ultoil ixvTar.^ yapiv. 

MHTPI?YTOJMNHMHEXAPIN r . a 

48. J&id., im Dorf, ganz verstümmelt. 

YAICKOIN ]jXi? KoCv 

APIKAIK ? Tö dtv]8p\ xal K 

CHATPI ? (7] xaTpl 

NHMHCXA p]%Y)c ya- 

piv] 

49. Ibid. Steeeet II, 348 No. 489. Abschrift von R. 

50. Budjak, an einem Brunnen im Osten des Dorfs jenseits des 
Bachs, Rest einer großen Bauinschrift. Buchstaben 0,20 m h. 

MARM. 

Dazu gehört sicher: An der Ortsmauer des dortigen großen Seld- 
jukenchans die Kalksteininschrift. H. 0,68 m, Br. 1,20 m, Buchst. 
0,20 m. 

TEXHED 

EMTATIAV 

kaum ergänzbar. 



360 Indjirchan. Tschibukchan. Ewde Chan 

51. Indjirchan, nordwestl. von Budjak. Kleiner Grabaltar aus 
AHmHTPI einem eben aufgedeckten Hypocaust. H. 0,34 m, 

eVXHNMOY ^'- ''''-''^' '"• 

CAIOCB Ar,[XY]Tpt söyY)v Moücrato? (i' 

XAPHAOC XapY)Bo?. 

52. Tschibukchan, nordwestl. von Adalia, südl. von Bajamatsch. 
In der Westmauer ein Kalkstein mit halbverlöschter Inschrift. 
H. 0,40 m, Br. 1,00 m. Abschrift von R. 

?AAII?IAIIP??IIN?NAIPOZ?NH?Ali 

TillEPilTATilTAlfin ? OYK AI 

ThrEPrAIHNAI 

V ? THZnANTAI A0OYKATEZKEYAEE 

TOYTnKENn?ANOYTEKNOIZ??OIE ' 

T(o ispö)TaT(t) Ta[[x]io) you (Bpa/jjiac) xai 
Tfj llspyauov ^A[pTe[xiBt 
"At PJtt,? lIavTa(Y)a&oü xaT£<7xs'ja<7£ 
TOüTO) xsv(o[ ]avou t£xvoi^ [föt]oi?. 

53 a — d. Bei Etvde Chan (nordwestl. von Adalia, s. oben Eott 
S. 29 f.), im Gebüsch vier Altäre, die in einem Quadrat von ungefähr 
4 m von einander entfernt aufgestellt sind. Weißer Kalkstein. Ab- 
schrift von Dr. Michel. 

> 

a) noch aufrecht stehend. H. 0,60 m, Br. 0,45 m. 

T0EAZEAEY0EPAZ oben: T(?,?) O-sä; 'E^xjWpa?. 
ThKAZHNoAo Tifflspto;) K>.(aü8io;) Zr.voSo- 

TIANOZMoA Tiavo? MoX- 

AIANOZYIOZ Xiavo; uw? 

ThKA(|)AßPOY ä. Tt,. kX. a)Xwpoj 
EIPHNAPXOZ £j?T,vä?/oc 

ATTOAAnNITTA 'Azöllom llaTpo.w. 

TPnn 

bj noch aufrecht stehend. Schriftfläche: 0,53 m h., 0,40 m br. 
///;;;, ;/EAZEAEY0EPAE oben: [T(7;?) 0-]£ä? 'EXs'/j'spa; 

TI-KAZHNOAO folgt da» gleiche 

TIANOZMOA 



r/" 



EwdeChan 361 

AIANOZYIOZ 

TH<A<l)AnPOY 

EIPHNAPXOZ 

NEMEEEI z. 7. \e[ji(7si 

AAPAZTEIA 'A8pa(TTs(a. 

c) noch aufrecht stehend. Schriftfläche: 0,45 m br., 0,55 m h. 

T0EAZEAEY0EPAZ id- 

TI-KAZHNoAo 

TIANOEMoA 

AIANOZYIOE 

TI-KA0AßPOY 

EIPHNAP Z. 6. sJpTjvap- 

XOETYXH X°? Tj/y) 

APAGH dyaOf,. 

d) umgefallen. H. 0,58 m, Br. 0,45 m. 

T0EAEEAEY0EPAE w. 

ThKAZHNoi^o 

TIANOEMoA 

AIANOEYIOE 

ThKA<|)AnPoY 

EIPHNAP • Z. 6. E?pT,vap- 
XOEAPTE Xos 'ApT£- 

MIAIAPPO pSi 'AYpo 

TEPA -rep«. 

Der Eirenarch (über diesen Hikschfeld, Sitzungsber. Berl. Akad. 
1891, 850 f. und Liebenam, Städteverwaltung im Köm. Kaiserreich 
858) stiftet diese ganz einheitliche Dedikation vier Gottheiten, von 
denen der erste Stein dem in ganz Lykien heimischen und herr- 
schenden Gott (Benndoef, Keisen im südwestl. Kleinasien II, 119; 
DiTTEXBEKGEE, luscr. Orient. II, 245 No. 565) gilt, die anderen den 
Gottheiten, die ihm in seiner Ämtszeit am nächsten standen. Über 
Nemesis-Adrasteia cf. Giutppe, Hdbch. d. Mythologie II, 1086, 2 und 
die reichen Sammlungen von P<jsn.\nski, Breslauer phil. Abh. V, 2; 
EoscHER, Lex. III, 117 ff.; über die Beziehungen der Artemis zu 
Nemesis cf. Posnanski S. 28 ff.; cf. auch Gruppe II, 1283, 1. Über 
Tyche und Nemesis cf. Posnanski S. 58 ff. Die Ausbreitung des 



362 Auf dem Weg nach Adalia 

Kults der &ea 'EXsü&spa ist im wesentlichen über Lykien verbreitet 
(Eeisen II, 114 XIX A. 11 ; Pauly - Wissowa V, 2, 2344). Man hat 
anzunehmen, daß es die Schutzgottheiten der Eirenarchie sind und 
daß sein Amt ihm Ehre gebracht hat, daß an dem Fundort das 
Amtsheiligtum stand, und ferner zu beachten, wie die in ihrem 
Wesen sich nicht völlig gleichenden Gottheiten neben einander selb- 
ständig kujtisch geehrt werden. 

54. a) Südlich auf dem Weg nach Ädalia. Sarkophag aus Kalk- 
stein, dessen Inschriftplatte rechts zur Hälfte weggebrochen. 

TPOKONAAIKYAPHCCEOCKATECENCOMATO////////// 
nYGIAAlKAITOnPOENriMENOYlOA////////// 

Tpox6vBa[c] KüSpir)<7<7eo)c >taT£((TT7))<7£v <7ft)[xaTo[&T^KY]v ea'jTö 

IIüO*iaBi xa\ tö TrposvyilJivo) ulö 'A[? 

b) An einem Täf eichen am gleichen Sarkophag, H. 0,48 m, 
Br. 0,52 m (Fortsetzung des vorhergehenden). 

©VrATPlAYTON 

APTEMEIAAOAE ©üyairpl aÖTÖv 'ApT£[xsi, aX(X)(o Se oöbsvi 

0YAENIE50NEINAI i^^v sTvai ämOoc'^at grepov. [6 xei]pa<7a(0 

EniOAYAlETEPON//// £xTs£(<7ei) tö kpcoTOtTco Taii^sCa) ^'. 

PACAEKTEITOI 

EPOTATOTAI^EI y « ^ .. . <>. k o 

Z. 7. Ergänzungen vom bchreiber aus- 
OXA*P gelassen. 

55. Ihid. Sarkophag. 
AYPZ(üDMDCYIDCEOCJTDCKATECTHCEN(sic!) 

Aöp(i^Xios) Z(o(7i|xos uB; 'Eoö'iro;(?) 

darunter (R 0,40 m, Br. 0,56 m) : 

CWMATDBHKH 
EATWKAITHrv 

NEKIWCVA??? <70)p.aToW,xY)[v] ix-& xat -:?, Yuv(aOx\ [(r>[i.ßiw] 

AEDNTIAIKAI AeovTiBi xai toT? eau-rwM. £i:£p(o Ss i».YiBev\ 

TDICEPAVTW? |y^^^ [TE-acpMai i)T' 6 7:]s[tpacra? etc. 
ETEPWAEMHAE 

NIE5DN/////////////;// 
///B//////IE/////////// 



Am Wege nach Adalia 363 

56. Ibid., an einem Grabmonument. Breiter Kalkstein mit 
einzeiliger Inschrift. Sehr beschädigt. 

/////// APAMNH AI AM ???? N 

////l 1 1 nO ? ? ? I / ? ? ? ? ? ? M APOYTPOKON AOY ? ? ? 

? nOAAONlOYKA ? ? NOYPA ? ? OirTHNZOM ATO0H 

KHNKATEZKEYA ?? NETEPOAEOYAENEHEZTAI 

?ni0AYAI 

'AYat».vY)8Ca M????N 

...NN nO[XXo)] l[M] /?????? Mapou TpoxovBoo [to3] 

'AxoXXwvCo'j KA?? NOYPA? POIA-riiv (TO)(jiaToJWixT,v xa[T]s- 

57. Ibid. Sarkophag. 

A?PAPTEMEICZOTIK0YKA ??? 

MAXOY E]AY1HKAI///// 

? ? ? ? AN APIAYPEAYPEAY ? ? ? ? ? KAI ? ? THNOIKYAOPO 

KAIMAPKOETEPOAEOYAENI ? HEIPACA/// 

/////////TOTAMEIOX5 

Aöp(rjX£a) "ApireiJLei? Zojtixoö Ka[XXi][Wtxot> [to3 BeTvo; 13 Buchst] 
e]au-:^l xol tS [tSCw] livBpl A-jp(Yi>>fo)) Aiip£X(tou) u[tö?]???y.al?? 

TTjV OixüSupM xa\ MapxM, £T£pw 8^ oöSsvt. [6] x£tpä[(T]a[$] [ixTswst] 
TÖ Ta(i£((i> XB'. 

Oix'jBßpo; und Mapxo; werden die Söhne der Stifterin sein, und 
vorher muß der Name des Gatten genannt sein. 

5S. Ibid., in der Nähe an einem Sarkophag, aus zwei Stücken. 

AYPXPYCAN0(OCKA/?KI?OYKATEC"HCENCa)MATO 

0HKHMEAYT(OKAITH"YNAIKIAYTOYAYPAPMACTA 

? 
Aöp(if)Xto;) XpuffavO-MS K[AZ]K[Cv]OY xaT£<TTr,<Tsv aot^a-'j- 

&T,xT,v £auTö xai -rtl yuvatxi aÜToö Aup(T,X£a) 'ApjAOffTa. 
Darunter im Glipeus Inschr., H. 0,39 m, Br. 0,38 m 

ETEPCJAEOYKE iT^pw 11 oöx i- 

HECTAIET7I0A %&r:xi i-ib'd- 

YAIffOIAnOACJ (!>ai y-toi isoSo)- 

CElOTOYTOnOI (TEi 6 toüto ::ot- 



364 Am Brunnen des Ewde-Kawes. Adalia 

H:ACT(jJEP(OTÄ ^^a? t« [i]spwTa- 

TOJTAMEKOXB* tw TajjLsC« XB$ 

TOCE?OYDAN TOC EY^OYDAN 

und ganz unten: 

EKAIKEIINETTITPITWI^PEI lo IxBtxeTv Itzi -zphoy [lipsi. 

59. Am Brunnen des Ewde-Kawes. Kalkstein 0,23 m h.y 0,64 m 
br. Abschrift von R. 

// //POKON AOYA ? ? TEOYZXPYZOXON 
/ //HPAK AEI A ? ? AlOAOTOYTHNrY 
// 7PMAIOZK AIA ? ? ? \ZTAOIAnE AEY 
//,//?? ETI??? I ??? E ? FEEIHZENEKEN 

TjpoxovSo'j 'A[pa]Tsoüc Xp'J<Toyov [xatj 
'HpaxXstBou AioBoto'j ty;v y^houca 
'E]p|j.aTo? xai 'A[p[JLa](7Ta oi ax£>.s:j[i>epoi 

ap£]T[Y]C Xai £'j]£[p]Y£0'tY)C £V£X£V. 

60. Adalia, In der Nähe des Bazars beim Abbruch eines Teils 
der alten Stadtmauer kamen folgende Inschriften zum Vorschein : 

a) Kalkstein, stark übertüncht. H. 0,40 m, Br. 0,45 m. 
? ATPI AOEO A Yl/ // [AÖTOxpocTopt Kateapi Tpaiavö ' A^piavö 

KOEMOYYHEP ;:]a[Tp]tSoc '()X'j[p,7:i](o lo)TYi[pi] to[ü] x6^|j.0'j 

THEETTIBAEEIIE ^^^ ^^ äT-iäa^jEwc aiTOj (I)a(7T,X£[i]Tcov 

AYTOYcOAEHAE? . rj, v' r %^ ?;- ..i 

r uO'jAt [xat o oraocj. 

tunhboyah 

Die Ergänzung ist durch die Parallelen gesichert, die zuletzt 
in meinen „Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Hadrian** 
S. 225 zusammengestellt sind. Der neue Beleg ist insofern wichtig, 
als er die Dedikation der Kultzentrale enthält. Denn, wenn er in 
Adalia gefunden ist, kann er dahin nur verschleppt und in der byzan- 
tinischen Stadtmauer, die zwischen 912 und 916 errichtet wurde 
(Lanckoronski I, 9 ff.) , . verbaut sein. Adalia und die nähere Um- 
gegend ist, wie mir R. versichert, arm an großen Bausteinen, Phaseiis 
ist nach der einen Richtung die erste größere antike Stadt. Das 
Resultat bestätigt Inschr. No. 63, die gewiß in Phaseiis aufgestellt 
war, wie die Inschrift No. 61, die, wie Ramsay (B. C. H. VII, 266 ; 
anders LA^x'KOKONSKI I, 258) annimmt, aus Perga stammt. 



. Adalia 365 

61. Die Inschrift B.C.H. VIII, 265 Xo. 7 = Lanckoronski 
I, 258. Von K. revidiert. 

Z. 2 kommt Rotts Kopie Ramsay sehr nahe, während L. viel 
mehr Buchstaben gibt. Ramsays Ergänzung [a^j'jXoc] scheint mir 
gezwungen; zumal die Formel Ispa xai 7.a[jL7:pa xol IvBo^o^ xol vsw- 
xopo^ bei L. S. 167 No. 34 wiederkehrt, scheint es hier zu heißen: 
*?; Ispa Xa[x;:pa xai €vBo|o? vewxopo^. 

[RoTT gibt Z. 2 : BOY 

AEYTHNHIEIAf^?\ . I ? ? KAIEN A.] 

Z. 5. 6. EYEPrED(jJNH?IYATO ETWN (kleinere Schrift) 

? ZA ? ? ? ? P ? nOYr? K AI AIOCKOPI AO. 
Unsicher, die Ergänzungen bei Lakckobonski ungenau* 

62. Ibid. , am Tor beim Tekke , sehr zerstört. H. 0,50 m, 
Br. 0,55 m. Veröffentlicht schon B. C. H. IX, 436 und benützt Prosop. 
Imp. Rom. I S. 14 No. 117. Rotts Kopie gibt nichts neues. 

63. Ibid., Stadtmauer. 

MOAHTA M6XT|Ta KoXaXr,|jio? toö 'Evßp6|j.oj 

KOAAAHNEOZTOYEN *a(7T,X(Tr,v [T]pox6v8a^ xal Az[^]z'zfix 

BPOMO¥a)AZHAITN xai I,6po^ xai TpipiYijxt- ol 6äö 

? POKON AAEKAI AE ai-roü ae'j&spoO^vTs- xa5>o>; Bi£&sto. 

? ETPIAK AIZYPOE ^. „ ^ i. i. . i. ^. 

A TD QU n Form der Buchstaben, bes. 

KAITPEBHMIEOIY ^^g y^ beweist die Datierung in die 

nOAYTOYEAEY0E Zeit nach 150 (Benndoef, Reisen 1, 71 

PI10ENTEZK A0flZ mit Änm. 1 , wiewohl die andere Grenze 

AIE0ETO (230) nicht erwiesen ist, da noch in 

den Soandereinschriften [11. Jahrh. 
oben S. 141] das Y vorkommt!). Die Namen MoXr^c und TpoxovBac 
sind in Lykien heimisch. Zu 'Ev^ipoiio; cf. C. I. G. 3, 4332, 24. 

64. Ibid., Stadtmauer. Kalkstein 0,65 m h., 0,40 m br. Wohl 
unvollständig. 

KOYPTIAIHAY 

AEINAIAPXIE KojpTta llajXstva apyispstoc 

PEIAITOYZ ^o'J; (i(o[xoJc. 

BUMOYZ 



366 Adalia. Lara bei Magydos. Solak bei Perge 

65. Ibid., beim Bazar an der Mauer. 

//i///\//l/C//l/l//////IVSI/,l//////// ? • ? 

AEMCAniTOMISSICIVS Aem. Capi(t)o missicius 

EXLEGHICYRENAICAC ex leg(ione) IH Cyrenaicae (sie) 

EXTESTAMENTOARBIT ex testamento. Ar[bi]trio 

RlOHEREDVMhCSE heredum h(i)c s(itas) e(st). 

66. Ihid. Marmorner Sarkophagdeckel mit Ornamentresten, 
H. 0,08 m, L. 2,18 m, eine Zeile; früher in einem Tor vermauert 

AOrrOZEAYTßTHNZnMATOeHKhNKAITH 

ZYMIflAYTOYAYPGEOcWAAKAITOIEAlAAOXOIZAYTOY 

(rj[j.(ji)iw aÖTOö Aap. QtofCkoi(i) xal toT? 8ia86)rot{ aöroö. 

67. Lara bei Magydos, im Caf6 bei der Kirche. Unvoll- 
ständig. 

////'ETHZENEKAKAlOIAArAeiA (ip]sT9i? evex« xa\ (pdaya^ux- 
/////ZEXnNAIETEAEIEIEAYTON 5 % Ixwv BtsTi^^si el? auTÖv. 

68. Solah bei Perge. Sarkophagbruchstück als Grabstein ver- 
wandt; die andere Hälfte der Sarkophagwand in der Nähe gefunden. 
Guirlanden, Trauben, Meertiere als Ornamente. 

KAIBOY AOMAI Kai ^o61o\tjxi (Jis-ra tö äcTOirsO-7,vai 

METAT0AT70TE Tr)v ^r^-ifx pu xopa[? 

0HNAITHNMH christl. Inhalt? 

TEPAMOYKOPA 

69. Ibid. Marmorblock, tief im Boden steckend. H. 1,35 m, 
Br. 0,39 m. 

EAYTßKAITOIZTEK 6 SsTva] sauirö xai toT? t&c[vois xat] 

THrYN ? I ? ? AYTOYPOY ^ Y-jv[atxi] aÖToD 'Poj[<p(voc] 

TO????lEIONTITON r:'o [[j.vyiij.]£Tov Titov[ 

KON ? El ? lONIO YZ xov ? st ? iovtoj5[ 

70. /6irf. Marmor, tief im Boden steckend. Höhe über dem 
Boden 0,82 m, Br. 0,30 m. Buchst. 0,09—0,10 m. 

vrEVMELVn ?]iis Eumelus[? 

Eumelus cf. Laxckohoxski I, 170 No. 50 Z. 3. 



Jankoi. Side 367 

71. JanJcoi (östl. von Sillyon) auf dem Mesarlyk. Marmor- 
postament, r. u. 1. beschädigt. H. über dem Boden 0,95 m, Br. 0,45 m. 

0EMI??OE///// (-)s|xi[crTuo] ^rrrr 

ElOYcWAOTTA gIoo (fikorA- 

TPlAOPcWAO TpiBo[?] ?i>.o- 

T7ATPIAIKAI TcdcTptBt xa\ 

PANAI'PTIl Mavap^Tco 

PONBUMONIAI t]öv ßto[xöv a(- 

?OIAT7EAEY0E a] ot dcxsXsJ&e- 

POITHTTATPIl p]oi TCO xdtTpto- 

PIKAIEYERFE v]i xai söspYe- 



TH 



^ 



72. /Side, in einem Privathaus. Marmorplatte mit Loch zum 
Befestigen, 1. beschädigt. H. 0,37 m, Br. 0,71 m. 

////AKIC(|>PONTICTHCTHCAri(OTAT 
////nPOJTHCCYNArOJrHCECTHNEYT 
////OCKAIANEnAHPOJCATHNMAPMAPWCINAnO 
////AMBOÜNOCEWCTOYCIMMAKAIECMH^A 
///ZAYOEnTAMY^OYCKAITAAYOKIONOKE 

(|>AAAINAIEIV1A 

'Ap<7]axi<; (ppovTMJTTj^ t9;^ ^ywotoct- 
y,c] zpo)Tr^5 (TJvaywY^j? IdTr^v süt- 
6yv]o(; xai (ive7:).T^p(t)(7a ty)v p.ap|JLapo>(Tiv iizb 
toDJ ap.ßo)vo? £(0? To3 (71|ji[jä xai E(7[irj^a 
6 TOü]c Süo 6XTa[jiü2oü$ xai Ta Büo xiovo7i£- 
(paXa lvB(ixTt(ovoc) ts' (jLy|(vö?) B'. 

Z. 1. Den Namen 'Ap^rjaxi? oder besser noch Oapvjdcxi? ergänzt 
mir Prof. Deissmann, der mich bei der Ergänzung gütigst gefördert 
hat. Daß in Z. 2 xpwTr^^ (TuvaYwy^c als Lokal zu gelten hat, zeigt 
das Amt des cppovTwrTfj^, das im griechischen Kult vorkommt ('^pov- 
ti<7tJ)s ispoö 'AcppoÄCToc Osä; C. LG. 4716% 98 n. Chr. Aegypten; 
Prof. Deissmann), also wohl später von Juden übernommen ist (Östr. 
Jahreshefte III Beibl. 21/2: 'Ajiö xacrrjC dcv{>po)::s(vy,^ (p'j<rs6)^ tesxeiva 
^O'opÄ^ TÖv 'I(Tpar,>iTY)v Xa6v yaXivaywYTQ^ras ;:pö(; [xia[v äXTQ&eiav £7:1 t(o 
Kap[i.]Y;X(o 'HXCac 6 7:po^Y^TT,^ eu/^j <7uvspYV;<7a^ tovBs tov ^rspixaXXY) [vjeov 
£Br^[jiaTO l[7:tTp6;:ou] [i' 6 AsovtCvou to3 ;:paüTa70'j t£p£(o? slpi^vr^? "^^fjio'j 



368 Side 

lpa(TTOÖ xoxoy? t& dc[j.ei[jiJo[x£v(o'j) il£p[yt]r/'j toü !>eocpi[Xs«7Ta- 
t]o!> cppov[-:t]<TTo!3, Boipa 7:po<r8syvj[i.(ev&)v) Mr^vä na(X(p{}.o'j i'hohotjio'j 
aBsXooiv AJyapCwv, j^or^l/sta Ytv6(x(£vov) 5xoi«7t[ov] tö Tarsivw a^Tssi 
TO'jTO). Ysyovsv äv eTsi cpfJ' JvB' ta'. [von jioY)D'sta an restituiert von 
A.D.] und C. L G. 9894 (Aegina): HsoSwpo^ apyKTJvaywYoc 
<ppovT{<Ta? ItTj T^dO'apa £/ O-sijlsXwov ty;v <7*jvaY[o)YTiv] olxoB6[j.yjG"a etc. 
cf . n. a. HsoBwpo'j veö)[x](6po'j ?) cppovTt^ovToc) ; dies als für die Dauer 
des Baues verliehenes Amt zu fassen, wir durch C. LG. 9894 gut 
erklärt. Z. 2. Schon seit langer Zeit estand in Side eine jüdische 
Gemeinde (Schübek III^, 17), daher beweist xpoirric den Neubau des 
ältesten Versammlungslokals der Gemeinde. — Den Schluß ergänzt 
Prof. Deishmann mit Eücksicht auf den Satzbau und auf die An- 
gabe als (ppovTWTTYic , die fehlenden Buchst, zu s^itt^v eoTs/vo? = ich 
war ein kunsterfahrener Mann. 3/4. ä[j.[iwv = jjYjjxa (darüber Schürer 
IL 450 ad No. 77; Eealencyclop. f. protest. Theol. XIX, 225 [Strack]); 
seine Marmorverkleidung betont C. LG. 9895 (Smyrna): 'Sic iv to 
jiY5[j.a (xexTÖv [•?[]•/ ayapCa? xexXsixs toQto [j.ap[xapot; sO- 

(T'jv&eTotc. Der wertvolle Stein wird verwendet bis zum (jX[x[x%. 
Übereinstimmend erklärten es Prof. v. Duhn und Prof. Deissmann 
als (TTYjxa; dieser weist hin auf Berlin. Papyr. 4695 (a. 159/60), wo 
di\k\Lx = (7TY|i.a steht; beide fassen es als den halbrunden Chorraum 
der Synagoge. Bestätigt wird dies durch die Belege C. LG. 8623 
(Bostra, christl.)^): IxtutOy^ äx &£[j.sXuov tg TptxoYX^v (tTyi!-« xai 
äTrXy^poiö'Ti (cf . dann unsere Inschr. Z. 3) ; Constant. Porphyr, de cerem. 
aulic. Byz. 1,46 ff., Migne 112, p. 112: xat ::po(7X'jvou«7i toüc Bs'TTroTa; 
xai £iJ>' o'JTO)^ (iaXXo'Jdiv ol Beo^OTai Ta ea'jToiv yp'j(7o:;£pix}xto"Ta o'aYta 
xai ic£a<Ti Bta tgl» cp'JXaxGr: 'Ev Bs tw (7tY[J.aTi £xB^/STai auTGucetc, 
cf. die weiteren Nachweise Migne, P. Gr. 112, 113, 55. 5. tgO; 
B'jG erTa(j.ucG'j?. Daß in der Synagoge Lampen gebraucht werden, 
war bekannt (Schürer II, 450 ad No. 79). Sind sie ganz allgemein 
unter die Geräte der Synagoge einbegriffen in dem Wort „instru- 
menta" der Synagogeninschrift C. I. L. Till Suppl. 12457, so sind 
sie hier näher charakterisiert als sjuTap^Gi , cf. C. LG. 3071 7.'jyvGv 
yaAxGtivBtp^G;. e::Tap?G? ist, soviel ich sehe, nur lat. bekannt (bei 
De Vit s. v.). Trotzdem wird, wie hier schon der Zusammenhang 
lehrt, kaum an eine Lampe mit 7 Schnauzen zu denken (ob eine 
solche existiert, weiß ich nicht), sondern nach dem Vorbild des 
siebenarmigen Leuchters an zw^ei solche größere Leuchter, das tj'pische 

^) Eiue Anzahl von Anhaltspunkten lassen vermuten, daß christliche und 
jüdische Bauten sich in der ersten Zeit sehr verwandt sind. S. Reinach, Revue 
des etudes juives XII, 241 ff. 



Side. Sorghun.. Schechlar 369 

Kennzeichen der Synagoge (cf. z. B. das ^ CLL. VIII, 12457a; 
OABRrcci, Storia VI, tav. 490ff.; ferner das Kapitell im Lateran- 
museum, FiCKEB No. 73). Wie wäre sonst das fop/^a zusammen 
mit den Büo xiovoxe^aXa (Säulenkapitelle, deren Aufstellung nicht 
näher bezeichnet ist; vielleicht als Ecken des iTyiJia gegen den 
rechteckigen Raum, wo man sich dann auch die eTrrap^oi angebracht 
denken kann) zu erklären? Die letzte Zeile trägt das Datum nach 
der Indiktion; die jüdis le < emeinde in Side steht demnach noch 
sehr in Blüte im IV, Jahrh., tCm die Inschrift wohl angehören wird. 
Der Charakter der ganzen Inschrift erklärt sich z. B. aus 
C. 1. 6. 9894 (s. oben). Man muß gewiß annehmen, daß auch die 
übrigen Teile (wie es üblich ist, CLL. VIII 1. 1., B.C.H. X, 327) 
von andern Mitgliedern der Gemeinde gestiftet sind. 

73. Ibid., weißer Sandstein. H. 1,10 m, Br. 0,28 m. 



///eN 1 1 poHAr////// 


ä7:OlYj<7]sv, ^pOIZOillZTZQ 


ausgemeißelt 




//,/0OYCCACHreM/,7i/ 


''Av]Ooü(r(ra ? (riiys 


////tll€0HK€N///// 


£::s&Y])tsv 


////CYMOYN////// 


iI'J|XOÜV 


////KAIBOVAH///// 


6 xat ßo'jXr^ 


////?AAMAIC//////// 


i]>.a[iÄt^. 



Z. 1 u. 2 ergänzt Prof. A. Deissmann, der auf Reisen im südw. 
Kleinasien II, 51 cf. No. 141 verweist. 

74. Sorghun, nördl. von Side, am Hause Mola Ibrahim. H. 0,10 m, 
L. 0,48 m. 

MONOTA(|>IOYKAIT(0/i/.//7/////7///// 
AYTOKAeOJCHAlAeHKHnEPir//; 

[Movo]Ta(ptOü xal töv [ 

aÜTÖ KaOoi)^ -J) BiaOr^xY) 7csp(£[ ? ] 

75. Schechlar. Kirchenruine, in der Südtür zum r. SeitenschifE 
veimauert; antikes Werkstück. 

IHCHANKPA ty,$ llavxpa. 

Rott, Klelnasiatisohe Denkmäler. 24 



370 AlHJa. Tvanji 

7G. Alaja, auf der Akropolis als Treppenstufe benatzt und 
fast ganz abgetreten. Kalkstein. H. 0,35 m, L. 0,70 m. 

!i litAHZB ? ? ? ? ETE//;,',///,';;//;/ ■ 
/ ;;/ ? toNAirvi AE ? ? ? kiaoye;, / 

■/.'/.'/."////THEEISVVMtONO-;/ 
/EYNOIALTHr ? IHZA// ,7 



77. Tijana, beim letzten Pfeiler der röm. Wasserleitung im 
Dorf. Bruchstücke einer Inschrift von schwarzem Granit. 

Andere Bruchstücke veröffentlicht von 
Pkidik, Joum. d. russ. Minist, d. Volks- 
aufklärung Bd. 328 (1900), :i 4. S. 20 
No. 29. 



78. Ibid., ata Treppenstufe eines Hauses in der Mitte des Dorfes 
benutzt, sehr abgeti-eten, von Marmor. H. 0,52 m, Br. 0,70 m. Xach 
Levidis veröSent- 
;;;;AKAEIAOYTONKAIZH ücht von Prioik, 

;; ;QN*IAnNBA2:iAEn2:API08A Journ. i. russ. Mini- 

;;;IAOPnMAIO?????A»IZTAniETEY steriiims d. Volksaut- 

,, ,NnNKA,T,.,.»nNnAPAVTn «- «;- S; 

.' , ; TAZ^iEK AI ? ? ? ? ? znO AEJiZK AI Ortsbeschreibung de- 

;; /EA<l)OY??????OINOYZEYEPrE taillierterist. Absclir. 

7 PETHZENEKriNKAlEYNOlAXHLEXO ™" K. An einigen 

//lATEAOYZIEIZTETOYZBAEIAEI ^f'" ^ff\ ''" 

Starken Abnutzung 

, 'AITONAHMONOIAEANAPIANTEZ ^es Hteins unvoU- 



? ? ? HEANTIMHAHMOZIA ständig. 

'O S?|[j.o; -Töüv T-jav£wv melirere Namen] 

'HpJoexXetSoy riv y.x\ IrJ -röiv r.pM- 

t]<ov ?a<.>v ;i:wi>.£„.; ■Apio;5Ä[?räv'/j 
<l»]i).op(.)[j.Kto['j Ksti tJL]i[).]wTa ;:WT3'j[o[ji-] 
v(-)V xal Tt(it(.)^v]i.)v ;:Kp' auTÖ [ysy'''>'6-] 
5 Taj 5i xai [i^i Ti^|; ::ö7,£(o; xmi [toü; «- 



Tyaua. Bor bei Tyana 37 t 

BjlÄTsXoüTl SIC TS TO'JC ^OLGlkzi^ 

*/w]al T^v B^JjJLOv. Ol Bs avBpiavTS? 
10 aÜToiv [xaTSTxsvaJ'T&r^Tav ti[jl*7j Br^rxoTta. 

Die Ergänzungen im wesentlichen nach Pkidik. Z. 4. llOSrO. 
Rott: N... Z. 10. ZeHZAN. 

Z. 3. Der Name kann nur auf Ariobarzanes III. (52 — 42 v. Chr.) 
bezogen werden (cf. Z. 8 pxGilzX^), der durch die ihm feindliche 
Partei sehr gefährdet war (Niese b. Pauly-Wissowa 11,834 No. 7; 
Pridik ist geneigt, A. I. zu erkennen und datiert sie in die erste 
Hälfte des I. Jahrb.). Die Geehrten sind Anhänger des Königs 
geblieben (daß von mehreren gesprochen ist, ergibt Z. 5 mit TAZ, 
wie P. selbst kopiert hat, aber auch Z. 5/6, sowie Z. 8 init. und 
avBpiavTs? Z. 9). Tyana selbst stand daher auf der Seite des Ario- 
barzanes. Inhaltlich und zeitlich ähnlich ist die Inschrift bei Wil- 
helm, Reisen in Kilikien 28, 66 = Dittenberger, Syll. Orient. II, 
No. 754). 

79. Ibid. 
MAPIANW 

TEKNWNHTTIW Mapiavö tsxvw rr-doy 'ETS[j.apiavöc (?) 

ETEMAPIANOC . '. * 

MNHMHC 

ENEKEN 

80. Bor bei Tyana, auf dem Kirchhof der Sieben MärtjTer- 
Kirche. Grabstein mit Inschrift unter hufeisenbogiger Arkade. 
H. 2,10 m, Br. 0,90 ra. Kalkstein. 

+ nANTAXARwAHAHCTe 

TITONNeoNHPnACACOYTcoC 

ANAPa)NOYXICOCHN 

KAieioANerHPAAeoc + 

+ llavTa Xap(i)(v) ajuXr^TTS, | Titov v£ov Y;p::a'7a; oöto)^« 
av^poiv oü/ Xfjo^ ?;v | xai sJ &avs Y^ipa^^s*^? + 

Die Übernahme des alten Gottes durch die christl. Griechen 
der spätem Zeit bis auf heute ist bezeugt durch die Zusammen- 
stellungen bei Sch:mldt, Volksleben der Neugi'iechen I, 222 ff. Pavly- 
WissowA III, 2, 2178. 



24 



Ol* 



372 Bor bei Tyana. Semendre 

81. Ibid. Marmorplatte; 2 m h., Im br. mit großem lat. Kreuz 
unter der Inschrift. 

-♦- (OSeNekAPTePIHCoPAACTA KapTepia cf. C.LG. 

(|>ONANTIA^AYTOYkeY0oM6N *, 9785, 3: KapTs- 

OCk6ITAlTHCA6nOCIC*0IMeNOC P^ y'k^jyi^j-A'zr,. 

errY0iBAnTicToionAPAnpo0 

YPOICIMeAA0POYAAkPYAA6Pko 
MeNo|CnACI(|>eP(jJNNAeTAIC 

+ *i2 '<;^vs, KapTspCrjS 6paa^ tocoov, dcvTia 8' aÜTOÜ 
xe'j&6[ievo$ xeiTai Ti^^(Jbz izifTic, 9G'1[jlsvo^ 
bff'jbi Ba7:Tt(TToTo xapa ;:poO"JpoKn |isXaO*pot> 
Baxp'ja B£pxo[iivoi^ ;:ä<Tt ospcov va£Tat^. 

82. /fttd. Weißer Kalkstein. Giebelfeld mit Kranz unter folg. 
Inschr., H. 1,35 m, Br. 0,34 m. 

AeONTAC 

AeONTA?//// AeovTa; Ae6vTa [lAh^ 

??NM/l\il;!ll:lj ['Av]v«(i) ߣ[a] aÖTOil Y'Wi>ti] 

///AYTOYFYN A / '/; [?]iXo(7Top[Y]Ca-. 

///iAOCTOP?IAC 

83. Ibid., im Haus des Armeniers Megerdisch. Grabstein mit 
Giebel und Akroterien. 

CWCIATO) Io)crta Tß 

rA0(jJI a]Ya!>o> [iv? 

(«) 

NHMHC V^?|jjv%r,c 

K€N svs])tsv. 

84. //^if/., Kalkstein. H. 1,12 m, Br. 0,65 m. 

+ KYM(t)(jJTACHHm0YRre(OPriöekfSMAPIAC 

x'J[jLrj((7ir) 4>(0Tä; vr,;:i(ar) {>'JY(aTpö?) TscopY^OL» Ix Xp(t<7TO!3) Mapia;. 



85. Semendre bei Nihde. Kalksteingrabplatte. H. 0,60 m, 
Br. 0,80 m. 



Semendre. Uluatsch 



373 



+ AriEKONONCEKATE<DVrA 

+ MNIMIEO 
AOCICJrEN 
AMENönAN 
TCJNAöAOC 
KECYNXOPCON 

+ 



Überschrift: 

+ "'AYt£ Kovov (TS xaTe^p'jY« 
Unterschrift: 

+ Mvi|j.t ösoSodCo) Yßva- 

jiivoü TuavTcov Boü7^og. K(üpi)£ 



Der Wechsel der Genetiv- 
endung hat Parallelen: C.LG. 
9240. Mv7j|j.a Toi (ptXoypfeTw 
(TTpaTio)T(o 0soBö>poy (Bor bei Tyana) und B. C. H. I, 328 : xat Tot» 
6<7ioTaTO) iizvTKO'KOo ii^Tpo) (Sls Ciüc.). 

Der &yio^ K6v(i)v, an den er sich wendet (xaTecpüY^^ Formel im 
Anschluß an Ps. 45, 1 '() frsöc tiiöv xaTacp'JYYi xat B'jva|ii?; cf. z. B. 
J. H. St. XX, 240 ; Texte u. Unters, von Harnack u. Gebhabd in, 
3, 453 [Acta Papyli]: . . x'jpis fioT,?>st, 5:pö? de y«P xaTscp'JYa) ist noch 
bekannt; J. H. St. XII, 261 No.88: Eü?a[X£vot ot T^-idocpe^ dcBs>.9ol &7rö 
'Apo'japa ty;v s'jyr)v (i7:sBcox(a)v tw äyiw + Kovwvet + (Papourelii West- 
cil.), wo HicKs angibt: „there was a St. Conon martyred at Iconium 
under Aurelian". Seine Quellen sind mir hier nicht zugänglich. 
Es wird der Conon beide Male gemeint sein, der im Synaxar. Con- 
stantinop. ed. Delehaye (A. SS. Nov. Propyl.) als 6 Sl^ioi: jj.apTi>c ^v 
'kajpia aufgeführt wird (S. 513 ff., cf. S. 509, 42 ff.) und als &yiO(; 
t£po[xapT'j; genannt wird, zusammen mit der heil. Pelagia von Tarsus 
(ibid. S. 119,24; cf. S. 659,24). Bemerkenswert ist noch Y£va|jivo5> 
;:avT(i)v BoöXoc, da ^ravTcov entweder äymov als Ergänzung fordert, 
während doch BouXos vom Verhältnis des Menschen zu Gott ge- 
braucht wird (gut: Beyou, B£<T7:oTa, 7:apa twv aypwov BoüXwv J. H. St. 
1890, 237), oder eine Vorstellung mit hereinspielt, die parallel geht 
(wohl nicht abhängig ist) den griechischen 7:avTe? Osot (Dittenberger, 
Syll. Or. I, 576 u. 306 ad No. 2; Gruppe, Gr. Mythol. 1092, 2). 



86. Ihid. Grabstele mit 
zwei gesichtähnlichen Reliefs in 
der Unterkirche der Analipsis. 

/;//////IC/// Kreuz zer- 

n ■,'.//.///> /////// 
. /;/// coY 

;; HHMH 

-/Zapiv;,/;/ 



stört. 



87. Ultcatsch, östl. von 
Nihde, am Eingang zur Höhlen- 
kirche des Hagios Basilios. Kalk- 
stein. H. 1,04 m, Br. 0,54 m. 

Inschr. zum 
größten 

KEA?-rK?/7/// ^f,ii ,,^. 

-n?KI???iaii stört. 

\?A???'r^m/!i:i':i! 



CUJKIATHC 



374 Uluatsch. Gitschatsch. Enegil 

////nOnAIAAK€/;/7 SS. md H. 0,25 m, Br. 0,28 m. 

AlAcDAOJPA///;'// [ll]ozXix 'A>Lz[i]XioL (DXoipa [A]ri[ir,Tf(o> 

HÜHTPIW/;// [-]ßi ävBft xai 'A[xsau.) t5> «juo? 

(O AN APIKAI AI/;// ^vr,ia.r,. yip,v?] 

89. iiiJ., in der heutigen Djami, einst Hagia Sophia, als Tür- 
/// 7/IMH6Y ^^^^^ verbaut. Kalkstein. H. 1,(50 m, Br. 0,76 m. 
rFNinYMA Kreuz zerstört. Zwischen Linien. 

KE??DC?Y K£[X^]o; [ ]? av't^iou (= ävs'}io^V). 

?ANYIDY 

90. Ibid., im Hause des Ali Achmet. Grabstele, Kalkstein. 
Gesichtsähnliche Eeliefs. H. 0,35 m, Br. 0,85 m. 

BIAN(jJP0IM///;// Biavwp 0t[4,ip(.>vo;?J 

91. Chltschatsch bei Uluatsch. Vor der erneuerten Georgskirche 
Grabstele mit Giebel u. Akrot. Kalkstein. H. 0,70 m, Br. 0,35 m. 

AlOrENOYC ' AiOY^voo? (Aioysyr^c) lia-ia- KupCa ^, {5ia(i) 

HAHIACKYRIA ^^^^^^^ 9tXo(7TopYia; u.vmhc] yapiv. 

THIZ\IArYNAI . uLi.j A . 

KI4)IADCTDP ^' ^* ^ offenbar = Aioyivr^c, Abkürzungs- 

riAriMNl-IM 7 zeichen für das gleichlautende Patronymikon, 

' ' wie für Attika gebräuchlich (Larfeld, Hdbch. 

d. gr. Epigr. II 535 f.). — K'jpia cf. C.I.G. 

4249 u. sonst. 



(4) (0 



XAPIN 



IDYAIA + 92. Ihul, Kalkstein. H. 0,32 m, Br. 0,22 m. 

APDYmAT Epheukranz mit Bändern. 

HMHTPI 'Ioj}ia + AfoJ[ia t7, [xr^Tpi. 

(o 

93. Enegih östl. von Aitamas, auf dem Mesarlyk der Pachomius- 
kirche. Weißer Kalkstein. H. 0,30 m, Br. 0,45 m, L. 1,60 m. 

EPMHCBMAAnOAAUJNlOYTH ''''^' ' ''• ^^^^^ ^ 

A7:oAAo>vtO'j TT, 

rVN AIKIZUJCÜJKA ? 1 1 MZOAC y^^«^'^^- {.• - 

NECTOPOC A0HN AI ? i EPMOY Ns^ropo; 'AOr,va[[aJ 'Epiio?5 

THrVNAIKI t7. Y^vam. 



Soandere 875 

94. Soandere, in der II. Grabkapelle (über den Fundort s. 
oben Text S. 138). Zwei Grabschriften: 

1. 0söf, £v TCO öv6[j.aTi <tou <T(o<t6v [jls xoi Iv tt) B'j(v)a|j^i <ro7 
xpivsi^ [XS. 

2. 7A{zz\ TÖ (Jüeya [J.O'j ovo[j.a tö [jL'jpio^Yj(j)i(7TOv xai (jLyptoavayo)- 
Y'^^* '^ ;:aTif;p (jloü b^i^Yr^fji [xs Ix tyJ? [J-Vj-rpoc [jlod xai b(tii 
h(brrr/jOi ty;v (xr^Tepa twv t£Xvo>v [xoy xai Z£ßa<TTo[3 ?]. 

Unabhängig von den Darstellungen, die R. in Kapelle I und III 
gefunden, sind die Inschriften in Kapelle II mit Mennig auf den 
TufE gemalt. Ist aber anzunehmen, daß hier keine Darstellungen 
gegeben waren? R. hat keine mehr gesehen, aber ich glaube, 
Inschr. I, bes. der Name Ko(7|j.ac, der der Dedikant ist, lassen darauf 
schließen. Das entspräche der übrigen reichen Ausmalung der Nach- 
barkapellen, die Formulierung aber deckt sich inhaltlich mit der 
der andern Inschriften. — Die Bedeutung der Inschr. II ergibt sicli aus 
der Einzelbetrachtung der Sätze. Der „große Name" wird weniger 
erklärt durch C.I. G. 9112 piya to oyo|j.a toü x'jpioj &soü (da ovo[j,a 
auch von andern höhern Wesen gesagt sein könnte) oder anderer- 
seits durch Anschauungen wie die: xupis, (äofjOei toT? eJ<T7:ops'jo[iivoic 
Ic, 'zby 3xov to?>t[o]v xy) toT<; xap7:o'^opöQ(7tv, &v Ta 6v6(jLaTa, x'Jpie, ab oXh%^ 
(Sterbet III, 276 No. 395) als durch die zahlreichen Stellen, die 
bei Dieterich, Mithrasliturgie 110 If. und Eeitzenstein, Poimandres 
17, 6; 18, 8 u. ra. zusammengetragen sind. (Vgl. auch Art. Amulet 
in Haucks Realenzyklopädie (J. Ficker), in Cabrol, Dictionnaire 
(Leclercq), und Heitmüller, „Im Namen Jesu", 1903.) Es ist der 
große Name, durch dessen Besitz die Gewalt über die Gottheit selbst 
nicht nur in der Zauberliteratur gegeben ist, cf. z. B. das bei Eeitzen- 
stein S. 18, 8 zitierte Amulett: xüpis (Michael), BeT^ov (xot tov ayys^^ov 
'zr^^ vixY)^ xai Tf,<;. yjxpdt^' xai tlizi (loi tö ovo[jLa aöroü. 'Ay«0*oy;X xaXsiTai, 
Ypa^jiov TÖ ovo[j.a aÖTOü xai cpöpsi <au>TÖ xai tö SixadTYjpiov vixS^ xat 
Toi>? avTiBixoü^ (jXjo (cf. ibid. S. 30, 1). Die Übermacht des ovo|j.a 
wird illustriert durch die Adjektive, die den Satz schließen : ppio'^v 
<pKTTOv {'^%'foq cf. Lanckoronski I, 178 No. 63 <To>^e<T?>w o3 y) ^^<foc, 
das wohl nur zu verstehen ist aus Apocal. 2, 17: tö vixwvti Bo)<rw 
auTO) Toü [Jiavva tou xsxp'j[j.[jivo'j xai Boxrco aÖTÖ ^?j(pov Xs'jxy;v xai £7:1 
TfjV c|>?5oov ovo|j.a xaivöv ysYpa[X[j.£vov, 8 oüttl^ sTBsv si p.y] 6 Xaja[iavö)v, 
woraus einleuchtet, daß das ganze eine mystische Marke ist), ist 
daher anders zu fassen als h6'\^r^rfOQ (dafür das klass. Beispiel Sueton, 
Nero 39 = Bücheler, Rh. Mus. 61, 307 f.), der ovo[xa bedeutet daher 



S76 Soandere 

nicht 10 000, entspricht auch nicht dem Zahlenwert der Buchstaben 
der Inschrift, die auch nicht 10000 ergeben, Ist der Name un- 
zählige Male Unzähligen als Siegel, als heiliger neuer Name, auf der 
^%'foc gegeben worden, so ist zu verstehen, warum er die 10000 
= die unzähligen Menschen ins Himmelreich hinaufführt (parallel 
dem (T(o^£/7f>w und dem vtxövrs?), denn darin beruht die erlösende 
Macht dieses Namens. Diese Allgewalt gebührt wohl keinem 
Sterblichen, der Redende kann nur göttliches Wesen, in dieser 
räumlichen und zeitlichen Umgebung nur der Christengott sein. So 
wird das Rätselspiel, an dem der Schreiber isch verkünstelte, ver- 
ständlich, zumal Parallelen beweisen, daß nicht das einzige Mal 
hier die Gottnatur und die "Av^poiro^- Natur in dieser Zuspitzung 
gegenübergestellt werden. 

Paulus Silentiarius beschreibt ein Bild der [x^^tyip !>so3 in der 
Hagia Sophia in C'pel: 

"AXXo&i Bs Xpi^ToTo xaTeYfa^s (iT^TSpa ts/vt^ 
(piyyzo^ isvaoio Boyy/tov, ?]? ::ot£ ya^TYip 
Ya<7T£po5 äpYÄ'^^vrjV Äytot^ iö«pe'.|>aTO xoXtjoic, 

(descr. S. Soph. 709 ff.) und Tarasius (Migne P. G. 98, 1481 ff.), Patri- 
arch von C'pel in seiner „Oratio in ss. dei matrem in templum de- 
ductam" sagt 1481a: ^r^\}£poy toü izpo 7:avT(ov alo>vwv xpoopKTÖ^^vro? 
[jL'j<TTrjptot> xai £x' loydtTcov cpavspoQ<7&ai [jiXXovTO? süTpszCsTai olxYjTTjpiov. 
ÜT^^IJ^pov y; i% iza'^yzkixc Teyf>£i(Ta Ic 'lo)«x£t|JL xai "Awr^c ;:pO(Tcp£peTat 
6::' aÜTcüv ti|jliov Bfiipov tw ^z-ziTzzi^x 1% äOtTJc Tey&TjVai 
sOBoxr,«7avTt. (1485D u. 1488 A wird Maria &s6;:ai? genannt. 1488B 
dcTuoXa'jTOv TOüTOü t95^ tbpaiOTTQTOc, 8v7usp [xsTa [iixpov TS^eiC (OC 

av&po)7:ov.) Daß die Texva Christi Gläubige (eben jene ppioi) sind, 
ist klar schon aus dem frühen Sprachgebrauch, z. B. Acta Papyli 32 
(Texte u. Unters. III, 3 Harnack): Iv r.ourfi ir.xp/ix xai ::6Xet eJ^riv 
[xoi T£xva xaTa Osiv (Harnacks Anmerkung dazu) und später: xat 
y;|j.sT; (Christen) rrf^c ai-rr^c, [xr^Tpöc h(z^Yf^{n^[x&y E'üa^ xai tyjv aüTY;v 
«rapxa s/opv. Ob die Mutter aber Eva oder die Ecclesia (über 
diese die reichen Sammlungen Conybeares, Archiv f. Rel.-Wiss. VIII 
373 ff., IX 73 ff., die gerade für den Osten und unsere Zeit noch Belege 
bringen) oder Maria ist, kann nicht gewiß entschieden werden, da lokale 
Kultverhältnisse mitspielen können ; ist schließlich auch nicht nötig, 
da in dieser späten Zeit, wo der Mariendienst alles andere in sich 
aufgenommen, die Personen in ihrer Bedeutung sich wesensgleich 
sind. Zweifei könnten nur entstehen bei der Erklärung der letzten 
Worte K6C6BACTON^, die im Zusammenhang nicht ohne weiteres 



Soandere 377 

verständlich sind. Da der letzte Buchstabe nicht gesichert ist (R. 
schwankt zwischen hj/; und Y; , bei dem die erste [unsichere] senk- 
rechte Haste als schadhafte Stelle im Stein zu erklären wäre), so 
spielt die Lesung zwischen Ss[ia(7To[il] und ISj3a(7Tw[v]. (Acc. Sing. 
lejäadTÖv gibt kaum Sinn!) 

Konstantins des Großen Verdienste um die Kirche werden von 
den Späteren klar genug formuliert Julian Conviv. 336 A. Jeder 
der großen Herrscher hat seinen xpodTocTr^^ gezählt: 'O bs Kwv<yTav- 
tTvo? oöy^ s'jpwTxwv äv &soT<; toü ßCou tö dtpysTUTTOv, lyyob'zv t};v Tpi^^Yjv 
xaTib€l)v eBpa[xe Tcpöc aiciQv* •?) Bs 6::oXaßoQ(7a |j.aXax(o^ xal ;:spißaXot3(7a 
ToT^ Tdiyzfji TziTzXoi^ ts aÖTÖv 5:oix£Xot^ OLtnvffOLdOi xal xaX7.(i);rf<Ta<T« ;:pö? 
tJ)v 'AdwTiav a^rr^Yaysv, tva xai töv 'Iy)(toüv sOpwv dcva(7Tp£cp6[j-£vov xat 
zpoaYops'JovToc 7:5(Tiv, ^Og^k^ (fb'Opzbq^ Sctic (jLtat(p6vo^, 8(jti^ lvaY'^J$ xai 
fiBsXüpöc, iTco ö'appöv* ixo^avö y^^p «Otöv todtoh tö SBaTt Xo'JTa? 
aÖT(xa xaO-apöv, xiv ;:aXiv Ivo/o^ toTc aüToT«; y^^i''^'^^ Boidco tö trrfjÖ'O? 
rXi?j<JavTt xai t7)v xscpaXY)v TuocTa^avTi xa&apö Y£v£(7&ai> , (jyoBpa a(7jj.£- 
V05 IvsTü/sv aÖTö, cT'jvs^aYÄYwv tSJ^ twv &s(ov iyopdii 
TOüc TwaTBa?. Der Kaiser, der von der stärkeren Zeitströmung 
getragen als ypwTiavtxo>TaTo? (Theophanes chronogr. I, 11. 34 Book) 
die elementare Gewalt klug sich dienstbar machte, da er die alten 
Geber der kaiserlichen Göttlichkeit und Machtfülle eintauschte gegen 
den llavToxpaTwp — denn Jesus ist sein politischer 7:po(TTaTY|?, 
Untersuchungen zur Gesch. d. Kais. Hadrian S. llf. — ist von den 
Byzantinern darum in unlöslicher Verbindung mit dem CTAYPOC 
oft mit Jesus und Maria dargestellt worden zusammen mit seiner 
klugen Helferin Helena, z. B. Paulus Silentiar. descr. S. Soph. 712 ff. 
(Forts, d. obigen:) 

'E^ ^s [jidag Ispoü TrXaxa; spxso?, at ;:epi cpwTa^ 

Eöt£pou? TS'Jyoü(7i |j.eTaiy{j.ta, yf6i\k\JM yjxfitjfjzi 

^H Y^u'fX^ Sv 7:oXü[rj{>ov ' dtoXXßJei y^P 4va(T(n;c 

()'jvop.a xai ^ccGi\%o^' fcov y^ P^v 6\k(fo{koi(j(Tt^ 

'A'TTTiBt [jLS(T<raTioi^t tütiov xotXY,vaTO /Mfoic I ZTa'jpov &7:oLyyiXkfjii<7x. 

(Konstantin ist daher der ßa(7iXs'j? schlechthin.) C.I.G. 8694. Kon- 
stantin, Helena, Michael, Gabriel, Jesus, Maria, Johannes ;:poBp6|j.o? 
und J. &soX6yoc, Stephanos und Longinus. C.LG. 8765. Michael, 
Gabriel, Stauros, Konstantin, Helena, cf. 9070. 

Wird unter Maria, der (xf^-nip, die Kirche verstanden (z. B. 
CoNYBEAKE 1. 1. VIII, 374, Ecclcsia ist „Haus Gottes und des König- 
tums"), dann ist das Bild erweitert auf den Vertreter der weltlichen 
Macht, die entsprossen ist der göttlich-kirchlichen, Konstantin ist 
der erste Herrscher „von Gottes Gnaden". 



378 Ortakoi. Keigin. Skupi. Suwasa. Peristrema 

Die zweite Möglichkeit IsßadTwH ändert daran nichts, schließt 
nur die ganze Eeihe christlicher Herrscher ein bis auf den regie- 
renden. Man hätte dann vielleicht eine Huldigung für diesen 
darin zu sehen. 

Was bedeutet das Ganze? Da die Gottheit spricht, betrachte 
ich die Inschrift als die Umkehrung des Deesisgedankens. Man 
muß dann annehmen, daß auf die Frage nach dem Namen, der Ein- 
gang ins Himmelreich schafft, die Antwort des Rechtgläubigen 
gegeben wird in der vorhergehenden Inschrift: Bsöc, Iv tw 
6v6[iaTt (TO'j (Tödov [xs etc., und hat sich dann auch eine ver- 
lorene Deesisdarstellung zu ergänzen. 

? ? ? ? AEO ? 1 1 AKIC 95. OrtaJcoi im hinteren Soanderetal ; 

O Aö AOCT ? ? ? EN4)A EskiDjami, ehem. Eustathioskirche. Kalk- 

. / , stein am Tambour, Westseite. H. 0,42 m, 

NE Ar y •? ? ? ? I K/ ? n Bj. q 54 ^ j. Hufeisenbogen als Orna- 

ment darüber. 

/// ? ? ITß 96. Keigin, östl. 97. SJcujn. Kirche der Vierzig 

////A(|)X1? vom Argäus, im Ka- Märtyrer. tJber der Westtür 

^AIEN ^^^ ^^^^^ Hauses. des südlichen Quer- 

^'^^ Schiffs am Schluß- 

TOYYFI stein der Fenster- 
wölbung. 

98. Ibid., am II. Pfeiler der Nordwand im Langhaus. H. 0,27 m, 
Br. 0,38 m. Text oben Rott S. 197. Z. 5 vielleicht Tö -eSov (Paulus 
Silentiar. descr. S. Soph. 618 ff. xal zsBov eOp'jOsjxsiXov). 

99. Suwasa. In einem Privathaus. S. oben Text p. 253. 

a[JiapTiac] etc. 

? OYKIA 100. Peristrema. Auf dem Dach eines Hauses. 

THTO? 

fi)Ml-lkYPI 

ATHOYrA Ajojxia TY;-ro[j] (= Titoj) LJ-xt, ? Kjpta 

TPIMNH ^' ^■^^''~?' l^"^'!^^' ^^ä"^^- 

MHceNe 

K€N 



Melegob. Xihde 



379 



KPATEPDC 

BEUJNDC 

rEPMANUJI 

TUJYIUJMNH 

MHCENE 



101. Melegob, In einer Höhlenkapelle unter 
dem Haus des Stephan Kesimoghlu. 

TÖ ulco |Jivr^[XY)^ sv£[>csv]. 



102. Nihde, Johanneskirche. 

EHlZ^Oll ? O AE ? TOYTO ? 
A AlinPOTATOYEnAPXO ? 
TGJNnPETGüPIOJNKAI 
TOYTOEPrONAHOO 
??IEAI(jJNEKTIC0? 



tS)V 5wpeTö)ptO)V XOl 

'ZOlJTO SpyOV OCTwÖ [0*] 
6 [e[JL]sXl()i>V lxTfaO»[Y)]. 



Der hier allein inschriftlich bekannte, in der Literatur viel- 
genannte (Pauly, Realencyclop. V, 1 S. 123 No. 7) Fl. Domitius 
Modestus, Arianer und Freund des Kaisers Valens, ist Praefectus 
praetorio Orientis zwischen 366 (? oder 370) und 377, Cos. 372. 
(MoMMSEN zum Cod. Theod. 1, 1 p. CLXXIII cf. p. CCL.) Die Da- 
tierung nach dem eTcapyoc tcov ispöv xpaiTwpuov, die auch sonst üblich 
ist,(z. B. Reisen im südwestl. Kleinasien II, 142, wo ich den eradierten 
Namen als Eutychianus cos. 398 p. CCLXXIX ergänze), führt also 
auf die Datierung des epyov (>tai touto [t6] epyov terminus der Spät- 
zeit z. R C. I. G. 8622 spyov xai 'zoij'zo toQ lizyoiXoTzptTzzG'ziTO'j K6- 
[XT^TO- etc.; cf. 8624; J. H. S. VII, 259, 32 ; B. C. H. I, 328; B. C. H. 
VII, 261 TÖ spyov T?;? ;:Xaxw(7eo)?) in die genannten Jahre der be- 
wegten Zeit, wo der Kaiser selbst mit seinem Praef. praet. in die 
Streitigkeiten der Arianer und Orthodoxen eingriff und sich in 
dieser Gegend aufgehalten hat (Tillemont, Hist. eccLIX, 154; 
Cllntox, Fasti Romani Z. J. 372 S. 479; Usener, Weihnachtsfest 192 f.). 

Das genaue Datum läßt sich freilich nicht festlegen ; wozu die 
Inschrift gehörte, ist unbekannt; an der Stelle der heutigen Johannes- 
kirche, die seit etwa 1861 steht, war ein älterer Kirchenbau, wie 
mir R. mitteilt, nach Aussage der dortigen Griechen und A. Levidis, 
At £v jj.ovoXtOotc |j.ovat p. 168. Jedenfalls gehört die Bauinschrift in 
die Zeit einer eifrigen Restaurationsarbeit, wie Inschriften der 
Gegend zeigen (Dittenberger , Syll. Or. 578; 732; Heberdev- 
WiLHELM, Reisen in Kilikien S. 13; CLL. III, 13619; 13620; 
13624. Östr. Jahreshefte IX, 40 ff.). 



380 



Sudjular. Muskar. Arneä 



opoee 

CINKOY 
POYBI 

OCAH 
MOCI 
OY 



103. Siuljular, Tagereise nördl. von Tarsus. Im 
Feld. 

'(^poO-^fflV Ko'jpOU Bios? ST,[AO<TtO!>. 

Grenzstein. 



104. MusJcnr, nordöstl. von Myra. In der Südwand der Kirchen- 
raine. Kalkstein. 

a) • • OYKenANTOCTüiNOI • • • • ]oj xs = xal jzavT^.c 'öv o{[ 

b) • • • AOYKeTTATPI • • • ]aoj xs 3:aTfi[ 

Beide zu einem Gesimsstück gehörig. 

105. Atmeä in Lykien, außerhalb der Stadtmauer. C. I. G. III, 
4303 L. 9, von Michel revidiert. 

Z. 9. xo(T|j.ix vollständig. 

Z. 10. XICAEIWE 

Z. 16. NEYETHE • • • APNEAT[(o]NnOA 

sonst mit Böckh übereinstimmend. 



106. Arneai, außerhalb der Stadtmauer. Abschr. von Michel. 



TEIMAPXOE^IOTEIMOY 

APNEATHEAEHNTHNKAI 

AHMAN0IAATHNEAY 

TOYKAiniNNAPMAETHE 

::ilOAOTOY0YrATEPA 

(DlAOETOPriAEKAIMNH 

MHEXAPINTEIMH0EI 

EANKAlYnOTOYAHMOY 

APNEATXINOAHMOEKAIOI 

EYNnOAEITEYOMENOinAN 

TEEETEIMHEANXPYEXl 

ETEcDANXlKAIEIKONIXAAKH 

AEHNTHNKAIZ^HMANGIAA 

TEIMAPXOYTOY^IOTEIMOY 

APNEATINTETEAEYTHKY 

lANrYNAIKAFENOMENHN 



Td\LCcpyo^ AtOTei|;.o'j 
'ApvsaTY,^ ''A<yT,v ty;v %at 
Ar,[xav&i5a ty;v iau- 
To3 xal IItvvap[xa^ 'Tf^^ 

<Tav xal 6zö toü Brj(xoy. 
'Apv£a-:(ov 6 By;|io? xat ol 

TSC lTSiaY.O"aV 7P'J<T(0 

o"T£'^avo)(i) xat slxovt yaXx7/i) 
^A(7Y^v ty;v xoi Ar,[xav{>i8a 
Tsi[j.apyo*j toü AtOTsijj.oü 

15 'ApvS^TtV T£TS}.S'JT(JXÜ- 

Tav Y'^vaTxa ys^opivr^v 



Arneä. Dembro (Myra) 



381 



ZiKDPONAKAIAETHNKAlKE 

KOLMHKYlANKAITHNnOAlN 

KAITOrENOETOIEIAlOlZ 

? lEArnrHEEnAiNoiE 

APETHEENEKEN KAI^O 
HHEKAIMAPTYPIAEAEYN 
K ? ? TOYKAIAEIOZH AOTOY 
HPOEnANYnO^EirMA 
????'? TYNAIKßN 

Z. 20. niEArnrHE Mich. 
23 24. AEI0ZHA0T0Yn?3E. 



N ^ 



<To>9pova xai äg^ty^v xai X2- 
xo«7|;.r,x'jTav xai Tr,v roXiv 
xai TÖ yiyog toT? JBioir 

ipsTYjS evsxsv xat B6- 
^y,^ xai (JLapTDpta; a<rjv- 
[xpiJTOü xa\ i'|to^yj[X(o]TO'j 
7;:[p]öc 7:5v &;:68£iY[j.a 
25 [aXXcov] Y'jvatxöiv. 

22 23. AEYN|K??TOY. 
25. fehlen 5 Buchst. 



107. Dembre (Myra). Eevidiert wurden: Eeisen im Südwest 1. 
Kleinasien II. 

S. 37 No. 64. 

S. 37 No. 65. 

S. 37 No. 66, wo R. Z. 6 AEAY? und 

Z. 7 PF^?? las. 

S. :^8 No. 68, wo er Z. 1 «APPIITOEKAI 

Z. 2 _?IAANKAITONC 
Z. 4 ArnEI?E?EYA^rK jas. 



108. Ihid, über dem Narthex. Kalkstein. H. 0,45 m, Br. 0,30 m. 

[6 BsTva ea'jTco xaTs^TY^crsv xat] 

Tot:] fftjv£pYo[i?. 

<rjvxT^Be'j[? 
Z. 4 teilweise ausgemeißelt. 

"Ajvfroüia Bt? [toQ BsTvo?] 
TOFANAFTI Pi^]®[^'^ ^'^1 ä?s(T[Tai froc'^at Ttva STspov y; Xtl^ai 

aöJTÖ, £av 8s ti[; S^spo? fra^if) Tiva, TsCoret 
Twv] xif>apY)(p6p[ft)v ? ? Tf^c rpa^sw; oSoy)? 
^avTi] TW ,So'jX[o(JLevo) h::\ tw '};[JLt<rei. 

Die Inschrift erkannt und ergänzt von Prof. A. Deissmann. 



EYNEPrO 
EYNKHAEY 
N0OYEAAI 
Zl???EEEE? 



KieAPH^DOPÜ// 
TnBOYA 



382 



Dcmljre (Myra). Rhodos 



XTTjasi xat 



109. Ibid., im Narthexfußboden der Nikolaiiskirche. Marmor. 
H. 0,17 m, Br. 0,04 m. 

- HKA Tjxa 

KTHCeiKAI^ 

epojz^eoYAeNie 

TA(DHNAIHZ^GJC€l 
CIMOYTHCeMNOTA 






110. i?Aorfo5. Bull. Corr. Hell. IX, 1885, 400 = J. Gr. XII, 1 
No. 45. Abschrift. Der Stein, der ab a. 1885 turcicae casae muris 
iniecta war, befindet sieh jetzt an der Mauer der neuen türkischen 
Schule. 



Register/) 



AbonoteichoB 28. 

*Acali88U8 73 (2 Kirchen). 

Achmet III. 158. 

Adadadagh 18. 

*Adalia 4. 8. 21. 28 ff. Sl-46. 55, 59. 

81. 318. 335. 341 (Kirche der Pa- 

nagia, sog. DjumaDÜn Djamisi; K. 

des Philippus). 
Adi Keiner 254. 
Adjituzgöl 3. 

Aemilianus, Bisch, von Germe 6, 
Afschar in Pisidien 93. 
Afschar im Taurus 172. 
Afschar in Lykien 343. 
Afschar Ören 268. 
Agapetus 198. 
Aglasun = Sagalassos. 
Aglasundagh 7. 14. 
*Agras = Agrä 12 f. 81 (Kirche). 
Absy Kara Chan 255. 
Aidokmusch 82. 
Ainsworth 276. 287. 
Aitamas 116. 
Aivanasch 170. 
Ajasin 124. 
Ajernas 192. 199. 
Akhissar 257. 
Akkartschai (Xanthns) 93. 
Ak Köprüchan 292. 
Akschehr 94 f. 
Akserai (Archelais) 177. 254. 256 f. 263. 

284. 
^ktaseh 8. Gagä. 



Aladjadagh 300. 315. 318. 

Aladja Jaila 74. 314. 318—24. 344 (Ala- 

djaklisse oder Kirche des Erzengels 

Gabriel). 
Ala Eddin 73. 85. 95 f. 100. 
Alai Chan 254 f. 
Alaja = Korakesion. 
Alai^tschai 31. 67 f. 72 f. . 
Albegna (Baptisterinm) 313. 
Aleppo 177. 
Alexandrette 55. 
Alexius, Kaiser 31. 
Ali 94. 

Alidagh = Didymus. 
Amasia 7. 
Amorion 6. 

Arnos 108 (Kapelle der Panagia). 
AmphilochiuB, Bisch, von Side 65. 
Amphilochius, Bisch, von Iconium 95. 

159. 228. 
I Anamasdagh 84. 93. 
Anascha 291. 
Anascha Kaie 292. . 
«Andaballis (Eski Andaval) 102 ff. 

(Kirche des Konstantin). 
Andrapon 115. 286. 
Andronike (Endürlük) 160 (Kirche des 

Georg, der Analipsis, der Kusu- 

tschakly Ini, der Tschanliklisse). 
Andronikus Paläologus 65. (1328—41). 
Andronikus (Mönch) 229. 
Angora 204. 313 (Klemenskirche). 
St. Angelo am Monte Raparo, Basill« 

cata 138. 
Anthimus, Bisch, von Tyana 290. 



1) * =i Bistum. — Die unzähligen Heiligennamen sind weggelassen, ebenso- 
ein Register der Inschriften. 



384 



Begister 



Antigonus 26. 254. 

*Antiochien in Piaidien (Jalo watsch) 2. 

4. 6. 9. 83. 93 f. (Kirchen). 
Antiochien in Syrien 31. 
*Antiphellu8 (Andifilo) 74. 298 f. 314. 

343 (Kirche). 
Antitaurus 172. 
Antonius Pius 57. 
*Apamea (Diner) 2 f. 81 (Kirche). 
Aphrodisias 206. 
Aphroclisias-Stauropolis 5. 
Aphrodisius, Bisch, von Magydus 55. 
Apollinari«ten 6. 
Apollo 3. 16. A. Surius 342. 
^ApoUouia-Sozopolis (Oluhorlu) 3 f. 5 f. 

7. 81 (Kirchen). 
Aporidos Kome s. Paradis. 
Apsara 263. 

Aquae C^alidae 117. 291. 
Arahlar 67. 
Arabli 121. 
Arabsin 121. 

Arcolycos Mönch, Gereme 219. 
Arebsun 245 f. 
Argäus (Erdjas) 98. 121. 149. 155. 160 f. 

163. 
Arghan 67. 
Arges, Berg und Festung in Kappa- 

dokicn 277. 
Argustana 254. S. auch Gözdesin. 
Arianer 228. 
Arianz 269. 281 f. 
Ariarathes 155. 

*Arias80s(Bajamatsch 23 ff. 28 (Kirche?) 
*ArneU (Ernes) 74 f. 314 f. (Kirche). 
Artemis 84. 

Artemon, Bisch, von Seleucia, Pisidien 9. 
Arundel, engl. Reisender 4. 8. 17. 19. 93 f. 
Arjcanda 318. 
Aschlama 121. 
Aschlikoi 282. 

Asmabäus (Ortasangöl) 100. 102. 
♦Aspendus (Balkis) 48. 57 f. 65 (Kirche). 
Aspenzinsos (Aspüsü) 269. 
Assar, Kastell in Pamphylien 65. 
Assar, Lykien 74. 
Assar Ony 76. 
Assar Termisini 343. 
Asuna s. Sinasos. 
AthenäuK 4. 



Athos 12. 339. 

Atjigöl 248. 

Atscbyk Serai 189. 236. 242 ff. (Höhlen - 

kirchen). 
Attalus, Bisch, von Prostanna 84. 
Augä (Scharapea?) 70. 
Aulokrene (Bunarbasehi) 3. 
Aunesis 72. 

Avanos (Venasa?) 132. 238. 241. 
Azizietschai 97. 

B. 

Babadagh (Salbacus) 2. 
Bagad 97. 
Bagadania 97. 
Bagdad 71. 

Bajad 9 (Klrchl. Reste). 
BajamatBch s. Ariassos. 
«Balbissa (Valisa) 109. 
Balkis 8. Aspendos. 
Balyq u. Balyqdere, Soandere 123 f. 129. 
*Baris (Isbarta) 4. 7 ff. 13. 21. 81. 83 
' (Kirchen des Nikolaus, Georg, des 

U. Kreuzes u. des Panteleemon). 
I Bartholomeus, Bisch, v. Tamiaos (Damsa) 

239. 
Baschkoi (Katabassos) 151 (Tschukur- 

klisse). 
Basiliscus 291. 
Basilius der Grosse 6. 156. 159. 228. 

270. 284. 290. 
Basilius, Presbyter, Soandere 136. 
Basilius, Mönch, Gereme 216. 
Basilius, Sohn des David 233. 
Basilius, Bisch, von Tyana 109. 
Bathystrokos, Abt im Soandere 139. 
Bazardjik 65. 67. 
Bazirgiankoi 73 (Kirche). 
Beaufort 68 f. 71. 
Bekertschai 263. 282. 
Bektisch (Kekrout) 96. 
Beligesi (Paläa Cassiane) 200. 
Belik Ören 249. 
Bereket 59. 
Besch Kardasch 171. 
Binbirkilisse im Karadagh 107. 
Binbirkilisse bei Sorsovu 282: 
*Bindeos (Binda) s. Findos. 
Boghadagh 248. 



Boghaskoi — Eustaihius 



385 



Bogbaskoi, Pisidien 28. 
Boghaskoi, Kappadokien 177. 
Boghas Köprü 155. 
Bogomilen 109. 

Bor 98. 269 (Kirche der 5 Märtyrer). 
Borludagh 12. 84. 
Bosanti 291. 

Bouillon, Gottfried von, 82. 
Bozborun 56. 
Boztepe 67 f. 
Bnissa am Olymp 7. 
Badjak 21. 

Buldur (Stadt u. See) 9. 14. 20. 28. 
Buldurutschai 117. 122. 
Bulgnrlu 96. 

Bunarbaschi s. Aulokrene. 
Bürünge8, KUtschük u. Büjük 199. 
Busluk-Fesek 188 ff. (Kirche der Pa- 
nagia). 

D. 

Dadasin 254 (Kirche). 

Damsa s. Tamisos. 

Damsatschai 239 f. 241. 

Dana 119. 

Daniel, engl. Forscher 30. 63. 

Dascfaare 59. 

*Dasmendron s. Semendre. 

Dathusa, Kapp. Monat 281. 

Dembre e. Myra. 

Demetrius, Heiliger 20. 

Demirtschi 282. 

Derbent (Demir Kapu) 98. 

Dere Ahsy 74. 299—815. 344 (Kirche). 

Derekoi (Ortakoi) 149. 

Derevenk 201 (Kuine der Panagia, 

Höhlenkirche des Theodor). 
Develidagh 170. 
Dewre 18. 

Diamantara, Achilles 295. 299. 840. 
Dibsisgöl bei Tyana 99. 
Didymus (Alidagh oder Berg des H. 

Basilius) 159 f. (Kirche). 
Dimitri 199. 
Diner s. Apamea. 
Dios Hieron = Christopolis 5. 
Djamili 29. 

Djan Ada, Insel im Egerdir-See 85. 
Djardagh 107. 247 f. (Kirche). 
Djebelidagh 3. 

Jiott, Kleiiuwiatisohe Denkm&ler. 



Djebir 168. 

Djemal Ören 268. 

Djehennen 298. 

Djihan 295. 

Djihan Numa s. Hadji Chalfa. 

^Doghala = Doara oder Doala 284 f. 

Dombai Owasi 8. 

Domitian, Statthalter in Pisidien 6. 

Domnus, Bisch, von Aspendus 58. 

Doryläum 94. 

Döschembe imd Klimax 26 ff. 

Duden 29. 81. 46 f. 

Dukas, Priester zu Ortakoi 150. 

Dylmusun (Termissos) 100. 

Eirene, Nonne 278. 

Egerdir (Prostanna) u. Egerdirgöl 4. 9. 

12. 88 ff. 
Endivit 118 (Kapelle der H. Trias). 
EndürlUk s. Andronike. 
Enegil 117 ff. (Kirche des H. Pacho- 

mius). 
Ephesus 114. 

Ephrem, der Syrer 181. 229f. 
Epidsche 170. 
Epiphanias, Hegamen auf Nis (Limnä) 

93. 
Erdasch 284 f. 
Erdjas s. Argäus. 
Eregli s. Kybistra (Heradea). 
Ernes s. Arneä. 

Ernesdagh 74. Ernestschai 800. 
*Erymua 72. 
Eski Adalia s. Side. 
Eski Andaval s. Andaballis. 
Eski Gümüsch 102. 
Eski Nes (Nanessos?) 268. 
♦Eudocia (Ewdechan?) 80 f. 
Eudocia, Gremahlin Theodosius II. 81. 
Eudocia, Lykien 314. 
Eudocia, Nonne 186. 
*Eudoxiopolis 81. 
Eulalius, Bischof von Doara 285. 
Eumenes, König 254. 
Euphrantes, Bisch, von Tyana 109. 282. 
Eurymedon (Köprüsu) 59. 65. 
Eusebius 82. 
' Eustathius, Mönch 281. 

25 



386 



Register 



Eustathius, Heilige 131. 144 f. 230. 

Euthymius 88. 

Eatycbios, Biscb. von Seleueia in Pi- 

sidien 9. 
Evkere 192. 200 f. 

Ewdechan (Eudocia?) 29 f. (2 Kirchen). 
Ewerek 160 (Kirche des Konstantin). 

F. 

Farasch 178 f. 

^Fanstinopolis 99. 

Fenese 161 (Kirche de^ Joh. Prodomus). 

Findos. (Bindeos?) 12f. 81. 

Fineka 74. 841. 

Fineka Iskelessi 76. 

Flaviana s. Sindjidere. 

Fortuna, Tempel der, zu Apollonia 6. 

Fr aktin 170. 178. 

Gabriel, Erzengel 10. 820. 

*Gagä (Aktasch) 74. 77. 341. 

Galliis, kais. Prinz 161. 168. 

Gamir 161. 

Garsaura s. Akserai 277. 

Gaziri 98 (Kapelle der Panagia). 

Gelvere s. Carbala. 

Georg, Heiliger 6. 149. 

Georg, Bisch, von Doara 284. 

Georg, Kloster vorstand zu Paspa oder 

Pasa 109. 
Gereme am Argäus (MacellumV) 107. 

161 ff. (Kirchen: Die Tschanliklisse 

oder Peleme, die Panagia). 
Gereme bei ürgüb 114. 124. 163. 210 

—238. 243. 274 (Höhlenkirchen : Ana- 

lipsis oder Peleme, die Tscharikli, 

Elmaly, Doghali, Theotokos, Katyr- 

dscbydamy , Hemsbeyklisse , Kisle 

Kalesi und viele andere). 
Germe 6 f. 
Germir 161. 
Gervasios, Erzbischof von Caesarea 

(Cappad.) 156. 201. 
Gesi (Nea Cassiane) 200. 
Gimir 161. 
Girme s. Kremna. 
Gitschatsch 112 f. 114 f. (Kirche des 

Nikolaus, Georg, Charalambos). 
Gjauristan 348. 



Gjölbascbi 343. 

GjÖnen s. Conana. 

Glyceriu«», Diakon von Yenasa 241. 

Göldjik (Limnos) 115. 290. 

Gomer 161. 

Gontscheli 1. 

Gördeles 121. 

Gorgias, Mönch 130. 

Grordiuteichos 28. 

Göry 161. 247. 

Götschück 76. 

Göwerdjinlik, Pamphylien 59 f. 

Göwerdjinlik, Kappad. 248. 

Gözdesin (Argnstana?) 254. 

Gregor von Nazianz 96. 102. 109. 163. 

234. 266. 269 f. 281 ff. 284. 290. 
Gregor von Nyssa 270. 
Gregor, Diakon 281. 
Gülek Bogbas 292. 
Güle Önü 9. 

Gülistan = Djan Ada 85. 
Gümüsehdagh 3. 
Gütschü 190. 

H. 

Hadji Chalfa (Djihan Numa) arab. 
Geograph 9 f. 59. 71. 84 f. 86. 95. 100. 

Hadji Hamzali 293. 

Hadji Ibrahimtschai 247. 

HadjiUdagh 172. 

Hafis Pascha Tschiflik 25. 

Hagias (Skomnon) 314. 

Hagiodulon 314. 

Hairan Veli 140. 

Halvadere 264—268. 277. (Viele Kirchen- 
ruinen zu Yiranschehr.) 

Halys (Kyzyl Yrmaq) 155. 203. 238. 
241. 

Hamamgöl 102. 

Hamazia 71. 

Hamilton 4. 96. 98. 100. 102 f. 122 f. 
163. 169. 192. 210. 249. 266 f. 

Harun al Raschid 286. 340. 

Hasakoi s. Sasima. 

Hassandagh (Argos?) 97 f. 102. 139. 
149. 256 ff. 264. 277. 

Hassan Emirdad 94. 

Hekaterine (Nonne) 136. 139. 

Helena, Kaiserin 86. 103. 192. 

Helitschaktschai 122. 



Helladius — Karatschai 



387 



Helladias, Bisch, von Conana In Pi- 

sidien 82. 
Heraclius, Bisch, von Baris 7. 
Heraclius, Kaiser (610—41) 55. 95. 
Hermopolis 206. 
Hidjib 282. 

*Hierapoli8 in Phrygien 2 f. 169. 
Hierocles (Synecdemus) 1. 5. 7. 9. 25. 

28. 81. 
Hirschfeld 5 f. 17. 53. 56. 84. 
Hoiran, nordl. Teil des Egerdirgöls 84. 
Hoiran, Lykien 343. 

I. J. 

Jalibai 78 (Kirche). 
Jalowatsch s. Antiochien. 
Janartasch (Chimära) bei Olympos 31. 
Janartasch, Kappadokien 192 (Kirche 

der Taxiarchen). 
Jankoi 57. 
Jaslar 92 f. 
Hu 343. 

Ihn ßatuta, arab. Geograph 82. 85. 
Ibrasa 264. 269 (Pelskirchen). 
Ibrifl 96. 

♦Idebessus 73 (Kirche). 
Idedjik 82. 
Jeni Andaval 102. 
Jenidschekoi 77. 
Jenigöl bei Tyana 99. 
Jeachildagh 268. 
Jer Hissar 115. 
Iftian Kasch 102. 
Ilipe 161 (Kirche der Theotokos). 
Imamli 249. 

Imamli Oren (Monastir) 117. 
Indjesu 155. 203. 
Indjirchan bei Budjak 21. 
Johannes, Mönch im Snsam Bayry 205. 
Johannes, Protospatharier 144. 
Johannes Entalma, Presbyter 214. 
Josgat 74. 

Jovia = Eudocia(V) (Ewdechan) 31. 
Ipeklik Tschiflik 249. 
Irchlara 268 ff. (Felskirche). 
Ireh 174. 
Iris 276. 290. 

Irmaq 262. 268 f. ; 

Iründjikoi 57. | 



Isanrien 107. 116. 

Isbarta s. Baris. 

Iskokson 192. 

*lslamkoi 10. 13. 83. 95 (Kirche). 

Ismail Hodja 67. 

IspUi 192. 

Istanos 30. 

Juala 249. 

Julian, Bisch. Apamea 83. 

Julian Apostata 159. 161. 163. 

Jumurtasch 18. 

Justinianopolis 82. 

Kabachly (Drazala) 191. 

«Kadena (Nihde) 100. 102 f. 108. 269. 

276 f. (Kirche des Johannes Pro- 

dromus). 
Kadmus (Konas) 2. 
Caesarea-Mazaca 112. 155. 159. 192. 

200 ff. 284. 
Kai Kaus I. 94. 
Kainartsche, See U^i Tyana 99. 
Kalabatia 74 (Kirche). 
Kaie An^hy 246. 
Kalekoi Ören 254. 
Kamulia 203. 

Chamurdji (Kamulia?) 161. 203. 
Kanotala 282. 

Kappadokien 98 f. 114. 156 ff. 192. 
Kappadocia Secunda 98. 189. 161. 265. 
Kapria Limne 57. 
Karaburun s. Kibyra. 
Karadagh 98. 282. 
Karadjik Jurük 57. 
Karadjören 178. 
Kara Eregli 173. 
Kara Hissar 120ff. 132. 277. 
Kara In 204. 
Karakapu 268. 

Kara Mahmutlu 102 (Höhlenkircheii). 
Kara Mustafa 155. 
Karanlysu Kawe 55. 
Kara ÖjUk 200. 
Karasichli 170. 

Karasu, Nebenfluß des Zamanti, 170. 
Karasu, Nebenfluß des Halys, s. Melas. 
Karatasch 82. 
Karatschai 249. 

25* 



388 



Register 



Karbala (Gelvere) 268 ff. 281 f. (Kirche 

der Makrina, des Gregor u. a.) 
Karlydagh 12. 
KarpuBtschai 67. 
CharsianoD 139. 
Karschiklisse 245 (Kirche der Taxi- 

archen). 
Kasch 299 f. 
Kastelorizo (Megiste), Mehrere Kirchen, 

daranter diejenige des H. Georg 295. 

326. 327. 840. 343. 
Katabassus s. Baschkoi. 
«Katenna 66. 72. 
Katschakly 190. 
♦Kaunus 74 (Kirche). 
Kebes 247. 

Kejischlick = Monastir 121 (Höhlenk.). 
Kekowa 73 (Kirche der Panagia). 
Kelänä s. Apamea. 
Kelgin 190. 
Kemer 161. 203. 
Kesteligöl in Pisidien 21. 
Kestrus (Aksu) 9. 14. 55 f. 
Ketschiborla (Eudoxiopolis?) 81. 
Chimära (Janartasch) bei Olympos 81. 
Chonä bei Colossä 214. 
Christopolis s. Dies Hieron. 
♦Kibyra (Karaburun) 68 f. 72. 
Kiew 188. 338 (Hagia Sophia). 
Kilidj Arslan 31 
Kilidjkoi 13. 81. 
Kimon 59. 

Ciscissus (Kiske) 173 f. (Kirchen). 
Kjoidjes Liman 74 (Kirche). 
Klaudiuß, röm. Kaiser 10. 
Klemens, Bischof von Sasima 109. 
Klimax 23. 25 f. 
Klisse Hissar s. Tyana. 
C'Ocussus 192. 
Köhler, General 21 f. 26. 
♦Colonia = Archelais (Akserä). 
*Ck)lo8sä 3. 
Komedji 170. 
Komestaurus 314. 
Komnenos, Bischof 145. 
*Konana (Gjönen) 6. 13 f. 81 f. 83. 
Konasdagh s. Kadmus. 
*Konia 95 (Kirche des Amphilochius). 
Konstantin Dukas, Kaiser (1059—67) 

135 f. 



Konstantin IX. Monomachus, Kaiser 

(1042—54) 340 f. 
Konstantin II. 20. 
Konstantin, Maler, Gereme 227. 
Konstantin Porphyrogenitus 112. 
Konstantin u. Helena 5. 14 f. 140. 
Konstantin VIII., Kaiser (1025—28) 

146. 
Konzil von Nicäa (325) 7. 9. 55. 58. 

84. VII. Konzil zu Nicäa (787) 93. 
Konzil von Konstantinopel (381) 5. 82. 

84. — V. Konzil zu Konstantinopel 

(553) 109. — VIII. Konzil von Kon- 
stantinopel (879) 13. 
Konzil von Ephesus (431) 65. 
Konzil von Chalcedon (451) 30. 
Conc. TruUanum II. (692) 13. 
Konstantinopel 85. 95. 313 (Panachran- 

tos, Pantepopte, Theotokos, Hagia 

Sophia). 
Konstantins, Kaiser 161. 
Köprüsu Chan 59. 
Köpy 180. 185. 
«Koramasdagh 161. 192. 
»Korakesion (Alaja) 59. 70 ff. 79 f. 341 

(3 Kirchen). 
KorkUnsu 117. 
Köschsu 99. 
Kosmas, Presb. 272. 
Kosmas, Mönch im Soandere 138. 
Köstuk 263. 
*Kremna (Girme) 14. 18 ff. 28. 53 f. 

(2 Kirchen) 
Kretopolis 25 f. 28. 
Kujudschak 94. 
Kulep, Mönch in Ortakoi 150. 
Kumkoi 61. 
Kumludja 77 f. 
KUrksass 76 (Kirche) 
Kurtler Ören 262. 
KUtschük Indjesu 191. 
Kütschük Tepe 190. 
*Kybi8tra-Heraclea (Eregli) 96. 98. 

284. 286. 
Kydnus 293. 
Kyrkgiözchan 25. 29. 
Kyrus, der Jüngere 3. 
Kyzyldjasu 67. 
Kyzylkaia 263. 
Kyzyl Owa 23. 



Laerko — Nar 



389 



Laertes 71. 

LaDglois 293. 

^Laodicea 1 f. (Kirchen). 

Lara s. Magydus. 

Leiledjikdagh 18. 

Leo, Mönch, Gereme, 217. 

Leo der Philos., Kaiser (886-911) 88. 

112. 204. 254. 
Leo KoDstantin, Mönch 227. 
Leontius, Bischof von Balbissa 109. 
Levidis 158. 161. 
*Limnä (Egerdirgöl. Nis) 84. 
LimnoB 8. Göldjik. 
Lontinus, Vorleser 253. 
Ludwig der Heilige v. Frankreich 31. 
Lukas, Paul, franz. Reisender 8. 26. 32. 

83. 109. 122. 155. 
Lykien 73. 
Lykos If. 

M. 

Macellum (Gereme?) 161. 

Machal 268. 

Madenschehr 291. 

Maeander 3. 22. 

*Magydu8 (Lara) 55 (Kirche). 

Mailand (San Lorenzo) 313. 

Makri 295. 

Makrina 290. 

Malakopaia (Melegob) 108. 115. 121. 

285 f. 289 f. (Kirchen des Theodor, 

der Metamorphosis , des Kosmas u. 

Damian, der Taxiarchen, des Phi- 

lippus). 
Mamak Owasi (Ager Sagalassenus) 18. 
Mamas, Heiliger 163. 
Mamassun s. Momoassum. 
Manasyrdagh 18. 
^Manaua 66. 
Manawgat s. Melas. 
Manaz 293 (Kirchenruinen). 
Mandylion 216. 219. 
Marasly 69. 
Marciane 314. 

Maria Hodegitria 252 ; u. Theotokos 84. 
Maria Agyptiaca 236. 262. 272. 
Marmasin 254. 
Marsyas 3. 
Martyrly 324. 



*Mastaura, Af<ia 1. 

Mastaura, Lykien 314. 

Matasin 170. 

Mauridjankoi 151 (Kirche des H. Eusta- 

thius = Eski Djami). 
Maximilla 83. 
Megiste s. Kastelorizo. 
Melarios, Mönch im Soandere 143. 
Melas (Karasu) 155. 
Melas (Manawgat) 65 ff. 72. 
Melegob s. Malakopaia. 
Melendizdagb 168. 277. 283 f. 
Melendizowa 284. 
Mersina 170. 

Metrodorus, Bischof von Islamkoi 11. 
Michael Kurkuas (Oxita), Patriarch 

(1143—46) 109. 
Michael Choniates, Erzengel 214. 
Michael, Protospatharier 136. 139. 
Michael, Mönch, Gereme 217. 
Michael, Mönch, Gereme 219. 
Michael, Sohn des Philotheos, Mönch 233. 
Milyas 14. 

Minassos (Minassyn) 14 f. 
Mindos Kalesi 96. 
Miskian Tschartschisi 153. 
Misli 8. Mustilia. 
Moncenigo 32. 
Momoassum (Mamassun) 257. 263 (Fels- 

kirchen; die Siaretklisse). 
Monastir 120 (Kapelle des Johannes). 
Monastir = Lara (Magydus). 
Monastir Gjeri 191. 
Montanisten 83. 

Mordiäon (Apollonia -= Oluborlu) 4. 
Morimene 241. 277. 
Moslich Eddin 85. 
Muskar 74. 316 f. 324 (Kirche). 
Mustilia (Misli) 115 (Kirche des H. 

Blasius). 
Mutalaske (Talas) 157 (Kirche der Pa- 

nagia, des Georg, der Koimesis). 
Myra (Dembre) 73 ff. 243. 300. 314 f. 

324—41. 344 (Kirche u. Kloster des 

H. Nikolaus u. des Eustathios. 
Myro» (Dembretschai) 299 f. 315 f. 324. 



N. 



Nakch Bendij 85. 
Nar 8. Nora. 



390 



Register 



Nasü 1. 

Nasr Eddin Chodja 94. 

*Nazianz 155. 269 f. 277. 283 flp. (Kirchen- 
ruinen). 

Nea Moni auf Chios 840. 

Neoesi 282 f. 

Nenesidagh 282 f. 284. 

NephoD, MÖDch, Soandere 136. 139. 

Nero, Kaiser 141. 

Newschehr (Neapolis; 225. 247. 

Nicäa 228 (Kirche des Diomedes u. 
Hauptkirche). 

Nihde 8. KadcDa. 

Nikander, Heiliger 327. 

Nikephoras I., Kaiser (802—11) 229. 

Nikephoras, Presbyter 216. 

Nikobulos, KloBtervorstand zu Xanxaris 
269. 

Nikolaus, Heiliger 298. 324. 326 ff. 336. 
340. 348. 

Nirse 192. 

Nis, iDsel im Egerdirgöl 12. 84 ff. 92 
(Kirchen des H. Stephan, des Theo- 
dor, des Michael u. Gabriel u. der 
Eudokia). 

Nora oder Neroassos (Nar) 276 f. 282. 

Novara (Baptisterium) 313. 

O. 

»Olympus, Lykien 31. 73 (Kirche). 

Olympus, Statthalter zu Tyana 269. 

Oluborlu 8. Apollonia. 

Orkenes 94. 

Ortakoi (Derekoij, im Soandere. S. 
auch Potamia 122. 149 (Kirchen des 
H. Georg, de» Konstantin, der Pana- 
gia, der Tschanliklisse). 

Ortakoi bei Nihde 269. 

Ortasangöl bei Tyana s. Asmabäus. 

Osia, Pisidien 29. 

F. 

Pamphylien 25. 31. 46. 56. 
Panagia, ölschwitzendes Bild zu Apollo- 
nia 6 f. 
♦Panemuteichos (Klimax) 28 (2 Kirchen). 
Pankratios, Mönch 262. 
Paradis = Aporidos Kome 82. 
Parenzo, Baptisterium 313. 
»Parnassus 254. 284. 



Paspa oder Pasa 102. 109. 
•Patara 73 (Kirche). 
Paulus, Bischof (?) ▼. Baris 8 f. 
Paulus, Bischof ▼. Bindeos (Findos) 13. 
Paulus u. Bamabas 9. 
Pausanias 65. 
Pepuza 83. 
Perdikkas 26. 
: *Perge 9. 14. 16. 46-56 (4 Kirchen). 
Peri 60. 
Peristrema 269 ff. 274. 276 (Felskirchen ; 

die Jilanliklisse, die Karajedikklisse). 
•Phellus 73 (Kirche). 
Philipp III. von Spanien 61. 
•Pinara 73 (Kirche). 
Pisidien 3 f. 6. 9. 93. 
Pisid. Pässe (Klimax. Ariassos) 21. 28. 

25. 28. 
Plato, Bischof von Ciscissos (Kiske) 173. 
Polybius 28. 
Pompeji (Tempel der Fortuna Augnsta) 

203. 
Popatschai 4. 
Potamia (Ortakoi) 149. 
Primopolis 58. 
Prokop, Heiliger 204. 
•Prokopion (ürgüb) 204. 
«Prostanna (Egerdir) 13. 81. 84 f vgl. 

Limnä. 
Ptolemäus 10. 55. 84. 263. 
Pungü 178. 
Pydnä 73 (Kirche). 
Pylen, die taurischen (Kilikische Tore) 

100. 117. 291 f. 

n. 

Ravenna (Apollinare in Classe, St. 

Andrea di Goti) 323. 
Refad 248. 
V. Richter 84. 
»Rhodiapolis 75. 78. 341. 
Rhodus 295 344 f. (Churma Medrese). 
Rom (Tempel der Fortuna virilis) 203. 
Romanos IV. Diogenes (1067—71) 5. 284. 

Sabas, Heiliger 157 ff. 

«Sagalassus (Aglasun) Uff. 54. 81 (drei 

Kirchen). 
Salambria oder Salaberina s. Seime. 
Salbacus 2. 



Salonik — Stephanus 



391 



Salonik. Kirche des H. Elias 150; K 
der Hagia Sophia 213. 310. — Ka- 
zandjilar Djami (St. Bardias) 139. 

Salzenherg 330. 

Salsmann 326. 828. 332 ff. 

Samsundagh 3. 

SaDzama 115. 

Sannahadae s. Zanapa. 

Sarilar 65 ff. 

Sarmusakly 200. 

Saros = Zamanti 170. 

Sarychan 241. 

Sary Mahmut 190. 

Sasaltscha 102. 

Sasima (Haaakoi) 99. 112. 115. 121. 290 
(Kirche der Makrina). 

Sati 167. 172. 174 (Kirche, MoDastir). 

Sator-Arepo-TeDet (Zauberformel) 231. 

Scharapsa (Augä?) 69. 72. 

Schechkoi 78. 

Scholarios, Mönch 151. 

Schönborn, deutscher Forscher 26. 

Seihan 295. 

Selef 8. Seleucia. 

Seleucia, Cilicien 253. 

Seleucia, Pamphylien 66. 

♦Seleucia (Selef), Pisidien 9 f. 12 f. 81 
(Kirche). 

*Selge 72 f. (Kirche). 

Seime (Salambria oder Salaberina?) 
268 f. 270 (Felskirchen; die Kale- 
klisse). 

Selve 238. 

Semendre (Üasmendron ?) 110 ff. (Kir- 
chen der U. Makrina, der Analipsis, 
des Basilius, Georg u. Hckader). 

Semiramis, Hügel der, Tyana 99. 

Seraidjik 73 (Kirchen). 

Seres in Makedonien 138. 

Sevedo 297. 

*Side (Eski Adalia) 59. 61—65. 95 
(Kirche). 

Sideropalos 286. 

Sidy Battal Gazy 84. 

♦Sidyma 74 (Kirche). 

Sikeon 6. 

Sile 285. 

SinuBos (Asuna) 134. 204. 238 (Kirchen 
des Job. Prodromus, des Kreuzes, des 
Nikolaus, des Job. Theol.). 



Sindjerli Chan 97. 

Sindjidere (Flaviana) 156 f. 160. 191. 
201 (Kirche des Johannes Prodromus, 
des Georg, der Metamorphosis). 

Slnekkalessi 71 f. (Kirche). 

Sinope 114. 

Sis 178. 295. 

Sisinnius 102. 276. 

Sisinnius, Großadmiral Konstantins II. 
20. 

Sivridagh 84 (Viarus mons). 

Sivri Hissar 107. 132. 248. 265. 276 ff. 
283. 285 (Kizilkilisse oder Kirche 
des H. Panteleemon 276 ff., die Fels- 
kiruhen des H. Gregor und der Trias). 

Sivri Naz 84. 

Sivritepe (Hagia Laura) 287. 

Skiathos (Kirche der Panagia) 20. 

Skomnon (Hagias) 314. 

Skupi 107. 174. 189. 192ff. 197 ff. (Kirche 
der Vierzig Märtyrer bei Skupi 192 
— 198. In Skupi: Ajos Georgios, die 
Koimesis und die Garabklisse). 

Smyrna 1. 345 f. 

*Soandere (Soandus) 100. 109. 114. 121 
— 154 (Höhlenkirchen: MUncbilklisse 
128, Balyqklisse 129, Akkilisse 132, 
Karabascbklisse 135, Beliklisse 139, 
Tscbanavarklisse 143, Eustathius- 
kapelle 144, Kirche der H. Barbara 
145. — Im Seitental von Ortakoi : K. 
des Panteleemon, de» Charalambos, des 
Michael, des Chrysostomus, der Pana- 
gia, die Kapaly küsse, die Barbara- 
kapelle). 

*Sobeson 254 s. Suwasa. 

Soghanly 23. 

S<)jütli 180 (Kirche). 

Solak 56. 

Solymer 31. 

Sorghun 65. 

Sorsovu (Nazianz) 115. 263. 282 ff. 
(Höhlenkirchen). 

Sorsovu, der Bergsee von, 284. 

Soterichus, Bischof von C-iscissus (Kiske) 
173. 

Sozomenns 161. 

*Sozopolis (Apollonia) 5 f. 7. 

Spalato 8. 313. 

Siepbanus Byzantinus 5. 



392 



Register 



Stephan US, Bischof von Bindeos 13. 

Sterret 4 ff. 11. 

Strabo U. 65. 71. 97. 114. 117. 155. 
204. 276. 

Sudjak 343. 

Sultandagh bei Konia 94. 256. 

Sultandagh in Phrygien 3, 

Sura 74. 314. 342 f. (Kirchen u. Kloster- 
anlage). 

Suren 190. 

Surp Daniel 201. 

Surp Garabet 179. 200 f. (Kirche des 
Joh Prodronous). 

Susam Bayry 204 (Höhlenkircbe des 
Theodor, die Saradjaklisse). 

Susuzkoi 21. 

Savermesdagh 202. 

Süvescha (Thebasa?) 286. 

Suwagendagh 178. 

Suwasa (Sobeson?) 44. 112. 175 f. 177. 
192. 247. 249-54 (Christi. Oktogon 
249—53, Höhlenkapelle). 

*Syllion 19. 48. 55 ff. 

T. 

Talas s. Mutulaske. 

*Taniisos (Darasa) 239 f. 

Tarsus 292 f. 295 (Klissedjanai = Pau- 
luskirche, Uludjami =^ Hagla Sophia, 
die arm. Pauluskirche, die Panagia). 

Taschdji 174 f. 178. 

Tatlar 247. 248 f. 285 (Karadjaklisse). 

Tatta Limne (Tuzgöl) 256. 

Taulusun 201. 

Taurus, der kilikische 96 ff. 102. 149. 
291 ff. 

Taurus, der pisidische 14. 19. 23. 

Tekmoren, Vereinigung 84. 

Termessos 30. 

Tetramorphos 147. 

Texier, franz. Architekt 124. 210. 232. 
274 299 f. 303 f. 308 ff. 311. 324. 326. 
330. 332. 334. 338 f. 

Thamades, Mönch, Gereme 219. 

Thebasa 115. 286. 

Theodor Laskaris, Kaiser (1204—22) 
45. 246. 252. 

Theodor, Bischof von Kremna 20. 

Theodor von Sikeon 6 f. 

Theodor, Diakon von Sugalassos 18. 



Theodor, Bischof von Tyana 281. 
Theodor, Vater des Architekteu ZeDo57. 
Theodorich 323. 
TheodosiopoUs, Pisidien 18. 81. 
Theodosiu8U.,Kaiser(408— 450)31.269. 
Theognost, Mönch, Gereme 217. 
Theophili, Johannes 7. 
Theophiles, Papas bei Skupi 197. 
Theophylakt, Geistl. zu Tomarza 186. 
Theopiste, Nonne 229. 
Thomas, Mönch 238. 
Till 107. 287 f. (Kirchen des H. Andreas, 

des H. Basilius). 
Timur 7. 

Tirchin 290 (Georgskirche). 
Tobada 249. 
Tomarza 107. 167. 174. 180—87 (Kirche 

der Panagia) 190. 
Torcello 86. 
Trajan 6. 
Tschaitschi 65 f. 
Tschakalbajad 348. 
Tschakisch Tschiflik 59. 
Tschanaktschi 57. 
Tschandir 73. 

Tscharink Kilisa = Tschanliklisse 151. 
Tschataldagh 248. 
Tschauschkoi 67. 
Tschawusch In 284. 236 ff. (Ainaly- 

klisse). 
Tscheltek 96. 257. 262 (Tschanliklisse). 
Tschibukchan 29. 
Tschifliktepe 25. 
Tschomachly 191 (Kirche). 
Tunazdagh 82. 
^ Tyana (Klisse Hissar) 95 f. 98 f. 100 ff. 

202. 263. 269. 284. 291. 
Tyanitis 97. 
Tzimiskes, Johannes, Kaiser (969 — 76) 



269. 287. 



II. 



Ugurludagh 23. 

Uluatsch 111 ff. (Kirche der Kyriake, 
des Nikolaus, Georg, Basilius, Blasius, 
Andreas, der Hagia Sophia). 

Ulukman 5. 

Umurlutschai 174. 178. 

Urgüb (Prokopion) 112. 184. 204. 225. 
288 ff. 241 (Mehrere Kirchen). 



I^sengitschai — Zoticus 



393 



Uschgöl bei Tyana 99. 
Usengitschai 240. 
Ütsch Ajak 278. 
Ütsch Hissar 204. 
UtBch Perendjedagh 121. 

V. "W. 

Valens, Kaiser (364—78) 98. 228. 

yalentinian 281. 

Yalisa s. Balbissa. 

Yatatzes, Job. Dukas, Kaiser (1222 — 

54) 252. 
Yenasa s. Ayanos. 
Yenedig (San Marco) 12. 222. 287. 
Weresin Chan 255. 
Yianis mons s. Sivridagh. 
Yiranscbebr (OrenBchehr) bei Caesarea- 

Mazaca 201 f. (Kirchenruine). 
Yiranscbebr bei Halvadere 265 ff. 

(Kirchen). 



X. 

^Xanthus in Lykien 73 (Kirchen). 
Xantbus (Akkartochai) 73. 93. 
Xanxaris oder Zanzaris 102. 269. 

Z. 

Zamanti (Sarus) 170. 174. 178. 

Zauapa (Sannabadae) 96. 

Zengibar 121. 277. 

Zeno, Architekt 57. 

Zeno, Kaiser 291. 

Zenodotus, Bisch, von Termessos und 

Eudocia 31. 
Zeus 238. 241. — Zeus Stratios 254. 
ZoCy Kaiserin 340. 
Zoiins, Bisch, von Barb 6. 
Zosimas, Heiliger 236. 262. 272. 
Zosimus, Heiliger 5 f. 82. 
Zoticus, Bisch, von Conana in Pisidien 

82 f. 




Dieterich'sche Terlagsbuchhandlnng, Theodor Weicher, Leipzig. 



Rom und Romanismus 

im griechisch-römischen Osten. 

Mit besonderer BerOckslchtlgnng der Sprache. 
Bis auf die Zeit Hadrians. 

Eine Studie 



von 



Dr. Ludwig Hahn, 

ProfesBor am Neuen Oymnaaiam in Nürnberg. 

XVI und 278 Seiten gr. S«. M. 8.—, gebunden M. 10.—. 

Inhalt: I. Italische Zeit. II. Ton Pyrrhos big Polybios. III. Ton 
der Zerstdmngr Corlnths bis zur Schlacht bei Aktinm. lY. Die Zeit des 
Angiistns. Y. Die erste Kaiserzeit (Von Tiberius bis Trujan). Wortregi^ster. 
Nachträge und Berichtigungen. 

Prof. Paul Wendland in Lietzmanns Handbuch z. N. T. : 

„Gerade noch hinweisen kann ich auf das bedeutende 
und gedankeuTolle Buch von li. Hahn. £8 gibt eine 
ausgezeichnete Ergänzung meiner Darstellung, besonders auf 
politischem Oebiet Den Theologen kann diese genussreiche 
Lektüre nur dringend empfohlen werden. 

[Vergl. Besprechung im Literarischen Zentralblatt v. 6. lY. 1907.] 



Als Ergänzung zu dem obigen Werke ist soeben erscliienen: 

Romanismus und Hellenismus. 

Zorn Sprachsnkampf 
im Römischen Reich bis auf die Zeit Jostinlans. 

Eine Skizze 

von Ludwig ilahn. 

(Sonderdruck aus „Philologus**.) Preis Mk. 1.40. 



Druck von G. Kreysing in Leipxig. 



uiiAsriM 




In demselben Verlage ist erschienen: 



"Druck und Schmuck 

des neuen evangelischen Gesangbuches für 

Elsass-Lothringen 



vou 



^r. Johannes Ficker, 

o. ö. Professor an der Universität Strassburg i. £. 



Preis Ulk. 1.20. 



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Verlag von J. C. B. Mohr (Paul Siebeck) In Tflbingen und Leipzig. 



Archäologische Studien 
zum christlichen Altertum und Mittelalter 

Herausgegeben von Johannes Ficker. 

— Gro»» 8**. " - 



Heft 1: Ein FamlUenbild aas iler PriBcUlakatakombe 

mit der ältesten Hochzeitsdarsteliung der chrisüichen Kunst 
Von Otto Mitius. Mit 3 Abbildungen. 1896. M. 1.—. 

Heft 2: Die altchristliche Elfenbeinplastik. Von Oeorg 
Stnhlfautb. Mit 5 Tafeln und 8 Abbildungen. 1896 
M. 7.—. 

Heft 3: Die Engel in der altehristlichen Kunst. Von 
Georg Stuhlfanth. Mit 2 Abbildungen. 1897. M. 7.—. 

Heft 4: Jonas auf den Denkmälern des christlichen 
Altertams. Von Otto Mitins. Mit 2 Tafeln und 
3 Abbildungen. 1897. M. 3.60. 

Heft 5: Die altchristlichen Ooldglfiser. Ein Beitrag zur 
altchristlichen Kunst- und Kulturgeschichte. Von H. TopeL 
Mit 9 Abbildungen. 1899. M. 3.60. 



Dieterich'sche Verlagsbuchhandlung, Theodor Weicher, Leipzig. 

Studien fiber christliche Denkmaler 

lene Folge der ,,.lrciii«Iogi8f iteg Studi» zun eitristL Alterton o. Mittelalter". 

Herausgegeben von Johannes Fkicer. 

Heft 1: Hebet und Bild In firShehristlleher Zelt von 
Karl Michel. X u. 128 S. gr. S«. 1902. M. 3.20. 

Heft 2: Die frfthehristllclieii Darstellungen von der 
Krenxlgnng Christi von Johannen Iteil. YIII u. 

128 S. gr. 8^ Mit 6 Tafeln. 1904. M. 4.—. 

Heft 3: Das geofpraphlsche Hoaaik von Hadaba, die 
älteste Karte des heiligen Landes von Adolf Jacoby. Mit 
einem Plan der Karte u. 4 Abbildungen. X u. 110 S. gr. 8®. 
1906. M.4.— . 

Heft 4: Die christliehen Denkmäler des ersten Jahr- 
tausends In der Schweis von Samuel Gayer. Mit 
31 Abbildungen. Xlll u. 115 S. gr. 8o. 1907. M. 5.—. 

Üie Studien über „C'hristliche Denkmäler* sind eine Fortsetzung der von 
.Fohauues Ficker herausgegebenen , Archäologischen Studien zum christlichen 
Altertum und Mittelalter*. Nur ist, wie schon der veränderte Titel 
anzeigt, derRahmen weiter gedacht. Es sollen auch Denkmale r 
der neueren Zeit, insbesondere des Reformationszeitaiters zur 
Veröffentlichung und Untersuchung gebracht werden. 

Die Persönlichkeit des Herausgebers und die voraufgehende Serie der 
„Archäologischen Studien* geben Charakter und Absicht des neuen Unter- 
nehmens an. Die bildlichen Denkmäler sind lange Zeit gar nicht als geschicht- 
liche Quellen verwendet worden und finden auch heute noch bei weitem nicht 
die Beachtung und Verwertung, die sie haben müssen. Andrerseits hat sich 
eine Betrachtung herausgebildet, die sich mit der ästhetischen Würdigung des 
Bildwerks erschöpft, die archäologische und geschichtliche beiseite stellt, das 
Inhaltliche vernachlässigt. Dort eine Lücke auszufiillen, hier das G-leichgewicht 
mit herstellen zu helfen, ist ein Zweck der «Studien*. 

Mit der eindringenden Würdiming der Denkmäler wird aber zugleich 
eine immer dringendere Aufgabe erfüIR werden. Die Denkmäler sind zum weitaus 
grösäten Teile aus . dem Bedürfnis und der bildenden Kraft des Volks heraus- 
gewachsen. Das Volk darum lehren sie kennen, die Stimmunjeen und Schwingungen 
der Volksseele lassen sie belauschen, vor allem die Volksfiömmigkeit verstehen. 
Damit geben sie das Verständnis für die breite Grundlage aller geschichtlichen 
Entwicklung, sie fuhren in die Tiefe zu deren Wurzeln. So fördert ihr Studium 
das kulturgeschichtliche Verständnis im weitesten Umfange und im höchsten 
Sinne und dient damit einer Betrachtung der geschichtlichen Entwicklung» die 
unserer Zeit ebenso nahe liegt, als sie vielfach noch, auch in der theologischen 
Literatur, viel zu kurz kommt. 

Auf die Herstellung der bildlichen Beigaben wird grosse Sorgfalt ver- 
wendet werden. 

Die „Studien über christlicheDenkmälcr" erscheinen in swang- 
losen Heften und zwar sollen jährlich zwei bis drei Hefte zur Ausgabe gelangen. 

Unter der Presse: 

Heft 9: AiifersteliaDg und Uimmelfalirt Christi auf den frtthchristliebeH 
Denkmälern von Otto Schön ewolf. 

In Yorbereltana: : 

Heft 7 u. 8: Kleinasiatische Denkmäler. Historisch -systematischer Teil. 

Von Dr. Karl Michel. 

Heft 10: Frfilichristliehe Bildzyklen. Von Johannes Bei 1. 

Heft 1 1 : Die St. Michaeliskirche in Hamburg. Von W a 1 1 e r H. D a m m a n n . 



Druck von Ot. Kroyeing in Leipsig. 



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